• #1

Wie kann ich meine depressive Freundin unterstützen?

Hallo zusammen,

Ich hoffe, ich bin hier im richtigen Unterforum.
Ich, 28 bin seit Ende September mit einer Frau (ebenfalls 28) zusammen, die ich schon seit Kindheitstagen kenne. Die ersten 1,5 Monate waren wunderschön und dann kamen ihre Depressionen zurück (hat sie phasenweise öfter). Ich habe in der Vergangenheit ebenfalls mit Depressionen zu kämpfen gehabt und bin jetzt nach 7 Jahren Single sein, das erste Mal wieder so weit, eine Bindung einzugehen. Sie hat sich komplett zurückgezogen und wir haben uns in den letzten 2 Wochen vll 3 Stunden gesehen. (Sie sagt, sie will nicht, dass ich sie so sehe). Sie will nicht mit mir über ihre Probleme reden und sagt, dass ich nicht immer nachfragen soll, wie es ihr geht (sowas kenn ich von mir selbst von früher). Ich möchte aber an ihren Problemen teilhaben und ihr helfen. Sie hat gesagt, dass es nicht an mir liegt, ich ihr gut tue und sie keinen anderen möchte. Das selbe von meiner Seite. Sie hat mir allerdings andererseits nahegelegt, dass sie mir nicht gut tut und sie verstehen kann, wenn ich nicht mehr möchte, da sie momentan so schwierig ist. Ich möchte aber unbedingt mit ihr zusammenbleiben, weil ich weiß, was für ein Mensch sie ist, wenn sie keine depressive Phase hat. Ich weiß nicht mehr weiter. Wie kann ich ihr helfen, ohne ihr auf die Nerven zu gehen? Klar, sie muss selber da rauskommen. Aber wie kann ich sie unterstützen? Ist die Beziehung zum scheitern verurteilt? Ich weiß nicht mehr weiter :(

Viele Grüße, rkn
 
  • #2
Man weiß mittlerweile, Depression ist eine Einstellungssache. Sie hat dir zu verstehen gegeben, dass sie NICHT möchte, dass du ihr hilfst. Diese Grenze zu überschreiten ist frustrierend für sie und könnte sie wieder tiefer in die Depression bringen.

Warum muss sie denn da rauskommen, in deinen Augen? Das entscheidet sie ganz allein! Es hilft keinem, wenn sie einen auf pseudo-glücklich macht, um dich zufriedenzustellen!

Auch solltest du das nervige Nachfragen sein lassen. Du hast sie so kennengelernt, und wolltest sie so, also was jetzt? Geliefert wie bestellt!
 
  • #3
Aber wie kann ich sie unterstützen? Ist die Beziehung zum scheitern verurteilt? Ich weiß nicht mehr weiter :(

Ich bin selbst zum Glück bisher von Depressionen verschont geblieben und würde auch ganz ehrlich keine Partnerin wollen, die da ernsthafte Probleme hat. Daher kann ich Dir nicht aus eigener Erfahrung raten, andere hier sind kompetenter.

Was mich aber wundert, ist dass Du als selbst Betroffener da völlig ratlos bist. Könnte Dir Dein Therapeut helfen? Selbsthilfegruppen? Foren gezielt für Menschen mit Depressionen? Wohin bist du mit Problemen zu Deinen eigenen Depressionen gegangen?
 
  • #4
Gar nicht! Ich denke tief in dir weißt du das auch. Schließlich bist du selber betroffen. Das Problem das ich sehe ist, dass du Gefahr läufst sie zu therapieren. Für andere derartig wirksam sein zu wollen, ist eine gerne genommene Taktik um von sich selber abzulenken. Wenn du ihr wirklich helfen willst, lässt du sie ihren Weg aus der Depression selber finden. Das kann ihr kein noch so bemühter Mensch abnehmen. Das scheint sie zu wissen. Sie ist so klar mit sich, das sie dir das auch kommuniziert und sich nicht zumuten will. Es ist mehr als fair, dass sie dich nicht benutzt und mit sich in die tiefe reißt. Respektiere das! Sei dann für sie da, wenn sie das zulassen kann. Hüte dich vor Co-Abhängigkeit. Nutze die Zeit, in der sich dich nicht um sich haben kann, für dich und deine Psychohygiene. Schreibe ihr kleine, liebevolle Briefe an ihr "gesundes ich", stelle ihr kleine Aufmerksamkeiten vor die Türe. Ab und zu ein Zeichen, dass du da bist. Mehr kannst und solltest du nicht tun, so schwer das auch fällt.
@Zuhii Wer ist "man"? Und wo steht das? Mitnichten ist es immer eine reine Einstellungssache. Stoffwechselanomalien, Hormonelle Entgleisung, Traumata, die der Betroffene verdrängt hat. Zusammenhänge auf die ein Erkrankter erst einmal kommen muss. Einen wirklich guten Therapeuten finden, der die Ursache und nicht die Symptome behandelt ist auch nicht eben einfach. Sich aus einer handfesten Depression zu befreien ist so schwer wenn man drin steckt, auch wenn die Mittel dazu manchmal so einfach sind.
 
  • #5
Wie kannst Du Ihr helfen?

1. Akzeptieren Sie, dass es Ihr schlecht geht.
2. Ermutigen Sie Sie, sich Hilfe zu suchen.
3. Nehmen Sie Ablehnung nicht persönlich.
4. Geben Sie keine guten Ratschläge, sondern helfen Sie.
(Nicht sagen, was jemand tun soll, sondern bereit stehen, wenn derjenige Hilfe annehmen will. Z.B. bei der ganz normalen Alltagsbewältigung wie z.B. die Wohnung putzen oder ähnliches)
5. Der wichtigste Ratschlag zum Schluss: Achten Sie auf sich selbst.

Leider gehört schlechte Stimmung und die Welt in schwarz sehen zum Krankheitsbild. Daher wird Aufmunterung im Sinne von Gute Stimmung erzeugen, keinen Erfolg haben. Denn wenn das nachhaltigen Erfolg hätte, dann wäre es keine Depression gewesen.

Ich persönlich reagiere während depressiver Phasen mit Rückzug. Die habe ich allerdings meistens im Hochsommer. Im dunklen Herbst und Winter blühe ich jedes Jahr auf.

Und während des Rückzugs würde es mich nur noch mehr nerven, wennn ich mich dann auch noch mit anderen Menschen auseinander setzen müsste, die irgendwelche Bedürfnisse oder ihr Helfersyndrom an mir befriedigen wollen.
 
  • #6
Depression ist eine Krankheit! je nach Ausprägung eine schwere Krankheit.
Sehr gut ist, dass deine Freundin sich selbst gut wahrnehmen und einschätzen kann.Klassisch ist auch zur Depression
Gehörig ,dass sie Hilfe ablehnt.Das ist ein
Haken, der manchmal schwer zu überwinden ist..
Wie kannst du helfen?
Informiere dich über die Krankheit z.B.
Deutsche Depressionshilfe, dortige Foren,
Erfahrungsberichte.INFORMATION ist das Zauberwort für dich.
2. Durch professionelle Hilfe kann es möglich werden, daß es nicht chronifiziert
Und sie in jungen Jahren da heraus kommt.Professionell heisst Psychotherapie und Medikamente.
Wenn die Phase länger dauert auch u.U.stationär in einer Psychofachklinik.
Und da wird es schwierig, das Ablehnen von Hilfe ist oft Teil der Krankheit wie schon gesagt.
Ein kleiner Schritt wäre vielleicht, ihr zu helfen einen ambulanten Arzttermin auszumachen und sie dahin zu begleiten. Es gehört auch mittelfristig eine gute Diagnosestellung dazu, um die Ausprägung der Erkrankung zu erkennen.
Dh. Eine Phase in 4 Jahren oder 6Monate am Stück pro Jahr überspitzt gesagt.
in jedem Fall: Profis sind gefragt.

Wünsche dir vielGlück und
Viel Geduld.....
W Fachfrau
 
  • #7
Ehrlich gesagt habe ich keine wirkliche Ahnung. Ich habe einen Freund dessen Frau an teilweise sehr schweren Depressionen leidet. Das ist schon sehr belastend auch für den Partner, welcher teilweise einfach nur Hilflos ist. Ich denke auch du kannst aktiv gar nicht so viel tun, außer ihr das Gefühl zu vermitteln das du da bist wenn sie dich braucht. Bei der Frau meines Freundes geht es nicht ohne Prof. Hilfe. Ich denke der Gesunde Mensch kann sich da nur sehr schwer hineinversetzen und verstehen, was das ganze dann auch Gefährlich macht. Wenn ich sehe wie viele Hobby Psyschologen heutzutage herum laufen und alles darüber zu wissen scheinen wird mir schon etwas Angst und Bange. Du solltest nicht versuchen ihr zu helfen nur weil du denkst selbst damit zu gehabt zu haben. Denn das kann eine ganz andere Variante gewesen sein oder noch immer sein. Ermutige sie eher und das ohne Druck aufzubauen, sich von Experten helfen zu lassen.
m46
 
  • #8
Spendiere ihr einen Thermentag, mit Sauna, Massage, Solarium, viel Liebe, Lächeln und Zärtlichkeit. Redet nicht über Probleme und vor Allem nicht über "ihre". Fühle Dich nicht als Arzt, als Behandler eines Zustandes, sondern als liebevoller Begleiter. Gib ihr nicht das Gefühl, dass Du Verständnis zeigst, sondern nimm sie ganz einfach so, wie sie ist. Gib ihr nicht das Gefühl, ein "hilfswilliger Partner" zu sein, sondern ein "liebevoller". Übernimm Du in solchen Situationen ganz anschmiegsam die Führung, leite sie, organisiere Du, schlage Du vor, lächle sie an, streichle sie, küsse sie, streue Komplimente ein.

Fühle Dich nicht als Opfer. Das ist das Leben. Du könntest auch stürzen und Wochenlang im Gips liegen. Nichts würde Dich mehr nerven, als Dauer-Extrem-Fürsorge Anderer. Wer will schon im Leben ein Dauer-Befürsorgter sein? Das macht depressiv. Das gibt einem das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden.

Siehst Du wieder ein Problem aufkommen, spendiere ihr wieder einen Thermentag und vor Allem "schaue auf Dich". Liebst Du sie, willst Du sie, dann tue es für sie. Wenn nicht, dann suche Dir eine Andere. Du bist nicht verantwortlich für ihr Leben.

Alles Gute und liebe Grüße
Kepler
 
  • #9
Der Vater meiner Tochter leidet an Depressionen. Je nach meiner eigenen Stimmungslage glaube ich ihm das oder denke, dass er ein Schmarotzer ist.
Ok, sagen wir, ich glaube ihm.
Er zog mit 17 zum Studium weg und war bis dahin gesund.
In der Großstadt lernte er vor allem zu kiffen und am See zu liegen, brach im 7. Semester sein Studium ab und bekam dann auch die ersten Verstimmungen.
Ich lernte ihn ca. 15 Jahre später kennen, da war er im Vollbild.
Ich lernte ihn in einer manischen Phase kennen und er war einfach umwerfend. So witzig und kreativ und charmant und klug, der tollste Mann, den ich je getroffen hatte.
Dann kam der Absturz aber da war ich schon verliebt.

sondern bereit stehen, wenn derjenige Hilfe annehmen will. Z.B. bei der ganz normalen Alltagsbewältigung wie z.B. die Wohnung putzen oder ähnliches.
´
Hab ich dann auch und nach kurzer Zeit machte ich komplett alles ( Geld verdienen, Haushalt und Kind ), während er nur im Bett lag, das meine ich wörtlich.
Nach drei Jahren trennte ich mich und weil er einfach im Bett liegen blieb, zog ich mit allem aus, bestellte Gas, Wasser und Strom ab und ließ ihn einfach dort, die Wohnung gehörte mir.
Seine Eltern machten mir bittere Vorwürfe, weil ich den kranken Mann einfach sich selbst überlassen hatte.
Er zog dann bei ihnen wieder in sein Kinderzimmer ein und legte sich dort ins Bett, für 12 Wochen.
Danach machten seine Eltern mir keine Vorwürfe mehr.

Es folgten viele Therapien, stationäre von bis zu einem halben Jahr Dauer und dazwischen ambulante.
Als er etwa 50 war, hatte er wieder eine Freundin und die trat ihm so richtig in den Hintern.
Er hat in ihr seinen Herrn und Meister gefunden, die Frau, die mit ihm zurecht kommt.
Er kam in eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, so was für 1€/Stunde und da ging er tatsächlich immer hin, keine besonderen Ausfälle. Bis heute, das klappt seit ca. 10 Jahren, mit 50 schaffte er es erstmals, einen geregelten Tagesablauf auszuhalten.
Ich habe meine Tochter, die ein bisschen Kontakt zu ihm hat, gefragt, was sie denkt, warum das jetzt plötzlich klappt, was vorher nie jemand geschafft hat. Sie sagt, dass die neue Frau so ein Drachen sei, dass es im Büro immer noch schöner sei als zuhause. Wenn er im Bett liegt, macht sie ihm das Leben zur Hölle ( das sind seine Worte ).

Tja..., was man so alles an Hilfe leisten kann.

Ich jedenfalls ziehe sofort die Notbremse, wenn ich bei einem neuen Kontakt, auch wenn es sich um eine Freundschaftsanbahnung zu einer Frau handelt, merke, dass es in diese Richtung laufen könnte.
Ich bin maximal weit weg vom Helfersyndrom, das bekomme ich hier auch gelegentlich vorgeworfen mit Worten wie 'entsetzt' und 'empört', und ich möchte mit solchen Menschen nie mehr näher zu tun haben.

w 50
 
  • #10
Oh weh. Du armer Tropf. Nun steht Dir eine schlimme Zeit bevor. Du wirst Dich bemühen, Verständnis zeigen, versuchen zu helfen, Vorschläge machen, Deine eigenen Bedürfnisse zurückschrauben und was kommt von ihr: nichts. Ausser, dass Du Verlustängste bekommen wirst. Denn: sie hat ja schon gesagt, dass Du was besseres verdienst. Damit hat sie Dir die Ausgangstüre schon gezeigt.

Menschen mit Depressionen sind in der Regel keine guten Beziehungspartner. Wie auch. Sie haben so sehr mit sich zu tun, dass es für jemanden anderen keinen Kopf mehr haben.

Vielleicht hat sie wieder eine gute Phase, dann wirst Du Dich wie im 7. Himmel fühlen, bis zur nächsten Bauchlandung. Es kann Dir auch passieren, dass sie ihre Gefühle nicht mehr spüren kann, dann wird sie sich von Dir trennen müssen. Es gibt auch einige von diesen Leuten, die gehen in eine Psychoklinik. Und weißt Du, was dann sehr sehr oft passiert: die machen mit ihrem Partner Schluss.

Ich bin schon vor vielen Jahren dahinter gekommen, dass man mit einem potenziellen Partner vorher einen Psychotest machen sollte, mal so überspitzt formuliert. Und Forscher haben es bestätigt: für das Gelingen einer guten Beziehung ist eine gesunde Psyche erforderlich.

Du findest mich jetzt böse. Kann sein, denn ich bin auch psychogeschädigt. Es haben einfach zu lange solche Depressiven auf mir herumgetrampelt. Und ich habe geglaubt, dass man Verständnis haben und helfen muß.

Ich sag Dir, wie es ausgehen wird: Du wirst sie nicht hochziehen. Aber sie wird Dich runterziehen. Pass auf Dich auf. Viel Glück.

Ach, bevor ich es vergesse: Depressionen sind vererbbar. Wenn Du also jemals Kinder mit ihr haben solltest, dann musst Du damit rechnen, dass Dein Kind ebenfalls darunter leiden wird.
 
  • #11
Aus meiner Sicht kannst du nur 2 Dinge machen....
- erstens: ermutige sie, sich einem Profi anzuvertrauen... ich denke, sie braucht einen guten Medizinmann ...
- zweitens: Gib ihr Sicherheit. Schreibe ihr (altmodisch, auf Papier, gerne von Hand, in jedem Falle aber selbst unterschrieben), dass sie dir wichtig ist und dir gut tue, dass du respektierst, dass du nicht nachfragen sollst, das für dich auch nichts mit "schwierig" zu tun hätte. Du allerdings möchtest, dass sie weiss, sie kann sich immer an dich wenden. Und du ihr das deshalb schriftlich gibst.

Ausser viel Geduld haben kannst du nicht mehr machen.
 
  • #12
Lieber FS
Ich hatte auch mehrere depressive Episoden, deren Ausbruch ich inzwischen früher erkennen und verhindern oder begrenzen kann. Das musste ich mir weitgehend selber erarbeiten.
Der Weg aus der Depression gelingt sicher nicht durch dauerhaften Rückzug. Körperlich aktiv sein, kleine Ziele setzen und über die innere Welt reden, sich anvertrauen, fand ich wichtig. Es braucht ein starkes und zuversichtliches Gegenüber, das sich selbst nicht in die negative Stimmung reinziehen lässt und gut für sich sorgt. Auch braucht es viel Geduld und Nerven. Aber das kann gut werden. Therapie kann es besser oder schlimmer machen, wenn man am falschen Ort landet ist es kontraproduktiv. Ich hab kein Patentrezept aber ich gratuliere dir, dass es dir besser geht und hoffe, ihr geht's auch bald wieder etwas besser.
 
  • #13
Hallo zusammen,
Ich möchte aber unbedingt mit ihr zusammenbleiben, weil ich weiß, was für ein Mensch sie ist, wenn sie keine depressive Phase hat. Ich weiß nicht mehr weiter.
Lieber rkn, Deinen Gedanken oben, dass "du weisst, was für ein Mensch sie ist ohne Depression", solltest du ganz schnell verabschieden. Sie ist der Mensch, der sie ist, und die Depression ist ein Teil davon, der sehr zerstörerisch sein kann. Versuche sie zu professioneller Hilfe zu bewegen. Lehnt sie dies ab, solltest du dich trennen, denn du kannst ihr nicht helfen und riskierst, selber in ein Loch zu fallen. Du bist jung und hast dein Leben noch vor dir. Nimm dein Glück in die Hand!
 
  • #14
Spendiere ihr einen Thermentag, mit Sauna, Massage, Solarium, viel Liebe, Lächeln und Zärtlichkeit.
Hm...ein Mensch in einer depressiven Phase geht nicht mit in die Therme, er bleibt im Bett oder mindestens in der Wohnung.
Und das am liebsten allein.
Ok, ich kenne nur den einen gut und dazu ein paar seiner Leidensgenossen flüchtig, vielleicht gibt es ja wirklich Leute, mit denen das geht, vor allem, wenn sie nur ganz leicht betroffen sind ( mies drauf ).
Aber ich denke, du beschreibst ein Paradoxon. Jemand, der sich freut, irgendwo hin zu gehen oder mit dir zu schmusen, ist zumindest jetzt gerade nicht depressiv.

w 50
 
  • #15
habe in der Vergangenheit ebenfalls mit Depressionen zu kämpfen gehabt ..... Sie will nicht mit mir über ihre Probleme reden..... Ich möchte aber an ihren Problemen teilhaben und ihr helfen....

Lieber FS,
wenn ich sowas lese, geht mir der Hut hoch. Hattest Du wirklich Depressionen oder hast Du Dir nur eine Null-Bock-Phase als solche geadelt?
Wenn Du selber Depressionen hattest, dann solltest Du aus leidvoller eigener Erfahrung wissen, dass es das diametrale Gegenteil von hilfreich ist, wenn Du einen Menschen bedrängst, der in Depressionen seine Ruhe haben will.
Klartext: lass' sie in Ruhe und beschäftige Dich anderweitig bis es ihr besser geht. Das hilft ihr mehr als ein übermotivierter, aber unfähiger weil unempathischer Helfer.

Warum ich Dich als unempathisch bezeichne, obwohl Du doch helfen willst? Als Exdepressiver weißt Du genau wie es ihr in einer akuten Krankheitsphase geht und Du lebst jetzt Deinen Egoismus zu ihren Lasten aus. Du willst endlich eine Frau, egal ob sie krank ist und wie es ihr mit Deiner Bedränger geht. Du hast Angst, dass sie sich Dir dauerhaft entzieht und stellst das in den Vordergrund.

Wie kann ich ihr helfen, ohne ihr auf die Nerven zu gehen?..... Aber wie kann ich sie unterstützen? Ist die Beziehung zum scheitern verurteilt?
Die Beziehung ist unweigerlich zum Scheitern verurteilt, wenn Du sie bedrängst/ihr auf die Nerven gehst. Du kannst ihr garnicht helfen, aber Du kannst sie unterstützen - das musst Du als erstes unterscheiden.
Wenn Spsie rezidivierende Depressionen hat, dann war sie bereits mehrfach in Behandlung und kennt sich mit den Themen Psychotherapie und Medikamente aus, d.h. für Dich zu diesen Themen Klappe halten. Dazu must Du nichts sagen, sie zu nichts drängen. Sie weiß was zu tun ist und tut es wenn es geht.
Unterstützen heißt: Angebote machen, die nicht fordern, z.B. bei einem Spaziergang begleiten, zusammen ins Kino gehen, wo sie nicht reden muss etc. Kennst Du aus Sicht von Depression den Unterschied zwischen Angebot machen (= nein klaglos akzeptieren) und helfen wollen (=bedrängen)?

In meinen dunkelsten Stunden war mein Hund meine beste Stütze - hält die Klappe, verlangt nichts und hat sogar seine sonst stürmische Zuneigung zurückgefahren von "vor Begeisterung umwerfen" auf "Wedeln mit der Rutenspitze". Seine stille Zuneigung/meine Traurigkeit Aushalten koennen ohne Forderungen nach Änderung zu stellen hat mir am meisten geholfen. Wie schade, dass kaum ein Mensch das kann.

Thermentag, mit Sauna, Massage, Solarium, viel Liebe, Lächeln und Zärtlichkeit....lächle sie an, streichle sie, küsse sie, streue Komplimente ein.
Bloss nicht, wenn Dir Dein Leben lieb ist. Gerade wenn körperliche Bedrängnis zuviel wird, kann Depression in ungehemmte Aggression umschlagen - als letzter Ausweg, sich Ruhe zu verschaffen.u
 
  • #16
Mein Freund hatte depressive Phasen, die für unsere Beziehung teilweise eine regelrechte Zerreißprobe wurden, vor allem durch das Abtauchverhalten. Die Ursache ist bisher nicht geklärt. Depressionen haben nicht selten organische Ursachen (z.B. Neuroborreliose).

Was habe ich gelernt, bzw. was haben wir gelernt? Erstens: Offen darüber kommunizieren. Der Betroffene muss lernen, seinem Partner mitzuteilen, wenn er depressiv ist und Ruhe braucht. Depression ist für den Betroffenen manchmal einfach nur Stress. Alles, was von außen auf den Depressiven eindringt (selbst der Partner) wird als Druck empfunden, und das macht es schlimmer. Trotzdem sollte man sich um ihn kümmern, etwas zu essen bringen, Einkäufe machen u.ä., für die er dann keine Kraft hat. Bei einer schweren Depression fühlt sich allein das Einkaufen von Milch an wie eine Tour auf den Mount Everest. Man darf dann vom Depressiven aber nicht erwarten, dass er freudige Luftsprünge macht, wenn man ihn versorgt, und muss wieder Raum lassen (also irgendwann abziehen!). Die Fürsorge darf nicht zu weit gehen, denn der gesunde Partner muss seine eigenen Belange im Auge behalten, und übermäßige Fürsorge erzeugt beim Depressiven Stress (Gefühl der Last, Erwartungen).

Nichts persönlich nehmen. Wenn der Partner nicht kann, kann er nicht. Basta. Keine Vorwürfe! Kein Misstrauen!

Eigene Lebensfreude wahrnehmen. Der Partner ist nicht der Mittelpunkt des Universums. Man kann ihn auch mal alleine lassen, alleine verreisen, alleine Freunde treffen.

Und wenn man es mit der Partnerschaft ernst meint, immer das Gefühl vermitteln, dass es ein "wir" gibt. Vertrauen schaffen.

Angeblich vergeht Depression in den meisten Fällen wieder.

Drängen mit Vorschlägen wie Therapiebesuch kann ebenfalls als Stress empfunden werden. Letztlich muss der Depressive selbst die Entscheidung treffen, was er unternimmt. Man kann ihn nur unterstützen, nicht die Entscheidung abnehmen.
 
  • #17
Und wer anfängt, sein Helfersyndrom auf einen Depressiven zu projezieren, der kann sich natürlich rund um die Uhr beschäftigen. Diese Form von Hilfe ist aber mindestens genauso krankhaft wie eine Depression. Und am Ende führt das zur körperlichen und seelischen Erschöpfung.

Und die Gründe für Depressionen sind vielfältig. Deswegen wird normalerweise vor einer therapeutischen Behandlung beim Neurologen abgeklärt, ob es organische Ursachen gibt.

Persönlich mache ich mich nicht mehr verrückt, wenn ich in eine Depression rutsche und denke nicht, dass es anders sein müsste.

Wenn dann nichts mehr geht, dann ist das eben so. Irgendwann geht es dann auch wieder von alleine aufwärts. Da ich mittlerweile auch zeitlich vorher weiss, wann im Jahr die Depression zuschlagen wird, ist das auch nicht mehr überraschend oder erschreckend.

Ich ziehe mich zurück, belaste niemanden mit meiner schlechten Laune und Antriebslosigkeit, lasse es eben auch wie Kraut und Rüben aussehen, bis ich mich dann alle paar Tage mal aufraffen kann. Und erledige eigentlich nur noch den 2. tägigen Einkauf.

Meine Nachbarn habe ich informiert, was da mit mir los ist. Deren Hilfe sieht so aus, dass wenn sie mich als Nachbarn zu sehen bekommen, wenn ich denn doch mal nach draussen trete, sie sich mal mit mir freundlich ganz oberflächlich über irgendwas anderes unterhalten als meine Depression.

Und mir dann z.B. eine Gurke aus dem Garten rüberreichen. Oder mir anbieten, bei ihnen was zu ernten, wenn ich Lust habe und sie davon zuviel haben. Mache ich dann zwar nicht, aber das Angebot steht.

Und das ist nicht übergriffig, für die Leute nicht belastend, hat aber sicher einen positiven Effekt.
 
  • #18
Lieber FS,
neulich habe ich eine Studie auf Facebook der Forschergruppe Klostermedizin gelesen: Jede 8. Depression lässt sich mit Sport heilen. Vielleicht magst du das recherchieren und mit deiner Freundin teilen. Sobald sie ihr Tief überwunden hat, kannst du sie z.B. zu Nordic Walking oder Mountainbike in der Natur, in Parks oder im Wald motivieren. Es gibt Aussichtspunkte an Seen oder im Gebirge mit weitem Blick, die einem Menschen mit Depression Hoffnung geben können.

Und passend finde ich einen Spruch: "Die besten Menschen sind die, die dich da abholen, wo andere dich zurückgelassen haben". Frag' sie doch, ob du ihr vom Wocheneinkauf was mitbringen und vor die Tür stellen kannst. Oder ob du ihr beim Wohnungsputz helfen und das Bett frisch überziehen, die Maschinen anwerfen kannst. Ich glaube aber, dafür kennt Ihr Euch noch nicht lang genug. Manchmal braucht Frau dann einfach Unterstützung einer lieben Freundin oder Verwandten. Wenn ich krank und erschöpft bin, kann ich nur meine Senior-Mieze um mich haben... Männer sind ja leider meist keine Hilfe im Haushalt und wollen dann Sex, Ausgehen, Sex und Gespräche und Sex! Dabei braucht man einfach nur Schlaf, Ruhe, eine saubere Wohnung und was leckeres zu Essen. Zeige dich pragmatisch. Es wird vorübergehen. Vielleicht erlaubt sie TV Gucken und Pizza Essen zusammen im Pyjama? Biete an mit Pizza und DVDs vorbeizukommen.
 
  • #19
Gründe und Erscheinungsformen
von Depressionen sind vielfältig - und, nein, es ist keine Einstellungssache @Zuhii.

Aber wer öfters damit zu tun hatte, kennt seinen Umgang damit, die Ressourcen, die Techniken.
Es gbt viele Möglichkeiten, auch ohne Medikation durch diese Tiefen zu kommen.
Und vor allem weiß man, es geht vorbei.
Dann werden solche Phasen auch kürzer, nicht ganz so tief, nicht so erschreckend - @sonrix beschreibt es gut.

Was kann ein Außenstehender machen? Bitte nicht kümmern, helfen, zwangsbespaßen, Gespräche zum Thema, wie hier benannt.
Sie will nicht mit mir über ihre Probleme reden und sagt, dass ich nicht immer nachfragen soll, wie es ihr geht
Das gilt es zu respektieren.

Wie können Freunde / Partner unterstützen?
Verständnis haben, die Rückzugsmomente akzeptieren - man will es vielleicht gerade mit sich ausmachen. Und trotzdem zeigen, man ist da, bei Bedarf, Angebote für einfach gemeinsame Stunden, ob zum Nähe geben, Halten, zum nicht alleine zu Hause sitzen, zum Zuhören bei Redebedarf, oder ein Spaziergang, raus gehen, etc. Die Therme mag dem einen gut tun, dem anderen die Bergtour, der Spaziergang in der Natur, es gbt einiges, ohne Thematisieren der Depression.
Vielleicht auch das Angebot, z.B. Einen Einkauf zu übernehmen, weil man sowieso unterwegs ist, und etwas mitnehmen könnte?
Nicht inflationäre Angebote, sondern so, wie man es im normalen Umgang mit jedem halten würde.
Als Partner kann man durchaus auch sagen, mir täte es gut, wenn ich jeden Tag von Dir höre, oder in gewissen Abständen vorbei schaue, oder zumindest telefoniere.

Ich persönlich brauche in schwierigen Zeiten sowohl meine Rückzugsmomente, als dann auch Momente der Nähe, spüren nicht alleine zu sein. Und den Anstoß zum Rausgehen, eine große Runde durch die Natur ist für mich mein immer wirksames Antidepressivum, Körper spüren, Bewegung, Luft, Weite... Zum Glück sind die Momente selten geworden und nur noch kurz, weil ich auch schon im Vorfeld manches abfange. Und wenn es dann doch mal so ist? Dann ist es eben ein Tag Auszeit, für mich ok.

Allerdings sollte man als Freund / Partner auch zeigen, dass man sein eigenes Leben lebt, selbst aktiv ist und nicht den anderen zum Lebensmittelpunkt macht, denn das ist für den anderen wirklich belastend. Die Angst für andere eine Zumutung zu sein ist leider auch ein Symptom, diese Angst kann man dadurch etwas entkräften.

In guten Zeiten kann man ja mal miteinander besprechen, was man dann von anderen bräuchte und was dieser gut leisten kann.

D.h. nicht,, dass man wegschaut, wenn man merkt, der andere rutscht zunehmend tiefer in dieses Loch, dann sollte man als Freund / Partner aktiver werden.
Denn es kann auch eine gefährliche Wendung nehmen.
 
  • #20
Der Vater meiner Tochter leidet an Depressionen. Je nach meiner eigenen Stimmungslage glaube ich ihm das oder denke, dass er ein Schmarotzer ist.
Ok, sagen wir, ich glaube ihm.
Er zog mit 17 zum Studium weg und war bis dahin gesund.
In der Großstadt lernte er vor allem zu kiffen und am See zu liegen, brach im 7. Semester sein Studium ab und bekam dann auch die ersten Verstimmungen.
Wir wissen, dass Du durch diese Erfahrung traumatisiert bist, und Du hast damals definitiv das Richtige getan. Aber da Du die Kifferei erwähnst, das geht über bloße Depression hinaus. Ich habe einen Verwandten mit cannabisinduzierter Psychose, der auch nichts auf die Spur bringt. Er ist tatsächlich für alle nur eine Last. Er wird niemals einer Berufstätigkeit nachgehen. Ja, er ist auch depressiv, aber dieses Psychosethema hat anders als eine "normale" Depression eine sehr schlechte Prognose. Cannabis macht überdies bei einigen Personen lebenslang abhängig, und die wenigsten Opfer schaffen es, jemals komplett aufzuhören. Da hilft nur "nix wie weg". Die Eltern solcher Menschen tun mir außerordentlich leid. Das ist wie ein Fluch.
 
  • #21
Kommt drauf an, wie man Depression sieht. Depression ist auch Umfeld- und Umweltbedingt, heisst, wenn ihr nach Spanien auswandern würdet (zeitweise dort lebt), ginge es event. gesundheitlich besser.

In der Beziehung Verständnis zeigen, aber sie vielleicht mal aus ihrer Situation / Lage durch kreative lustige Dinge herauslösen/auflockern.

- Natur tut gut
- frische Luft, Wald und Feld
- Sonne
- neue Sachen ausprobieren
- und sich fragen, was man in seinem Leben für Träume und Wünsche hat, und weswegen man die noch nicht umgesetzt hat.
- nur noch die Dinge tun, die einen glücklich machen und die man gern und aus tiefsten herzen macht
 
  • #22
@tom12:

Statt nach Spanien auszuwandern, könnte bei bestimmten Patienten auch einfach eine Lichttherapie helfen. Das ist aber keinesfalls bei allen oder vielen der Fall. Vielen Patienten hilft mehr Sonne und Licht nicht.

Herrausreissen aus dem gewohnten Umfeld und den sozialen Beziehungen verstärkt psychische Erkrankungen.

Auch eine (ständige) Reflektion des Nichterreichten, also die Konzentration auf das Negative, das Fehlende und die Einschränkungen, Nichterfüllter Wünsche und Bedürfnisse, wird bei den meisten Menschen das Selbstwertgefühl untergraben und die Erkrankung verstärken. Das würde es selbst bei gesunden Menschen tun.

Wenn muss man Leuten in Erinnerung rufen, welche Fähigkeiten sie haben und welche Hindernisse sie damit überwinden konnten und welche Ziele sie trotz Depression erreicht haben. Also das Selbstwert stärken und damit den Raum, den Fehlschläge im Denken einnehmen auf ein gesundes Maß reduzieren.

Und es muss auch nichts "Neues" sein, sondern oft reicht es aus, Interessen, die schon bestanden, aber aufgrund der Depression verkümmert sind, wiederzubeleben. Das ist aber keinesfalls einfach.

Menschen sind unterschiedlich: Was für den einen der Wald oder die Wiese kann für den anderen eine Bibliothek, ein Fussballstadion oder eine Leinwand sein.

Grundsätzlich sind ca. 45 Minuten Sport (oder intensive Bewegung) pro Tag sehr hilfreich bei Depression. Aber wer macht das schon, wenn er in eine akute Phase reinrutscht.
 
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