• #91
Man macht sich klein, wenn man die Verantwortung nicht bei anderen sucht ? Den Satz kann ich nicht ganz nachvollziehen.
Relativieren tut man nur, wenn man in der Beziehung bleiben will und daher entschuldigen sucht.
Ich muss niemanden zum Täter machen, um mich von der Person zu distanzieren/trennen.
Ein „es passt einfach nicht“, oder „es passt für mich nicht mehr“ reicht völlig aus.

Das Wort Täter hatte ich aus deinem Text aufgegriffen.
Täter machen sich selbst zu Tätern, sei es beabsichtigt oder unbeabsichtigt. Wenn ich dich beleidige, sehe ich nicht dich vorrangig in der Verantwortung, zu überlegen, warum du eine Beleidigung emotional überhaupt an dich heranlässt. Sondern in dem Fall habe ich dir einfach unrecht getan. Mein Part wäre demnach (im Idealfall) der der Wiedergutmachung. Vorrangig durch Anerkennung meines Fehlers und in dem ich mich entschuldige. Dein Part wäre es, dich gut um dich selbst zu kümmern. Es klingt zwar sehr beeindruckend, wenn Menschen meinen, soetwas prallt an ihnen ab, ist doch aber selten der Fall. Verantwortung liegt auf beiden Seiten, nicht nur auf der der geschädigten Person. Vor allem aber sehe ich nicht, dass jemand, der Unrecht tut, lediglich 50 % Anteil an der ganzen Sache hat. Das sehe ich maximal dann, wenn beide "sich nichts geben". Aber wenn man von außen drauf blickt, ist das oft genug, aber nicht immer der Fall.
Mir geht es nicht darum, im Schmerz und in der Wut zu verharren, denke aber, die gehören zum Prozess dazu. Abgrenzung geschieht ja meistens erst dann, wenn wir spüren ( z. B. durch Wut) dass etwas geschehen ist, was uns nicht gut tut oder gar schwer verletzt. Und gerade Wut verdrängt sehr gut bindende Emotionen. Ein tolles Buch zum Thema Wut ist "Wut ist gut" von Daniel Dufour. Empfand ich als sehr heilsam und hat meine Sicht auf Wut auch sehr verändert. Er schrieb unter anderem, dass die subjektiv empfundene Situation nicht mit der objektiven übereinstimmen muss, es aber sehr wichtig ist, die Gefühle zur subjektiven Situation anzunehmen, um sie später genauer zu betrachten und auflösen zu können.

Aber sich mit dem "Täter" zu befassen kann auch sehr hilfreich sein, um zu verstehen, was die Person zu ihrer Handlung bewegte und manchmal stellt man fest, dass man sich auf einmal sogar sehr gut in die Person hineinversetzen kann. Das nimmt dem ganzen manchmal die Härte. Hier in meinem Strang wurde ja auch darauf verwiesen, dass die ehemalige Freundin eventuell gar nicht kann und es nicht einmal böse meint. Das ändert nichts an der Verletzung, macht es aber eindeutig leichter, die stark negativen Emotionen aufzulösen.
Täter ist hier natürlich ein Wort, dass ich auch nicht passend finde, aber ich denke, es ist leichter zu verstehen als Umschreibungen.
 
  • #92
Ja, das ist wahrscheinlich so. Ich glaube auch, dass manche Menschen eigentlich sehr sensibel wären, aber wenn das Schicksal sehr hart zuschlägt, dann vergraben sie das so tief in sich drin, dass von der Empathie und Sensibilität gar nichts mehr übrig bleibt. Die können dann in den Krieg ziehen und Menschen töten, ohne sich dabei was zu denken.

Das sind Überlebensstrategien. Aber manchmal eben auch wirklich fehlende Veranlagung. Allein die Geschlechterunterschiede sind sehr spannend, so weiß man durch Studien, dass bei Jungen mit zunehmendem Alter die Fähigkeit eher abnimmt, während Mädchen eher zulegen. Dann kommt noch die persönliche Disposition hinzu.
 
  • #93
Ich weiß nicht, außerdem erinnert mich diese Art der Bevormundung, das "Behüten"
Also Bevormundung wäre für mein Verständnis, wenn jemand meint zu wissen, was richtig und was falsch für mich ist und das meistens unter dem Deckmantel der Fürsorge. Er/sie trifft quasi für mich Entscheidungen und da würde ich einen Unterschied zur Dominanz ziehen.
In diesem Fall: dass eine Person die Verantwortung und/oder Entscheidungsgewalt über eine andere Person übernimmt.
Das würde ich nämlich nicht sagen. ein dominanter Mensch macht halt von seiner eigenen Entscheidungsgewalt gebrauch. Er/sie sagt: so und so will ich das haben ...

Dem „beugen“ muss sich niemand. Kann man machen, muss man aber nicht...
Was ich im Grunde damit sagen möchte, ja, das Behüten, das von der behüteten Person als Grenzüberschreitung wahrgenommen wird (denn das ist ja immer noch das Bild, in dem wir uns bewegen), hat einen gewissen Beigeschmack.
Den Beigeschmack gibst du dir aber selbst. Aber gutes Beispiel, denn hier erlebst du eine Grenzüberschreitung - dein persönlich subjektives Empfinden, weil es ja keine objektiven Grenzen gibt ( die Ausnahmen mal außen vor gelassen, auf die wir uns als Gesellschaft geeinigt haben im juristischen Sinne usw ). Also liegt der Ball doch bei dir, das zu sagen, oder ?
Mal ein persönliches Beispiel: mein Chef ist sehr dominant. Wenn er etwas will, dann sollte ich am besten alles stehen und liegen lassen, um mich seinen Dingen zu widmen.

Er versucht mich eines morgens anzurufen, während er auf dem Weg ins Büro ist. Ich habe mein Handy in meinem Büro gelassen, weil ich gerade im Gespräch mit einem anderen Kollegen war.

Er stapft also wütend ins Büro und mault mich an: ich habe versucht dich telefonisch zu erreichen!

Ich: meckere nicht, ich war im Gespräch. Was war dir denn so wichtig ? Jetzt habe ich Zeit..

Wir beide müssen lachen ....

Ich muss dem Druck nicht nachgeben, den andere auf mich ausüben.
Und unserem demokratischen Empfinden nach sollte diese Person doch selbst entscheiden dürfen,
Kann sie doch auch....aber zur Wahl musst du ja auch gehen und von deinem Wahlrecht Gebrauch machen. Das Wahllokal kommt nicht zu dir ...
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #94
Vor der Sexismus-Debatte im Zusammenhang mit #metoo ist auch nicht immer so klar kommuniziert worden, dass das potentielle "Opfer" entscheidet
Das ist ein sehr schwieriges Thema, finde ich zumindest....weil es hierbei um strukturelle Macht geht, die viele Männer nun mal inne haben und nicht wenige auch missbrauchen. Aber da herrscht ja dann oft ein tatsächliches Machtgefälle und da ist eigentlich klar, was geht und was nicht.

Alles was sich da im privaten Bereich bewegt, wird für Außenstehende schwer nachvollziehbar. Hat der Mann wirklich klare Anzeichen übersehen ? Wären sie jedem klar ersichtlich gewesen ? Usw. Juristisch gesehen dann sowieso für die Katz, weil ein subjektives Empfinden keine Rechtsgrundlage darstellt.

Ich hatte mit solchen Vorfällen beruflich schon zu tun. Daher weiß ich aus Erfahrung, dass das ein sehr schwieriges Thema ist und leider sehr viel mit dem vorherrschenden Frauenbild zu tun hat.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #95
Bist du selbst in einem narzisstischen Elternhaus aufgewachsen, dass du auch praktisch weißt, wovon du sprichst?
Ja, sonst hätte ich mich wohl nie mit der Thematik beschäftigt.
Mir geht es nicht darum, im Schmerz und in der Wut zu verharren, denke aber, die gehören zum Prozess dazu. Abgrenzung geschieht ja meistens erst dann, wenn wir spüren ( z. B. durch Wut) dass etwas geschehen ist, was uns nicht gut tut oder gar schwer verletzt.
Ja, stimme ich zu .... wenn du sie zulässt und daraus eine Aktion ableitest, dann verharrst du ja nicht in dieser und somit vergeht sie ja auch wieder....
 
  • #96
Es klingt zwar sehr beeindruckend, wenn Menschen meinen, soetwas prallt an ihnen ab,
Wo habe ich das geschrieben, dass das Menschen können?
Wobei ich sagen muss, dass das stark mit dem Grad der Nähe zusammenhängt. Du kannst ja nur jemanden „verletzen“, dem du nah genug stehst ....

Täter ist hier natürlich ein Wort, dass ich auch nicht passend finde, aber ich denke, es ist leichter zu verstehen als Umschreibungen
Das ist einfach aus dem Drama Dreieck übernommen worden von mir...ein Konstrukt um Konflikte zu erläutern ...
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #97
Wo habe ich das geschrieben, dass das Menschen können?

Hast du nicht. Das war ein ergänzender Gedanke von mir dazu, weil diese Haltung durchaus gern mal postuliert wird, auch hier im Forum schon gelesen.
Ich wollte keine Verwirrung stiften. Es passte zu meinem Gedankengang.


Noch nie gehört,
ich lern hier so viel neues kennen, das ist toll 😊
 
  • #98
@HOMESTAR zu der Geschichte mit der Verantwortung übernehmen - das wäre ein vorbildliches Verhalten. Aber wie viele Menschen tun das im Alltag dann auch ?

man kann da leider nicht immer darauf bauen.
auch wenn das für das Fortbestehen einer Beziehung/Freundschaft notwendig ist.
 
  • #99
@HOMESTAR zu der Geschichte mit der Verantwortung übernehmen - das wäre ein vorbildliches Verhalten. Aber wie viele Menschen tun das im Alltag dann auch ?

man kann da leider nicht immer darauf bauen.
auch wenn das für das Fortbestehen einer Beziehung/Freundschaft notwendig ist.

Ganz klar. Daher bewältigt man am Ende vieles allein, ohne Klärung. Auch das muss man lernen.
Ich kann aber nicht beide Parts übernehmen. Ich kann nur Verantwortung für mich übernehmen und lehne ab, mir den Schuh allein anzuziehen. Das ist einfach ein Standing gegenüber der anderen Person. Es ist letztlich auch ein Kraftakt, ungeklärtes allein zu verarbeiten. Da hilft mir die Abgrenzung durch klare Benennung. So habe ich z. B. die körperliche Gewalt verarbeitet und konnte verzeihen. Vielleicht brauche ICH diese Form der Abgrenzung auch, weil ich mich sonst nur noch um mich selbst drehen und mir die Schuld für die Situation geben würde.
 
  • #100
Ich kann aber nicht beide Parts übernehmen. Ich kann nur Verantwortung für mich übernehmen und lehne ab, mir den Schuh allein anzuziehen.
Nee, würde ich auch keinem zu raten. Damit würde sich auch jemanden kleiner machen, als er ist.

Wenn zwei Menschen aufeinandertreffen, dann bringt jeder seine ganz persönliche Lebensgeschichte mit in die Beziehung ( es treffen sich also auch immer zwei kleine Kinder ).

Also besitzt jeder damit Knöpfe, die man ihm nur zu drücken braucht. Manche machen das bewusst und andere ohne jegliche Absicht.

an dem Punkt zu sagen: du bist schuld, dass du diesen Knopf bei mir gedrückt hast, kann man machen. Aber man gibt damit die Verantwortung dafür ab, dass man diese Knöpfe besitzt. Wo kein Knopf, da kann ich nichts drücken. Ich kann also immer nur das triggern, was eh schon da ist. Man macht sich also selbst zum Opfer der Umstände ( man ist an dem Punkt Kind, weil da war man es tatsächlich ).

wenn ich aber erkenne, welche Knöpfe ich besitze, dann kann ich zum einen erkennen, wer mir gut tut und wer nicht und zum anderen mir eine neue Strategie aneignen, die mich anders reagieren lässt, wenn mir jemand diese drückt.
 
  • #101
Also Bevormundung wäre für mein Verständnis, wenn jemand meint zu wissen, was richtig und was falsch für mich ist und das meistens unter dem Deckmantel der Fürsorge. Er/sie trifft quasi für mich Entscheidungen und da würde ich einen Unterschied zur Dominanz ziehen.

Das würde ich nämlich nicht sagen. ein dominanter Mensch macht halt von seiner eigenen Entscheidungsgewalt gebrauch. Er/sie sagt: so und so will ich das haben ...

So, wie du Bevormundung definierst, sehe ich das Behüten von Erwachsenen. Es sieht zumindest eine klare Hierarchie vor, deren Legitimität auf der geglaubten oder tatsächlich vorhandenen Überlegenheit des einen über dem anderen beruht.
a) (Be)Schützt mich jemand in einer finanziellen Problemlage, hat diese Person entweder das Finanz-Wissen oder mehr materielle Ressourcen als ich.
b) (Be)Schützt mich jemand in einer intelligenz- und wissensbezogenen Schieflage (weil ich z.B. in einer Problemlage stecke, die ich intellektuell nicht durchdringen kann - ein Beispiel wäre, ich bin schwer krank und die Ärzte können mir nicht mehr helfen, aber ohne Behandlung muss ich sterben), verfügt eine andere Person über Wissen, möglicherweise aber auch über einen Weitblick (in dem genannten Beispiel dann sicherlich auch über den kühleren Kopf), das ich in diesem Moment nicht habe (z.B. ein Arzt, der sich auch damit auskennt, inwiefern und warum andere nicht mehr helfen können, welche Möglichkeiten es noch gibt etc.).
c) Behüten hat für mich dagegen von der Bedeutung her etwas alle möglichen Lebensbereich Umfassenderes (auch z.B. etwas Moralisches, etwas die pragmatische Intelligenz Betreffendes etc.), vielleicht täusche ich mich da auch. Das passt gegenüber Kindern auf gewisse Weise, nicht aber gegenüber Erwachsenen. Ich frage mich da nunmal, welche Legitimation dahinter stehen könnte, dass jemand allumfassend besser Bescheid wissen könnte als ein anderer. Weder Geld, noch Intelligenz, noch nicht einmal Lebenserfahrung sind in meinen Augen der Weisheit letzter Schluss. Hier schimmert meiner Meinung nach auch so eine Art Absolutheitsanspruch durch und da geht es mir nunmal wie Homestar, sowas finde ich "unwirklich". Absolut kann, wenn überhaupt, etwas in der Mathematik sein. Darüber hinaus bzw. im echten Leben erkenne ich Absolutheiten nicht.
Für mich ist das "Behüten" von Erwachsenen wie gesagt irgendwo in der Nähe von Bevormundung.

Was ich in dem Kontext dann aber noch nicht ganz verstanden habe: Kann es sein, dass du den Unterschied zwischen Dominanz und Bevormundung v.a. in der Intention des Urhebers siehst (ich meine des Dominierenden etc.)? Was ginge die dominierte Person dann aber dessen Intention an, wenn das Resultat am Ende doch das Gleiche ist?

Was mich auch noch interessieren würde:
Wo liegen für dich die Unterschiede zwischen Dominanz und Manipulation?
 
  • #102
Ja, sonst hätte ich mich wohl nie mit der Thematik beschäftigt.
Hier lese ich eine winzig-kleine Spitze heraus, ich mache das selbst oft genug und interpretiere das dann häufig so - nicht immer - dass man für einen Moment nicht ganz kontrolliert war bzw. alte Emotionen kurz die Kontrolle übernommen haben.

Worauf ich eigentlich hinaus will, dass "Behüten" in Verbindung mit dem Überstülpen fremder Bedürfnisse über die eigenen steht, ist schon so ne Sache... Narzissmus ist vor dem Hintergrund eine Strategie, die Kontrolle wieder zu übernehmen (nach dem Verlust der Kontrolle im familiären Umfeld). Dominanz hat in meinen Augen auch etwas von Kontrolle. Wer kann es einem da verübeln, dass man, nachdem man sie oft nicht hatte, nur die Kontrolle über die Dinge oder eben über andere (wieder) haben will? Es ist klar, dass die Antwort, sollte ein Narzisst fragen, "im Prinzip jeder" lautet. Von dominanten Menschen gestellt, würde die Antwort anders lauten.
Dominanz ist dann aber in meinen Augen auch nur die mildere Reaktion auf einmal verloren gegangene (oder nie existent gewesene) Kontrolle.

Dass das Aufwachsen in narzisstischen Familien auch etwas mit nicht vorhandenen Grenzen zu tun hat, leuchtet mir nur unter dem Umstand ein, dass es sich dabei um die selbstauferlegten Grenzen handelt, die durch die eigentliche Reziprozität der Liebe (zwischen Eltern und Kind) entsteht.
a) Grenzen im eher materiellen Sinne (Einhalten von Regel a und Regel b, sonst Strafe c) sind zumindest rudimentär ja nicht automatisch ausgeschlossen. Die Konsequenz bzw. Transparenz in der Durchführung ist nur eben nicht immer gegeben.
b) Grenzen im emotional-reziproken Sinn fehlen, weil Liebe und alles, was damit zusammenhängt (z.B. Enttäuschung über schwerwiegende Lügen des Kindes und alle Graduierungen dorthin) nicht "echt" und sicher da sind. Das Kind kann dann z.B. Grenzen überschreiten und alles was es als Echo zurückbekommt, sind Strafen. Die unterdrückte Enttäuschung der Eltern erlebt es nicht und all diese "Nuancen" im Dazwischen, wenn jemand weiß, dass er Mist gebaut hat, die anderen ihn aber einfach trotzdem mögen und aber vielleicht mal "echt" geknickt sind und so. Das Grenzenausloten wäre dann ein anderes, weil die Verantwortung automatisch wieder ins Kind zurückverlagert wird, ohne dass irgendjemand das Kind überfordern würde. Und in dem Sinne gebe ich deiner Aussage dann Recht, dass narzisstische Familien auf eine Weise gar keine "echten" (nicht-materiellen) Grenzen setzen.

Und so etwas würde dann in der Tendenz oder auf gewisse Weise eben "blind" machen, was ich in Kombination mit Dominanz dann aber unangenehm finde.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #103
Hier lese ich eine winzig-kleine Spitze heraus, ich mache das selbst oft genug und interpretiere das dann häufig so - nicht immer - dass man für einen Moment nicht ganz kontrolliert war bzw. alte Emotionen kurz die Kontrolle übernommen haben.
Nehme es mir nicht krumm: aber es gibt nichts unklügeres, als zu meinen, dass man über die schriftliche Kommunikation, irgendwelche Zwischentöne herauslesen könnte. Du interpretierst da zu viel rein....

Du solltest, deine persönliche Interpretation und Bewertung, nicht als „Objekte Wahrheit“ ansehen und daraus irgendwelche Rückschlüsse auf die Intention und Motivation anderen ziehen. Sonst ist man da 1. schnell mal auf dem Holzweg und 2. ist das auch ziemlich egozentrisch, weil statt den anderen so zu sehen, wie er/sie ist, beschäftigt man sich nur mit sich und seinen Wahrnehmungen.

Zu der Dominanz Thematik: das ist ein Persönlichkeitsmerkmal. Kennst du die BIG Five? Das ist ein wissenschaftliches Konzept, um die Persönlichkeit eines Menschen „messbar“ zu machen.

Bei Interesse zu "Big Five" bitte bei Wiki googeln.

Dementsprechend kannst du einem Menschen schlecht sagen: sei mal nicht du selbst, das find ich nicht gut. Wäre doch genau das Thema hier, oder?
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #104
Dass das Aufwachsen in narzisstischen Familien auch etwas mit nicht vorhandenen Grenzen zu tun hat, leuchtet mir nur unter dem Umstand ein, dass es sich dabei um die selbstauferlegten Grenzen handelt, die durch die eigentliche Reziprozität der Liebe (zwischen Eltern und Kind) entsteht.
Richtig, und daher muss man sich selbst wieder „spüren lernen“. Das macht man in einer Therapie. Die Anteile herausfiltern, die zu einem selbst gehören und die, die zu anderen gehören.
Dominanz ist dann aber in meinen Augen auch nur die mildere Reaktion auf einmal verloren gegangene (oder nie existent gewesene) Kontrolle.
Wie gesagt: das ist halt deine ganz persönliche Interpretation. Wissenschaftliche müsste man dir aber widersprechen. du kommst ja nicht als weißes Blatt Papier auf die Welt. Sondern bringst schon eine genetisch veranlagte Persönlichkeit mit. Daher spricht man ja auch von Persönlichkeitsentwicklung. Da wird also etwas „entwickelt“, das schon vorhanden sein muss.

Hast du dich mal wissenschaftlich mit der Bindungstheorie auseinandergesetzt ?

Wenn zwei Kinder in dieselbe Familie hineingeboren werden und unter denselben Bedingungen aufwachsen, können sie dennoch unterschiedliche Bindungsstile entwickeln und das hängt halt mit ihrer genetischen Disposition zusammen.

Dominanz hat wirklich nichts mit Grenzen haben, oder nicht haben zu tun. Sondern damit, wie gut jemand in der Selbstbehauptung ist und wie wichtig es dieser Person gleichauf ist, dabei „Rücksicht auf die Interessen anderer“ zu nehmen. Daher spricht man ja innerhalb der BIG Five auch von Verträglichkeit.

Menschen, die besonders verträglich sind, sind ja nicht weniger von ihren eigenen Interessen und Bedürfnissen getrieben. Sie können sich selbst nur schlechter durchsetzen und setzen daher mehr auf „Kooperation“.
 
  • #105
Aber es ist ja auch klar, dass nicht jeder mit jedem kann. Wenn ich ein Problem damit habe, mich selbst zu behaupten, dann werden mir dominante Menschen sehr unangenehm sein, weil ich mich schnell „überfahren„ fühle.

Mir scheint es so, dass das „Grenzen setzen“ bisschen fehlinterpretiert wird. Man kann einem Menschen nicht vorschreiben, was er zu tun, oder zu lassen hat. Man kann lediglich in sich hineinspüren, was einem angenehm oder unangenehm ist und auf Basis dessen eine Handlungsoption ableiten.

Und das hängt doch auch wieder stark mit dem Grad der Intimität zusammen, in der man sich mit dem anderen befindet, Oder?

Wenn eine „Beziehung“ nicht besonders „nah“ ist, dann kann ich mich innerlich einfach davon distanzieren und mir meinen Teil dazu denken.

Auf den Rest gehe ich mal heute Abend ein :)
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #106
Dementsprechend kannst du einem Menschen schlecht sagen: sei mal nicht du selbst, das find ich nicht gut. Wäre doch genau das Thema hier, oder?

Du solltest, deine persönliche Interpretation und Bewertung, nicht als „Objekte Wahrheit“ ansehen und daraus irgendwelche Rückschlüsse auf die Intention und Motivation anderen ziehen. Sonst ist man da 1. schnell mal auf dem Holzweg und 2. ist das auch ziemlich egozentrisch, weil statt den anderen so zu sehen, wie er/sie ist, beschäftigt man sich nur mit sich und seinen Wahrnehmungen. 🤷‍♀️
 
  • #107
Du solltest, deine persönliche Interpretation und Bewertung, nicht als „Objekte Wahrheit“ ansehen und daraus irgendwelche Rückschlüsse auf die Intention und Motivation anderen ziehen. Sonst ist man da 1. schnell mal auf dem Holzweg und 2. ist das auch ziemlich egozentrisch, weil statt den anderen so zu sehen, wie er/sie ist, beschäftigt man sich nur mit sich und seinen Wahrnehmungen. 🤷‍♀️
Ich beziehe mich auf den aktuellen wissenschaftlichen Stand bei der Thematik und nicht auf meine persönlichen Interpretation ;)
 
  • #108
Ich beziehe mich auf das ", oder"?

Es wäre mir eine Ehre gewesen, wenn dich mein Text wenigstens ein bisschen zum Nachdenken gebracht hätte. Stattdessen habe ich leider einen Katalog mit Richtlinien zurückbekommen:

es gibt nichts unklügeres, als zu meinen, dass man über die schriftliche Kommunikation, irgendwelche Zwischentöne herauslesen könnte.
"Interpretiere meine Aussagen nicht. Deine Interpretationen haben da nichts zu suchen."
Du solltest, deine persönliche Interpretation und Bewertung, nicht als „Objekte Wahrheit“ ansehen und daraus irgendwelche Rückschlüsse auf die Intention und Motivation anderen ziehen.
"Vertraue nicht auf deine Wahrnehmung und die sich daraus erhebenden Schlussfolgerungen über die Welt." Dies ist übrigens nur einen Katzensprung von der Freiheit entfernt, die du hier für dich selbst einforderst:
Dementsprechend kannst du einem Menschen schlecht sagen: sei mal nicht du selbst, das find ich nicht gut. Wäre doch genau das Thema hier, oder?

Danke, aber nein.

Und auch hierzu nein:
Aber es ist ja auch klar, dass nicht jeder mit jedem kann. Wenn ich ein Problem damit habe, mich selbst zu behaupten, dann werden mir dominante Menschen sehr unangenehm sein, weil ich mich schnell „überfahren„ fühle.
Nein. Mir sind derart dominante Menschen, die zum Beispiel ständig irgendwas einfordern von mir oder anderen, dass sie selbst nicht einhalten wollen, die mir oder anderen am liebsten noch vorschreiben wollen, wann und wie sie zu denken haben, schlicht zu anstrengend.

Da "schwingen die Sympathien" nicht. Da ist keine menschliche Nähe und zwischenmenschliche "Liebe", keine verspielte Neugier am anderen und daran, wie er so ist. Diese verspielte Neugier ist aber erst der Motor des Sich-Kennenlernens in einem tieferen Sinn ohne Machtanspruch.
 
Zuletzt bearbeitet:
Top