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Gast

  • #1

Welche Patchwork-Probleme gibt es?

Manche suchen "ungebrauchte"/neue Partner und haben einer "Perfektionswunschliste" etc.

Andere, so wie ich, sind aber selbst "gebraucht", haben Kinder, wollen diese Beziehungen zu den Kindern nicht aufgeben und suchen einen Partner, der auch mit Kindern umgehen kann/Erfahrungen hat, also selbst Kinder hat. Damit ist Patchwork vorprogrammiert. Das ist schwierig, ist klar. Es gibt so viele Dinge, die schief gehen können, die man rechtzeitig erahnen und einfangen muss, damit es nicht aus dem Ruder gerät.

Was sind Eure Erfahrungen? Welche Gefahren lauern auf dem Weg?
 
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Gast

  • #2
1. Zeit nehmen - überstürzt patchwork als Programm festlegen - und damit die Kinder überfordern, sollte man bleiben lassen. Kinder möchten sich auf den neuen Partner UND seine Kinder einstellen können - und nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden, indem alle einziehen und das Leben durchrütteln.

2. Gespräche - Lernt erstmal euch (Erwachsene) kennen und lieben, lasst die Kinder hier außen vor. Denn wenn es zwischen euch nicht klappt, haben die Kinder (mal wieder) jemanden kennen gelernt, sich ggf. sogar arrangiert und dann heißt es schon wieder Abschied nehmen. Ja nach Alter der Kinder sollten sie zwar wissen, da ist jemand - aber kennen lernen (mal auf ein Pizza-Essen oder einen Nachmittag) sollte durchaus mind. 6-8 Wochen später erst passieren. Und auch dann - siehe Pkt. 1 - nicht sofort alle WEs miteinander verbringen, sondern allen Beteiligten Zeit lassen.

3. unterschiedliche Werte / Erziehungsstile - je nachdem welche Werte von Seiten auch der anderen beiden Elternhäften vermittelt werden, treten Spannungen auf, wenn nun ALLE Kinder gleich behandelt werden sollen. Schließlich sind einem die eigenen Kinder irgendwie immer näher und man ist ggf. toleranter, als bei den "fremden". Also Regeln absprechen und für ALLE einhalten.

4. wenn die EX Stress macht - da heißt es gemeinsam durchstehen und nicht verurteilen - bringt nur Stress in die eigene Beziehung. Aber bitte offen darüber reden - von beiden Seiten. Sonst kehren sich Probleme unter den Teppisch, die irgendwann doch besprochen werden müssen oder zur Trennung führen.

5. Teenager sind anders zu behandeln als Kleinkinder - hieraus resultiert dann auch die Dauer der Patchworkkonstellation. Bei Teenagern ist es absehbar, dass sie ihre eigenen Wege gehen und man hat als Paar auch schon Freiräume, weil die Kids nicht ständig beaufsichtigt werden müssen und bereits ihre eigenen Wege gehen. Bei Kleinkindern ist die Patchworkzeit von mind. 10-15 Jahren vorgegeben.

6. Frauen sollten finanziell wirklich (MIT JOB) auf eigenen Beinen stehen und nicht vom Exmann oder vom Kindsunterhalt leben. Nur dann wird eine gleichberechtigte Partnerschaft draus und keiner ist abhängig vom anderen.

7. Möglicherweise sind getrennte Wohnungen/Häuser auf Dauer die bessere Wahl, um die Beziehung zu erhalten. Nicht jeder ist bereit, fremde Kinder groß zu ziehen, selbst wenn er diese akzeptiert, dass sie da sind. Aber zwischen 100 % Alltag und WEs und Urlaube ist eben doch noch ein Unterschied. Diese Freiräume muss man dem anderen zugestehen. So kann die Liebe erhalten bleiben!

8. viel Glück, jeder muss seine Erfahrungen machen - Nerven kostet es auf jeden Fall, insbesondere wenn die Kids dann irgendwann zicken / provozieren und man sich fragt, warum man das alles auf sich nimmt.

w/42
 
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Gast

  • #3
Wenn wir uns aber nur auf die Kinder ausrichten und alles erdenkliche tun, damit es ihnen ja auch gut geht, wo bleibt dann die Partnerschaft?
Meine persönliche Erfahrung ist, dass die Kinder eigentlich mit Vater oder Mutter alleine bleiben wollen. Sie wollen keine Patchworkfamilie!
Also muss man auch manchmal die Kinder vor Tatsachen stellen und ihnen sagen, dass das auch OK so ist.
w/44
 
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Gast

  • #4
Vielen Dank #1, das klingt schonmal sehr hilfreich.
 
  • #5
Gefahren? Keine speziellen.

Alles kann schief gehen, alles kann funktionieren. Klar gibt es ein generisches Risiko, das in der Vielzahl der Beteiligten liegt. Aber das ist nur scheinbar ein spezielles Problem, denn eine Vielzahl von signifikant Mitwirkenden mag auch durch außerhalb des Patchworks oder der "Normalfamilie" Liegende zustande kommen.

Es ist halt nicht möglich, sich vorab vor dem schützen oder auf das einstellen zu wollen, was sich erst in der Zukunft offenbaren wird. Da helfen auch Statistiken oder Fallbeispiele anderer nicht weiter, Dein Leben bleibt einzigartig Deines mit seinen Hürden und Annehmlichkeiten.

Bleib locker, freue Dich auf die viele Abwechslung, bringe Dich positiv ein. Allem anderen stelle Dich, wenn es soweit ist.

Viel Glück
 
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Gast

  • #6
@2 - dass das nicht möglich ist, wissen wir alle. Dennoch gilt es, da gebe ich Dir Recht, von Anfang an Zeit und Raum für die Partnerschaft einzuplanen und auch zu pflegen. Zudem dürfen die Kinder nicht über Euch als Paar bestimmen oder Mitspracherechte haben, ob der Partner gung "geht" oder nicht. Diese Entscheidung obliegt noch immer den Erwachsenen, die Kinder müssen sich hier fügen, wenngleich eine Eingewöhnungszeit natürlich durchaus mit Gesprächen sinnvoll ist - und nicht adhoc mit der Brechstange (gleich einziehen). Gruß von 1
 
  • #7
Bei Patchwork gilt wie auch anderswo: Basis für eine Familie ist die Beziehung der beiden Erwachsenen zueinander. Wenn sich Mann und Frau einigermaßen einig sind, kann es mit den Kindern klappen. Wenn aber z.B. die Frau die Versuche des Mannes, sie zu unterstützen grundsätzlich als Kritik an ihrer Erziehung sieht und ihm dann immer in denr Rücken fällt, dann wird es schwer, sehr schwer.

Beispiel: Gelegentlich frecher Teenager, Mutter genervt, Teen ist wird noch frecher. Mann spricht Teen an "Jetzt mach aber mal..." Erhoffte Reaktion der Mutter: ein dankbarer Blick. Tatsächliche Spontanreakton der Mutter, möglichst noch bevor der Teen sich überlegen kann, ob er auf den Stief-makcer regaieren muss: "wieso, dass muss doch gar nicht". Teen grinst, Mutter ist empört, dass Männe sich einmischt und ich bin dann mal weg...
 
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Gast

  • #8
Es kann passieren, dass ein Partner zwar herzlich nit den anderen Kindern umgeht, aber dann für sich merkt, dass es ihm zu viel ist und er eigentlich lieber nur den Erwachsenen ohne Kinder wollte, selbst wenn er eigene Kinder hat. Bei mir war es in diesem Fall die Frau.
 
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  • #9
@6 von 1 - oh ja, da hast du Recht. Und genau dann sollte sich der Mann überlegen, ob er da bei dieser Frau und dieser Familie richtig ist. siehe Pkt. 3 meiner Auflistung - sonst funktioniert es einfach nicht. Diese Diskussion habe ich vor Kurzem mit einer Freundin geführt - angeblich sei ihr damaliger Partner zu streng gewesen - sie hat auch den Sohn immer in Schutz genommen... nun ja, heute steht sie alleine da...
 
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  • #10
Hier nochmal 2:
Und trotzdem ist es zugegebenermaßen so, dass man die eigenen Kinder lieber hat als die des Partners. Selbst wenn man sich bemüht, alle gleich zu behandeln, bin ich mir nicht immer sicher, ob das auch so klappt.
Und ja, die Partnerschaft steht an Stelle eins, das ist in einer Patchworkfamilie überaus wichtig. Immerhin reagieren die Kinder viel sensibler auf die Eltern, denn sie sind schon einmal sehr stark verletzt worden und ihre ursprüngliche Familie ist kaputt und nun auch noch für immer.