• #1

Loslassen - Diskrepanz zwischen Kopf und Herz

Liebe Alle,

mir faellt es grad sehr schwer, mich gedanklich von meinem Exfreund zu loesen.
Ich war 1,5 Jahre mit ihm zusammen (er ue30, einige Jahre aelter, fuer ihn erste laengere Beziehung, hatte vorher nur Affaeren und kurze Geschichten) und er hat vor zwei Monaten Schluss gemacht. Es war ein staendiges Auf und Ab, er hat schon im Februar mal Schluss gemacht, am Tag danach ist er sofort zurueckgerudert. Dann wollte er eine Pause weil er sich unsicher war, wollte es schlussendlich nochmal versuchen, ein paar Tage spaeter ging es dann doch nicht mehr und es war endgueltig Schluss.

Im Nachhinein sehe ich, dass das keine Beziehung war, die mir gut getan hat. Ich hatte staendig das Gefuehl, am kuerzeren Hebel zu sitzen, wurde nie satt, blieb immer hungrig. Jedes Mal, wenn wir uns naeher waren bzw. es gut lief, zog er sich wieder zurueck. Er begruendete die Trennung damit, dass er permanent Zweifel hat(te), Angst, sich unwohl fuehlt, Druck verspuert usw. Meinem Selbstbewusstsein und meinem Selbstwertgefuehl sind gerade im tiefsten Keller, ich fuehle mich furchtbar. So eine Beziehung moechte ich eigentlich nicht haben. Dennoch faellt es mir schwer, loszulassen, es gab ja auch schoene Seiten - es war nie langweilig, immer interessant und abwechslungsreich, wir haben sehr viel miteinander unternommen, gemeinsame Interessen, gelacht, ueber Gott und die Welt diskutiert. Ich denke immer noch permanent an meinen Ex, traeume von ihm und das, obwohl ich mich fragen, warum ich ueberhaupt so lange mit ihm zuammen war (Sex war auch nur ok, habe ihn nicht so gerne gekuesst). Wie kann ich das, was ich rational alles weiss denn auch gefuehlsmaessig umsetzen, und mich von ihm loesen anstatt auf Biegen und Brechen an ihm zu haengen?
 
  • #2
Er begruendete die Trennung damit, dass er permanent Zweifel hat(te), Angst, sich unwohl fuehlt, Druck verspuert usw.
Hm. Das klingt so, als wärst Du für ihn der "Ernst des Lebens" gewesen, den er als Buhmann in seinem Kopf hat. Weil dieses Hin und Her so aussieht, meine ich. Wenn man klar weiß, was los ist, dann weiß man: Ich will eine Beziehung oder ich will keine Beziehung. Aber man nimmt sich nicht eine Partnerin, die unbedingt eine Beziehung will, und hält sie dann auf Abstand. Soll heißen, er hat für mich ein Problem mit seiner Gefühlswelt und dem Entscheiden, Single oder in einer Partnerschaft zu sein.
Vielleicht konntest Du sehen, was es sein könnte, wenn er bereit wäre, vielleicht hast Du Dir auch nur was vorgemacht, also in ihm was gesehen, das er gar nicht ist. Auf jeden Fall geht eine Beziehung mit ihm, so wie er JETZT ist, nicht. Du warst ja auch nicht glücklich.
Also nimm doch Dein persönliches Glück als oberste Priorität für die Richtigkeit der Entscheidung und nimm Dir Zeit, um darum zu trauern, dass dieser schöne Traum zerplatzt ist. Ich finde, das muss man, weil es nunmal so ist, dass manche Menschen ihre ideale Vorstellung lieben und mit der Realität Schwierigkeiten haben. Bevor sie die akzeptieren können, müssen sie halt traurig sein.

Ich finde es auch normal, dass Du das nicht in zwei Monaten abhakst, dass er Schluss gemacht hat. Scheint ja doch eine tiefe Verbindung für Dich gewesen zu sein, und meiner Ansicht nach ist es das dann auch für den anderen, so es keine Projektion auf eine perfekte Partneroberfläche von Dir ist. Aber das kann er ablehnen, wenn er Angst davor hat. Vielleicht bist Du vertrauter mit solcher emotionalen Verbindung während er Angst hat, aufgesogen zu werden. Ob einer den Mut hat, sich dieser Angst zu stellen, muss er allein wissen. Du brauchst halt einen Mutigen oder einen, der so ist wie Du, in der Hinsicht.

Außerdem - wenn der Sex nicht aufregend war, ist das, was eigentlich ein Vergnügen und Genuss sein sollte, ja nicht mal für Dich gegeben gewesen. (ich spekuliere jetzt einfach mal weiter auf der Gefühlsebene: Er konnte sich nicht hingeben. Gut küssen bedeutet, dass man die Kontrolle bzgl. Gefühlen abgibt, und genau das scheint er ja zu befürchten und zu verhindern.)

Vielleicht irre ich mich auch. Jedenfalls musst Du Dir Zeit geben, denn wenn es Dich berührt hat, sind 2 Monate in meiner Welt gar nichts.
 
  • #3
Indem du dir als erstes eingestehst, daß du das Drama brauchst, um dich lebendig zu fühlen.
Im nächsten Schritt lernst du, wirklich zu leben, ohne daß es mit Drama verbunden sein muß.
Dann ist das Loslassen ganz einfach.
 
  • #4
Diese leidvolle Erfahrung habe ich in meiner Jugend auch gemacht. Die Einzige, die mir wirklich helfen konnte, war ich selber. Ich habe als erste Hilfemaßnahme die schlimmen Momente aufgeschrieben, damit ich sie nicht zugunsten der schönen vergesse, was ja allzu leicht passieren kann. Mir wurde mehr und mehr klar, daß er ein Feigling ist. Mir wurde aber auch klar, daß ich ihm viel zu viele Gelegenheiten gegeben habe, mir etwas vorzumachen und unfreundlich zu mir zu sein. Diese Erkenntnis hat meine Selbstwahrnehmung geschult. Es lohnt sich, hierin in Übung zu bleiben!

Ich habe mich gezwungen, das Maximum aus der Sache zu lernen und mir selber gut zu tun, indem ich mich nicht verkrochen habe und auch alleine etwas unternommen habe. In der Erinnerung daran zählt das Erlebnis und nicht ob man alleine war. Der Mut, es alleine verwirklicht zu haben, tut gut.

Das, was ich hier geschrieben habe, hilft wirklich langfristig. Es wird leichter, mit Mißerfolgen, die auch zum Leben dazugehören, fertig zu werden. Nur wer mit sich selber in Einklang sein kann, kann es auch mit anderen sein. Es bleibt eine lebenslange Übung, um die niemand herumkommt.

Wenn es zu schwer wird, hol´ Dir Hilfe, von Freunden, von Verwandten, von gut ausgebildeten, Dir sympathischen Beratern. Toi, toi, toi!!!!
 
  • #5
Liebe FS,

verlange nicht zu viel von Dir.
Auch wenn man so gerne will, dass es aufhört.
Es gibt leider kein Medikament gegen Liebeskummer.
Wie traurig es ist, es zeigt doch dass Du zu den liebesfähigen Menschen gehörst.

Liebeskummer hat seine bestimmten Phasen ( kann man googlen) ,mit dem Akzeptieren und auch das Negative sehen, bist Du schon mal auf einem tollen Weg.

Ich habe mir geholfen in dem ich so viel Ablenkung wie möglich hatte.
Es gibt nichts besseres als Freunde.
Alleine mit mir wäre beim Sport, beim Renovieren etc immer die zweite Liebeskummerplatte aktiv gewesen.

Mit Freundinnen feiern ( nicht über Probleme reden) , zusammen Wände streichen, Sport etc
Und Hund leihen.

Und stolz sein über jede Minute, die man weniger daran gedacht hat.
 
  • #6
Immer da, wo ein Mangel herrscht (e), da werden die Emotionen obsessiv. Ein ständiges Ausgehungertsein lässt die Emotionen in ungeahnte Höhen ansteigen. Und genauso ist es bei Dir liebe Fragestellerin. Der ständige Mangel hat Deine Gefühle ziemlich gepusht. Diese Mechanismen benutzen die Pick-Up-Player. Füttern eine Frau an und stellen sie gleich wieder kalt um ihr ein wenig später wieder ein paar Brocken hinzuwerfen.

Dein Ex hat das gleiche mit Dir gemacht. Vielleicht unbewusst, aber sehr wirksam. Das muß man sich vergegenwärtigen. Vielleicht hilft Dir diese Erkenntnis. Viel Glück.
 
  • #7
Danke fuer eure Rueckmeldungen und eure vielen Tipps, habe mir alles gut durchgelesen und es waren sehr hilfreiche Sachen dabei.

Vielleicht bist Du vertrauter mit solcher emotionalen Verbindung während er Angst hat, aufgesogen zu werden. Ob einer den Mut hat, sich dieser Angst zu stellen, muss er allein wissen. Du brauchst halt einen Mutigen oder einen, der so ist wie Du, in der Hinsicht.
Das klingt ein wenig so, als waere mein Anliegen, eine emotionale Verbindung zu haben, speziell. Ist das denn nicht das A und O, die Grundlage jeder Partnerschaft, die Voraussetzung, dass es ueberhaupt funktioniert?

Indem du dir als erstes eingestehst, daß du das Drama brauchst, um dich lebendig zu fühlen.
Im nächsten Schritt lernst du, wirklich zu leben, ohne daß es mit Drama verbunden sein muß.
Dann ist das Loslassen ganz einfach.
Hm, ich glaub darueber muss ich erstmal nachdenken. Ich glaube, du hast da schon sehr ins Schwarze getroffen. Wenn ich Zuneigung, Liebe usw. 'einfach kriege', von irgendwem, hat es tatsaechlich keinen Wert fuer mich. Furchtbar! Wenn ich dagegen einen komplizierten Menschen der Probleme hat, sich wirklich auf jemanden einlassen zu koennen, dazu bringen koennte, mich zu lieben - dann, ja dann waere das eine tolle Liebe, eine tolle Leistung und nur dann etwas wert. Schwer verdient, hart erkaempft und ganz besonders, damit waere dann ja automatisch ich ganz besonders. Und unsere Verbindung ganz besonders... Wird mir gerade bewusst. Hab auch in meiner Familie das Bild erlebt, dass man sich Zuneigung, Naehe, Liebe nie sicher sein kann, die Frau muss ganz viel aufopfern, aushalten, leiden, Verstaendnis haben, dulden und zurueckstecken, waehrend der Mann staendig auf dem Sprung ist.
So waren meine Beziehungen tatsaechlich auch.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #8
Liebe FS,
ich habe dieses Gefühl selbst letztes Jahr erlebt und es ist ein unschönes Gefühl. Man selbst weiß, dass die Beziehung nicht erfüllend war, aber man kann auch nicht loslassen, weil es auch schöne Momente gab.

Ich finde Sätze wie "sei froh, dass du ihn los bist" einfach furchtbar, den jeder hat seinen Grund, warum er so gefühlt hat. Das können Außenstehende nie beurteilen.

Mir hat eine Sache sehr geholfen. Stell dir vor, du würdest ein Jahr zurückrudern und dir die Frage stellen, ob du an diesem Punkt in deinem Leben noch einmal stehen möchtest. Ob du das Erlebte mit dieser Person noch einmal durchmachen würdest und ob du bereit wärst, wieder unglücklich zu sein.

Wenn du diese Frage mit "nein" beantworten kannst, bist du einen sehr großen Schritt in Richtung -Loslassen- weiter.
 
  • #9
Das klingt ein wenig so, als waere mein Anliegen, eine emotionale Verbindung zu haben, speziell. Ist das denn nicht das A und O, die Grundlage jeder Partnerschaft, die Voraussetzung, dass es ueberhaupt funktioniert?
Für mich ja, aber das braucht nicht jeder und in Deinem Fall KANN der Mann das nicht. Die Bindungsängstlichen vermeiden gerade das, weil sie es als Abhängigkeit empfinden, mit der sie nicht umgehen können, aber es zieht sie immer wieder zu solchen Menschen, weil es ein Entwicklungspunkt ihrer Persönlichkeit ist.
Du kannst auch nicht davon ausgehen, dass jemand, dem Du begegnest, so tickt wie Du. Wir haben hier auch einen anderen Thread, wo Klänge sind wie "sowas macht man" oder "sowas macht man nicht". Manche Menschen halten sich eben nicht dran und dann kann man sich zehnmal darüber beklagen, dass sie nicht die gleichen Werte wie man selbst haben.

Die Frage ist ja auch, warum Du Dir diesen Mann ausgesucht hast, und anscheinend bist Du dem dank Lily321 auf der Spur.

Dann hast Du auch diese "zwei Seelen", die eine will eine schöne Partnerschaft, die andere das Drama. Wenn sich der Typ Mann nicht ändert, auf den Du stehst, wirst Du vermutlich immer Herzschmerz haben. Vielleicht ist es auch eine Frage der Reife - wenn Du Dich durchschaut hast und merkst, dass das, was jetzt Drama ist, einfach eine entwickeltere Form der Energie wird, die Du in einer Beziehung spüren willst, dann erkennst Du auch den Mann, der genauso viel emotionale Verbindung will in einer Beziehung, aber keine Angst mehr davor hat wie noch in der unentwickelten Form.

Vielleicht ist es auch bei Dir Beziehungsvermeidungsverhalten, dass Du Dir Männer aussuchst, mit denen es Probleme gibt und nicht wirklich ernst wird mit dem banalen Alltag, der zwangsläufig aufkommt in einer Beziehung?
 
  • #10
Hallo Gaestin,

das wird dir wahrscheinlich nicht viel bringen, außer Verständnis:

Ich fühle mich gerade 100% wie du! Es ist verrückt, wie allein man sich mit seinen Gefühlen fühlt - unverstanden, aber wenn ich deinen Eintrag lese, beschreibst du einfach haargenau meinen Zustand. Mein Freund war manchmal total doof zu mir und dann wieder der liebste Mensch den es geben kann. Trotzdem verteidige ich ihn immer noch und kann nur an die schönen Dinge denken. :( Von Abschluss keine Spur, da ist nur Hoffnung, dass es doch wieder funktionieren könnte..

Wäre ich in deiner Lage, würde ich mich fragen, warum dein Freund sich so unwohl gefühlt hat.. Vielleicht gibt es da einen bestimmten Grund den man beheben kann.
Aber wenn du sagst, die Küsse waren nicht so gut, dann würde ich es vielleicht nicht mehr probieren mit ihm. Klingt banal, aber das ist doch trotzdem eines der wichtigsten Dinge.

Ich wünsche dir (und mir), dass es uns bald wieder gut geht und wir den perfekten Traumprinzen finden!

Wäre die Liebe bloß einfacher! :)