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Gast

  • #1

Partnersuche trotz Beziehungsphobie?

Aus gegebenem Anlass habe ich das Buch "jein" gerade nochmal gelesen und jetzt lese ich die Posts hier und denke, dass es so viele Beziehungsphobiker gibt. Tummeln die sich alle hier und in Partnerbörsen? Leute, die denken sie wollen eine Beziehung, aber in Wirklichkeit tun die alles um diese zu sabotieren? Oder Frauen, die den Richtigen suchen, aber immer auf solche Unfähigen rein fallen, weil sie auch unfähig sind gut von Böse zu unterscheiden?
Warum haben so viele so viel Angst vor Liebe und Nähe? Und warum suchen sie trotzdem weiter und denken es gäbe immer noch was Besseres?
 
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Gast

  • #2
Meiner Meinung nach ist die sogenannte "Beziehungsphobie" nur das Symptom eines überforderten Menschen. Er / Sie ist überfordert vom Job, überfordert von Anforderungen seitens der Freunde oder Familie, überfordert von allen Arten an Möglichkeiten.

Ein Mensch, der in sich ruht, der nicht oder kaum überfordert ist von den Dingen um ihn herum, ist sich bewusst, ob er eine Beziehung will oder nicht. In beiden Fällen steht er zu seiner Entscheidung.

m, 34
 
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Gast

  • #3
Warum haben so viele so viel Angst vor Liebe und Nähe? Und warum suchen sie trotzdem weiter und denken es gäbe immer noch was Besseres?
Ich glaube nicht, dass so viele Menschen Beziehungsphobiker sind.
Wer mal mit dem Thema Phobie im RL zu tun hatte, weiß, dass das schwerwiegende psychische Erkrankungen sind. Die Online-Plattformen sind ein Tummelbecken für Menschen, die psychische Störungen haben, weil das für sie die einzige Form von Teilhabe am Leben ist. Sie sind nicht in dem Maße präsent, wie die inflätionäre Anwendung von Begriffen wie "Beziehungsphobiker, bindungsunfähig, bindungsunwillig" hier vermuten lässt.

Hier treffen Menschen aufeinander, die unterschiedliche Intentionen haben, wenn sie in Kontakt kommen. Die einen suchen feste Lebenspartnerschaften und treffen auf welche, die das NICHT WOLLEN. Sie keine Phobiker, sie könnten, aber sie wollen nicht.
Diejenigen, die wollen, dichten denjenigen, die Affäre, Abenteuer, Seitensprung ... wollen, eine Psycho-Diagnose an. Man kann nicht behaupten, der Mensch gegenüber sei psychisch gestört, nur weil er einfach andere Vorstellungen hat, was ihm der Kontakt bringen soll.

Nur weil die Frau lebenslange Beziehung will, ist der Mann, der Abenteuer sucht, nicht psychisch gestört. Wenn frau sich auf schnellen Sex einlässt, weil sie meint, damit einen Hallodri binden zu können, unterliegt sie einem massiven Irrtum, bei dem der Wunsch Vater der Gedanken ist - leider nicht der Realitätsbezug. Und wenn sie diesen Irrtum immerwährend wiederholt, hat eher sie ein psychisches Problem, als das männliche Objekt, welches sie binden/an sich ketten will.

Ich schätze mal, dass 90% aller hier der Beziehungsphobie Verdächtigten nichts davon haben - sie haben nur einen anderen Lebensstil als ihr Gegenüber. Beide Wünsche/Lebensstile sind gleichermaßen berechtigt. Wer Beziehung wünscht, soll sich mit niemandem befassen, der Affäre will.
Der Weg, sich über die Intentionen des Gegenübers klar zu werden, sind für denjenigen, der langfristige Beziehung sucht, die traditionellen Mechanismen des des Sich-Kennenlernens: Zeit nehmen, nichts überstürzen, viele Begegnungen in unterschiedlichem Kontext und langsam wachsende Nähe..... und vor allen Dingen, der Respekt, andere Ziele seines Gegenübers zu respektieren und ihn in FRIEDEN ziehen zu lassen, statt ihm den eigenen Lebensstil aufzwingen zu wollen.
Affärensucher, weibliche wie männliche haben keine Interesse, viel Zeit zu verplempern, wenn nicht sicher ist, dass es sich lohnt.

Um das an meinem Beispiel mal klar zu sagen: 2-3 mal in der Woche nach der Arbeit treffen, zu unterschiedlichen Anlässen, wochen- bis monatelang. Erst danach weiß ich, ob ich mit dem Menschen das kann, was ich will - Beziehung statt Affäre. Ein Mann der vorher aussteigt, hat andere Interessen. Je schneller er sich verabschiedet, desto lieber ist es mir, denn auch ich will keine Zeit mit jemandem verplempern, der nur Affäre sucht.
w, 55
w, 56
 
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Gast

  • #4
Ich habe das Buch "Jein" zwar noch nicht gelesen, aber schon sehr viel davon gehört. Wird deine Frage denn nicht in dem Buch beantwortet, das hätte ich eigentlich von dem Buch erwartet ...?!

Nun, ich habe mich auch bereits viel mit dem Thema beschäftigt. Ich denke, der Grund, warum so viele Leute "Angst vor Nähe und Liebe" haben ist, dass in Wirklichkeit die Angst vor Zurückweisung und dem damit verbundenen Schmerz dahinter steckt.
Jeder Mensch, auch die Menschen mit extrem starker Angst vor Nähe und Bindung, hat von Natur aus ein großes Bedürfnis und eine große Sehnsucht nach Nähe zu einem anderen Menschen. Wenn dieses Bedürfnis z.B. in der Kindheit von den entsprechenden Bezugspersonen stark zurückgewiesen wurde, vielleicht immer wieder, oder grundsätzlich durch eine Mutter, die emotional keine wirkliche Nähe zum Kind herstellen konnte (habe ich selbst z.B. erlebt, das läuft sehr subtil, nach außen nicht spürbar, man wächst ganz "normal" bürgerlich umsorgt auf), dann ist das sehr schmerzhaft und man lernt aus Selbstschutz irgendwann, sich nicht mehr ständig diesen Schmerz zu holen. Dafür muss man sein Bedürfnis nach Nähe aber aufgeben bzw. von sich abspalten. Man vermeidet nun Situationen der Nähe/Verbindlichkeit/endgültigen Liebe.
Aber weil das Bedürfnis immer noch in einem schlummert, sucht man doch und geht auch Beziehungen immer wieder bis zu einem bestimmten Grad ein.

w48
 
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  • #5
Ich kann da gerade keine konkrete Fragestellung aus deinem Post ableiten, aber ich sags mal so:

Ich zähle mich auch zu den Menschen, die sich schwer tun mit Beziehungen. Woran das liegt habe ich noch nicht rausbekommen. Hatte kein Kindheitstrauma, zwar Scheidungskind aber glaube das ist es nicht. Generell brauche ich lange, um Nähe zuzulassen.
Aber haben wirklich so viele Angst vor Liebe und Nähe? Also ich kenne in meinem Umfeld eher das Gegenteil...
Generell liegt das Problem wahrscheinlich dabei, dass man unschöne Erfahrungen gemacht hat was Zwischenmenschliches angeht. Aber bei mir war das nie der Fall, zumindest nicht in größerem Ausmaß. Ich bin lieber für mich und bin auch glücklich mit mir selbst.
 
  • #6
Warum haben so viele so viel Angst vor Liebe und Nähe ?
Weil dies immer öfter als Vorwand genommen wird, für Egoismus. Aber wer sich dafür nicht ausnutzen lässt, bekommt dann die Psycho-Taktik:"Du liebst mich nicht (genug)"
Und warum suchen sie trotzdem weiter und denken es gäbe immer noch was Besseres ?
Weil sie glauben, es wäre via Internet so einfach. (ist es aber nicht)

Es sind m.E. Leute,
- die ggf. aus der schlechten Ehe ihrer Eltern, und/oder eigene schlechte Erfahrungen lernen.
- die sich nicht so eng verpflichten wollen.
- die Angst vor zuviel Nähe und Gefühlen haben
 
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  • #7
Weil ein nicht kleiner Teil der Menschen in diesem Land sich mittlerweile derart von anderen Menschen oder den Medien beeinflussen lässt, dass sie irgendwann angefangen haben, daran zu glauben, dass es da noch was besseres gibt oder dass sie Liebe und Nähe für ein glückliches Leben nicht benötigen.

m, 34
 
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  • #8
schon oft wird in der allerersten Anfangsphase eines Kontaktes darauf hingewiesen, was man mag und was nicht. Das fängt schon beim Profil an. Eigentlich werden mehr Hürden aufgestellt als Barrieren abgebaut. Die Angst verletzt zu werden ist größer als der Wunsch sich fallen zu lassen. Nur die harten kommen in den Garten, heißt der normale, offene, ehrliche, unverbrauchte und naive gutgläubige, bleibt oftmals auf der Strecke. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.
 
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  • #9
Wenn die, sagen wir, die "Beziehungs-Andersdenkenden" die "Beziehungs-Normalos" nicht unter falschem Vorwand ran locken würden, wäre ja alles nicht so schlimm.
Ich geriet auch oft an Männer, die nur mal eben was fürs Bett wollten, aber vorher von Beziehung geredet haben, bzw. in einer SB als Beziehungssuchender angemeldet waren.
Ich kann mittlerweile nicht mehr allzu viel Nähe zulassen, aber ICH tummele mich auch nicht in einer SB. Ich mache gar nichts und lasse alles so laufen wie es ist. Das ist nur fair! W
 
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  • #10
habe ich das Buch "jein" gerade nochmal gelesen und jetzt lese ich die Posts hier und denke, dass es so viele Beziehungsphobiker gibt.
Da die meisten von uns das Buch "Jein" nicht gelesen haben und ganz sicher auch nicht so viel Aufwand betreiben wollen, nur um Deine Frage zu verstehen, wäre es vielleicht eine gute Idee, Du würdest das an einem konkreten Beispiel erläutern: wo ist jemand erkennbar beziehungsphobisch? Und was gibt Dir die Gewißheit, daß es sich nicht nur um eine Ausrede handelt?
 
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  • #11
Mir sagte meine Ex neulich, sie habe sich eingeengt gefühlt aber sie habe auch Angst gehabt, ich könnte sie verlassen. Sie hat wohl ein Problem mit Nähe, sagt von sich, dass sie kein Beziehungstyp ist, dass sie das auf Dauer nicht kann.

Irgendwie werden mit den Jahren alle ein Bisschen verrückt.
 
  • #12
Das war ich auch lange Zeit mal, aber irgendwann lief mir meine jetzige Freundin über den Weg, und ich wollte keine andere mehr :D
 
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  • #13
In Singlebörsen ist der Zweck des Kennenlernens klar, aber die wenigsten Menschen die man (nicht nur dort) kennenlernt kommen gleich als Partner in Frage - egal wie sehr man sich anstrengt, drängt und zwingt, es sich wünscht oder wie nett diese Leute sind. Wenn das beziehungsphobisch ist, ok, dann bin ich es auch.

Weil ich denke man weiß ganz genau, wenn man auf einen Menschen trifft, der ein Partner sein kann und noch mehr spürt man, wenn man verliebt ist. Ich zumindest weiß, wie sich sowas anfühlt.
 
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  • #14
Bin zwar schon nach einigen Beziehungen ziemlich lange Single und habe zugegebenermaßen lange auch keine mehr "ran" gelassen, daß hat aber nichts mit Beziehungsangst an sich zu tun, vielmehr habe ich eine erklärte Unglücklichsein- bzw. damit Lebenszeitvergeudungs-Phobie.