• #1

Probleme mit Abschied. Wie gelingt es?

Ich habe eine Partnerschaft gehabt mit einem Mann, von dem ich von Anfang an dachte, dass wir nicht passen, aber er zog mich dennoch irgendwann an. Dennoch habe ich mich mich irgendwann drauf eingelassen, weil es auch viele schöne Momente gab und weil er trotz meiner Zögernis so dran geblieben ist. Er sieht sehr gut oder charmant aus (der typische Sympathieträger) und weiss das auch und kokettiert damit; obwohl er privat und beruflich ohne Ende Misserfolge seiner Art wegen verkraften musste.
Er ist 3 mal geschieden und jede Beziehung bei ihm scheitert irgendwann. Was nicht eigentlich schlimm ist, da ich in jungen und in "alten" Jahren mich auch in Beziehungen " verrannt" habe und auch 2 mal schon geschieden bin- allerdings bin ich, da mich das jeweils sehr mitgenommen hat, sehr vorsichtig und zaghaft geworden, was ihn genervt hat.
Während ich mich sehr zögerlich auf ihn eingelassen habe, hat er " Feuer" gegeben, vor allem sollte sofort Sex stattfinden, möglichst oft ( er ist 60). Er ist nicht geschieden und kämpft seit Jahren mit seiner dritten Frau über Unterhalt und Existenz.. Ich habe dererlei Sorgen nicht mehr; wir hatten uns immer friedlich geeinigt.
Da ich beruflich coach bin, entwickelte es sich irgendwann dahingehend, dass es nur noch um seine hundert Probleme ging bzw um seine alles in allem furchtbar negative Sicht der Dinge, und ich sein coach und seine Liebhaberin war. Mir ging es nicht mehr gut und ich habe mich "Trösterchen".
Meine eigentliche Frage ist: Obwohl ich lange genug überlegt habe, tut mir der Abschied weh. Auch, wenn ich nur ein Trösterchen war. Wir hatten schöne Momente und ich bin besonders schlecht im "gesunden" Abschied nehmen. Dass man eine Zeit so intensiv miteinander verbunden war mit allem, was dazu gehört und von einem Moment zum anderen nichts mehr voneinander hört, ist doch grauslig. Er möchte nichts von mir hören, ist ja auch verständlich. Hat aber zum Schluss nur noch rumgeekelt, das konnte ich dann nicht mehr. Wir haben ja beide unsere Geschichte..
Meine Frage: Wie kann ich mit vernünftigen (privaten ) Abschieden umgehen, dass sie mich nicht so ohne Ende lahmlegen, wie kann ich loslassen? In der Abschiedszeit schaffe ich gut meine Arbeit, aber mehr geht nicht..
 
  • #2
Hallo, liebe FS,
da du (wie ich) Coach bist, werfe ich dir einfach mal ein paar Begriffe hin, die du aufnehmen und als Basis nehmen kannst, um an dir zu arbeiten: Verlustangst (auf deiner Seite - hervorgerufen evtl. durch ein abwesendes Elternteil), Love Bombing (auf seiner Seite, ggf. auch Sexsucht) und Inneres-Kind-Arbeit.
Es ist gut, wenn du jemanden langsam kennenlernen möchtest, bleib dabei und setz für dich Standards, die du beim Kennenlernen und später in einer Beziehung auf jeden Fall brauchst. Parallel dazu arbeite deine Vergangenheit auf. Helfen können da die Videos und Podcasts von Christian Hemschemeier, sein Buch "Der Liebescode" (übrigens sehr erhellend für fast alle FS hier). Vermutlich musst du mit/an deinem inneren Kind arbeiten, das sich sehr nach Bindung sehnt, sodass du in deinen Beziehungen zu viele Kompromisse machst, bis du einen Schlussstrich ziehst und dann aber darunter leidest.
Manchen helfen beim Thema Inneres Kind auch die Bücher von Stefanie Stahl, es gibt noch andere Methoden, an diese Themen aus der Kindheit heranzukommen, z.B. Psychotherapie in Zusammenhang mit Hypnose (die eigentlich eine Trance ist), Havening ... Schau dir all das an und such für dich den richtigen Weg. Wenn du ihn gehst, wird es dir wie ein Befreiungsschlag vorkommen.
Für den Moment täte dir sicherlich eine Beziehungspause gut - komm mal richtig bei dir an, entdecke dich, was dich (ohne Mann) ausmacht, wer du bist, was dir gefällt, was du gern tust. Werde stark in dir selbst, dann ziehst du irgendwann auch andere Arten von Männern an, wirklich Erwachsene, und das, was dein Ex-Freund ist und getan hat, kommt dir unreif und lächerlich vor.

Viel Glück dir!
Hauself (w55)
 
  • #3
Ich sage dir hier meine aufrichtige und authentische Meinung, die du ja forderst!
Ich habe eine Partnerschaft gehabt mit einem Mann, von dem ich von Anfang an dachte, dass wir nicht passen, aber er zog mich dennoch irgendwann an.
Ganz typisch Frau, habe das oft gehört, das hat meist ein negatives Ende, da es von anfang an nicht gepasst hat und trotzdem lies es Frau laufen.
weil er trotz meiner Zögernis so dran geblieben ist.
Wenn ein Mann bei Frau dran bleiben muss, um sie zu bekommen, ist das Ganze nicht in Balance und geht zu 99,99% schief, das sollte doch jede Frau wissen!
Er sieht sehr gut oder charmant aus (der typische Sympathieträger) und weiss das auch und kokettiert damit;
Wenn das die Frau primär anspricht, was überwiegend so ist, und nicht die inneren Werte wie Charakter etc. zählen, dann braucht man sich doch nicht wundern?
Er ist 3 mal geschieden und jede Beziehung bei ihm scheitert irgendwann. Was nicht eigentlich schlimm ist
Für mich sehr schlimm, weil immer dieselben Muster Ursachen für Wirkungen sind, ein solcher Typ lernt nicht daraus. Für dich nicht schlimm, also ist das Ganze auch nicht schlimm!
Während ich mich sehr zögerlich auf ihn eingelassen habe, hat er " Feuer" gegeben, vor allem sollte sofort Sex stattfinden, möglichst oft ( er ist 60). Er ist nicht geschieden und kämpft seit Jahren mit seiner dritten Frau über Unterhalt und Existenz..
Den hast du dir selbst ins Boot geholt, ans Bein gehangen, was willst du jetzt hören?
und ich sein coach und seine Liebhaberin war. Mir ging es nicht mehr gut
Super für ihn und es freut mich, dass es immer noch genügend solche Frauen gibt, die den Mann auf diese Art und Weise versorgen und betreuen, damit er weiterhin bei der Nächsten sein Unheil betreiben kann!
Meine Frage: Wie kann ich mit vernünftigen (privaten ) Abschieden umgehen, dass sie mich nicht so ohne Ende lahmlegen, wie kann ich loslassen? In der Abschiedszeit schaffe ich gut meine Arbeit, aber mehr geht nicht..
Frauen, die sich auf solche Typen Männer einlassen, wissen es schon im Vorfeld was auf sie zukommt, sie wollen es nur noch bestätigt bekommen, habe für dich als Coach keine Bedenken, du machst dein Ding weiterhin! Dein Nickname Schoko gibt dir Sicherheit und Gewissheit!
 
  • #4
Ich vermute, dass er Dir auch beruflich eine gewisse Bestätigung gab, er war ja sozusagen Dein "Patient".
Ansonsten würde ich erstmal aufhören zu denken, dass auch gesunde Abschiede nicht wehtun dürfen. Ich finde das normal, dass man sich nicht einfach die Gefühle aus dem Herzen reißen kann und dann ist man wieder froh. Auch einen, der einem nicht guttut, kann man lieben oder begehren. Und ich würde auch sagen, es gibt so Sehnsüchte in einem Menschen, die von einem anderen, der es gut draufhat, angefacht werden können. Z.B. für jemanden bedeutsam sein, einzigartig sein, geliebt werden mit seinen eigenen Macken usw..
Vielleicht hat er Deinen Ehrgeiz als Therapeutin und Frau angefacht, ihm zeigen zu wollen, wie schön das Leben ist usw., was Dich für ihn wie eine Erlöserin und die einzige Frau auf der Welt, die ihn versteht und heilen kann, erscheinen lässt?
Er sieht sehr gut oder charmant aus (der typische Sympathieträger) und weiss das auch und kokettiert damit
Könntest Du Dir vorstellen, dass er Dich manipuliert hat? Ich denke, wenn man Coach ist, denkt man, dass man die Person mit dem Durchblick in diesem Bereich ist, aber vielleicht findet man auch mal seinen Meister, weil man sich gefühlsmäßig involviert? Es klingt ja schon nach narzisstischen Eigenschaften, wenn einer mit seinem Schlag bei anderen Menschen kokettiert.

Wie kann ich mit vernünftigen (privaten ) Abschieden umgehen, dass sie mich nicht so ohne Ende lahmlegen, wie kann ich loslassen?
Erstmal würde ich sagen: Wie oben geschrieben, nicht erwarten, dass es reibungslos geht. Schmerz akzeptieren, Trauer zulassen. Dann, wenn Du noch Bedarf hast, Dich damit zu befassen, statt losgelassen zu haben, analysieren: Was hat mich so angezogen, wo bin ich vielleicht auf den Leim gegangen, warum tat es nicht mehr gut. In dem Fall hat Dich das ja noch tiefer berührt, als es aussieht, und man muss das für sich aufdröseln, um zu erkennen, wie man in die Situation geraten konnte.
Vielleicht auch lernen, Gedanken und Gefühle aktiv wegzuschieben. Wenn ich Dinge genügend durchdacht habe und sie mir keine neuen Erkenntnisse bringen (da auch kein neuer Input kam, der eingeflochten werden muss), dann nervt mich irgendwann, schon wieder deswegen schlechte Stimmung zu bekommen, und ich finde wichtiger, z.B. einzuschlafen oder mich zu amüsieren. Klappt nicht immer, weil das Thema doch zu "raumgreifend" ist, aber versuchen kann man es ja erstmal. Ansonsten denke ich, dass es sehr viel schmerzhafter ist, Gefühle nicht zulassen zu wollen, als durch sie zu gehen.
 
  • #5
Oh, vielen herzlichen Dank, das sind ja ganz tolle hilfreiche Beiträge! Freue mich sehr über die Anregungen.
 
  • #6
Ganz typisch Frau, habe das oft gehört, das hat meist ein negatives Ende, da es von anfang an nicht gepasst hat und trotzdem lies es Frau laufen.
So etwas finde ich auch richtig gemein. Der Mann macht sich Hoffnungen und denkt es klappt. Ich komme nur mit jemad zusammen. Wenn ich mir zu 100 Prozent sicher bin.
Er ist 3 mal geschieden und jede Beziehung bei ihm scheitert irgendwann.
Ich würde definitiv nicht mit einer Frau zusammen kommen, die schon so oft geschieden ist. Da wären bei mir die Zweifel zu groß.
 
  • #7
Meine letzte Trennung war für mich (auch kein Beziehungsanfänger mehr) ziemlich schmerzhaft, obwohl der Mann wirklich schlecht war. Ich bin danach sogar in ein depressives Loch gefallen und habe mir geschworen: "nie wieder Männer". Das habe ich ca. ein dreiviertel Jahr durchgehalten. Dann kam mein jetziger Partner plötzlich aus dem Nichts, und die Trauer war schnell vergessen. Fazit für Dich: Mach einfach weiter. Die Schmerzen vergehen, neues Glück kommt. Jedenfalls, wenn Du es zulässt.

Diese Geschichte mit dem Zumüllenlassen mit Problemen, Helfen usw. kenne ich auch gut. Ich bin geboren oder gelernt der Helfertyp. Mein Praxistipp: Grenzen setzen, nicht zu viel geben, sondern sich eher geben lassen. Miese Typen ziehen dann ganz schnell Leine. Sie wollen nur haben und nicht geben. Und wenn sie merken, es gibt nichts umsonst, verlieren sie das Interesse. Auch diese Erfahrung kann für einen sehr schmerzhaft sein, aber es ist besser, als in einer Beziehung mit einem Parasiten zu landen. Manchmal muss man auch beziehungstechnisch mal richtig auf der Nase landen, um sich selbst umzupolen. Und noch ein Praxistipp, der mich wirklich geläutert hat: Schnapp Dir mal einen richtigen Narzissten als "Kumpel" und lass Dir von ihm mal erzählen, welche Motivationen er in Sachen Beziehungen hat. Das wird Dir beim Umpolen sehr helfen. Als Helfer kann man sich nie vorstellen, wie extrem egoistisch andere Menschen manchmal sind. Deshalb hört man nicht auf zu geben, auch wenn das Gleichgewicht längst gekippt ist, weil einem die Banalität des Handelns egoistischer Menschen nicht in den Kopf geht. Du warst ja schon so klug, die Reißleine zu ziehen. Aber es hätte nicht so weit kommen müssen.

Nur Mut. Verarbeite den Schmerz, aber trauere nicht zu lange, denn der Richtige ist schon auf dem Weg zu Dir.
 
  • #8
Im Buddhismus gibt es eine interessante Sicht zu dem Thema Leid und Verlust. Leid muss einen gewissen Raum in unserem Denken haben damit wir den Verlust als Teil von uns akzeptieren können. Nur so lässt es sich langfristig überwinden.
Ich habe auch eine sehr schmerzliche Trennung hinter mir. Ich war zwei Jahre ein Wrack. Aber das lag in erster Linie an mir und daran, dass ich viel verdrängt habe unf vieles nicht akzeptieren wollte. Ich habe lange gebraucht um ein gutes Gleichgewicht zwischen Verarbeiten und Ablenkung zu schaffen. Es geht und ist essentiell, um daran zu wachsen. Narben wirst du eventuell davon tragen, aber es ist ja auch wichtig seine Narben zu kennen und in notwendigen Momenten seine Hände schützend drüber zu halten. Narben kann man auch pflegen-damit gehen die nicht weg, aber man arrangiert sich mit ihnen besser und sie verblassen mit der Zeit.
 
  • #9
Ganz typisch Frau, habe das oft gehört, das hat meist ein negatives Ende, da es von anfang an nicht gepasst hat und trotzdem lies es Frau laufen.
Ich denke, dass Männer es eher "laufen lassen", aber Frauen eher dazu neigen, sich zu sagen, dass das noch irgendwie wird, dass sie sich anpassen können oder der Mann sich ändert. Also "typisch Frau" seh ich hier keineswegs. Wenndann wäre es typisch für den Mann, laufen lassen, den Sex mitnehmen, weil ihm nicht so wichtig ist, mit wem er Sex hat, bis was Besseres vorbeikommt. Aber so pauschal würde ich das nun keineswegs dem männlichen Geschlecht unterstellen. So geht nur das Klischee, an dem auch etwas Wahrheit dran sein wird. Ich denke, dass Männer eher mit ner Frau, die sie nicht wirklich wollen, Sex haben können, als Frauen mit einem Mann Sex haben wollen, den sie nicht wirklich gut finden.

Bei der FS vermute ich, dass ihr gefallen hat, dass er hartnäckig blieb. Also hier ein Opfer in dem Mann zu sehen, dem Interesse vorgespielt wurde, das aber nur zweite Wahl war, bei dem man es laufen ließ, halte ich für falsch. Immerhin hatte er auch Interessen, die er verfolgte mit seiner Hartnäckigkeit:
Während ich mich sehr zögerlich auf ihn eingelassen habe, hat er " Feuer" gegeben, vor allem sollte sofort Sex stattfinden, möglichst oft
Und immerhin hat er zum Schluss nur noch rumgeekelt, daher ist sie gegangen. Das macht doch keiner, der gern in einer Beziehung bleiben will.
 
  • #10
Noch einmal vielen lieben Dank für alle Sichtweisen, Anregungen und Tipps!
 
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