G

Gast

Gast
  • #1

Kommunikationsmuster - Beziehungsfähigkeit

Was mich doch einiger maßen irritiert, ist die Qualität der Unterhaltungen unter erwachsenen Menschen.
Wie ist es möglich in einer sachlichen Frage einen Vorwurf oder sogar eine Beleidigung zu lesen?
Wenn eine sachliche Frage mit Emotionen aufgenommen wird, und der Eindruck entsteht es öffnet sich oft ein Pulverfass, keimt in mir der Fluchtreflex.
Wenn ich mir vorstelle eine Beziehung mit einem Menschen zu haben, in der ich Angst bekommt eine harmlose Frage zu stellen, weil damit zu rechnen ist, ich löse damit einen Krieg aus, bekomme ich ganz entsetzliche Beklemmungen.
Und wenn ich dann hier so durchs Forum stöbere …. da tun sich mir Abgründe auf, mit welcher Dynamik sich hier unterhalten wird.
Bei soviel Unbekömmlichkeit kann ich nicht anders, als an der Beziehungsfähigkeit zweifeln.
Die armen Männer!!

w51
 
  • #2
Ich habe schon die unterschiedlichsten Kommunikationsmuster bei den Dating-Kandidaten erlebt. Von manipulierend und verschlossen über grundlos feindselig und Tatsachen verdrehend bis vollkommen offen und triefend verständnisvoll.

Bisher habe ich noch keinen genommen :)

Ich stelle mir im Idealfall ein Maß an Offenheit und Empathie vor, das den Zauber und das Geheimnisvolle an einem neuen Partner erhält.

Insofern gebe ich Dir Recht, dass eine gelungene Kommunikation der Grundstein für eine gute Beziehung ist.
 
G

Gast

Gast
  • #3
Vielen Dank, liebe FS ! Dieser Eindruck bestätigt sich mir auch. Es mangelt oft an Wertschätzung gegenüber dem Fragesteller. Einige Antworten haben leider einen beleidigenden oder herablassenden Charakter statt die Beantwortung der Frage in den Mittelpunkt zu stellen. Glücklicherweise gibt´s jedoch auch produktive Beiträge..

w (32)
 
G

Gast

Gast
  • #4
Wie ist es möglich in einer sachlichen Frage einen Vorwurf oder sogar eine Beleidigung zu lesen?

Nun ja, dahinter steckt oft die Erfahrung, daß hochbrisante Anschuldigungen hinter sachlichen Fragen verborgen werden, um für den Fall, daß man vielleicht doch im Unrecht ist, nicht angreifbar zu sein. Habe ich selbst so erlebt: "es war auch für mich ein wunderschönes Wochenende" hieß bei ihr im Klartext: ich hätte mir etwas anderes von dir erwartet, jegliche Diskussion darüber wäre sinnlos.

Ich mir von ihr übrigens auch. Reden hätte also sehr wohl geholfen.
 
  • #5
Der Anfang ist die schwierigste Zeit. Irgendeine Kleinigkeit an die Frau gesagt oder geschrieben - und von ihr ggf. auch noch misverstanden - schon bricht sie den Kontakt ab.
Erklärungen oder Entschuldigungen haben keine Chance - aus und vorbei.

Dates werden ggf. wie Bewerbungsgespräche. Man kann nicht zwanglos plaudern, sondern muß sich ständig konzentrieren. Man versucht es aufzulockern, aber die Frau bleibt eisern.

Als Mann "sitzt man auf einem Pulverfass" aber weiss nicht, was der Zünder ist.

Manche Paare streiten sich fast täglich. Meistens eben wegen Kleinigkeiten oder Misverständnisse.
Mir scheint, das der Streit die Würze in ihrer Beziehung ist. Eine solche Frau meinte sogar, das die anschließende Versöhnung so schön wäre.

Und das Alles soll man als Mann aushalten können - sonst sei man nicht "beziehungsfähig" ?
Und sowas dann in einer Partnerschaft - jeden Tag ?
 
  • #6
Die Kennlernphase ist tatsächlich die "sensibelste" Zeit bei der Partnersuche.
Da "muss" alles irgendwie klappen oder es ist aus und vorbei.

Diesen Druck halten viele nicht stand und am Ende war es wieder nichts.
Ist sie zu extrovertiert oder er zu introvertiert?

Denkt man zuviel nach, was der andere wohl von einem denkt, spielt man eine Rolle oder gibt
man sich besser so wie man ist, oder doch nicht?

Ich halte Strategien a la Beziehungscoach oder PUA immer für fehlgeleitet, denn verstellen kann sich auf Dauer niemand, wir wollen doch alle einen Partner, der uns nimmt wie wir nunmal sind oder eben nicht, aber jeder "Schauspieler" hat irgendwann auch mal "Feierabend".

Ohne Erwartungshaltung in ein Date ist das beste Sprungbrett, alles kann, nichts muss.

LG
Herakles
 
G

Gast

Gast
  • #7
Mir scheint da eher ein Problem mit der Selbstwahrnehmung vorzuliegen. Diese Fragestellung ist nämlich nicht sachlich.

Beispiel? Alleine die letzten Worte: "Die armen Männer!!"

Zwei Ausrufezeichen deuten auf Emotionalität hin (so wie der gesamte Fragentext). Die armen Männer unterstellt den Frauen, dass sie den Männern schlecht tun würden, es greift sie an.

Wer DAS nicht erkennt, der hat in der Tat ein Problem mit Kommunikation. Das ist nicht sachlich, das ist ein Angriff.

Und bei vielen Fragestellungen folgen in den Antworten Unterstellungen, gegen die dann andere angehen.

Unterstellungen widersprechen Sachlichkeit.

Also, wenn jemand meint, sachlich zu sein, dann sollte er zuerst mal suchen, ob er an verschiedenen Stellen etwas unterstellt. Es kommt auf das Thema an, aber das passiert hier auch häufiger.

Also, wenn man meint, die Kommunikation anderer zu beurteilen, dann sollte man schon wissen, dass Sachlichkeit nicht mit Unterstellungen zusammengeht. Es ist ja kein Beinbruch, mal unsachlich zu sein. Aber dann braucht man nicht noch zu behaupten, man wäre sachlich. Dann wird es absurd.

w
 
G

Gast

Gast
  • #8
Liebe FS,
von Sachlichkeit gibt es unterschiedliches Verständnis.
Ich finde mich meistens sehr sachlich, bekomme im beruflichen Umfeld zurückgemeldet "Chefin hat gesprochen". Das ist nicht unbedingt das, was ich will, oft ist es ein Vorschlag, der nicht in Prosa eingemüllt ist und ich erwarte das denkende Menschen mit Selbstbewusstsein, Engagement und Kompetenz sich dazu adäquat äußern, eigenen Input liefern. Tun sie aber nicht, sie nehmen die bequeme Rolle des nicht-denkenden sondern befehlsausführenden Organs ein und nölen anschließend rum, fühlen sich overruled ....
Reine Sachlichkeit hat also eine durchaus emotionale Komponente. Ich bemühe mich immer wieder, wenn dafür Raum ist, jede Menge Prosa um die Sachlichkeit zu wickeln (Geschenkpapier mit Schleife), was dann zur Konsequenz hat, dass mein Umfeld irritiert ist, keinen Überblick mehr hat - wie dann auch ich.
Fazit: in meinem Privatleben halte ich mich nicht lange mit so instabilen Persönlichkeiten auf, sondern befasse mich eher mit sachlichen, selbstsicheren Menschen, die sich qualifiziert äußern, wenn ihnen was nicht passt, statt rumzuzicken.
 
G

Gast

Gast
  • #9
Danke #6*Gast für das anschauliche Beispiel, sehr gelungen.

Es gibt bei der Kommunikation immer einen Sender und einen Empfänger.
Der Empfänger hört oder liest die Worte.
Diese Worte werden vom Empfänger verarbeitet und eingeordnet.
Fazit: Der Empfänger entscheidet wie er die Worte verstehen will.

Wenn jetzt ein Sender schreiben würde „du bist aber dumm“ liegt es beim Empfänger was er daraus versteht.

Er kann sich beleidigt fühlen und böse werden (Beziehungsebene)

oder er kann zur Kenntnis nehmen das er wohl das, was der Sender vorher gesendet hat möglicher weise falsch verstanden hat (Apellebene)

oder er kann wahr nehmen, dass der Sender verärgert ist (Selbstoffenbarung des Senders)

oder er kann zur Kenntnis nehmen, das der Sender eine Meinung von ihm hat. (Sachebene)

Soviel zur Kommunikation.

Das Pulverfass macht der Empfänger auf über die Beziehungsebene auf.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
G

Gast

Gast
  • #10
Es gibt da einen schönen Spruch: "Frauen benutzen Makeup, weil Männer das Aussehen attraktiv finden und Männer lügen, weil Frauen Worte attraktiv finden."

Ich finde, dass Mann in jeder Lebenslage frei und souverän über sich selbst sprechen können muss. Über Vergangenheit und Gegenwart und über Einstellungen zum Leben. Ohne das wird die Kommunikation zur Frau sonst schwer.
Mit dieser Einstellung gibt es eigentlich kein Thema, was einen auf die Palme bringen kann. Frauen necken gerne und suchen nach Schwachstellen beim Mann, wenn sie ihn mögen und finden sie dann mal eine, naja dann steh ich halt dazu. Aber das ist nie ein Grund mich aufzuregen. Wenn ich mich über etwas aufrege, dann bin ich damit unzufrieden und sollte diese Unzufirdenheit nicht auf meine Partnerin projezieren.

Meiner Meinung nach konzentrieren sich zu viele Menschen auf das was andere tun und kümmern sich zu wenig um sich selbst.

Gruß
m30
 
G

Gast

Gast
  • #11
Meiner Meinung macht man es sich zu leicht. Wenn das Pulverfass aufgemacht wird trägt auch der Sender mit Verantwortung. Wenn ich Anweisungen gebe, die vom Empfänger nicht verstanden werden, dann habe ich in letzter Konsequenz das Problem. Egal auf welcher Ebene kommuniziert wird.
 
G

Gast

Gast
  • #12
Das Pulverfass macht der Empfänger auf über die Beziehungsebene auf.

Richtig. Botschaften sind nicht immer so eindeutig, wie es auf den ersten Blick scheint. Der Empfänger entscheidet darüber, ob er die erstbeste Interpretation für bare Münze nimmt und entsprechend handelt, oder ob er Botschaft und Kenntnis der Persönlichkeit des anderen miteinander abgleicht, um sich im Fall einer Unstimmigkeit noch einmal rückzuversichern.

Beispiel: Mann sagt zur Freundin "ich darf morgen zur Party meine Freundin mitbringen". Frau kann nun denken: der Schuft hat sich eine Zweitfreundin angelacht. Und Konsequenzen ziehen. Oder ihr kann auffallen, daß es gar nicht zu diesem Mann paßt, ihr so frech ins Gesicht zu klatschen, daß er sie mit einer anderen betrügt. Woraus sich ergibt, daß sie selbst diese mit eingeladene Freundin ist. Zumindest aber, daß der krasse Widerspruch nach einer klärenden Rückfrage schreit.

Man kann sich natürlich die Frage stellen, ob ein Mann, der die selbst-diskreditierende Zweitbedeutung seiner Aussage nicht erkennt, überhaupt beziehungsfähig ist. Als mit Sicherheit nicht beziehungsfähig muß hier allerdings die Frau gelten, denn bei so weitreichenden Konsequenzen muß natürlich zuerst einmal jegliches Mißverständnis ausgeschlossen werden. Das ist Teil der gegenseitigen Loyalität.
 
G

Gast

Gast
  • #13
Richtig. Botschaften sind nicht immer so eindeutig, wie es auf den ersten Blick scheint. Der Empfänger entscheidet darüber, ob er die erstbeste Interpretation für bare Münze nimmt und entsprechend handelt, oder ob er Botschaft und Kenntnis der Persönlichkeit des anderen miteinander abgleicht, um sich im Fall einer Unstimmigkeit noch einmal rückzuversichern.

Beispiel: Mann sagt zur Freundin "ich darf morgen zur Party meine Freundin mitbringen". Frau kann nun denken: der Schuft hat sich eine Zweitfreundin angelacht. Und Konsequenzen ziehen. Oder ihr kann auffallen, daß es gar nicht zu diesem Mann paßt, ihr so frech ins Gesicht zu klatschen, daß er sie mit einer anderen betrügt. Woraus sich ergibt, daß sie selbst diese mit eingeladene Freundin ist. Zumindest aber, daß der krasse Widerspruch nach einer klärenden Rückfrage schreit.

Man kann sich natürlich die Frage stellen, ob ein Mann, der die selbst-diskreditierende Zweitbedeutung seiner Aussage nicht erkennt, überhaupt beziehungsfähig ist. Als mit Sicherheit nicht beziehungsfähig muß hier allerdings die Frau gelten, denn bei so weitreichenden Konsequenzen muß natürlich zuerst einmal jegliches Mißverständnis ausgeschlossen werden. Das ist Teil der gegenseitigen Loyalität.

Du geisterst seit Monaten mit dieser Geschichte durchs Forum! Es gibt aber noch eine weitere Interpretation: in diesem Moment wurde,ihr klar, dass ein mann, der den Beziehungsstatus nicht aktiv definieren kann sondern wie ein 12jähriger rumeiert, einfach nicht zu ihr passt. Sie hat seine gekünstelt charmante Andeutung sehr wohl erkannt, hat aber daraus Rückschlüsse über seinen Charakter gezogen, die sie sich dann in ihrem weiteren Leben nicht vorstellen konnte. Wenn er immer so kommuniziert, hatte sie wohl keine Lust auf ewig immer eine Dechiffriermaschine oder Gedankenleserin dabei haben zu müssen.
 
G

Gast

Gast
  • #14
Soviel zur Kommunikation.

Das Pulverfass macht der Empfänger auf über die Beziehungsebene auf.

Selbstverständlich nicht. Das machen Sender UND Empfänger aus. Das wird im übrigen auch in jedem Kommunikationsbuch so beschrieben.

Was ist denn das für eine Festegung, dass alleine der Empfänger es ausmachen würde?

Vor allem ist jeder doch beides, Sender UND Empfänger. Wenn es nur den Empfänger ginge, warum regt sich die FS dann auf, wie andere reagieren? Sie könnte es ja einfach als Empfänger ignorieren?

Tut mir leid, diese Theorie, dass alleine der Empfänger Schuld sei, ist in Wahrheit etwas ganz anderes: Der Versuch, dass immer die anderen Schuld sind, jedoch niemals man selbst. Auf der einen Seite beschwert sich die FS über die Kommunikation der anderen, im nächsten Augenblick wir die Kommunikation der FS damit verteidigt, dass ja der Empfänger entscheide.

Völlig willkürlich. Eine Kommunikationsstörung liegt eindeutig bei Menschen vor, die sich selbst immer in der Nicht-Verantwortung und die anderen immer in der Verantwortung sehen. Eine Methode dafür ist z. B., sich selbst immer als Sender, die anderen als Empfänger zu sehen, und daraufhinzu behaupten, der Emfpänger trage keinen Beitrag zur Kommunikation.

Da scheint nunmal mangelnde Selbstkritik und mangelnde Fähigkeit zum Perspektivenwechsel vor zu liegen.
 
G

Gast

Gast
  • #15
Man kann sich natürlich die Frage stellen, ob ein Mann, der die selbst-diskreditierende Zweitbedeutung seiner Aussage nicht erkennt, überhaupt beziehungsfähig ist. Als mit Sicherheit nicht beziehungsfähig muß hier allerdings die Frau gelten, denn bei so weitreichenden Konsequenzen muß natürlich zuerst einmal jegliches Mißverständnis ausgeschlossen werden.

Das magst du so sehen. Wirst damit aber bei keiner Freundin durchkommen, da mir scheint, du hast das Problem, dich klarer auszudrücken.

Wenn also fast alle Frauen das so sehen, und fast alle Männer, sich klarer ausdrücken könnten, dann kannst du natürlich trotzdem noch behaupten, dass alle Menschen beziehungsgestört seien, außer du.

Aber wie realistisch ist so etwas? Wer legt fest, was menschliche Kommunikation ist? Sie ist, wie sie ist. Wenn in der Tierwelt ein Tier von der Kommunikation der anderen abweicht, dann sagen die Verhaltensforscher auch nicht, all die anderen Tiere würden den "Fehler" machen. Und wer Sender und Empfänger ist, ist dabei auch gleichgültig.
 
G

Gast

Gast
  • #16
Irgendeine Kleinigkeit an die Frau gesagt oder geschrieben - und von ihr ggf. auch noch misverstanden - schon bricht sie den Kontakt ab. Erklärungen oder Entschuldigungen haben keine Chance - aus und vorbei.

Als Mann "sitzt man auf einem Pulverfass" aber weiss nicht, was der Zünder ist.

Genau so isses, Bernd50 spricht mir aus der Seele. Irgend eine Kleinigkeit, in die man irgend etwas Übles hinein interpretieren kann, und schon "macht die Frau zu", ohne sich überhaupt zu erklären, was denn da bei ihr angekommen ist. Selbstverständlich ist es dann aber der Mann, der den Bruch schuldhaft herbeigeführt hat, weil er sich angeblich nicht klar ausdrücken konnte. Männer, die immer dieselben erprobten Floskeln gebrauchen ("trotz des trennenden Tisches fühlte ich mich Dir ganz nah" im Nebenthread), werden hingegen, wie man dort lesen kann, von der Frau ernst genommen.

Es ist wie das Zuwerfen eines Balles: mißlingt das Fangen, hat der Werfer eben nicht genau genug in die Arme des Fängers gezielt und ist also schuld. Trotzdem wird man nach einigen Versuchen, die ein hinreichend passabler Fänger eigentlich hätte erwischen müssen, konstatieren müssen, daß es wohl doch eher am Fänger liegt als am Werfer. Eigentlich.

Beim Dialog mit (manchen) Frauen kommt nun aber erschwerend hinzu, daß sie den Mann zwar insgeheim beschuldigen, dies aber für sich behalten bzw. hinter Ausreden tarnen, die wiederum der Mann nicht als solche durchschaut ("den Ball nicht gesehen, Sonne stand zu tief, was im Auge gehabt"). Warum? Damit der Mann nicht auf die Idee kommt, die Qualitäten seiner Fängerin zu hinterfragen. Ergebnis: miserabler Fänger triumphiert letzlich über einigermaßen guten Werfer.
 
G

Gast

Gast
  • #17
in diesem Moment wurde,ihr klar, dass ein mann, der den Beziehungsstatus nicht aktiv definieren kann sondern wie ein 12jähriger rumeiert, einfach nicht zu ihr passt.

Im konkreten Fall war es die Frau, die den Beziehungsstand nicht definieren konnte, weil sie sich nämlich gerade erst aus ihrer Altbeziehung löste. Als (Noch-)Freundin eines anderen Mannes wäre sie selbstverständlich NICHT eingeladen gewesen. Der Satz war also gewollt so formuliert, daß die Einladung nur gilt, wenn sie zuvor klare Verhältnisse schafft. Dies nur am Rande.

Aber um diesen konkreten Fall geht es nicht. Und auch nicht darum, ob der Frau eine andere Formulierung bzw. ein anderer Mann lieber gewesen wäre. Sondern um das Sender-Empfänger-Problem, das sich im vorliegenden Fall darin äußert, daß der Sprecher mit dem Satz eine völlig andere Aussage assoziiert als der Empfänger. Was ja unser Kernthema ist:

Wenn ich mir vorstelle eine Beziehung mit einem Menschen zu haben, in der ich Angst bekommt eine harmlose Frage zu stellen, weil damit zu rechnen ist, ich löse damit einen Krieg aus

Menschen, die eine weit interpretierbare Aussage - wir sprechen hier ja nicht von "ich habe übrigens noch eine Zweitfreundin" oder so - nicht hinterfragen, sondern sofort mit der härtest möglichen Konsequenz auf ihre eigene Interpretation reagieren, sind tickende Zeitbomben. Wir sind alle nicht davor gefeit, mal irgend etwas so unglücklich auszudrücken, daß auch eine völlig andere Botschaft herausgelesen werden kann. Und wir können auch nie sicher sein, ob ein bestimmtes Verhalten eine üble Assoziation auslöst. Zum Beispiel, weil der Vorgänger sein Handy immer genau dann ausschaltete, wenn er sich mit der anderen traf.

Aber es gibt Menschen, die rückfragen ("habe ich das richtig verstanden, Du hast ..."), und es gibt solche, die sich sofort und ohne die Chance einer Richtigstellung ihrer Interpretation hingeben und damit die ganze Beziehung zerstören, sich selbstverständlich als das unschuldige Opfer fühlend.

Ich kann Deine Angst daher gut nachvollziehen, kenne aber leider auch kein Rezept dagegen.
 
G

Gast

Gast
  • #18
Also, es gibt schon Menschen (wahrscheinlich auch Männer, ich kenne es naturgemäß nur von Frauen), bei denen es von der Tageslaune abhängt, ob sie bei einer als unpassend empfundenen Frage explodieren, wobei diese unpassende Frage meistens ebenfalls ein Ergebnis laune-abhängiger Mißkommunikation ist. Mit einem Wort: hat sie Kopfweh, gibt es ständig Streit.

Es beginnt mit einer unpräzisen Ansage wie "ich gehe heute nachmittag zum Friseur". Okay. Wenig später kommt dann z.B. die Frage "willst du was essen?". Unter welcher möglichen Antwort lauert die Tretmine? Möglichkeit "ja" ("dann komme ich aber deinetwegen zu spät!"), Möglichkeit "nein" ("dann muß ich also hungrig zum Friseur!"), Möglichkeit "wir können auch erst essen, wenn du wieder da bist" ("aber jetzt wäre doch noch eine Stunde Zeit!"), Möglichkeit "wann mußt Du denn weg?" ("Kannst es wohl kaum erwarten mich loszuwerden!")?

Wie man es auch dreht und wendet, man läuft stets Gefahr, einen Ausbruch zu provozieren.
 
G

Gast

Gast
  • #19
Im konkreten Fall war es die Frau, die den Beziehungsstand nicht definieren konnte, weil sie sich nämlich gerade erst aus ihrer Altbeziehung löste. Als (Noch-)Freundin eines anderen Mannes wäre sie selbstverständlich NICHT eingeladen gewesen. Der Satz war also gewollt so formuliert, daß die Einladung nur gilt, wenn sie zuvor klare Verhältnisse schafft. Dies nur am Rande.

Merkst du eigentlich selbst nicht, wie kompliziert das ist, was du da gemacht hast? Die Frau wollte die Beziehung nicht definieren. Anstatt ihr zu sagen, dass du klare Verhältnisse möchtest, gibst du so einen komischen Satz von dir, dass deine "Freundin" mit eingeladen sei.

Vielleicht wollte sie auch einfach keine klaren Verhältnisse. Mich würdest du mit so einer Art einfach tierisch nerven. Und nach deiner Logik wären wahrscheinlich fast alle Menschen tickende Zeitbomben. Denn bei einem Menschen, der igendwelche geschwurbelten Dinge von sich gibt, aus Angst, zu klar zu sprechen, sind Leute entweder genervt, oder sie ticken aus. Natürlich nicht wie eine Bombe, sondern, indem sie dem anderen an den Kopf knallen, wie sehr es nervt.

Bei mir würden solche wie du endlich an eine Frau geraten, die sie nicht fragend zurücklässt, sondern ihnen so deutlich sagt, was ihr an seiner "Kommunikation" nicht passt, dass du freiwillig gehen würdest und fürs Leben daraus gelernt hättest. Vielleich twäre dazu aber auch notwendig, dass du mal nachfragst, denn oft weiß die entsprechende Frau gar nicht, was ein Mann sich für komische Gedanken macht. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass solche Männer gerade nicht nachfragen, sondern sich lieber ihre eigenen Gedanken im stillen Kämmerchen machen, die mit der Realität nichts zu tun haben.
 
G

Gast

Gast
  • #20
#13 Gast....Vor allem ist jeder doch beides, Sender UND Empfänger. ......
Tut mir leid, diese Theorie, dass alleine der Empfänger Schuld sei, ist in Wahrheit etwas ganz anderes: Der Versuch, dass immer die anderen Schuld sind, jedoch niemals man selbst.
Eine Kommunikationsstörung liegt eindeutig bei Menschen vor, die sich selbst immer in der Nicht-Verantwortung und die anderen immer in der Verantwortung sehen. Eine Methode dafür ist z. B., sich selbst immer als Sender, die anderen als Empfänger zu sehen,

Das hast du richtig erkannt, beide sind Sender und Empfänger! Somit ist es unmöglich das nur einer der Sender und der andere Empfänger ist.
Außerdem geht es weder um Schuldzuweisungen noch um Willkür und die Wahrheit ist für jeden anders.

Bei einem Dialog sind beide im Wechsel Sender und Empfänger, doch der Empfänger entscheidet selbstverantwortlich wie er die Worte entgegen nimmt, wie er sie versteht oder interpretiert. Daraus ergibt sich was er tut, immer noch selbstverantwortlich. Fühlt er sich angegriffen wird er sich verteidigen und das liegt ganz alleine in seiner Entscheidung.
Es ist egal ob der Sender absichtlich provozieren will, die Entscheidung, wie der Empfänger darauf reagiert, liegt beim Empfänger.
Die Verweigerung der Selbstverantwortung für seine eigene Reaktion, innerhalb eines Dialoges, führt zu einer Kommunikationsstörung.
Da scheint nunmal mangelnde Selbstkritik und mangelnde Fähigkeit zum Perspektivenwechsel vor zu liegen.
Selbstkritik, ich nenne es lieber Selbstreflexion (Kritik - Bemängelung,Tadel), ist weder sich noch anderen gegenüber freundlich.
Perspektivwechsel ist ein guter Ansatz, nur ist es sinnvoll dass diesen auch beide anwenden.
 
G

Gast

Gast
  • #21
Es ist egal ob der Sender absichtlich provozieren will, die Entscheidung, wie der Empfänger darauf reagiert, liegt beim Empfänger.
Die Verweigerung der Selbstverantwortung für seine eigene Reaktion, innerhalb eines Dialoges, führt zu einer Kommunikationsstörung.

Ähm, also natürlich liegt es in der Verantwortung des Empfängers, wie er reagiert. Hier will ja niemand die Verantwortung absprechen und Schuld abgeben.

Aber eigenverantwortlich kann eben auch heißen, dass man auf die Beispiele der FS mit Streit oder Kontaktabbruch reagiert. Das muss dann auch die FS hinnehmen, und wiederum DAMIT eigenverantwortlich umgehen. Sie kann nicht von anderen irgendwelche Reaktionen verlangen, wenn sie schon so sehr die Eigenverantwortung betont.

Also, wenn man so kommuniziert, dass andere sich ständig angegriffen fühlen, steht es einem überhaupt nicht zu, diesen Vorhaltungen zu machen, oder diesen die Kommunikation zu erklären. Es beschwert sich ja keiner. Wenn ich provoziert werde, und Lust habe, zurück zu provozieren, kann ich damit z. B. bestens umgehen. Ich heule dann keineswegs herum, dass die anderen ja so schlecht kommunizieren würden, Ich ziehe schlicht die Konsequenzen, die ich für richtig halte.

Wer von anderen verlangt und sich beschwert, kommt mit den anderen nicht klar, und verweigert, selbst die Verantwortung zu übernehmen.
 
Top