• #1

Wieso gibt es heute kaum wahre Liebe auf Dauer?

Bitte Eure Meinungen:

1. warum scheint - Heute - wahre Liebe recht selten zu sein oder bleibt meistens "nur" auf einer Zeitperiode beschränkt?

Was sind die Gründe und Ursachen dafür?

2. Liegt das Problem der "Liebe" im Problem des "Geliebtwerdens" oder des Liebens begründet?

3. Was ist wichtiger: Geliebt werden? oder selber (aktiv) lieben?
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
G

Gast

Gast
  • #2
Tja, ich würde mal sagen dass es noch nie "wahre Liebe auf Dauer" gab.

Klar haben die Ehen vor 50 Jahren noch gehalten, aber damals gab es auch keine Alternative. Die Scheidung war moralisch unmöglich. Die Eheleute sind eben zusammengeblieben, auch wenn sie sich nicht ausstehen konnten. Die Männer haben oft Bordelle besucht oder Affären gehabt.
Ich habe ehrenamtlich im Altenheim mitgearbeitet und oft die Menschen dort nach ihrem Leben gefragt. Und die wenigsten waren mit ihren Partnern bis zu seinem Tod glücklich, im Gegenteil.

Die "Liebe" ist eben nunmal nicht das einzige was in einer Beziehung zählt. Das Leben ist nunmal nicht Disney und wird es auch nie sein.
 
G

Gast

Gast
  • #3
Ich glaube, du unterliegst da einem Denkfehler.
Wahre, echte Liebe gibt es sehr selten auf Dauer. Das ist heute ein Glücksfall und war es zu allen Zeiten. Nur glaubst du, dass es heute weniger dauerhafte Liebe gibt, weil sich heute die Menschen schneller wieder trennen. Wer sagt dir denn, dass die Dauer einer Beziehung etwas mit Liebe zu tun hat.
In der Generation meiner Eltern hat man sich nicht getrennt, es war für beide Teile ein gesellschaftliches NoGo und eine finanzielle Katasprophe. Aber deswegen haben sich die Leute nicht mehr geliebt als heute. Auch damals ist die Liebe (soweit überhaupt jemals vorhanden) meist nach wenigen Jahren eingeschlafen und ist einer Gewohnheitsbeziehung gewichen.

Zu deiner Frage nach Lieben oder geliebt werden: Beides, aber in einem ausgewogenem Verhältnis.
 
G

Gast

Gast
  • #4
Also ich glaube nicht dass sie seltener ist als früher oder kürzer!

Früher wurde geheiratet, weil besonders Frauen keine Wahl hatten. Für Männer war es wegen Sex, Haus -Reinigung, Stammhalter auch nötig.

Scheidungen konnten sich besondes Frauen nicht erlauben.

Das was Du für Liebe hältst ist bei den Leuten oft nur Gewohnheit.

Früher gingen die Menschen nicht viel seltener fremd als heute.

Gut heute haben wir theoretisch mehr Angebot als früher und wir sind schnellebiger geworden. Wir erwarten viel mehr vom Leben und auch vom Partner.
 
G

Gast

Gast
  • #5
"Wahre Liebe" war schon immer recht selten und dauerte auch früher nicht länger als heute, die Leute wurden halt nur weniger alt (und hatten weniger Möglichkeiten zu SMSen und facebookfreunde zu finden und ihre Zeit nutzlos und unentschieden zu verbringen). Kurz: man war von nicht allzu langer Zeit vielleicht auch etwas weniger "aufgeregt".
 
G

Gast

Gast
  • #6
Verursacher sind die 68er und in der Folge der überbordende Feminismus, der das Klima zwischen Männern und Frauen vergiftet hat.
 
G

Gast

Gast
  • #7
Erich Fromm schrieb vor vielen Jahren ein Buch, das in deutscher Übersetzung "Die Kunst des Liebens" heißt; darin finden sich viele Antworten auf Deine Fragen. Liebe kann eben nicht nur passiv genossen werden.

An einer andauernden Liebe müssen beide aktiv arbeiten und auch zulassen, geliebt zu werden. Meiner Ansicht nach sinkt in den letzten Jahren die Bereitschaft hierzu stark. Das ist sehr schade, denn gemeinsam durchstandene schlechte Zeiten führen stärker zusammen als das Mitnehmen der guten Momente. Viele Menschen unterschätzen hierbei ihr Potential.

M
 
G

Gast

Gast
  • #8
Die Liebe ist eine romantische Idee, die es so früher nicht gab. Damals gab es die Versorger-Ehe und die Ehe, die von der Herkunftsfamilie arrangiert wurde, um Besitztümer zusammen zu halten. Noch vor 50 Jahren konnten sich Frauen nicht ohne weiteres trennen, da sie finanziell meistens abhängig vom Ehemann waren.
Erst in neuerer Zeit sind Frauen unabhängig, verdienen meistens selbst Geld und müssen keine Kinder mehr bekommen. Die Individualisierungsgesellschaft bringt viele Freiheiten mit sich (wir können uns den Partner selbst aussuchen), aber auch Risiken (Einsamkeit im Alter).

Ich bevorzuge das moderne Modell und lebe lieber alleine oder in kurzen Abschnitten mit verschiedenen Partnern. Soziale Kontrolle und Abhängigkeit könnte ich nicht ertragen. Alleinsein finde ich nicht so schlimm, wie eine schlechte Beziehung. Als Einzelkind (noch so ein modernes Phänomen), habe ich es ohnehin schon früh gelernt, mich selbst zu beschäftigen und dabei großes Glück zu empfinden.

w
 
  • #9
Sie nennen es -Liebe-, aber meistens ist es m.E. nur Freizeitunterhaltung oder Egoismus.
Oder nur Verliebhteit, die sich aber nicht zur Liebe weiter entwickelt.

Bis dann solche Beziehungen an ihre Grenzen stoßen, weil es doch keine wahre Liebe ist.
Dann ggf. Trennung - und man sucht sich neue Opfer.

In der wahren Liebe ist Beides gleich wichtig: Lieben und geliebt werden. Sonst ist kein Gleichgewicht.
Wer immer nur liebt, aber zuwenig geliebt wird - wird ausgenutzt -> ergibt dessen Defizit in seinen Gefühlen.
Wer nur geliebt wird, aber zuwenig liebt - nutzt den Anderen aus.

Wie soll sich echte Liebe bilden können, wenn so viele Leute so oberflächlich sind ?
Und sich z.B. nur in das Aussehen, oder Einkommen des Anderen "verlieben".
Oder nur wegen dem Sex. Aber der wahre, echte Mensch nicht interessiert ?
 
G

Gast

Gast
  • #10
Ich glaube, das Problem ist nicht, ob die Liebe "wahr" oder "falsch" ist. Die meisten Menschen, die verliebt in eine Beziehung gehen, meinen diese Gefühle auch ernst und glauben sie sei, was du unter "wahr" verstehst. Das Problem heute ist die Zeitperiode. In unserer heutigen Gesellschaft haben sich die Wert von Beziehung und Familie geändert. Das "Sich-Finden" und die eigene Individualität stehen oft im Vordergrund, was zu einem gewissen Egoismus führt und woran sicherlich viele Beziehungen scheitern. Auch der Glaube, man könne ja noch was besseres finden, zerstört sicher viele Beziehungen und grenzt sie auf eine Zeitperiode ein.

Frage 2 und 3 sind nicht so einfach zu beantworten, da gibt es weder ein spezifisches Problem noch ist eines der beiden wichtiger. Keines funktioniert ohne das andere in einer Beziehung und dann sind diese Fragen sicher auch sehr individuell. In jeder Beziehung gibt es Phasen oder einen Partner, der den anderen mal mehr liebt, als er gerade geben kann und umgekehrt. In Extremfällen ist das natürlich das Ende der Beziehung. Wer will schon lieben ohne zurückgeliebt zu werden? Und von jemandem vergöttert zu werden für den man nichts empfindet, ist auch nicht viel besser...
w 28
 
G

Gast

Gast
  • #11
Weil Liebe zu geben oder zu bekommen sehr viel Attribute und Pflege fordert.
Dafür sind die meisten zwar theorethisch aber nicht praktisch in der Lage.


Die meisten Menschen glauben Liebe von einem anderen Menschen bekommt man Geschenkt.
Pustekuchen.!

Das Zusammenspiel zwischen nehmen und geben muss funktionieren. Nur gebende Liebe praktizieren nur noch Menschen die sehr demütig (wie z.B Mönche) sind.

Im Gegensatz zu diesen Werten und der Pflege stehen Unabhängigkeit, Freiheit, Gleicher werden, Egoismus, konsumorientiertes denken.

Die Verpackung steht heute leider in allen Bereichen im Vordergrund weil sich das Produkt dann besser verkauft ... Erst dann zählt der Inhalt.

m
 
G

Gast

Gast
  • #12
Ich glaube es liegt an der Zeit.
Wir sind schnelllebig geworden, oberflächlich und egoistisch, viele neigen zum Perfektionismus und Werte sind verloren gegangen, die früher bei unsern Großmüttern und Großvätern noch da waren, es gilt auch hier: höher, schneller, besser......

Auch diejenigen die einen Partner haben schauen sich immer noch um, sind offen für Neues und das Neue ist immer interessanter wie das Alte. Dazu kommt, dass viele schwere Enttäuschungen schon erlebt haben, und Gefühle nicht mehr haben möchten oder auch nicht bereit sind für eine Beziehung etwas Geben zu wollen. Aber eine Beziehung wird nur halten wenn es ein Geben und Nehmen gibt. Wenn Werte wie Toleranz, Respekt, zueinander stehen Offenheit und Ehrlichkeit gelebt werden würden, gäbe es mehr beständige Beziehungen.

Frauen und Männer leben heute eine sehr auf Sex und Befriedigung orientierte Lebensweise, und vielen ist es egal ob der Mensch gegenüber verheiratet oder in einer festen Beziehung ist, er wird sich "genommen" für Sex, wenn der gut ist dann kann man sehen.... aber was mit den Menschen in Ihrer Seele danach passiert ist den betreffenden egal. Ich bin eine Frau und sehe aber auch, dass Frauen heute genau wissen wie man einen Mann fängt und ich glaube, das hat die Natur so eingerichtet, dass bei einem Mann immer irgendwo der Punkt ist, wo bei ihm die Sicherung durchbrennt, und der Verstand aussetzt. (nicht negativ verstehen liebe Männer...)

Außerdem haben heute viele alles außer Spaß am Leben, vorallem die, die es zu etwas gebracht haben mit Ihrer Arbeit. Sie haben Geld, können sich alles kaufen, meist gesund (können sich die besten Ärzte kaufen und Präventionsmaßnahmen sich leisten), haben einen interessanten Job der Sie glücklich macht, sind Unabhängig und attraktiv (schöne Kleidung, gestylt da öfters Friseur, Fußpflege, Kosmetik, Chirurg. Eingriffe gegen Falten und Speck...) und jetzt fehlt nur der Spaß, weshalb ein Spielzeug her muss.

Doch eines haben diese Menschen vergessen, dass es nur 3 Dinge auf der Welt gibt, die man sich nicht! kaufen kann, und das sind die wirklich wichtigen und mit einem so wertvollen Geschenk wie der Liebe sollte man nicht spielen.
 
G

Gast

Gast
  • #13
1. warum scheint - Heute - wahre Liebe recht selten zu sein oder bleibt meistens "nur" auf einer Zeitperiode beschränkt?
Was lässt Sie glauben, dass das früher anders war? Ehen mögen dauerhafter gewesen sein, doch das bedeutet nicht, dass in ihnen auch Liebe herrschte. Meine Großeltern mütterlicherseits waren bis zum Tod meines Großvaters verheiratet. Sie hat ihn gehasst, das Haus war praktisch in verschiedene Zonen unterteilt, damit sie überhaupt unter einem Dach leben konnten. Meine Eltern sind immer noch verheiratet, von beidseitiger Liebe konnte man aber bereits in meinen Kindheitstagen nicht mehr sprechen. Das sind nur zwei Beispiele aus meinem nächsten Umfeld, aber ich könnte noch deutlich mehr Fälle aufzählen, in denen die Dauer der Beziehung die Dauer der Liebe erheblich überschritt. Es ist keine große Kunst, eine lange Beziehung zu führen, es genügt dafür, einfach nicht den Schritt der Trennung zu gehen. Aber es ist schwer, die Liebe über Jahre hinweg zu erhalten, heute wie damals.

Dass dies schwierig ist, halte ich für einleuchtend. Menschen sind komplexe Wesen und unter Liebe verstehe ich, dass man den Partner mit all seinen Eigenschaften akzeptiert und will. Das ist nicht einfach, und ich halte es bereits für erstaunlich, dass sich die Menschen überhaupt dermaßen oft ineinander verlieben. Und Menschen sind nicht statisch, sie entwickeln sich. Es besteht die hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie sich auseinander entwickeln und die Person, mit der man das Bett teilt, plötzlich nicht mehr die Person ist, die man geliebt hat. Oder dass man selbst nicht mehr jener geliebte Mensch ist und Eigenschaften entwickelt hat, die der Partner nicht mehr liebenswürdig finden kann. Oder dass man heraus findet, dass man einander zwar noch liebt, aber nicht mehr miteinander eine Beziehung führen kann. Denn Liebe alleine genügt leider nicht, wie ich selbst schmerzlich erfahren musste.

26, w
 
  • #14
1. warum scheint - Heute - wahre Liebe recht selten zu sein oder bleibt meistens "nur" auf einer Zeitperiode beschränkt?
Selektive Wahrnehmung- schliesslich lassen sich die Hälfte nicht scheiden. In meinem Umfeld ist Lebenslange Liebe (also ab dem Zeitpunkt wo man zusammen ist) eher die Regel denn die Ausnahme.

3. Was ist wichtiger: Geliebt werden? oder selber (aktiv) lieben?

BEIDES- und zwar in einer Balance. Lieben in denen einer weniger Liebe einbringt als der andere gehen zumeist schief.
 
G

Gast

Gast
  • #15
Wahre Liebe...
Das ist das alte Märchen der armen Leute, damit sie sich vor lauten Langeweile nicht aus dem Fenster stürzen.
Liebe kommt, Liebe geht, ein Leben lang hält sie niemals.
Sie weicht der Gewohnheit, der Abhängigkeit, der Angst vor dem Alleinsein und der Unfähigkeit, sein Leben selbst zu gestalten.
 
  • #16
Erich Fromm schrieb vor vielen Jahren ein Buch, das in deutscher Übersetzung "Die Kunst des Liebens" heißt; darin finden sich viele Antworten auf Deine Fragen. Liebe kann eben nicht nur passiv genossen werden.

An einer andauernden Liebe müssen beide aktiv arbeiten und auch zulassen, geliebt zu werden. Meiner Ansicht nach sinkt in den letzten Jahren die Bereitschaft hierzu stark. Das ist sehr schade, denn gemeinsam durchstandene schlechte Zeiten führen stärker zusammen als das Mitnehmen der guten Momente. Viele Menschen unterschätzen hierbei ihr Potential.

M

Ja ich weiß, ich habe meine Fragen auf ihn bezogen, weil er eben sagt, dass für die meisten das Problem des Geliebt werdens wichtiger ist, als das man selber aktiv liebt. Oder ich drücke es anders aus: Alle wollen geliebt werden, aber nicht alle werden geliebt. Warum: weil nicht alle lieben können und nur erwarte dass sie geliebt werden. (Ich liebe nur, wenn ich geliebt werde, ist ein introjeziertes Marktdenken, oder ein Tauschhandel und zeugt ja nur davon, wie entfremdet die Menschen sind (soll heißen: haben alles was ihnen menschlich eigen ist, verlassen)
 
  • #17
In der wahren Liebe ist Beides gleich wichtig: Lieben und geliebt werden. Sonst ist kein Gleichgewicht.
Wer immer nur liebt, aber zuwenig geliebt wird - wird ausgenutzt -> ergibt dessen Defizit in seinen Gefühlen.
Wer nur geliebt wird, aber zuwenig liebt - nutzt den Anderen aus.

Tut mir leid ich kann mich deinen Denken nicht anschließen, weil du die Liebe wie eine Wirtschaftliche Kosten Nutzen Rechnung betreibst Nutzen = Kosten / Aufwand

LIebe ist, wenn ich liebe aber dafür nichts zurückerwarte. Wenn man sagen kann "Ich werde geliebt weil ich liebe" wenn Du sagst "Ich liebe, weil ich geliebt werde", dann erwatest du für deine LIebe eine "Gegenleistung" und das ist schon ein Denkfehler dem viele verfallen sind, deswegen funktioniert liebe heute bei vielen Partnern nicht auf Dauer. Darüberhinaus, wenn wenn man nur einen Partner liebt und alle anderen Menschen nicht (dann ist das Einseimkeit zu zweit) (Fromm).
 
  • #18
Ich glaube, das Problem ist nicht, ob die Liebe "wahr" oder "falsch" ist. Die meisten Menschen, die verliebt in eine Beziehung gehen, meinen diese Gefühle auch ernst und glauben sie sei, was du unter "wahr" verstehst. Das Problem heute ist die Zeitperiode. In unserer heutigen Gesellschaft haben sich die Wert von Beziehung und Familie geändert. Das "Sich-Finden" und die eigene Individualität stehen oft im Vordergrund, was zu einem gewissen Egoismus führt und woran sicherlich viele Beziehungen scheitern. Auch der Glaube, man könne ja noch was besseres finden, zerstört sicher viele Beziehungen und grenzt sie auf eine Zeitperiode ein.

Frage 2 und 3 sind nicht so einfach zu beantworten, da gibt es weder ein spezifisches Problem noch ist eines der beiden wichtiger. Keines funktioniert ohne das andere in einer Beziehung und dann sind diese Fragen sicher auch sehr individuell. In jeder Beziehung gibt es Phasen oder einen Partner, der den anderen mal mehr liebt, als er gerade geben kann und umgekehrt. In Extremfällen ist das natürlich das Ende der Beziehung. Wer will schon lieben ohne zurückgeliebt zu werden? Und von jemandem vergöttert zu werden für den man nichts empfindet, ist auch nicht viel besser...
w 28

Fromm sagt, Liebe ist heute deswegen so sellten geworden, weil die Menschen a mit Geldverdienen, b mit Erfolg und ihrer Karriere beschäftigt sind!

"Mann kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Menschen gemeinhin mit falschen Maßstäben messen, Macht Erfolg, und Reichtum für sich anstreben, und bei anderen bewundern, die wahren Werte des Lebens aber unterschätzen" (Sigmund Freud, "Das Unbehagen in der Kultur")
 
  • #19
Wahre Liebe...
Das ist das alte Märchen der armen Leute, damit sie sich vor lauten Langeweile nicht aus dem Fenster stürzen.
Liebe kommt, Liebe geht, ein Leben lang hält sie niemals.
Sie weicht der Gewohnheit, der Abhängigkeit, der Angst vor dem Alleinsein und der Unfähigkeit, sein Leben selbst zu gestalten.

ich finde das ist eine sehr gute Antwort, weil der Wunsch nach einem Partner für immer ist doch nur der Wunsch der Liebe habhaft zu werden, wie ein Ding das man kauft und sich daran ergötzt.

Dass wir der Liebe habhaft werden wollen, liegt auch in der Sprache begründet: Liebe wird als Substantiv geschrieben (eine Sache, etwas erstarrtes, etwas physisches, etwas totes). Der Prozess des liebens ist aber ständig in Bewegung, und steht für Lebendigkeit. (vlg. E. Fromm)
 
G

Gast

Gast
  • #20
zur dauerhaften, intensiven Liebesfähigkeit gehören Demut und Nachsicht, sowie das Bewusstsein, dass man selbst auch immer Fehler macht.

Und das bei beiden Beteiligten.

Diese Eigenschaften passen so gar nicht in unsere Gesellschaft und deshalb klappt es auch mit der wahren, dauerhaften Liebe nicht gerade häufig.

Offenheit, Kompromissbereitschaft, und - ja, auch eine gewisse Spiritualität, begünstigen ebenfalls eine Liebe, die echt ist und dauerhaft.

w44
 
G

Gast

Gast
  • #21
Mein Tip an den TE:

Stell die Frage doch nochmal ...z.B. in einem Tanzclub in der Gruppe der Paare und Ehepaare mittleren Alters ...und nicht hier, bzw. in einem Kreis von Singles überwiegend mittleren Alters.
[...]
m43
 
G

Gast

Gast
  • #22
Also ich hab schon seit 25 jahren nen besten Kumpel mit dem bin ich schon durch dick und dünn gegangen. Zu Unizeiten haben wir sogar ewig zusammengewohnt. Klar gibts mal Zoff und Ärger aber das renkt sich auch wieder ein. Also wenn sowas geht, warum sollte Liebe dann nicht gehen ? Das ist doch auch nichts andere als nen richtig guter Kumpel, mit dem man durch dick und dünn gehen kann.

Wie ging der Spruch noch: in einer guten Beziehung gibt es genauso viele Probleme wie in einer schlechten, der Unterschied der guten ist nur, dort setzt sich der eine oder andere Partner immer wieder dafür ein, dass man die Probleme gemeinsam löst.

Also ich finde ihr seht das alles zu pessimistisch. Hatte übrigens auch schon eine 15 Jahre lange Beziehung. War nicht auf Dauer aber schon von ziemlich langer Dauer. Davon zwei im Leben und mir gehts gut. Was will ich denn noch mehr :)

Gruß
m
 
G

Gast

Gast
  • #24
Wenn man sagen kann "Ich werde geliebt weil ich liebe" wenn Du sagst "Ich liebe, weil ich geliebt werde", dann erwatest du für deine LIebe eine "Gegenleistung" und das ist schon ein Denkfehler dem viele verfallen sind, deswegen funktioniert liebe heute bei vielen Partnern nicht auf Dauer.

Hallo FS.

Dem Gedanken, dass Liebe "heute" irgendwie anders sei, schließe ich mich schon mal nicht an. Dass du auf Fromm verweist, zeigt ohnehin, dass in jeder Generation gejammert wird, dass es früher besser war. Fromm ist ja nunmal aus dem letzten Jahrhundert. Worauf möchtest du also dein "heute" beziehen. Auf alles ab 1900? Und was hast du für Vorstellungen, wie es davor war?

Abgesehen davon kann man aber auch unabhängig von der "früher war es besser Denkweise" auf die Frage des Liebens eingehen. Es ist natürlich beides wichtig, geliebt werden und lieben. Nur eines von beiden macht nicht glücklich. Inwiefern soll man sagen,was wichtiger ist?

In den meisten Fällen trennt sich die Person, die nicht mehr liebt, insofern ist für diese das aktive Lieben wichtiger. Die zurückbleibende Person hat dann von ihrer Liebe nichts mehr, für diese ist also das geliebt werden der entscheidende Punkt.

Allgemein ist deine Herangehensweise sehr theoretisch und gesellschaftlich. In Wahrheit ist es doch sehr individuell und näher am Gefühl, nicht so sehr an Begrifflichkeiten. Ich finde die Frage mit dem lieben oder geliebt werden dennoch interessant, weil ich es für mich ziemlich genau beantworten kann, und einen Widerspruch zu manchen anderen sehe:

Mir ist es vor allem wichtig, jemanden lieben zu können. Liebe von jemandem, den ich nicht liebe, bringt mir nichts. Kann ich mich schwer mit arrangieren. Außerdem glaube ich, dass ich bei Menschen, den ich sehr liebe, auch ein Gefühl hervorrufe. Bei anderen habe ich manchmal den Eindruck, es ist entgegengesetzt, dass sie vor allem jemand sicheren, liebenden an ihrer Seite brauchen, ich weiß es aber auch nicht genau.
 
  • #25
Meine Eltern sind seit 32 Jahren glücklich verheiratet und ja sie lieben sich immer noch!
Sie sagen aber, dass das nicht von alleine läuft, sondern man immer offen für den anderen bleiben muss und für Veränderungen, die die Zeit bringt.
Ich kann für die heutige Zeit nur sagen, dass ich feststelle, dass sich der Zeitgeist geändert hat:
Alle sind auf IHREN Spaß bedacht. Tauchen Schwierigkeiten auf, wird einfach ein leichterer, anderer Weg gewählt. Viele Unverbindlichkeiten, keine Verantwortung.
 
G

Gast

Gast
  • #26
Wahre Liebe...
Das ist das alte Märchen der armen Leute, damit sie sich vor lauten Langeweile nicht aus dem Fenster stürzen.
Liebe kommt, Liebe geht, ein Leben lang hält sie niemals.
Sie weicht der Gewohnheit, der Abhängigkeit, der Angst vor dem Alleinsein und der Unfähigkeit, sein Leben selbst zu gestalten.

Unglaublich, mit welch selbst gestrickten Vorurteilen hier offenkundig viele ihr eigenes (bisheriges und für die Zukunft augenscheinlich antizipiertes) Scheitern rationalisieren. Grob die Hälfte aller Ehen hält nicht - also tut es die andere Hälfte. Ist es schon eine verwegene Annahme, das seien ausnahmslos unglückliche Bequemlichkeitsbeziehungen.

Das einzig Zutreffende ist, dass sich Liebende auch gemeinsam die schlechten Tage durchstehen. Niemand hat jemals gesagt, dass eine Liebe nur Höhenflüge kennen würde.
 
G

Gast

Gast
  • #27
Fromm sagt, Liebe ist heute deswegen so sellten geworden, weil die Menschen a mit Geldverdienen, b mit Erfolg und ihrer Karriere beschäftigt sind!

"Mann kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Menschen gemeinhin mit falschen Maßstäben messen, Macht Erfolg, und Reichtum für sich anstreben, und bei anderen bewundern, die wahren Werte des Lebens aber unterschätzen" (Sigmund Freud, "Das Unbehagen in der Kultur")

Die Aussage von Fromm sehe ich genau anders herum. Aufgrund der mangelnden echten Liebe, versuchen sich die Menschen durch Karriere aufzuwerten.

Freud stimme ich zu. Wir versuchen unser mangelndes Selbstwertgefühl, die innere Leere und Defizite mit einem schönen äußeren Glanz zu übertünchen. Wenn man eine Top-Kariere hat, gut aussieht, teure Status-Symbole zur Schau stellen kann, so dient es dazu, das Selbstwert-Gefühl zu tunen, damit man NUN ENDLICH gut genug ist, um ENDLICH der wahren Liebe würdig zu sein.

Damit die heutigen, potentiellen Partner (Stellvertreter für Mami und Papi) nun endlich das verletzte Herz streicheln können – exklusiv und allumfassend. Wiedergutmachung der Vergangenheit.

Doch Pustekuchen. Funktioniert nicht.

Ist die Brille der Verliebtheit weg, erkennt man die MANGELNDE PERFEKTION (Ironie) des anderen.

„Oh Schreck, es war doch nicht der/die Richtige“. Also schnell auf zum/zur nächsten.

Doch warum WIEDERHOLT sich das immer? „Aha, es gibt wohl keine dauerhafte, wahre Liebe“

Bloß nicht bei sich selbst suchen. Könnte a) weh tun, b) desillusionierend sein, c) die eigenen neurologischen, synaptischen Verknüpfungen in Frage stellen. Das alles braucht man in der konsumorientierten Welt nicht und außerdem sind ja alle so. Also warum „aus der Reihe tanzen“, es anders machen? Das bringt nur Irritation.


Bleiben wir also lieber unglücklich, schieben die Schuld den anderen und den Umständen zu. Lieber der BEKANNTE, wenig befriedigende Status Quo, als der Mut erfordernde Weg ins UNBEKANNTE echte Glück.

W
 
G

Gast

Gast
  • #28
Unglaublich, mit welch selbst gestrickten Vorurteilen hier offenkundig viele ihr eigenes (bisheriges und für die Zukunft augenscheinlich antizipiertes) Scheitern rationalisieren. Grob die Hälfte aller Ehen hält nicht - also tut es die andere Hälfte. Ist es schon eine verwegene Annahme, das seien ausnahmslos unglückliche Bequemlichkeitsbeziehungen.

Das einzig Zutreffende ist, dass sich Liebende auch gemeinsam die schlechten Tage durchstehen. Niemand hat jemals gesagt, dass eine Liebe nur Höhenflüge kennen würde.

Also wer da Vorurteile hat, möchte ich mal dahingestellt lassen.

Du schreibst selbst, 50 % der Ehen werden geschieden. Aber es ist eben auch nicht so, dass die restlichen 50 % der Ehen dann wirklich gut sind und auf wahrer, dauerhaften Liebe aufgebaut sind.
Aus meiner eigenen Erfahrung in meinem engeren und weiteren Umfeld, kann ich doch sagen,dass von den 50 % der langjährigen Ehen (mehr als 25 Jahren) nur maximal 10 % wirklich noch auf Liebe gebaut sind. Der Rest ist Gewohnheit, Nebeneinanderherleben, Dulden.
Klar, es gibt auch Ehen, die gut laufen, aber eher wie 2 gute Freunde, nicht aber mit wahrer, dauerhafter Liebe.

Dieses freundschaftliches Zusammenleben war früher noch wesentlich häufiger als heute, denn zu Zeiten meiner Eltern und Großeltern wurden Ehen noch viel öfter aus rein rationalen Gründen geschlossen. Es wurde oft Freundschaft daraus, aber sehr, sehr selten echte Liebe.
 
  • #29
Wenn man sagen kann "Ich werde geliebt weil ich liebe" wenn Du sagst "Ich liebe, weil ich geliebt werde", dann erwartest du für deine LIebe eine "Gegenleistung" und das ist schon ein Denkfehler dem viele verfallen sind,
Ich bezeichne es nicht als "Gegenleistung" sondern als Reflektion der eigenen Liebe.

Wer liebt, der braucht i.d.R. eine Anerkennung und Reflektion seiner Liebe, z.B. geliebt zu werden.
Nicht jeder Mensch kann ohne diese Reflektion auskommen
(z.B. Mitarbeiter im Pflege-Bereich müssen ggf. ohne Reflektion auskommen)

Die Fortsetzung einer Liebe scheint sinnlos
- wenn man vom Empfänger seiner Liebe nicht geliebt wird
- wenn dem Empfänger egal ist, ob er (von ihm) geliebt wird
- oder der Empfänger abweisend oder gar agressiv auf die Liebe reagiert

Ausnahme: Wenn der Empfänger eingeschränkt ist. z.B. gesundheitlich, oder geistig behindert, etc.
Auch Stichworte: Autoagressives Verhalten. Oder das Tourette-Syndrom.

Die meisten Partnerinnen liebten mich aufrichtig. Aber Manche davon machten es mir immer schwerer, sie noch zu lieben. z.B. wegen ihren steigenden Bedingungen für die Beziehung.
Aber auch, weil ich bei der Partnerwahl zuviele Kompromisse einging.

Bei einer Frau wusste ich, daß sie nur mein Geld, meine Wohnung und meinen Sex "liebt"
Und sie verließ mich, als ihre Ansprüche höher wurden, als mein damaliges Einkommen.
Dort war es wirklich ein Verhältnis von Leistung und Gegenleistung. Und keine echte Liebe.
 
G

Gast

Gast
  • #30
nochmal #26
Die gesell. Veränderungen, Emanzipation o. Möglichkeiten des Internets sind nur OBERFLÄCHLICHE Gründe, die das WIRKLICHE PROBLEM nur deutlicher zutage treten lassen.

Ich sehe den Grund in der Dysfunktionalität der Psyche. Diese wird von Generation zu Generation weiter gegeben (durch Fehler in der Erziehung v. Kindern). Und dann später verbreitet sich die daraus resultierende Destruktivität über Verletzungen des Partners wie ein Schneeballsystem in der partnersuchenden Gruppe der Bevölkerung.

Die Lösung, diesen fatalen Transfer-Mechanismus zu durchbrechen, ist mE die ehrliche, mutige Selbstanalyse und schonungslose Des-Illusionierung. Ggf. in Kombination mit temporärem Rückzug aus der Partnersuche, um die persönlichen Entwicklungsschritte dauerhaft zu verankern.

Der Grund liegt in Verletzungen durch Bezugspersonen der Kindheit. Ein Kind ist völlig abhängig. Sind die Eltern nicht fähig, dem Kind ECHTE Liebe zu geben (und die wenigsten sind es, aufgrund eigener Verletzungen) oder weisen es zurück, wird das Kind frustriert in seinem Liebesbedürfnis. Da die Eltern Götter-gleich u. perfekt sind, sucht das Kind die Schuld bei sich. Es denkt, dass es nicht wertvoll genug ist, die volle Liebe der Eltern zu bekommen. Das Selbst-Wertgefühl wird beschädigt und das Kind versucht den Eltern alles recht zu machen, um die ersehnte Zuwendung zu bekommen. Wut auf die Eltern darf es in der kindlichen Wahrnehmung nicht geben, sie wird verdrängt. Dadurch entsteht aber eine Koppelung zwischen Liebe und (verdrängter) Wut.

Als Erwachsene suchen wir (unterbewußt) Partner, die zu unseren dysfunktionalen Mustern passen. Wir wiederholen in Endlos-Schleifen das „Leid“ der Kindheit, z.B. Zurückweisungen immer wieder zu erdulden oder Unfähigkeit, Nähe zuzulassen (da Angst, an die alten Wunden zu stoßen).

Und sind alle auf der EWIGEN SUCHE nach ECHTER, DAUERHAFTER Liebe. Und finden sie nicht. Weil wir an den falschen Stellen suchen.

Es wird unterbewußt nach „Wiedergutmachung“ in der Liebe gesucht, wir wollen „um unserer selbst willen“ geliebt werden. Die Enttäuschung ist groß, wenn die Illusion der ersten Verliebtheit nachläßt. Dann wird die Schuld beim anderen gesucht, in der heutigen Zeit o. in den Möglichkeiten d.Internet. Wird die Liebe-Wut-Kopplung aktiviert, kommt es z.B. zu Macht-Spielen und Zurschaustellung der eigenen Pseudo (!)-Unabhängigkeit.

Da diese Phänomene weit verbreitet sind, empfinde ich auch für mich die Partner-Suche als sehr schwierig. Bei den meisten Männern erkenne ich diese Muster. Und ich weiß, dass es keine Chance für eine gesunde Beziehung gibt, wenn ein Mann nicht aus EIGENER Initiative bewußt über diese Muster wird, die wie beziehungsstörende, psychische Defekte wirken. Egal wie abgehärtet jemand ist, wir alle suchen nach der wahren Liebe. Wir müssen aber tiefer blicken, wenn wir es erleben wollen, nicht nur die Schuld bei den anderen und den Umständen der heutigen Zeit suchen – sonst wird nie was besser.

W
 
Top