• #1

Sind Dialekte wirklich ein Nogo?

Ich habe es schon oft gehört, dass bei vielen Dialekte ein Nogo und abturnend sind.

Ich persönlich bin Schwabe. Komme aus Baden-Württemberg aus dem Raum Stuttgart. Genauer gesagt am Fuß der Schwäbischen Alb. Spreche auch schwäbisch. Mich versteht man natürlich. Kann natürlich auch richtig breites Schwäbisch sprechen. Das mache ich wenn ich beispielsweise mit meinem Kumpels spreche.

Ich habe auch eine Arbeitskollegin. Sie hat zu mir mal gesagt sie würde nie mit einem Schwaben zusammen kommen. Habe es auch schon von anderen Frauen gehört. Ich frage mich da immer was an Dialekten so schlimm sein soll. Ich persönlich verliebe mich doch in den Menschen und nicht in den Dialekt.

Natürlich hört sich nicht jeder Dialekt schön an. Mir persönlich gefällt Sächsisch nicht. Trotzdem wäre es bei mir kein Nogo. Mir geht es um den Menschen und nicht um den Dialekt.

Meine Ex hat immer zu mir gesagt ich soll hochdeutsch reden. Sie sprach auch hochdeutsch.

Ich persönlich möchte und werde auch nicht meinen Dialekt ablegen. Das ist doch ein Zeichen von Heimat und Herkunft. Es heißt ja immer man soll sich nicht verbiegen. Natürlich spricht man nicht mit jemanden der keinen Dialekt spricht keinem breiten Dialekt. Erst recht nicht wenn derjenige nicht richtig deutsch spricht. Das gehört sich natürlich nicht. Meine Frau spricht auch keinen Dialekt.

Selbst wenn man versucht richtig hochdeutsch zu reden hört man es immer noch raus. Selbst bei Politikern. Bestes Beispiel. Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Winfried Kretschmann.

Meiner Meinung nach gehen viele Beziehungen deshalb schief, weil versucht den anderen zu verändern. Ein weiterer Grund ist weil man heutzutage zu viele Nogos hat.

Wie ist es bei euch. Sind bei euch Dialekte auch ein Nogo? Meine bei meiner Frage sowohl Männer als auch Frauen.
 
  • #2
Ich denke, wenn beide mit dem Dialekt aufgewachsen sind, stört er meist auch nicht. Aber wenn einer das nicht ist, dann fällt ihm natürlich auf, WIE der Dialekt klingt. Manche klingen fein, manche prollig, manche schräg.
Wenn einer hochdeutsch mit gewisser Färbung spricht, also man noch raushört, dass ein Dialekt im Hintergrund ist, finde ich das reizvoll. Aber den breiten, richtigen Dialekt ... das wäre vielleicht zu viel.
Der Kabarettist mit der Echse machte dazu mal ne Nummer, wo sowas vorkam wie "hascht du Luscht?".
Ich weiß nicht, wie ich das empfinden würde, wenn ich richtig verliebt wär oder den Dialekt dauernd hören würde, dass es nicht mehr auffällt. Aber rein so klingt das schon danach, als könnte nur eine native Speakerin das auf Anhieb glatt und widerstandslos in ihr Ohr aufnehmen.
 
  • #3
Schönes Thema,

ich bin vor 2 Jahren us Kölle nach Sachsen gezogen.

Du schreibst ja das du grad sächsisch nicht gefällt.
Darüber muss ich echt lachen!

Zum Ersten- man gewöhnt sich dran wen man es stets und ständig hört, es wird einfach normal.

Zum Zweiten- mein Freund ist Sachse, ich muss ehrlich gesagt eher lachen wen er es ungefiltert raushaut.
Versteh dann nämlich kein Wort.

Nein, Dialekt ist für mich überhaupt kein Hinderungsgrund- wen ich Kölsch sabbel finden das Nicht- Kölner schließlich auch seltsam!
 
  • #5
Ich finde es überhaupt nicht schlimm. Der Dialekt gehört zu dem betreffenden Menschen dazu. Er hat diese Sprachmelodie bereits im Mutterleib gehört und behält sie auch, das habe ich kürzlich mal gelesen. Mein Ex war aus Freiburg. Er srach auch mit Kumpels das breite Baden-Württembergische, mit mir sprach er so, dass ich alles gut verstehen konnte. Es passte auch zu ihm, fertig. Ich bin Berlinerin, allerdings bin ich in Hessen groß geworden. Normalerweise spreche ich hochdeutsch mit berlinerischer Klangfärbung. Kolleginnen hatten mir aber auch schon gesagt, dass man merkt, dass ich aus Hessen (Offenbach/Main) komme :) Ich kann also für mich sagen, wenn der Mann ein guter Typ ist, ist mir der Dialekt völlig egal. Sogar das sächsische :)
 
  • #6
Als eine typisch Norddeutsche, die bekannter weise das beste Hochdeutsch reden, finde ich Dialekt auch eher unangenehm. Platt lass ich natürlich durchgehen.
 
  • #7
Für mich wäre es auch kein Ausschluss Kriterium. Aber man hört immer die Schwaben sind extrem geizig, dass wäre dann schon ein Nogo.
 
  • #8
Mir gefallen - alle - Dialekte! Weil sie Herkunft zeigen, weil sie in die verschiedensten Landstriche gehören und weil jemand, der seine Sprachfärbung nicht verleugnet, authentisch ist.

Schlimm finde ich es nur, wenn ein Hinzugekommener versucht, den Dialekt seiner neuen Heimat nachzumachen. Also jemand, der nicht aus Berlin ist, meint, unbedingt »berlinern« zu müssen. Dieser immer etwas daneben liegende Ton - grauenvoll, wie ein nicht beherrschtes Instrument.

Aber die ganze Musik: der Österreicher, der Bayern, der Schwaben, der Rheinländer, auch der Sachsen ... das hat doch wirklich etwas! Nämlich Vielfalt.
 
  • #9
Haha, da musste ich schmunzeln.

In meiner Familie und unter Freunden wird hier ordentlich „berlinert.“ Unter uns fällt das kaum auf, wir reden ja alle so. Mit manchen Gesprächspartnern ist das stärker ausgeprägt, als bei anderen, aber man hört die Herkunft IMMER. ;-)

Meine Ex Partner haben sich immer darüber aufgeregt, wenn ich einen Tag bei meiner Mutter war, wie Zitat „asozial“ ich gerade rede.. zum Einen war es Doppel Moral, da die Herren dies selber taten und nur bei Frauen „ekelhaft“ fanden, zum Anderen... naja es is wie es is, wa.?! Love it or leave it.

Ich würde heute keine Kritik mehr an meiner Aussprache dulden. Bei geschäftlichen Terminen rede ich selbstverständlich Hochdeutsch, aber im engsten Kreis, möchte ich nicht ständig darauf bedacht sein, WIE ich spreche. Aufs WAS kommt’s an. ;-)

Lass dich nicht verbiegen, sei einfach du selbst, deine Familie würde dich auch nicht dafür kritisieren, dass du Dialekt sprichst, sie lieben dich genauso wie du bist. Im Idealfall findet man einen Partner, der diese Form der bedingungslosen Liebe leben kann.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #10
Hab ich persönlich gar keine Erfahrung mit, selber komme ich aus dem tiefstem Ruhrgebiet, da gibt es kein Dialekt. Man versucht von klein auf so hochdeutsch wie möglich zu sprechen, da man sich sonst mit den vielen anderen Nationalitäten schlechter verständigen könnte.

Für mich hören sich die meisten Dialekte daher eher erheiternd an als dass ich mich darüber aufrege.

Natürlich hört sich nicht jeder Dialekt schön an.
Ich frage mich da immer was an Dialekten so schlimm sein soll.
Ach und Deine Babbelei ist schön? Seltsame Einstellung.

w/36
 
  • #11
Ich finde Dialekte toll. Bin aus Norddeutschland und habe leider keinen, umso mehr liebe ich es, den bei anderen zu hören. Ich mag z.B. hessisch oder Ruhrpottdialekt lieber als sächsisch, kenne aber auch keine Sachsen näher. Ich habe festgestellt dass ich Dialekte umso lieber mag, wenn ich nette Menschen damit verknüpfe. Und da ich in den meisten Regionen nette Leute kenne, mag ich auch fast alle Dialekte gern und bin stolz, langsam viele Herkünfte erraten zu können. Und schwäbisch verbinde ich auch mit positiven Erfahrungen. Also lass dir nichts erzählen :)
 
  • #12
Hochdeutsch zusätzlich vernünftig zu sprechen ist, wenn man mit einem Dialekt aufgewachsen ist, genauso wichtig, wie ein oder zwei Fremdsprachen richtig zu sprechen!

Ab einer bestimten Schicht (also typischer EP Kontext!) erwarte ich einfach, dass eine Person Englisch, oder Russisch und eine weitere Fremdsprache (Französisch, Latein, Spanisch, etc.) gut sprechen kann und genauso sollte sie auch Hochdeutsch (Hannoveraner Deutsch) einwandfrei sprechen. "einwandfrei" heißt, dass die Grammatik korrekt ist und die im Hochdeutschen gebräuchlichen Worte verwendet werden und gut erkennbar sind. Gegen einen kleinen Akzent (Der Unterschied zwischen Dialekt und Akzent ist klar, oder?) ist nichts einzuwenden. Akzentfrei ist natürlich noch besser!

Wie bei vielen anderen Sachen auch, kann man daran einfach Bildungsbürger von bildungsfernen Schichten unterschieden!

V.m49
 
  • #13
Ich kenn auch einige, die das sagen, auch Männer, die z.B. auf keinen Fall Sächsisch ertragen würden - sagen sie. Ich selbst rede bisschen Berliner Dialekt, wenn ich will, kann aber Hochdeutsch. Berlinerisch gilt aber irgendwie als "cooler", so wie manche Dialekte von der Küste (warum auch immer). Am schlimmsten werden sicher Sächsisch und Schwäbisch bewertet (die ähneln sich auch, muss ich ehrlich sagen - ich lebe jetzt auch im Stuttgarter Raum und haben Familie in Sachsen).
Ich glaube persönlich nicht, dass jemand jemandem einen Korb wegen Dialekt geben würde, wenn er wirklich verknallt ist.
Was ich aber denke, ist, dass Dialekt oft mit weniger Bildung gleichgesetzt wird und da wird schon ein Zusammenhang bestehen. Jedenfalls hör ich breites, wirklich unverständliches Schwäbisch auf der Arbeit nur im Lager bei den Nicht-Akademikern, alle anderen reden Hochdeutsch. Und auf dem Land reden die Leute meist auch eher Dialekt (bei uns daheim halt die vom Dorf, samt falscher Grammatik usw). Diese vielleicht unterbewusst gezogene Verbindung kann durchaus abschrecken.

Ich selbst mag Schwäbisch ehrlich gesagt auch nicht. Es klingt immer so nach Meckern für mich, wenn sich da alte Frauen in der Bahn unterhalten, so schlecht gelaunt. Da gibt es schon angenehmere Dialekte, z.B. vom Rheinland. Aber generell fände ich es schade, wenn die Dialekte aussterben. Ist doch schön, solche Unterschiede.

w, 36
 
  • #14
Das kommt darauf an. Erstens, ob ich damit etwas assoziiere, das ich mag. Und zweitens, welche Wesensart sich hinter dem Sprachgebrauch vermutlich verbirgt, Heimatverbundenheit oder Überheblichkeit im Sinne von „mia san mia!”

Mir hat mal ein Schweizer gesagt: wir Schweizer sprechen deshalb so langsam, weil wir erst alles übersetzen müssen. Das gefiel mir. Obwohl natürlich das Schweizerische bei ihm dennoch unüberhörbar blieb. Hingegen käme jemand, der nur aus Bequemlichkeit Dialekt spricht nach dem Motto „dein Problem, wenn du mich nicht verstehst”, bei mir eher unsympathisch rüber.

Völlig hingerissen bin ich, wenn ich beim Gegenüber einen Hauch vom Zungenschlag meines eigenen Heimatdialektes wahrnehme, fast unhörbar zwar, aber eben doch unverkennbar. Zum Beispiel, wenn eine Jemandin beim Gruppenausflug die Beschaffenheit des Sandweges so charakterisiert, daß man hier „rota Schuh” bekäme. Köstlich, einfach köstlich, ich hätte sie dafür umarmen können.
 
  • #15
Ich bin mit einem heftigen Dialekt aufgewachsen.

Da ich diesen als Teenager als hinterwäldlerisch empfand und maximale Distanz zu unserem Dorf herstellen wollte, habe ich ihn mir abtrainiert. Das scheint erfolgreich gewesen zu sein, in einer Runde von weitgereisten Menschen wird höchstens ganz grob die Himmelsrichtung meiner Herkunft erraten, ich bin nicht mehr zuzuordnen. Beruflich hatte ich davon vermutlich eher Vorteile.

Wenn ich aber will, kann ich einen diskreten Zungenschlag im Dialekt einfließen lassen. Oder ich erzähle, dass es in unserem Dialekt für den Sachverhalt xy ein absolut präzise passendes Wort gäbe - meist schließt sich eine sehr lebhafte Erörterung an, alle amüsieren sich und mann/frau bemerkt gar nicht, dass ich die Leute abgeklopft habe ohne persönliche Informationen preis zu geben, ja, ich gebe zu, ein bisschen gemein ist das.....
 
  • #16
Finde ich überhaupt nicht, ganz im Gegenteil! Ich bin eigentlich in dieser hinsicht ein ziemlicher Nerd, der es schon als Kind geliebt hat, mit der Sprache zu spielen. Ich liebe Dialekte, oft wecken sie in mir ein Gefühl der Bodenständigkeit und Nähe.

Ich erinnere mich noch daran, wie einmal ein weltberühmter Pianist sagte: "Hochdeutsch klingt für mich wie ein Steinway-Flügel, und ein Dialekt ist ein altes Klavier von Bösendorfer." Bei der Musik, die er wirklich geliebt hat (z.B. bei Schubert) hat er immer Bösendorfer gespielt.

Ich persönlich finde z.B. schweizerischen oder bayrischen Dialekt bei Frauen sehr sexy.

Was hingegen gar nicht geht, das ist Gossensprache. Für mich sind Worte wie "mega", "krass" oder (ganz schlimm) "kein Bock" ein absolutes Ausschlusskriterium.
 
  • #17
Viel schlimmer als irgendeinen Dialekt hören und sich eventuell fragen zu müssen, was der Inhalt der Äußerung wohl gewesen sein könnte, ist es, wenn in solchen Kontexten, in denen die Befolgung der Normen der Standardsprache obligatorisch ist, sich - auch bei Akademikern - Verstöße gröbster Art en masse finden (z.B. V2-Stellung der konjugierten Verbform im kausalen Gliedsatz „Ich kann nicht kommen, weil ich bin krank.“ statt korrektem „weil ich krank bin“ oder fehlende respektive fehlerhafte Interpunktion („Wir essen Opa.“ oder doch lieber „Wir essen, Opa.“)). Für mich ist das ebenso wie der inflationäre Gebrauch von Anglizismen ein Anathema.
Ein Hoch also auf die Fähigkeit, das Ausmaß der Dialektnutzung situations- und adressatengerecht zu steuern!
Ein im Ruhrgebiet aufgewachsener Sohn eines waschechten Oberbayern und einer Nordhessin mit ausgeprägter Vorliebe für Latein und Griechisch
 
  • #18
Mir sind Dialekte egal so lange ich die Menschen noch verstehen kann. Leider ist es mir mit schwäbisch und sächsisch schon so ergangen, dass ich die Menschen nicht mehr verstehen konnte.
Und natürlich hat eine Frau, de uk un platt snacken künt, immer einen Vorteil bei mir. Insbesondere an Sonnabenden (was zum Teufel ist der Samstag?)
 
  • #19
Durch ein neues Hobby mit einheimischen Leuten, habe ich dieses Jahr auch wieder meinen Dialekt "verbessert". Ich musste dann aber wieder passen. Ist genauso wie mit dieser SMS-Schreiberei, irgendwann wird man schlampig in seiner Sprache/Aussprache. Ich muss mich beruflich auf Hochdeutsch unterhalten können (spreche beruflich unter anderem Hörbücher nach), da fällt es unglaublich schwer, sich wieder einen Dialekt abtrainieren zu müssen.

Zudem ist es eben so: Sprache eröffnet Welten und wer nur auf sein Schwäbisch oder Deutsch besteht, kann sich eben nur mit seinen Schwaben oder Deutschen unterhalten. Das ist mir zu wenig.
Mir würden sich da beruflich viele Türen verschließen.

Ich habe auch eine Arbeitskollegin. Sie hat zu mir mal gesagt sie würde nie mit einem Schwaben zusammen kommen.
... Ich persönlich möchte und werde auch nicht meinen Dialekt ablegen.
Hier sehe ich die Kernaussage. Die Frau möchte genauso wenig einen Mann mit Dialekt, wie du deinen Dialekt ändern möchtest.
Vielleicht hast du schonmal den Spruch gehört, dass man nur Gleiches anziehen kann. Du kannst mit deiner sprachlichen Beschränktheit eben nur schwäbische Frauen gleichen Dialekts anziehen, die ihren Dialekt auch nicht ablegen möchten. Alle anderen fallen raus.
Dass man Schwäbisch und Hochdeutsch sprechen kann, ist dir noch nicht in den Sinn gekommen?

Selbst wenn man versucht richtig hochdeutsch zu reden hört man es immer noch raus. Selbst bei Politikern.
Nein, wie gesagt, ich habe mir Hochdeutsch aus beruflichen Gründen sehr hart antrainiert. Das heißt, täglich 5-7 Stunden Sprach-, Rethorik- und Stimmtraining über viele Jahre. Warum? Weil es mir wichtig war!
Ich denke aber, nur die wenigsten aller Deutschen brauchen ihre Sprache so in ihrem Job wie ich, daher ist es ihnen egal. Und Schwaben sind ja sowieso eher bäuerlich und ländlich.


Meiner Meinung nach gehen viele Beziehungen deshalb schief, weil versucht den anderen zu verändern. Ein weiterer Grund ist weil man heutzutage zu viele Nogos hat.
Niemand möchte dich verändern! Komm mal runter! Die Frau hat lediglich gesagt, sie möchte dich nicht als Partner. Und Schwaben sind halt wirklich nur am Keifen und Schlechtreden. Das ist eben typisch Schwäbisch.

Starke Dialekte erfahre ich nur noch bei Menschen über 55+ und der jungen Bierzelt-Generation. Von beiden Menschen halte ich mich fern, weil sie nicht meiner Partnerwahl entsprechen. Ich möchte auch kein "Heimatgefühl". Ich fühle mich im Ausland mehr heimisch als in Deutschland und überall, nur in Schwaben nicht.
 
  • #20
Hmm.. laut Taddäus Troll soll ja Sex und Schwäbisch ein Widerspruch in sich sein. Ob es da einen Zusammenhang gibt?

Ich bin eine Reig'schmeckte hier im Ländle. Wegen meines hessisch-sächsischen Migrationshintergrunds wurde früher hochdeutsch gesprochen, aber das jahrzehntelange Leben hier im Ländle hat auch bei mir eine leichte Dialektfärbung hinterlassen. Ist m.E. nicht tragisch, weil ich es nett finde, wenn man beim Gegenüber heraushören kann, woher er stammt.

Wie so oft macht auch hier die Dosis das Gift. Im Berufsleben, insbesondere im internationen Umfeld oder mit Kunden/Geschäftspartnern aus anderen Bundesländern finde ich das "Schwäbisch vo dr Alb ra" oder ein anderer breit gesprochener Dialekt unpassend. Doch selbst davor sind nicht mal promovierte Akademiker gefeit.

Mein Ex ist Schwabe und auch jetzt in zweiter Ehe habe ich ein schwäbisches Schätzle. :) Wobei das Schwäbisch von Letzterem sobar noch a weng breiter isch. Aus meiner Sicht ist somit der Dialekt bei der Partnerwahl irrelevant. Zumal auch obige Troll'sche These in der Praxis x-mal widerlegt werden konnte. :)

Was den sprichwörtlich schwäbischen Geiz anbelangt, muss man m.E. differenzieren zwischen den krassen Entenklemmern und berechtigter/sinnvoller Sparsamkeit eines (schwäbischen) Cleverle.

Lieber FS,
bleib dir selbst treu und lass dir nicht von irgendwelchen Dummschwätzern reinreden.

W51
 
  • #21
Ich finde es im Gegenteil schade, wenn jemand vollkommen dialektfrei redet oder es versucht. Wenn er seinen Dialekt verleugnen will oder sogar versucht, ihn sich "abzutrainieren" - furchtbar.

Ich finde der Dialekt steht für Heimatverbundenheit und Bodenständigkeit. Und das sind Werte die ich sehr schätze. Ich bin selbst Schwabe und wenn eine Frau so richtig schön "schwäbelt" - da geht mir das Herz auf.

Also nein, alles andere als ein NoGo.
 
  • #22
Ich bin zwar aus wirtschaftlicher Sicht froh, aus meiner Heimat vor langer Zeit weggezogen zu sein, aber wenn ich meinen Dialekt höre, kommen mirnecht fast die Tränen und der/die Sprecher(in) wird mir stante pede sympathisch! Hochdeutsch finde ich grundsätzlich gut, wenn es natürlich rüberkommt.
Andere Dialekte mag ich mal mehr, mal weniger, ja bei einem sächselnden Mann nimmt das erstmal total die Sexiness, aber das steht bei mir unter "erstem Eindruck". Lerne ich ihn besser kennen und mag ihn, ist mir der Dialekt bestimmt bald angenehm.
Ich habe Sprachwissenschaft studiert und fand früher bestimmte Fremdsprachen unglaublich heiß. Da reichte mir schon ein Nachrichtensprecher im Radio, und ich fand das toll. Seit ich spanisch gut beherrsche, funktioniert das dort nicht mehr, geht jetzt aber immer noch bei bestimmten anderen Sprachen, solange ich maximal Grundkenntnisse habe.
Über den spanischen Dialekt meines Freundes kann ich mich aber trotz allem eher amüsieren und finde die Aussprache ganz und gar nicht heiß. So verschieden ist das :D

W35
 
  • #24
Was sich manchmal lustig anhört wenn jemand mit einem Dialekt flucht. Nicht falsch verstehen. Kraftausdrücke und Beleidigungen sind ein Nogo. Egal in welchem Dialekt.
 
  • #25
Guten Tag in die Runde. Ich komme aus Sachsen. Gebürtig. Lebe schon immer hier.
DAS Sächsische gibt es in dem Sinne nicht, worin viele meiner westdeutschen Zeitgenossen eine eklatante Bildungslücke aufweisen. In Nordsachsen spricht man völlig anders, als im Erzgebirge, und es gibt Gegenden wie Elsterwerda, Görlitz, Bautzen, wo man unter anderem schon ein wenig Hochdeutsch begegnet. Außerdem gibt es bei uns auch Sorben, die sprechen einen alten slawischen Dialekt. Da sich das Sächsische hauptsächlich durch eine bestimmte Art der Vokal- und Konsonsanten- Aussprache auszeichnet, folgt dieser Dialekt bis auf sehr seltene Ausnahmen einer korrekten deutschen Grammatik, was allerdings nur jenen auffallen kann, die diese selbst einwandfrei beherrschen.

Wenn also jemand kommt, und meint, er würde niemals mit einem Sachsen..., der hat einfach keine Ahnung oder kennt nicht genug davon. Der gleiche Mechanismus findet ja mit den Ausländern in Sachsen statt. Je weniger es von denen irgendwo gibt, desto größer die Feindlichkeit.

Vulgäre Ausdrucksweisen gibt es in jedem Dialekt, und klar, ich möchte selbst als Sächsin nicht mit jemandem zusammensein, der sich so schlimm beim Reden gehen lässt.

Für meine Ohren klingen Dialekte aus Baden- Würtemberg, Bayern und dem Ruhrpott wirklich unschön. Am schlimmsten sind allerdings die, bei denen die Grammatik leidet (z.B. Redewendungen, die wo...).

Aber einen Menschen deswegen komplett abzulehnen, zeugt für mich von einem begrenzten Horizont und widerspricht allem, was ich in meiner Kinderstube über den zwischenmenschlichen Umgang gelernt habe.
 
  • #26
Also es gibt schon Dialekte, die ich absolut nicht schön finde. Andere (dazu würde ich z.B. auch Schwäbisch zählen) finde ich zwar nicht hässlich; sie klingen für meine norddeutschen Ohren aber sehr fremdartig. Sprache ist mir äußerst wichtig; ich kann mir schwer vorstellen, mich jemandem verbunden zu fühlen, der völlig anders redet als ich, oder dessen Aussprache ich sogar unästhetisch finde.

Aber NoGo würde ich nicht sagen, nein. Letztlich kommt es immer auf den Menschen und den Einzelfall an. Wer weiß, vielleicht begegnet mir eines Tages ein Mann, der meinen absoluten Hass-Dialekt spricht und haut mich derart um, dass ich plötzlich auch den Dialekt toll finde?
 
  • #27
Viel schlimmer als irgendeinen Dialekt hören und sich eventuell fragen zu müssen, was der Inhalt der Äußerung wohl gewesen sein könnte, ist es, wenn in solchen Kontexten, in denen die Befolgung der Normen der Standardsprache obligatorisch ist, sich - auch bei Akademikern - Verstöße gröbster Art en masse finden
Ja, so etwas meinte ich auch. Ich will ja nicht behaupten, die Sprache sehr gut zu beherrschen, aber ich denke, dass man es mir ansieht, dass ich mir zumindest Mühe gebe.

Wenn sich jemand teuer Kleidet, einen auf "Akademiker" macht und dann nicht darauf achtet, wie er redet, spricht das Bände über seinen Charakter. Sprache und Tischmanieren sind Deine Visitenkarte im Leben. Und es ist mir völlig egal, wenn jemand deswegen mir vorwirft, "mich über andere Menschen zu stellen".

Der PC-Spruch "es sind nur Äußerlichkeiten, die nichts über den charakter des Menschen aussagen", ist völlig falsch. Wenn jemand auf so etwas Elementares wie seine Sprache oder seine Tischmanieren achtet, achtet er in der Regel auf gar nichts und auch nicht auf andere Menschen.
 
  • #28
Die Zeiten ändern sich ... vor einigen Jahren musste ich hier im Forum noch für die Dialektsprecher kämpfen, damit die nicht so sehr diskriminiert worden sind ...
Huch was habe ich damals gegen Einlagen geboten, um el-itis zu ent-rüsten!
Absolut klar, dass die kleine Kosmetikerin ein schlaues Biest ist -
Kosmetik & Kosmos sind meine Welt, Zellen & Universum & das Leben selbst.

Sonnenklar, dass der echte Dialekt in der frühesten Kindheit meine Gehirnzellen & Intelligenz nachweislich sehr gut trainiert haben -
ich bin damit mindestens ebenso prima zweisprachig aufgewachsen, wie jene Kids, welche bereits in der Vorschule Englisch und Deutsch sprechen.
Im Fach Sprachenwissenschaften wurde es dann erklärt:
Mein Dialekt, das echte Alemannische,
ist nachweislich eine eigene Sprache:
Eigene Phonetik, eigener Wortschatz, eigene Grammatik, ...
so what?
Hey großartig Leute!
Dazu dann noch das Umgangsdeutsch der Nicht-Dialektsprecher im Alltag, und natürlich das Hochdeutsch in der Schule, (wobei Hochdeutsch genau betrachtet ja auch nur der Hannoversche Dialekt war, auf welchen man sich irgendwann mal als 'Schriftdeutsch' und 'Landesprache' geeinigt hatte) dazu Englisch und Latinum und ... ach ja die beruflichen Spezialgebiete sind auch eine eigene Sprache ... dazu die non-verbale Kommunikation, die Antlitzdiagnose und die Sinnliche Wahrnehmung ... sind ebenfalls eigene Sprachen ...
Inwischen spreche ich frei von Scham mit allen Wesen der Erde - den Menschen, Tieren, Pflanzen und der Erde, dem Wind und dem Wetter - tut auch den Pflanzen gut, wenn sie Mozart hören. Ich pflege Kontakt, sende und empfange Vibrations, ... und ändere damit das Energiefeld.
Tierkommunikation ist inzwischen auch ein Teil von mir (nach 46 Jahren mit Katzen, flüstern wir frei nach Konrad-Lorenz also auf allen Ebenen) ...
So lasst uns unsere gesamten Vibrations & genialen Möglichkeiten feiern ...
wie kreativ wir doch alle sind!!

Mit mir
cha ma a alemannisch schwätze
& in jeder Sprache der Liebe
Samtina
 
  • #29
Die soziale Stigmatisierung von Dialekten ist eine rein norddeutsche Angelegenheit, die man in den anderen deutschsprachigen Regionen – Süddeutschland, Schweiz, Österreich – so nicht kennt. Die Verallgemeinerung dieser Idee beruht auf Unkenntnis und/oder Arroganz.

Die Auffassung, die eigene Muttersprache automatisch fehlerfrei zu beherrschen, weil es eben die Muttersprache ist, ist eine der am weitesten verbreiteten, aber auch eine der falschesten Vorstellungen bezüglich Sprache überhaupt.

Mich persönlich stören kein Akzent und kein Dialekt, solange ich das Gesagte verstehe. Akzent oder Dialekt sind mir zehnmal lieber als etwa die Unsitte vieler Leute aus Norddeutschland, im Restaurant zum Kellner zu sagen "ich bekomme" – ohne "ich hätte gerne", "könnte ich bitte?" o.ä.
 
  • #30
Ich verstehe nicht... alles kann ein No-Go sein! Sprachen, Hautfarben, Haarfarben, Kleidungsstile, Musikgeschmack, Religionen.
Es ist doch eine Frage, ob du es schaffst, eine Frau zu finden, die die Welt wie du sieht und "spricht". Eine waschechte Schwäbin mit schwäbischer "Gosche" passt doch perfekt zu dir.

Dialekt ist nicht alles, denn die andere Hälfte heißt Hochdeutsch und die Leute im Hochdeutsch-Spleen denken genauso wie du.

Was interessiert dich, was deine Arbeitskollegin von dir denkt? Was willst du von dieser Frau? Die wäre doch ohnehin die Falsche!
Besser wäre, weniger impulsiver darauf reagieren, was Leute sagen, die gar nicht zu einem passen.

Ich habe per se nichts gegen Schwäbisch, nur gegen schwäbische Leute, die ihre eigenen vier Wände niemals verlassen, typisch schwäbische Eigenschaften pflegen, und meinen, ihre kleine Welt aggressiv anderen aufdrücken zu müssen. Das trifft auf das ländliche Schwaben sehr häufig zu, wo die Zeit noch langsamer tickt, zumindest häufiger als im weltoffenen, bunten Berlin.