• #1

Wie kann man Selbstzweifel in Beziehung thematisieren?

Hallo, wie haltet ihr das in Beziehungen mit Selbstzweifeln und Verlustängsten. Thematisiert ihr diese in eurer Beziehung oder sollte man besser schweigen?
Ich bin aufgrund von mehreren beruflichen Rückstößen seit ein paar Wochen ziemlich angeschlagen. Im Endeffekt weiß ich, dass man sich nach einer gewissen Zeit davon erholt und versuche an meinem Selbstbewusstsein zu arbeiten. Allerdings bin ich gerade ziemlich am Ende und habe ein extrem niedriges Selbstwertgefühl. Dies hat auch zur Folge, dass ich starke Verlustängste meinem Freund (1,5 Jahre Beziehung) gegenüber entwickelt habe. Anfangs habe ich das so gut es geht mit mir selbst ausgemacht.
Vor kurzem habe ich meine Ängste dann doch angesprochen und mein Freund hat sehr verständnisvoll reagiert und meinte, er würde mir helfen wollen meine Zweifel zu verscheuchen. Dadurch haben sich meine Zweifel jedoch noch verstärkt, weil ich Angst habe, dass er mich aufgrund der Verlustängste nicht mehr anziehend und interessant findet und habe das Gefühl er zieht sich seitdem doch etwas zurück.
Auf der anderen Seite will ich aber auch nicht, dass mein Freund das Gefühl hat, er muss sich extra anstrengen um mir seine Liebe zu beweisen. Er kann ja schließlich nichts für mein schlechtes Selbstbewusstsein.
Was würdet ihr mir in der Situation raten? Redet ihr über so etwas mit euren Partnern?
w, 29
 
  • #2
Ich finde es zwar gut - und auch ein Stück mutig -, dass du mit deinem Partner über deine Ängste redest. Doch solltest du dich parallel einem Fachmann/einer Fachfrau anvertrauen. Denn Ängste und Selbstzweifel lassen selten alleine mit Goodwill überwinden, eine Therapie bringt da sicher mehr.

Erfolgserlebnisse bewirken sicher auch einiges - doch woher nehmen, die fallen einem ja nicht täglich und überall in den Schoß.
 
  • #3
Ich hab das jetzt nicht mehr so stark, weil ich finde, es ist sehr wichtig, emotional frei von sowas zu sein. Alles andere gibt riesen Schmerz und der Partner nutzt das in der Regel aus, wenn er deine Schwächen kennt.

Die Welt sollte einfach nicht untergehen, wegen einem anderen Menschen, und wenn er einen verlässt, sonst lebt man ungesund.
Du bist noch sehr jung und musst viel an dir arbeiten.
Hat deine Mutter sehr geklammert?
Du wirst nicht viel machen können, außer mehr Erfahrungen in dem Bereich zu sammeln.
 
  • #4
Es ist gut, dass du mit deinem Partner gesprochen hast. Er sollte über deine Gefühle informiert sein. Aber nur damit er ggf. dein Verhalten richtig einordnen kann. Erwarte nicht, dass er dir irgendwie helfen kann. Im Gegenteil, du spürst bereits die problematische Dynamik die sich zwischen euch entwickelt. Je mehr er versucht dir mit Verständnis zu begegnen um so mehr hast du ein Störgefühl. Je mehr er dich behandelt wie ein bedürftiges Opfer (weil er es gut meint) und dir beweisen möchte das deine Wahrnehmung nicht stimmt, um so mehr verlierst du deine Würde und fühlst dich entsprechend schlecht. Deine Verlustängste werden befeuert. Gut, das du das so früh spürst. Du solltest das nicht mit dir alleine ausmachen. Suche dir kompetente Hilfe, sonst läufst du Gefahr dich und deine Beziehung auf Dauer zu sabotieren. Kaum etwas ist toxischer als diese Spirale aus Selbstzweifeln und den daraus resultierenden destruktiven Verlustängsten. Ich würde dir raten dich mal mit dem Thema "inneres Kind" auseinander zu setzen. Die Bücher von Stephanie Stahl dazu kann ich z.B empfehlen. Ich wünsche dir, dass du deinen Weg findest.
 
  • #5
So langsam wundert mich gar nix mehr. Oder besser gesagt ALLES. Natürlich spreche ich solche Themen in meinen Beziehungen an! Wenn ich richtig Mist gebaut habe, wenn es mir schlecht geht, wende ich mich an meine Freunde und an meinen Partner. Noch nicht mal, um eine Lösung zu erfahren. Aber Trost. Mitleid. Sie fangen mich auf. Das ist doch das Tolle an Freundschaften und Partnerschaften, dass man auch Misserfolge mitteilen kann.

Dass man in diesem Forum gleich zum Therapeuten geschickt wird, spricht für die zunehmende Gefühlskälte unserer Umwelt. Ich bin wirklich schockiert.
 
  • #6
Eine partnerschaftliche Beziehung ist dafür da, dass man offen auch über solche Probleme sprechen kann und von seinem Partner in diesem Fall unterstützt wird.

Dies zu machen ist auch ein Kompliment für dem Partner, weil man ihm dadurch Vertrauen ausspricht.

Kann ich das nicht, existiert es keine Partnerschaft.
 
  • #7
Wenn man schon so lange zusammen ist, lässt sich die Angst ja schlecht verbergen und ich fänd es auch nicht richtig, weil es den Partner verunsichert, wenn man sich zurückzieht. Und man würde es ja zwangsläufig tun.

Ich denke, viel wichtiger ist der Eindruck vom Anfang. Wenn Du damals Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl hattest, hat er das ja als Bild zu Dir abgespeichert und nicht eine ängstliche Frau, die sich anklammert.

Das Problem ist nunmal Deins und Du kannst es nur selbst lösen. Also schön, wenn Du mit ihm drüber reden kannst, aber das Problem bleibt bei Dir. Wenn er Frauen, die hübscher, erfolgreicher, schlanker, was-auch-immer sind, kennenlernt als Kolleginnen oder im Fitnessstudion oder sonstwo, solltest Du erkennen, dass es um DEIN Problem geht und nicht darum, dass ER jetzt die Frau anziehender als Dich findet wegen Aussehen, Erfolg, ... Nerve ihn nicht mit Deinem mangelnden Selbstwertgefühl, indem Du dauernd Liebesbeweise einforderst oder missgünstig oder eifersüchtig wirst. Konzentriere Dich auf Dich und darauf, Dein Leben wieder in bessere Bahnen zu lenken. Arbeite an Deiner Figur, wenn Du denkst, es würde Dich attraktiver machen. Arbeite an Deinen Fähigkeiten, wenn Du sie begehrenswert findest.

Was Besseres fällt mir nicht ein. Unterm Strich heißt es immer: Belaste die Beziehung nicht mit Deinem Problem, nur Du selbst kannst es lösen, also musst Du es nicht zu einem Beziehungsproblem machen, indem Du dauernd Dein Problem thematisierst, ob nun direkt (nicht schon wieder drüber reden) oder indirekt (Eifersucht, Neid, andere Kleinmachen, negative Einstellung zu erfolgreicheren Menschen, ...).
 
  • #8
Prinzipiell - wenn man in einer Partnerschaft nicht mehr darüber reden kann, was einen bewegt, sollte man die Partnerschaft in Frage stellen.

Aber - der Partner kann diese Probleme nicht lösen, er kann nur zuhören.
Er kann nicht permanent Komplimente liefern, oder über jeden Schritt Rechenschaft legen, oder...
Sobald sich die Zweifel, Ängste in Eifersucht, Klammern und ähnlichem ausdrückt, was auf Dauert die Partnerschaft zerstört , sollte man konsequent daran arbeiten. Und dann auch mit professioneller Unterstützung.

W,49
 
  • #9
Eine partnerschaftliche Beziehung ist dafür da, dass man offen auch über solche Probleme sprechen kann und von seinem Partner in diesem Fall unterstützt wird.

Dies zu machen ist auch ein Kompliment für dem Partner, weil man ihm dadurch Vertrauen ausspricht.

Kann ich das nicht, existiert es keine Partnerschaft.
Dem stimme ich volllumfänglich zu. Es hat ja auch einen speziellen Auslöser gegeben, also handelt es sich wohl eher um eine Phase, die vorbeigeht. Kenn ich von mir auch und natürlich rede ich darüber mit dem Partner.
Nur wenn du einen dauerhaften Leidensdruck hast, ist eine Therapie natürlich immer eine gute Option. Der Partner kann die Ursachen nicht verändern, da stimme ich auch zu. Aber einfach für dich da sein und dich in den Arm nehmen sollte eigentlich vorauszusetzen sein.
 
  • #10
Reden!!

Ich hatte häufiger Männer mit Verlustangst und Selbstwert Problemen.

Sie haben es jedoch über Machtspiele, Manipulation etc aus agiert statt drüber zu reden.

Daran ist es gescheitert.

Wenn Dein Freund vertrauenswürdig ist, setzt Euch zusammen. Spricht drüber. Das schafft Verbundenheit und Nähe.
 
  • #11
Vor kurzem habe ich meine Ängste dann doch angesprochen und mein Freund hat sehr verständnisvoll reagiert und meinte, er würde mir helfen wollen meine Zweifel zu verscheuchen. Dadurch haben sich meine Zweifel jedoch noch verstärkt, weil ich Angst habe, dass er mich aufgrund der Verlustängste nicht mehr anziehend und interessant findet und habe das Gefühl er zieht sich seitdem doch etwas zurück.
Ich finde es gut und richtig, dass Du mit ihm gesprochen hast und seine Reaktion bestätigt das ja. Du hast keinen erkennbaren Anlass, die Spirale jetzt weiter zu drehen...
 
  • #12
Es hat in Deinem Unterbewusstsein gearbeitet und innerlich konntest Du nun loslassen. Genieße es oder warum solltest Du es Dir nicht gut gehen lassen?

Bei allen irrationalen psychischen Phänomenen sind ansonsten systemische Aufstellungen sehr gut geeignet, um Klarheit in Deine Befindlichkeiten zu bringen.