• #1

Tipps von Paaren für Singles – Gut gemeint, aber unnötig?

Knapp jeder Dritte in Deutschland ist Single! Und trotzdem hat in den Köpfen vieler Menschen diese Lebensform immer noch etwas Exotisches. Paare nehmen häufig ganz automatisch an: Wenn jemand eine längere Zeit allein ist, läuft garantiert etwas schief und demjenigen muss geholfen werden. Diese Hilfe erfolgt meist in Form von gut gemeinten Tipps: „Vielleicht solltest du in einen Sportverein eintreten“, „Versuch es doch mal auf einer Singlereise“, „Guck mal, der da drüben sieht doch nett aus“.

Die Partnerschaft scheint die einzig erstrebenswerte Lebensform zu sein. Aber ist das wirklich so? Was meinen Sie?

Welche Tipps hören Sie besonders häufig? Und wie umgehen Sie die unliebsamen Ratschläge liierter Freunde?
 
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  • #2
Ich höre, ich sei zu "heikel". Stimmt bedingt, momentan mache ich eine Weiterbildung die mit Juni endet und ich habe schlichtweg keine Zeit. Wenn sich was ergibt, bin ich nicht beleidigt, aber aktiv suche ich momentan nicht. Auf meiner Stirn steht bestimmt "bin beschäftigt".
Es bringt mich zum Schmunzeln, dass ich diverse Tipps stets von Paaren erhalte, bei denen es hinten und vorne nicht passt.
Oder, was auch noch charmant ist: "Sei froh, dass du alleine bist, da kannst du machen was du willst." Aha. Also wenn ich einen Partner habe, dann sagt er mir was ich zu tun habe? Natürlich spricht man sich ab, stimmt sich aufeinander ein, nimmt Rücksicht, nur ganz aufgeben? Bestimmt nicht. w-33
 
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  • #3
Na ja, für viele Menschen ist die Partnerschaft erstrebenswert, weil sie Geborgenheit, Zugehörigkeit, Sex und die eventuelle Gründung einer Familie verspricht. Viele Menschen wollen einfach "ankommen" und jemanden an der Seite haben, dem man Vertrauen entgegenbringen kann, der einen auffängt und auch vielleicht mit dem man alt werden kann.

Eine Partnerschaft heißt aber auch Kompromisse eingehen zu müssen und auch nicht immer nur vom Partner fordern sondern auch mal sein eigenes Verhalten reflektieren und Fehler eingestehen können. Darüber hinaus hört ja schon bei dem Thema Geld die Liebe auf und es gibt auch noch so manche die sich über den Partner definieren wollen (durch Schönheit/Status). Meistens scheitert es dann doch an den eigenen Vorstellungen vom Partner und den Lebenszielen sowie Bedürfnissen. Da die meisten auch finanziell unabhängig sind - muss man ja nicht zwangsweise bei dieser Person bleiben, also wird fleißig weitergesucht.

Für mich persönlich ist die Partnerschaft zwar erstrebenswert - sie bietet mir aber trotzdem nicht einfach so Glück und Zufriedenheit. Daran muss ich auch selbst was tun und auf den anderen Menschen eingehen und auch an mir selbst arbeiten. Da ich mit meinem Leben momentan voll ausgelastet bin, habe ich gerade auch nicht so das dringende Bedürfniss nach einem Partner. Ich weiß aus Erfahrung, wie fordernd auch ein Partner bzw. eine Beziehung sein kann und wie belastend dies für mich ist. Ich brauche einfach viel Zeit für mich.

Tipps von meinen Mitmenschen erhalte ich zum Glück kaum. Wenn ja, dann kann man diese entweder annehmen oder einfach charmant ignorieren. Schließlich gibt es in Deutschland keinen Partnerzwang!

Ach ja, viele schließen auch von sich häufig auf andere und blenden die Bedürnisse der Mitmenschen - gerade wenn diese ganz anders sind - häufig aus und gehen nicht so gern darauf ein. Diese Erfahrung habe ich leider auch machen müssen.
 
  • #4
Ich erzähle Keinem, daß ich Single bin. Das wissen nur ganz Wenige von mir.
Ich erzähle überhaupt sehr wenig aus meinem Privatleben. Damit bin ich für "gute Ratschläge" sowie Klatsch + Tratsch uninteressant.

Meine Familie und Verwandtschaft interessiert sich nicht dafür, ob ich Single bin, oder nicht.
Aber meine Hochzeit sollte ich Denen schon mitteilen - besser, sie dazu einladen - wenn es sie gäbe.

In meinem direkten Umfeld (50+) sind ziemlich Alle in längeren, festen Beziehungen/Ehen.
Selbst ein mehrjähriger Single (m, 50+, geschieden, Kinder) sorgte für große Überraschung: Er heiratete heimlich Ende letzten Jahres.

Als Mann mit 50+ nie verheiratet -gewesen-, keine eigenen, leiblichen Kinder - gilt heutzutage (hier) zumindest als merkwürdig. Und dann auch noch Single = verschrobener Eigenbrötler ?
Das ich gute Gründe dafür habe - interessiert Niemanden.
Eher das Vorurteil -beziehungsunfähig- zu erwarten ?

Erst im Rentenalter wird hier eher respektiert, wenn man Single ist.
Weil Diese dann i.d.R. keinen Partner/in mehr wollen..
 
  • #5
Tipps wie ich jemanden kennen lernen könnte oder was ich tun müsste etc. erhalte ich weniger, aber solche Sprüche à la:

Der Richtige wird schon noch kommen.
Du darfst nicht suchen, dann findest du ihn schon.
Wenn du am wenigesten damit rechnest, wirds passieren.
Andere Mütter haben auch noch schöne Söhne.
Irgendwann wirst auch du den Deckel zu deinem Topf finden.


Diese Sprüche höre ich so oft, dass sie inzwischen fast nerven. Wenn ich dafür doch nur jedes Mal 1 Euro erhalten würde :) dann hätte ich ein schönen Zusatzverdienst.

Andersrum, was sollen sie denn sonst sagen? Tipps wie man jemanden kennen lernen würde? hm...kommt sicherlich auch nicht bei jedem gut an. Wenn man als Paar allerdings mehrere Singles kennen würde, dann könnte man ja mal eine Grillparty mit Singles/Partnern machen, wo man unverfänglich sich zumindest mal kennen lernt. Ohne dass man offensichtlich verkuppelt wird.
 
  • #6
Ja, ich finde, der Mensch ist zu zweit ein Ganzes. Das finde ich eine philosophische Grundbedingung für das Mensch sein. Hat nix mit Religion zu tun. Alleine verliert man das Urteil, in der Spiegelung berichtigt man es wieder. Ich sehe mich durch die Augen des anderen und kann mich weiter entwickeln usw.

Nun bin ich schon lange Single und finde immer neue Ausreden, um es zu bleiben.. keine Zeit, bin zu doof, mag nicht, die Männer sind.. :))
Da mag ich Tipps nicht so gut ertragen, führen sie mir doch meine Bequemlichkeit und meine Ängste vor Augen. Was, ich soll da in diesen Club? soll Golf spielen?? usf.
Was ich wirksamer finde, sind Einladungen mit dem Ziel, mich zu verkuppeln.. das Überraschungsmoment stimmt meist, ich bin sowieso zu doof und merke nichts.. wo soll man nette Männer kennen lernen, sicher nicht in einer Bar!

Habe solche Versuche immer geschätzt, auch wenn nie was draus geworden ist, es war meist charmant und unterhaltsam, besser, als langweilige Ratschläge, die nicht nicht zu meiner Person passen.
 
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  • #7
Sehe ich nicht so! Mein gesamter Bekanntenkreis besteht aus Dauersingles bzw. Leuten, die klipp und klar sagen, Heirat, Familie, Kinder, klassisches Lebensmodell kommt ihnen nicht in die Tüte. Und das ist auch richtig so, denn die Zeiten haben sich geändert und man muss schon aufpassen, mit wem man seine restliche Lebenszeit verbringt.

Zweitens sind Leute, die solche Ratschläge geben wie "dort drüben, der passt doch zu dir" eher als Beleidigung aufzufassen und eher mit Neid verbunden. Weil solche Katastrophen kann ich mir selber aussuchen, da brauch ich keine Zusatzhilfe.

Drittens kommen die meisten Ratschläge und Drängeleien nicht selten von altbackenen älteren Herrschaften von über 70, die mal Enkelkinder haben wollen. Aber ehrlich gesagt, die Leben doch in einer ganz anderen Zeit und können gar keine sinnvollen Ratschläge mehr erteilen, weil sie von der heutigen Problematik der Partnerfindung gar keine Ahnung mehr haben. Ich nehme so etwas gar nicht ernst.


Ja, ich finde, der Mensch ist zu zweit ein Ganzes. Das finde ich eine philosophische Grundbedingung für das Mensch sein. .

Der Mensch kam alleine und der Mensch geht auch wieder alleine. Er ist schon ohne einen anderen Komplett, alles andere sind reinste Träumereien. Du wirst dein Glück niemals in einer anderen Person finden.
 
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  • #8
Komisch - ich habe weder in singlezeiten noch sonstwann seltsame Tipps oder "Mitleidsbekundungen" bekommen. Vermutlich wirkte ich nicht so niedergeschlagen, andererseits war ich nie wirklich lange single, außer vielleicht in der Spätpubertät, wo das alles noch so unglaublich neu und kompliziert war. Andererseits wäre mir auch nicht in den Sinn gekommen, den 2-3 Langzeitsingles, die ich kenne, irgendwelche Tipps zu geben. Das sind Leute, die eher schwierig im Umgang sind und was soll ich da meine Gedanken verschwenden? Solange die sich nicht grundlegend ändern, wird sich in deren Umfeld auch nichts tun.

Ob nun das "single-Sein" eine erstrebenswerte und langfristig sinnvolle Daseinsform ist, mag ich allgemeingültig nicht beurteilen: manche wollen das so und es ist gut, viele hingegen wirken unzufrieden. Liest man ja hier auch nicht selten, wieviel Frust sich verbirgt. Dann wieder gibt es auch so grottenschlechte Paarbeziehungen, da darf man sich schon fragen, warum das aufrecht erhalten wird - das wissen die Protagonisten manchmal auch nicht mehr.
 
  • #9
Der Mensch kam alleine und der Mensch geht auch wieder alleine. Er ist schon ohne einen anderen Komplett, alles andere sind reinste Träumereien. Du wirst dein Glück niemals in einer anderen Person finden.
Ja, das ist gut für Dich, aber nicht für mich. Ich liebe es, mich auszutauschen und ich brauche niemanden aber ich freue mich, wenn es stattfindet. Sterben kann ich alleine.. ja, ich glaube, das kann ich.

Weisst Du, mir geht diese Art 'ich bin mir selber genug' etwas auf den Keks. Eigentlich finde ich es unbescheiden, wahrscheinlich bin ich ein sehr altmodisches Modell. Wie auch immer, ich mag Dir gönnen, dass Du Dir selbst genug bist. Ich hatte ein paar wunderbare Beziehungen und die geistige Ebene war dabei das Tragende. Möchte ich nicht missen und will ich wieder haben, weil es mich unendlich bereichert.

Das erste Mal, dass ich entdeckt habe, dass die Welt eventuell anders sein könnte, als ich es mir in meinem damaligen Juppie-Dasein vorstellte, war, als ich ein Kind bekam. Plötzlich habe ich gemerkt, dass die Welt nicht nur vorwärts geht, sondern sich spiralenförmig vorwärts bewegt. Ich habe meine Kindheit nochmals erlebt, viele Erinnerungen kamen zurück und ich begriff, warum es das braucht, die Biologie, das Kinder kriegen, die Partnerschaft, dass das Aufgaben sind, die wir als Menschen zu lösen haben, weil wir sonst keine 'Menschen' sind.

Es ist für mich keine Frage der Religion, es ist für mich eine Frage der Philosophie, der Mensch ist eine Ganzheit und was braucht es dazu.

Nun, ich wünsche Dir Dein Glück.
 
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  • #10
Auch wenn ich Single bin, so bin ich tief in meinem Inneren ein Beziehungsmensch. Leider habe ich den zu mir passenden Deckel nicht gefunden.

In meinem Umfeld gibt es sehr viele langjährige wirklich gute, innige Beziehungen. Ich bin zu alt, um das mit jemandem erleben zu können. Insofern gelten die klugen Ratschläge meiner Freunde in langjährigen guten Partnerschaften für mich nicht. Ich kann das ganze mangels Lebenszeit nicht mehr erreichen.

Die gutmeindenden Freunde haben mehr als 30 Jahre gemeinsam Ziele erreicht, schöne und schlechte Dinge zusammen erlebt, die sie zusammen geschweißt haben. Das gab es für mich nicht und wird es nicht mehr geben. Insofern haben ihre Ratschläge, die aus einer ganz anderen Lebenswirklichkeit stammen für mich keine Relevanz.
Ich schau' einfach, dass ich mir mein Alleinsein angenehm mache. Einen fremden Menschen möchte ich nicht mehr in mein Leben lassen. Mein Pflichtbewusstsein ist so ausgeprägt, dass ich einen Partner, der mir wenig vertraut ist, trotzdem in einer schwierigen Lebenssituation niemals verlassen, alles für ihn tun und damit vielleicht auf 20 Jahre echte Lebensqualität für mich verzichten würde. Das möchte ich nicht mehr. Ich will nur noch für mich dasein.

Seit ich es so klar fassen und formulieren kann, lassen mich die glücklich verpartnerten Freunde in Ruhe mnit irgendwelchen Verbesserungsvorschlägen für meine Singledasein. Sie kennen mich. Sie wissen um meinen Funktionsmodus und das ich weiterhin meine Lebensqualität für andere Menschen opfere, wünschen sie mir nicht - sind ja meine Freunde.
w, 57
 
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  • #11
Ungute Sache. Davon hat der Single eigentlich nichts, denn die Paare denken dabei nur an sich selbst. Es ist daher immer peinlich, denn oftmals geht es nur darum, den Single zum Clown zu machen und ihn zwecks allgemeiner Belustigung durch die Manege zu treiben.
 
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  • #12
Hallo

also Tipps geben mir kaum welche. Ich meide das Thema aber auch.
Im Job nehmen alle an ich hätte eine BZ. Ich tue nichts um diesen Eindruck zu zerstören.

Die Eltern. Nun, die wollen halt Enkel, die Jugend erleben.

Letztes Jahr sind fünf Ehen im Familienkreis zerbrochen.
Meine Mutter trennt sich demnächst - nach 30 Jahren.
Ich finde dass man im Leben keine Garantien kriegt und Paare heute auch so mittelfristige Angelegenheiten sind. Ich habe z.B. noch nie einen untreuen Partner ertragen müssen, daher
kann ich dazu gar nichts sagen. Ich finde Singlesein heute ist trotz der Vielfalt immer doch mit Klischees behaftet und es ist schwierig sich diesen Schubladen dauerhaft zu entziehen.
 
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