• #1

Wie würdet ihr euch verhalten?

Mein Mann und ich sind seit 4 Jahren zusammen und stehen uns vom ersten Tag so nah, wie es zwei Menschen nur können. Leider wurde unsere Beziehung nach kurzer Zeit von einem tragischen familiären Vorfall überschattet und manchmal auch dominiert. Eine ihm sehr nah stehende Person wurde sehr krank und wird nun leider nicht mehr lange bei uns sein. Ich tue seit den über 25 Monaten alles um für ihn da zu sein, auch wenn das nicht immer einfach ist. Er ist eigentlich ein sehr rationaler und dennoch liebevoller und romantischer Mensch, der mir wirklich die Welt zu Füßen legt. Ich liebe so sehr, dass wir über alles reden können. Nur wenn das Thema auf die Person kommt, dann wird es schwierig. Ich habe dafür natürlich vollstes Verständnis. Ich bin da, wenn er mich braucht ob zum reden oder schweigen oder Arm in Arm liegen und einfach nur da sein.
Es belastet mich nur, dass obwohl ich wirklich sehr feine Antennen für jegliche Gefühlsschwankung und indirekte Bezugnahme auf die Person entwickelt habe, ich nicht immer weiß, will er jetzt darüber reden bzw redet er gerade darüber oder nicht. Oft stellt sich das erst sehr spät in einem Streit heraus. Da wirft er mir dann vor ich wäre nicht da und gefühlskalt - und lässt mich stehen.
Ich kann nachvollziehen wie schwer das alles für ihn ist. Aber ich will für ihn da sein - nicht sein Ventil. Ich liebe ihn über alles. Es macht mir nur große Angst, dass der Umgang den wir dadurch entwickeln unsere Beziehung langfristig belastet.
In der langen Zeit, die dieser Schatten schon über uns allen liegt, hatte auch ich einen Trauerfall in der Familie. Ich habe nicht erwartet, dass er so für mich da ist wie ich für ihn, ich hatte vielmehr nur gehofft er sieht wie schwer auch diese andere Position ist. Jedoch wird sein Verhalten nur schlimmer. Und auch wenn ich versuche immer davon auszugehen, dass implizit und indirekt über die erkrankte Person gesprochen wird streiten wir - dann weil er ein schlechtes Gewissen hat, dass ich an sie denke und er nicht.
Ich kenne seine Gründe im Nachhinein meistens sehr gut und kann sie nachvollziehen. Ich würde nur am liebsten vermeiden überhaupt in einen so unnötigen Streit zu gelangen, der uns beide unnötig verletzt. Wir lieben uns und müssen doch gerade jetzt fest zusammenhalten.
Ich weiß nicht wie ich mich richtig verhalten kann. Es tut so weh immer wieder verbal getreten zu werden, wenn man wirklich sein bestes gibt. Ich hoffe das alles klingt jetzt nicht zu egoistisch. Ich will uns nur wirklich ersparen, dass wir neben dem Verlust der Person auch noch uns verlieren...
Ich hoffe sehr auf einen guten Rat.
Danke für's Durchlesen
 
  • #2
Es tut so weh immer wieder verbal getreten zu werden, wenn man wirklich sein bestes gibt. Ich hoffe das alles klingt jetzt nicht zu egoistisch.
Nein, gar nicht. Schaut nur so aus, als ob ihr nicht zusammenpasst, leider, leider! Als Kummertante bist Du gut genug, aber wenn Du mal was von ihm brauchst, ist er nicht da. Der Egomane ist Dein Mann und die Liebe ist einseitig!

Kannst Du uns ev. noch ein paar Details nennen, wie z.B. euer Alter ist und in welcher Beziehung / Verwandtschaft dieser kranke Mensch (schrecklich, ihn "die Person" zu nennen!!) zu Deinem Mann steht. Und wie Dein verstorbener Mensch (auch hier wieder so ein kaltes Wort - "Trauerfall"!!) zu Dir steht / verwandt ist.
ErwinM, 50
 
  • #3
Es erscheint mir, als machst du alles möglich und er den anderen Part nur ausfüllen müsste, wenn er wöllte.
Du kannst nicht in eine andere Person reinschauen, sondern Er muss dir sagen, was er gerade braucht.
Wenn er über die erkrankte Person reden möchte, gibst du ihm ja da den Raum, aber wenn er nur andeutungsweise etwas in der Richtung anspricht, dann kann er nicht erwarten, dass du immer den richtigen Riecher hast, und errätst, wann er jetzt darüber reden will und wann er was ganz anderes meint, und du ihn wieder auf die Person bringst.
Allgemein halte ich viel davon, dass man seine Belastung nicht komplett auf den Rücken der Partnerschaft austrägt. Wenn das jetzt schon über zwei Jahre andauert und keine Besserung entstanden ist, dann sollte er professionelle Unterstützung suchen. Du bist seine Frau/Freundin und kannst nicht diesen Part übernehmen. So gern du es auch machen willst und übernimmst. Einen Beinbruch zu heilen, würdest du dir vermutlich auch nicht zutrauen. Und wenn du dich doch an das kaputte Bein ran traust, kann es sein, dass du für Folgeschäden sorgst und das Problem verschlimmerst.
Es ist toll, dass Du für deinen Partner da bist!!! Nur kannst du nicht mehr als eine kleine Hilfe sein, die Krücke kann die Therapie sein und dann ist da einfach viel, was von Innen herkommen muss.
 
  • #4
Es tut so weh immer wieder verbal getreten zu werden, wenn man wirklich sein bestes gibt. Ich hoffe das alles klingt jetzt nicht zu egoistisch. Ich will uns nur wirklich ersparen, dass wir neben dem Verlust der Person auch noch uns verlieren...
Bitte - wie kommst du darauf, dass deine Zeilen egoistisch klingen könnten?

Bei allem Verständnis für seine traurige Zeit - aber verbal treten zu lassen brauchst du dich nun wirklich nicht. Aber wie oft passiert das - die Person, die aus Liebe alles bereit ist zu geben und zu verzeihen, bekommt's am schlimmsten ab - ausgerechnet von dem, den man liebt.

Ich will dir sagen, was ich tun würde - wäre ich du. Ich würde ihm sagen: Möchtest du reden? Du weißt, ich habe immer ein offenes Ohr für dich.

Dann darf er selbst entscheiden, ob er reden will.

Bei allem Verständnis - sei nicht das Opfer seiner Launen.
 
  • #5
Als mein Vater starb hat mich das auch sehr mitgenommen. Auch lief bei mir viel Selbstmitleid mit. "Papa und Opa sind mal eben 50 und ein bischen geworden und ich werde wohl auch nicht alt."
Meine damalige Freundin war für mich und meine Familie sehr hilfreich. Aber es gab auch Phasen da wollte ich einfach nur meine Ruhe. Dann war ich auch mal ungeduldig und ungerecht ihr gegenüber wenn sie mir Gesprächsangebote machte.
Reden hilft, aber es gibt Zeiten, da sollte man nicht über die Probleme reden, dann ist schweigen oder irgendwas anderes tuen (bei mir schwimmen - mindestens 100 Bahnen) besser.
 
  • #6
ich nicht immer weiß, will er jetzt darüber reden bzw redet er gerade darüber oder nicht. Oft stellt sich das erst sehr spät in einem Streit heraus. Da wirft er mir dann vor ich wäre nicht da und gefühlskalt - und lässt mich stehen.
Er legt ein passiv aggressives Verhalten an den Tag! Er verlangt von Dir unmögliches, er ist erwachsen und soll sich auch so verhalten, wenn er über die Person spricht dann soll er es auch zu erkennen geben. Du mußt nicht alles erfühlen müssen! Ich würde ihn dringend eine Selbsthilfegruppe oder Therapie raten. Wenn Du nicht offen ansprechen kannst dass dir das zuviel ist, dann wäre für euch beide vielleicht auch eine Paartherapie eine Hilfe. Es wäre auch wichtig zu wissen in welchem Verhältnis er zu dieser kranken Person steht. Auf jeden Fall bist Du nicht egoistisch, aber er drängt dich dahin dies zu glauben, obwohl er es ist, und das ist nicht gesund! Schau gut auf Dich! Wenn ihr nicht mehr so jung seid, würde ich sagen, dürfte dieser Verwandter eure Beziehung nicht so überschatten. Das klingt alles nicht gesund.
 
  • #7
Ich weiss es nicht - ich weiss nur, dass meine V intuitiv alles richtig gemacht hat.
Sie wusste, warum und woher auch immer, wann sie mich alleine im dunklen Zimmer sitzen lassen musste, wann sie mir einen Drink bringen musste, wann sie mich aufheitern und wann sie einfach zuhören musste. Besser als ich selbst .....
Vielleicht musst du deinen Mix etwas überdenken. Man redet nicht immer nur über den kranken Vater - man würde sonst ja verrückt werden.
 
  • #8
Die Angst vor dem Tod einer nahestehenden Person, die Warterei, die Ungewissheit, ob die Person einfach einschläft...ist einfach schlimm. Darüber zu reden kann zuviel sein. Manchmal ist einfach nur sinnvoll, den Ist-Zustand anzunehmen. Tun kann man nicht viel; es gibt ja Ärzte, Fachleute usw, die betreuen. Man muss diese Zeit zusammen aushalten. Richtig aktiv kannst du gar nichts tun. Zuviel reden nervt.

Wie das dann bei euch weitergeht, kann man nicht voraus sehen und du kannst auch nichts vorweg gut machen, damit ihr zusammenbleibt.

Ich würde auch gerne wissen, in welchem Verhältnis dein Freund zu der kranken Person steht? Schwester/ Bruder? Kind? Elternteil?
 
  • #9
Ich tue seit den über 25 Monaten alles um für ihn da zu sein.... obwohl ich wirklich sehr feine Antennen für jegliche Gefühlsschwankung und indirekte Bezugnahme auf die Person entwickelt habe... Es tut so weh immer wieder verbal getreten zu werden, wenn man wirklich sein bestes gibt....
Liebe FS,
blablabla, Dramarama.
Dein Leben muss unglaublich öde sein, dass Du ihm mit Krampf versuchst irgendeinen Inhalt zu geben.
Dein Partner ist nicht 1/10 so gut, wie Du ihn Dir zurechtdichtest. Er ist ein egozentrischer Ar***. Leider kannst Du diese Erkenntnis nicht aushalten und daher ueberpflasterst Du eure total frustrierende Beziehung mit Phrasen.

Mein Tipp: stell es ein und guck Dir an was da wirklich ist "diese Person" etc. Wer ist es, wie steht er dazu? Warum bedeutet diese Person im ihm so viel nehr als Du? - eine Ex?

Was ist er für ein infantiler Kindskopf, dass ihm über 25 Monate nicht der sukzessive Abschied gelingt oder ist das nur eine Inszenierung, um die eigene innerliche Leere irgendwie zu füllen.
Warum wirfst Du Dich als Fussabtreter vor ihn hin? Versuch es mal mit Selbstwert.

Ich kann Dir nur einen Richtungswechsel empfehlen - Schluss mit Verständnis für seine Inszenierung und Wechsel ins Gegenteil: verbal genauso ruede auf dem ihm rumtrampeln wie er es mit Dir macht. Der Typ ist überhaupt nicht romantisch, empfindsam etc. Das wünschst Du Dir nur.
Spiegel ihm sein Verhalten damit er daraus lernen kann oder das Elend für Dich endet.
 
  • #10
... kommt auf die Situation an...
wenn der 89jährige Papa krank geworden ist und am Sterben ist, wäre mein Verhalten anders als bei einem Kind...

Du willst helfen. Pass auf Dich auf, damit Du ein starker Helfer bleiben kannst. Dazu gehört eben auch Abgrenzen und auch mal zu sagen, wenn er sich zu schlecht verhält
 
  • #11
Ich liebe so sehr, dass wir über alles reden können.
Dieser Satz hört sich schon etwas seltsam an ... DU liebst ihn so sehr, dass IHR über alles reden könnt.
Die Liebe, das Verständnis, die Angebote hören sich sehr einseitig an. Von dir kommt viel, aber von ihm kommt wenig zurück.
Im besten Fall liegt die Ursache darin, dass er an dieser Stelle einfach überfordert ist und ein Unvermögen hat. Dann könnte es helfen, wenn ihr euch mal professionelle Hilfe in Form einer Paartherapie holt. Ihr könntet dort lernen, "besser" miteinander zu kommunizieren, Missverständnisse zu vermeiden, den anderen besser zu verstehen.
Wenn ihr euch wirklich beide gegenseitig liebt und beide miteinander zusammenbleiben wollt ...

Im schlimmeren Fall jedoch, zeigt sich an dem Verhalten deines Partners in der Lebenskrise schlicht und einfach sein schlechter Charakter. "Immer wieder verbal getreten zu werden" hört sich sehr schlimm an und nicht nach einem lieben und romantischen Mann, der dir die Welt zu Füßen legt.
Entweder, du redest dir nur ein, dass er dich genau so liebt, wie du ihn, oder, er hat eine erhebliche Charakterschwäche, die sich auch an anderen Stellen zeigen wird.


w53
 
  • #12
streiten wir - dann weil er ein schlechtes Gewissen hat, dass ich an sie denke und er nicht.
Dein Partner sollte sich therapeutisch durch diese Zeit begleiten lassen.
Ich tue seit den über 25 Monaten alles um für ihn da zu sein
Es tut so weh immer wieder verbal getreten zu werden, wenn man wirklich sein bestes gibt
Du solltest weniger versuchen dein Bestes zu geben und gleichzeitig dann auch weniger erwarten, dass andere ihr Bestes geben.

Wenn du versuchst mit ihm über seine Sorgen zu reden, bohrst du wie eine Therapeutin in seinen Wunden herum. Da kann es schon sein, dass jemand aggressiv reagiert. Es könnte sogar sein, dass jemand mit der Zeit ablehnend reagiert. Deshalb solltest du das lassen.
Frage nicht nach, sondern warte auch wirklich, bis er von sich aus reden will. Und dann lasse einfach reden und bohre nicht weiter, weil du das für gut hältst.
Vielmehr solltest du der normale Alltag sein. Der Ruhepool der mal nicht an die schlimme Situation erinnert. Die Ablenkung.

Wenn er zum Beispiel aggressiv ist, dann Schweige dazu, bleib ruhig.
Frage nicht nach, ob es mit seiner erkrankten Verwandten zu tun hat.
Damit muss er selber rausrücken.
Und sei dir bewusst, dass Trauerarbeit eben nicht nur "in Arm nehmen" und Reden ist, sondern trauernde, verzweifelte, traumatisierte Menschen eben auch aggressiv reagieren können.

QUOTE="Mariposita, post: 1124553, member: 35630"]Es tut so weh immer wieder verbal getreten zu werden[/QUOTE]
Hier solltest du allerdings auch klare Grenzen setzen, anstatt zu Verständnisvoll zu reagieren. Sonst wird das immer wieder so sein.
Das muss nichtmal was mit seinem Kummer zu tun haben.
 
  • #13
Liebe Maria, deine Zeilen lesen sich liebevoll, gar nicht egoistisch. Verbal getreten zu werden, ginge mir auch zu weit. Es ist dir gegenüber respektlos und ich finde, da solltest du Grenzen setzen und für dich sorgen. Und je mehr er sieht, dass du das mit dir machen lässt, desto größer ist die Gefahr, dass er das verbale Treten ausweitet.

Ich finde, du solltest bei passender Gelegenheit mit ihm sprechen und er sollte wissen, dass er dich verletzt. Wenn er so sehr unter der Situation leidet, wäre sicher eine Therapie hilfreich. Das würde euch beide entlasten.

Alles Gute!
 
  • #14
Hilf ihm und anschließend hast du Gewissheit etwas Gutes getan zu haben. Er wird es dir aber nicht mehr danken, da er dich dann (1) nicht mehr braucht und (2) (s)eine schlechte Zeit ganz unbewusst mit dir verknüpft ist. So schafft man sich keine gute Basis.