• #1

Lebenspartnerschaft - Wie Beteiligung für Zuarbeit sicherstellen?

Es passiert schnell, daß der Partner oder die Partnerin sich für ein Projekt des Anderen engagiert, Zeit und Sachverstand beiträgt und nach der Trennung entweder nicht einmal ein Dankeschön erhält, beziehungsweise Forderungen aufmacht. Ob das nun das Herrichten des neu gekauften, verkommenen Sommerhäuschens ist oder die Unterstützung mit Kontakten, Übersetzungsleistungen und Überwachung der Bauarbeiten beim Kauf einer Immobilie im Ausland (beides im Freundeskreis passiert), bis hin zum Extremfall Recherche und Zuarbeit zu einem Roman, das ich hier gern als extremen Präzendenzfall anführen würde:
Die - so behauptet sie - langjährige Lebensgefährtin von Stieg Larsson beansprucht einen Teil des Gewinns aus der Millenium-Trilogie, da sie, wie sie sagt, daran mitgearbeitet hat. Ihre Leistung ist nicht nachweisbar. Er hat sich aus der Paranoia des investigativen Journalisten heraus nie öffentlich zu ihr bekannt und sie ist als Mitautorin nicht genannt.
Gehen wir davon aus, daß die Frau nicht lügt (ich bin mir, ehrlich gesagt, nicht sicher).
Larsson ist tot und kann die Sache nicht aufklären, die beiden waren icht verheiratet, es gibt kein Testament, den Gewinn bekommen Vater und Bruder.
Was kann man tun, außer zu heiraten, um so ein Problem zu vermeiden? Wo ist der Punkt, wo klar gemacht werden sollte: ab hier nur noch mit Beteiligung etc.?
Ich finde, daß alle Dinge, die man für jemand anders tut, ein Geschenk sind und daß ein Ausgleich so nicht einforderbar ist. Wer seine eigenen Dinge darüber vernachlässigt, ist selbst schuld. Diese Haltung ist aber sehr egoistisch.
Wie seht ihr das?
 
  • #2
Ich sehe das auch so. Man sollte nur geben worauf man verzichten kann und will und man kann. Ihr irgendwann zurück verlangen. Niemand zwingt einen sich einzubringen und in einer Partnerschaft ist es normal sich gegenseitig einzusetzen. Wenn das einseitig ist, dann ist derjenige selber Schuld, wenn er so eine Beziehung aufrecht erhält. Ich habe für solche Forderungen keinerlei Verständnis. Jeder hat das recht Bedingungen an seine Hilfe zu knüpfen, aber vorher und nicht hinterher. Im nachhinein die " Vertragsbedingungen" zu ändern ist einfach unfair und zeugt von charakterlosigkeit
 
  • #3
Auch in einer nicht-ehelichen Partnerschaft sollte man sich gegenseitig unterstützen und helfen. Wer unentgeltliche und nicht vertraglich geregelte Arbeiten leistet, muss sich einfach bewusst sein, dass er dafür auch keine einforderbare Gegenleistung erhalten wird, sondern sein Beitrag als Teil der gegenseitigen partnerschaftlichen Hilfe gesehen werden wird.

Ich würde niemals Ansprüche aus partnerschaftlicher Hilfe ableiten und empfinde das sogar als extrem unmoralisch und gierig. Widerwärtig geradezu.

Wird im Rahmen einer partnerschaftliche Hilfe klar, dass hier mehr getan wird als partnerschaftlich üblich, dann muss man das in dem Moment regeln -- einvernehmlich, partnerschaftlich, fair. Nachträgliche Forderungen sind immer unfair und unmoralisch. Wenn man meint, der eigene Beitrag übersteigt das Maß dessen, das man zu verschenken bereit ist, dann muss man sich in dem Moment melden und eine einvernehmliche Lösung finden. So können auch Ehefrauen im Rahmen der 400-Euro-Regelung für Büroarbeit bezahlt werden oder könnte ein Autor seiner Lebensgefährtin vertraglich eine gewisse Marge am Gewinn einräumen.

Wir hatten hier im Forum doch vor kurzem einen ähnlichen Thread, in dem eine unfassbar gierige und einfältige Frau doch in der Tat 10 Jahre rückwirkend Aufwendungen für Kost und Logie für den nun getrennten Partner geltend machen wollte. Da waren die Meinungen doch auch eindeutig, dass so etwas weder rechtlich noch moralisch möglich ist. Wer eine Leistung vergütet sehen möchte, muss dies in dem Moment zeitnah und einvernehmlich lösen.

"Geschenkt ist geschenkt, wiederholen ist gestohlen." sagt ein alter Kinderreim und darin liegt viel Wahrheit. Nachträgliche Forderungen beruhen fast immer nur auf Gier und Missgunst. Dafür habe ich exakt Null Verständnis.
 
  • #4
Aber wie soll das praktisch aussehen? Viele solcher Partner kompensieren ein soziales Gefälle oder stellen Bindung her mit ihrer Zuarbeit.
Im Fall mit dem vergammelten Sommerhäuschen hat der Mann wie ein Berserker daran gearbeitet. Die Freundin konnte drei Jahre nur mit ihm Zeit verbringen, wenn sie mitgearbeitet hat, was sie getan hat. Auch im Hinblick auf eine gemeinsame Zukunft, sie wollte sich nicht ins gemachte Nest setzen. Nach der Trennung meinte sie, ihr wäre das alles zu viel gewesen, sie hätte gern mal in der Sonne gesessen, hätte sich aber nicht getraut. Sie war vom Wesen her die hier erwünschte Frau: weich, weiblich, warmherzig. So eine Frau vertritt nicht knallhart ihre Interessen. Sie wartet auf Sterntalermanier auf Belohnung.
Im Fall mit der Immobilie im Ausland handelte es sich um ein soziales Gefälle. Er verdiente ein Heidengeld in Topmanagerposition, war viel unterwegs und kannte weder das Land, in dem er kaufte, noch sprach er die Sprache. Sie arbeitete ein bißchen, hätte aber kaum Geld gehabt, sich an dem Kauf zu beteiligen, kannte sich aber in dem Land aus und die Sitten und die Wege der Bestechungsgelder. D.h. sie hat im Grunde den Kauf und die Bauarbeiten gemangaged. Als sie beteiligt werden wollte, weil sie kaum noch in ihrem Job arbeitete, sondern ständig auf der Baustelle stand, verzögerte sich die Sache aus tausend Gründen, dann war ihm der Betrag, den sie einzahlen wollte nicht groß genug und auf Grund einer Meinungsverscheidenheit über etwas ganz anderes verweigerte ihr der Partner den Anteil. Also nicht einmal Sterntaler, nur schlechte Verhandlungsposition.
In beiden Fällen standen die Frauen jahrelang mit auf der Baustelle und beteiligten sich am Aufbau der gemeinsamen Zukunft nach ihren Fähigkeiten und nach Fertigstellung wurde wegen einer anderen Meinungsverschiedenheit die Beziehung beendet und sie standen mit leeren Händen da, während der Partner - unter Mithilfe der Partnerin - einen nachhaltigen Wert zurück behielt.
In der Stieg-Larsson-Sache wird es um Bindung gegangen sein. Er war dem Vernehmen nach jemand, der sich ungern zu einer Frau bekannt hat. Durch die Mitarbeit wurde Nähe hergestellt.
Wann und wie läßt sich hier der Gegenwert einer Zuarbeit sichern, sofern er nicht klar und reinen Herzens nur das Ausmaß eines Geschenkes hat? Gerade Frauen neigen dazu, nicht zu fordern, sondern auf Belohnung zu warten.
Bei Männern geht es oft um Anerkennung als ganzer Kerl. Wer kennt sie nicht die netten Heimwerker-Typen, die einer Frau das Haus sanieren und die danach aus irgendeinem Grund über Bord gekippt werden?
 
  • #5
Wo ist der Punkt, wo klar gemacht werden sollte: ab hier nur noch mit Beteiligung etc.?

Für mich ist der Punkt da, wo es ersichtlich wird, dass der Lebenspartner damit Geld verdient.

Will heißen - im Falle des renovierten Sommerhäuschens, das beide nutzen über viele Jahre und das nicht veräußert wird, tät ich es gut sein lassen und hoffen, im Testament bedacht zu werden.

Wenn ich jemandem wie in Deinem Beispiel bei der Literaturrecherche behilflich bin in einem Maße, das eine dreiminütige Google-Suche pro Tag übersteigt und derjenige verdient aufgrund meiner zeitintensiven Zuarbeit Geld, dann würde ich irgendwann Tagessätze verrechnen. Ganz sicher reduzierte Tagessätze, solange derjenige selber noch nicht viel mit seiner Autorenschaft verdient. Aber sobald der Erfolg sich abzeichnet, ganz normal abrechnen. Halte ich für am saubersten.
Oder vertraglich Gewinnbeteiligung nach Auflage vereinbaren. Oder eine Mischform, wie Verlage das ja gerne machen.
Da gibts einen Aufsatz "Should I work for free", den finde ich jetzt nicht auf die Schnelle im Netz, aber der sagt vieles...
Ein Geschenk sind solche Dinge dann, wenn sich im Alltag halbwegs ein fairer partnerschaftlicher Ausgleich findet. (Der eine darf mit im Sommerhäuschen kostenfrei wohnen, dafür schwingt er halt mal den Malerpinsel.)
Aber schon da, wo ein Partner seine Rechnungen einfach nur auf einen Haufen schmeißt und der andere Partner bastelt daraus akribisch eine Steuererklärung, die standhält und Tausende einspart, gehört sich in meinen Augen ein finanzieller Ausgleich.
 
  • #6
Im Fall mit dem vergammelten Sommerhäuschen hat der Mann wie ein Berserker daran gearbeitet. Die Freundin konnte drei Jahre nur mit ihm Zeit verbringen, wenn sie mitgearbeitet hat, was sie getan hat. Auch im Hinblick auf eine gemeinsame Zukunft, sie wollte sich nicht ins gemachte Nest setzen. Nach der Trennung meinte sie, ihr wäre das alles zu viel gewesen, sie hätte gern mal in der Sonne gesessen, hätte sich aber nicht getraut.

Dein Ergänzungsbeitrag war vorhin noch nicht freigeschaltet, jetzt wirds ja detaillierter. Das Beispiel läuft echt unter 'Arschkarte gezogen'. Sie wird ihn kaum belangen können mit finanziellen Ausgleichsforderungen für ihren Einsatz und sie konnte den immateriellen Lohn ihrer Arbeit nie genießen...
Da fällt mir auch nix mehr ein, das ist ein arges Beispiel.

Mein eigenes Beispiel ist mein Ex, der ohne meinen Einsatz insolvent gegangen wäre und es (nur) mit meinem Einsatz vermeiden konnte. Der Betrieb wurde letztendlich schuldenfrei aufgelöst, das war das bestmögliche erzielbare Ergebnis. Der Ex wird den damaligen Horrortrip nie mehr aufwiegen können - aber wann immer ich heute Unterstützung brauche, steht er Gewehr bei Fuß, aus Dankbarkeit für die einstige Solidarität. Da läuft es fair, auch im nachhinein viele Jahre nach der Trennung.
Ein zweites Mal würde ich es trotzdem nicht mehr machen. Da bin ich inzwischen zu alt dazu und zu fatalistisch. Heute würde ich irgendeine Absicherung/Honorar/vertragliche Zukunftsregelung vereinbaren, wenn ich meinem Partner so engagiert behilflich bin.
 
G

Gast

Gast
  • #7
Ich finde, der Umstand ist hier auch das sie in der Beweispflicht ist. Kann ich nicht beweisen, eine Arbeit verrichtet oder eine Leistung erbracht zu haben, kann ich keine "Rechnung" schreiben.

Ist mir sowas später wichtig, hätte ich im Vorfeld daran denken müssen.
 
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