• #1

Räumliche Trennung auf Zeit und Heimatlosigkeit

Liebe Forengemeinde,

ich bin vor 6 Jahren im Studium mit meinem Freund zusammen gekommen. Nach zwei Jahren sind wir zusammengezogen. In den letzten 4 Jahren sind wir zweimal umgezogen (1x in eine andere Stadt), haben jeder (unabhängig voneinander und zu anderen Zeitpunkten) ein halbes Jahr im Ausland verbracht. Während dieser Zeit hatten wir aber immer einen gemeinsamen Lebensmittelpunkt - unsere Wohnung.
Nun habe ich mein Studium abgeschlossen und einen tollen Job gefunden, für den ich allerdings in eine andere Stadt ziehen muss (nur ca. 1,5 Autostunden entfernt). Der neue Mietvertrag ist unterschrieben und ich freue mich riesig auf die neue Stadt und den Job. Mein Freund ist aus beruflichen Gründen an unseren aktuellen Wohnort gebunden, wo ihn aber abgesehen vom Job wirklich nichts hält. Es ist geplant, dass er mir in ca. zwei Jahren "hinterherzieht".

Eigentlich freue ich mich auf alles, was in nächster Zeit auch mich zukommt, aber trotzdem ist da dieses mulmige Gefühl in der Magengegend...

Ich mag den Gedanken nicht, dass wir demnächst keine gemeinsame "Home Base" mehr haben werden. Wir sind von Haus aus beide ein wenig heimatlos. Wir kommen beide nicht aus der Stadt in der wir studiert haben und sind nicht in den Städten geboren, in denen wir aufgewachsen sind. Dadurch, dass wir beide sehr karriereorientierte Studiengänge in einer großen Stadt absolviert haben, sind die meisten unserer gemeinsamen Freunde/Kommilitonen immer mehr oder weniger über das Land/den Kontinent verstreut. In den letzten Jahren sind wir (abgesehen von unseren jeweiligen Familien, die aber sehr weit weg wohnen) immer die eine Konstante im Leben des anderen gewesen.
Ich habe keine Angst, dass unsere Beziehung die räumliche Trennung nicht übersteht, frage mich aber, in welche Richtung sie sich in dieser Zeit entwickeln wird.

Kennt ihr solche Situationen? Falls ja, habt ihr dieses Gefühl von "Heimatlosigkeit" irgendwann überwunden, oder verliert es an Bedeutung? In wie fern hat so ein "getrenntes Leben auf Zeit" eure Beziehung verändert?

Vielen Dank!
 
  • #2
Hatte nie eine Fernbeziehung, und habe kein Konzept davon, ob und wie das funktionieren könnte. Mein Tipp: redet darüber und findet eine Lösung, sonst wirds nicht funktionieren.
Fernbeziehung ist nicht für jeden. Ich hätte es nicht ertragen, nicht mal einen Tag.
 
G

Gast456

  • #3
Die Frage ist, warum zieht er nicht gleich mit? Die Sache ist nunmal die, wenn einer sich weiterentwickeln möchte und der andere zieht nicht mit, dann geht eine Beziehung auseinander.

Ich halte diese 2 Jahre für vorgeschoben und in 2 Jahren sagt er dir dann wieder, noch 2 Jahre. In der Zwischenzeit lernt er aber wahrscheinlich schon eine andere Frau kennen.

Warum hält ihn der Job 2 Jahre?
 
  • #4
Liebe FS,
ich hatte insgesamt 3 Fernbeziehungen.

Die 1. mit 18. Sie ist just zu dem Zeitpunkt gescheitert, als ich wegen Aufnahme des Studiums zu ihm ziehen konnte.
Die 2. mit 26 - 2 Jahre bin ich am Wochenende zu ihm gehfahren, 350 km. Dann lief mein Arbeitsvertrag aus, das neue Angebot habe ich nicht angenommen und ich bin zu ihm gezogen. Nach 2 Jahren haben wir geheiratet und waren für die nächsten 22 Jahre zusammen.
Die 3. ein paar Jahre nach meiner Scheidung, ich bin jedes Wochenende gependelt (850 km). Dann habe ich es beendet, weil klar war, dass wir bis zum Ende meines Berufslebens (er war jünger), also mehr als noch 10 Jahre so weitermachen müssen. Das ging über meine Kräfte, weil wir uns nicht voneinander entfernten, sondern annäherten. Für mich ging es mit der räumlichen Trennung nach 2 Jahren nicht mehr.

Ich finde 2 Jahre Fernbeziehung sind ein überschaubarer Zeitraum und 1,5 Stunden kann man jedes Wochenende zurücklegen, sogar mal unetr der Woche, wenn einer es braucht.
Man braucht Vertrauen ineinander und vor allen Dingen eines - kein missverständliches digitales Dauergeschnatter, sondern persönliche Gespräche unter der Woche (Telefon). Lieber mal einen Tag ohne Kontakt (vorher sagen, dass man was vorhat), als ein Mißverständnis weil ungenau in einer Kurznachricht ausgedrückt.
 
  • #5
Ich bin grad etwas verwundert, warum hier alle so von Fernbeziehung schreiben. So schlimm sind die 1,5h Fahrt doch nicht. Unter Fernbeziehung stelle ich mir eher eine Strecke vor, die man nicht mal eben relativ spontan oder nach der Arbeit notfalls noch zurücklegen kann.

Warum zieht ihr denn nicht gemeinsam irgendwo in die Mitte, wenn es euch so wichtig ist?
 
  • #6
Vielen Dank für die bisherigen Antworten.
@ Vikky, danke, die Geschichte von deiner Ehe zwei Jahre nach der Fernbeziehung muntert auf. Und ja, mit dem digitalen Dauergeschnatter gebe ich dir vollkommen recht!

@Autor von Antwort #2
Nicht so pessimistisch, die zwei Jahre sind in unserem Falle nicht vorgeschoben. Er promoviert hier, das wird noch ca. 2 Jahre dauern.
 
  • #7
Zur Erklärung: Wie FS beschrieben, haben beide "sehr karriereorientierte Studiengänge absolviert". Er wird seine geplante Karriere nicht damit gefährden, den ersten Job als Berufseinsteiger nach kurzer Zeit "zu schmeissen", was in dieser Laufbahn als fast schon tödlicher Negativpunkt im Lebenslauf ausgelegt wird. Ich persönlich halte zwei Jahre beim ersten Arbeitgeber fast noch für zu wenig

FS, wenn ihr beide gut verdient (wovon ich jetzt ausgehe), wie wäre es mit einem kleinen Appartment auf halber Strecke, an dem ihr Euch trefft, wann immer es möglich ist?

PS: sehe gerade die Promotion nach Verfassen des Textes
 
  • #8
Mein Freund ist aus beruflichen Gründen an unseren aktuellen Wohnort gebunden, wo ihn aber abgesehen vom Job wirklich nichts hält. Es ist geplant, dass er mir in ca. zwei Jahren "hinterherzieht".
Meine Erfahrungen sagen mir, dass er jetzt sein freiheitliches Leben haben möchte insofern wird es nach meiner Einschätzung dann auch dabei bleiben!
trotzdem ist da dieses mulmige Gefühl in der Magengegend.
Sei froh, denn dein Bauch kennt die Wahrheit!
 
  • #9
Ihr seid beide jung und gerade dabei, Euch beruflich und auch privat zu etablieren. Und bis man das alles unter einem Hut hat, dauert es eben ein wenig. Vielleicht wirst Du mal an diese Zeit auch mit guten Gedanken zurückdenken, denn jetzt ist vieles neu und aufregend in Deinem Leben.

Glaub mir, es kann auch verdammt ruhig werden. Viel Glück Euch beiden.
 
  • #10
Ich fahre jeden Tag 1,5h zur Arbeit und bin sehr glücklich damit. Deshalb würde ich die Entfernung gar nicht so tragisch sehen. Ihr könnt euch sogar noch unter der Woche sehen. Vielleicht wäre die Lösung dass ihr 2 homebases habt! Bzw das Gefühl habt beim anderen nicht fremd zu sein. 2 Jahre gehen schnell um. Mach dir keine Sorgen, da kenn ich viel extremere Fälle, die es auch geschafft haben.
 
  • #11
Mein Mann und ich kennen beide das Entwurzeltsein und auch die Fernbeziehung. Allerdings hatten wir 600 km auseinander gewohnt als er noch promoviert hatte.

Ich sehe bei euch kein Problem: 1,5 h sind wirklich nicht viel und 2 Jahre kann man gut durchhalten, v.a. da ihr eine gute Grundlage habt und wirklich nicht weit auseinander wohnt.

Ich würde sogar sagen, dass es auch ein Vorteil sein kann, noch einmal ein bisschen seine eigene Welt zu sortieren, d.h du kannst dich richtig einarbeiten und er seine Promotion zu Ende bringen, ohne dass einer ständig ungeduldig auf den anderen daheim abends wartet. Seht es als Chance.
 
  • #12
Der Punkt ist, dass man Angst hat, der andere könnte jemand anderes kennenlernen. Das kann zwar immer passieren, wenn man aber so weit voneinander entfernt ist, kann das leichter passieren und das ist auch realistisch, von beiden Seiten übrigens.

Da hilft nur Kommunikation und Commitment und sich so oft wie möglich treffen.
 
  • #13
Meine Erfahrungen sagen mir, dass er jetzt sein freiheitliches Leben haben möchte insofern wird es nach meiner Einschätzung dann auch dabei bleiben!
Wie kommst du denn darauf? ICH bin diejenige die wegzieht. ER ist derjenige, der sagt ich soll das Sofa mitnehmen, damit wir in 2 Jahren nicht zwei davon haben. Ich sehe auch gar keinen Grund für Eifersüchteleien. Wenn einer von uns diesbezüglich irgendwelche Ambitionen hätte, hätten wir im Leben schon passendere Gelegenheiten dazu gehabt (z.B. Auslandssemester).

Ich bin grad etwas verwundert, warum hier alle so von Fernbeziehung schreiben. So schlimm sind die 1,5h Fahrt doch nicht. Unter Fernbeziehung stelle ich mir eher eine Strecke vor, die man nicht mal eben relativ spontan oder nach der Arbeit notfalls noch zurücklegen kann.

Warum zieht ihr denn nicht gemeinsam irgendwo in die Mitte, wenn es euch so wichtig ist?
Sehe ich genau so. Als Fernbeziehung hätte ich das auch nicht bezeichnen wollen, eher als Wochenendbeziehung (aber die führen Paare, die zusammen wohnen, aber viel arbeiten de facto auch).
Auf die Idee einer gemeinsamen Wohnung in der Mitte (wie auch von @Dr. House beschrieben) bin ich um ehrlich zu sein noch gar nicht gekommen... Wäre aber sicherlich eine denkbare Lösung, sollte sich herausstellen, dass das getrennte Wohnen uns nicht liegt. Danke für den Denkanstoß!

Vielen lieben Dank auch @Camille und @Moona
Genau so denke ich im Allgemeinen auch darüber. Es ist auch sicher nicht verkehrt einen Lebensabschnitt zu haben, in dem man sich als Person auch außerhalb der Beziehung zu definieren lernt.

Alles in allem noch einmal vielen Dank für Eure Antworten! Tatsächlich haben mir gerade die pessimistischen gezeigt, dass ich die genannten Zweifel nicht teile. Also ist mein mulmiges Gefühl wahrscheinlich doch einfach nur ein wenig Nervosität. Danke!
 
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Arianne

  • #14
Normalerweise sucht man mit fortgeschrittener Beziehung Nähe. Du suchst Distanz. Du hättest dir ein WG-Zimmer suchen können und den Lebensmittelpunkt bei deinem Freund lassen. Dir fiel auch nie ein, in die Mitte zu ziehen. Aber du gehst. Wie sich dein Freund dabei fühlt, erschliesst sich aus deinen Posts nicht. Ich vermute aber, hier bist vor allem du diejenige, die die Freiheit sucht.