• #1

Wie schafft Ihr es, stark zu sein & zu Fehlern zu stehen?

Hallo liebes Forum,

seit einiger Zeit kommen bei mir viele Erlebnisse der Vergangenheit hoch und ich merke jetzt mit 31, dass ich an einem Wendepunkt stehe, mich für ein selbstbewusstes Leben zu entscheiden, in welches ich einen tollen Partner hineinlassen kann. Doch fehlen mir letzte Impulse.

Ich wurde auf dem Gymnasium oft gehänselt, weil ein Körperteil von mir nicht der Norm entsprach und ich sehr schüchtern war. Ich wurde sogar von "Freundinnen" gemobbt, die in ihrem Gesicht auf besagtes Körperteil tippten, um mich immer wieder daran zu erinnern. Ich denke, dass es außerdem mit meinen Eltern zu tun hat, da mein Papa sehr schweigsam ist und meine Mama dazu neigt, es allen recht machen zu wollen (sie lieben mich aber ohne wenn und aber). Als ich 13 Jahre alt war, hat meine Oma mich einmal vor der Familie als hässlich bezeichnet und sie haben sich nicht für mich eingesetzt. Ich musste trotzdem weiter nett zur Oma sein und auch zu anderen Verwandten oder Freunden, die mich ebenfalls mobbten (nicht nur wegen des Äußeren). Ich habe sogar eine Schönheits-OP machen lassen, weil der Leidensdruck so groß wurde und ich mich immer geschämt habe. Natürlich hat das nicht wirklich geholfen, da ja eigentlich meine Seele eine OP brauchte.

Die Unsicherheit aufgrund des Äußeren übertrug sich schnell auf alle Bereiche in meinem Leben, so auch auf den Bereich "Beziehungen". Ich lernte aufgrund des geringen Selbstwertes - wenn überhaupt - nur schwache, egoistische Männer kennen. Einen "guten Mann" ließ ich nie in mein Leben, weil ich dachte, dass ich ihn nicht verdiene. Die "schlechten Männer" lernten mich natürlich nie wirklich kennen, wollten oft nur Sex, beschwerten sich über meine Brüste oder Haare. Mein erster Sexualpartner (mit 23) veranstaltete Porno-Sex mit mir und machte etwas, was ich gar nicht wollte. Ich habe es einfach akzeptiert, war wie gelähmt.

Häufig konnten mich Menschen angreifen, die es eigentlich nicht annähernd hätten schaffen dürfen. Ich habe studiert, bin dann (wenn auch mit einigem Hin- und Her) im Journalismus gelandet, habe schon öfter im Ausland gewohnt, werde jetzt wieder für einen Konzern in Asien arbeiten und will dazu ein Online-Magazin auf die Beine stellen. Eigentlich bin ich also keine schwache Persönlichkeit. Ich kann heute auch sagen, dass ich - trotz früherer Meinungen - nicht hässlich bin, habe Humor, bin kreativ und (zu) emphatisch, aber ich habe erlebt, dass gerade Menschen, die viel weniger gebildet oder selbst mit zahlreichen körperlichen Makeln behaftet sind, oftmals andere Menschen angreifen und ich hatte dem einfach nichts entgegenzusetzen.

Durch das Mitlesen in diesem Forum und meine eigenen Erfahrungen merkte ich, wie wichtig es für die Partnersuche ist, selbstbewusst zu sein. Doch wie schafft man es, einfach zu sagen, dass man zwar (äußerlich) nicht perfekt ist, aber trotzdem einen tollen Partner verdient hat? Und wie geht Ihr mit der Vergangenheit um, wenn Ihr Euch zu klein habt machen lassen?
 
  • #2
Ich würde mir an deiner Stelle mal die alten Muster und Verletzungen zusammen mit einem Coach oder Therapeuten anschauen. Meiner Meinung nach ist es schwer, da allein raus zu finden. Du bist noch jung. Geh die Sache an - möglichst bald, sonst ärgerst du dich später über die verlorene Lebenszeit.
 
T

Toi et moi

Gast
  • #3
Liebe Lavieenrose, jeder von uns hat in Vergangenheit etwas erlebt, was nicht gut gelaufen ist. Ich entsprach zum Beispiel als Kind nicht die Schönheitsideale meiner Mutter. Ich war sehr dünn und ich erinnere mich immer noch wie sie mir immer und immer wieder sagte, dass ich mehr essen soll. Meine kleine Schwester sagte immer sie möchte nicht so aussehen wie ich deshalb isst sie. Ich blieb schlank, Ideale meiner Mutter blieben auch das gleiche aber die Welt hat sich geändert und heut zu Tage ist eine schlanke Figur keine Makel mehr. Eher ein Attraktivitätsmerkmal.......
Ich zum Beispiel brauche immer Idole und Menschen, auf die ich hoch schauen kann und einer von diesen Menschen ist für mich im Moment Karl Lagerfeld. Er sagt zum Beispiel, dass er nur in Gegenwart lebt. Ihm interessiert weder Vergangenheit noch die Zukunft. Er lebt in gerade und jetzt und er schafft es durch Selbstdisziplin.
Warum interessiert dich was deine Oma dir vor zehn Jahren gesagt hat. Vergiss die Vergangenheit, Die Vergangenheit ist vorbei und genieß die Verliebtheit, denn Du weißt schon "La vie en Rose"....
 
  • #4
Doch wie schafft man es, einfach zu sagen, dass man zwar (äußerlich) nicht perfekt ist, aber trotzdem einen tollen Partner verdient hat? Und wie geht Ihr mit der Vergangenheit um, wenn Ihr Euch zu klein habt machen lassen?

Was hat das eigene Aussehen mit dem Charakter eines Partners zu tun? Du wirst, wenn Du in den Augen vieler Männer nicht besonders attraktiv bist, eben vielleicht dann auch Abstriche bei der Attraktivität des Partners machen.

Aber doch nicht beim Charakter! Auch jemand, der vielleicht nicht aussieht wie aus dem Modemagazin und nicht die Welt verdient, kann einen guten Charakter haben und Dich liebevoll behandeln.

Ich habe in meinem Leben auch schon Mobbing Erfahrungen gemacht und hatte Erlebnisse mit Strukturen, die Menschen kleinmachen sollen... Allerdings nie in Beziehungen und keine mit sexueller Gewalt.

Die Antwort ist Selbstannahme und Selbstliebe, sowie in den Situationen nicht passives Opfer zu sein, sondern das was abläuft, für alle zu entlarven und sichtbar zu machen.

D.h. sobald jemand abwertend kommuniziert, kann man sofort die Methode und Destruktivität dessen, was gesagt wurde, deutlich machen.

"Ich möchte nicht, dass Du so mit mir sprichst. Das was Du sagst, ist für mich ..., weil ..." Dann sollte man aber auch erkennen und benennen können, welche Methode zur Abwertung genutzt wird: Z.B. "Du kannst das sowieso nicht. Du bist immer so schwierig. Du bist immer so kompliziert." usw... (Verallgemeinern, Bewerten, Unterstellen)

Und ansonsten hilft es oft, sich mit Menschen mit ähnlichen Erfahrungen zusammen zu tun und auszutauschen.

Und das mit dem "Verdienen eines Partners". Nimm halt einen tollen Partner auch dann, wenn Du ihn nicht verdient hast. So wie es alle anderen auch tun. Aber um Himmels willen, tue nichts, um ihn Dir zu verdienen.

Und da liegt auch der Punkt, warum Männer mit nicht so tollem Charakter erkennen, dass sie es mit Dir machen können.
 
  • #5
Grüß dich LaVieEnRose,

so wie es sich liest, bleibt dir nur eine Therapie übrig um deine Selbstzweifel los zu werden.
Selbst wenn du den perfekten Partner finden würdest, würdest du immer Zweifel haben ob du zu ihm passt und würdest eurem Glück entgegenkämpfen.

Nein, ist es nicht für die Partnerschaft. Es hängt vom Partner ab, ob er deine "Schwäche" ausnutzt, siehe deine Jugend oder ob er diese beschützt und dich unterstützt.
Du hast deine Vorstellung wie dein Leben aussehen soll, du bist die Jahre deinen Weg gegangen, mit Höhen und Tiefen. Aber du hast dich ja nicht klein kriegen lassen, du bist nicht daran zerbrochen woran andere Menschen zerbrochen sind. Daher bist du auch stark.
Wie ich schon oben geschrieben habe, empfehle ich eine Therapie, einfach um bei einer neutralen Person sich ausreden zu können.
Wir hier sind schlecht geeignet, denn du wirst nicht immer die Antworten hören die du brauchst.

Liebe Grüße,

Ein_Freund
m36
 
  • #6
Liebe, liebe FS,

ich kann dich sehr gut verstehen und nachempfinden, wie du dich fühlst. Ich möchte auch gar nicht so viel texten und so weit ausholen, ich kann dir nur schildern, was mir sehr geholfen hat.

Mir war es wichtig, mir klar zu machen, das hinter diesen Erlebnissen nicht immer eine böse Absicht stand. Menschen machen Fehler, unbedacht und unüberlegt sind selber oft Gefangener ihrer selbst.
Im zweiten Schritt habe ich mir diese Situationen angeschaut, die mich zutiefst verletzten und sie umgeschrieben. D.h. es gab ein neues Bühnenstück mit diesen Personen und dem Erlebten und ich habe mir vorgestellt, wie es . Die negativen Aussagen in positive umgesetzt. Das bedarf der konsequenten Gedankenkontrolle, die anfangs, wie ein Training, etwas mühsam ist, aber immer besser wird. Es hat wunderbar funktioniert
 
  • #7
Liebe FS
Es ist spannend, ich bin 33 und stehe an einem ähnlichen Punkt. Man sieht seine Muster, erkennt sein emotionales Gepäck.. aber das Verhalten ist schon jahrelang eingeschliffen und es ist schwer zu ändern. Auch ich hab zuhause unbewusst mitbekommen, dass ich nicht besonders verteidigenswert bin, und dass ich mich anstrengen muss, es allen recht zu machen. Ich sollte mit jedem Verständnis haben, auch dafür, wenn ich mies behandelt wurde. Das hat sich negativ auf mein Sexualleben ausgewirkt und ja, ich habe auch so negative Erfahrungen machen müssen. Ich kann im Beruf schon Grenzen setzen, weil ich da Zeit habe, zu überlegen und weil alle höflich sind. In einer emotional geladenen Situation mit jemandem, der mich bedrängt und unter Druck setzt, sieht's dann anders aus, da kommen die althergebrachten Glaubenssätze zum Vorschein. Aber sorry, jetzt erzähle ich zu viel von mir und geb' dir gar keinen Tipp. Mir hilft, darüber mit einer wirklich verständnisvollen Person zu reden. Therapeuten haben mich da teilweise enttäuscht, meine beste Freundin war hilfreicher. Wie man einen "guten Mann" in sein Leben lässt, das kann ich dir leider auch nicht sagen. Ich weiss nur, dass man zumindest die Zeit, die man mit den "schlechten" Männern verbringt, deutlich abkürzen und sich vor weiteren Verletzungen besser schützen kann. Sprich, sich halt zwingen, keinen Sex mit jemandem zu haben, bis man wirklich Grund hat zu glauben, dass der andere ein vertrauenswürdiger Mensch ist. Und zu diesem Zweck den Mann eine Weile lang nur in Situationen treffen, in denen Sex nicht möglich ist oder klar ist, dass es nicht dazu kommt.
 
  • #8
...mich für ein selbstbewusstes Leben zu entscheiden, ...... wie wichtig es für die Partnersuche ist, selbstbewusst zu sein. Doch wie schafft man es, einfach zu sagen, dass man zwar (äußerlich) nicht perfekt ist, aber trotzdem einen tollen Partner verdient hat?

Du kannst kaum einfach "beschließen" selbstbewusst zu sein. Selbstbewusstsein hat etwas mit "Bewusstsein" zu tun. Beschäftige Dich mit Dir selbst, suche Dir ggf. einen kompetenten Gesprächspartner dafür, arbeite daran.

Die Phrasendrescherei vonwegen "einfach zu sagen", die auch die ganze Pickupszene nutzt, halte ich nicht für zielführend. Du änderst nur Dein äußeres Verhalten einstudiert. Mir haben diverse persönlichkeitsbildende Seminare geholfen.
 
  • #9
Komm in die Welt des echten Tantra. Verabschiede dich von Menschen die selber keinen Bezug zu ihrem Körper haben - egal ob sie mit dir 'verwandt' waren oder sogenannte 'Freunde'. Sie sind nicht deine Seelenfamilie. Solche ignoranten Leute müssen noch viel lernen und hatten selber keinerlei Bezug zum Wunder ihres eigenen Körpers. Wie dumm sie doch waren. Und wie schnell sie selber vom Leben gezeichnet werden können - ein Unfall oder Krankheit, weil sie ohnehin nicht gesund und gut mit sich selber umgehen.
Die meisten Menschen werden erst achtsam mit sich, wenn es ihnen schlecht geht.
Verlasse jene Welt der Verachtung und wende dich dem ECHTEN LEBEN zu!
Dein Körper ist heilig. Sinnlich in jedem Quadratzentimeter. Orgasmusfähig in jedem Bereich.
Dein Körper ist dein mächtigster Meister und zwingt dich geradezu über ihn in ein achtsames Leben zu kommen. Gestatte dir Selbst Achtung. Komm in die Welt des echten Tantra, wo man dir mit Respekt begegnet und echte Berührung dir zeigt wie wundervoll, feinfühlig und heilsam Körper und Seele miteinander verbungen sind. Achtsame liebevolle Berührung kann sogar Wesen welche schon aufgegeben haben wieder ins Leben zurückrufen. Dein Körper ist der Tempel deiner Seele.
Und die Menschen lernen immer dort - wo sie vermeintlich Schwächen oder Fehler haben: Dort wo sie es nicht mehr verstecken können vor sich selber - dort liegt der Schlüssel
für das was sie lernen sollen, und wo sie zugleich zum Spezialisten der Heilung werden können.

Als ich einmal eine Katze auf drei Beinen langsam aber sicher vorbeischreiten sah, wurde ich sehr demütig vor der Würde des Tieres und vor der Macht des Lebens.
 
  • #10
Wie man am eigenen Selbstwertgefühl arbeiten kann. Ja, liebe Fragestellerin, Du hast erkannt, dass das eine der Hauptaufgaben in unserem Leben zu sein scheint, der Dreh- und Angelpunkt in unserem Leben.

Mir haben immer wieder Lebensberater geholfen, ich mag sehr sehr gerne Dale Carnegie und Pierre Franckh. Von beiden ist viel im Internet zu lesen, auch auf Youtube. Erbauende Bücher zu diesem Thema.

Inzwischen glaube ich, dass das eine Aufgabe ist, die uns unser ganzes Leben begleiten wird. Die hat man nicht mal kurz erledigt und dann ist gut. Nein, es ist eine Lebensaufgabe, die manchmal gut und manchmal weniger gut gelingt und die uns auch immer wieder mal ganz einholt.

Aber eines habe ich gelernt. Und das wird bleiben: ich bin mir inzwischen für vieles zu schade. Zu schade für unbrauchbare Männer, Menschen, Freundschaften und Energieräuber. Da habe ich aufgeräumt.

Es macht auch keinen Sinn, sich immer mit dem Schlechten, was uns widerfahren ist, zu befassen. Stattdessen rate ich, sich den positiven Dingen zuzuwenden und ganz bewusst nach ihnen Ausschau zu halten.

Niemand, wirklich Niemand kommt ohne Blessuren durchs Leben. Das ist einfach so. Wer leben will, riskiert Blessuren. Das ist der Preis für das Leben. Wenn ich das eine will, dann muß ich auch mit dem anderen rechnen oder leben. Ist einfach so.

Du hast aber schon mal das Rüstzeug für ein gutes Leben: Du bist willensstark und reflektiert. Du hast kapiert, worauf es ankommt. Das sollte Dir helfen, gut weiterzukommen. Sei Dir wertvoll, dann wirst Du Menschen kennenlernen, die das genauso sehen. Viel Glück.
 
  • #11
Fang einfach damit an, zumindest am Anfang in einem anonymen Forum, klar und deutlich zu sagen/schreiben "Ich hatte als Kind eine Hasenscharte ...oder eine extreme Hakennase ...oder ein großes Muttermal auf der Wange ...oder einen extremen Unterbiss ...oder Segelohren ... oder, oder..."

So lange Du das nicht bringst, sondern immer nur um den heißen Brei herum redest, wird sich nichts verändern!

V.m46
 
  • #12
Doch wie schafft man es, einfach zu sagen, dass man zwar (äußerlich) nicht perfekt ist, aber trotzdem einen tollen Partner verdient hat?
... das ist eine Frage des Selbstbewusstseins und der realistischen Einschätzung des Partners.

Liebe FS,
ich würde dir zu dem Thema gerne eine Menge sagen, doch leider sind die Zeichen hier begrenzt...
Vorneweg: Aussehen und Charakter sind zwei paar Schuhe, die du nicht vermischen solltest. Doch genau das tust du.

Und wie geht Ihr mit der Vergangenheit um, wenn Ihr Euch zu klein habt machen lassen?
... und hier liegt der Grund dafür!

Die Beziehungserfahrungen, die du mit deiner Familie gemacht hast haben dich geprägt und jetzt musst du lernen das was du erlebt hast klar als "falsches Verhalten deiner Eltern/Oma etc." zu benennen, es nicht zu entschuldigen und auch als genau solches emotional begreifen.
Das ist dummer Weise keine einfache Angelegenheit und auch ich würde dir raten dafür professionelle Hilfe (Therapie) in Anspruch zu nehmen.

Das du dich für ein selbstbewusstes Leben entschieden hast ist toll, aber nur der erste Schritt. Jetzt musst du dieses Selbstbewusstsein über deine fachliche/berufliche Kompetenz hinaus ausdehnen und deinen unsicheren Teil mit ins Boot holen. Und auch dafür hast du schon den ersten Schritt gemacht.
Sich für das was jetzt kommt Hilfe zu holen wäre denke ich das klügste was du machen kannst.
Einfach ist das mit Sicherheit nicht, aber du hast noch viele Jahre vor dir und solltest die nicht unsicher und mit Partner die du eigentlich gar nicht willst verbringen.

Alles Gute
w/36
 
  • #13
Also wenn dich ein Makel an Deinem Körper so sehr stört, dass er dein ganzes Leben beeinträchtig, würde ich mir ernsthaft überlegen, ob ich es nicht beseitigen lasse durch die modernen Mittel der plastischen Chriurgie.
Natürlich kann man immer sagen: "Liebe dich so wie du bist!"
Aber wenn du dich wirklich hässlich fühlst oder objektiv für manche Menschen hässlich erscheinst, gibt es meines Erachtens nur 2 Möglichkeiten:
1. beseitigen lassen oder
2. drüber stehen.

Letzteres schaffst du nicht.
Leider sagst du auch nicht konkret, was dich so offensichtlich für alle Menschen hässlich macht und ich kann auch nicht sagen, dass die anderen Leute nicht recht haben oder dass es ein Makel ist, mit dem man leben kann.

Nicht leben kann man allerdings auf Dauer mit der Geringschätzung der eigenen Person.
Und jeder hat ab und an mit seinem Selbstwertgefühl zu kämpfen, aber wenn ein Mann etwas an meinen Haaren/Brüsten oder meiner Nase nicht gefallen sollte, kann er gerne gehen. Wer ist schon perfekt?
Aber Menschen mit Selbstzweifeln sind per se unattraktiv, weil sie eine negative Aura haben.

Ich finde es übereilt, nur eine Psychotherapie in Erwägung zu ziehen, obwohl die sicherlich auch hilfreich sein wird.
Aber evtl. hilft die plastische Chirurgie da mehr - habe lange genug in diesem Bereich gearbeitet und weiß, dass viele Menschen einfach mit einem ganz neuen Selbstwertgefühl ihr Leben meistern nach einem Eingriff. Alles muss man nun heutzutage auch nicht akzeptieren.
 
  • #14
Liebe FS,
du hast da ein paar tief sitzende Baustellen und wunde Punkte, an denen du antriggerbar und verletzbar bist. Wie die meisten Menschen.

Ein Standard-Rezept für die Ausheilung dieser emotionalen Wunden gibt es nicht. Dem einen haben Bücher geholfen, dem nächsten eine Therapie usw.
Was du tun kannst, ist dich bewusst dafür zu entscheiden, diese wunden Punkte anzugehen. Das Ziel ist, dass es dir besser geht, dass du deine Zukunft umschreiben kannst.

Du musst dir darüber klar sein, dass dies Arbeit für dich bedeuten wird. Und es wird nicht immer angenehm sein.

Ich kam vor einigen Jahren auch zu dem Punkt, dass ich so, wie ich war, mir häufig (unbewusst) selbst im Weg stand, für mich nachteilige Wege eingeschlagen und Fehler gemacht habe, deren Konsequenzen ich schmerzhaft ausbaden musste. Ich wollte so nicht weiter leben, sondern etwas ändern. Das war mir so wichtig, dass ich mich monatelang fast ausschließlich mit mir selbst beschäftigt habe, soviel meine Freizeit es zuließ. Ich bin gleich das volle Programm angegangen: Therapeut, Literatur, Austausch mit guten Freunden, Online-Ratgeber, Seminare, EMDR etc.

Sieh es als ein Studium deiner Selbst. Den Abschluss bekommst du nicht ohne reichlich Engagement. Fang irgendwo an und lass dich dann von dir selbst leiten.
Womöglich wirst du bezüglich deines Aussehens nie so viel Selbstbewusstsein haben wie andere, aber eine Verbesserung sollte auf jeden Fall drin sein. Viel Erfolg!
 
  • #15
Einen "guten Mann" ließ ich nie in mein Leben, weil ich dachte, dass ich ihn nicht verdiene.
Wenn man kein Selbstwertgefühl hat, interessieren sich die dahingehend "guten Männer" auch nicht für einen bzw. Du findest sie nicht gut, weil sie Dir nicht geben, was Du kennst und "brauchst" für Dein Weiterkommen bzgl. Deiner Persönlichkeit. Das soll nicht fies klingen, das ist einfach ein Gesetz, dass man sich immer das als Partner sucht, was einen was lehrt, und das meist in Richtung Selbstwertgefühl und Eigenständigkeit.
Häufig konnten mich Menschen angreifen, die es eigentlich nicht annähernd hätten schaffen dürfen. Ich habe studiert ...
Was auch immer Du alles leistest, es geht bei Deinem Problem ja nur um Dein Aussehen und da helfen 10 Doktortitel nix als "Krücke" für ein fehlendes Selbstwertgefühl. Es geht nicht darum, die Menschen einzuteilen in "der darf mich angreifen und der nicht". Niemand "darf" das, aber jeder darf Kritik üben und Du kannst nicht verhindern, dass man Dir die eigene Meinung sagt oder sich an Dir mit einer Bemerkung abreagiert. Je besser man das einordnen kann, umso weniger können einen Menschen, die sich nur abreagieren und ihren eigenen Frust loswerden wollen, treffen.

Bei mir ging das Selbstwertfinden über die Spiegelung. Als mir klar wurde, dass ich dieses und jenes nicht denke oder gar sagen würde über jemanden, dachte ich mir, wieso sollte der andere das dürfen in dem Sinne, dass ich darüber betrübt bin. Meine Meinung ist dem schließlich auch egal. Kritik ist was anderes, aber das merkt man ja. Und wenn mich so eine Meinung berührt, muss ich drüber nachdenken, warum und ob der andere recht hat, allerdings koppelt sich das von dem Menschen ab. Also ich vergleiche mich nicht mit ihm und denke mir "der darf was sagen" oder eben nicht. Er kann sagen, was er will. Worüber ich dann nachdenke, ist mein Ding und hat nichts damit zu tun, dass ich ihn davon überzeugen will, ganz anders zu sein, oder ihm verbieten will, mir sowas zu sagen. Seine Meinung (nicht Kritik) als solche ist mir egal. Ich guck nur drauf, wie ich durch so einen Gedankenanstoß weiterkomme.

Doch wie schafft man es, einfach zu sagen, dass man zwar (äußerlich) nicht perfekt ist, aber trotzdem einen tollen Partner verdient hat?
Weil man den tollen Partner nicht VERDIENT, Du kannst ja für die Liebe eines anderen nichts leisten, wenn er das Gefühl einfach nicht hat. Sag Dir lieber: Mit einem nicht-tollen Partner wäre ich unglücklich, also will ich einen tollen. Dich fragen "was tut mir gut", statt "wer wertet mich auf" oder "wen kann ich aufwerten".
Frage: Ist für Dich ein "toller" Partner nur definiert über sein Aussehen?
 
  • #16
Auch ich wuchs in dem Bewußtsein auf, häßlich zu sein.
Auf meinen Kinderbildern sehen ich ein sehr süßes kleines Mädchen.
Auf meinen Teenagerbildern ein hübsches großes Mädchen.
Danach gibt es kaum Bilder von mir.

Ich habe nie Probleme gehabt, einen Freund zu bekommen.
Früher bin ich viel angebaggert worden und noch heute kommt es ab und an vor, dass mir ein Mann nachsieht oder mich anlächelt.

Ich weiß, dass ich nicht häßlich bin, aber fühle mich zutiefst häßlich.
Ich will auf kein Bild, außer, wenn ich gezwungen werde, für einen Flyer oder so. Wenn der Flyer fertig ist, sehe ich das Bild nicht an. Ich lese den Flyer kurz und versuche, das Bild nicht zu sehen und schnell abzudecken. Dann werfe ich ihn weg.
Ich habe zuhause nur einen sehr kleinen Spiegel über dem Waschbecken.
Damit ich sehe, ob ich einen Popel auf der Stirn habe, wenn ich das Haus verlasse.

Als meine Tochter drei war, war ich mit meinen Eltern und ihr auf einem Gemeindefest und ein Bekannter meines Vaters kam zu uns und sagte, die Kleine werde ja immer hübscher.
Mein Vater schnaubte und sagte sehr verächtlich, sie sehe wohl eher unscheinbar, eher unschön aus.
Meine Tochter hatte langes, wallendes, lockiges, hellblondes Haar. Sie war normal groß, schlank und hatte ein normalsüßes Gesichtchen.
Ich sagte ziemlich laut, dass das Blödsinn sei und sie sei sehr süß und ich bedankte mich bei dem Herrn.

Als ich drei oder dreizehn war half mir niemand in dieser Weise gegen meinen Vater und so glaubte ich ihm, dass ich häßlich sei.

Und ich glaube das bis heute.
Ich komme da niemals raus, da bin ich sicher.

Für dich habe ich leider auch keine Lösung, aber ich drücke dich mal virtuell.
Deine Nase, oder was auch immer es ist, ist vielleicht wirklich nicht so toll, aber vielleicht sind deine Augen toll, dein Lächeln, dein Haar usw.
Deine Eltern hätten, wenn sie schlau und reflektiert und liebevoll gewesen wären, deine schönen Seiten gelobt, deine Nase ignoriert und dich gegen die miesen Sprüche von anderen verteidigen sollen.
Mach du es besser, wenn du Kinder hast.
DAS immerhin hat mir ein bißchen gut getan, denn meine Tochter ist ja mein alter ego, und indem ich sie verteidige, verteidige ich auch ein bißchen das kleine Mädchen, das ich war.

w 49
 
  • #17
Spannende Frage. Ich habe mich die letzten Jahre etwas mit Persönlichkeitsentwicklung befasst und habe das Gefühl, dass mir das vor allem auch im Berufsleben hilft. Aber auch ohne den konkreten Nutzen fand ich das interessant.
Am WE kam auf Phoenix eine Sendung "Grenzgänger" mit einer Episode wo Hella von Sinnen auf Manfred Lütz traf und es ging um die Frage, wie Hella von Sinnen ihr persönliches Problem (Sucht nach Anerkennung) beseitigen bzw. wegarbeiten könne und Manfred Lütz stellte in Frage, ob das überhaupt notwendig sei, weil wir alle nunmal nicht perfekt sind. Im Kern ging es - jedenfalls habe ich das so verstanden - um den Drang nach Selbstoptimierung.

Doch wie schafft man es, einfach zu sagen, dass man zwar (äußerlich) nicht perfekt ist, aber trotzdem einen tollen Partner verdient hat?

Indem du deine Fähigkeiten ausbildest und ausspielst.

Und wie geht Ihr mit der Vergangenheit um, wenn Ihr Euch zu klein habt machen lassen?

Viele sagen: aufarbeiten, also Therapie machen. Ich glaube, es ist besser, die Vergangenheit ruhen zu lassen und nicht so viel darin herum zu wühlen.
 
  • #18
Liebe LaVieEnRose,

Fühl Dich erstmal umarmt.
Ich kann nur für mich ganz subjektiv schreiben.
Ich war als Kind die Fette, ich fühle mich immer als die Fette und ich muss mich heute immer noch bewusst korrigieren, wenn ich mich anschaue, das ich gar nicht fett sein kann mit 57kg/1.70.
Wie @frei auch schreibt, man bleibt gefühlt so wie man ist, vermittelt bekam.

Meine Kindheit war auch eher deutlich suboptimal, und ich weiß heute, dass es Erfahrungen gibt, die nicht nachholbar sind. Urvertrauen, als Kind geliebt zu werden, ganz schlicht, ganz bedingungslos. Dafür aber Ur-Angst, Ur- Misstrauen, und einen unermesslichen Kampfgeist.
Ich habe jahrzehntelang verdrängt, war aktiv, habe mich zunehmend überfordert, Leistung, Perfektion. Eine tolle Fassade, immer freundlich, umgänglich, einiges bewegt.
Bis zu dem Tag, bis es mir wirklich den Stecker gezogen hat und nichts mehr ging.
Dann war Bewusstwerden, Aufarbeitung und Abschließen angesagt.
Mit ganz vielen verschiedenen Methoden, sehr viel gelesen an Fachbüchern zum Verstehen, aber ich liebe auch die Bücher von Anselm Grün.
Stressabbaumethoden, Ressourcen, Körperbewusstsein, Achtsamkeit.
Und für mich war die sehr intensive und lange (Trauma)Therapie mit viel Arbeit auch zuhause an den Themen unabdingbar. Die Auseinandersetzung mit den vielen Baustellen, über Imaginationen, Arbeit mit inneren Kindern, innerem Team, ähnliches, EMDR; das findet sich nach Bedarf.

Ich lebe heute anders, mit anderem Rhythmus, anderen Qualitäten, und vor allem, so, wie ich es möchte. Sage Nein, Stopp, und genauso Ja!

Aber es war ein schwieriger Weg, mit immensen Tiefen.
Es hat sich gelohnt, und es geht immer weiter. Ich mag mich und ich mag mein Leben, lebe endlich mein Leben
Ohne das überhörbare Stopp des Körpers hätte ich es weiter ignoriert, genau wie alle milderen Warnzeichen vorher.

Tja, und an dem Tag, wo ich mich fett fühle, klappe ich den Spiegel weg...
 
  • #19
Weil man den tollen Partner nicht VERDIENT, Du kannst ja für die Liebe eines anderen nichts leisten, wenn er das Gefühl einfach nicht hat.

Die Liebe fällt nicht einfach so vom Himmel. Erstmal muss man sich ja attraktiv finden. Und klar kann man etwas leisten und etwas verdienen, was die Attraktivität angeht.
Mag sein, dass aus weiblicher Sichtweise das Abwarten angemessen ist, also das Warten auf die große Liebe.
 
  • #20
Ich habe Ähnliches erlebt. Ich hatte objektiv gesehen keinen "Makel", doch der Selbsthaß meiner Mutter, die selbst von ihrem Vater als unattraktiv bezeichnet wurde- was überhaupt nicht stimmte, ganz im Gegenteil- übertrug sich auf mich. Ständig suchte sie vermeintliche Defizite bei mir: zu wenig Charme, zu kleiner Busen, Haarspliss, zu lange Arme, zu dünn, zu dick....absurd. Meine Jugend und mein mittleres Erwachsenleben waren überschattet davon, aber jetzt, wo alle meines Alters mit der Vergänglichkeit hadern, fühle ich mich endlich sehr wohl. Auf Fotos finde ich mich wie stets zu 99% hässlich, doch jetzt sage ich mir: Dann sehe ich eben weg, denn ich weiß jetzt, dass es Wichtigeres gibt. Ganz abgesehen von den Komplimenten, die ich immer noch reichlich bekomme. Das ist wie mit Magesucht: die Sicht auf den eigenen Körper muss immer wieder innerlich korrigiert werden.
Therapie hat mir geholfen, die Muster zu verstehen. Es ist dann jedoch noch ein langer Weg, sich Selbstliebe und Akzeptanz anzueignen, doch er lohnt sich! Erwarte das aber niemals von einem anderen Menschen, denn das wäre sehr gefährlich. Gewöhne Dir an, Dich im Spiegel anzulächeln, lobe Dich für das, was Du geschafft hast, sei Deine beste Freundin. Du strahlst das dann aus und bist weniger angreifbar. Schwäche nie Komplimente ab, sondern sage nur "Danke schön" und lächle und freue Dich. Das ist wie ein Konto Deiner Selbstliebe, auf das Du einzahlst :D
Manchmal wird es Dich noch kurz verletzen, wenn jemand doch etwas Blödes sagt. Doch dieses Gefühl wird nicht mehr so tief gehen und schneller abklingen.
Alles Gute und-das wird :)
 
  • #21
In meiner Welt ist es normal, mit Therapieformen zu arbeiten, welche helfen, Zeit und Raum zu überwinden. Ich bin auch Reikimeister und arbeite seit dem zweiten Reikigrad mit solchen Möglichkeiten. In solchen Beispielen, wo man gar nicht so genau benennen kann, wo das Problem eigentlich entstanden ist oder wo das Problem tatsächlich hingehört, da bitte ich dann: 'Für Person .... in der Angelegenheit ... um Heilung der Ursache und ihrer Folgen, in alle Zeiten und in alle Situationen und in alle Bereiche und in Bezug auf alle Beteiligten, die es anbelangt' Dann die Reikiformeln und die Bitte es möge so wirken, wie es jeweils am Besten ist. Das große Ganze bzw. die große Seele weiß schon, um was es tatsächlich geht. Und nicht nur der Patient sondern auch die anderen Beteiligten haben ja ihre Wunden Punkte - wenn sie (bewußt oder unbewußt) ihren allerliebsten Menschen so weh getan haben. Tief in sich liebt jeder Vater und jeder Urahn seine Kinder, sind sie doch ein Teil von ihm. Doch viel Schlimmes und eigener Schmerz hat ihre Liebe verschüttet. In der Wilhelminischen Zeit war Gehorsam angesagt und wenig Bezug der Männer zu Frau und Kind. Unsere Großväter standen im ersten Weltkrieg ihren Erzfeinden noch Aug in Aug mit dem Bajonett gegenüber ... also lieber keine Gefühle. Der zweite Weltkrieg und die Diktatur haben auch keine zarten Gefühle geduldet. Danach wuchsen viele Männer ohne ihre Väter auf. Woher sollten solche Söhne in die gesunde Vaterkraft kommen? Diejenigen Familienmitglieder welche aus dem Krieg heimgekommen sind, haben über die allerschlimmsten Erlebnisse meistens nur wenig gesprochen. Das ist in den meisten Kriegen so. Wir wollen nicht ent-schuldigen und auch nicht be-schuldigen, sondern einfach nur verstehen, dass manche Menschen nach schlimmen Erlebnissen einfach 'dicht' gemacht haben, wenn es um Fühlen ging.
Und so ein nettes kleines Mädchen hat den Opa oder den Vater vielleicht schon 'berührt' aber weil 'Fühlen' bedeutet, dann auch all das Schlimme zu fühlen, was man erlebt oder begangen hat, dann ist für ihn 'Fühlen' vielleicht nicht so angenehm und wird überspielt oder mit dummen Sprüchen abgetan und das 'berührende Kind' von sich gestossen.
Dies ist nur eine Sichtweise des sehr komplexen Themas, von Familien/Sippen welche generationenlang gelitten haben.
Aber zurück zur Frage, was helfen könnte, wenn etwas sehr tief verletzt hat, ohne dass man versteht warum die anderen so re-agieren:
Ich möchte keinesfalls missionieren, nur zeigen, dass es Therapie-Methoden gibt, welche Zeit und Raum überwinden.
Wer kein Reiki kennt oder lieber eine 'moderne' Hilfe mag, kann sich auch Therapeuten nehmen die wie Robert Betz ziemlich schnell zu dem jeweiligen Punkt zurückführen.
Jedenfalls schneller als mit den sonst üblichen Methoden der Gesprächstherapie.
 
  • #22
Anscheinend haben viele in ihren Familien Menschen, die sie als Kinder selbstwertmäßig zerbrochen haben. Entweder durch gefühlsmäßiges Unverständnis bis Trampeligkeit oder durch reine Bosheit, weil man es dem Kind nicht gönnen kann, dass es Anerkennung kriegt und sich wohl und geschätzt fühlt.

Wenn das letztere der Grund ist, muss eine zutiefst verletzte und verdrehte Seele in diesem Menschen sein sowie ausgeprägte Eifersucht auf Anerkennung und dass sich jemand wohlfühlt, weil er positive Bestätigung kriegt.

Ich finde es jetzt nicht ungewöhnlich, destruktive Tendenzen in sich zu haben und selber zu merken, wie man innerlich zuschnürt, wenn ein anderer ganz offen Anerkennung will oder seine Emotionen ohne eigene "Dämpfung" zeigt. Schließlich hat man selber in der Kindheit gründlich den Knacks verpasst bekommen.
Aber das kann man jemandem nicht "von außen" beibringen, Selbstreflexion zu betreiben, wenn er selber keine Notwendigkeit dafür sieht, den anderen, insbesondere das Kind, vor sich selbst, den Erwachsenen, und der eigenen Garstigkeit zu schützen.

Mir hat schon geholfen, diese Menschen als Opfer zu betrachten. Sie durchschauen sich nicht und in Momenten, wo sie sich bewähren müssten, um einem Kind oder anderweitig Abhängigen (Schüler z.B.)
die nötige Bestätigung zu geben, oder einfach zeigen könnten, dass sie ein großes Herz haben, sagen sie genau das, womit sie ihre innere Wunde zum Ausdruck bringen: Sie verweigern das Positive oder stechen sogar in die Verletzlichkeit des Bedürftigen, um eine Sekunde lang endlich mal selber Täter zu sein und Macht zu haben, um für eine Sekunde Genugtuung zu empfinden: Ich hab es nie gekriegt, also kriegst du es von mir auch nicht.
So, als Opfer betrachtet, kamen sie bei mir raus aus der Position, "das Recht" zu haben, mich zu kränken, auch wenn es mangels Abstand bei Familienmitgliedern noch zu solchen Situationen kommen kann.

Vielleicht hilft es Dir, liebe FS, wenn Du das Verhalten Deiner Eltern mal nicht als Opfer betrachtest, sondern "von außen". Da haben sie doch ziemlich versagt, als sie der Oma nicht die Meinung gegeigt haben damals. Ich wette, sie haben sich nicht getraut, Dich zu beschützen. Heute bist Du schon groß und kannst Dich als Kind in der damaligen Situation innerlich beschützen, indem Du Dir sagst, was richtig gewesen wär. Das sind auch nur Menschen, und das ist nicht beschwichtigend gemeint, sondern als nackter Fakt. Du hast was gebraucht und sie haben es Dir nicht gegeben. Obwohl Du ihr Kind bist und obwohl sie Dich an anderer Stelle vermutlich unterstützt haben, haben sie hier versagt und können es nicht mehr ändern. Nur Du kannst es für Dich innerlich tun.
 
  • #23
Liebe LaVieEnRose,

nachdem meine mir innewohnenden Muster, inner- und äußerlich bedingt, eine 1a-Bruchlandung mitverursacht haben, erkenne ich meine Schwächen und habe mich (wieder) auf den Weg meiner Stärken begeben, mich von Dingen, auch Menschen, getrennt, die mir nicht gut getan haben, und halte mir vieles, auch Menschen, vom Leib und von der Seele, was mir nicht gut tun könnte.

Das Schöne daran ist, dass mit jedem wiedergewonnen Stück Stärke, mein Leben sich positiv wendet und ich auch auf Menschen treffe, die mich erkennen, achten, respektieren und gut heißen.

Mein Rat: Beschäftige Dich nicht damit was alles nicht geht, versuche es zu akzeptieren, sondern damit was Du bewegen und erreichen kannst. Entdecke Deine ganz individuellen Stärken und teile diese mit Menschen.

Dieser Weg ist nicht gerade und einfach, aber er lohnt sich.

Nur Mut!
 
  • #24
Die Liebe fällt nicht einfach so vom Himmel. Erstmal muss man sich ja attraktiv finden. Und klar kann man etwas leisten und etwas verdienen, was die Attraktivität angeht.
Mag sein, dass aus weiblicher Sichtweise das Abwarten angemessen ist, also das Warten auf die große Liebe.
Wieso "Warten auf die große Liebe"? Ich versteh nicht den Zusammenhang zu meinem Beitrag, den Du zitiert hast. Du kannst nichts tun, wenn Dich jemand gefühlsmäßig nicht lieben kann. Vielleicht liebt er Dich zwar dafür, dass Du Dich wahnsinnig um die Person bemühst, aber DU als Mensch wirst trotzdem nicht geliebt deswegen, wenn Du nicht vorher schon so ein Gefühl im anderen ausgelöst hast bzw. wenn er vorsichtig ist oder seine Gefühlsentwicklung länger braucht, auslösen kannst als Möglichkeit.

Dass man was bzgl. seiner Attraktivität leisten kann - da stimme ich Dir zu. Ich finde auch Schönheits-OPs völlig in Ordnung, wenn man sich damit besser fühlt. Aber was willst Du hier "verdienen"? Für eine nette Oberfläche geliebt zu werden, ist doch eher was, auf das man lieber verzichtet. Mir ist schon klar, dass man mit körperlich unattraktiven Merkmalen den Betrachter ablenkt und er vielleicht kein Interesse mehr dran hat, einen kennenzulernen. Aber nicht jeder allgemein hübsch aussehende Mensch denkt sich,' ich verdiene eine ebenso hübsche Person und jemand mit so einem Merkmal verdient mich nicht'. Wer soll das denn einteilen, was hübsch ist und was nicht, und dann müssten ja auch alle geschmacklich in dieses Schema gepresst werden.
Ich rede nicht davon, dass man auf sich achtet, gepflegt ist usw. Das ist für mich ne Selbstverständlichkeit.
 
M

Michael_123

Gast
  • #25
Hallo,

Mit Anfang 30 hast Du im Endeffekt Dein Leben analysiert und die richtigen Schlüsse daraus gezogen. Herzlichen Glückwunsch dazu!

Dass wir in einer oberflächlichen Neidgesellschaft leben muss ich Dir nicht erklären. Das kann man leider nicht ändern. Man kann sich aber weitgehend sein eigenes, ehrliches und positives soziales Umfeld schaffen.

Freu Dich darüber, dass Du Dein Studium geschafft hast und einen abwechslungsreichen & erfüllenden Beruf hast. Sei Dir dessen wirklich bewusst!!!

Doch wie schafft man es, einfach zu sagen, dass man zwar (äußerlich) nicht perfekt ist, aber trotzdem einen tollen Partner verdient hat? Und wie geht Ihr mit der Vergangenheit um, wenn Ihr Euch zu klein habt machen lassen?

Jeder "gute" Mensch hat einen "guten" Partner verdient. Behalte Deine positiven Eigenschaften und passe Dich nicht der Gesellschaft an.
Äußerliche Perfektion gibt es bekanntlich nicht, danach strebt man als Teenager - diese Zeiten sind ja vorbei...:)

Ganz wichtig: Mach Sport! Das stärkt das Selbstbewusstsein, macht Spaß und sorgt für einen geilen Body - allein dadurch hebt man sich rein äußerlich von unserer übergewichtigen Konsumgesellschaft schon ab.

Die Vergangenheit kann man nicht ändern sondern dient dazu, die Gegenwart zu erklären und die richtige Schlüsse zu ziehen. Das hast Du bereits getant.
Falls es noch negative Elemente (Teile der Verwandtschaft) oder falsche Freunde/innen aus der Vergangenheit gibt, die Dir nicht gut tun: beende die Kontakte bzw. reduziere sie auf das nötige Minimum.
(Stichwort Großeltern: diese sind Kriegsgeneration (!) und geschädigte Opfer...ganz schwieriges Thema.)

Alles Gute!
 
  • #26
Guten Morgen,
Mein Rat: Beschäftige Dich nicht damit was alles nicht geht, versuche es zu akzeptieren, sondern damit was Du bewegen und erreichen kannst. Entdecke Deine ganz individuellen Stärken und teile diese mit Menschen.

...sehr schön geschrieben......Genau darin liegt die Stärke und das Konzentrieren darauf, bewirkt die vielen und kleinen Wunder im Leben, die man sonst vielleicht nicht wahrnimmt und öffnet Türen, die sonst verschlossen blieben.
Mir fällt immer wieder auf, dass Menschen mit Beeinträchtigungen oft wahre Meister sind und Perlen, die von innen leuchten. Es wird immer Menschen geben, die sich dadurch beängstigt fühlen und Menschen, die sich daran erfreuen können......
 
  • #27
Doch wie schafft man es, einfach zu sagen, dass man zwar (äußerlich) nicht perfekt ist, aber trotzdem einen tollen Partner verdient hat? Und wie geht Ihr mit der Vergangenheit um, wenn Ihr Euch zu klein habt machen lassen?

Vielleicht kann ich dir ein paar Impulse geben. Ich wurde früher auch gehänselt, aber nicht weil irgendetwas mit meinem Äußeren nicht stimmte. Ich war einfach schüchtern und ließ alles mit mir machen, auch in Bezug auf Männer. Mein erster Freund war ein egoistischer und narzisstischer Mensch, der mein bisschen Selbstbewusstsein nur noch mehr vernichtet hat. Mir ist erst später klar geworden, dass ich so wenig Selbstwertgefühl besaß, dass ich dachte es so zu verdienen. Noch heute reagiere ich oft überempfindlich auf bestimmte Dinge, weil etwas in meinem Kopf sagt "lass dich bloß nicht klein machen so wie damals!".
Mein Aussehen war aber nie das Problem. Ich war damit meistens recht zufrieden und bekam schon immer relativ häufig Komplimente von Männern, nur brachte es mir nichts. Aufgrund meines Typs zog ich immer sehr dominante Männer an die mich klein machten. Das führte ich darauf zurück, dass ich einen schlechten Charakter haben muss. Ich redete mir immer mehr ein, dass alle Männer nur mit mir zu tun haben wollen, weil ich gut aussehe und sie meine Art überhaupt nicht mögen. Entweder unterstellte ich ihnen also nur Sex mit mir haben zu wollen und mich als Trophäe zu sehen, oder wenn mal einer wirklich nett war fühlte ich mich nicht gut genug für ihn.

Leider kann ich dir nicht genau sagen, was sich dann bei mir verändert hat, weshalb ich heute nicht mehr so ticke. Ich glaube aber du bist auf dem richtigen Weg. Es hat bei mir einfach ein paar Jahre und viele positive wie negative Erfahrungen gedauert.
Wie du selbst schon sagst, die eigene Seele hat ein Problem. Man muss sich einen Partner der einen gut behandelt nicht durch Makellosigkeit verdienen.
 
  • #28
Danke für die vielen Anregungen! Es hilft mir sehr, aus meinem Schneckenhaus herauszukommen und den negativen Gedanken ihre Kraft zu nehmen.

Ich weiß gar nicht, auf welche Kommentare ich antworten soll. Es war viel Wahres dabei:
So lange Du das nicht bringst, sondern immer nur um den heißen Brei herum redest, wird sich nichts verändern!
Du hast völlig recht, aber das kann ich seit kurzer Zeit. Ich hatte es gerade aus Anonymitätsgründen nicht gleich geschrieben. Es geht um mein Kinn, welches im Profil markant war. Es ist vielleicht vergleichbar mit dem Profil von Ellie Goulding, obwohl sie auch noch eine markante Nase hat, die bei mir nicht so dominant ist. Vor der OP war es etwas voluminöser und jetzt ist es etwas weniger spitz als bei ihr und schließt mit meiner Oberlippe ab. Es stimmt aber, dass ich früher das Wort noch nicht einmal aussprechen konnte. Ich habe immer versucht, meine Hände vor's Gesicht zu halten, damit andere es nicht sehen. Das ist heute vielleicht mein größtes Problem, dass ich immer noch auf der Hut bin, ob Menschen mich anschauen, über mich reden etc.

@Tini_HH Ich habe bereits eine OP machen lassen. Aber es kommt mir immer noch nicht normal vor und ich denke daher, dass ich es nach all der Zeit des Grämens gar nicht mehr objektiv beurteilen kann, sondern dass es nur am Selbstbewusstsein liegt. Es ist so, wie @frei oder @Clarissa schreiben: Ich bekomme Komplimente, ich mache Sport @Michael_123 und habe sogar einen wie Du es nennst "geilen Body", aber das alles kann die Unsicherheit nicht heilen. Vielleicht ist es so, als wäre ich immer noch als das "hässliche", schüchterne Mädchen verkleidet und es kostet mich viel Überwindung, dieses Kostüm abzustreifen, weil es auf eine Art Sicherheit und Gewohnheit bietet. Ich könnte die Vergangenheit hinter mir lassen, aber ich habe Angst, wenn ich allen Ballast abwerfe, werde ich zu unachtsam und es droht gleich der nächste Angriff.

ich bin mir inzwischen für vieles zu schade.
Das habe ich auch gut geschafft und mich vor allem erstmal von Männern ferngehalten. Ich habe in dem Punkt zumindest Glück, weil ich mein Leben nie an einen Mann oder eine zufriedene Beziehung gekoppelt habe. Ich konnte mich bei den wenigen Männern, die ich kennenlernte, auch immer problemlos nie wieder melden. Aber ich war ja auch noch nie richtig verliebt. Auch traurig, das mit 31 sagen zu müssen.

Andererseits grüble ich oft über die Vergangenheit und mache mir Vorwürfe, dass ich mich überhaupt auf einen Mann eingelassen habe, obwohl ich schon sah, dass er nichts für mich war. Das schlimmste war vielleicht die Erfahrung, dass ich Ihnen egal war, meine Wünsche im Bett nicht gehört wurden und ich einfach mitgemacht habe, zu bedürftig war.

Ihr habt zudem recht, dass man sich niemanden "verdienen" kann. Entweder er liebt einen mit allen Makeln oder nicht. Das zu verstehen, ist aber gar nicht so leicht.
 
  • #29
Liebe Fragestellerin. Jetzt, nachdem ich Deinen letzten Beitrag gelesen habe #27, da wird mir klar, dass Du auch gar keinen sicheren Bindungsstil haben kannst. Ich würde sagen, Du hast einen ängstlichen vermeidenen Bindungsstil und mit dem wirst Du Dir nichts Gutes einhandeln.

Dein Urvertrauen ist so geschädigt. Du kannst Dir nicht vorstellen, dass Dich einfach mal jemand um Deiner selbst willen liebt und vermeidest aus Angst vor Ablehnung schon selbst alles weitere.

Hier wartet eine große Aufgabe auf Dich, denn unser Bindungsstil bedeutet Gedeih oder Verderb in Beziehungsdingen und unter anderem viel Arbeit an eigenen Mustern. Vielleicht auch mit fremder Hilfe.

Ich selbst konnte leider keine fremde Hilfe in Anspruch nehmen, weil ich leider erkennen musste, dass es keine Knöpfe gibt, die eine andere Person bei mir drücken kann. Ich muss da selbst ran. Inzwischen habe ich einen sehr guten und wertschätzenden Partner. Und jetzt muß ich lernen, das anzunehmen und nicht anzuzweifeln. Zu erkennen, dass der für mich ist. Einfach so. Und meine Verlustängste, die mich manchmal sehr einschnüren, die hätte ich gerne los.

Man muß definitiv lernen, das Gute im Leben anzunehmen. Das ist manchmal noch schwerer, wie sich mit dem Schlechten zu arrangieren.
 
  • #30
Ich hab mir gerade Bilder von Ellie Goulding angesehen und finde die Frau schön, sogar ungeschminkt. Ja, ihr Gesicht ist nicht püppchenhaft, aber ihre Gesichtszüge sind das im Ganzen nicht, daher finde ich das optisch ausgewogen.
Die schöne Marilyn hatte ein fliehendes Kinn und einen Hubbel auf der Nase, bevor sie sich Schönheits-OPs unterzog und das richten ließ.
Rumer Willis hat bzw. hatte (?) ein Kinn, das mir und auch der Presse aufgefallen war. Und wenn Du Dir Bilder von einer der m.E.n. schönsten Frauen, Reeva Steenkamp, ansiehst, so hat sie auch ein markantes Kinn und noch ne gebogene Nase, was man in gewissen Haltungen sieht.
Wenn Du auf Youtube gehst und nach Sallys Welt suchst, lernst Du medial eine superhübsche Frau kennen, die eine sehr markante Nase hat.

Das alles nur mal als Beispiele. Es wird nun nichts nützen, dass sich Selbstwertgefühl aufbaut. Aber vielleicht siehst Du, dass es nichts ausmacht, sich auch damit noch als Schönheit zu präsentieren, weil - die Frauen gehen ja nicht gebückt und mit dem Gedanken "was bin ich hässlich" durch die Welt, sondern zeigen sich. Das würden sie nicht tun, wenn sie Angst hätten, dass die Öffentlichkeit sich das Maul zerreißt über ihre Optik.

Steenkamp war sogar Model, dabei war sie nur 1,69 - etwas, das du überhaupt nicht ändern kannst (obwohl... ich glaube es gibt sogar schon Operationen, mit denen man sich größer machen lassen kann durch Beinverlängerung) - und hat aber nicht aufgegeben, einen Vertrag zu kriegen. Ihr Kinn ist mit Sicherheit nicht zierlich. Bei Videosequenzen kannst Du sehen, was für eine positive Energie von ihr rüberkommt. Ich denke, sie hat sich nicht in der Kindheit irgendwelche Hässlichkeiten über ihr Aussehen anhören müssen.

Es ist "einfach nur" die Prägung von zu Hause, die Dich lähmt, und keineswegs irgendwas, das DU übernehmen solltest als Gedankengut über Dich, wenn Du in die Welt hinaustrittst. Daran muss man hart arbeiten, aber diese Oma ist ja nur eine Person, die eben sowas sagte. Ich denke, viel schlimmer trifft Dich, dass Deine Eltern Dich nicht verteidigt haben. Hier würde ich ansetzen im Sinne, dass sie Dir nicht geben konnten, was Du in dem Moment gebraucht hättest, und dass das ein Kind unendlich traurig macht. Dann kommst Du drauf, dass deren Eltern ihnen auch nicht das geben konnten, was sie brauchten, und dass es eine Kette ist und vielen Menschen so geht. Um alles, was man idealerweise gebraucht hätte und nicht bekam, muss man m.E.n. trauern. Dabei geht es nicht um Vergebung, sondern darum, die eigene Wunde, die das gerissen hat, zu verstehen, und sich selbst quasi zu heilen.
 
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