• #1

Zeichensetzung und Persönlichkeit

Hallo zusammen,

es würde mich interessieren, ob jemand schon Erfahrungen / Gedanken darüber gemacht, ob es eine Korrelation zwischen Schreibstil und Persönlichkeit gibt bzw. ob man bestimmte Persönlichkeitseigenschaften vom Schreibstil (fehlende Zeichensetzung vor allem) ableiten kann.
Mit mir hat ein Mann Kontakt aufgenommen, der Zeichensetzung vollständig auslässt, es unterscheidet sich dadurch auch von den meisten Kontakten, die keinen Wert auf Groß-/Kleinschreibung legen.

Was für Erfahrungen haben Sie damit gemacht? Kann man dadurch die Persönlichkeit entschlüsseln?

Vielen Dank für Kommentare im Voraus
w
 
  • #2
Auf die Persönlichkeit lassen sich wohl weniger Rückschlüsse ziehen, sondern viel mehr auf den Bildungsgrad und u.a. auch auf den "Respekt", den dein Schreibpartner dir entgegenbringt - oder eben nicht.
 
E

EarlyWinter

  • #3
Ich achte sehr genau auf den Schreibstil, Wortwahl und den Ton des Geschriebenen und bin damit bis jetzt gut gefahren insofern, als dass ich nicht das Pech hatte, mich mit irgendeinem "komischen Kautz" zu treffen. Mein Eindruck hat sich jedes Mal bestätigt und ich hatte zwei schöne Dates, auch wenn das Ganze nicht weiter verfolgt wurde. Die paar Male, wenn ich entgegen meinem sonstigen Vorgehen trotzdem geantwortet habe (man will ja nicht Vorurteile haben, blah, blah...), wurden im weiteren Kontakt meine Annahmen jedes Mal bestätigt.
Wenn sich jemand schon im Vorfeld keine Mühe gibt, das kann im Späteren Miteinander ja nur schlimmer werden. Wie ist der Ton seiner Nachrichten sonst (um es jetzt nicht nur an der Zeichensetzung festzumachen)?
Ich frage mich immer ernsthaft, was Menschen eigentlich von ihrem Gegenüber für eine Reaktion erwarten wenn sie selbst total gleichgültig auftreten und sich kein bisschen Mühe geben. Dann kann man es gleich sein lassen.
Manche versenden einfach diesen Standard-Gruß von EP, ohne auch nur ein einziges persönliches Wort, nicht mal die Grußformel, kein Vorname und auch kein Foto. Oder offensichtliche Copy/Paste Nachrichten. Oder einfach eine Nachricht mit dem Wortlaut "Schaltest Du mir Dein Foto frei?", ohne Anrede, ohne Gruß, ohne "Bitte" oder "Danke", nichts.
Und die "Kollegen" beschweren sich dann, dass nur Standard-Absagen kommen oder gar keine Antwort. Das ist auch nicht mit schlechten Erfahrungen zu erklären, niemand anderer kann etwas für das schlechte Benehmen von Vorgängern. Die Art, wie man schreibt, ist die Visitenkarte, denn etwas anderes hat das Gegenüber nicht. So schön kann das Foto gar nicht sein, dass mich der Mensch in irgendeiner Form weiter interessieren würde.
 
W

wahlmünchner

  • #4
da ich überwiegend vom Handy aus tippe und ständig gegen Autokorrektur kämpfe, ist bei mir die Groß- und Kleinschreibung regelmäßig im Text falsch. Mir ist es dann zu aufwendig, immer wieder einzelne Worte zu löschen, nur um sie dann eben richtig groß oder klein zuschreiben.
Ich denke schon, das man auf die Persönlichkeit schliessen kann. Ich rede gerne und viel--> schreibe gerne und viel
Mache Leichtsinnsfehler und Tippfehler--> bin auch sonst nicht akribisch
Meine Chefin liebt es überall Ausrufezeichen, am besten gleich 3-5 hinzusetzen. Sie kommt auch im Gespräch oft übertrieben resolut und bestimmend rüber.
Ansonsten ist eher die Benutzung verschiedener Worte, die Art der Argumentation aufschlussreich. Denn sowohl wer schreibt, als auch wer gerade redet, denkt dabei.
Wenn du manchen Gesprächen weder lesend noch hörend folgen magst, dann kannst du davon ausgehen, das dir die Art zu denken deines Gegenübers nicht liegt.
 
  • #5
Auf die Persönlichkeit lassen sich wohl weniger Rückschlüsse ziehen, sondern viel mehr auf den Bildungsgrad und u.a. auch auf den "Respekt", den dein Schreibpartner dir entgegenbringt - oder eben nicht.
Respekt ist schon ein guter Punk. Bildungsgrad ist dagegen schon relativer. Ich würde noch nicht mal Bildungsgrad mit der Art des Schulabschlusses in Verbindung bringen.

Ich sage ja nichts dagegen, wenn man sich hier und da das Leben mal einfacher macht. Aber wenn man es noch nicht mal nötig hat, in einer Kontaktbörse vernünftig Energie in Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung zu stecken (was jetzt auch kein Mörderaufwand ist), dann lässt das schon tief blicken. Wir sind ja nicht bei einem banalen Einkaufszettel. Wer noch nicht mal in den richtigen Momenten popeligen Aufwand betreiben will, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit faul, und mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit wird diese Person auch bei anderen Dingen respektlos bzw. nicht empathisch genug reagieren.
 
A

Ars_Vivendi

  • #6
Für mich ist auch Respekt bzw. Wertschätzung der entscheidende Punkt. Wenn eine Frau sich nicht mal die Mühe macht, Großbuchstaben und Satzzeichen zu verwenden, bin ich nicht interessiert.

Der Bildungsgrad ist sicher tendenziell aus Rechtschreibung und auch Stil des Textes erkennbar. Von "Elite"-Partnerinnen (Nicht-Muttersprachlerinnen ausgenommen) erwarte ich entsprechendes sprachliches Ausdrucksvermögen. Ich denke auch, dass Bildungsgrad und Sprachvermögen weitgehend korrelieren. Im Einzelfall mag das anders sein, aber grundsätzlich kann sich die Ärztin sicher besser und korrekter ausdrücken als die Fleischereifachverkäuferin. Ich kenne aber auch einen promovierten Ingenieur, der Legastheniker ist, und reichlich Studenten, für die Deutsch die erste Fremdsprache ist.

Profile, in denen keine ganzen Sätze stehen oder die voll sind von Fehlern fallen bei mir aus der Auswahl.
 
  • #7
Man will einen guten Eindruck machen, um zum Erfolg zu kommen.
Neben Kleidung, Körperpflege etc. gehört auch ein gepflegter Schreibstil dazu.
Im Alltag und unter Kumpels/Freundinnen kommt es dagegen nicht so genau darauf an. Aber auch dort sollte man ein Minimum an Niveau pflegen. Und Einem persönlich unangenehm sein, dieses Minimum zu unterschreiten.
Das spontane tippen und senden per Handy/Smartphone/Phablet - gehört inzwischen auch zu unserem Leben. Aber auch dort kann man einen (halbwegs) gepflegten Schreibstil haben, (und nur wenige Fehler), um nicht peinlich zu wirken. ggf. hilft eine Bluetooth- oder USB-Tastatur.
Wenn bereits im Profiltext mehrere Fehler, scheint das auf wenig Bildung zu schließen. Kurze Antworten per Mail, (1-2 Sätze) ggf. auch mit Fehlern, scheinen auf wenig Interesse zu schließen. Bei längeren Mails bin ich nachsichtig.
 
G

Gast

  • #8
Der Kontext ist entscheidend. Jedenfalls in einem gewissen Rahmen. Bei Whatsapp schreibe ich meist sehr kurze Nachrichten. Groß- und Kleinschreibung spare ich mir hier sehr häufig.

Geht es allerdings um einen Austausch via Email - vor allem bei einer etwas gehaltvolleren Diskussion - achte ich sehr auf meinen Schreibstil.

Was keinen guten Eindruck hinterlässt, sind gewaltige Textblöcke, also wirklich gar keine Absätze. Man muss kein Poet sein, aber die Gedanken sollten plausibel und einigermaßen flüssig/bzw. angenehm nachvollziehbar sein.

Schreibt jmd. extrem umgangssprachlich, hinterlässt das ebenfalls keinen besonders guten Eindruck. Jedenfalls nicht, wenn sich dieser Stil durch alle Formen der Kommunikation zieht, egal wie ernst oder enthusiastisch kommuniziert/diskutiert wird. So, als ob dieser Mensch weder besonders gerne liest noch sehr häufig etwas komplexere Sachverhalte erörtern musste.

Antworte ich sehr emotional sowie ausführlich auf die Frage einer gerade kennengelernten Frau, warum mir z.B. die Auslandssemester in der Karibik so gut gefallen haben und sie reagiert mit einer monströsen Textwand, falscher Grammatik und sehr umgangssprachlichen Formulierungen, dann wirkt das einfach wenig attraktiv.

Selbst die seichteste Unterhaltungsliteratur vermittelt irgendwann automatisch einen gewissen Wortschatz und erlaubt eine wohlklingende Schriftsprache.

So herablassend das auch klingt, wenn ich ehrlich bin, denke ich dann jedes Mal 'Besonders schlau wirkst du nicht.'

Diese Einschätzung kann durchaus täuschen. Es gibt sehr fähige/intelligente Menschen, die einfach nicht sehr gut schreiben können/wollen. Dennoch entsteht dieser wenig attraktive Eindruck.

Gleichzeitig wirkt ein sehr förmlicher Stil in einem freundschaftlichen/lockeren Kontext teilweise sehr hölzern bzw. unkalibriert. So als ob dieser Mensch unbedingt beeindrucken möchte.
 
  • #9
Ich bin an sich auch der Meinung, dass man richtig schreiben sollte, weil das ja der erste Eindruck ist, den man dem potentiellen Partner vermittelt. Allerdings ist mir mal bei einer Freundin etwas passiert, was mich ein wenig hat umdenken lassen. Sie schreibt furchtbare SMS, ohne Satzzeichen, total nervig. Als ich dann aber mal eine offizielle Nachricht von ihr gelesen habe, war ich quasi überwältigt von ihrer Formulierungsgabe und vollkommener Korrektheit der Sprache. Dass jemand etwas "lässig" schreibt, weil er vielleicht nicht gut mit der Handytastatur etc. zurecht kommt, heißt noch lange nicht, dass er es nicht auch anders kann.
Insgesamt denke ich aber schon, dass an darauf Wert legen sollte...
 
  • #10
Mir liegt Zeichensetzung nicht sonderlich, dennoch habe ich in meinem Beruf Karriere gemacht, auch mit dieser Schwäche, bzw. es war mir wohl nie so wichtig.

Mathe war mir auch nie wichtig, weil ich wusste, ich brauche es im Leben nicht, somit war ich in diesem Fach grottenschlecht.

Ich finde nicht dass der Schreibstil die Person -dahinter- erahnen lässt.

Ich hatte mal ein Date mit einem Mann, der einen ausgezeichneten Schreibstil aufweisen konnte, er war unscheinbar, klein und Vollbartträger, selbst wenn er der zukünftige Bundespräsident von Deutschland gewesen wäre, für mich war er ein NOGO.
 
  • #11
Ich habe in deinem Beitrag mindestens vier Fehler entdeckt, zum Beispiel ausgelassene oder falsche Wörter, fehlende Kommata usw. Welche Rückschlüsse lässt das auf deinen Charakter zu?

Ansonsten würde ich unterscheiden zwischen "nicht können" und "nicht wollen". Letzteres ist ein Zeichen mangelnden Respekts, ersteres ein Zeichen mangelnden Sprachgefühls. Flüchtigkeitsfehler sollte man ignorieren.
 
  • #12
Sehr geehrter Hugo!

Herzlichen Dank für das Komplement! Nur vier Fehler! Wobei Deutsch eine Fremdsprache für mich, die ich erst vor ein paar Jahren (im Ausland) zu lernen angefangen habe.

Alles Gute