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Gast

  • #1

Stigma Depression und Behandlung in Tagesklinik

Bei mir wurde vor einiger Zeit eine Depression diagnostiziert.
Ich werde deshalb demnächst in einer psychiatrischen Tagesklinik weilen, um wieder gesund zu werden und meinen geliebten Job wieder machen zu können.

Würdet ihr einem potentiellen Partner in der Kennenlernphase erzählen, dass ihr einen Klinikaufenthalt hinter euch habt und wegen einer Depression behandelt wurdet?

Ich hätte auch niemals gedacht, dass es mich "erwischt" und brauchte lange, um diese Krankheit zu akzeptieren.

w, ü40
 
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Gast

  • #2
Wenn Du nach der Behandlung wieder gesund bist und Dein früheres Leben "ganz normal" weiterführst, würde ich kein großes Thema daraus machen. Irgendeine gesundheitliche Einschränkung hat jeder mal.

w/51
 
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Gast

  • #3
Ja, natürlich erzählen, vielleicht nicht beim ersten Treffen, aber auf alle Fälle bevor es ernster wird...
Willst du deine zukünftige Partnerschaft auf Geheimnissen aufbauen? Dein zukünftiger Partner muss doch rechtzeitig erfahren, wie und wer du bist und Depressionen sind gut behandelbar, das weiß heute doch fast jeder...
 
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Gast

  • #4
Liebe FS
Aus eigener Erfahrung möchte ich dir Folgendes ans Herz legen: Konzentriere dich im Moment ganz darauf, wieder gesund zu werden, lebe im Hier und Jetzt. Mach dir noch keine Gedanken, wann du wem was erzählen willst, denn nach dem Klinikaufenthalt wirst du wahrscheinlich Einiges mit anderen Augen sehen und vielleicht auch bei der Partnerwahl andere Prioritäten setzen, so dass sich deine Frage erübrigt. Was mich betrifft: Ich gehe ganz offen mit meiner Krankheit um. Wer dafür kein Verständnis hat oder mich weniger wertschätzt, gehört auch nicht in meinen Bekannten- oder Freundeskreis. Wenn ich jemand Neues kennen lerne, spüre ich ziemlich schnell, ob der oder die mit der "Hiobsbotschaft" umgehen kann oder nicht. Meistens erwähne ich das dann im Verlaufe des Gesprächs ohne gesenkten Blick oder Scham, denn dieser Abschnitt ist ein Teil meines Lebens.
Viel Kraft für die anstehende Arbeit :)
 
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Gast

  • #5
Es gibt Pro und Contras. Und das hängt vor allem ab, wie der Mensch, dem du das erzählst selbst damit umgeht.

Er könnte im Schlimmsten Falle eine Depression als "Mode" ansehen und dich dabei nicht ernst nehmen. Gut, in dem Fall, weißt du dass der nichts für dich sein wird. Leider gibt es Menschen, die Depressionen bzw. Selbstmorde einfach als schwach bezeichnen und nicht daran denken, dass da einiges dahinter steckt.

Er könnte es aber auch verstehen und dich unterstützen. Wenn du mal wieder einen Hänger hast und dich am liebsten verkriechen möchtest (das kommt hin und wieder vor) dass er dich liebevoll zwingt raus zu gehen und die Sonne zu genießen. Sport zu machen, damit du mit der Bewegung in der frischen Luft bereits positivere Gefühle hast.

Er könnte selbst davon betroffen sein, und ihr könnt euch gegenseitig helfen, oder gegenseitig runterziehen.

Ich sehe leider keine richtige und falsche Antwort bei deiner Frage. Ich würde es ihm zwar nicht, gleich auf die Nase binden, aber man könnte mal vortasten, wie er zu diesem Thema steht. Wenn er wie der erste Fall ist, dann brauchst du ihm deine Schwäche gar nicht zu beichten und kannst dich zurück ziehen. So einen Partner kannst du beim besten Willen nicht gebrauchen.

Ich habe selbst eine Freundin, die eine 8-wöchige Kur hinter sich hat und erst danach zu Hause weiterhin in Behandlung war. Sie hat inzwischen von den Anti-Depressiva abgesetzt aber es kommt vor, dass sie hin und wieder Hänger hat. Als Freundin kann ich sie nur ermutigen raus zu gehen und etwas zu unternehmen. Ich weiß, dass sie schon länger einen Tanzkurs machen wollte und jetzt habe ich uns beide dafür angemeldet. Sie durfte nicht mehr nein sagen. Das meinte ich auch mit "liebevoll zwingen".

Ich wünsch dir alles Gute und denk daran. Du bist nicht schwach. Du hast nur viel zu lange versucht immer nur stark zu sein!
 
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Gast

  • #6
Ja. Ich habe es immer erzählt.
Unpassende Partner wurden gleich aussortiert (wer ankommt mit "Ist doch keine Krankheit, man muss sich nur zusammenreißen" hat keine Ahnung und kann sich aus meinem Leben fernhalten).
Andere hat es nicht abgeschreckt. Das war mir wichtig - kann ja wiederkommen. Mein Gegenüber muss wissen, ob es damit klarkommt.
w, Anfang 30
 
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Gast

  • #7
Liebe FS,

ich würde erstmal gesund werden, du wirst in der Tagesklinik auch eine Psychotherapie machen und danach ist man eh ein ganz anderer Mensch.

Du bist derzeit nicht beziehungsfähig und wirst deine Zeit brauchen, es zu werden.

Wenn du später einen Mann kennenlernst würde ich ihn erst näher kennenlernen und dann entscheiden, ob er als Mann und Mensch überhaupt in der Lage ist, mit einem therapiereten Menschen umzugehen. Dazu gehört viel Intelligenz und Herzenswärme und das haben nicht viele Männer.

Ich hatte letzten Sommer einen Mann kennengelernt, der mir gleich beim 2. Date auf den Tisch legte, was er für gesundheitliche Probleme hatte. Ich fand das viel zu früh, weil ich ihn unbelastet kennenlernen wollte, ohne dieses Wissen, was mit ihm wirklich los ist. Das hat leider dazu geführt, dass ich mich dann wieder von ihm distanzierte, weil ich beim Kennenlernen Spass haben will und nicht schon Probleme auf den Tisch geknallt bekommen haben möchte, wo ich nicht weis, ob es mit dem Mann überhaupt was ernstes wird, bzw. ob der Mann überhaupt was ernstes von mir will.

Später stellte sich nämlich raus, dass er nur spielen wollte. Vielleicht hat er mir seine Krankheitsgeschichte nur aufgetischt, um Beachtung zu bekommen? Er hatte viel erzählt, aber sein Verhalten stimmte nicht zu seinen Versprechungen usw.

w
 
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