• #1

Partner hat Verlustängste - Besteht Hoffnung für uns?

Hallo zusammen,
ich stelle hier zum ersten Mal eine Frage. Ich bin 25 Jahre alt und habe mich vor 2 Wochen von meinem Freund (30) getrennt. Das war nicht die erste Trennung, sondern die Zweite. Trennungsgrund war derselbe. Er ist ein ganz lieber Mensch, aber leider sehr, sehr anhänglich, fast schon kontrollierend. Ich fühlte mich zunehmend eingeengt und während Corona war es noch schlimmer. Ich hatte praktisch keine Minute mehr für mich, Ich denke Liebessucht/emotionale Abhängigkeit/Verlustängste würden seinen Zustand gut beschreiben. Es ist auch sehr eindeutig, woher das Ganze kommt -> Verlust eines Elternteils + Vernachlässigung vom anderen Elternteil in der Kindheit. Ich hatte immer viel Mitleid mit seiner Situation und natürlich hab ich ihn auch wahnsinnig gerne. Daher hab ich sein "Klammern" und Jammern über die schreckliche Kindheit auch sehr lange erduldet. Er hat nie eine Therapie gemacht trotz mehrfachem Versprechen.
Als sich die jetzige Trennung angebahnt hat, hat er endlich einen Psychologen aufgesucht. Der Psychologe hat meine Vermutungen bestätigt. Allerdings wurde die Einengung noch schlimmer, da er jetzt zusätzlich sein Kindheitstrauma mit mir aufarbeiten wollte. Ich habe echt Schwierigkeiten mich abzugrenzen, da ich meinen kranken Partner ja nicht im Stich lassen will.
Ich habe immer versucht klare Grenzen zu setzen, aber sie wurden immer ignoriert, also war die Trennung mein letzter Ausweg, was sehr schlimm für mich war.
Ich bin sehr traurig, weil abgesehen von der beschriebenen Problematik sind wir sehr kompatibel und ein echt tolles Paar. Wir haben 2 Jahre zusammengelebt und ich ziehe jetzt erstmal aus. Ich hoffe natürlich, dass die Therapie etwas bringt, aber was wenn nicht? Ich bin gerade sehr ungeduldig, deshalb würde ich mich freuen Einschätzungen von anderen zu hören, die evtl. sowas schonmal erlebt haben.
Liebe Grüße :)
 
  • #2
Ich bin sehr traurig, weil abgesehen von der beschriebenen Problematik sind wir sehr kompatibel und ein echt tolles Paar.
In der zentralen Frage wart ihr eben nicht kompatibel.
Das wird nicht mehr, er muss versuchen mit der Therapie und später anderen Partnerinnen, welche sich klar abgrenzen, seine Probleme zu lösen.

Du bist jung und solltest das als gute Erfahrung für Dein Leben verarbeiten und nach Vorne sehen.
 
  • #3
Du schreibst sehr abwertend über Deinen Ex Partner. Er ist nicht krank nur weil er den Psy wegen seiner Anhänglichkeit besucht. Ich finde nur dass Du ihn im Stich lässt und hoffe dass er nicht wieder zu Dir zurückgeht. Ich empfinde Deinen Thread eher so als wenn Du das Köpfchen gestreichelt haben möchtest. Ein tolles Paar seid ihr auch nicht gewesen, denn sonst hättest Du dich viel eher um die Probleme gekümmert die euch zwei betreffen. Schade dass man immer nur die eine Seite der Geschichte lesen kann. Den Blick in Eure Zukunft kann auch keiner werfen, deswegen übe Dich in Geduld, auch wenn Du sehr ungeduldig bist.
 
  • #4
@Kirovets: Danke für deine Einschätzung zu dem Thema.

@Madita8: Ich wollte wirklich nicht abwertend sein, sondern das Problem schlüssig zusammenfassen. Ich habe immer wieder versucht das Thema anzusprechen und zu lösen. Wir haben vor einem Jahr eine Paartherapie gemacht und ich bin meinen Teil der Probleme sofort danach mit eigener Therapie und Arbeit an mir selbst angegangen. Was würdest Du mir denn stattdessen vorschlagen, was ich tun soll?
 
  • #5
Ich habe echt Schwierigkeiten mich abzugrenzen, da ich meinen kranken Partner ja nicht im Stich lassen will.
Ich habe immer versucht klare Grenzen zu setzen, aber sie wurden immer ignoriert, also war die Trennung mein letzter Ausweg, was sehr schlimm für mich war.
Auch Grenzen setzen kann man lernen. Die Trennung hast Du schon vollzogen, jetzt musst Du sie nur noch durchhalten. Also: Kontaktabbruch und ihn sein Problem lösen lassen, samt eindeutiger Kontaktsperre. Du lässt ihn nicht im Stich, Du hast sein Problem nicht verursacht. Du bist nicht schuldig oder zuständig es zu lösen. Du hast das Recht, Dich abzugrenzen.
 
  • #6
Liebe Hermine,

ich finde nicht, dass man dir vorwerfen kann, du hättest deinen Partner im Stich gelassen. Zieh dir diesen Schuh bitte nicht an. Du hast im Rahmen deiner Möglichkeiten getan, was du konntest. Damit meine ich, du hast als verständnisvolle, einfühlsame und unterstützende Partnerin wiederholt und über einen langen Zeitraum hinweg versucht, ihm zur Seite zu stehen und eine Beziehung mit ihm zu führen. Deine Möglichkeiten (und moralischen Verpflichtungen, die du fühlen magst) beinhalten aber nicht, die Rolle

- eines Elternteilersatzes
- einer Psychologin und Therapeutin
- oder einer 24-Stunden-Vollversorgerin ohne eigene Bedürfnisse

für ihn zu übernehmen.

Ich habe immer versucht klare Grenzen zu setzen, aber sie wurden immer ignoriert, also war die Trennung mein letzter Ausweg, was sehr schlimm für mich war.
Das hast du richtig gemacht. Du darfst und musst Grenzen setzen, damit du selbst nicht zu Schaden kommst. Und ebenso darfst und musst du Konsequenzen ziehen, wenn er sie wiederholt nicht respektiert und einhält.

Ich weiß aus persönlicher Erfahrung, wie wichtig das ist. Meine rote Linie in meiner ersten Beziehung (mit einem diagnostizierten Borderliner, der zu massiven Selbstverletzungen neigte) war, dass ich Selbstmordandrohungen nicht ertragen könne. Die schickte er mir aber selbst dann noch, nachdem er sich von mir getrennt hatte. Das hat mich fertig gemacht. Als ich in einer solchen Situation, in der ich mir wieder einmal größte Sorgen um ihn machte, seine Eltern informierte, fragten diese mich (selbst hilflos und überfordert), ob ich nicht wieder mit ihm zusammenkommen wollte. Er würde mich doch so sehr brauchen. Ich war damals 17.

Ich habe es Gott sei Dank geschafft, einen Schlussstrich zu ziehen und Abstand zu halten, obwohl mich lange Zeit noch Schuldgefühle quälten. Daher ist es mir wirklich ein Bedürfnis, dir klarzumachen: Du bist nicht verantwortlich für ihn und sein Lebensglück. Und deine eigene psychische Gesundheit muss immer Vorrang haben, auch und gerade, wenn du jemandem helfen möchtest.

W, 27
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #7
Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, solange dein Partner nicht unter Betreuung steht, ist er in der Lage eigenständig zu handeln. Tut er aber nicht. Warum? Weil er schon jemanden hat, der das für ihn erledigt. Solche Menschen sind zäher, als man denkt und schon aus Selbsterhaltungstrieb würde er nicht untergehen, sondern die nächste "doofe" finden. Ich gebe den anderen Foristen recht - du bist nicht in der Lage ihm zu helfen, weil du weder seine Therapeutin bist noch besitzst du psychotherapeutische Kompetenzen. Mehr noch, du handelst in gewisser Weise aus Egoismus, weil du glaubst, dass nur DU diejenige bist, die ihn retten kann oder die er zum (Über)Leben braucht. Ich kann nicht bedeutet ich will nicht. In solchen ungesunden Konstellationen gibt es immer einen sekundären Nutzen. Also setze dich in ruhiger Minute hin und frage dich ganz ehrlich, welchen Vorteil bringt dir diese Situation, so dass du sie immer noch nicht gelöst hast.
 
  • #8
Du schreibst sehr abwertend über Deinen Ex Partner. Er ist nicht krank nur weil er den Psy wegen seiner Anhänglichkeit besucht. Ich finde nur dass Du ihn im Stich lässt und hoffe dass er nicht wieder zu Dir zurückgeht. Ich empfinde Deinen Thread eher so als wenn Du das Köpfchen gestreichelt haben möchtest. Ein tolles Paar seid ihr auch nicht gewesen, denn sonst hättest Du dich viel eher um die Probleme gekümmert die euch zwei betreffen.
Liebe FS, zieh dir auf keinen Fall diesen Schuh an, wie oben schon gesagt. Diese Sichtweise kommt nur von Menschen, die selbst tiefgehende Probleme haben, die ihre Partner für sie lösen sollen. Das kann aber niemand leisten.
Du klingst sehr reflektiert und ich denke, nicht viele Leute hätten so viel Geduld mit einem extrem anhänglichen Partner. Was die Therapie bringt, wird die Zeit zeigen, aber darauf lange warten würde ich wohl nicht. Ich frage mich außerdem, ob der Wille zur Therapie jetzt nur durch die Trennung kam; vorher hat er ja nie den Anfang gemacht. Er muss es aber selbst wollen und auch einsehen, dass sein Verhalten auf Dauer für die meisten Partner schwierig wäre, selbst wenn es nachvollziehbar ist.
Ich hatte fünf Jahre eine Beziehung zu jemanden mit eher gegenteiligen Problemen (aufgrund von familiärer schlimmer Situation eher der Wunsch, sich an niemanden emotional zu binden, Mauer um sich, dazu noch jede Menge andere, auch Drogenprobleme); da habe ich auch sehr viel verziehen, Energie hineingesteckt, geholfen und mir viel gefallen lassen, bis ich am Ende wirklich ausgebrannt war. Je länger die Trennung her ist, umso deutlicher sehe ich das und kann nur darüber den Kopf schütteln, dass ich das so lange mitgemacht habe. Gerade gestern hatte ich Kontakt zu einem gemeinsamen Freund, der mir von den neuesten Problemen dieses Ex erzählt hat. Bei ihm hat sich im Leben nichts verbessert, er lebt mit jeder Freundin wieder die gleiche Art destruktive Beziehung. Daher bin ich skeptisch, ob sich so etwas selbst durch Therapie grundlegend ändern lässt. Gerade, wenn du Probleme mit Abgrenzung hast, habt ihr da sicher keine gute Dynamik.
Erst einmal würde ich den Kontakt unterbrechen, um mich selbst zu sortieren und zu überlegen, ob ich diese Beziehung überhaupt wirklich noch will. Sollte sich dann dank der Therapie etwas ändern, wird das die Zeit zeigen.
w, 37
 
  • #9
@hermine25, ehrlich gesagt kompletten Schlußstrich ziehen. Du steckt zuviel Energie in eine Beziehung die keine Zukunft hat. Alles Liebe Dir.
 
  • #10
@Kirovets: Danke für deine Einschätzung zu dem Thema.

@Madita8: Ich wollte wirklich nicht abwertend sein, sondern das Problem schlüssig zusammenfassen. Ich habe immer wieder versucht das Thema anzusprechen und zu lösen. Wir haben vor einem Jahr eine Paartherapie gemacht und ich bin meinen Teil der Probleme sofort danach mit eigener Therapie und Arbeit an mir selbst angegangen. Was würdest Du mir denn stattdessen vorschlagen, was ich tun soll?
Du musst dich wegen solcher Kommentare nicht rechtfertigen ! Die Gründe deiner Trennung sind klar und nachvollziehbar. Du bist nicht die Therapeutin deines Ex Freundes. Seine Probleme muss er selbst lösen. Auch hast Du ihn nicht im Stich gelassen. In so einer Situation musst Du Dich selbst retten, sonst gehst Du unter.
Klammer und einengen sind keine gesunden Bestandteile einer Beziehung. Du hast alles richtig gemacht! Ich würde ausziehen und abwarten. Gestalte Du dir erstmal dein Leben, das Du dir wünscht.
 
  • #11
Also hoffentlich geht er nicht zu einer Psychologin,deren Ausbildung ist in Deutschland eine mathematisch-statistische ;)

Ansonsten: Wenn du schon die Bedingung zur Therapie stellst, dann musst du ihn dabei auch begleiten.
Möchtest du das?
Wenn nicht, dann lass deine Forderungen.

Abgesehen davon: Bindungsmuster werden in der Kindheit erlernt daraus entwickeln sich innere Arbeitsmodelle die in allen weiteren Sozialbeziehungen angewandt werden.
Auch mit Therapie wird sich nicht schnell was ändern.

Letztlich kommst du mit seiner Klammerei nicht klar, also habt ihr verschiedene Nähe-Distanz-Bedürfnisse. Die kann man schwer aneinander anpassen.
Trennung?

Und ein letzter Punkt noch: Kinder unzuverlässiger und vor allem übergriffiger Eltern entwickeln idR die Fähigkeit sehr feinfühlig die Stimmung des anderen warzunehmen und dementsprechend zu handeln.
Das wird dir nicht bewusst sein, weil es ihm nicht bewusst sein wird.

Laut meinem Therapeuten bin ich zB auch hochmanipulativ, aber ich merke das nicht.
Erst durch retrospektive und ausdauernde Betrachtung kann ich sowas sehen.
Und noch eine kleine Anekdote zur Therapiedauer. Ich bin seit fast 9 Jahren in Therapie.
Es dauert also.
Zudem hat er ja keine Motivation.
 
  • #12
Danke für die vielen, lieben Antworten! Ich freue mich, dass Ihr so viel Verständnis für meine Situation habt. Ihr habt es sehr gut erkannt. Ich finde es so schlimm und bin so unendlich traurig, dass Ihr alle keine Hoffnung mehr seht. Ich hab wirklich so viel Mühen reingesteckt, weil ich das große Potential unserer Beziehung immer gesehen habe. Wie gesagt, Hobbies, Werte, Lebensvorstellungen schienen immer zu passen.

Ich fand insbesondere den Beitrag von @realwoman sehr hilfreich, weil da ein Thema angesprochen wird, was mich die letzten 2 Tage extrem umtreibt: Kontrollzwang und Helfersyndrom gehen oft Hand in Hand. Ich liebe ihn einfach immer noch und vermutlich halte ich an der ungesunden Konstellation fest, weil er eben eine sehr treue Seele ist, da kann ich sicher sein, dass er mir nicht davonläuft. Mein Vater ist davongelaufen, als ich ein kleines Baby war. Das kann sicher damit zusammenhängen. Es ist so spannend, denn als ich meinen Partner kennen gelernt habe, ist er sehr bindungsängstlich gewesen. Er ist dann mit der Zeit immer mehr in den Klammermodus umgesprungen, daher gebe ich mir auch die Schuld. Ich denke Schuldgefühle sind der zweite Grund, warum ich mich nicht lösen kann.

@alle, die schonmal in einer ähnlichen Situation waren: Seid ihr inzwischen in Beziehungen, die eine andere Dynamik haben?
 
  • #13
Gut finde ich, dass du für dich erkannt hast, dass er deine eigenen Verlustängste/ dein Kindheitstrauma nicht triggern konnte, weil er eben so anhänglich war.
Ihr habt also beide ein Thema damit.
Das ist oft bei dieser Art Beziehungen so, dass einer die Verlustängste für beide auslebt.
Ich denke, du kannst für dich eben nur deine eigenen Themen bearbeiten. Bisher hat sich ja alles um ihn und seine Themen gedreht, und du brauchtest deine eigenen nicht anschauen.
 
  • #14
Er ist dann mit der Zeit immer mehr in den Klammermodus umgesprungen, daher gebe ich mir auch die Schuld. Ich denke Schuldgefühle sind der zweite Grund, warum ich mich nicht lösen kann.
Schuldgefühle sind nicht das richtige Wort, aber ja, du "schuldest" ihm was und zwar deine echten und aufrichtigen Gefühle. Hast du ihm jemals gesagt, wie du dich wirklich fühlst? Hast du dich jemals authentisch verhalten? Du spürst einfach, dass du ihn auch in gewisser Weise für deine Zwecke benutzt hast, aber es als selbstverständlich angenommen. Merke dir dieses Gefühl und verhalte dich ab sofort authentisch und nutze andere Menschen nicht mehr aus. Wenn du dich aus dieser Bindung lösen willst, biete deinen Freund um Entschuldigung, dass du nicht aufrichtig zu ihm warst und sage ihm danke für alles, was du von ihm bekommen hast, so kannst du deine "Rechnung" begleichen und frei von "Schuld" sein.
 
  • #15
@Pfauenauge: Danke, ich wusste nicht, dass es so ist, dass einer die Ängste für beide auslebt. Es ist ebenfalls richtig, dass wir immer über seine Themen gesprochen haben. Ich hab mich selbst immer zurückgenommen, auch weil ich dachte, dass meine Themen nicht so schlimm sind und ich schon irgendwie klarkomme. Ich mache ja glücklicherweise auch eine Therapie, in der ich meine Themen aufarbeite.

@realwoman: Ich sehe es nicht so drastisch, wie du. Ich habe schon oft meine Verlustängste kommuniziert, meine Bedürfnisse geäußert und authentisch meine Gefühle gezeigt. Nur eben nicht 24/7 und das ist das Problem, denn ich nehme mich selbst immer zurück. Es stimmt außerdem, dass ich lieber über die Probleme anderer spreche, als über meine eigenen Probleme. Dennoch hast du Recht, ich merke, dass ich ihn auf eine Art ausgenutzt hab, sodass ich mich nicht mit mir selbst beschäftigen muss. Und ja, aufrichtig war ich auch nicht immer. Ich habe ihn kleiner gemacht als er ist und mich selbst größer als ich bin. Warum hat er das alles denn zugelassen und mir nie Kontra gegeben? Ich merke das alles erst jetzt, wo ich in Ruhe drüber nachdenken kann.
 
  • #16
Ich finde es immer problematisch, wenn man alles auf Kindheit zurückschieben will. Was sollen all die Kinder in der sogenannten Dritte Welt sagen? Wir haben doch alle schlechte Erfahrungen machen müssen. Spätestens als Erwachsener macht man seine Erfahrungen, die genauso schlimm und prägend sein können. Ich finde es auch nicht richtig alles, was nicht passt als krankhaft zu klassifizieren. Ihr passt einfach nicht zusammen. Er möchte eine Partnerin mit der er sein Leben gestalten kann und nich ständig alleine ist. Du brauchst eben deine Grenzen, Deine Freiräume und lässt ihn nicht an dein Leben teilhaben. Die unsichtbare und nicht greifbare Ablehnung deinerseits erzeugt bei ihm Obsession, Klammern und Konflikte.
Im Grunde müsstest du dich öffnen und ihm die Zuversicht und Vertrauen geben, die ein elementarer Bestandteil jeder Liebesbeziehung ist bzw.sein sollte.
 
  • #17
@alle, die schonmal in einer ähnlichen Situation waren: Seid ihr inzwischen in Beziehungen, die eine andere Dynamik haben?
Ja.

Ich bin zwar vorher noch durch zwei weitere, ähnlich destruktive Beziehungen gegangen und war dann jahrelang allein, aber das betrachte ich mittlerweile als schmerzhafte, aber notwendige Schritte meines persönlichen Entwicklungsprozesses. Man zieht bestimmte Menschen so lange an und fällt so lange in diesselben Verhaltensmuster zurück, bis man sein eigenes, dem zugrundeliegendes Problem durchschaut und gelöst hat. Das, wie du richtig erkannt hast, meistens in der Kindheit liegt.

Ich bin inzwischen, auch dank drei Jahren Therapie, ein ganz anderer Mensch und habe das große Glück, den für mich perfekten Mann gefunden zu haben. Mit ihm führe ich seit vier Jahren eine liebevolle, harmonische Beziehung auf Augenhöhe, die in uns beiden das Beste hervorbringt und keine Spur mehr von den alten Dynamiken trägt.

W, 27
 
  • #18
Du schreibst sehr abwertend über Deinen Ex Partner.
Finde ich nicht. Ich finde sie schreibt sehr sachlich, warum sie es beendet hat und auszieht - alles nachvollziehbar, auch dass es ihr nach mehr als 2 Jahren reicht. Er ist deutlich älter als sie, scheint sich sehr mit sich befasst zu haben, warum er ist wie er ist und er sah auch keinen Grund es zu ändern - war ja zu seinem Vorteil/seine Komfortzone und allein zulasten der FS wie es lief.
Solange sie es ihm bequem machte, auf seine Befindlichkeitsstoerungen einging lief es.
Nun möchte sie auch mal nach ihren Vorstellungen leben und das geht halt zusammen mit seinem Verharren in der Komfortzone nicht. Da endlich gequemt er sich Richtung Therapie. Jeder weiß, dass es Monate bis Jahre dauert, bis Therapie zum Erfolg führt und die Erfolgsquoten liegen ja nicht bei 109% sondern deutlich drunter.

Warum soll sie sich für so eine vage Aussicht dauerhaft einschränken lassen durch seine Eifersucht, seine Kontrollen, seine Verlustaengste - alkes seine Themen, die er schon lange hätte angehen können. Sie will ja nichts besonders Anspruchsvolles, nur die ganz normale Lebensqualität, die eine junge Frau sich an der Seite eines psychisch gesunden Mannes wünscht.

Liebe FS,
meine Nichte ist in jungen Jahren eine so ungesunde Beziehung mit einem Mann mit multipler Angststoerung eingegangen. Sie hatte ihn sogar geheiratet, um ihm die benötigte Sicherheit zu geben.
Nach 8 Jahren Beziehung, davon 5 Jahre verheiratet, hat sie aufgegeben, weil sie gesehen hat, dass sie an der Seite des emotionalen Vampiers immer unter Druck stehen wird, alles dreht sich immer um seine Probleme, von denen vieles ja nur Hirngespinste sind. Für sie und ihre Themen war nie Raum. Auch er fing eine Therapie erst nach der Trennung an.
Einem Comeback gab sie von vornherein keine Chance, weil die gemeinsame Zeit zu hart war. Seinen Rückfall wollte sie nicht erneut ausbaden müssen.
 
  • #19
Warum hat er das alles denn zugelassen und mir nie Kontra gegeben? Ich merke das alles erst jetzt, wo ich in Ruhe drüber nachdenken kann.
Weil zu jedem Spiel zwei gehören und er hat seine Vorteile aus eurer Verbindung mitgenommen. Wenn er "klein" ist, dann braucht er keine Verantwortung für sein Leben übernehmen, sondern andere "grossen" machen lassen. Es ist nicht immer toll, wenn die andere über einen bestimmen, dafür sehr bequem und praktisch. Selbstbestimmtes Leben erfordert Mut, Disziplin, Risikofreude und Durchhaltevermögen. Klingt nicht unbedingt vielversprechend, wenn jemand es einfach nett haben will.
 
  • #20
Im Grunde müsstest du dich öffnen und ihm die Zuversicht und Vertrauen geben, die ein elementarer Bestandteil jeder Liebesbeziehung ist bzw.sein sollte.
Du hörst Dich ein bisschen an, wie mein (Ex-)Partner, das ist echt interessant. Ich habe gehofft, dass Nachfragen zu Familienplanung, Heirat, gemeinsamer Umzug in neue Stadt und eben Liebe zeigen durch Geschenke, Fürsorge, Einladungen zum Urlaub, Liebesbekundungen etc. ausreichen, um zu zeigen, dass ich mich öffne. Ich habe mein Herz immer geöffnet und spüre starke Liebesgefühle (auch noch jetzt). Ich habe immer gedacht, dass es nicht bei ihm ankommt, weil er sich selbst zu wenig liebt...

@_snowwhite_ : Danke für Deinen Erfahrungsbericht! Du machst mir richtig Mut, dass es möglich sein kann aus den Mustern auszubrechen. Ich freue mich sehr für Dich, dass Du Deinen Weg gegangen bist und jetzt eine so erfüllte Beziehung hast.

@Vikky: Du sprichst mir aus der Seele, es fühlt sich wirklich so an, als wären seine Themen immer wichtiger als meine. Allerdings darf man nicht außer Acht lassen, dass ich mich auch immer auf Menschen stürze, wenn die mal ein Problem haben. Ich habe in der Beziehung das Gefühl ihn in und auswendig zu kennen und liebe ihn wirklich sehr. Allerdings habe ich das Gefühl, dass er gar nicht das Interesse/die Zeit/Energie hat mich in dem Maß kennen zu lernen, was eben sehr frustrierend ist. Ich hoffe Deiner Nichte geht es jetzt besser und Sie konnte sich gut erholen!

@realwomen: Mit Deiner Einschätzung liegst Du goldrichtig. Ich würde mich selbst als eine Person beschreiben, die ihr Leben proaktiv gestaltet, aber auch gerne mal jemanden mitzieht. Das passt für meinen (Ex-)Partner natürlich sehr gut. Ich finde eben diese Bequemlichkeit auch sehr unattraktiv, kann mir aber auch vorstellen, dass so eine "Bestimmerin" auch nicht so sexy ist.
 
  • #21
Ich habe schon oft meine Verlustängste kommuniziert, meine Bedürfnisse geäußert und authentisch meine Gefühle gezeigt. Nur eben nicht 24/7 und das ist das Problem, denn ich nehme mich selbst immer zurück. Es stimmt außerdem, dass ich lieber über die Probleme anderer spreche, als über meine eigenen Probleme. Dennoch hast du Recht, ich merke, dass ich ihn auf eine Art ausgenutzt hab, sodass ich mich nicht mit mir selbst beschäftigen muss. Und ja, aufrichtig war ich auch nicht immer. Ich habe ihn kleiner gemacht als er ist und mich selbst größer als ich bin. Warum hat er das alles denn zugelassen und mir nie Kontra gegeben? Ich merke das alles erst jetzt, wo ich in Ruhe drüber nachdenken kann.
Nur als Gedanke - Du hast Deine Geschichte, er seine.
Es gibt Gründe aus Euren Geschichten, warum ihr zueinander gefunden habt.

Du solltest Dich fragen liebst Du ihn.
Wenn ja, wäre es es vielleicht wert, einen Versuch zu wagen.
Ihr macht beide Eure Therapie, ggf. mit einigen Paarstunden ergänzt.
Ihr verabredet aber für Euer Privatleben ein Stopp - jede*r darf Stopp sagen, wenn die Therapiethemen zu viel sind, ihr könnt nicht gegenseitig Eure CoTherapeuten werden. Vielleicht vereinbart ihr Zeiten, wo ihr darüber miteinander reden könnt - und ansonsten andere Themen.
Macht parallel bewusst schöne Paaraktionen UND bewusst jede*r für sich was.

Geduld wird es für Beide brauchen. Therapie kann dauern, je nach Art der Therapie, und den Hintergrund - ich habe etwa 3 Jahre gebraucht, aber da war en auch ein paar größere Klopse dabei.

Auf Deine Frage - Ja, man kann alte Muster auflösen, und man kann Partnerschaften dann anders führen.
Für mich war Therapie akternativlos, die Geduld musste ich lernen.
Denk - und Verhaltensmuster, das eigene Selbstbild überarbeiten, einen gesunden Bezug zu sich selbst bekommen, bedeutet nicht nur intensive Therapie sondern auch viel Eigenarbeit.

Ob es bei Euch klappen kann?
Vielleicht. Gib Euch eine befristete Chance?
Was verlierst Du?
Einen Menschen, für den Du Gefühle hast?

W, 51
 
  • #22
Ich glaube, dein Problem ist dein Mitleid. Ich war auch mal so und hab dadurch in jungen Jahren permanent Verständnis für jeden Mist gehabt, den der jeweilige Partner angestellt hat. Schlechte Kindheit und so. Dabei haben die meisten nicht ansatzweise eine solche Kindheit wie ich gehabt, und haben trotzdem antisoziale Verhaltensweisen entwickelt. Ich wollte früher auch immer Therapeutin, Sozialarbeiterin, Partnerin, Mutti und was weiß ich noch alles sein, für die Typen.
Sowas gewöhnt man sich mit steigendem Alter ab, wenn man gelernt hat, sich abzugrenzen, Selbstwertgefühl zu entwickeln und darauf zu schauen, was man eigentlich von einer Beziehung erwartet. Man lernt sachlicher und pragmatischer zu denken und macht eher - so kalt es klingt - eine Kosten-Nutzen-Rechnung auf. Eine Beziehung soll dein tolles und zufriedenes Leben bereichern, ergänzen, und das Sahnehäubchen aufsetzen. Wenn sie das nicht tut, dann ist es nix. Lass dir da bloß keine Schuldgefühle einreden. Immer schön bei dir selbst und deinen Bedürfnissen bleiben. Das täte vielen Menschen gut.
 
  • #23
Du hörst Dich ein bisschen an, wie mein (Ex-)Partner, das ist echt interessant. Ich habe gehofft, dass Nachfragen zu Familienplanung, Heirat, gemeinsamer Umzug in neue Stadt und eben Liebe zeigen durch Geschenke, Fürsorge, Einladungen zum Urlaub, Liebesbekundungen etc. ausreichen, um zu zeigen, dass ich mich öffne. Ich habe mein Herz immer geöffnet und spüre starke Liebesgefühle (auch noch jetzt). Ich habe immer gedacht, dass es nicht bei ihm ankommt, weil er sich selbst zu wenig liebt...
Zugegeben, es hört sich alles vielversprechend an. Aber du hast auch in deiner früheren Posts erwähnt, dass du ihn schlecht behandelt hast, ihn immer klein gemacht hast etc. Es hört sich für mich so an, als ob er irgendwie“Marktwerttechnisch“ höher, besser, war als du und um ihn zu behalten, müsste er klein gemacht und klein gehalten werden. Aber das ist alles auch reine Spekulation. Vielleicht beschreibst du uns mit einem Beispiel seine Verlustangst in einem konkreten Fall, damit wir dich besser verstehen können.
 
  • #24
Zu deinem Mitleidsempfinden noch ein Gedankenimpuls.

In dem du deinen Partner bemitleidest siehst du ihn als defizitären unselbständigen Menschen, wohingegen du ihn der überlegenen Position bist Mitleid empfinden zu können, da du ja die funktionale Starke von euch beiden bist.

Das bedingt eine Machtasymetrie.
Du hast also keine gleichwertige Partnerschaft (gehabt).
 
  • #25
Ich habe in der Beziehung das Gefühl ihn in und auswendig zu kennen und liebe ihn wirklich sehr...... Allerdings habe ich das Gefühl, dass er gar nicht das Interesse/die Zeit/Energie hat mich in dem Maß kennen zu lernen, was eben sehr frustrierend ist.
So ist das, wenn der andere zu sehr auf sich und seine Probleme fokussiert ist. Dann kann er den Partner nicht ausreichend wahrnehmen und wertschätzen. Das führt auf Dauer zu Unwohlsein in der Beziehung.
Man kan sehr lieben und trotzdem geht keine Partnerschaft zusammen. Insbesonder von Therapien kann man keinen Knalleffekt erwarten sondern über Jahrzehnte falsches soziales Lernen muss sukzessive umgebaut werden. Das dauert.



Allerdings darf man nicht außer Acht lassen, dass ich mich auch immer auf Menschen stürze, wenn die mal ein Problem haben.
Lass das sein. Daraus kommen nur Beziehungen/Freundschaften/Bekanntschaften mit Ungleichgewicht. Wertschätzung erntest Du dafür nicht.

Wenn Dir an Unterstützung von Menschen in Not grundsätzlich gelegen ist, dann soltest Du gründlich beleuchten, ob das nur gesunde Anteile sind oder auch ungesunde Anteile hat (ob Du das "Überlegenheitsgefühl" brauchst und warum eigentlich).
Wenn es nur gesunde Anteile hat, dann kümmere dich um ein ehrenamtliches Engagement, wo Deine Hilfe gebraucht und gern angenommen wird und wodurch Du kein Ungleichgewicht in persönlichen Beziehungen schaffst.
Mach Dich nicht zum Sozialarbeiter in Deinem persönlichen Umfeld, sonst hast Du irgendwann keine erfreulichen Kontakte mehr, nur noch Energievampire.

Ich hoffe Deiner Nichte geht es jetzt besser und Sie konnte sich gut erholen!
Ja, Sie hat das mit Lernerfolg hinter sich gelassen und ist insgesamt aufmerksamer geworden, was ihr an Sozialkontakten gut tut und was nicht.
Sie ist nun in einer Beziehung mit einem netten Mann, wieder mit Ungleichgewicht, aber eben nicht mehr krankhaft. Ich weiß, warum sie das "Kümmern" braucht und ich sehe, wie der Mann sich gegen diese "Übergriffigkeit" abzugrenzen weiß. Er ist zwar kein Superperformer, aber auch kein hilfsbedürftiger Sozialfall.
 
  • #26
Liebe Fs,

ich möchte Dir 2 Gedanken mitgeben.

Bindung läuft nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip. Sollte er ein größeres Problem mit Bindungen haben, hast Du recht wahrscheinlich hier auch ein Thema.

Helfersyndrom ist in USA/GB eine Diagnose aus dem Bereich der Depression.
 
  • #27
Genau, Helfersyndrom und Co- Abhängigkeit hängen oft zusammen.
Was wird aus einer Beziehung, wenn der andere einen nicht mehr "braucht", sondern selber laufen kann, frei ist?
Womit nicht gemeint ist, das man sich nicht gegenseitig hilft und unterstützt in einer Beziehung.
Schau mal in " Wenn Frauen zu sehr lieben rein".
 
  • #28
@Madita8: Wir haben vor einem Jahr eine Paartherapie gemacht und ich bin meinen Teil der Probleme sofort danach mit eigener Therapie und Arbeit an mir selbst angegangen.
Ihr hattet schon 1 Jahr lang eine Paartherapie und wie war das Ergebnis, die Prognose und die Einschätzung des Therapeuten zu Eurer Beziehung?
Die sprichst davon, dass die Trennung für dich absehbar war und du auch keine Rücksicht mehr auf deinen Partner nehmen konntest, eben weil du dich immer zurückgenommen und ihm viel Raum gegeben hast. Du schriebst auch Du stürzt Dich auf Personen mit Problemen, um diesen zu Helfen. Also er hat seine schlimme Kindheit und dadurch anfangs Vertrauensprobleme, die hast Du bearbeitet, bis es gekippt ist und Du ihm mit seinen Problemen Zuviel Raum und Verständnis, sogar Mitleid gegeben hast. Ihr habt so zu Anfangs eure Beziehung auf seine Probleme aufgebaut. Nach einem Jahr beginnt es dich zu nerven, weil es kein Fortschritt kommt, keine Heilung seiner Kindheit, er hat Vertrauen in Dich und fordert jetzt deine Aufmerksamkeit, die Du ihm zuvor geschenkt hast, nur jetzt nervt Dich alles und hier kommt genau der Punkt, wie @Lavieestbelle, Post #17 schreibt, der eine merkt, dass der andere ausbrechen und gehen will - Du schriebst ja selbst davon, dass er zuvor schon eine Trennung von deiner Seite gab - und der andere fängt dadurch an zu klammern und kontrollieren, weil er Dich nicht verlieren will, nun hat er schon einmal Vertrauen gefasst und nun verliert er seine geliebte Bezugsperson, nämlich Dich, wie damals seinen Elternteil. Das will er nicht wiederholen, Dich eben nicht verlieren, also umklammert er Dich mehr und Du erstickst.
Du hast deinen Problemfall gefunden gehabt und diesen soweit bearbeitet und entwickelt, dass er sein Problem jetzt professionell angeht und daran in der Psychotherapie bearbeitet, für Dich ist keine Aufgabe mehr, was noch zu erfüllen wäre. Auch wenn Du ihm wieder Vertrauen schenkst, löst dies nicht seine Verlustangst mehr auf. Er muss den Weg der Therapie allein beschreiten, ob er durchhält, ob der sich ändert, ob er seine Verhalten begreift, ob er sich ändert, keine Ahnung, nur so wie er aktuell ist, passt er nicht mehr zu Dir und wie er zukünftig sein könnte oder sein würde, wie Du Dir vorstellst, könnte genauso für Euch als unpassend erweisen.
 
  • #29
Hallo zusammen, ich melde mich nochmal.
@Lionne69 : Danke, für deine ermutigenden Worte. Ja, ich liebe ihn. Ich werde jetzt aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen und mich erstmal auf mich konzentrieren. Wir werden versuchen eingeschränkten Kontakt zu halten und dann wird hoffentlich die Zeit zeigen, ob wir wieder zusammenfinden. Ich muss einfach dem Universum vertrauen :)
Schau mal in " Wenn Frauen zu sehr lieben rein".
Das Buch hab ich diese Woche erst gelesen. Ich denke, dass die beschriebenen Sachverhalte schon auf mich zutreffen, allerdings ist es bei mir bei weitem nicht so drastisch. Ich denke tatsächlich, dass ich auch mal abhängig/liebessüchtig war. Allerdings ist das heute anders, ich bin sehr viel unabhängiger geworden und kann mir auch ein Leben ohne Beziehung gut vorstellen.
Vielleicht beschreibst du uns mit einem Beispiel seine Verlustangst in einem konkreten Fall, damit wir dich besser verstehen können.
Als wir über Zukunftspläne gesprochen haben, kam von ihm der Satz: "Ich vertraue dir nicht, du wirst mich sowieso verlassen." Das hat mich wirklich sehr getroffen, denn ich dachte, wir hätten die Probleme hinter uns gelassen. Dieser Ausspruch hat einen riesigen Streit provoziert und meine Welt ist völlig zusammengebrochen. Wir sind 4 Jahre zusammen, leben davon 2 Jahre zusammen.
Man kan sehr lieben und trotzdem geht keine Partnerschaft zusammen.
Das stimmt mich wirklich sehr traurig, aber ich habe schon oft gehört, dass einfach 2 dazu gehören und es halt nichts bringt, wenn einer die gesamte Beziehungsarbeit macht. Mein Partner ist auch kein Lowperformer, er steht beruflich, hobbiemäßig etc. sehr fest im Leben und ist wirklich sehr intelligent und erfolgreich.
@ alle: Also ich glaube tatsächlich, dass mein Helfersyndrom nicht so stark ausgeprägt ist, wie ihr das jetzt versteht. Ich verfüge durchaus über einen gesunden Egoismus. Es passiert mir nur immer wieder, dass Menschen mir ihre Probleme erzählen. Teilweise auch Fremde in der Bahn. Das nervt, aber ich möchte die Menschen ja dann auch nicht so abwimmeln. Ich denke Abgrenzung ist eher mein Problem. In meiner Familie gab es viele Fälle von psychischen Problemen, daher hab ich halt immer ein offenes Ohr dafür, das wurde mir auch so "anerzogen". Ich möchte mich aber echt mehr davon loslösen. In den letzten Jahren habe ich mich auch entwickelt. Meine engen Freunde auch alle selbstbewusst und sind mir auch immer eine Stütze, wenn ich mal ein Problem hab. Ich habe mich über die Jahre eben stark entwickelt und mein(Ex-)Partner konnte da vielleicht nicht nachziehen...
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #30
@Andere Frau :
Danke für deine Einschätzung, Wir sind nur zu ein paar Sitzungen gegangen, als letztes Jahr die Trennung war. Damals war der Grund ebenfalls klammern und den Streit nicht ruhen lassen können. Ich brauche nach einer einstündigen Diskussion einfach ein paar Minuten Ruhe /Rückzug bis ich zur Normalität übergehen kann. Er will direkt hören, dass alles wieder gut ist und kann den Konflikt gar nicht ertragen. Der Therapeut hat uns eine rosige Zukunft prophezeit, da wir ja jetzt unsere Streitmechanismen kennen. Allerdings hat uns nie jemand erklärt, wie man die Streit-Abwärtsspirale verhindern kann. Ich sollte ihm mehr das Gefühl von Vertrauen geben, das hab ich ein Jahr versucht so gut ich konnte (s.o.) Für ihn gab es keine Tipps. Wir haben uns dann beide nicht mehr drum gekümmert, weil die Beziehung ja dann gut weiterlief. Naja, aber wirklich geändert hat sich eben dadurch nichts.
Es ist richtig, dass wir die Beziehung auf seinen Problemen aufgebaut haben, weil es eben von Anfang an viel um seine Themen ging, Auch ist es richtig, dass das Verhältnis gekippt ist und er dann sehr geklammert hat. Ich wollte allerdings nicht aus der Beziehung ausbrechen, sondern nur mehr Freiräume wegen des Klammerns. Eben halt mal alleine spazieren gehen oder ein Wochenende wegfahren, ohne gleich miesepetrige Blicke zu ernten.
Du hast deinen Problemfall gefunden gehabt und diesen soweit bearbeitet und entwickelt, dass er sein Problem jetzt professionell angeht und daran in der Psychotherapie bearbeitet, für Dich ist keine Aufgabe mehr, was noch zu erfüllen wäre.
Das sind sehr harte und wahre Worte. Ich hab ihn mir aber nicht als Problemfall gesucht. Die ganzen Probleme kamen erst raus, als ich schon tief in der Beziehung drinsteckte. Er ist selbst nicht besonders gut in Kontakt mit seinen Gefühlen. Ich hab halt aufgrund rosaroter Brille alle Probleme übersehen. Ich möchte auch weiter keine Aufgabe mehr erfüllen, sondern endlich mit ihm die Beziehung führen, die ich mir so sehr gewünscht habe und deren Potential auch immer wieder zu sehen ist.