• #1

Wieso vermisst man manche Menschen und manche nicht so?

Ich habe mal eine Frage: Angenommen ihr habt im Leben schon mehrere Freunde/Beziehungen verloren und keinen Kontakt mehr zu Person. Woran liegt es, dass man manche Personen mehr vermisst und manche eigentlich nicht so sehr, obwohl man sie zb genauso lang kannte? Ja ich weiß, es liegt daran wie sehr man die Person mochte oder was am Ende passiert ist. Aber mal psychologisch gesehen, vermisst man manche Personen mehr mit denen man mehr glückliche Momente hatte? Oder an was liegt es genau? An welchen Situationen oder Eigenschaften? Versteht ihr was ich meine? Ich vermisse zb eine beste Freundin von mir so besonders sehr und die anderen nicht obwohl ich alle gleich mochte... woran liegt das?
 
  • #2
Aber mal psychologisch gesehen, vermisst man manche Personen mehr mit denen man mehr glückliche Momente hatte? Oder an was liegt es genau?
Bei Freunden vermisse ich das, was mit ihnen besonders gut passte. Insbesondere, wenn man ungefiltert über alles reden konnte. Oder wenn man auch Witze reißen konnte, die andere nicht verstehen können, entweder, weil derjenige ein "Insider" ist mit mir, weil uns das gleiche Fachgebiet, die gleiche Familiengeschichte, die gleiche Liebeskummergeschichte sehr verbunden haben. Oder weil man eben über Dinge geredet hat, die andere nicht wissen und durch die man sich verbunden fühlte, wie eben wieder diese Liebeskummerthemen oder Familiendinge.
Ich vermisse am meisten Leute, mit denen ich gut kommunizieren konnte, wenn sie dann nicht mehr da sind.
Wenn man ein gemeinsames Interessengebiet hat und es mit Leidenschaft verfolgt, verbindet das auch sehr. Man gibt sich ne Menge, das man von anderen Leuten nicht bekommt.
Und natürlich muss der Mensch ... ich sag mal "verlässlich sein" in seinen Verhaltensweisen. Launische Leute, die plötzlich wen suchen, an dem sie was auslassen können, stellen durch ihre Art schnell Abstand her, zumindest zu mir.
 
  • #3
Woran liegt es, dass man manche Personen mehr vermisst und manche eigentlich nicht so sehr, obwohl man sie zb genauso lang kannte?
Das hat mit der Länge der Zeit, wie lange man sie kannte, nichts zu tun!
Ja ich weiß, es liegt daran wie sehr man die Person mochte oder was am Ende passiert ist. Aber mal psychologisch gesehen, vermisst man manche Personen mehr mit denen man mehr glückliche Momente hatte? Oder an was liegt es genau? An welchen Situationen oder Eigenschaften? Versteht ihr was ich meine? Ich vermisse zb eine beste Freundin von mir so besonders sehr und die anderen nicht obwohl ich alle gleich mochte... woran liegt das?
Es ist die innere emotionale und tiefe Verbundenheit die nicht ersetzt werden kann, es ist dann diese sogenannte Leere die das Vermissen auslöst! Das hat mit mögen nix zu tun, wenn du andere Leute magst und du sie nicht vermisst, dann war die innere, emotionale Verbundenheit eben nicht so stark zu diesen Leuten!
 
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  • #4
Das ist eine interessante Frage, liebe @jamielena . Zu den beiden Männern mit denen ich die meiste Zeit meines Lebens verbracht hatte, das war zum einen mein damaliger Ehemann und Vater meines Sohnes, wir waren 17 Jahre verheiratet, und dann die Fernbeziehung Freiburg/Berlin, 9 Jahre, habe ich null Kontakt mehr. Und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich beide etwa gleich stark nicht mehr vermisse. Die Zeit meiner Ehe war nicht besonders glücklich, ich war erst glücklich, als wir endlich geschieden waren. Muss man sich mal vorstellen. Ich hatte meinen kleinen Sohn und wir beide waren glücklich und schwelgen in Erinnerungen, aber aus der Zeit nach der Scheidung.
Und der andere, das war Uwe aus Freiburg, diese Zeit war insgesamt positiver, glücklicher aber ich vermisse ihn auch nicht mehr, null.
Ich kann Dir nicht sagen, warum das so ist. Vielleicht ist das auch das unschöne Ende, welches eine Rolle spielt. Beide Male wurde ich richtig doof hintergangen und das mit Uwe habe ich dann beendet. Hatte allerdings großen LIebeskummer, nicht zu lang, gerade richtig und dann war es gut. Dadurch bin ich übrigens auch hierher gekommen.🙂
Was ich aber von mir sagen kann ist, dass ich immer vollkommen weg bin für diese Männer. Da gibt es kein Zurück mehr, keinen Kontakt, aus, Ende. Ich krame auch nicht gerne in Erinnerungen.

Ich habe einige wenige Freundinnen über einen sehr langen Zeitraum, auch zwei Kolleginnen sind darunter, wir bleiben uns treu. Das ist schön und vollkommen ohne Stress, weil wir über alles reden können.
 
  • #5
Liebe FS,

da spielt m.W. die Neurobiologie eine entscheidende Rolle, denn unsere Gehirn besteht aus verschiedenen großen Bereichen (Stammhirn, limbisches System, Neocortex), die für verschiedene Aspekte unseres Lebens verantwortlich sind aber alle einen Einfluss auf unsere Gefühle haben und beim Vermissen geht es primär um ein Gefühl. Wir überlegen nicht, wen vermisse ich denn heute und wie stark, sondern wir fühlen und empfinden es in gewissen Situationen. Ob wir jemand vermissen und wie stark hängt davon ab wie emotional stark die Beziehung zu dieser Person noch als Bindung in unserem Gehirn verankert ist und wie oft wir heute in Situationen kommen, die diese gespeicherte Bindung reaktivieren/erinnern und damit das Gefühl auslösen das uns diese Bindung fehlt. Die Extremform sind Flashbacks bei Menschen, die unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden.
Wie gut eine Bindung zu einem Menschen erhalten bleibt hängt von der Häufigkeit der gemeinsam erlebten Ereignisse ab aber noch viel mehr von der Intensität der Ereignisse. Vielleicht hast Du mit der Freundin, die besonders vermisst, ein oder mehrere emotional besonders intensive Erlebnisse (positiv oder negativ) gehabt und deswegen ist diese Bindung besonders tief und fest abgespeichert und auch mit stärkeren Emotionen verbunden. Eine weitere Möglichkeit ist, dass Du öfter an Orten bist, an denen Du mit dieser Freundin oft warst oder besonders intensive Dinge erlebt hast, z.B. ein Cafe in das Du noch immer gehst oder ein Badesee oder ...
Wenn Dich das Thema der Aufnahme und Verarbeitung von Informationen und Erlebtem interessiert, dann schau doch mal in das Buch 'Bildung braucht Persönlichkeit - Wie Lernen gelingt' von Gerhard Roth. Der Autor ist Neurobiologe und beschreibt anschaulich und gut verständlich wie unser Gehirn aufgebaut ist, wie es funktioniert und wie das Lernen, also die Aufnahme von Informationen, abläuft und welche (emotionalen) Bedingungen erfüllt sein müssen, damit das Gelernte auch langfristig gespeichert wird.

Ein weiteres interessantes Buch, das Dir vielleicht noch ein paar Einsichten gibt ist 'Verkörperter Schrecken: Traumaspuren in Gehirn, Geist und Körper' (engl. Original 'The Body Keeps the Score') von Bessel van der Kolk. Das Buch beschäftigt sich mit der Neurobiologie des Gehirns unter dem Gesichtspunkt von Schock- und Entwicklungstrauma, nicht immer eine ganz leichte Kost, aber sehr interessant wenn man verstehen will wie unser Gehirn und damit auch wir funktionieren und wie die verschiedenen Gehirnbereiche interagieren.

Letztendlich hat das Vermissen m.E. sehr viel damit zu tun, denn wir lernen implizit viel über einen Menschen und dieses Wissen verbindet sich mit Gefühlen. Wenn der Mensch dann weg ist, stellt sich die Frage wie viel von diesen Gefühlen und dem Wissen bleicht wie lange erhalten und kann wie leicht abgerufen werden.
 
  • #6
Sehr schöne Frage. Es gibt immer wieder Menschen die durch ihre eigene unverfälschte Art einen Eindruck hinterlassen, ob das nun eine Frau oder ein Mann gewesen ist. Im beruflichen sowie auch im privaten Bereich. Von den negativen bleiben mir auch einige im Gedächtnis.
In der Liebe, wo ich immer sehr wählerisch war/bin, haben zwei Männer einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich denke immer noch mit liebevollen Gedanken an sie zurück und hoffe sie tun es auch. Es war unkompliziert, ohne jeglichen Kontrollen von meiner Seite, oder vom Gegenüber. Ebenso hatte ich den Freiraum den ich brauchte. Klugheit und Intelligenz und auch gutes Aussehen rundeten das Paket ab. Es war eine sehr schöne Zeit. Der Mensch erinnert sich immer an die schönen und auch an die schlechten Zeiten die man mit anderen geteilt hat, manches möchte man nochmal erleben und von schlechten Zeiten nur das erlernte schnell verdauen können.
 
  • #7
Das ist eine gute Frage und ich habe absolut keine Ahnung warum es so ist? Es gibt also nur Überlegungen:
1- Es ist vielleicht eine Sehnsucht nach jener Zeit, wo alles stimmte. Ein Beispiel aus meinem Leben war der letzte Sommer bevor ich von zuhause wegging. Ich hatte sehr viel Zeit und habe den ganzen Tag „Krieg und Frieden“ gelesen. Ich war noch nicht erwachsen aber Kind war ich auch nicht und so war ich sorgenfrei und einfach vollkommen glücklich und erfüllt. Ich vermisse dieses Gefühl sehr oft. Ich weiß, dass es nie wieder zurückkommt und vielleicht gerade deswegen ist ein Vermissen auf diese vergangene Zeit.

2- Es gibt auch schwierige Situationen, wo man sich durch eine Begegnung mit einem anderen Menschen verstanden und geborgen gefühlt hat und dadurch neue Kraft geschöpft hat. Auch solche Menschen vergisst man nie und blickt gerne zurück, wo man plötzlich einfach voller Energie und Tatendrang war und „Towanda“ 😀rufen konnte. Auch hierzu kann ich eine Geschichte aus meinem Leben erzählen, aber ich lasse es einfach. Jedenfalls vermisse ich diesen Menschen auch sehr oft in meinem Leben und ich stimme der Erklärung von IM zu.
 
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  • #8
Es hängt wohl damit zusammen, was einen ausser Sympathie noch verbunden hat.
Es gibt Menschen, die man zwar nicht vermisst, weil die Sympathie so ziemlich komplett fehlte, die aber dennoch präsent sind, weil sie entweder gute Gegner / Feinde waren oder gute Lehrmeister. Respekt und Achtung - würde ich sagen - spielen auch eine Rolle.
Gemeinsame Freude - auch das dürfte ein Faktor sein. Ein enger Zusammenhalt ein weiterer.

Und bei manchen Menschen freut man sich, dass man sie nicht mehr sehen muss. Man vermisst sie nicht und sieht als Vorteil der derzeitigen Lage, dass man mit so manchem Menschen einfach nichts mehr zu tun hat.
 
  • #9
Vielleicht vermisst man gar nicht so sehr den Menschen selbst, sondern etwas, das er einem geben konnte und das einem jetzt gerade oder allgemein (momentan) im Leben fehlt, daher die Assoziation. Vielleich konnte die Freundin dir etwas geben (besondere Gespräche/Gesten/Gefühle/Erfahrungen), das dir nun fehlt.

Ich werde z.B. immer etwas melancholisch, wenn ich wie dieses und das vorletzte Jahr Silvester ganz alleine verbringe, dann denke ich an die "unbeschwerten, glücklichen Tage meiner Kindheit" zurück, als wir es immer als heiteres Familienfest mit Fondue, Pfannkuchen, Musik, Dinner for One und Kartenspielen gefeiert haben und viele noch lebten, die dann auf grotesk-dramatische Art zu Tode kamen, z.B. meine Tante. Normalerweise vermisse ich sie nicht aktiv, aber wenn ich an Silvester alleine bin, denke ich daran, wie wir früher Weihnachten/Silvester oft bei ihr und ihrem Mann gefeiert haben, es eine herzliche, warme Atmosphäre war und wir so viel Spaß zusammen hatten, was für ein lieber Mensch sie war.

Ich liebe mein Leben und bin glücklich. Dennoch: Wenn ich an Tagen, die früher ein Familienfest waren, alleine zu Hause bin, überkommt mich eine Traurigkeit und Sehnsucht, weil es sich für mich falsch anfühlt und ich dann daran erinnert werde, dass von meiner (dt.) Familie so gut wie keiner mehr übrig ist, nachdem sieben Jahre lang im Halbjahrestakt einer nach dem anderen umgekommen ist, zuletzt beinahe meine Schwester, die ihren Unfall nur knapp überlebt hat. Ich denke dann daran, dass ich bald ganz und gar alleine sein könnte, zwar mit Freunden, aber vollkommen ohne Familie, und das finde ich erschreckend. Es ist meine ich-zentrierte Sorge.

Ich würde also sagen, dass ich gar nicht unbedingt die konkrete Person so sehr vermisse, sondern eher das Gefühl, nicht alleine zu sein, also die Sicherheit und Geborgenheit, die es einem gibt, wenn man nicht alleine und ganz auf sich selbst gestellt ist.

Daher war ich dieses Jahr sehr traurig, als mein Partner kurz vor Silvester beruflich fort nach Casablanca musste und mich alleine zu Hause zurückgelassen hat. An Silvester selbst habe ich mich abgelenkt und intensiv an einem Vortrag gearbeitet, mich mit sumerischen kosmogonischen Erzählungen rund um Enki beschäftigt, aber zwei Tage davor hat mich allein der Gedanke, an Silvester wieder allein sein zu müssen, so traurig gemacht, dass mir schon beim Abschied von meinem Partner die Tränen gekommen sind, ich ihn also, selbst als er noch anwesend war, bitter "vermisst" habe. (er kennt den Hintergrund, nicht seine Schuld).

Eigentlich habe ich weder meine Tante noch ihn vermisst im Sinne von herbeigewünscht -- sie gehört zu einer bestimmten abgeschlossenen Lebensphase und er kommt ja wieder und ist ja im Prinzip "da", auch wenn gerade nicht physisch anwesend --, sondern es war eher ein Gemisch aus schönen Erinnerungen, sorgenvollen Gedanken an die Zukunft und der in der Gegenwart als unbefriedigend empfundenen Situation.
w26
 
  • #10
Wunderschönen guten Morgen,

klingt vielleicht brutal, aber ich vermisse keine einzige Person, die mir je begegnet ist. Allerhöchstens vermisse ich einen bestimmten Lebensabschnitt, in dem es mir gut ging. Das war aber nicht an bestimmte Personen gebunden bzw. waren die damit verbundenen Personen eine solche Enttäuschung, dass sie mir keinen Gedanken mehr wert sind. Von meinen Exen habe ich nicht einen je vermisst. Jeder ist ersetzbar und ich habe nicht lange getrauert, weil sie es nicht wert waren. Getrauert habe ich lediglich nach der Trennung vom Vater meiner Tochter. Heute weiß ich, dass er es am wenigsten wert war. Mein jetziger Partner ist zauberhaft, aber sollte es mal vorbei sein, werde ich daran bestimmt nicht zerbrechen und nach einer Trauerphase (je nach Anlass kürzer oder länger) ebenfalls keinen großen Gedanken mehr daran verschwenden. Auch er wäre ersetzbar und für ihn wäre es nicht anders. Ich habe noch keinen so außergewöhnlichen Menschen getroffen, dass er irgendeinen bleibenden Eindruck hinterlassen hat und ich ihn vermissen würde. Und ich würde auch meinen aktuellen Partner (wie es auch schon bei den Vorgängern der Fall war) nie vermissen, wenn er wg. Arbeit etc. nicht anwesend ist. Ich bin nicht (mehr) bedürftig. Ich brauche sehr viel Freiraum und genieße meine Zeit alleine in volen Zügen. Im Gegenteil. Das ist sogar immer die beste Zeit in einer Beziehung. Mit viel Glück fühle ich mich in dieser Zeit geborgen und habe trotzdem meine geliebte Freiheit! Leider fehlt mir das Geborgenheitsgefühl aber meistens, was aber in mir selbst begründet ist. Wegen mir selbst geliebt wurde ich noch nie und ich bin froh, dass mir das bewußt ist, da es mir viel Leid erspart. Daher kann ich auch leicht loslassen.
 
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  • #11
Ich glaube das hat was damit zu tun, ob etwas abgeschlossen ist, oder nicht. Bei fast allen Trennungen die ich hatte, war das Thema zu Zeitpunkt der Trennung durch, ich war froh, das die Männer weg waren und hab sie nicht eine einzige Sekunde vermisst.
Meine letzte Beziehung war jedoch so, das es zu einer Trennung kam und ich überhaupt nicht wusste, warum. Hatte Klärung versucht, aber trotzdem nicht verstanden.
Den Mann vermisse ich heute noch. Weil es irgendwo nicht so richtig zu Ende war. In meinen Augen jedenfalls. Genauso ist es, wenn jemand plötzlich verstirbt. Es ist nicht richtig zu Ende gebracht. Wie eine Fernsehserie , die plötzlich abgesetzt wird und man eigentlich davon überzeugt war, das die noch ewig weitergeht
 
  • #12
Ich glaube das hat was damit zu tun, ob etwas abgeschlossen ist, oder nicht. Bei fast allen Trennungen die ich hatte, war das Thema zu Zeitpunkt der Trennung durch, ich war froh, das die Männer weg waren
Kenne ich auch so von mir. Ich denke manchmal über die Männer nach, die mich verlassen haben bzw. bei denen ich keine Chance hatte, aber intensiven Kontakt. Ja, man könnte zum Teil von vermissen sprechen. Ich glaube, dass es viel mit Ablehnung zu tun hat bzw. die Vorstellung, diese eine Person ist eine Bereicherung und nur schwer zu ersetzen (gibt einen etwas, was andere nicht können/wollen). Bei Personen, wo der Kontakt eingeschlafen ist oder ich diesen Kontakt beendet habe, hat ja etwas für mich nicht gepasst, sonst hätte ich anders gehandelt. Bei Freundschaften ist es ähnlich.
 
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  • #13
Ob wir jemand vermissen und wie stark hängt davon ab wie emotional stark die Beziehung zu dieser Person noch als Bindung in unserem Gehirn verankert ist und wie oft wir heute in Situationen kommen, die diese gespeicherte Bindung reaktivieren/erinnern und damit das Gefühl auslösen das uns diese Bindung fehlt.
Das beschreibt es sehr gut :)
Es geht bei Beziehungen um die Intensität und nicht um die Dauer - quasi Qualität vor Quantität.

Ich selbst bin ein Mensch, der eher weniger zum Vermissen neigt. Allerdings gab es durchaus Menschen, die in mir dieses Gefühl ausgelöst haben. Und ich denke, dass es daran lag, weil mir diese Menschen „viel gegeben haben“ und eine Bereicherung für mein Leben waren.

Man hatte viel gemeinsam, war sich sehr ähnlich und doch an manchen Punkten unterschiedlich genug, um voneinander lernen zu können und sich gegenseitig zu ergänzen.

Diese Beziehungen haben mich immer sehr geprägt und irgendwie „ihre Spuren“ hinterlassen.
 
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  • #14
Ich habe auch den großen Unterschied in mir, wie weit ich mit der Person durch war.

Eine frühere Freundin zb habe wohl echt zu lange als solche bezeichnet.
Da war überraschend wie ich froh ich einfach nur war.
Auch mit Beziehungen wo ich mich vor der Trennung einfach schon entliebt habe

Anders bei einem Partner wo ich nur aufgegeben habe aber nicht entliebt war
 
  • #15
Wunderschönen guten Morgen,

klingt vielleicht brutal, aber ich vermisse keine einzige Person, die mir je begegnet ist. Allerhöchstens vermisse ich einen bestimmten Lebensabschnitt, in dem es mir gut ging. Das war aber nicht an bestimmte Personen gebunden bzw. waren die damit verbundenen Personen eine solche Enttäuschung, dass sie mir keinen Gedanken mehr wert sind. Von meinen Exen habe ich nicht einen je vermisst. Jeder ist ersetzbar und ich habe nicht lange getrauert, weil sie es nicht wert waren. Getrauert habe ich lediglich nach der Trennung vom Vater meiner Tochter. Heute weiß ich, dass er es am wenigsten wert war. Mein jetziger Partner ist zauberhaft, aber sollte es mal vorbei sein, werde ich daran bestimmt nicht zerbrechen und nach einer Trauerphase (je nach Anlass kürzer oder länger) ebenfalls keinen großen Gedanken mehr daran verschwenden. Auch er wäre ersetzbar und für ihn wäre es nicht anders. Ich habe noch keinen so außergewöhnlichen Menschen getroffen, dass er irgendeinen bleibenden Eindruck hinterlassen hat und ich ihn vermissen würde. Und ich würde auch meinen aktuellen Partner (wie es auch schon bei den Vorgängern der Fall war) nie vermissen, wenn er wg. Arbeit etc. nicht anwesend ist. Ich bin nicht (mehr) bedürftig. Ich brauche sehr viel Freiraum und genieße meine Zeit alleine in volen Zügen. Im Gegenteil. Das ist sogar immer die beste Zeit in einer Beziehung. Mit viel Glück fühle ich mich in dieser Zeit geborgen und habe trotzdem meine geliebte Freiheit! Leider fehlt mir das Geborgenheitsgefühl aber meistens, was aber in mir selbst begründet ist. Wegen mir selbst geliebt wurde ich noch nie und ich bin froh, dass mir das bewußt ist, da es mir viel Leid erspart. Daher kann ich auch leicht loslassen.

Ich schließe mich dem Empfinden an.

Vermissen tue ich auch keine einzige Person. An ein paar denke ich liebevoll zurück (e.g. Ersatzopa). Keiner der Exen war mir so viel wert, dass ich a) mit Sehnsucht an sie zurückdenken müsste b) sie zurück haben möchte. Ein gewisser Lebensabschnitt war vorbei und gut ist es. Wobei ich fast nach jeder Trennung einen starken Lebenskummer hatte. Aber als er durch war, war ich auch mit der damit verbundenen Person durch, ich wollte null Kontakt zu dieser Person haben.

Beeindruckt hat mich menschlich eigentlich nur mein Ersatzopa - mit arg viel Herzenswärme und mit null Eigennutz.

wahrscheinlich ist es egoistisch ? Oder asozial ? Oder zu distanziert? Oder zu eigenständig, unabhängig ?

Aber in meinem Fall hat es mit meinem Leben zu tun. Dieses war weit weg davon entfernt, geradlinig zu sein. Ich konnte keine Bindung zu keinem Menschen so richtig bilden. Es fehlte immer an der Tiefe der Gefühle oder der passenden Wellenlänge. Dann lernt man damit umzugehen und sich auf sich alleine zu verlassen. Ich finde diesen Zustand nicht erstrebenswert, auch wenn man dadurch innerlich freier wird. Aber es ist so, wie es ist.
 
  • #16
Wegen mir selbst geliebt wurde ich noch nie und ich bin froh, dass mir das bewußt ist, da es mir viel Leid erspart. Daher kann ich auch leicht loslassen.
Schade, ich möchte entweder voll in der echten und wahren Beziehungs-Liebe sein oder gar keine Beziehung haben! Wenn du das Gefühl hast, dass du wegen dir selbst nie geliebt worden bist, so finde ich das sehr traurig, das ist dann eine reine Kopf, Sach und Zweck WG. Ich entscheide mich immer für eine Herz- und Seelen- Erfüllung, in der Beziehung, die ausschließlich in der beidseitigen Liebe geführt wird! Bist du mal sehr enttäuscht und verletzt worden, innerhalb einer Liebesbeziehung und hast dann resigniert und kannst deshalb nicht mehr an die Liebe glauben? Willst aber nicht alleine sein und hast deshalb jemand um dich herum, eben um nicht alleine zu sein, das finde ich nicht schön, eher egoistisch, weil man dafür ausschließlich jemand gebraucht, hoffentlich weiß derjenige das!
 
  • #17
Wegen mir selbst geliebt wurde ich noch nie und ich bin froh, dass mir das bewußt ist, da es mir viel Leid erspart.

Das finde ich einen erschütternde Satz.
Ich weiß, dass ich geliebt werde, weil ich bin, wie ich bin... Meine Söhne, und genauso mein Partner.
Ich finde, genau in diesem Satz liegt viel Leid.
Ich liebe auch mich selbst,, und ich liebe - nicht zweckgebunden, sondern den betreffenden Menschen.

Vermissen, wenn eine Partnerschaft vorbei ist - das weniger. Es ist ja vorbei.
Eine Abschieds-/Trauerzeit, dann ist es abgeschlossen, wobei es
Ansonsten, Partnerschaften gab, wo es länger dauerte, und da vermisste ich den anderen auch.
Ich denke, es kommt darauf an, wie die Gefühle einerseits waren, und wie es andererseits zu Ende ging - entsprechend die Trauerphase und das Vermissen.

VVermissen tue ich auch heute noch, nach mehr als 30 Jahren, gelegentlich meinen Bruder.
Unsere Bindung war eng, und es wäre schön, wir hätten weiter miteinander unsere Wege gehen können.

Ich halte es normal, dass man Menschen, die einen etwas bedeuteten, vermisst, zumindest temporär, und je nach Grad der Gefühle, mal mehr, mal weniger.
Ein Mensch, der einen verletzt hat, wird man nicht vermissen.

Und zur Liebe gehört für mich, liebe Hasendompteurin, immer der Mensch, so wie sie /er ist - und das ich noch einlasse.
Als bedürftig empfinde ich es nicht, als bereichernd.
Ich finde es übergebe gegenüber Deinem jetzigen Freund für unfair, wenn Du ihm unterstellst, er liebe Dich nicht, so wie seist. Dann zeigst Du Dich ihm auch nicht. Schade.

Ggf. Komme ich mit Enttäuschung klar, dass ist dann so. Trotzdem möchte ich das nicht missen.

W, 51
 
  • #18
Wegen mir selbst geliebt wurde ich noch nie und ich bin froh, dass mir das bewußt ist, da es mir viel Leid erspart.
Du kennst mich und weisst, dass ich Arsen im Käsekuchen nicht schätze ..... dennoch knallhart:
Bist du dir sicher, dass deine Tochter das auch so sehen würde ?

Ich kann mich auch noch erinnern, dass du einen Thread zur Trauer um deine Mutter hattest. Ja, du hast sie vermisst - und willst das nicht zugeben.
Um wen man trauert, den vermisst man auch.
Ersetze vermissen durch "ab und zu in meinen Gedanken präsent" - und du wirst sehen: Auch auf deinem Lebensweg gab es ein paar wichtige Menschen.
 
  • #19
Ich vermisse nicht so wirklich bestimmte Personen. Also, nach einer Trennung habe ich zumindest den ersten Freund jahrelang noch irgendwie vermisst als jemand, dem ich immer alles mitgeteilt hatte, als meinen besten Freund, der er in der Beziehung ja war, trotz aller Probleme. Aber jetzt..? Mir geht es wie @Hasendompteur :) Ich denke auch manchmal (nicht so oft) an schöne Zeiten, z.B. kann ich gut @Lavieestbelle verstehen, mit dem Sommer, bevor man von zuhause weggegangen ist. Bei mir sind das die Sommer beim Hauptstudium, wo ich mit mir selbst und meinem Lebensweg im Reinen war, immer von Freunden umgeben, verliebt und so rundum glücklich, noch nicht mit den ganzen Probleme, die im Erwachsenenleben dann noch so kommen mit Beruf, sich um alles kümmern, alte Eltern usw. Aber da gehören zwar die damaligen Leute zu der Situation, aber ich vermisse nicht direkt sie (mit einigen habe ich ja auch noch Kontakt). Freundschaften, die zerbrochen sind, bei denen war es vorher oft ein langer Kampf, das doch noch hinzubekommen (eine Borderlinerin z.B.), so dass ich dann nach dem Cut immer froh war, diese Person nicht mehr in meinem Leben zu haben.
Ich habe in meinem Umfeld das Glück, noch nie einen Todesfall erlebt zu haben, der mir sehr nahe ging. Wenn jetzt z.B. meine Eltern versterben werden, dann werde ich sie ganz sicher vermissen, ihren Rat, diese Basis, dieses "wo ich herkomme".
w, 37
 
  • #20
Aus meinem Leben sind schon viele Menschen getreten und ich habe schon häufig Verlust erlebt. Darunter auch viele Todefälle im engen Familien- und Freundeskreis.
Ich denke an alle, die mich irgendwie beeinflusst haben noch gelegentlich mal mehr mal weniger.
Aber die Menschen, an die ich am meisten denke sind tatsächlich diejenigen mit denen noch offene Punkte und es nie eine Aussprache gab und alles in sich nicht abgeschlossen war. Die plötzlich nicht mehr da waren und es auch niemals mehr die Möglichkeit einer Aussprache geben wird.
 
  • #21
Wegen mir selbst geliebt wurde ich noch nie und ich bin froh, dass mir das bewußt ist, da es mir viel Leid erspart
Wenn man um seiner selbst wegen geliebt wird, tut der andere einem aber nicht so weh, wie Dir anscheinend die Männer in Deinem Leben weh getan haben. Jemand, der Dich liebt und den Du liebst, für den ist ja nie der andere der "Wirt", den er aussaugen kann und ihn dann wegschmeißt oder das Aussaugen so weit treibt, dass der "Wirt" ihn nur noch aus seinem Leben schmeißen kann.

Ich schließe nicht aus, dass manche Kinder ihre Eltern nicht lieben können, einfach so nicht, obwohl die Eltern die Kinder wirklich lieben. Aber eigentlich denke ich, dass man zumindest bei seinen Kindern die Chance hat, um seiner selbst willen geliebt zu werden. Ich würde sagen, dass die Voraussetzung dafür ist, dass man sein Kind um seiner selbst willen liebt, statt es bedürftig zu umklammern und zu benutzen.

Vielleicht liebt auch niemand einen anderen um seiner selbst willen. Aber das glaube ich nicht.

Dass einen das nicht umbringt, wenn ein Partner geht oder hintergeht, sollte natürlich so sein. Aber wenn zwei sich lieben, also so ist jedenfalls MEINE Erfahrung, dann merken auch beide, dass ihre Liebe nicht mehr lebbar ist, weil sie sich gegenseitig nicht mehr guttun. Soll heißen, man kann jemanden, den man sehr liebt, auch loslassen, wenn er gehen will. Und dann trauert man vielleicht sehr lange.

Was Du schreibst, klingt für mich so, als hättest Du Dich aus Angst vor Verletzungen verhärtet. Und auch so, als hättest Du Verlustangst, was hieße, lieber gar nicht erst richtig lieben, um den möglichen späteren Schmerz zu vermeiden. Du selbst gäbest dann schon nicht offen, frei und mit dem ganzen Herzen, sondern immer mit dem Hintergrund, die Gefühle nicht zu stark werden zu lassen, damit ein möglicher Verlust nicht so tiefe Wunden reißt.
Gibt auch Leute, die sich hier gleich einen Partner nehmen, den sie nicht so umwerfend finden, der aber sehr anhänglich zu sein scheint. Der bringt dann die ganzen Verbindlichkeitsgefühle in die Beziehung, während der andere in Sicherheit gebadet seine Freiheiten durchsetzt.
Getrauert habe ich lediglich nach der Trennung vom Vater meiner Tochter. Heute weiß ich, dass er es am wenigsten wert war.
WERTEN würde ich das nicht, auch wenn ich natürlich verstehe, was Du meinst. Aber ich würde sagen, man trauert wegen seiner selbst, wegen eigener Verlustgefühle, was Hoffnungen anging, also ist das dann auch nötig und man tut es nicht "FÜR den Mann". Bei mir folgte dann immer ein Erkenntnisprozess, also Mann und Trauer sind irgendwann im Kopf getrennt, ich will ihn nicht zurückhaben/nicht mehr haben als Partner, aber muss mich damit auseinandersetzen, was das ganze mir gebracht hat und wie es beim nächsten Mal besser laufen kann.
 
  • #22
Bei einem Menschen, den ich vermisse wenn er nicht da ist, habe das Gefühl, dass er ein ein kompetenter Partner für mich ist: er teilt meine Ideale, er sieht, was ich sehe, und führt mich darüber hinaus zu neuen Perspektiven. Ich schätze sein Urteil. Er ist meinesgleichen, mit ihm kann ich ausgelassen sein.
Es gibt auch andere Menschen, mit denen ich irgendwo auf einer gemeinsamen Ebene sein kann, aber auf diesen Ebenen bin ich nicht so ganz bei mir selbst. Diese Menschen mag ich, ich schätze ihre Eigenschaften, aber ich vermisse sie nie.
 
  • #23
Bei einem Menschen, den ich vermisse wenn er nicht da ist, habe das Gefühl, dass er ein ein kompetenter Partner für mich ist: er teilt meine Ideale, er sieht, was ich sehe, und führt mich darüber hinaus zu neuen Perspektiven. Ich schätze sein Urteil. Er ist meinesgleichen, mit ihm kann ich ausgelassen sein.
Es gibt auch andere Menschen, mit denen ich irgendwo auf einer gemeinsamen Ebene sein kann, aber auf diesen Ebenen bin ich nicht so ganz bei mir selbst. Diese Menschen mag ich, ich schätze ihre Eigenschaften, aber ich vermisse sie nie.
Hm, ich finde dass du „Vermissen“ mit „Verliebtheit“ verwechselst.
Du vermisst bestimmt auch weitere Menschen ohne dieses Gefühl der Verliebtheit oder?
 
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