• #1

Warum sind/waren Lesben gesellschaftlich akzeptierter als Schwule?

Der § 175 des deutschen Strafgesetzbuches (§ 175 dStGB) existierte vom 1. Januar 1872 (Inkrafttreten des Reichsstrafgesetzbuches) bis zum 11. Juni 1994. Er stellte sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe.

Dabei wird das männliche Geschlecht ja deutlich hervorgehoben und es gibt auch kein entsprechendes Gesetz gegen Bindungen oder sexuelle Handlungen unter Frauen. Warum gab es kein entsprechendes Gesetz gegen Lesben?

Auch verbinden viele doch mit Homosexualität irgendwie als erstes Schwule. Woher kommt das?
Mir ist bewusst, dass es leider immer noch sehr viele Vorurteile auch gegen Lesben gibt, aber ich denke, wenn sich 2 Männer küssen, löst das immer noch deutlich mehr Verwunderung oder teilweise sogar Ablehnung aus, als wenn sich 2 Frauen küssen (und ich meine jetzt keinen mehr oder weniger üblichen Bussi zur Begrüßung, sondern schon einen Kuss auf den Mund).

Selbst bei den berühmten Begrüßungsküsschen unter Freundinnen fällt doch auf, dass sowas bei Männern (zumindest in "unserem" Kulturkreis) eher verpönt ist.

Warum??

Nachtrag:
An alle, die mich ggf. falsch verstehen wollen: Ich habe kein Problem mit homosexuellen Menschen, im Gegenteil! Ich bin sehr liberal und tolerant. Ich hatte mir gestern halt ein paar Gedanken zu dem Thema gemacht und mir ist da aufgefallen, dass Leute weniger heftig reagieren, wenn sie ein lesbisches Paar sehen als bei einem schwulen Pärchen.

Auch wird es in der Gesellschaft als weniger schlimm angesehen, wenn ein Mädchen Jungenjeans oder einen Jungenpullover, Hemd etc. trägt, das ist heute ja schon fast normal (Ich weiß, ich weiche ein bisschen vom Thema ab). Aber stellt euch mal vor, ein Junge trüge einen hautengen Pullover oder Leggings, etc. Die Reaktionen darauf wären doch ganz anders!

Nun an euch: Ist euch ähnliches auch schon aufgefallen? Woran könnte das liegen? Falls es hier ein paar lesbische bzw. bi-Frauen gibt: Fühlt ihr euch in der Gesellschaft akzeptierter?

Wie auch immer, ich freue mich auf eure Antworten!
 
  • #2
Ja liebe Fragestellerin. Es ist mir aufgefallen, dass die weibliche Homosexualität nicht so "ernst" genommen wird. Und ich habe schon einige Gedanken hierzu gelesen. Unter anderem das Statement, dass die weibliche lesbische Sexualität einfach nicht so für "voll" genommen wird.

Der männliche homosexuelle Akt erfolgt durch Penetration in den Anus. Also vielleicht für die Gegner viel "schlimmer" und perverser wie das weibliche Rumgeschmuse.

Für den Normalbürger: Sex=Penetration. Und das können Frauen nun mal nicht auf die herkömmliche Art und Weise.

Und dann sind Frauen nun mal das zärtlichere Geschlecht. Da bezieht man nicht alles gleich auf Sexualität. So zumindest in der Wahrnehmung der Mitmenschen.
 
  • #3
Weil männliche Sexualität agressiver und bedrohlicher ist. Das ist in der Biologie begründet. Straftaten werden überwiegend von Männern begangen, das Testosteron macht leichtsinnig und gefahrenbereiter. Vergewaltigung ist ein fast ausschließlich männliches Verbrechen.
 
  • #4
Man muss denke ich differenzieren. Das Fernsehen ist voll von homosexuellen Moderatoren, Promis, etc., die auch gesellschaftlich anerkannt und beim Publikum sehr beliebt sind. Diese präsentieren sich auch teilweise übertrieben klischeehaft mit Make-Up, Frauenkleidung usw. (zB Ricardo Simonetti, Harald Glööckler), andererseits gibt es auch einige, die zwar ebenfalls kein Geheimnis um ihre Homosexualität machen, aber nicht direkt auffallen wie Guido Maria Kretschmer oder Ross Anthony. Die Liste der männlichen Beispiele ist lang, aber wie ist es mit prominenten Frauen? Da fällt mir spontan nur Hella von Sinnen ein. Ist das Zufall oder kommen lesbische Frauen nicht so gut bei der Öffentlichkeit an?

Beim Punkt mit der Kleidung, bzw. dem Verhalten im Alltag gebe ich dir Recht. Frauen in "Männerklamotten" sind schon lange normal. Wobei es da auf die Sichtweise ankommt. Früher war ja mal alles Männerklamotte, was kein Kleid oder Rock war. Heute wird eine enge Röhrenjeans an einer Frau durchaus als weiblich angesehen, obwohl es mal eine Zeit gab, als Hosen bei Frauen ein no go waren.
Seit einer Weile ist aber auch die "normale" Männermode weiblicher geworden. Im Club trägt jeder 2. Typ ein tief ausgeschnittenes Shirt und eine hautenge Hose. Geblümte Shirts oder Farben wie pink, rosa, lila sieht man auch seit Jahren häufiger bei Männern. Männer, die sich die Augenbrauen trimmen sind auch keine Seltenheit mehr.

Also was die Kleidung anbelangt geben sich beide Seiten nichts. Bei der Homosexualität sehe ich es schon so, dass Männer gesellschaftlich anerkannter sind als Frauen.
 
  • #5
Weil schwule Männer einfach auffälliger sind. Zwei Frauen die sich küssen ,oder händchenhalten, das kannten schon unsere Grossmütter bei ihren besten Freundinnen. Eine Frau die sich männlich kleidet gehört zum Alltag. Anders bei den Männern. Männer in Frauenkleidung sind immer noch Paradiesvögel und ein Mann der Zärtlichkeit zeigt immer noch suspekt. Leider ist das so. Eine Teilschuld trifft aber sicher auch bei schwulen Männer selbst wenn ich an einzelne Exemplare denke, die das so öffentlich und provokant zur Schau stellen, dass damit leider alle anderen diesen Stempel aufgedrückt bekommen. Von Lesben sieht und hört man da weniger.
 
  • #6
Männer beschützen Frauen und Kinder. Zu diesem Zweck sind sie kräftiger gebaut. Ein Familienverband funktioniert ggf. auch mit zwei Frauen. Aber wer schützt und verteidigt wen, wenn beide Partner Männer sind? Das macht biologisch keinerlei Sinn und wird daher als unnatürlich empfunden.
 
  • #7
Weil Männer die Welt regieren und immer noch die meiste Macht haben. WER ist es denn, der in der Regel gegen Schwule wettert? Das sind die Männer selbst, weil es nicht in ihr Weltbild passt, weil es "unmännlich" für sie ist. Und die Staatsoberhäupter in den meisten (gerade konservativen und rückständigen) Ländern denken da nicht anders. Sowas gehört für die verboten und fertig, ich selbst habe viele schwule Freunde und ich kenne keine einzige Frau, die damit ein Problem hätte. Männer hingegen stellen sich da viel schlimmer an.

Gegen Lesben hat man nichts, weil diese ja auch keine Männer sind und von daher auch nicht am Weltbild des starken männlichen Geschlechts rütteln.

w(28)
 
N

nachdenkliche

  • #8
Interessante Frage und sehe ich ganz genauso, wie Du! Könnte wirklich daran liegen, dass mann/frau sich vorstellen, wie schwule Männer Sex haben und das dann komplett ablehnen und das als "gewalttätig" empfinden. Hier in Berlin gehören schwule Männer- und lesbische Frauenpaare zum alltäglichen Szenario.
Im allgemeinen werden bei Frauen kurze Haare (auch hier im Forum) verachtet, weil auch einige Frauen glauben, dann sieht man aus, wie eine Lesbe. Ich kenne auch eine Kollegin, die sowas sagt. Ich selber (hetero) habe kurze Haare, trage aber sehr weibliche Klamotten und schminke mich, um nicht für eine Lesbe gehalten zu werden, weil ich dazu auch kaum weibliche Formen habe. Warum eigentlich? Warum versuche ich mich indirekt zu rechtfertigen? Was ist dabei, schwul zu sein oder lesbisch?
 
  • #9
Da du auch nach Bisexualität fragst: die steht auf der Liste der gesellschaftlichen Akzeptanz ganz unten. Ich meine damit nicht den Spruch "jeder ist ein bisschen bi", sondern die Akzeptanz der Menschen, die sich offen zu ihrer Bisexualität bekennen. Die werden in der schwullesbischen Szene noch ausgegrenzt (muss man nur mal in entsprechende Foren gucken), das B in LGBTI oft nur inhaltsleerer Buchstabe. Biseexuelle Männer gelten als eigentlich schwul, deshalb bedrohlich (Angst vor Untreue / Promiskuität / Infektion mit HIV etc), bisexuelle Frauen als eigentlich Hetero und ziemlich heiß (mögen doch flotte Dreier, na supi!). Bisexuelle Menschen müssen sich in Beziehungen mit der Angst des Partners auseinandersetzen, ihm / ihr sexuell nicht zu genügen ("mir muss was fehlen, sonst wäre er / sie nicht bi") und ansonsten werden sie in der Gesellschaft nicht gesehen, denn wenn die Bifrau einen Mann als Partner hat, "ist" sie Hetero, wenn sie mit einer Frau verpartnert ist, "ist" sie lesbisch. Dies gilt dann für Männer entsprechend und jeweils auch in schwul-lesbischen Kreisen. Die öffentliche Unterstützung politischer Akzeptanz von Bi-Themen ist mau. Alles dreht sich um die Homo-Ehe, das Adoptionsrecht etc. Den Grund für die schlechte Akzeptanz bisexueller Menschen sehe ich darin, dass sie das Orientierungs-Ideal unterlaufen (einmal schwul immer schwul, einmal lesbisch immer lesbisch, einmal hetero immer hetero).
W-45, bicurious
 
  • #10
Interessantes Thema! Ich habe mir darüber auch schon oft Gedanken gemacht.

Ich denke, in der Abwertung von Schwulen zeigen sich letztlich Überreste tiefverwurzelter Frauenfeindlichkeit. Weiblichkeit wird eher mit Schwäche assoziiert; weibliche Eigenschaften wurden in früheren Zeiten geringgeschätzt. Ich denke, das ist der Grund, warum Männer mit femininem Habitus - den ja viele Schwule haben - häufig belächelt werden. Sie sind Männer, nehmen aber Eigenschaften des "minderwertigen" weiblichen Geschlechts an. Dafür verachtet man sie.

Lesbische Frauen hingegen nehmen typischerweise Eigenschaften des "höherwertigen" männlichen Geschlechts an, was eher geduldet wird.

Zu dieser Theorie passt, dass man Schwulenfeindlichkeit v.a. bei Männern findet...und ich wette, dass Frauenfeindlichkeit und Schwulenfeindlichkeit bei Männern stark korrelieren. m.E. sind das zwei Seiten derselben Medaille.
 
  • #11
Ich glaube das kommt historisch bedingt einfach dadurch, dass weibliche Sexualität sehr lange Zeit überhaupt nicht wahrgenommen wurde und das traditionelle Männlichkeitsbild, das ja auf Machtausübung beruht, auch gefährdet wäre, wenn man keinen potenziell "schwächeren" Partner (Frau) an seiner Seite hat.

Außerdem finden viele Männer (und Frauen) Sexualität unter (Hetero)Frauen erotisch. Warum das so ist, weiß ich auch nicht. Zärtlichkeiten unter Frauen werden wohl einfach als normaler empfunden, weil Frauen gemeinhin als zärtlicher gelten.

Männer beschützen Frauen und Kinder. Zu diesem Zweck sind sie kräftiger gebaut. Ein Familienverband funktioniert ggf. auch mit zwei Frauen. Aber wer schützt und verteidigt wen, wenn beide Partner Männer sind? Das macht biologisch keinerlei Sinn und wird daher als unnatürlich empfunden.

Das wiederum macht für mich auch keinen Sinn. Bei zwei Frauen gäbe es ja konsequenterweise niemanden, der die Familie beschützt. Von daher bleibe ich dabei, dass weibliche Sexualität einfach weitestgehend ignoriert wurde bzw. leider teilweise noch wird.
 
  • #12
Männer hingegen stellen sich da viel schlimmer an.
Wo stellt sich in unserer Gesellschaft jemand "schlimm" an? Schon unser erster Aussenminister (v. Brentano) war schwul. Mindestens zwei spätere desgleichen.
Schwule sind inder Gesellschaft normal und akzeptiert.
In meinem Bekanntenkreis gibt es verschiedene Menschen mit homosexueller Neigung. .

Das in Afrika, Rußland und Arabien Statsoberhäupter damit Probleme haben,kann schon sein, soll aber unser Problem nicht sein.
 
  • #13
Kann ich für mich jetzt nicht so sehen. Ob sich zwei Männer oder zwei Frauen so küssen wie du es beschreibst ist für mich Gleichungewöhnlich/gewöhnlich. Ich empfinde bei beiden Geschlechtern nichts Schlimm daran. Ich konnte meine Einstellung welche unsere Gesellschaft zu Homosexuellen noch vor dreißig Jahren hatte, sehr schnell und gut abblocken. Ich konnte mir durch Freundschaften mit Homosexuellen Menschen beider Geschlechter mein eigenes Bild machen. Und!!! Janz Wischtisch. Ich bin ne Kölsche Jung. Homosexuelle Menschen gibt es hier wie Reis in China. Also für mich nicht der Rede Wert.
Sie sind nicht anders, nicht Ungewöhnlich oder Seltsam. Sie sind Menschen wie du und ich. Sie teilen die selben Freuden und Sorgen wie alle Menschen.
m45
 
  • #14
Frag das Christentum! Hier liegt der Ursprung allen Übels! Wir leben immer noch gewissermaßen im Mittelalter. Auch Leute, die sich heute für Atheisten halten, sind größtenteils immer noch von der moralischen Erziehung des Christentums geprägt. Dass homosexuelle Ehen genehmigt wurden oder Frauen in Chefetagen akzeptiert, ist auch noch nicht so lange her ... Auch hierfür ist die Religion schuld. Eigentlich sollte man das wissen!
 
  • #15
Kann ich nicht feststellen. Nur meine persönliche Sicht: Ich habe weder etwas gegen w & w noch gegen m & m. Aber ich sehe viel lieber, wenn zwei hübsche Männer sich küssen! Das finde ich aufregend und echt schön zu sehen! w46
 
N

nachdenkliche

  • #16
Homosexuelle Menschen gibt es hier wie Reis in China. Also für mich nicht der Rede Wert.
Sie sind nicht anders, nicht Ungewöhnlich oder Seltsam. Sie sind Menschen wie du und ich. Sie teilen die selben Freuden und Sorgen wie alle Menschen.
m45
Das sagst Du so locker flockig, lieber neverever..wenn das nur alle so täten! Ich habe zwei Kolleginnen, mit denen ich täglich stundenlang zusammen arbeiten muss. Beide total "modern und aufgeschlossen"..Kommt das Thema aber mal darauf, kommen in mir Aggressionen hoch, die ich kaum unterdrücken kann: Schwule sind krank, sind einfach falsch erzogen worden, da muss man in der Pubertät besonders aufpassen. Da ist die Mutter Schuld..Solche Sprüche einfach..das tut weh..und ist in meinen Augen pure Dummheit, fertig! Muss man sich mal vorstellen, eine Krankheit...Auweia!
 
  • #17
Er geht davon aus, dass unsere Gesellschaft seit ca. 200 Jahren Männlichkeit als negativ und potentiell gefährlich einstuft (siehe obiges Zitat). Folglich muss Männlichkeit in einen zivilisatorischen Kontext eingebunden, d.h. gebändigt werden. Diese zivilisatorische Funktion kommt Frauen zu (deshalb auch ihre tradtitionelle Rolle als "angel of the household"). Schwule Männer entziehen sich aber diesem weiblichen Einfluss.

Was wiederum etwas widersprüchlich wirkt, weil schwule Männer ja oft als "verweiblicht" angesehen werden. Von daher finde ich das mit dem "starken" Männlichkeitsbild gar nicht so abwegig. Dieses zeigt sich bei Heteros ja auch wie oben angesprochen durch die Nicht-Akzeptanz von allzu angeblich weiblichen Verhaltensweisen/Optik, so wie die FS das beschreibt. (Was umgekehrt bei Frauen ja wie beschrieben auch der Fall ist - dennoch habe ich das Gefühl, dass "verweiblichte Männer" verpöhnter sind als "vermännlichte Frauen").

Dass Homophobie in Deutschland kaum noch vorkommt, halte ich auch für eine sehr fragwürdige Aussage. Mein bester Freund ist schwul, von daher kriege ich das oft genug mit. Weder er selbst ist geoutet, noch die meisten seiner schwulen Freunde sind das, weil sie einfach Angst haben. "Schwul" ist ja (im Gegensatz zu lesbisch) auch ein bekanntes Schimpfwort.
 
L

Lisachen

  • #18
Wahrscheinlich hat das Ganze auch einen religiösen Hintergrund, weil früher Staat und Religion nicht voneinander getrennt waren und die Homosexualität in allen Religionen immer männlich war und als Sünde angesehen wurde und zusätzlich haben die Frauen früher sowieso keine Rechte gehabt und wurden gar nicht als gleichberechtigte wahrgenommen. Dürften nicht wählen, nicht Autofahren, sie dürften sich nicht scheiden lassen. Haben ihre Kinder weggezogen bekommen, wenn sie sich von dem Mann trennen wollten. Dürften getötet werden, wenn sie fremd gingen. Die Liste ist lang und wie schön, dass die Welt sich so positiv verändert hat.
 
  • #19
Interessant, dass das einen Thread wert ist.
Im Eliteforum...

Meine Tochter ist lesbisch.
Ich habe eine Schwiegertochter ( naja, sage ich so, obwohl sie nicht verheiratet sind. Meinen Freund nenne ich auch oft 'meinen Mann', ist also das gleiche ).
Als sie zusammenkamen, wollte sie das meiner Mutter erzählen, weil wir sie besuchen wollten und sie ihre Freundin nicht verleugnen wollte.
Ein klitzekleines bißchen Schiß hatte sie davor, aber meine Mutter hatte an der Tatsache, dass der Familienzuwachs eine Frau sein würde, gar kein Interesse, sondern wollte nur Dinge wissen, die deren Individualität betrafen. Alter, wie sie sich kennen gelernt hatten, was sie studiert...solche Sachen.
Meine Mutter ist fast 80.
Ich finde, sie ist eine sehr moderne Frau, nicht ?

Sie sind nicht anders, nicht Ungewöhnlich oder Seltsam. Sie sind Menschen wie du und ich. Sie teilen die selben Freuden und Sorgen wie alle Menschen.
Vielen Dank lieber neverever.

Übrigens: auch wenn ich jetzt des ein oder anderen Weltbild erschüttern muss, möchte ich hier sagen, dass die beiden mitnichten nur schmusen und kuscheln und das wahrscheinlich die wenigsten lesbischen Paare tun.

w 49
 
  • #20
Das sagst Du so locker flockig, lieber neverever..wenn das nur alle so täten! Ich habe zwei Kolleginnen, mit denen ich täglich stundenlang zusammen arbeiten muss. Beide total "modern und aufgeschlossen"..Kommt das Thema aber mal darauf, kommen in mir Aggressionen hoch, die ich kaum unterdrücken kann: Schwule sind krank, sind einfach falsch erzogen worden, da muss man in der Pubertät besonders aufpassen. Da ist die Mutter Schuld..Solche Sprüche einfach..das tut weh..und ist in meinen Augen pure Dummheit, fertig! Muss man sich mal vorstellen, eine Krankheit...Auweia!
Für mich liebe nachdenkliche ist das pure Angst vor dem realen Leben. Scheuklappen Syndrom. Wat der boor nit kennt, dar frist er nit. Sagt man im Rheinland. Diese Menschen leben in einer Glaskugel. Ich habe einen meiner besten Freunde aus Schulzeiten der schwul ist. Ein ganz besonderer Mensch. Leider ein zarter. Ich habe als Teenager seine Rechte mit Gewalt verteidigen müssen und würde es heute genau so tun, wenn notwendig.
M45
 
  • #21
Ich glaube nicht, dass Lesben gesellschaftlich akzeptierter sind als Schwule. Wenn der Eindruck entsteht, liegt das eher daran, dass der Sexualität der Frau immer noch nicht der gleiche Stellenwert eingeräumt wird, wie der Sexualität des Mannes. Daher werden Lesben eher nicht ernst genommen, was den Anschein höherer gesellschaftlicher Akzeptanz erweckt.

M.E. gehen schwule Männer offensiver mit ihrer sexuellen Orientierung um, haben eine höhere Outingquote.

Wenn Männer ein ähnliches Verhalten körperlicher Nähe (keine direkten sexuellen Handlungen, aber Körperkontakt) in der Öffentlichkeit zeigen wie Frauen, dann gilt der Mann als schwul (Stellungnahme zur Sexualität), bei Frauen wird bei gleichem Verhalten eher BFF angenommen (emotional, aufgedrehte Hühner o.ä.) - ihnen wird die Sexualität einfach abgesprochen.

Mir persönlich ist es mal wieder komplett egal, was andere machen - jedre darf bei mir leben wie er will.
Leider sind die nettesten und charaktervollsten Singlemänner schwul und kommen somit nicht als Partner infrage.
 
  • #22
Männliche Sexualität ist von der Natur der Sache her aggressiv, denn "Penetration" heißt "Eindringen" und Eindringen ist per se ein aggressiver Akt. Um in einen anderen Körper einzudringen, braucht es eine erhebliche Bereitschaft zur Aktivität und Aggressivität, erst recht, um dabei auch noch Lust zu empfinden. (Die Bedeutung des Wortes "penetrant", über die Sexualität hinaus, spricht für sich.)
Die weibliche (Hetero-) Sexualität ist das genaue Gegenteil davon. Die Frau muss bereit sein, in ihren Körper eindringen zu lassen. Dafür ist von ihr Bereitschaft zur Hingabe, Sich-Öffnen, Geschehenlassen, In-sich-eindringen-lassen, also durchaus zur Passivität notwendig, und ebenso erst recht, wenn sie dabei Lust empfinden will.
Die meisten durchschnittlichen Heteromänner können sich absolut nicht vorstellen, jemanden in dieser Weise in ihren Körper eindringen zu lassen, erst recht nicht, das als lustvoll zu empfinden.

Es gibt ja viele Theorien zu dem Thema Homosexualität und deren gesellschaftliche Anerkennung oder Entwertung.
Ich gebe zu den hier bereits genannten noch eine weitere dazu:
Homosexuelle Männer zeugen keine Kinder! Damit ist die Erhaltung der Art und somit der evolutionäre und biologische Sinn des menschlichen Daseins überhaupt gefährdet.
Homosexuelle Frauen haben dagegen sehr oft in der Realität Kinder. Sie haben entweder in jungen Jahren auch mal einen Mann geliebt oder sie haben sich Sperma "besorgt". Jedenfalls scheint der biologische Fortpflanzungsauftrag, vielleicht auch unbewusst, bei Frauen stärker zu wirken, stärker als ihre Homosexualität. Schließlich ist es für Frauen auch deutlich leichter, sich schwängern zu lassen, wenn sie es wollen, als es umgekehrt für einen Mann ist, ein Kind zu haben, dessen Mutter er aber als Frau nicht will.


w50
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #23
Ich kann die Beobachtung der FS in meinem Umfeld und meiner Alltagsrealität allerdings nicht wirklich bestätigen. Meine Beobachtung ist, wem Homosexuelle suspekt sind, oder wer sie gar ablehnt, tut das in der Regel mit männlichen und weiblichen gleichermaßen.
Ansonsten wird an Schwulen häufig als nervig empfunden, wenn sie ihre Homosexualität so herausstellen (Stichwort "tuntig"), gelobt wird dagegen meistens ihr guter Sinn für Ästhetik, ihr guter Geschmack, ihre Gepflegtheit.
An Lesben wird häufig deren männliches, burschikoses Auftreten und Styling als unangenehm empfunden. Da es in der Regel aber nicht so auffällig ist, weil eben auch viele Heterofrauen burschikos wirken, ist es letztlich unauffälliger und erscheint daher insgesamt nicht so nervig wie bei tuntigen Männern.
Schwule, die ihre Sexualität im Alltag nicht besonders vor sich hertragen, werden allgemein ganz normal akzeptiert und gemocht, weil man auch einfach die sexuelle Orientierung vergisst.


w50
 
  • #24
Dass Homophobie in Deutschland kaum noch vorkommt, halte ich auch für eine sehr fragwürdige Aussage. Mein bester Freund ist schwul, von daher kriege ich das oft genug mit. Weder er selbst ist geoutet, noch die meisten seiner schwulen Freunde sind das, weil sie einfach Angst haben. "Schwul" ist ja (im Gegensatz zu lesbisch) auch ein bekanntes Schimpfwort.

Wie unterschiedlich doch die Erfahrungen sind. Vielleicht auch die regionalen & kulturellen Einflüsse.
Ich wuchs im Osten auf.
Bereits mit 16 lernte ich meinen besten Freund kennen. Schwul und geoutet. Wie fast alle schwulen Männer, welche ich dann nach und nach kennenlernte. Das war in den 80ern. Zwar gab es hier keinen CSD, Schwulenverbände etc. Dies war aber auch nicht notwendig. Schwul sein war auch gesellschaftlich kein Makel. Als meine Mutter fälschlicherweise "befürchtete" mein Bruder sei schwul, weil er ein excellenter Tänzer mit einem Stipendium an der Palucca-Schule war, legte ich ihr immer wieder Artikel aus (ostdeutschen) Zeitungen und Magazinen auf den Nachttisch, in denen sehr fortschrittlich über Homosexualität als eine natürliche Variante, aufgeklärt wurde.
Auch ist "schwul" heutzutage nur in bildungsfernen, oder bestimmte religiösen Kreisen ein Schimpfwort.
Warum weibliche Homosexualität weniger be/verachtet wird hat m.M.n. mehrere Gründe.
Wie bereits richtig erwähnt, ist sie weitaus weniger agressiv als die männliche, also weniger bedrohlich.
Dann finden viele Männer die Vorstellung von lesbischer Sexualität, welche meist auf Porno"erfahrungen" beruht, erregend und sind häufig tatsächlich der Meinung, diese Frauen sind einfach offener und stehen ja eigentlich auch auf Kerle.
Wad dann bei einigen besonders tumben Exemplaren in der Meinung gipfelt: "die brauchen nuf mal nen "ordentlichen" Ketl zwischen den Schenkeln.
Das heisst, sie werden in ihrer lesbischen Veranlagung nicht wirklich ernst genommen.

Auch gab es damals bereits einen sehr einfühlsamen DEFA- Film zu dem Thema "Coming Out"
 
  • #25
Es gibt dafür unterschiedliche Erklärungen. Zum einen wurde Homosexualität bei Männern früher mit Pädophilie verbunden und wird es in manchen Kulturen immer noch. Das setze sich dann in manchen Köpfen fest. Recherchieren Sie einfach mal nach alten Artikeln, noch in den 60ern gab es da welche, bei der man nicht weiß, ob er von Schwulen oder Pädophilen handelt, die Themen werden in sträflicher Weise vollkommen vermengt. Das diente wohl zur Manipulation und Aufrechterhaltung der Schwulenfeindlichkeit. Diese Manipulationstaktik, nicht miteinander in Beziehung stehende Themen zu vermengen, wird in den Medien heute noch bei anderen Themen verwendet, zum Glück nicht mehr bei Homosexualität.

Dann ist es die Art der Sexualität, die manche abschreckt und auch die Lebensart und evtl. Folgen für Infektionen, Krankheiten.

Weiterhin, wie schon jemand hier erwähnte, ist es richtig, dass Sexualität zwischen Frauen von einigen nicht für voll genommen wird, einige halten es für normal, dass "gute Freundinnen" miteinander kuscheln und sehen das Triebhafte nicht darin oder wollen es nicht sehen, es wird alles als braves Schmusen unter guten Freundinnen interpretiert. Frauen wird unterstellt, dass sie keinen großen Trieb hätten, demnach gilt Sex unter Frauen für manche eher als harmlos, lieb, "nicht ernst zu nehmen".

Schwulenfeindlichkeit kommt weiterhin eher unter Männern vor, die mit lesbischen Frauen kein Problem haben, es eher "interessant" finden. Das Phänomen wird wohl jeder kennen, insbesondere unter Machos. Da Frauen hingegen kein Problem mit lesbischen Frauen haben und generell etwas mehr zu Toleranz neigen, gab es eben gegenüber Lesben nicht diesen Hass. Wenn Hass gegenüber Lesben auftritt, dann doch auch wieder eher von Männern, die sich durch eine lesbische Frau zurückgewiesen fühlen. Dass Frauen sich aggressiv über Lesben oder Schwule äußern, kommt eher selten vor (was nicht bedeutet, dass Frauen ein konservatives Familienbild vertreten können, das ist etwas ganz anderes als Hass über die Sexualität anderer). Aber selbst die gelegentliche Feindseligkeit gegenüber Lesben ist bei Männern eben nicht so stark wie die Angst vor einem schwulen Mann, die manche Männer pflegen.
 
  • #26
Es kommt auch immer darauf an, wo diejenigen in der Gesellschaft sich befinden. In der Politik z.B. die Parteizugehörigkeit. Bei Wowereit war das Coming out kein Problem, dagegen
gab Ole von Beust erst nach seinen Rücktritt dies publik. Gerade Politiker von Unionsparteien haben wesentlich größeren Schaden als von anderen Parteien. Dies passt eventuell nicht in das Wählerklientel. Warum sind dann die Schwulen + Lesben in der überwiegenden Mehrheit eher politisch links gerichtet?

Dasselbe spiegelt sich auch im Sport wieder. Ist die Sportart eher maskulin und die Fans zu 99,99 % hetero, dann ist das auch schon ein Karriereaus. Das gilt aber auch für den weiblichen Part. Meistens geben die Damen bei der Fußballnationalmannschaft dies erst zu am Ende oder nach ihrer Karriere.
Gerade beim Fußball geht das überhaupt nicht für viele Menschen. Ich weiß von einem Fall, wo die lesbische Trainerin der Jugendmannschaft ausgetauscht werden musste, da die Eltern gedroht haben ihrer Kinder sonst aus diesem Verein abzumelden.

Sollten sich diejenigen aber eher im kulturellen Bereich aktiv sein, dann ist dies wiederum kein Problem. Der Musikerin Melissa Etheridge hat es nicht geschadet. Ebenso wenig ihre männlichen Kollegen, die sich geoutet haben.

Am Ende ist es auch heute noch entscheidet, was die Gesellschaft so erwartet. Passt es zu dem Beruf, dann ist es kein Problem. Sollte es aber ein Beruf sein, wo man hetero erwartet, dann ist alles andere ein NOGO.

Ich habe zwar kein Problem damit und bin eventuell viel zu liberal eingestellt. Sollte sich Fr. Dr. Merkel outen und würde dadurch ihre Politik besser, dann ist doch gut so.:)
 
  • #27
Ich teile deine Erfahrungen, lesbisches ist akzeptierter als schwules, das liegt aber daran, dass die meisten Frauen zu Bisexualität neigen, das liegt in unserer Natur, war die letzten 2 Mio. Jahre so und wird sich auch so schnell nicht ändern, folglich ist es auch gesellschaftlich akzeptierter als eine Homosexualität die nicht natürlich sondern eine kulturell bedingte immer wieder auftretende "Modeerscheinung" ist. Homosexualität gab es bereits im antiken Griechenland dadurch wurden rangniedrigere Männer durch ranghöhere erniedrigt (Anfänge des Standesdünkel). Heutzutage entsteht sie durch den Mangel an geschlechtlicher Identität und Rollenbilder sowie nicht vorhandener Männlicher Vorbilder im Alltag. Manche Wissenschafter behaupten sogar, es wäre eine natürliche Anpassung um der Überbevölkerung der Menschheit entgegen zu wirken (Homosexualität tritt hauptsächlich in Ballungszentren auf)
M32
 
  • #28
Wie unterschiedlich doch die Erfahrungen sind. Vielleicht auch die regionalen & kulturellen Einflüsse.

Ich hab latente oder offene Homophobie leider schon bei mir in der Familie (ländliches Süddeutschland) teilweise von klein auf mitbekommen und nie verstanden, weil mir die Sexualität anderer Leute immer egal war.

Auch dort fällt mir immer wieder auf, dass sich die Aussagen nur auf Schwule beziehen und Lesben scheinbar niemand so richtig auf dem Schirm hat. Ich denke, wenn ich das Wort Homosexualität höre, auch eher an einen schwulen Mann als an eine lesbische Frau und ich vermute, das geht den meisten so. Ich teile auch die Auffassung, dass man Homosexualität bei Frauen nicht so richtig ernst nimmt, weil Frauen immer noch mehr über Männer definiert werden (bzw sich selbst definieren) als Männer sich über ihre Partnerin.

Apropos latente Homophobie:
folglich ist es auch gesellschaftlich akzeptierter als eine Homosexualität die nicht natürlich sondern eine kulturell bedingte immer wieder auftretende "Modeerscheinung" ist.

Ich weiß gar nicht, ob das jetzt so böse gemeint war. Auch bin ich nicht homosexuell. Sehr gut vorstellen kann ich mir aber, dass solche Aussagen dennoch verletzen. Auch wird die weibliche Homosexualität wieder etwas relativiert, wie oben bereits angesprochen:

das liegt aber daran, dass die meisten Frauen zu Bisexualität neigen, das liegt in unserer Natur,
 
L

Lisachen

  • #29
Eine Ergänzung zu meinem letzten Beitrag: Ich denke, dass dieses Gesetz auch einen medizinischen Hintergrund haben könnte. Viele Krankheiten werden durch Geschlechtsverkehr übertragen und bei den männlichen Form der Homosexualität ist die Wahrscheinlichkeit durch Geschlechtsverkehr krank zu werden, höher. Homosexualität gibt es außerdem sogar im Tierreich, Ein berühmtes Beispiel ist bekannt geworden durch den Tod von Simpsons Erfinder, der letztes Jahr gestorben ist. Er hat sein gesamtes Vermögen an die Tierschutzvereine gespendet und der berühmteste Hilfeempfänger war ein Hund, der in einem Hundehotel aufgenommen wurde, um die sexuelle Übergriffe von anderen Hunden zu entkommen. Homosexualität ist genetisch und natürlich wird auch als Machtdemonstration und Erniedrigung im Krieg auch eingesetzt aber es ist genetisch bedingt, deshalb gibt es auch sehr oft ganz typische Merkmale bei den Homosexuellen. Genauso wie Augenfarbe und generell welches Geschlecht wir haben oder wie Groß wir werden usw. Hinter all diesen Merkmale steckt die Genetik und früher haben wir es nicht gewusst und haben dafür andere Erklärungen gesucht und gefunden.
 
  • #30
Auch wird die weibliche Homosexualität wieder etwas relativiert, wie oben bereits angesprochen:
... das liegt aber daran, dass die meisten Frauen zu Bisexualität neigen, das liegt in unserer Natur, war die letzten 2 Mio. Jahre so...
Das ist eine ganz schön vertrackte Logik, hört man aber immer wieder: vertrackt, bedeutet es doch u. a., dass Bisexualität die "Norm" für Frauen sein soll ("normal" ist was die meisten tun), wir doch aber wissen, dass sich die "Norm" als hetero identifiziert. Und so verschwindet die Bisexualität wieder bzw. verwandelt sich in Klischees wie "ein bisschen bi schadet nie" oder "jeder ist ein bisschen bi". Hetetonormativität ist nicht wegzudiskutieren mit solch biologistischen Argumenten. Das war sicher auch nicht das Ziel des Posts, aber wenn man genau guckt, sieht man hier genau den Mechanismus, durch den weibliche Homosexualität und weibliche Bisexualität gleichermaßen zum Verschwinden gebracht werden.
Finde es auch bemerkenswert, wenn auch nicht wirklich verwunderlich, dass in 27 Posts nur einer (meiner #8), auf die Ablehnung von Bisexualität verweist, nach der ja im Eingangspost auch gefragt wurde.

Also : Auch im Thread hier (siehe Zitat) gibt es Beispiele dafür, wie Bisexualität benutzt wird, um Homosexualität nicht nur zu relativieren, wie @Brittain schreibt, sondern geradezu auszulöschen - und Bisexualität gleich mit.
 
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