• #1

Schnell gekränkt- Schwierigkeiten in Beziehung. Wie damit umgehen?

Liebes Forum,
Vor über 8 Monaten habe ich einen Mann kennengelernt.
Als ich ihn kennenlernte “litt” ich bereits aufgrund vieler negativen Erfahrungen (Scheidung/Sorgerechtstreit um unser Kind, Affärenmänner die mich wie das letzte behandelt haben..) unter einer Bindungsangst, habe sozusagen eine Mauer um mein Herz gebaut um nur nicht wieder verletzt zu werden.
Ich habe es diesem Mann also wirklich sehr schwer gemacht aber er hat unerbittlich gekämpft und ich habe mich Stück für Stück darauf eingelassen.
Ich habe ihn wirklich sehr sehr gerne und er würde alles für mich tun!
Mein Problem ist, dass mich Kleinigkeiten derart verletzten dass ich es kaum aushalte und meine Verlustangst bestätigen.
Bsp: Wir übernachten gemeinsam und er hat früh morgens einen Termin. Er geht daher ohne mich zu wecken damit ich noch schlafen kann. (Schreibt auch eine süsse Nachricht und alles) Rational weiss ich: Es war lieb gemeint.
Ich hingegen wache auf, sehe dass er nicht mehr da ist und bin dermaßen gekränkt und traurig, weine (!) weil ich wieder diese Angst verspüre und kann meine Gefühle nicht kontrollieren. Aus der Kränkung wird oft eine Wut auf ihn, warum er mir sowas antut und diesem Gefühl aussetzt. Man würde denken ich wäre zickig, aber ich bin einfach ehrlich schwer gekränkt. Ich hab mich zwar soweit unter Kontrolle dass ich es nicht an ihm auslasse, weil ich ja weiss dass es absolut nicht böse gemeint war. Aber ich komme immer wieder in solche Situationen, weiss dann nicht wohin mit meiner Traurigkeit/Gefühlen.
Ich erwische mich auch immer wieder mir zu sagen “Selbst Schuld, du musstest dich ja wieder darauf (Gefühle für eine Person) einlassen, es war klar dass du dann auch wieder verletzt wirst - Besser du stoßt ihn weg und bist wieder alleine”
Ich verspüre in/nach solchen Situationen also immer wieder den Drang aus der Beziehung zu flüchten, mich einzuigeln,...
Die Beziehung könnte so schön sein, aber ich komm mit meinen Gefühlen nicht zu Recht, ich bin mir selbst zu anstrengend.
Wird das mit der Zeit und zunehmenden Vertrauen besser? Oder bin ich einfach wirklich noch nicht so weit für eine Beziehung?
 
  • #2
Deine Situation ist für mich ganz typisch, wenn man alte Enttäuschungen und Verletzungen mit in eine neue Beziehung mit hinein nimmt, geht das in den allermeisten Fällen nicht gut! Deshalb lautet meine Empfehlung: nach einer Beziehung erstmal eine Pause einlegen, von einer längeren Zeit, reflektieren, notfalls fremde, kompetente Hilfe in Anspruch nehmen, das was du hier beschreibst, diese Mauer die du um dein Herz herum gebaut hast, das sind alles schwere Blockaden, solange die Blockaden nicht aufgelöst werden, solange wirst du niemals eine glückliche Beziehung leben können, auch wenn der Mann dich auf Händen trägt und alles wirklich für dich tut, du willst und kannst es gar nicht annehmen!
Guter Rat von mir, hol dir eine kompetente und fachliche Hilfe!
 
  • #3
Es ist ganz wichtig über diese quälenden Gefühle zu reden und sie nicht endlos runterzuschlucken. Am besten mit einer Fachperson oder mit dem Partner. Es wäre schade wenn du deswegen aus der Beziehung flüchten müsstest weil du es nicht mehr aushältst. Ich habe ein ähnliches Problem aber mehr in Richtung " Angst vor Vereinnahmung" . Da komt es vor dass ich mich ärgere weil ich nicht genügend Grenzen und Distanz spüre. Eine Zeit lang konnte ich es nicht mal ertragen dass mein Freund am Morgen noch in der Wohnung war wenn ich erwachte. Ich wollte nicht morgens schonwieder Kontakt zu ihm haben. Es war mir zuviel.
 
  • #4
Ich denke, der erste Schritt sollte sein, mit ihm offen darüber zu reden. Letztlich kann nur er Dich dabei unterstützen, dass Du Stück für stück Vertrauen in Dich selbst zurückgewinnst. Ohne Offenheit und die Gefahr, verletzt zu werden, gibt es keine Beziehung...
 
  • #5
Liebe TE,

Du kannst Dich hier analysieren, weißt warum Du so schräg reagierst. Also wäre es doch ein leichtes sich endlich mal hinzusetzen und mal mit der Vergangenheit abzuschließen. Nein, anstatt dessen eröffnest Du das nächste Drama und läßt es zu, dass ein Mann sich förmlich in Dein neugewonnenes Leben drängt.

Nach Deiner Schilderung(kaputte Ehe, Kampf ums Sorgerecht, Affärenmänner) hast Du Dich mal gefragt, was Du jetzt wieder Deinem Kind vorlebst? Mama fängt an zu heulen, wenn sie keinen Abschiedskuss bekommt.

Nehmen wir mal an, Du schaffst es mit der Zeit(durch Verarbeitung der Vergangenheit)wieder eine selbstbewußte und vor allen reife Frau und Mutter zu werden, wird der Mann ziemlich blöd aus der Wäsche gucken. Denn der will ja keine Frau auf Augenhöhe, sondern eine bei der er sich überlegen fühlt.

Tja was jetzt tun, das Kind ist schon in den Brunnen gefallen. Kontakt wieder zurückfahren, ganz großes Kino wieder fürs Kind. Nach den ganzen Dramen im Leben der unstabilen Mutter, kommt das nächste dazu. Trotzdem denke ich, wenn Du nicht endlich wieder auf die Beine kommst, wird es eh für Dein Kind ziemlich schwierig im weiteren Leben werden. Du merkst bei mir liegt mein Fokus auf Deinem unschuldigen Kind.

Oder bin ich einfach wirklich noch nicht so weit für eine Beziehung?
Ich seh das anders, Du bist nicht bereit für ein schönes, ausgeglichenes Leben in der Konstellation für die Du verantwortlich bist. Die Beziehung zu einem Mann steht erstmal ganz weit hinter dem, was für Dich und Dein Kind wichtig ist.

In diesem Fall würde ich auch diesen verunglückten Beziehungsversuch schnellstens beenden, wenn dieser Mann dann doch entgegen meiner Annahme der tolle Held ist, wird er das verstehen und Dich gehen lassen. Er wird toben und die Welt nicht mehr verstehen, wenn er in Dir sein kleines Spielzeug sieht.

w/36
 
  • #6
Wird das mit der Zeit und zunehmenden Vertrauen besser? Oder bin ich einfach wirklich noch nicht so weit für eine Beziehung?
Weder noch!
Du hast aber das Problem erkannt - es liegt ganz an und in Dir. Und Du hast enormen Leidensdruck. Das heißt, suche professionelle Hilfe auf. Welche Art für Dich da am besten sein könnte, weiß ich nicht, aber es gibt hier etliche kenntnisreiche ForistInnen, die konkrete Tips geben können.
Alles Gute für Dich - und vermassel diese Beziehung nicht, schaut gut aus!
ErwinM, 51
 
  • #7
Oder bin ich einfach wirklich noch nicht so weit für eine Beziehung?
Was soll das heißen, "noch nicht soweit"? Das ganze Leben besteht aus Beziehungen. Ich denke du bist noch nicht bereit für "Verantwortung". Das ist ein großer Unterschied. Damit meine ich nicht, dass du keine Verantwortung für andere (bspw. dein Kind) übernehmen kannst, sondern sowas wie "Eigenverantwortung" scheint irgendwie bei vielen ein Fremdwort zu sein.

Was willst du denn machen? Angenommen, du bleibst wirklich erstmal alleine. Und dann? Ich meine, diese Zeit wird vergehen, und irgendwann wirst du wieder jemanden treffen. Aber was hast du bis dahin gemacht? Nichts?

Ich schlage vor, du gehst mal in Therapie. Im Moment bemitleidest du nur dich selbst, wie schlecht es dir in den vergangenen Beziehungen und Affären gegangen ist, und du deshalb "eine Mauer um dein Herz" gebaut hast. Was für ein Euphemismus, der dich in einem guten Licht dastehen lässt und dir Empathiepunkte beim Leser und auch beim Partner bringen soll. Diese Erklärung soll dich im Grunde von der Verantwortung für dein eigenes Leben entlasten. Du kannst ja nichts dafür, dass du so bist/ reagierst/durchdrehst, daran sind die Männer der Vergangenheit schuld und die hohe Mauer um dein zartes Herzchen.

...Affärenmänner die mich wie das letzte behandelt haben.
Merkste was? Du behandelst deinen aktuellen Partner auch wie das Letzte. Er musste unglaublich um dich kämpfen, bis du ihn endlich mal "Schritt für Schritt" an dich rangelassen hast.
Willst du ihn büßen lassen, weil du dich "wie das Letzte" hast behandeln lassen? Ist das fair? Was würdest du sagen, wenn er nach der Erfahrung mit dir durch die Welt rennt, und allen erzählt, dass du ihm schlimm das Herz gebrochen hast und ihn wie "das Letzte" behandelt hast und er deshalb jetzt eine "hohe Mauer" um sein Herz gebaut hat um nun niemandem mehr nah an sich ran zu lassen und nun reihenweise die Frauen behandelt, als währen sie "das Letzte"? Bemerkst du den Kreislauf? Würdest du dich für den Rest deines Lebens dafür verantwortlich machen lassen, dass er in seinem Liebesleben nicht mehr klar kommt? Was lebst du dadurch auch deinem Kind für ein Beziehungsverhalten vor?

Bei dir ist es das Gleiche. Dann übernimm nun Verantwortung für dein eigenes Lebensglück, mach es nicht von Männern abhängig, dann lässt man sich automatisch nicht so behandeln. Und dann schickt man die in die Wüste, wenn die einem schräg kommen.

Betrachte deinen Partner als Menschen, der eigenständig ist, und nicht deine Bedürftigkeit erfüllen muss. Du bist schon groß, diesen Part sollten deine Eltern übernommen haben. Menschen mit Defiziten in der emotionalen Versorgung während der Kindheit haben es später immer schwerer. Deswegen können andere Menschen trotzdem nichts dafür.
Also ich denke, die Botschaft ist angekommen, viel Erfolg beim Bearbeiten!
 
  • #8
Ich denke, das betrifft viele Leute.
Die meisten sind ab einem gewissen Alter einfach psychisch gebeutelt.

Dein Problem ist hauptsächlich dieses entsetzliche Phänomen der durch Deine Erziehung übergestülpten Auffassung, einen Mann haben zu müssen.
Ohne Mann sei eine Frau ein Nichts, eine unverheiratete Frau ist ein Flittchen etc... was sagen nur die Nachbarn, wenn man keinen Mann hat, die Verwandten fragen permanent, wo denn der Mann sei.. etc. etc.

Das ist in Deiner Festplatte im Kopf verankert und die müssteste überspielen.

Sonst klammerste bis Pflaumenpfingsten an irgendwelchen Typen rum und bist irgendwann nur noch ein Wrack.
 
  • #9
Wird das mit der Zeit und zunehmenden Vertrauen besser? Oder bin ich einfach wirklich noch nicht so weit für eine Beziehung?
Ich finde du hast dein Problem recht gut erkannt und kannst es sehr stark eingrenzen.
Ich denke nicht, dass es sich im Laufe der Beziehung automatisch bessert, und würdest du auf die nächste Beziehung warten, passiert das vielleicht wieder so. Da hier ja ein Leidensdruck auf deiner Seite herrscht, und wahrscheinlich auch auf seiner, würde ich dir eine Art Therapie empfehlen, in der du dann auch nochmal lernst, wie du in solchen Situationen mit dir selbst umgehst, wie du lernst dich anzunehmen und diese Wut nicht entwickelst.
Ich denke übrigens, dass Verlustangst sich häufig schon in der Kindheit entwickelt und nicht erst durch eine Scheidung.
 
  • #10
Ja, hört sich auch für mich nach Verlustangst an, die in einer solchen Situation getriggert wird.

Da musst Du an Dir arbeiten, möglicherweise mit professioneller Hilfe.
Du kommst in der Situation garnicht mehr in Deine Erwachsenen-ebene, sondern bleibst in der Kind-ebene stecken.
Ein verlassenes Kind ist mit guten Grund verzweifelt. Als erwachsene Frau hatteSt Du in der Situation keinen Grund, verzweifelt zu sein. Gut ist, dass Du zu den Gefühlen guten Zugang hast.

Der Partner sollte nicht DeinenTherapeuten spielen müssen. Er sollte auch nicht auf rohen Eiern laufen müssen, um ja Deine Trigger nicht zu berühren.

Bei Verlustangst gibt es bestimmt Handlungsweisen, Rituale etc. die Dir helfen können. Z.B. immer bestimmte Verabschiedung und Begrüßung...
 
  • #11
Dein Verstand weiß, dass du NULL Grund hast, gekränkt zu sein. Er hat Rücksicht auf dich genommen und wollte dich nicht wecken, hat sogar eine Nachricht hinterlassen. Alles so, wie die meisten es sich von einem liebenden Partner wünschen würden.

Dein Part ist es, dich um deine Probleme zu kümmern, ohne ihn mit hineinzuziehen. Vergangenes aufarbeiten, Selbstwertgefühl stärken. Das schaffst du nicht alleine und das ist auch keine Schande. Such dir professionelle Hilfe, das ist die beste Investition in deine Zukunft, denn du hast eine Menge Baustellen (das meine ich nicht böse). Es sei denn, du willst diese und die nächste und die übernächste Beziehung an die Wand fahren.

Hat er dir eigentlich mal gesagt, warum er so sehr "um dich gekämpft" hat? Klingt so selbstlos, so sind Männer im allgemeinen ja nicht (Ironie off).

w 55
 
  • #12
Liebe Brown,
du bist reflektiert genug, um zu erkennen wie stark dich deine Erfahrungen negativ geprägt haben. Das ist eine große Stärke! Du fühlst, dass nicht dein Partner das Problem ist. Das alleine wird aber vermutlich nicht reichen, um Heilung zu erreichen.
Ich denke, du solltest dir kompetente Hilfe dazuholen. Du hast die richtige Basis.. Aber erwarte nicht von ihm, das er dich heilt und erwarte nicht, das es von alleine besser wird. Das erkennst du bereits an der Tatsache, dass du all diese negativen Gefühle hast, obwohl sich dein Partner vernünftig verhält. Wenn du Pech hast, wird dein negatives Mindset irgendwann die Oberhand gewinnen und dein Glück torpedieren. Spätestens dann, wenn dein Partner auch mal Fehler begeht. Dann hast du die Bestätigung, das alle Männer gleich sind, du lieber alleine bleiben solltest und du kein Glück verdient hast. Lass das nicht zu! Du hast einen tollen Partner und die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Das ist das Fundament für echtes Glück! Aber es braucht eben auch etwas innere Arbeit. Ich wünsche dir dafür das beste und ganz viel Liebe!
 
  • #13
Die Beziehung könnte so schön sein, aber ich komm mit meinen Gefühlen nicht zu Recht, ich bin mir selbst zu anstrengend.
Liebe Brown, du erkennst genau, was mit dir los ist - nur kannst du es nicht annehmen und in der Vergangenheit bist du immer neu vor dir selbst weggelaufen.

Das kannst du weiter so machen, doch glücklich wirst du damit nicht! Also: geh es an! Hole dir fachliche Hilfe. Du hast alle Chancen der Welt, gerade jetzt, mit einem sensiblen und liebevollen neuen Partner. Lass dir dieses Glück nicht wegnehmen bzw. wache darüber, dass es dir erhalten bleibt. Das kannst du, denn meistens suchen wir den Fehler bei anderen, du bist reflektiert genug, die Ursachen bei dir selbst zu sehen.
 
  • #14
Du hast deine Ehe nicht verarbeitet, sondern steckst noch mittendrin. Schau im Internet nach sowas, wie" 5 Schritte eine Beziehung zu beenden" oder Stadien der Trauer. Egal, wie toll der Mann ist, du siehst in ihm immer noch deinen Ex. Ich habe es selber erlebt - in den Zeiten, wo ich Zoff mit meinem Ex hatte, waren alle andere Männer Idioten für mich, ich habe richtige Abneigung gespürt, auch zu den "netten".
 
  • #15
Ich denke, das betrifft viele Leute.
Die meisten sind ab einem gewissen Alter einfach psychisch gebeutelt.

Das ist in Deiner Festplatte im Kopf verankert und die müssteste überspielen.
Liebe FS, jetzt erst einmal tief Luft holen. Und wie Undine schon schreibt, es betrifft viele, mich übrigens auch, jetzt nicht mehr so sehr, aber ich bin schon schlimm in den Seilen gehangen.

Den ersten Schritt hast Du schon getan: es ist Dir klar geworden, was und warum es mit Dir passiert. Gut so.

Du hast erkannt, dass Dich Deine neue Beziehung massiv triggert. Das erkennt man immer daran, wenn man sehr heftige und unangemessene Reaktionen bei sich feststellen kann.

Und richtig: man soll seinen ersten getriggerten Impulsen auf jeden Fall mißtrauen. Tief Luft holen und erst einmal setzen lassen und nachdenken.

Mir wurde es leichter, als ich diesen Teil von mir einfach akzeptiert habe. Es war wie Narbengewebe. Und das hat ja auch seine Berechtigung. Nur kann es eben auch sehr hinderlich sein.

Nun wirst Du da leider durchmüssen. Es gibt leider keinen Knopf, mit dem man das abstellen kann. Aber es wird weniger. Bei mir war es so, dass ich mich so sehr aufgeregt habe, dass ich fast krank dabei wurde. Ich habe definitiv Federn gelassen. Aber die wachsen nach.

Es ist so wie wenn man alte Pfade und Programmierungen immer und immer wieder überschreiben muß und dann bilden sich andere, deinem jetzigen Leben angepasste Programme und die Ruhe und das Vertrauen kommen wieder. Aber das ist ein schmerzhafter Prozess. Lass ihn einfach zu.

Mir hat geholfen, dass ich sehr kontrolliert sein kann, dh. ich habe keine Kurzschlusshandlungen aus einem kranken Impuls heraus gemacht. Und das scheint bei Dir auch so zu sein. Damit erspart man sich viel Kleinholz.

Mit dem neuen Partner reden? Nein, das würde ich nicht machen. Höchstens dann, wenn mir doch mal der Gaul durchgegangen wäre und ich ihm meine unangemessene Verhaltensweise erklären müsste. Nur dann. Das ist mir zum Glück nicht passiert und so war es nicht nötig.

Ich wollte eine Beziehung auf Augenhöhe. Und daher habe ich die Strategie angewandt: so tun als ob bis es wird, wie es sein soll. Und es wurde. Ich habe durchgehalten und bin nun in meiner Mitte und in meiner Ruhe.

Ich hatte früher viel Angst vor dem Autofahren. Und dann musste und wollte ich fahren. Ich bin gefahren ohne Rücksicht auf meine Ängste. Ich habe es getan und bin über mich hinaus gefahren, sozusagen. Heute ist das alles kein Thema mehr, weil ich einfach damit angefangen habe.

Eine Bekannte von mir hat das nicht geschafft, sie hat ihr Auto sogar verschenkt. Schade eigentlich.

Bleibe auf Deinem Weg, sei nachsichtig mir Dir, nimm Deine Probleme an und mach einfach so weiter, einen Schritt vor dem anderen und Dein inneres Kind wird Heilung finden. Viel Erfolg.
 
  • #16
Die meisten sind ab einem gewissen Alter einfach psychisch gebeutelt.

Dein Problem ist hauptsächlich dieses entsetzliche Phänomen der durch Deine Erziehung übergestülpten Auffassung, einen Mann haben zu müssen.
Nein, es sind nicht die anderen schuld. Nein, es sind nicht die Nachbarn, die Familie oder die Männer. Oder der pauschale psychische Beutel.

Wir leben alle ein Leben, in dem wir freie Entscheidungen treffen können und natürlich die Konsequenzen tragen. Ich bin dankbar dafür. Wer Konsequenzen nicht tragen möchte, trifft einfach keine Entscheidungen. Sucht sich keinen Mann aus, der sich hinterher als "falsch" herausstellt, wenn sie ihn so ausgesucht hat. Hört nicht auf die Nachbarn, die hinterher nicht die Konsequenzen tragen. Hält sich nicht an "Erziehung" als faule Ausrede dafür, wenn erwachsene Frauen nicht selbstständig denken können.

Die einzige Person im Leben, auf die Frau wirklich Einfluss hat, ist sie selbst. Und hier ist ja die FS das Problem und nicht die Nachbarn oder der neue Partner. Wenn sie sich selbst so zugerichtet hat, indem sie nicht in der Lage ist, eigenständig zu leben, dann sollte sie das erstmal lernen. Wenn sie das alleine nicht kann, eben einen Therapeuten dafür bezahlen, mit ihr daran zu arbeiten.
 
  • #17
Ich finde, Du klingst schon auf einem guten Weg. Du hast ja erkannt, dass Du es nicht an ihm auslassen solltest und dass es kein "echtes" Problem mit dem Mann ist, sondern Deins in Deiner Gefühlswelt.
Ich finde die Wut auf ihn auch normal (natürlich solange Du nichts sagst zu ihm), denn er tut ja nicht, was Du gern willst. Aber der Schritt von diesem kindlichen Gefühl des Ausgeliefertseins zum Erwachsenengefühl, dass das Empfinden ja so nicht richtig sein kann, ist ja schon sichtbar. Dein Gefühl kommt nur noch nicht so schnell mit mit Deinen Erkenntnissen des Verstandes. Sowas dauert nunmal länger und Du kommst ja auch immer wieder raus aus dieser Traurigkeit.

Man kann es nicht nachholen, dieses Geborgenheitsgefühl, das man in der Kindheit nicht hatte. Ich denke, das ist auch bei Dir der Fall. Es soll der Partner alles so machen, dass man sich rundum geborgen fühlt, und man fühlt sich machtlos und verloren, wenn er das nicht tut. Aber Du weißt ja schon, dass es das nicht gibt, und musst vielleicht nur noch eine Weile darüber trauern, bis Du das wirklich schätzen und lieben kannst, was Du bekommst von ihm. Er ist auch nur ein Mensch mit eigenen Wünschen und Bedürfnissen, und Du wirst sie ihm auch nicht perfekt erfüllen können. Also musst Du ihm verzeihen, dass er es nicht kann. Aber eben auch drauf achten, dass schon das Grundgefühl mit ihm positiv ist, dh. er nie wirklich irgendwas Verletzendes tut.

Ich erwische mich auch immer wieder mir zu sagen “Selbst Schuld, du musstest dich ja wieder darauf (Gefühle für eine Person) einlassen, es war klar dass du dann auch wieder verletzt wirst - Besser du stoßt ihn weg und bist wieder alleine”
Das ist ja der falsche Weg, weil Du dann NIE eine Beziehung haben können wirst. Der bessere ist, sich mit dieser Traurigkeit, Einsamkeit auseinanderzusetzen und sich zu fragen, ob das wirklich realistisch ist auch in Hinblick auf die eigene Beziehungs"leistung", die man dem anderen gibt.

Und Du kannst Dir auch Lösungsansätze überlegen: Er könnte Dich ja wecken, wenn er geht. Das kannst Du ihm sagen, das muss er nicht "erahnen". Du bist ja kein Kind mehr, das nicht aussprechen kann, was es sich wünscht. Und das heißt auch, dass Du nicht auf seine Liebe angewiesen bist, um zu überleben. Also selbst wenn er Dir gar nichts mehr geben sollte, kannst Du immer noch die Bez. beenden und sagen "war nix".
 
  • #18
Ach Mädel,
2 Dinge - rede mit deinem Freund, aber geh nicht zu sehr ins Detail. Er schreibt dir eine Nachricht ? Ok, bitte ihn doch dir lieber übers Haar zu streicheln und Ciao zu sagen ..... dürfte kein Problem für ihn sein.
Deine Probleme solltest du aufarbeiten. Und zwar nicht mit deinem Freund. Professionelle Hilfe würde nicht schaden.
Und weisst du warum ? Weil du offensichtlich einen Mann gefunden hast, dem an dir liegt. Der freundlich zu dir ist und nicht auf dir rumtrampelt. Er kann nicht alles wissen und nicht alles ahnen. Und er soll sein Mädel auch nicht als Häufle Elend sehen. Denn nach deiner Schilderung denke ich, dass du dieses Mal Glück gehabt hast. Mach also was dafür, dass das Glück bleibt.
 
  • #19
Ein Mann, der auf die Idee käme, mich morgens zu wecken, hätte es nicht lustig mit mir. Liebe Brown, wenn der Mann wirklich gut ist für dich (bist du dir da ganz sicher?), dann verjage ihn nicht, indem du ihm Sachen vorwirfst, von denen du genau weisst, dass sie nur in deinem Kopf eine Bosheit sind. Auch ich rate dir zu einer Therapie.

Frau 53
 
  • #20
Vielen Dank für eure Antworten, ich habe mir einige davon mehrmals durchgelesen und darüber nachgedacht und kann hier einige Ratschläge und Sichtweisen gut annehmen für mich.

Ich will mich für das Glück und die Liebe entscheiden im Leben! Auch wenn die Vergangenheit mir schmerzhafte Lektionen erteilt hat.
Ich bin kopfmäßig auch garnicht dieser Opfertyp der ständig mit dem Schicksal und alten Verletzungen hadert.
Nur diese Gefühlsausbrüche in bestimmten Situationen, hier habe ich eben noch zu kämpfen und muss Wege finden sie für mich anzunehmen bzw. damit umgehen.

Aber ich bin zuversichtlich.
Es ist so wie wenn man alte Pfade und Programmierungen immer und immer wieder überschreiben muß und dann bilden sich andere, deinem jetzigen Leben angepasste Programme und die Ruhe und das Vertrauen kommen wieder. Aber das ist ein schmerzhafter Prozess. Lass ihn einfach zu.
 
  • #21
Und Du kannst Dir auch Lösungsansätze überlegen: Er könnte Dich ja wecken, wenn er geht. Das kannst Du ihm sagen, das muss er nicht "erahnen". Du bist ja kein Kind mehr, das nicht aussprechen kann, was es sich wünscht.
So dreht die TE doch weiter an der Spirale. Ich gehe wieder davon aus, der Mann ist ein toller Kerl, total normal, ohne Störungen. So handelt er auch und das ist gut so. Anstatt bei sich selber anzufangen, soll der Partner entgegen besseren Wissens etwas in seinem Verhalten verändern.

Ich bin kopfmäßig auch garnicht dieser Opfertyp der ständig mit dem Schicksal und alten Verletzungen hadert.
Nur diese Gefühlsausbrüche in bestimmten Situationen, hier habe ich eben noch zu kämpfen und muss Wege finden sie für mich anzunehmen bzw. damit umgehen.
Wenn es sich bei Dir nur um seltene Ausbrüche handelt, finde ich es sogar ganz dringend, dass Du Deine Vergangenheit aufarbeitest. Dass Du kopfmäßig kein Opfertyp sein möchtest ist verständlich, aber Du merkst ja immer wieder, dass es sich seinen Weg bahnt. Selbst wenn Du nicht willst, Du fängst an den tollen unbedarften Mann zu verändern.