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Gast

  • #1

Wie vereinbart man Gegensätze im Lebensstil?

Wir kennen uns seit 6 Monaten. Passen eigentlich sehr gut zusammen, weil passendes Alter, passender Bildungsgrad, harmonierendes Äußeres, ähnliche Ansichten, gemeinsames Hobby, beide abenteuerlustig und reisefreudig in der Jugend. Aber: ich bin auch später gern und regelmäßig ins Ausland gereist, er seit Jahrzehnten nicht mehr. Außerdem lege ich wert auf einen gehobenen Wohnkomfort. Er sagt, mehr als genug Geld zu haben, aber er hat Möbel vom Flohmarkt, kein Auto, geht nicht ins Restaurant, nicht ins Kino, hat weder Fotoapparat noch Handy noch Fernseher (nur einen alten Kasten mit Minibildschirm für Videos). Alles Dinge, die heutzutage selbstverständlich sind. Ich könnte darauf kaum verzichten. Könnte so eine Beziehung gut gehen oder wird er immer teilweise auf meine Kosten leben, was ich für einen Mann unmöglich finde?
 
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Gast

  • #2
Falsch, er lebt nicht auf deine Kosten, denn er will ganz offensichtlich nicht so leben wie du das für dich möchtest. Also bitte ihm nichts unterstellen, nur weil du es selbst so siehst. Es soll tatsächlich Menschen geben, deren Prioritäten auf anderen Dingen als auf den von dir genannten liegen. Jetzt liegt es an euch, ob ihr euch gegenseitig mit euren unterschiedlichen Prioritäten akzeptiert. Wobei mir dein Posting doch eher zeigt, dass du darüber eher abfällig denkst. Also liegt es an dir zu entscheiden, ob du den Mann mit eben diesen Vorlieben auch akzeptieren kannst.
Und wenn er wegen deiner Prio's wie Fernseher etc. mäkelt, dann gilt das Akzeptieren deiner Vorlieben natürlich auch für ihn.
w/46
 
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Gast

  • #3
Es spricht sehr für Dich, dass Du Dir Gedanken um einen möglichen Weg machst! Für die meisten Deiner Geschlechtsgenossinnen würde ja sofort die rote No-Go Lampe aufleuchten und damit wäre das Thema erledigt. Manchmal begleitet ja einem ein bestimmter Lebensstil auch nur während einer bestimmten Lebensphase. Ich habe mir bspw. auch seit ein paar Jahren völlig abgewöhnt den Fernseher einzuschalten, das kann sich aber durchaus auch mal wieder ändern. Bleib dran und lerne ihn erst mal intensiv kennen, bleib aber auch Deinem Stil treu, wenn ihr damit langsam zusammenkommt, kann daraus etwas sehr Gutes entstehen!

m/45
 
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Gast

  • #4
Mich würde interessieren, ob Dein Partner das als eine Art Kult betreibt, so zu leben wie vor 30 oder mehr Jahren. Möbel vom Flohmarkt können ja ganz apart bis antik sein- hat er da einen bestimmten Stil z.B. 50ger Jahre oder ähnliches? Vielleicht mag er ja eine bestimmte Epoche? Geht er regelmäßig auf den Flohmarkt? Das finde ich jetzt noch nicht bedenklich, denn das ist auch eine schöne Freizeitbeschäftigung. Und ein Fernseher ist für mich auch nich unbedingt nötig. Man bekommt ohne das Ding einfach mehr geschafft. Ist er ein Bücherwurm? Wenn er die freie Zeit zu lesen anspruchsvoller Literatur nutzt, finde ich das sogar ganz sympathisch.

Auch die Tatsache, keinen Fotoapparat und kein Handy zu haben, finde ich nicht schlimm, einfach nur anders, aber durchaus kompatibel. Wenn mir jemand ständig sein Handy unter die Nase hält, um schlecht erkennbare Bilder von Freunden zu zeigen, finde ich das nämlich auch meist störend. Auch auf ein Auto kann man in einer größeren Stadt gut verzichten.

Bedenklich ist jedoch auch meiner Sicht, daß er nicht in Restaurants geht und Kino nicht mag- gibt es denn Alternativen? Also, geht er ins Theater oder kocht er für Euch zu Hause etwas schönes? Wie verbringt er seine Zeit? Geht er in Austellungen, hat er Hobbies? Oder ist er einfach nur ein Knickerfuzzi?

Für mich klingt das nach jemandem, der sich selber den Spaß am Leben etwas versagt und bewußt spartanisch lebt. Das würde mir zu denken geben. Finde heraus, was sein Beweggründe sind. Wenn Du diese nicht nachvollziehen kannst, ist die Aussicht auf ein gemeinsames Leben natürlich gering.

Viel Glück!
 
  • #5
Die Frage ist doch: wieso lebt er so? Vielleicht ist ihm der Schrank nicht so wichtig, hat aber keinen Stress wenn es Dir wichtig ist und Du Dich entsprechend einrichten möchtest. Ging mir auch so, die Möbel waren alt aber haben noch funktioniert. nun haben wir gemeinsam neu eingerichtet. Wär doch zu blöd gewesen wenn ich viel Geld ausgegeben hätte und das Ganze dann nicht Ihrem Geschmack entsprochen hätte, oder? Ich hab mich Selbstverständlcih an den Kosten dafür zur Hälfte beteiligt.

Genauso die Sache mit dem Reisen, ist er grundsätzlich abgeneigt oder fehlte es einfach nur an der ebenso neugierigen Partnerin?

Darum geht es, ist es ein grundsätzlich anderer Lebensstil der nicht verändert werden soll (dann kannste es vergessen) oder ist es einfach nur den Umständen geschuldet?.

Du wirst nicht umhin kommen mit Ihm zu reden und das zu klären.
 
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Gast

  • #6
Oh, wie ich es liebe. Ich habe keinen Fernseher, brauche keinen Fernseher. Sie kann stundenlang vor der Kiste sitzen - und beklagt sich, alleine fernsehen wäre ja so langweilig. Also setze ich mich dazu, was mir den Vorwurf einträgt, ich würde nur das Vergnügen in Anspruch nehmen und nichts dazu beitragen. Genauso die Reisen: will ich nach Österreich oder in die Dolomiten, zieht sie ein langes Gesicht: nein, Neuseeland muß es sein. Da ich das Geld nicht habe und sie nicht alleine reisen will, zahlt sie die Reise für uns beide. Beim nächsten Streit bekomme ich das dann wieder aufs Butterbrot geschmiert.
 
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Gast

  • #7
Vielleicht lebt der nur bewußter und weißt, was er für sein Glück braucht. Manches entpuppt sich später als Banalität.

Ich halte den Kult, der um ein Handy betrieben wird, einfach nur für albern. Ich genieße es, wenn ich es Situationen gibt, wo ich nicht erreichbar bin.
Ich habe ein schönes Cabrio, aber das steht bei mir nur in der Garage. Ich mag es nicht, damit herumzufahren, frei nach dem Motto: "Da schaut her." Ich fahre lieber mit dem Fahrrad, weil es gesünder ist und weil ich dadurch meine Umwelt intensiver wahrnehme.

Wenn also jemand als logische Konsequenz einer Reflexion erkennt, dass bestimmte Sachen für ihn eigentlich überflüssig sind, kann sein Leben aus einer gereinigten Perspektive betrachten und viel Lebensglück dabei erfahren. Freilich sollte dies nichts mit einem Sparen aus purer finanzieller Not gemeinsam haben.
 
  • #8
Seit 30 Jahren lebe ich ohne Fernseher.
Ich lese sehr viel und habe meine Tiere, denen ich viel Aufmerksamkeit zukommen lasse.
Ausserdem bewege ich mich viel draussen, suche nach interessanten Insekten und Spinnen, liebe den Wald.
Ich bin sehr introvertiert.

Erst als mein altes Handy nach 15 Jahren seinen Geist aufgab, habe ich mir dann mal etwas Moderneres zugelegt.
Ich habe es auch nie dabei wenn ich unterwegs bin. Ich muss nicht ständig erreichbar sein, gehe eh kaum ran, wenn es dann mal bimmelt.

Meine Massivholzmöbel sind zum Grossteil aus 2er Hand.
Das Bett aus Wildeiche hätte mich neu über 400,- gekostet, ich hatte Glück, es via Ebay Kleinanzeigen für 55,- zu ergattern.

Derzeit spare ich auf einen Schrank aus Akazienholz. Sollte ich in der Zwischenzeit etwas Vergleichbares aus 2er Hand bekommen, dann nutze ich das auch und kann mir mit dem gesparten etwas anderes leisten.

Meine Wohnung ist nicht gross, aber richtig toll und hochwertig eingerichtet (sieht man doch nicht, dass Vieles Second Hand ist), ich zahle für meine 1,5 Zimmer nur 245,- warm, Hausmeister, Treppenhausreinigung, Schnee schippen ist alles in der Miete drin. Ich erreiche alles zu Fuss, mein Fitness-Studio ist auch ums Eck.
Hier ziehe ich freiwillig nicht aus.

Da ich mir nur selten Klamotten kaufe, darf es auch Second Hand sein, wenn es gefällt. Aber da ich eh nur Bandshirts und schwarze Jeans trage, ist die Auswahl nicht gross.

Zusammenleben möchte ich mit keinem mehr. Eine innige Verbindung und Verbindlichkeit lassen sich auch mit separaten Wohnungen leben.
Ich brauche Raum für mich.

Ich könnte mir allerdings nicht mehr vorstellen, mit jemandem zusammen zu sein, der ein 'Normalo' ist.
Wer den Metal nicht lebt, ist für mich nicht interessant.
Ich habe genug Kompromisse im Leben gemacht.
Die Musik ist für mich wie die Luft zum Atmen.
Festivals und Konzerte möchte ich dann auch mit Partner erleben.
Wenn diese Gemeinsamkeit nicht gegeben ist, hat alles Weitere keinen Sinn.
 
  • #9
Ich suche seit ich denken kann, einen intellektuellen Mann ohne Fernseher, lebend in antiken Möbeln, der nicht ins Kino geht und kein Smartphone braucht, also auch kein Whatsappeln betreibt und ähnlichen Schwachsinn.

Das einzige was ich brauche, und was ich bei meinem Gegenüber voraussetze ist Arbeitengehen.

Ich vermute, Du findest keinen modernen oberflächlichen Mann in Deinem Umfeld mit Billigmöbeln von Ikea und permanent laufender Flimmerkiste?
Oder kotzt Dich an, dass der Typ arbeitslos ist und rumgammelt?

Mit einer solchen Type wie Dir könnte ich mich niemals abgeben, Du bist mir zu einfach gestrickt, zu langweilig und zu zeitgenössisch verdorben.

Da fehlen irgendwie Infos zu Deinem Fall.