• #1

Was und Wie rät man den Geschwistern / Kindern zur Berufswahl

Anno 1642 war die Welt bezgl der Berufswahl noch in bester Ordnung: da lernte der Junge einfach das, was der Vater gelernt hatte und das Mädel heiratete... 2013 sieht die Lage etwas anders aus.. Als ich letztens von Kindern von bekannten gefragt wurde was ich mache waren die reichlich angetan von der Beschreibung, als sie fragten wie man da hin kommt, musste ich antworten, "Glück" zum richtigen Zeitpunkt die Richtige Wahl getroffen zu haben.. und auf die Frage was denn für sie die "richtige Wahl" wäre musste ich passen..

Nachgefragt, hatten alle drei (17-23) eigentlich so überhaupt keine Ahnung wohin es gehen sollte, und meinten "irgendwas Kreatives".. Weiteres nachbohren förderte nur zu tage das sie eigentlich ausser im Normalen Alltag nicht mit Berufen konfrontiert waren/wurden die nicht mit Einkaufen und evtl mal der Besuch in der Autowerkstatt zu tun hatten..

was rät denn ein Vater/Opa seinem Teenager wenn der fragt was er denn mal machen soll, ausser "musste mal selbst schauen"? Gibt es denn in der Schule keine "Berufs/studienberatung" mehr ?
 
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  • #2
Interessante Frage,die Du da stellst!

Ich bin auch oft "fasziniert" davon,daß junge Menschen am Ende ihrer Schulzeit wirklich nicht die geringste Vorstellung davon haben,in welche Richtung es weiter gehen soll.

Erstmal studieren...Nicht selten aber auf keinen Fall etwas Handfestes! - "Was Kreatives" hört sich doch schon mal toll an! *lach* Anderswo sagt man an dieser Stelle: Superstar oder Top-Model!

Ich denke,es fehlt oft einfach an Anleitung in Schule und Elternhaus.Außerdem führt die mediale Reizüberflutung wohl dazu,daß es vielen jungen Menschen zunehmend schwerfällt,sich auf ihre tatsächlichen Stärken und Interessen zu besinnen.
 
  • #3
Das ist ein weites Feld...
Zum einen wußte ich mit 19 auch noch nicht, wo die Reise hingeht, auch wenn ich mich offiziell festlegen sollte. Deshalb habe ich auch ein Studium abgebrochen bzw. nach einem Praktikum gar nicht erst angetreten. Mit meinem Orchideenzüchterstudium, bei dem ich lange um Immatrikulation kämpfen musste (alle zwei Jahre 15 Leute im ganzen Land) habe ich zumindest eines gelernt: mich durchzusetzen und nicht aufzugeben. Der Rest war Gelaber.
Ich glaube diese jungen Leute heuzutage (*ähem*) haben tatsächlich einige Startvoraussetzungen, die wir nicht hatten:
(ich rede jetzt mal über zukünftige Studenten, das sind zu 70% die Kinder von gutverdienenden Akademikern)

1. Sie mussten als Kinder meist auf nichts verzichten und wuchsen in ziemlichem Wohlstand auf. Sie mußten nie jobben und kennen deshalb keine Berufe.
2. Sie haben schon eine Menge von der Welt gesehen und ziemlich hohe Ansprüche und Erwartungen an ihr Leben.
3. Da es in Familien heute sehr wenige Kinder gibt, stehen sie sehr unter dem Erwartungsdruck der Eltern.
4. Die heutige Erziehung lebt vor allem von Entgrenzung und Selbstverwirklichung, bis hin zu Permanentbespaßung.
5. Das heutige Berufsleben ist hammerhart, unglaublich verdichtet und auf den fahrenden Zug aufzuspringen ist nur in wenigen Branchen einfach (gefragte ITler z.B.)
-> 4 und 5 sind sehr blöde, aber existente Widersprüche, an denen viele scheitern
6. Da alle intensiv faktenlernbasierte Wissenvermittlung verpönt ist und Schulformen auf so Sachen wie Schule ohne Lehrer setzen, gerät die Vorbereitung auf lernintensive Studiengänge zu kurz.
7. Kreativität wird in der heutigen Schule belohnt und gern gesehen. Die heutigen Schüler sind wesentlich kreativer und freier als wir. (Heute fallen eher die, die mehr Führung brauchen hinten runter.) Da liegt ein Studium, das sich mit Kreativität fortsetzt, nahe. Ich halte das aber zu 99% für den Weg des geringsten Widerstandes.

Was die Leute, die kreative Berufe anpeilen, nicht wissen, ist, dass das würdevolle Überleben in so einem Beruf Sozialdarwinismus pur ist. Sie wollen dem langweiligen Markt ausweichen, um sich selbst zu verwirklichen und ahnen noch nicht, dass Selbstverwirklichung das letzte ist, was sie tun können, wenn sie von ihrem Job die Miete zahlen wollen.

Bevor man was studiert, was einen wirklich interessiert, muß man die Kinder in die Welt schicken, daß sie nicht nur den 08/15 BWL-Jura vs. DJ-Schauspieler-Werber-Modegestalterin - Blick haben.
Und besser die Kinder nicht ausschließlich in Reservaten von Ihresgleichen aufwachsen lassen.
 
  • #4
[..]
Was die Leute, die kreative Berufe anpeilen, nicht wissen, ist, dass das würdevolle Überleben in so einem Beruf Sozialdarwinismus pur ist. Sie wollen dem langweiligen Markt ausweichen, um sich selbst zu verwirklichen und ahnen noch nicht, dass Selbstverwirklichung das letzte ist, was sie tun können, wenn sie von ihrem Job die Miete zahlen wollen.

Bevor man was studiert, was einen wirklich interessiert, muß man die Kinder in die Welt schicken, daß sie nicht nur den 08/15 BWL-Jura vs. DJ-Schauspieler-Werber-Modegestalterin - Blick haben.
Und besser die Kinder nicht ausschließlich in Reservaten von Ihresgleichen aufwachsen lassen.


Jup, -> der einzige Satz den sich ein Germanist einprägen muss wenn er mit den Studium fertig ist? " Den BigMac im Menü oder Einzeln?"

wenn ich sehe wie Viele "irgendwie Webdesign" oder "Mediengestalter" werden wollen und ich sie frage was sie denn damit verbindet dann kommt meistens naja was mit medien halt.. es dreht sich im Kreis und eigentlich weiss auch niemand so recht was der "Mediengestalter" denn nun eigentlich macht.. ebenso "Eventmanager" oder Ähnliches..

aber wie kriegt man denn um himmels Willen jemanden dazu sich für so was langweiliges wie "Maschinenbau", "Anlagentechnik" oder "Informatik" zu interessieren? oder ganz bodenständig irgendwas handwerkliches?
 
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Mooseba

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  • #5
Sie sollen etwas Vernünftiges lernen bzw. studieren. Am besten was technisches. Was heißt Kreativität? Dann besser Ingenieur als Irgendwas-mit-Medien. Und der 08/15-Jura-BWL-Blick ist der gesundeste Blick. Und in Sachen Sozialdarwinismus wird es eher härter als besser, v.a. in einem Land, das mit "Energiewende" u.ä. sich selbst auf's Spiel setzt.
 
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  • #6
Wenn man frühzeitig die Stärken und Schwächen der Kinder erkennt und entsprechend fördert, kommt man wahrscheinlich gar nicht in die Lage, etwas raten zu müssen.
 
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  • #7
Als Jahrgang 1968 so wie ich, war es vielleicht auch noch bisschen heile Welt...Dennoch mein Senf dazu:
Auch ich wusste als junger Mensch nicht genau, was ich später mal beruflich machen werde. Woher auch? Deshalb habe ich sicherheitshalber die Schule abgebrochen und bin in den Verkauf/Einzelhandel/Modebranche spaziert. Das kannte ich nämlich von meinem Onkel.
Ich hatte das Glück, mir danach im Laufe von zig-Jahren eine sehr guten Position in dieser Branche zu erarbeiten. Mit 35 wusste ich aber, dass ich in dieser Management Position nicht alt werden wollte.
Daher mit 35 eine gehörige Kehrtwende in einen Office-Job gemacht, eigentlich von Null an neu begonnen, auch hier wieder eine steile Karriereleiter nach oben erarbeitet.
Aber auch hier sah ich mich nicht wirklich erfüllt.Irgendwas fehlte mir, ich wusste nur nicht was.
Deshalb mit über 40 nochmals neuen Berufsweg eingeschlagen. Ausbildungen gemacht, gelernt was das Zeug hält. Ergebnis: Heute bin ich selbständig, rundherum glücklich, ausgefüllt, voller Energie, Entwicklung und großen Schritten nach vorne.
Das heisst, aus meiner Erfahrung: Einen Weg einschlagen, einen Beruf ausüben, weitersehen, ob es passt und immer wieder Anpassungen durchführen. Sich immer wieder umsehen, inspirieren lassen, austauschen.
Ich denke, Ziel sollte sein, dass der Beruf erfüllend ist und nicht nur Mittel zum Zweck.
Parallel dazu ist es aus meiner Sicht auch normal, dass man sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt.
Also ein Beruf, den man mit 20 ausübt kann daher möglicherweise mit 40 nicht per zu einem passen.

w/45
 
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  • #8
#2: Das ist eine schon recht zutreffende Zustandsbeschreibung, die jedoch nicht weiterhilft. Außerdem, wenn ich das lese, kann ich ahnen, dass die ältere Generation genau das über uns damals auch gesagt hatte. Das Dilemma ist also nicht neu.

Ich würde als ältere Verwandter, der um Rat gefragt wird, längere Gespräche führen. Mit der Zielsetzung, dass man dem "Suchenden" die Chance zur Selbsterkenntnis eröffnet, die eigenen Stärken ud Schwächen besser bewerten zu können. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die eine neue Sichtweise ermöglichen und so die Entscheidung "fester" werden lassen.

Also neudeutsch eine Art coaching und nicht einfach mit einer schnellen Antwort kommen, die da lauten könnte: du wirst Arzt! Viel zu abstrakt. Bei der Wahl nach irgendwas Kreativem sollte man bedenken, dass viele Sparten erstaunlicherweise "Kreatives" bieten, und dass die zur Zeit hippen Jobs morgen schon erledigt sein könnten. Besonders dann, wenn man diesen nicht aus ureigenster Überzeugung gewählt hat. Alles, was man halbherzig betreibt, kann nur mit sehr viel Glück zum Erfolg führen und darauf sollte man nicht alleinig zählen.
 
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  • #9
Ich empfehle Berufe mit denen man sich notfalls fast auf der ganzen Welt durchbringen kann. Beispielsweise Arzt/Ärztin (nicht-akademisch dann Krankenpfleger/Krankenpflegerin) oder ein Studium der Informatik/Ingenieurswissenschaften.

w/51
 
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  • #10
aber wie kriegt man denn um himmels Willen jemanden dazu sich für so was langweiliges wie "Maschinenbau", "Anlagentechnik" oder "Informatik" zu interessieren? oder ganz bodenständig irgendwas handwerkliches?

Wenn da ein wirkliches politisches Interesse bestünde, dass die Leute gescheite Studienfächer studieren oder ins Handwerk gehen, dann könnten doch einfach die ganzen unnützen Laber- bzw. "Kreativ"-Fächer abgeschafft werden. So etwas braucht eigentlich ja kein Mensch. Kann man allerdings überhaupt davon ausgehen, dass die Leute heute mit ihrem Aldi-Abitur in der Mehrheit überhaupt für ein ordentliches Ingenieurstudium geeignet sind? Wahrscheinlich nicht. Man müsste der Mehrheit der "Abiturienten" nämlich eigentlich die Wahrheit sagen, dass sie eigentlich nur Hauptschuleignung haben, aber heute eben jeder formal das Abitur bekommt.
 
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  • #11
Ich habe mit meinem Sohn zusammen auf Berufenet stunden/tagelang im Web verbracht, wir haben zusammen geschaut und überlegt. Was mit Menschen machen? Nein. Was Soziales? Auf keinen Fall! Handwerk? Nein! Büro? NEIN! Kreativ? Bloss nicht! Kaufmännisch? Langweilig! Lehrer (zum Spaß)? Krass, NEIEN!
Bub, ohne Geld verdienen geht's eben nicht in diesem Leben! Also wie willst Du die nächsten Jahre bis zur Rente verbringen? Keine Ahnung!...
Am Ende hatten wir dann 3 verschiedene Berufe gefunden - den im optischen Bereich hat er ergriffen und ist bald fertig mit der Ausbildung. Macht ihm Spaß und bringt gutes Gehalt!
Ich finde, man kann seinen Kindern Berater und Helfer sein und sich nicht auf andere verlassen, denn die wollen einen gerne in die Altenpflege drücken - oder in Berufe, die jetzt händeringend gesucht werden. Dafür ist nicht jeder geeignet.
Berate Deine Kinder, schaue nach ihren Talenten, was sie können und mitbringen an Interesse - die Seite Berufenet von der Arbeitsagentur ist eine sehr gute Seite, und wenn Du mit Deinen Kindern/Enkeln gemeinsam surfst und ihnen Wege zeigst, dann fühlen sie sich ernstnommen. Ob Du mit ihnen zusammen einen Film in TV schaust oder mit ihnen zusammen nach einem Beruf suchst und dabei hilfst - letzteres ist auf jeden Fall produktiver - und macht Eltern auch Spaß :) Gib Deinen Kindern/Enkeln einen guten Start mit ins Erwachsenenleben - die Zeit sollte man sich nehmen, unbedingt!
 
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  • #12
Das Alter 17-23 ist etwas spät, um das zu klären. Eltern sollten m.E. spätestens ab der Pubertät die Interessen thematisieren: interessiert das Kind mehr die Naturwissenschaft, mehr die Sprache/Geisteswissenschaft, mehr der Sport, die Musik, oder einfach alles.
Außerdem sollten Eltern die Stärken auch kennen.

Man muss ja nicht krampfthaft die Kinder in eine Richtung drängen. Aber man kann den Kindern ja ihre Stärken bewusst machen und auch verdeutlichen, wie die wirtschaftlichen Zusammenhänge sind und versuchen, etwas Orientierung zu geben.
 
  • #13
Als studierter sogenannter Kreativer darfst du von mir Deinen Nichten und Neffen einen schönen Gruß ausrichten und Ihnen mitteilen, daß das Kreative im Berufsleben eher selten vorkommt und noch seltener nachgefragt wird. Dazu meint im Zeitalter des Computers jeder Depp, daß er alles allein kann und so sieht es dann halt auch aus. Von Kreativität allein kann man nicht leben. Ich mache jetzt was Branchenübergreifendes mit starkem handwerklichem Bezug und kann davon leben. In meinem studierten Beruf wäre es in meiner Stadt sehr eng geworden.

Ich würde als erstes mal die Interessenlage der Kiddies prüfen und ihren Charakter:
Welche Charaktereigenschaften und Neigungen bringen sie mit? Arbeiten sie gern mit ihren Händen? Sind sie sehr pingelig und gründlich oder doch eher schlampig? Haben Sie ein gutes Zahlenverständnis und Abstraktionsvermögen? Sind sie eher extravertiert oder introvertiert?
Dann würde ich etwas abseits der Hauptpfade suchen und in verschiedenen Bereichen versuchen, ein Praktikum zu ergattern. Um zumindest im Ausschlußverfahren vorgehen zu können. Einen Kreativberuf würde ich nur noch empfehlen in Kombination mit etwas Strunzbiederem oder Handwerklichem als Erwerbsquelle oder Zweiteinkommen in Notzeiten.
 
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  • #14
Ich kann dazu wenig sagen.. ich wäre damals froh gewesen, man hätte mich meiner eigenen Wege gehen lassen, mich darin unterstützt, "kreative Wege" zu gehen. Die Mutter hat einen aber schleunigst zurückgezogen, "töh töh töh... man solle gefälligst das lernen, was auch die Eltern machen, Schluss, fertig.", hat sie gesagt. Ich bin heute tierisch unglücklich und auch wütend über meine eigenen Feigheit, mich nicht gegen die Eltern durchgesetzt zu haben und könnte mich täglich schlagen deswegen. Heute bin ich zu alt, um das zu machen, was ich tun will/wollte bzw. ich wäre ein knochenalter Quereinsteiger, den keiner will.

Mein Tipp: man "rät" nicht, sondern man hört erstmal zu, wo die Interessen liegen, womit das Kind sich beschäftigt. Da erfährt man viel und auch vom insgeheimen Seelenleben des Kindes. Denn davon haben Eltern meist keine wirkliche Ahnung, sondern nur Vermutungen. Man hakt nach, man kann ja Dinge empfehlen, sich im Internet einlesen. Es gibt heute viel mehr Möglichkeiten. Vor allem muss man ein Kind ernst nehmen und einen möglichen Berufswunsch nicht schnellfertig abtun. Was Kinder als erstes tun wollen, ist meist schon die richtige Bestimmung. Danach kommen immer nur Notlösungen zum Gefallen der Eltern.
 
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  • #15
Ich hab eine ähnliche Erfahrung gemacht wie Gast 13, aber aus genau gegenteiligen Gründen. Meine Eltern haben mir bei meiner Wahl alle Freiheiten gelassen, mich bei jeder Entscheidung unterstützt und ständig propagiert "wenn man etwas mag, dann wird man auch gut darin und setzt sich durch". Also hab ich mich, naiv wie ich bei Beendigung des Abiturs noch war, für ein Orchideenfach entschieden.
Mittlerweile bereue ich es so sehr, ich würde am liebsten die Zeit zurückdrehen. Es vergeht kein Tag an dem ich nicht darüber nachdenke, wie falsch meine Entscheidung damals war. Idioten als Kollegen und doofe Berufsseiten gibts in diesem Feld genauso wie in jedem anderen, nur dass zusätzlich noch extrem schlechte Jobchancen hinzukommen. Ich wünschte es hätte damals in meinem Umfeld realistisch denkende Menschen gegeben, die mir von dem Interessenfach abgeraten und mir vernünftigere Optionen aufgezeigt hätten.
Ein Berufswechsel kommt für mich leider nicht infrage, da es bei den Berufen, die mich mittlerweile interessieren, Altersgrenzen in der Ausbildung gibt. Also bleibt mir nur übrig, mich mit meiner dummen Wahl abzufinden und jungen Menschen von meiner schlechten Erfahrung zu erzählen, damit sie hoffentlich mehr über die Konsequenzen nachdenken.

(ff)
 
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  • #16
Leider ist es ja wirklich so, dass einem im Alltag kaum studierte Berufe begegnen, wenn nicht gerade einer aus der Familie oder Freundeskreis diesen Weg gegangen ist. Und solche Berufsentscheidungstests kann man meist auch absolut vergessen. ("Sie arbeiten gerne mit Tieren? Dann sollten sie Kürschner werden!")
Woher soll ein Kind wissen, ob ein Beruf geeignet ist, wenn er nicht einmal weiß, dass dieser Beruf überhaupt existiert? Woher soll ich wissen, ob ich als Ingenieur etwas tauge, wenn diese Branche in den Schulen so absolut gar keine Rolle spielt? Man kann ja schlecht alle zwei Jahre das Studienfach wechseln, um irgendwann einmal etwas zu finden, was charakterlich und vom Anforderungsgrad her zu einem passt. Ich kann wirklich keinem Kind und jungem Erwachsenen übel nehmen, wenn bei der Frage "was möchtest du werden?" erst mal ein ratloses Schulterzucken folgt. Das ist fast immer der Überforderung und nicht (wie hier manche schon wieder abfällig reden) einem "Ich will Superstar werden"-Wunsch geschuldet. Klar, solche Leute gibts auch, aber davon haben wohl die wenigsten ein Abitur gemacht. Die Berufswelt ist heute nun einmal diverser als je zuvor. Fast jeder Mensch ist erst einmal ratlos, wenn er vor einem Regal mit 100 Buttersorten steht, während sich die Großeltern damals nur zwischen 3 Sorten entscheiden mussten.
Umso mehr sollten verantwortungsvolle Eltern ihrem Kind bei der Entscheidungsfindung zur Seite stehen. Natürlich jetzt nicht mit einem "Du machst das jetzt und basta", sondern wie Gast 10 gemeinsam schauen, welche Optionen es gibt, welche kommen überhaupt nicht infrage kommen, und bei welchen es sich lohnt, sich mehr zu informieren.
Ich persönlich kann auch jedem jungen Menschen MBTI-basierte Karrieretests empfehlen. Davon gibt es verschiedenste kostenlose Varianten im Netz, die einem allesamt die eigenen Stärken und Schwächen und dazu passende Berufsfelder aufzeigen. Die meisten davon sind auf Englisch, aber einige auch auf Deutsch und sie sind ein wirklich guter erster Anlaufpunkt, wenn man noch so völlig ideenlos ist.
 
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Mooseba

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  • #17
1. Die Kinder sollen lernen, dass es im Erwachsenenleben nicht um Spaß geht.
2. Deshalb kann einfach nur Spaß oder leidenschaftliches Interesse kein ausreichender Grund für eine Berufswahl sein. Ich gehöre schon zu den Verknöcherten, die sagen, es müsse was Vernünftiges sein. Von Geisteswissenschaften rate ich ab, es sei denn, man hat schon ein klares Ziel und macht kein klassisches Trödlerstudium draus.
3. Es darf nichts sein, womit man gar nichts anfangen kann oder wo man sich nur quälen würde.
4. Man sollte nach dem Abi nicht zu lange warten oder rumprobieren, selbst wenn die Eltern das (finanziell) tolerieren. Ich hab es eher als Vorteil in Erinnerung, dass ich einigen Druck hatte.

(m,31)
 
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  • #18
Die Jugendlichen müssen kapieren, daß sie optimal in eine Verarbeitungskette integriert werden müssen, um maximalen Profit für das Unternehmen zu erwirtschaften.
Bei den meisten Tätigkeiten ist Kreativität nur sehr begrenzt gefragt.
Durchhaltevermögen, Streßresistenz, unbedingter Wille, schnelle Auffassungsgabe, Anpassungsfähigkeit, Flexibilität, Disziplin, Pünktlichkeit usw. sind wichtig !!!
Die vielgepriesenen Softskills sind in der Realität gar nicht wichtig und werden z.Z. total überinterpretiert. Vor allen Dingen muß der Job den Mann/die Frau ernähren können.
"Spaß" im Beruf zu haben ist nice to have, aber sicher nicht ausschlaggebend.
Wie eine weise Vorposterin schon schrieb: Die Kinder sollen was universelles lernen, was man auch im Ausland brauchen kann (Ingenieur, Informatiker) und nicht was es nur hier gibt (und auch noch nur im öffentlichen Dienst wie "Sozialarbeiter").
Wenn die Kinder eher schnachnasig sind, sollte man über einen Beamtenjob reden.
 
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  • #19
Ist es nicht längst überholt, am Ende der Schulzeit wissen zu müssen, was man sein restliches Leben lang machen will? Und ist es denn wirklich nötig, einem Kind raten zu müssen, was es werden soll? Ich antworte auf beide Fragen mit "eindeutig NEIN".
Diejenigen, die sich "früher" (als ja alles ganz anders war) finden sich später eher selten in ihrem tatsächlichen Traumberuf wieder; viele tun auch so als ob es so wäre, denn eine Wahl (denken sie zumindest) haben sie sowieso nicht mehr. Man kann das heutige Berufsleben nicht mit dem früheren vergleichen. Heute sind es ganz andere Berufsfelder, ganz andere Entwicklungswege und auch ganz andere Prioritäten aus Sicht der Arbeitgeber. Heute heißt es: Probier so viel wie möglich aus und finde mit 30 zu dem, was dich erfüllt, anstatt mit 17 das, was dich bis du 67 bist, zum Kotzen bringt (nur weil es Eltern und Großeltern anerkennen).
Den Kindern raten, was sie werden sollen? Lieber nicht. Denn die Generationen darüber sind eigentlich oft zu schlecht darüber informiert, was aktuell und zukünftig auf dem Arbeitsmarkt los ist. Die meisten von Ihnen haben ja schon einen Beruf und somit in der Regel auch schon den Tunnelblick.
Was ist so falsch daran, nach der Schule nicht zu wissen, was einen interessiert? Überhaupt nichts, es ist sehr normal. Wie soll man denn wissen, was man werden will, wenn man noch nichts ausprobiert hat. Geradlinige Lebensläufe werden ja gar nicht mehr gewünscht! Das Besondere ist ja an der heutigen Generation, dass sie länger jung sein dürfen, d.h. länger nicht zu wissen, was man will; länger dies und das zu tun; länger zu studieren; später zu heiraten; später Kinder zu kriegen; selbstbestimmter und zufriedener zu werden ... Ehrlich gesagt, kann ich es mir sehr gut vorstellen, dass durch diese Veränderung die Scheidungsrate sogar sinken wird in den nächsten Jahrzehnten. Denn Vernunft hat bei der jungen Generation heute eine ganz andere Bedeutung. Man heiratet nicht, weil man schwanger ist - man heiratet, weil man vorhat, schwanger zu werden. Man kriegt Kinder nicht, um gesellschaftlich anerkannt zu sein, sondern weil man sich welche wünscht. Und lebt auch nicht um zu arbeiten - man arbeitet, um zu leben. Ihr macht euch Sorgen???

w25
 
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Mooseba

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  • #20
Ist es nicht längst überholt, am Ende der Schulzeit wissen zu müssen, was man sein restliches Leben lang machen will? [...] Und lebt auch nicht um zu arbeiten - man arbeitet, um zu leben.
Man muss nicht wissen, was man den Rest seines Lebens macht. Man sollte nach der Schulzeit aber mit etwas beginnen oder zumindest erstmal jobben, aber das Noch-nicht-wissen auf Kosten der Eltern leben.

Doch, man lebt um zu arbeiten. Das macht das Leben keineswegs wertloser - im Gegenteil. Erst durch das Werk kann wahres Glück gedeihen. Dass man sich solche Ansichten leisten kann wie du sie hast, ist vor allem ein Verdienst der vorigen Generationen, die oft zu Recht das Gefühl haben, ihr Lebenswerk wird nicht respektiert oder gar abgelehnt. Es ist ein großer Luxus, heute sagen zu können, ich arbeite um zu leben. Die Voraussetzungen dafür haben aber nicht wir junge Menschen geschaffen.

(m,31)
 
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  • #21
Mein Tipp: man "rät" nicht, sondern man hört erstmal zu, wo die Interessen liegen, womit das Kind sich beschäftigt. Da erfährt man viel und auch vom insgeheimen Seelenleben des Kindes. Denn davon haben Eltern meist keine wirkliche Ahnung, sondern nur Vermutungen. Man hakt nach, man kann ja Dinge empfehlen, sich im Internet einlesen. Es gibt heute viel mehr Möglichkeiten. Vor allem muss man ein Kind ernst nehmen und einen möglichen Berufswunsch nicht schnellfertig abtun. Was Kinder als erstes tun wollen, ist meist schon die richtige Bestimmung. Danach kommen immer nur Notlösungen zum Gefallen der Eltern.
Die Berufswünsche von Kindern sind doch sehr überschaubar: Pilot, Tierärztin, Feuerwehrmann und heute vielleicht noch Superstar oder Model als Alternative zur Prinzessin.
Ich würde mal sehr bezweifeln, dass jedes Kind dazu bestimmt ist, einen dieser Berufe zu ergreifen.
Aber im Grunde hast du schon Recht: Man muss rechtzeitig beobachten, wo die Interessen und Stärken liegen.
Dann kommt es vielleicht auch gar nicht erst zu utopischen Berufswünschen.
 
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  • #22
Ganz einfach,.... das Kind entscheiden lassen ;-) Nicht das was die Eltern möchten!

Bsp. meines Lebenslaufes: Zuerst eine Handwerkliche Ausbildung, danach Abschluß eines Meistertitels, und bald noch ein Akademischer Abschluß + 8 Jahre Berufserfahrung, zusätzlich noch diverse Fluglizenzen und fertig ist die Arbeitsallzweckwaffe der Zukunft :)

"Nur Studieren" halte ich heutzutage für gefährlich, den die Masse an Studenten sorgt (insgeheim) selber für das Drücken der Löhne. Ich denke, die Gewinner der Zukunft (5- 20 Jahre) werden auch wenn es sich verrückt anhört die Handwerker/ Blaumänner sein!

Schon heute werden bei uns im Unternehmen "Abartige" Gehälter für die Blaumänner bezahlt, da immer weniger Jugendliche sich die Hände "schmutzig" machen wollen. Doch die "Profis"/ Spezialisten im Handwerklichen Bereich verdienen schon heute sehr gut, Tendenz steigend!

Einer meiner Freunde hat ebenfalls seinen Meister in E-Technik, zudem ist er ein sehr gefragter Mann für Elektrotechnik in Kraftwerken. Gehalt über 8.000€ Monat bei einer 38,5 h Arbeitswoche


M/27
 
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  • #23
Ich gehöre zu denjenigen, die "etwas Kreatives" machen und möchte mich daher gerne zu dem Thema zu Wort melden. "Etwas Kreatives" heißt nicht zwangsläufig gleich brotlos! Und ich finde es genau so falsch, etwas zu lernen, zu studieren, das zwar gefragt ist auf dem Arbeitsmarkt, man selbst jedoch herzlich wenig Leidenschaft dafür entwickeln kann. Mir persönlich war es immer wichtig, dass mein Beruf mir Spaß macht und mich erfüllt. Doch meist muss man heutzutage für den so genannten Traumjob einen sehr harten Weg gehen. Studiert habe ich zunächst zwar ein relativ gefragtes Fach, es hat mich auch interessiert, doch während der Promotion musste ich feststellen, dass dies wohl doch nicht mein Weg ist. Habe mich anschließend für einen Weiterbildungskurs im kreativen Bereich entschieden.

Ja, die Jobchancen da sind nicht besonders rosig, der Arbeitsmarkt ist übersättigt. Trotzdem habe ich eine Festanstellung in meinem Traumjob ergattern können und kann dies definitiv nicht alleine mit dem Faktor Glück begründen. Die entscheidenden Stichworte sind: Ausdauer, Beharrlichkeit, Leidenschaft, Kompromissbereitschaft, viel Talent und allen voran: FLEXIBILITÄT! Bereitschaft zu einem Wohnortwechsel, auch wenn es 500 km weit weg im Ausland ist, ist ein absolutes Muss, ebenso ein langer Atem und viel Geduld. Bevor ich meine Traumstelle ergattern konnte, war ich mehrere Jahre in befristeten Arbeitsverhältnissen oder freischaffend und buk erst einmal ganz kleine Brötchen.

Heute bin ich sehr glücklich "durchgehalten" zu haben, denn wenn man gut ist und Gas gibt, winkt nach einiger Zeit eine sichere und okay-bis-gut bezahlte, sichere Festanstellung. Alles auch eine Frage, inwiefern man bereit ist, Kompromisse einzugehen. Und hier sehe ich bei der *heutigen Jugend* einen wesentlichen Knackpunkt. Viele scheitern "unterwegs" an mangelndem Durchhaltevermögen, der fehlenden Bereitschaft zu verzichten oder schlicht und einfach an mangelndem Talent. Nicht jeder, der gerne schreibt, eignet sich zum Autor und nicht jeder, der gerne malt, hat das Zeug zum Grafiker.

Daher kann ich denjenigen, die in einem kreativen Beruf arbeiten wollen, einen sehr wichtigen Rat mit auf den Weg geben: Immer einen Plan B, ein zweites Standbein, vor Auge haben!

w, 38
 
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  • #24
Liebe Familie,

was rät man Geschwistern ? Also, meine Geschwister haben sich nie dafür interessiert was ich mal machen möchte.
Eltern: es gab keine Befehle in der Richtung "du musst aber... in die Lücke hinein studieren"
Ich kenne viele die mussten: Informatik, E-Technik, Maschinenbau studieren. Haben alle abgebrochen weil sie mit völlig falschen Erwartungen in das Studium gingen. Einer leitet jetzt einen Computerversandhandel.

Die sogenannten brotlosen Geisteswissenschaftler haben in der Regel kein abgebrochenes Studium da sie mit Eifer und Esprit bei der Sache blieben.
Aber sie hatten nach dem Examen schlimme Durststrecken auf dem Arbeitsmarkt, denn sie müssen sich ihre Berufe selbst schaffen.

Demnächst gibt es eine Juristenschwemme. Mechatroniker werden dringend gesucht. Im Handwerk fehlt der Nachwuchs. Noch vor 20 Jahren hätte niemand gewusst dass es so kommt.
Wir müssen uns alle von der Vorstellung verabschieden 40 Jahre im voraus planen zu können. Wir werden mehrere Berufe haben. Wer glücklich ist hintereinander. Wer Pech hat muss drei gleichzeitig haben.
 
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