• #1

Leidet sie unter einem Helfersyndrom?

Eine Freundin von mir aus Kindertagen wirkt nach außen stark und selbstbewusst. Aber sie hat das dringende Bedürfnis, sich mehr um die Bedürfnisse anderer zu kümmern als um ihre eigenen und ist in Sachen Männergeschichten vom Pech verfolgt. Was denken Sie anhand ihrer Erlebnisse - hat sie ein Helfersyndrom? Ich denke: eindeutig ja! Sie wünscht sich jedoch eine Beziehung auf Augenhöhe.

Kennen Sie auch Menschen, die so ticken?Woher kommt dieses Verhalten und wie kann man helfen?


Ihr Fräulein Wunder
 
G

Gast

  • #2
Liebes Fräulein Wunder
MAN soll nichts tun und die Frau ihr Leben leben lassen. Überhaupt auf die Idee zu kommen, dass sie Hilfe braucht, empfinde ich als Bevormundung. Zudem wäre die Welt um ein grosses Stück reicher, wenn sich mehr Menschen nur ein kleines bisschen mehr um ihre Mitmenschen kümmern würden.
In diesem Sinne: Danke für diese Frau.
 
  • #3
So gesehen leide ich auch unter einem handfesten Helfersyndrom. Ich kann nicht wegsehen, wenn jemand anders nicht mehr weiter weiß. Und natürlich brauchts dafür auch einen vernünftigen Partner, einen Menschen mit Herz. Das Problem Ihrer Freundin, liebe Fräulein Wunder ist nicht ihr Sozialverhalten sondern die Kaltherzigkeit ihrer Umwelt!
 
G

Gast

  • #4
Überhaupt auf die Idee zu kommen, dass sie Hilfe braucht, empfinde ich als Bevormundung. Zudem wäre die Welt um ein grosses Stück reicher, wenn sich mehr Menschen nur ein kleines bisschen mehr um ihre Mitmenschen kümmern würden.
Das sehe ich überhaupt nicht so, es ist deutlich erkennbar, dass das persönliche Lebensglück dieser "hilfsbereiten" Frau komplett auf der Strecke bleibt und dass ihr das nicht gefällt. Ich habe mein Leben klang so gehandelt - immer alle befriedet, jeden bei seiner Problemlösung unterstützt. Fazit: als Partner hatte ich immer solche Katastrophenfälle und auch als Freunde. Ich war jahrzehntelang mit dem Krisenmanagement für andere beschäftigt und habe darüber versäumt, mir ein schönes Privatleben und ein stabiles soziales Netz aufzubauen, dass ich tragen kann, wenn es mal nötig ist. Kalr, Erfolg im Job, gutes Einkommen ..., aber das wird irgendwann egal und kann die Leere nicht füllen.

Mit therapeutischer Hilfe habe ich nach einem Komplettzusammenbruch verstanden, warum ich das so gemacht habe. Das ändert aber nichts an den Folgen, die diese Hilfsbereitschaft für mein Leben hatte:
- ich hatte nie einen Partner auf Augenhöhe, sondern habe immer nur die Loser angezogen und mich von ihnen mit Krisenmanagement beschäftigen lassen
- ich habe kein stabiles soziales Netz, weil ich für andere unentwegt Probleme gelöst habe, für Menschen, die selber für andere nicht dasein können/wollen.
Die Chance, zu anderen Menschen Kontakt aufzubauen, die Begegnungen auf Augenhöhe leben und die für mich ein stabiles soziales Netz sein können, habe ich darüber versäumt.

Gerade habe ich mich mit der Frage befasst, ob ich mich sozial engagieren soll, um überhaupt Inhalt und soziale Kontakte in mein Leben zu bringen. Jetzt habe ich mich bewusst dagegen entschieden, weil diese unerwiderte Hilfsbereitschaft zu einer gewissen Bitterkeit geführt hat - das chronische Gefühl ausgenutzt und weggekickt zu werden, wenn die Krise vorbei ist, bzw. ich kein geld mehr raustu'. Das betrachte ich als keine gute Grundlage, wieder für ander dazusein und so überlasse ich das Feld denjenigen, die nicht aufgesetzt selbstbewusst sind und Alleskönner, sondern denjenigen, die viele Skills haben, auch die Fähigkeit, sich abzugrenzen.

Diese überzogene Hilfsbereitschaft macht den Helfer unattraktiv für andere sozial kompetente Menschen.
 
G

Gast

  • #5
Nein, sie hat wohl schon ein Problem. Ein Helfersyndrom ist nicht ohne. Dabei wird die Verantwortung für andere statt für sich selber übernommen. Das hat nichts mehr mit Hilfsbereitschaft zu tun.
Solche Frauen suchen unselbstständige oder hilfsbedürftige Partner, für die sie sich aufopfern (Coalkoholismus). Oft sind sie dann in einer Beziehungssucht.
 
  • #6
Ihr Lieben, ich sehe es leider schon so, dass Kiki ein Riesenproblem mit ihrem Helfertick hat. Klar, für die Umwelt ist das angenehm, aber sie nimmt keine Rücksicht auf sich selbst leidet darunter, dass sie nur an Loser-Typen gerät, die gar nicht zu ihr passen und merkt nicht einmal, dass sie ausgenutzt wird...
 
  • #7
Ich glaube fast, die meisten sind hier viel zu "psychologisiert". Was ist falsch daran, anderen zu helfen? Ich bin ähnlich wie die in der Geschichte. Aber ich lasse mir nicht die Butter vom Brot nehmen, wie man so schön sagt.
Und einen Alkoholiker oder sonst einen Drogi als undankbaren Partner - nein danke, da hört's für mich auf. Das könnte ich nicht. Als Berater in einem entsprechenden Beruf vielleicht gerade noch so, aber mehr schon nicht. Ja, ich gestehe: Ich bin asozial. Mein Gott. Aber dafür gibt es andere, die haben dafür eher eine Ader. Mir ist das schon zuviel, wenn einer sich (sinnlos) besäuft und auch noch behauptet, das wäre eine gute Stimmung.

Helfen ja. Aber nur noch soweit, wie ich das will. Nicht mehr.
 
  • #8
Ich musste doch gerade etwas lächeln, ich verfolge deine Geschichten seit einer Weile doch recht intensiv und ich weiß noch wie ein Gast dir hier unterstellt hat, es ist alles nur erfunden oder so.

Ich finde es schade, dass du nicht mehr bei deiner Person bleibst. Klar ist es auch verständlich nachdem was passiert ist aber es ist schade...

Die Frau, die du beschreibt, die war schon immer so, auch schon im Sandkasten, also muss man extrem früh in ihrem Leben ansetzen. Vielleicht hat sie von ihren Eltern Liebe und Zuneigung nur dann bekommen, wenn sie artig war, wenn sie dies und das gemacht hat oder nicht gemacht hat.

Im Prinzip muss die betroffene Person das Problem für sich selber erkennen und es ändern wollen.
 
G

Gast

  • #9
Ich kümmere mich um alles, wenn ich gefragt werde.
Was ist daran schlimm? Bin ein Orga-Talent!
Ich werde oft von einer Freundin gefragt, ob ich mal dieses oder jenes für sie gucken kann, aber sie kümmert sich dann oft nicht weiter darum. Das nervt mich, und dann mache ich eben nichts mehr.
Für Leute, die alles verschlampen, stehe ich nicht zur Verfügung.
 
G

Gast

  • #10
Den Problemfällen wird von professioneller Seite geholfen. Dafür gibt es Beratungsstellen, für harte Fälle gibt es die Staatsstütze, usw.

Diese Frau hat es bereits ausreichende Male versucht, mit einem schwierigen Partner glücklich zu werden. Das hat nicht funktioniert, sie wurde lediglich auf Zeit benutzt. Frauen wie sie sind mit problematischen Männern überfordert. Sie kennen nur diese beiden Rollen die Helferin oder die leidende, abhängige Geliebte und dazwischen kommt erstmal nichts. Wenn es schlimm kommt dann fangen sie zusätzlich an, am eigenen Realitätsverlust zu leiden. Dann werden sie mit in die Probleme hineingezogen, weil sie vor allem auf emotionaler Ebene längst selbst zum Opfer wurden, sie "lieben zu sehr" und können sich nicht mehr abgrenzen. Ein Mann, der sich selbst als Opfer betrachtet, behält so eine Partnerin ungern neben sich, diese stört ihn eigentlich eher.

War es falsche Partnerwahl? Diesen Frauen fehlt es an Selbstwert und sie glauben im Inneren, dass sie keinen Mann ohne Probleme abkriegen. Bei jeder Begegnung denken sie, sie wären eigentlich nicht gut genug und müssten sich Zuneigung und Freundschaft erkaufen, müssten doppelten Einsatz leisten, um die Hälfte dafür zu bekommen. Das erscheint ihnen noch als guter Deal. Sie sabotieren damit ihre Begegnungen mit nicht-problematischen Männern. Bei problematischen Männern laufen sie dagegen zur Höchstform auf und ihr erster Gedanke lautet dann, dass diesmal sie die Überlegenen sind. Aber das sind sie eben nicht, sie werden viel eher schnell durchschaut und von da an als Helfermutti behandelt, statt als eine Augenhöhe-Partnerin. Wie die Augenhöhe-Partnerin eines problematischen Mannes ausschauen muss, weiß ich ohnehin nicht genau.

Nein sagen heißt unter anderem das Stichwort. Nein sagen läßt sich antrainieren. Am Sich-abgrenzen sollte diese Freundin ebenfalls dringend arbeiten, fürs Erste, und natürlich: ihr Selbstwertgefühl stärken.
 
G

Gast

  • #11
Liebe FS, gast 9 spricht mir aus dem Herzen. Wenn wir (kenne dieses Helfen möchten) nicht erkennen, was uns da bewegt ... Ich wünsche Ihnen aus vollen Herzen, dass Sie sich ihrer Persönlichkeit und Bedeutung bewusst werden. "Nichts geht über mich";=). Provokant und gleichwohl für mitleidende und mitfühlende Mensche eine stabilisierende Abgrenzung.
 
G

Gast

  • #12
Hallo,
ich 49m kenne das von meiner Freundin, 51.... Wir sind seit einiger Zeit zusammen, weiß von Ihr, dass sie in Ihrer Biographie mit einigen Männern zusammen war, die sie ausgenutzt haben. Deshalb ist sie auch soweit und möchte ihre Vergangenheit loslassen. Wir sind total glücklich und genießen unsere Beziehung, jedoch merke ich, dass sie sich ständig einiges aufhalst. Sie hat Ehrenämter wie Hausaufgabenbetreuung, Telefonseelsorge, hilft vielen "sozialschwächeren" Freunden.... Auch für die Arbeit, sie ist Kindergärtnerin, bereitet sie sich jeden Tag ca. eine Stunde und auch am Wochenende vor, damit sie den Kindern gerecht wird. Sie hilft und hilft. Ich befürchte, dass die Beziehung vielleicht auch einmal darunter leiden könnte. Ich bin aber immer da, wenn sie mich braucht. Sie braucht immer mehr Auszeiten, sie geht dreimal die Woche noch ganz spät ins Fitnesstudio, dann braucht sie teilweise ein ganzes Wochenende um wieder einen klaren Kopf zu kriegen. Kann die FS also gut verstehen. Jetzt mache ich mir immer mehr Gedanken, wie es wohl weitergehen mag. Möchte damit sagen, es muss nicht unweigerlich dazu führen, dass jemand immer und immer wieder an Partner geraten, wo Betroffene ihr Helfersyndrom ausleben können.
Wie die Zukunft für uns aussieht, ich hoffe, erzwingen wird man nichts können.
 
  • #13
Ich finde es schade, dass du nicht mehr bei deiner Person bleibst. Klar ist es auch verständlich nachdem was passiert ist aber es ist schade...
Seit ich die Geschichte mit Clemens auf Eis gelegt habe, passiert in meinem Leben nicht so viel - ich hoffe, das ändert sich bald wieder! Aber so rutscht das Augenmerk dann eben auch mal nach links und rechts und ich reflektiere, was meine lieben Freunde so treiben. Kiki muss es wohl selbst erkennen, wo ihr Problem liegt, ja. Ich würde sie nur wahnsinnig gerne drauf stoßen, weil ich denke, dass Menschen mit Helfersyndrom ihr Pensum für absolut normal halten, die merken ja gar nicht, was sie da tun. Und mir graut davor, dass sie demnächst wieder so einen Loser anschleppt - und alles von vorne losgeht. Daher freu ich mich auf weitere Erfahrungen und Anregungen...
 
  • #14
Die Geschichte mit Clemens solltest du nicht auf Eis legen, sondern ihn ganz vergessen - gut wenn man am selben Ort arbeitet, ist es nicht leicht.

Aber jetzt fängst du an ein Helfersyndrom zu entwickeln. Du hast die Frau seit deiner Kindheit oder Jugend nicht mehr gesehen und willst in ihrer Psyche rumdoktern. Du kannst und wirst ihr nicht helfen, schick sie zu der richtigen Stelle, wo ihr ein Profi hilft.
 
G

Gast

  • #15
Sie kann sich nur selbst helfen. Entweder sie erkennt ihr "Problem" weil sie endlich nicht mehr unglücklich sein will oder aber, so sind halt manche Menschen gestrickt, liebt sie ihr "Opferrolle" und will auch gar nicht daraus.
Ich war auch mal so. Everybody Darling.....oh je.........gut, dass es vorbei ist.
Heute helfe ich immer noch, aber nur wer mir nahe steht und der meiner Hilfe auch bedarf, meine Kinder zb. wenn es denn nötig sein sollte, sind aber so taff, dass es kaum noch vorkommt, meine Mutter, immer häufiger, da das Alter nun mal den Menschen abbauen läßt. Meinen langjährigen Freunden, denn die haben oft genug auch mir zur Seite gestanden in den schweren Zeiten meines Lebens. Einem Mann nur dann, wenn ich vorher erlebt habe, dass er sich ansonsten selbst zu helfen weiß und mich fürs tägliche Leben nicht braucht.

Ja, heute kann ich sagen: "Nein, sorry, dafür habe ich keine Zeit" und fühle mich nicht schlecht dabei.

Ich setze heute Prioritäten und nehme mich mind. genauso wichtig wie andere.