• #1

Tischmanieren oder bin ich zu überempfindlich?

Vor einigen Tagen musste ich wieder etwas erleben. In einem Einkaufszentrum mit vielen teuren Geschäften fiel mir eine Frau auf, die gerade dabei war, sich mit ihrem Tablett einen Sitzplatz zu suchen, um zu essen. Sie durfte Anfang 40 gewesen sein und war gepflegt und elegant gekleidet. Genau mein Typ, also nahm ich mir vor, sie anzusprechen. Als ich mich auf den Weg zu ihr machte, sah ich jedoch etwas, das mir die Lust nahm: Die elegante Dame hatte den Ellenbogen auf dem Tisch und hängte sich förmlich über ihrem Teller.

Leider ist das kein Einzelfall. An meinem Arbeitsplatz sehe ich es jeden Tag. Offenbar gehört es zum Standardrepertoire, das Messer am rechten Tellerrand abzulegen, um dann die Gabel in die rechte Hand zu nehmen und mit ihr im Essen auf dem Teller zu wühlen. Mund abwischen bevor getrunken wird, ist offenbar nicht mehr zeitgemäß. Der Mund wird zur Gabel geführt und nicht umgekehrt. Es wird mit vollem Mund gesprochen und generell geschlungen wie die ausgehungerten Wölfe.

Und bevor jemand mit Sprüchen wie "Toleranz" oder "allgemeine Handlungsfreiheit" kommt: eine gemeinsame Mahlzeit ist für mich eine Zeremonie und hat deswegen minimale Regeln, die es einzuhalten gilt. Hält jemand sie nicht ein, ist das für mich ein Ausdruck von Respektlosigkeit. Und darüber hinaus sind Tischmanieren ja kein Selbstzweck, sondern sollen es verhindern, dass dem anderen Menschen durch ekelerregende Anblicke oder Geräusche die Freude an der gemeinsamen Mahlzeit genommen wird.

Meine Mutter hatte niemals die Möglichkeit gehabt zu studieren, aber sie hat mir beigebracht, dass man sich am Tisch respektvoll zu verhalten hat. Mein Urgroßvater war nur Unteroffizier und konnte sich trotzdem einwandfrei benehmen, nicht nur am Esstisch. Einige "Akademiker" von heute benehmen sich hingegen wie die Räuber. Ganz schlimm finde ich es, wenn sich diese Menschen obendrein noch für die Elite halten und mit ihren Urlauben oder ihren Restaurantbesuchen angeben. Wenn ein enfacherer Mensch sich nicht zu benehmen weiss, schaue ich gerne darüber hinweg, aber Leute, die einen auf Etepetete machen und sich dann am Tisch nicht benehmen, machen mich sauer.

Was sagt ihr zu diesem Phänomen? Bin ich zu sensibel oder zu intolerant? In mir weckt diese Art des Umgangs einen Widerwillen, und eigentlich ist es ein absolutes Ausschlusskriterium beim Dating, wenn eine Frau sich derart grob am Esstisch benimmt. Nicht zuletzt deswegen, weil es sehr viele Rückschlüsse auf ihr Wertesystem erlaubt.
 
  • #2
Ist mir persönlich völlig egal, mir fällt so etwas überhaupt nicht auf. Für mich zählen ganz andere Werte.

Aber wenn Dir diese beschriebenen Werte wichtig sind, dann ist das so. Und wähle Deine Partnerin dementsprechend. Alles ok!

ErwinM, 50
 
  • #3
Ohje. Die von dir beschriebenen Maßnahmen sind für mich völlig überholt und eine gute Foltermaßnahme. Ellenbogen nicht auf den Tisch ist für mich wie das Kreuz für einen Vampir. Meine Schwester quält damit tagtäglich ihre Kinder.
Schön, wenn ich Führungskraft wäre und mit übergeordneten Leuten äße, dann wäre das sicher sinnvoll. Aber selbst von meinem Chef erwarte ich bei einem normalen Essen in der Kantine nicht so einen "Quatsch" (verzeih mir, aber deine Maßnahmen sind schon viel zu viel). Ok mit krummen Rücken über dem Essen hängen muss echt nicht sein, aber mir wäre zigtausendmal wichtiger, dass ich mit meinem Gegenüber lachen kann und wir uns mögen.
Ja auch ich benutze seltenst das Messer. Selbst im Restaurant (stinknormaler Italiener z.b.) esse ich die Pizza mit Händen (nachdem sie in große Stücke geschnitten ist. Bin Akademiker, aber auf sowas pfeife ich.

Darüber hinaus: mir scheint, gerade weil du selbst (wie ich!) aus der Arbeiterklasse kommst, ist es dir besonders wichtig, dich durch besonderes Essensverhalten abzugrenzen von den "einfachen Leuten". Das haben andere Menschen eben nicht nötig.
Früher saß es wie ein Stachel in mir, dass ich aus einfachem Elternhaus komme. Meine Eltern (trotz diverser Ausbildungen teils jahrelang arbeitslos, ungelernte Knochenjobs, Putzfrau - war halt Mauerfall) lehrten mich, dass Liebe das Wichtigste ist im Leben. Klar, in gewissem Maße lehrten sie mich auch Tischmanieren, soweit sie konnten, und andere Werte wie Sauberkeit, Pünktlichkeit, Fleiß. Dass ich davon jedoch nur einen Bruchteil übernahm, liegt an einer neuen Gesellschaft und dass ich selbst entscheide, was ich brauche. Wie viel Bequemlichkeit, ja die spielt bei mir eine große Rolle. Wer damit nicht leben kann, den brauche ich nicht in meinem Leben.
Naja, ich bin eben auch nicht "Elite", als die kann man Akademiker aber schon seit 10 Jahren oder länger nicht mehr bezeichnen!
Ich finde Spaß im Leben wichtiger als unbequem am Tisch auf meine Ellenbogen zu achten :D
W35
 
  • #4
Einige "Akademiker" von heute benehmen sich hingegen wie die Räuber. Ganz schlimm finde ich es, wenn sich diese Menschen obendrein noch für die Elite halten und mit ihren Urlauben oder ihren Restaurantbesuchen angeben.
Diese Entwicklung entsteht doch zwangsläufig aus den gesellschaftspolitischen Wandlungen der ca. letzten 100 Jahre!

Heute hat eine Person aus der Unterschicht, wenn sie die nötige Intelligenz und das Durchhaltevermögen hat, die Chance Abitur zu machen und jedes beliebige Studium zu absolvieren. (finde ich grundsätzlich gut und bereichernd!) Darüber schaffen viele den gesellschaftlichen Aufstieg. Eine Art Knigge Schulung ist aber in so einem formalen Bildungsweg nicht enthalten! Entweder gucken sich solche Personen das irgendwo ab, oder sie können es eben nicht!

Ich finde das nicht schlim, aber Partner wählt man halt weiterhin so aus, wie vor 100 Jahren, als eine erfolgreiche Kohlenhändlerfamilie vielleicht auch schon das Einkommen einer Familie erwirtschaftete, die im Gotha aufgeführt war und trotzdem nicht "dazu" gehörte...

V.m49
 
  • #5
In mir weckt diese Art des Umgangs einen Widerwillen, und eigentlich ist es ein absolutes Ausschlusskriterium beim Dating, wenn eine Frau sich derart grob am Esstisch benimmt. Nicht zuletzt deswegen, weil es sehr viele Rückschlüsse auf ihr Wertesystem erlaubt.
Was ist nun Dein Problem?
Beginn jedes Dating mit einem gemeinsamen Essengehen und so kannst Du direkt aussieben, was Du im Zusammenleben nicht aushalten kannst.

Was lohnt es sich, darüber zu lamentieren? Es ist wie es ist. Du kannst andere Mneschen nicht ändern und sie ändern sich nicht für Dich.
Du hast Deine Vorlieben, die dermaßen leicht festzustellen sind, dass man Dir nur zu so einfachen Selektionskriterien gratulieren kann.
 
  • #6
Als ich die Überschrift las, da dachte ich, Du hättest ein unglaubliches Erlebnis gehabt. Aber so wie Du das schilderst, dürftest Du solche Erlebnisse eigentlich fast immer haben, wenn andere Menschen in Deiner Gegenwart essen.

Ja, ich finde auch, dass es gewisse Mindestanforderungen bei Tisch gibt und wenn der Kopf zur Gabel geführt wird und nicht umgekehrt, dann sieht das nicht so gut aus. Aber das dürfte nicht das eigentliche Problem sein.

Du willst Dich von anderen Menschen elitär abheben, indem Du auf die Einhaltung strengster Tischregeln achtest und sobald sie das nicht tun strafst Du sie mit Verachtung.

Könnte es nicht sein, dass Du mit Deiner eigenen einfachen Herkunft ein Problem hast und dieses auf andere Menschen projizierst?

Sorry, aber wenn ich so Sachen lese wie: "das Messer am Tellerrand ablegen und dann mit der Gabel im Essen rumstochern.....".Ganz ehrlich: mir würde auch der Appetit vergehen, wenn ich mir sowas anhören müsste.

Es ist natürlich Deine Sache, welche Art des Speisens Du bevorzugst. Aber es könnte Dir sehr schnell passieren, dass Du das noch eine ganze Weile alleine wirst tun müssen.
 
  • #7
Oh je, lieber @Ironside, du machst dir dein Leben aber schwer! Fahr mal nach China, iss dort (gerne auch in den feinsten Kreisen!) in einer größeren Tischrunde, du wirst erleben, dass geschlürft, geschmatzt, gerülpst wird. Und wehe, du wagst es, dir mal zwischendurch die Nase zu putzen oder eine Serviette an den Mund zu führen!! Das wäre das Allerletzte, was du dir erlauben dürftest! Das Taschentuch hat Raumverbot und die Serviette gehört ausschließlich ausgebreitet unter den Teller und führt bis auf deinen Schoß (schließlich fällt bei dem Geschmatze auch mal etwas daneben und das sollte nicht auf deinem Schoß landen).

Wie du siehst, sind Tischmanieren von Kultur-zu-Kultur verschieden und damit nicht besser oder schlechter als anderswo. Vielleicht ist die Dame, die du beobachtet hast, mal eben nicht in einem streng preußischen Haushalt aufgewachsen? Ich weiß noch, als wir Kinder uns wunderten, dass der englische Austauschschüler bei uns am Esstisch die linke Hand UNTER dem Tisch hielt. Und wir alle fanden das lustig - aber nicht zur Verdammnis verurteilt. Mit Wertesystem hat das alles nix zu tun!!

Mag sein, dass ich nun auch gegen dein Wertesystem spreche: du wärst mir zu verklemmt, zu festgefahren, zu anstrengend, um mit dir locker am Tisch zu sitzen, eine Mahlzeit - und vor allem deine Gesellschaft - zu genießen. Und während ich dich stirnrunzelnd betrachten würde, würde ich mein Messer auf dem Tellerrand ablegen.
 
  • #8
Ironside, MANN spricht eine Dame überhaupt nicht an wenn sie mit einer Mahlzeit beschäftigt ist. Erst warten bist die Dame zu ende gegessen hat. Mund sauber hat nachgespült wurde ( also was getrunkern hat) Dann und erst dann hättest du zum Angriff über gehen dürfen. Banause du.... Das wäre bei mir schon ein Thema gewesen wo du in Puncto - ich mach mich mal Bekannt bei ihnen - Minuspunkte eingefahren hättest. Kein korrekter Haarschnitt keine Körperhaltung usw. entscheiden dann in den ersten Sekunden ob ich dir freundlich ein Nein gebe oder nicht. Also bleib mal auf den Teppich von wegen was die Dame falsch macht, du weißt es doch auch nicht besser wie MANN eine Dame anspricht.
 
  • #9
Du willst Dich von anderen Menschen elitär abheben, indem Du auf die Einhaltung strengster Tischregeln achtest und sobald sie das nicht tun strafst Du sie mit Verachtung.

Könnte es nicht sein, dass Du mit Deiner eigenen einfachen Herkunft ein Problem hast und dieses auf andere Menschen projizierst?
Ich denke nein. Es geht bei mir nicht um Verachtung, ich würde niemanden wegen seiner Herkunft verachten. Aber solche Regeln wie "Ellenbogen vom Tisch" sind für mich ein Ausdruck von Respekt und Wertschätzung des anderen Menschen. So, wie man z.B. auch einen älteren Mann mit "guten Tag, Herr XY" und nicht mit "Hey, Alter" grüßt oder eine Kirche nicht in Shorts betreten sollte.
 
  • #10
Mmh, also ganz ehrlich: Wenn jemand nicht mit mir in Kontakt tritt, weil ihn meine Tischmanieren abschrecken, kann ich damit gut leben :D Besonders die von dir beschriebene Frau: Die wusste ja nun nicht, dass sie beobachtet wird, sondern war dort allein unterwegs. Kann ja sogar sein, dass sie sich bei einem feinen Abendessen mit dir mehr "Mühe" gibt, aber bei einem kurzen Essen im Einkaufszentrum... Klar gibt es Leute, die mit offenem Mund kauen, laut schmatzen oder essen wie ein Wildschwein, was für den, der gegenüber sitzt, eventuell nicht so angenehm ist, das ist mir bisher aber nur sehr, sehr selten untergekommen und ich kann bei Freunden darüber auf jeden Fall hinwegsehen. Andere Dinge sind mir tausendmal wichtiger als Manieren. Freundlichkeit, Empathie, Lächeln, Intelligenz, sogar noch eher gepflegtes Äußeres zum Beispiel. Jemanden wegen seiner heutzutage recht normalen Tischmanieren von Vornherein abzulehnen, kommt bei mir ziemlich kleinkariert und borniert rüber.

Aus dem zweiten Teil deines Kommentares spricht irgendwie auch eher eine Art Hass oder Neid auf die "Elite". Erstmal bilden sich nicht alle was darauf ein, Akademiker zu sein (ich zum Beispiel), aber ich finde es unsympathisch, wenn Leute die Akademiker alle in einen Topf werfen und unter einem Vorwand versuchen, sie zu diskreditieren, und das tust du. Ich habe den Eindruck, dein echtes Problem ist ein Minderwertigkeitskomplex gegenüber den "Eliten", weil du so betonst, dass deine Mutter nicht studiert hat usw.. Das ist doch völlig unwichtig, wenn es hier nur um Manieren geht? Und Leute aus der "Arbeiterschicht" essen nicht besser oder haben mehr Manieren, als heutige Akademiker. Es gibt überall solche und solche.

w, 36
 
  • #11
Nun, ich bin ja ein Fan von Gegensätzen, d.h. ich mag z.Bsp. das eisgekühlte Dosenbier am Strand, aber auch das Menü beim Edel-Italiener mit einem Glas Wein. Mein Grundsatz ist daher: Immer der Situation gerecht werden! Ich esse sehr gerne ein Stück Pizza aus der Hand, aber Ellenbogen haben auch für mich nix auf dem Tisch als Stütze verloren, meine Rückenmuskulatur schafft es noch, den Rumpf stabil zu halten (was aber bei den meisten Kindern und Jugendlichen ein echtes Problem darstellt;)) Und ja, ich esse auch sehr gerne mit Messer und Gabel und finde das prima, wenn mein Partner das auch so handhabt. Schmatzen und Schlürfen verbieten sich von alleine und nun allen einen guten Appetit!
 
  • #12
Das mit den Ellenbogen habe ich bei der Tischerziehung nie verstanden ;-), ist ja nichts Ekliges. Nicht zu schmatzen, zu schlürfen, nicht mit offenem Mund kauen und sich beim Niesen und Husten abwenden habe ich dagegen schon. Ich finde es auch angenehmer, mit Gabel UND Messer zu essen, aber das ist mir anderen egal.

Mir ist des öfteren auch aufgefallen, dass sich in meinen Augen so einige Menschen am Tisch nicht ganz so gut benehmen können (gerade bei der jungen Generation, sage ich als Alte ;-), mein Gegenmittel ist schon seit einiger Zeit Wegschauen und das klappt auch ganz gut, wenn keine wirklich widerlichen Ekligkeiten passieren.

Von den Tischmanieren in Asien habe ich mir auch schon erzählen lassen, das ist ein schönes Beispiel dafür, dass Ekel zum (großen?) Teil anerzogen ist.

w 55
 
  • #13
Ich denke nein. Es geht bei mir nicht um Verachtung, ich würde niemanden wegen seiner Herkunft verachten. Aber solche Regeln wie "Ellenbogen vom Tisch" sind für mich ein Ausdruck von Respekt und Wertschätzung des anderen Menschen. So, wie man z.B. auch einen älteren Mann mit "guten Tag, Herr XY" und nicht mit "Hey, Alter" grüßt oder eine Kirche nicht in Shorts betreten sollte.
Der Vergleich hinkt für mich. Wie man isst, betrifft in erster Linie nur einen selbst (es sei denn, laut schmatzen oder dem anderen ins Essen niesen). Wie man jemanden begrüßt, betrifft in erster Linie den anderen, daher ist es da klar, dass jemand sich vor den Kopf gestoßen fühlt, wenn der andere "Hey, Alter" sagt. Ich bin zu anderen Leuten sehr freundlich und höflich. Wenn ich beim Essen den Ellenbogen auf dem Tisch haben sollte, dann denke ich in dem Moment aber nicht darüber nach, dass das irgendwen stören könnte, denn ich trete da nicht grad mit jemanden in Dialog. Auch wenn beides wohl irgendwo unter Umgang oder Etikette fällt, ist es doch nur sehr schwer vergleichbar.
Und: Was für den einen korrekt erscheint, ist es für den anderen dann auch nicht. Mir wurde früher beigebracht, lange Nudeln mit Löffel und Gabel zu essen. Italiener fallen da in Ohmacht, man nimmt nur die Gabel. Solche Essensregeln sind also überall verschieden, wie hier auch schon gesagt wurde.
 
  • #14
Ich finde du übertreibst etwas. Natürlich sollte man sich am Tisch einigermaßen benehmen. Ich nehme auch manchmal die Gabel in die Rechte Hand. Wenn man beispielsweise Spaghetti isst. Außerdem wurde auch schon der Italiener erwähnt. Eine Pizza isst man ja auch von Hand. Ich kenne niemanden der sie mit Messer und Gabel isst. Sie schneidet man und nimmt sie dann in die Hand.

Ich finde es jetzt auch nicht so schlimm, wenn man die Ellbogen auf dem Tisch hat. Solange man sich sonst gut benimmt.

Was würdest du dann über Fast Food sagen? Ich mache das nicht allzu oft. Ist natürlich nicht das gesündeste. Aber bei McDonalds, Burger King isst man ja auch mit den Händen. Oder bei einem Döner.

Das einzige was gar nicht geht ist mit offenen Mund zu sprechen.
 
  • #15
Bin ganz bei Dir Ironside!
ich würde mir auch mehr Tischmanieren wünschen, auch wenn es angenehm ist mit dem Ellbogen zu essen, gehört es sich nicht und wird in einem feinen Restaurant als no go betrachtet.
Aber ich gebe auch den vorigen Schreibern/innen Recht, denn es hängt schon ab, ob ich mich unbeobachtet fühle und alleine esse und gar keine Chance habe, einen guten Eindruck zu machen. (auch wenn mir das glaube ich nicht passiert ... aber egal)
Eventuell hättest Du die Dame genau mit dem Schmäh anquatschen können, wenn Sie Dir so gut gefallen hat. Eventuell hättest Du festgestellt, dass sie auch nicht die Sprache spricht, die Du Dir vorstellst.
Ich denke, man sollte das Essen genießen und insbesonders mit Menschen zusammen essen, denen man gerne dabei zusieht und nicht wo einem schlecht wird. Und wie es auch andere meinen, das ist halt dann ein knock out Kriterium, denn wenn die Kinderstube nicht vorhanden ist, wirst Du dies nicht umerziehen können und verstehen tun das dann die LEute auch nicht. Aber Du wirst schon die Frau finden, die Dich mit ihrer Essenszeremonie beflügelt.
 
  • #16
Das mit dem Ellenbogen aufstützen mache ich ganz gerne, natürlich nicht WÄHREND dem Essen ;-)
Denn was an meinem Ellbogen eklig sein soll, kann ich nicht nachvollziehen.
Alles andere versteh ich schon.
Was allerdings GAR nicht geht: angesprochen werden, wenn ich den Mund voll habe!
Ein No go. Man stört Leute nicht beim Essen.
Auf Arbeit Grüßen die Kollegen ein freudiges "Mahlzeit" oder "Guten Morgen" im Vorübergehen.
Wie soll ich bitte adäquat darauf antworten, ohne mit vollem Mund zu sprechen?
Wobei nicht Grüßen in dem Fall natürlich keine Option wäre, das sehe ich alles ein.
Aber wie kommst du dazu, eine fremde Frau beim Essen stören zu wollen?
Wie du merkst haben wir offensichtlich alle eine unterschiedliche Erziehung genossen....
 
  • #17
In Sachen Benimm gibt es in unserer Gesellschaft generell viele Defizite, z.B. Türen vor der Nase zufallen lassen, rempeln, sich vordrängeln, am Tisch essen wie ein Schwein, Kellner schlecht behandeln, aber auch "ghosten". Bei mir fallen solche Verhaltensweisen unter die Kategorie Rücksichtslosigkeit. Daher finde ich sie nicht unerheblich. Dass Du an dieser Stelle keine Lust mehr hattest, kann ich insofern verstehen. Manche Sachen kann man allerdings auch als Erwachsener noch lernen. Wenn die Frau ansonsten toll ist, wäre das vielleicht einen Versuch wert? Und vielleicht hat die Dame sich gehen lassen, weil sie sich unbeobachtet wähnte?

Ich selbst habe vieles erst als Erwachsener gelernt. Meine Eltern sind zwar gebildet, haben ihre Kinder aber aus Zeitmangel sich selbst überlassen. Meine Mentoren waren dann zeitweise spätere Chefs und meine Freunde und ich dann wiederum für andere, die es nicht gelernt hatten.
 
  • #18
Du limitierst dich selber. Diese Frau könnte eine lustige, herzenswarme, intelligente, liebevolle Person sein. Attraktiv genug war sie bestimmt, sonst hättest du sie nicht ansprechen wollen. Tischmanieren sind in erster Linie anerzogene, kulturelle "Spielregeln". Was aber sagt das genau über die Qualitäten eines Menschen aus?! Für Inder sind wir zum Beispiel alle Ferkel, weil wir die linke, unreine Hand benutzen und unseren Mund auf den selben Flaschenhals legen, wenn wir uns ein Getränk teilen. Wenn ein Inder dich also so beurteilt, sagt das etwas über dich als Mensch aus?! Würdest du deiner eigenen Kausalität da folgen wollen, wenn du dich mit seinen Vorwürfen konfrontiert sähest? Hätte der Inder Recht damit das du ein unreines Ferkel bist?! Wir leben in einer Gesellschaft, in der heute eben nicht mehr so viel Wert auf starre Formen gelegt wird. Dank der Globalisierung erkennen wir, wie vielfältig diese Themen sind. Ich glaube, jemand der solche Rahmenbedingungen braucht um andere zu beurteilen, steht sich in erster Linie gehörig selber im Weg. Wenn mir das wichtig wäre, würde ich das irgendwann ansprechen......Aber ehrlich, wenn alles andere passt, so what?!
 
  • #19
wie "Ellenbogen vom Tisch" sind für mich ein Ausdruck von Respekt und Wertschätzung des anderen Menschen.
Ähm Respekt und Wertschätzung wem gegenüber? Ich dachte die Dame hätte allein gegessen LoL

Du gibst dein Alter nicht an, aber wenn du eine Dame mit ü40 ansprichst, bist du vielleicht Ende dreissig - und da müsste klar sein dass auch innere Haltung nicht nur die äußere eine Bedeutung haben.

Deine Haltung finde ich zu überkandidelt, ich finde eine gerade Haltung im Leben und vor dem Teller wichtig, aber vielleicht war die Dame gerade im Stress, nicht gut drauf, da kann man sich schon klein machen, kommt vor.

Aber eine dir ebenbürtige Dame mit ähnlicher Gesinnung sollte so schwer nicht zu finden sein, die Gesellschaft wird auf Äußerlichkeiten trainiert, damit sie sich nicht mit den wirklich wichtigen Themen die man in der Welt ändern sollte, auseinandersetzt, aber das ist nu nicht so interessant nich?
 
  • #20
Wow... erstaunlich aus was für Gründen man schon von vornherein abgelehnt werden kann.

Die Zeiten wandeln sich, vor 100 Jahren galten noch ganz andere Benimmregeln als heutzutage.

Ich bin durchaus ein Freund gewisser Manieren nicht nur Tischmanieren. Dies betrifft vor allem die Bereiche Höflichkeit und freundliches Miteinander.

Ansonsten bin ich der Meinung, dass man durchaus etwas mit der Zeit gehen kann.
Was die Ellenbogen auf dem Tisch über das Wertesystem eines Menschen aussagen sollen erschließt sich mir nicht.

Ich habe "die Elite" in einem Teil meiner Familie aus einem anderen Blickwinkel kennengelernt.

Da wurde auch viel Wert auf Tischmanieren und den äußeren Schein gelegt, jedoch verbarg sich dahinter teils sehr rücksichtsloses, arrogantes und kaltherzige Verhalten, was ich bei einfachen Menschen selten erlebt habe.

Menschen wie du, sie sich über andere erheben wollen, sind mir äußerst suspekt. Da frage ich mich doch, warum du das nötig hast?

Ob es wirklich wichtiger ist, dass jemand nicht mit vollem Mund spricht, als was er sagt?
 
  • #21
Wenn ein enfacherer Mensch sich nicht zu benehmen weiss, schaue ich gerne darüber hinweg
Joah schon, aber gute Manieren kosten nichts (John Steed sagte das in einer Folge, glaube ich).

Ich denke, das mit den Ellenbogen ist nicht erwünscht, weil der Mensch dann mit seinem Unterarm vom Teller zum Mund hebelt mit dem Besteck, statt gerade sitzen zu bleiben und Löffel oder Gabel zum Mund zu führen. Ich sah mal Sportwissenschaftler in der Mensa. Die haben das Kinn fast auf der Tischkante gehabt und mit einem Löffel alles, was sie essen wollten, hineingeschaufelt, Nudeln, Gemüse, Fleisch (schon geschnitten). Würde mich jetzt auch in die Flucht schlagen.
Einige "Akademiker" von heute benehmen sich hingegen wie die Räuber.
Das hat - so durfte ich lernen beim Studium - genau gar nichts damit zu tun, ob einer Akademiker ist oder nicht. Null. Manche Akademiker waren brechreizerregend in ihren Manieren und sie haben Eltern, die auch Akademiker sind und nichts beibrachten, also "von heute" ist auch kein Merkmal.

Bei aller Sympathie, ich habe keine Lust, einem erwachsenen Mann noch beizubringen, wie er sich, ich nenne es mal, angenehm verhält. Die Unsitten sind auch nicht was, das man "sonst" machen kann, wenn man allein ist, und nur in Gesellschaft nicht macht. Denn wenn so einer nicht dran denkt oder sich unbeobachtet fühlt, ist er eben doch gruselig in seinen Manieren. Außerdem wird er sich früher oder später auch in der Beziehung wieder gehenlassen und es kommt das zum Vorschein, was er anfangs unterdrückte, aber was für ihn Gewohnheit ist. Wer keinen Spaß dran hat, sich FÜR SICH angenehm zu benehmen, der wird es, wenn er "unter uns" ist, auch nicht machen.

Offenbar gehört es zum Standardrepertoire, das Messer am rechten Tellerrand abzulegen, um dann die Gabel in die rechte Hand zu nehmen und mit ihr im Essen auf dem Teller zu wühlen.
Finde ich auch unnötig, so zu essen, als müsste man die Pistole unterm Tisch mit der freien Hand umklammern. (Daher soll diese "amerikanische Art zu essen" kommen.) Wenn man das Messer am Tellerrand ablegen kann, also man am Tisch sitzt und es genauso gut in der Hand halten könnte, um mit Gabel UND Messer zu essen, dann finde ich es auch komisch, sich erst alles kleinzuschneiden und dann das Messer wegzulegen, um zu essen.

Du bist in der Minderheit, denke ich. Genauso wie die Leute, denen das Wort "Handhygiene" was sagt. Keine Ahnung, wieviele Menschen sich nach der Toilette nicht die Hände waschen oder in ihre Hände niesen oder schlimmeres.

Nicht zuletzt deswegen, weil es sehr viele Rückschlüsse auf ihr Wertesystem erlaubt.
Was meinst Du mit Wertesystem? Also welche Ableitungen machst Du von den schlechten Manieren auf weiteres?
 
  • #22
Tischmanieren gehören dazu! Keine Frage. Denn Ellenbogenstützer finde ich nicht so toll, und ein Essen kann durchaus mit Messer und Gabel beendet werden. Ich rate Dir jedoch, etwas lockerer zu lassen, damit es nicht in Pedanterie ausartet.

Lade Deine Dates doch gleich am Anfang in ein sehr feines und teures Restaurant ein.

Da macht man das ja sowieso irgendwie automatisch. Dann erklärst Du ihr in dezenten Hinweisen Deine Ansprüche an die Essensästhetik und wenn sie es beim zweiten Mal in einem durchschnittlichen Lokal auch gut „hinkriegt“ könnte das für Euch ein wunderbarer Anfang sein…
 
  • #23
Ist mir persönlich völlig egal, mir fällt so etwas überhaupt nicht auf. Für mich zählen ganz andere Werte.

Aber wenn Dir diese beschriebenen Werte wichtig sind, dann ist das so. Und wähle Deine Partnerin dementsprechend. Alles ok!

ErwinM, 50
... und ich habe einen Kontakt beendet, weil ER in Unterhose und T-Shirt plötzlich dasaß, das Messer ableckte und sich direkt den Eßlöffel aus der großen Schale mit frischem Müsli einverleibte und ihn dann angeleckt wieder zurücklegte, mit der Aufforderung, ich könnte mich ja nun bedienen. Ich war bedient und die "Sache" gelaufen.
 
  • #24
Auch ich legen großen Wert auf gutes Benehmen und dazu gehören auch Tischmanieren. Das hat nichts mit Elitär zu tun sondern mit Anstand und Respekt.
 
  • #25
Sorry, aber wenn ich so Sachen lese wie: "das Messer am Tellerrand ablegen und dann mit der Gabel im Essen rumstochern.....".Ganz ehrlich: mir würde auch der Appetit vergehen, wenn ich mir sowas anhören müsste.
Das kommt doch darauf an was man isst. Wenn man z.b. Spaghetti isst, dann benutzt man auch nur die Gabel. Eine Pizza isst man, wie ich schon erwähnt habe auch mit den Händen. Da schneidet man sich auch nur ein Stück runter und isst es dann von Hand. Ansonsten hast du natürlich recht.
 
  • #26
Für mich bist du prüde und verklemmt. Ich finde Frauen, die herzhaft zugreifen, lustvoller als die feinen Dämchen, die sich den Mund abwischen und nicht genießen können. Die haben sowas Verklemmtes, auch im Bett, glaubs mir. Und Männer, die das gut finden, die braucht man auch nicht, die habens auch nicht auf dem Kasten.
Die meisten Männer essen in meinen Augen noch viel schlimmer. Häufig nur vorm Computer. Im Restaurant, da wird die Pizza mit einer Cola zwischen die Kiemen gedrückt. Häufig auch mit der Hand. Normal isst man zur Pizza einen gepflegten Rotwein!


Deine Mutti interessiert keinen, war auch nur eine Frau! Sie hätte dir statt Tischmanieren lieber mehr Lustvolles beibringen können. Da sieht man eben, dass sie nicht studiert hat und auf sinnlose Dinge wert gelegt hat, um es ihren Kindern wiederum schwer und eingeschränkt im Leben zu machen.

Das Problem bist du. Greif mal herzhaft zu und lern zu genießen, anstatt dich so zu genieren wie ein kleines Mädchen und darüber aufzuregen, wie jemand den Ellenbogen hinlegt. Du gehörst eben zur verweichlichten Gesellschaft, die über alles Tränen fallen lässt.
 
  • #27
Als Chefkoch sehe ich leider Woche für Woche Menschen, wo das Verhalten nicht so gut ist. Entweder sie können nicht mit Besteck umgehen oder sie Kritisieren sich selber gegenseitig.

Wenn ich dann auf den Parkplatz sehe, dann kommt dann auch ein Vergleich. Die Besitzer vom Polo können sich besser benehmen als die Besitzer vom MB, Maserati usw.
 
  • #28
... und ich habe einen Kontakt beendet, weil ER in Unterhose und T-Shirt plötzlich dasaß, das Messer ableckte und sich direkt den Eßlöffel aus der großen Schale mit frischem Müsli einverleibte und ihn dann angeleckt wieder zurücklegte, mit der Aufforderung, ich könnte mich ja nun bedienen. Ich war bedient und die "Sache" gelaufen.
Das ist natürlich ekelhaft. So etwas mache ich nicht mal zuhause. Selbst dann nicht wenn ich ganz alleine zuhause wäre. Es kann immer mal vorkommen, dass man mal Besuch bekommt. Irgendwas will man auch anbieten. Ich hätte demjenigen auch noch die Meinung gesagt.
 
  • #29
Was irgendwo ein Fremder macht, ist letzendlich belanglos.

Dein Problem ist doch, dass Du keine Frau findest, die Deinen Ansprüchen an Manieren gerecht wird.
 
  • #30
Ich zucke auch innerlich zusammen, wenn ich sehe, dass jemand den Kopf zum Teller führt, ein Mann einer Frau das Du anbietet, Leute nicht aufstehen, um jemandem die Hand zu geben und vieles mehr. Das Ergebnis jahrelanger Dressur im Elternhaus (wie habe ich es gehasst...), das hat sich verinnerlicht.

Mit Respektlosigkeit hat das glaub nichts zu tun, wohl nur mit Nichtwissen. Die meisten Benimmregeln erschliessen sich nicht von selbst aus dem Wunsch heraus, ein freundlicher und angenehmer Zeitgenosse zu sein. Dass es nicht nett ist, jemandem die Tür vor der Nase zufallen zu lassen, ist selbsterklärend. Aber was hat es mit Höflichkeit zu tun, dass man ein Brötchen nicht aufschneidet? Nix. Das hat man gelernt oder nicht gelernt.

Freundlichkeit, also Manieren in einem weiteren Sinn, finde ich wichtiger als Benimmregeln. Was nicht heisst, dass ich mich mit einem Mann wohlfühlen würde, der sein Essen vom Teller in den Mund schiebt.

Frau 53