• #31
Interessanter alter Thread, der mich kolossal an einen Mitschreiber hier erinnert.

Ich denke auch, dass es nicht nur ein Kommunikationsproblem ist, sondern eine Riesenwurzel der Erfahrungen der Vergangenheit mit dranhängt. Beim Mann, dem FS, dass er seine Kompetenz ständig in Frage gestellt sieht von anderen, insbesondere Frauen, und der Meinung ist, man müsse ihm - egal, welche eigene Vergangenheit mit schlechten Erfahrungen man hat - sofort vertrauen, dass er das Richtige für einen tun will, weil er meint, man sähe es ihm an und beleidigt ist, wenn nicht. Er will Vertrauen geschenkt kriegen und hat keinen Sinn dafür, dass das auch mit dem jeweiligen Menschen zu tun hat, dessen Vertrauen schon geschädigt wurde, und nicht nur mit ihm. Bei der Frau denke ich, dass sie ganz oft übergangen wurde von anderen und man keine Rücksicht auf sie nahm. Deswegen hat sie gleich Angst, dass mal wieder eine Situation kommt, wo das, was sie will und tut, ignoriert wird.

Diese Missverständnisse kommen in Beziehungen gar nicht so selten vor. Es handelt sich mMn um ein Kommunikationsdefizit. Bei langen Beziehungen kann das aus negativen Erfahrungen herrühren
Ich hätte eher gesagt, bei langen Beziehungen kommt sowas nicht mehr vor, WENN man weiß, dass man Vertrauen haben kann und sich auf den anderen verlassen kann. Setzt natürlich voraus, dass man auch mal über sein eigenes eingeschliffenes Nicht-Vertrauen-Programm nachdenkt und sich den anderen mal genau ansieht, wie der tickt.

letztlich ist es aber Unterstellung statt Vertrauensvorschuss
stimmt, aber Vertrauensvorschuss ist wohl schon sehr, sehr oft enttäuscht worden. Ich denke, insbesondere, wenn Kindheitserfahrungen so geprägt wurden, ist es ein ganzes Stück Arbeit, das zu "überschreiben".
Mir ist es auch schon im Freundeskreis passiert [...] Seine patzige Antwort
Hehe, sowas ist mir auch schon passiert, manchmal sind die Leute auch einfach nur schon wegen was anderem "geladen", dass sie so giftig reagieren.
Wenn einer nicht ein bisschen großzügig und wohlwollend zuhören und reagieren kann und mit Riesenminderwertigkeitsgefühlen rumrennt, dann wird alles unter dieser Voraussetzung interpretiert. Deine Frage kann man zwar durchaus als verbale Spitze sehen, dass er immer in Jeans rumrennt, aber es gibt ja auch ne andere Möglichkeit.

Wenn mir sowas passiert, sage ich das Nette, was Du hier auch gemeint hast, trotzdem noch. Also ich fühle mich durch so eine giftige Antwort nicht kritisiert. Falls mir jemand was sagt, bei dem ich denke, das KÖNNTE eine Spitze sein, und ich nicht verstehe, warum derjenige jetzt so mit mir redet, frage ich nach. Wenn ich denjenigen kenne und weiß, dass er Spitzen schmeißt, gräme ich mich mittlerweile nicht mehr drüber, sondern denke, dass er gerade sauer über irgendwas ist oder neidisch.
 
  • #32
Er unterstellte, dass ich die Identität eines Menschen an seinen (Szene-)Klamotten festmache, völlig daneben, eine reine Unterstellung.
Das Unterstellen von Absichten greift leider immer mehr um sich und liegt wahrscheinlich daran, daß schlechte Erfahrungen heute viel breiter kommuniziert werden als früher. Am schlimmsten sind die Menschen dran, die gar nicht wissen oder erkennen, was ihnen konkret unterstellt wird: im Beruf, in der Partnerschaft, beim Kennenlernen, in der Freizeit, eigentlich überall. Eine Frau abends bis vor die Haustür begleiten war früher eine nette, wohlwollend aufgenommene Geste, heute wird sie als Drängen auf vorschnellen Sex verstanden. Ja, du lieber Himmel. Manchmal überlege ich mir, ob man solche Leute nicht einfach ihrem schrägen Glauben überlassen und den Kontakt abbrechen sollte, aber damit würde man das Unterstellte ja sogar noch bestätigen („er wollte gleich mit mir ins Bett, aber ich habe ihn abblitzen lassen, woraufhin er beleidigt abgezogen ist”).
 
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