• #1

Wem vertraut ihr?

Hallo Leute,
ich habe eine Frage an Euch über die man, meiner Meinung nach, zu selten konkret nachdenkt.
Woran erkennt Ihr, dass Ihr euch einer Person voll und ganz hingeben wollt und Ihr blind vertraut?
Denkt Ihr, dass man gebrochenes Vertrauen komplett wiederherstellen kann?
 
  • #2
Ich glaube, einmal gebrochenes Vertrauen wäre für mich nicht wieder herstellbar. Ich könnte zwar vielleicht verzeihen, wenn ich mich anstrengen und überwinden würde, nie aber vergessen.
Deshalb bin ich auch eine rabiate Verfechterin von "einmal fremdgegangen, und Ende der Beziehung",
Blind vertrauen ... was für eine schwere Frage; ich frage mich gerade, ob ich neben meinen Eltern irgendjemandem blind (!) vertraue. Ich glaube fast, ich kann nicht behaupten, meinem Partner blind zu vertrauen. Vertrauen, ja, aber blind nicht. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass in meiner letzten Beziehung fremdgegangen wurde.
 
  • #4
Ich vertraue einer Person blind, wenn ich gelernt habe, daß diese Person mein Vertrauen nicht enttäuscht, indem: Dinge die ich ihr erzählt habe, nicht weitererzählt werden, meine Meinung respektiert wird, ich Wertschätzung empfinde. Zusätzlich noch die gewisse Chemie und schwingungsmäßige Übereinstimmung.
Dann vertraue ich zu 99% blind. Ganz blind vielleicht nie, ich habe aber auch niemanden umgebracht und habe Angst, daß das jemand erfährt. So gesehen ist mein Risiko nicht so groß, was soll passieren.
Enttäuschtes Vertrauen, hintergangen werden, glaub ich nicht daß jemals repariert werden kann. Dazu müßte ich mich selbst vergewaltigen, meine eigenen Werte verleugnen, mich selbst erniedrigen. Warum sollte ich das tun wenn ich das nicht will?
 
  • #5
Das kommt darauf an, in welchem Bereich ich vertrauen soll.

Ich vertraue voll darauf, dass mich mein Arbeitgeber für meine geleistete Arbeit bezahlen wird. Ich vertraue meinem Hausarzt.
Ich vertraue meinem Kletterpartner mein Leben und meine Gesundheit an usw.

Ich würde meinen Hausarzt nicht als Sicherungspartner beim Klettern vertrauen. Ich würde meinem Kletterpartner nicht als Urlaubsvertretung in der Arbeit vertrauen.

Wenn du meinst, eine Beziehung wäre nur möglich, wenn du deinem Partner in allen Bereichen 100% blind vertrauen kannst, meine ich, verlangst du sehr viel, vielleicht mehr als ein einzelner Mensch sein kann. Du darfst aber davon ausgehen, dass alle lieben Menschen in deiner Umgebung dir nicht absichtlich schaden wollen.
Es kann aber passieren, dass sie unabsichtlich dein Vertrauen verletzen Zb. Weil sie Geheimnisse ausplaudern oder nicht ganz ehrlich sind.

Ich schlage vor, dass du selbst so vertrauenswürdig und zuverlässig bist, wie du es von Deinem Partner erwartest.

Wenn mich ein Freund verletzt hat, geht für mich nur Verzeihen oder Trennung. Verzeihen tue ich, wenn ich sehe, dass ich ihm viel wert bin, er das so nicht wollte und künftig nicht wiederholen wird.

Ich weiß allerdings nicht, wie ich mit Betrug in Beziehungen umgehen würde.
 
  • #6
Ich wollte gerade sagen, dass ich früher nur meinen drei Eltern ( Vater, Mutter, Stiefmutter ) vertraut habe.

Aber Tomyi hat mich gerade mal überlegen lassen.
Ich vertraue meinen Eltern ( meinen Vater lasse ich jetzt mal weg, weil er dement ist ), was Versprechen angehen.
Einmal zwischen Tür und Angel etwas gemurmelt und ich kann mich darauf verlassen, dass sie das einhalten. VERLASSEN. Zu 100%. Kein Zurückrudern, Rauswinden, Tatsachenverdrehen, weil man es sich anders überlegt hat.
Sie würden mich auch niemals materiell über den Tisch ziehen.
Niemals müßte ich etwas nachrechnen.
Niemals würden sie meinem Bruder etwas schenken und ich wüßte nichts davon ( ich rede von Werten ) und würde nicht etwas gleichwertiges bekommen.

Aber jetzt kommt's: ich bin mir bei beiden Müttern nicht sicher, dass wenn ich ihnen etwas anvertrauen würde, dass sie es für sich behalten würden.
Aber das spielt auch keine Rolle. Wir haben kein Verhältnis, das ein Anvertrauen von Geheimnissen begründen würde.

So gesehen gibt es nur eine einzige Person, der ich in jeder Hinsicht vertraue: meine Tochter.

Warum nicht meinen Freund ? Aktuell ja, aber ich habe Männer kommen und gehen sehen und so gesehen weiß ich eben nicht, ob ich ihn in fünf Jahren noch habe.
Bei meiner Tochter und meinen Eltern bin ich mir da sicher ( außer jemand stirbt ).

w 48
 
  • #7
Ihr habt etwas ganz Entscheidendes vergessen. Die wichtigste Person, der man vertrauen sollte, ist man selbst!

Ich denke ansonsten schon, dass man gebrochenes Vertrauen wiederherstellen kann. Das hängt ein bisschen davon ab, ob man in der Lage ist, sich in den Vertrauensbrecher hineinzuversetzen und ob man seine Motivation verstehen kann. Auch schwerste Verfehlungen können nachvollziehbare Gründe haben. Die entscheidende Frage ist, ob man mit einer erneuten Verfehlung dieser Art rechnen muss und wie man mit dieser Situation umgeht. Ich denke, dass wir unmerklich immer wieder Situationen erleben, in denen wir vertrauen verlieren und wiederherstellen. Das ist einfach ein Teil des menschlichen Zusammenlebens.

Es gibt dazu übrigens ein Buch: Vertrauen wagen (Daring to trust) von David Richo. Es ist augenöffnend.

Wenn die FS eine konkrete Beziehungssituation meint, kann ich aber nur sagen, dass man bezüglich Vertrauen oft einen tiefsitzenden Instinkt hat. Wenn man bei einem Partner/ potentiellen Partner das Gefühl hat, dass da was nicht stimmt, ist das meistens auch so. Das o.g. Buch habe ich gelesen, weil ich meinem damaligen Partner nicht vertraut habe. Ob das zu Recht oder zu Unrecht war, kann ich bis heute nicht mit Sicherheit sagen, aber eins kann ich sagen: Er war niemand, auf den ich mich verlassen konnte. Ich meine damit nicht Fremdgehen oder Lügen (wo ich die Wahrheit bis heute nicht kenne), sondern einfach nur, dass er viel versprochen aber seine Versprechen nicht eingehalten hat.
 
  • #8
Ich füge die Informationen, die ich bekomme, zusammen. Es kommt darauf an, was die betreffende Person mit Problemen und Aufgaben macht. Erkenne ich, daß sie die Probleme und Aufgaben insbesondere nach meinen Kriterien zuverlässig löst, dann vertraue ich. Dabei genügen kleine Aufgaben / Probleme bzw. Bruchstücke davon, die insgesamt nichts mit einander zu tun haben. Es braucht sich kein Blatt Papier ergeben, auf dem steht "ich kann vertrauen" - es genügt, wenn ich Teile davon lesen und mir den Rest erschließen kann.

Es gibt einen Vertrauensvorschuß, d. h. ich vertraue erst mal, das Vertrauen muß man verspielen.

Das Vertrauen verspielt, d. h. einen Mißtrauensvorschuß, hat das Gesindel aus Berufskammern aller Art und besonders die Bayerische Rechtsanwalts- und Steuerberaterversorgung und in Grenzen Politiker, die in Bayern nach dem Motto "außen hui, innen pfui" arbeiten.
 
  • #9
Liebe FS,
es gibt 3 Eigenschaften, an denen ich erkenne, ob ich jemandem Vertrauen kann:
- Zuverlässigkeit
- Kommunikationsbereitschaft (forumuliert seine Bedurfnisse und versteht ich)
- bedingungslose Aufrichtigkeit

Wenn mein Vertrauen von einer Person missbraucht wurde, kann diese mein Vertrauen nicht mehr erwerben. Ich will nicht ausschließen, dass anderen Menschen das gelingt, aber ich hatte in meiner Kindheit sehr lange instabile Lebensbedingungen, sodass es für mich sehr schwierig ist und ich an so einen Menschen meine Lebenszeit und -Energie nicht verschwenden möchte. Daher leiste ich mir diese Unversoehnlichkeit.

Allerdings kann ich anderen Menschen noch vertrauen, d.h. ich übertrage die negativen Erfahrungen, die ich mit einem Menschen gemacht habe auf andere. Allerdings merke ich, dass ich nach einem Vertrauensmissbrauch vorsichtiger/defensiver im Umgang mit anderen bin, die ich neu kennenlerne, d.h. Misstrauensvorschuss, bis ich denjenigen anhand der oben genannten Eigenschaften kennengelernt habe. Vertrauen fällt nicht vom Himmel, das muss man erwerben, es wächst.
 
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  • #10
So allgemein kann ich meinen Eltern und meinem Mann vertrauen.
Aber blind vertrauen tue ich niemandem. Nie. Denn jeder kann mal seine Meinung ändern oder etwas vergessen...

Wenn ich allerdings ernsthaft betrogen wurde, kann ich tatsächlich verzeihen, aber nicht mehr vertrauen. Ich gebe trotzdem noch 1 - 2 Chancen und wenn ich merke, dass Null Selbstreflexion und keine Verbesserung von der anderen Seite kommt, ist es vorbei.

Ab wann vertraue ich? Zunächst jedem, und im Laufe der Zeit sehe ich ja, wie mit Verabredungen, Versprechungen usw. umgegangen wird.
 
  • #11
Also ich gebe offen zu niemandem mehr zu vertrauen, ich bin sehr skeptisch und anfangs ohnehin absolut misstrauisch.

Eigentlich habe ich keine schlechten Erfahrungen gemacht, aber ich höre soviel von weiblichen Bekannten, sah langjährige Beziehungen scheitern im Umfeld und kenne "auf beiden Seiten" Fremdgänger und Warmwechsler das mir die Lust am "verlieben" echt verlorenging.

Auch bin ich kein Freund von 2., 3. und 4. Anläufen, ich bin weder sexuell offensiv, noch liegt mir ein Typ, der schon etliche Sexgeschichten hinter sich gebracht hat.

Es wäre ein Sechser im Lotto dem Partner zu begegnen, der ähnlich denkt und fühlt wie man selbst. Da dies eben eine Illusion ist bleibe ich so wie ich bin, der Vorteil: man wird nicht verar.....bzw. enttäuscht.

Moderation: Nebenthema entfernt. Danke für Ihr Verständnis.
 
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  • #12
.
Aber jetzt kommt's: ...
Warum nicht meinen Freund ? Aktuell ja, aber ich habe Männer kommen und gehen sehen und so gesehen weiß ich eben nicht, ob ich ihn in fünf Jahren noch habe.
Bei meiner Tochter und meinen Eltern bin ich mir da sicher ( außer jemand stirbt ).

w 48
Aus genau diesem Grund sind Menschen, die aus einer Broken Home-Situation stammen oder schon viele Beziehungen (oder ONS, Affären o.ä.) hinter sich haben, nur mit größter Vorsicht zu genießen. "Beziehungserfahrung" ist eben immer auch Trennungserfahrung, mindestens.
 
N

nachdenkliche

Gast
  • #13
Ohne jetzt alle Beiträge genau gelesen zu haben, weil ich noch so müde bin, sorry wird aber nachgeholt :), muss ich sagen, den Eltern und meiner Schwester kann und konnte ich blind vertrauen. Mein Expartner konnte und kann mir ( in bestimmten Dingen, die wir uns mal versprochen hatten für die Zeit nach der Trennung), blind vertrauen. Mir kann wirklich jeder blind vertrauen , so bin ich..fast schon "devot", versteht das bitte jetzt nicht falsch, wenn es eine mir nahe stehende Person ist..überhaupt ist das für mich unerlässlich im Zusammenleben. Auch mir als Mutter kann mein Sohn voll vertrauen..ist einfach angeboren..selbstverständlich für mich.
Aber einmal verspielt es Vertrauen in einer Liebesbeziehung, nein , niemals wieder.
 
  • #14
Ich vertraue Menschen, die mir aktuell beweisen oder in vielen langen Jahren bewiesen haben, dass sie mich weder belügen, betrügen, noch für egoistische Zwecke missbrauchen oder benutzen. Meinen über 80jährigen Eltern, meiner älteren Schwester, meinem Sohn und zwei Freundinnen. Die eine ist seit über 45 Jahren an meiner Seite, die andere schon fast 30 Jahre.

Diese Personen haben mir obendrein bestätigt, dass sie immer zu mir stehen, in guten und in schlechten Zeiten. Uneingeschränkt und "blind" vertraue ich ihnen! So sagen sie das auch von mir, beruht also auf Gegenseitigkeit.

Ich brauche keine 250 oberflächlichen "Facebook-Freunde" an meiner Seite, mir reicht ein einziger Mensch, auf den ich mich ausnahmslos verlassen kann.

Ist Vertrauen erst einmal zerstört, ist das nur ganz ganz schwer wieder aufzubauen. Ich habe in meinem Leben bei einigen Kandidaten sogar ganz darauf verzichtet, weil sich aufgrund erfolgter Aktionen ganz klar gezeigt hat, dass ich mich auf diese Menschen wenn es hart auf hart kommt so gar nicht verlassen kann. Insofern habe ich den Kontakt eingestellt und abgehakt als "Lebensabschnittsgefährten".

Eine chinesische Lebensweisheit lautet:
"Es gibt immer Gründe, warum es ein Mensch aus der Vergangenheit nicht in die Zukunft schafft."

Und genau so ist es!
 
G

Ga_ui

Gast
  • #15
Ich traue niemandem, denn ich traue auch mir selber nicht! Ich kann morgen schon meine Meinung zu etwas ändern (passiert oft), ich kann einen anderen Geschmack haben, ich kann mich neu verlieben, meine Religion ändern, oder ja, ich könnte auch fremdgehen. Niemand kennt das Schicksal voraussehen.
Ich würde nichtmal darauf vertrauen, dass mein Chef mich ordnungsgemäß am Monatsende bezahlt.

Für mich ist fremdgehen, insbesondere fremdverlieben, jetzt keine große Vertrauenssache. Ich kann ja niemandem verbieten, jemand anderes zu lieben. Liebe ist nicht kontrollierbar. In was sollte mein Vertrauen also missbraucht werden?
 
  • #16
Woran erkennt Ihr, dass Ihr euch einer Person voll und ganz hingeben wollt und Ihr blind vertraut?

Ich gehe im Folgenden davon aus, dass du das Vertrauen in Nähebeziehungen und engen zwischenmenschlichen Verhältnissen (auch Arbeit) meinst. Und nicht das Vertrauen darin, dass bspw. beim Bergsteigen der Kollege einem nicht das Sicherungsseil löst.
Wenn ich an meine Erfahrungen aus Beziehungen und an mein alltägliches Umfeld denke, dann will ich gar über verifizierbare Fakten hinaus vertrauen.
Das was wir vor uns selbst als Vertrauen bezeichnen, ist meiner Meinung nach lediglich die unbewusste Projektion unserer eigenen Ideale und Wertvorstellungen auf eine Person, der wir uns nicht nähern würden, wenn wir uns vergegenwärtigten, dass Vertrauen höchstwahrscheinlich nur eine Illusion ist.

Denkt Ihr, dass man gebrochenes Vertrauen komplett wiederherstellen kann?

Definitiv, nein.

m36
 
  • #17
Ich traue niemandem, denn ich traue auch mir selber nicht! Ich kann morgen schon meine Meinung zu etwas ändern (passiert oft), ich kann einen anderen Geschmack haben, ich kann mich neu verlieben, meine Religion ändern, oder ja, ich könnte auch fremdgehen. Niemand kennt das Schicksal voraussehen.
Ich würde nichtmal darauf vertrauen, dass mein Chef mich ordnungsgemäß am Monatsende bezahlt.

Für mich ist fremdgehen, insbesondere fremdverlieben, jetzt keine große Vertrauenssache. Ich kann ja niemandem verbieten, jemand anderes zu lieben. Liebe ist nicht kontrollierbar. In was sollte mein Vertrauen also missbraucht werden?
Genau so stellt man(n) sich die heutige Frau vor. Und dann wundert sich noch irgendjemand, wenn Männer sich nicht mehr binden wollen?
 
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