• #1

Ist Herkunft und nicht Leistung ausschlaggebend für den Erfolg?

Diese Ansicht vertritt zumindest der Eliten-Forscher Michael Hartmann. Welche Rolle spielen dabei Stipendien und die Exzellenzinitative? Können sie für Gerechtigkeit sorgen?
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
M

Mooseba

  • #2
Na sicher ist die Herkunft wichtiger. Akademikerkinder haben es stets leichter in akademischen Kreisen, beim Wechsel auf's Gymnasium, bei Einstellungen, Beförderungen usw. Akademikern, nee Leute-mit-Studium klingt ehrlicher, ist es scheinbar immer wichtig, was die Eltern des Gegenübers sind. Und in Familien, in denen man sich schon seit Generationen nur in akademischen Kreisen bewegt, fehlt die Übung im respektvollen Umgang mit akademisch ausgebildeten Nichtakademikerkindern. Außerdem unterstützt man stets Menschen, die einem ähnlich sind. Das führt dann wieder zurück zu den Vorteilen bei Beförderungen etc.
 
G

Gast

  • #3
Herkunft ist ausschlaggebender für den Erfolg als Leistung, und zwar deshalb, weil Menschen aus so genannten "einfachen" Verhältnissen die Spielregeln, Umgangsformen und Selbstdarstellungsmechanismen der so genannten Elite weitaus weniger verinnerlichen können als die Elite selbst. Die Leistung mag die gleiche sein, der Elite-Mensch wird schon aufgrund des jahrelangen Trainings von zu Hause aus die überzeugendere Art haben, diese Leistung unter seinen Kollegen und Chefs zu kommunizieren. In einfachen Verhältnissen gilt Bescheidenheit oft als Wert - genau damit kommt aber leider im Berufsleben keinen Schritt weiter. Authentizität im Beruf ist ja heute nicht nur nicht gefragt, sondern wird geradezu geächtet. Die Brusttrommler stehen an der Spitze. Es mag einzelne Ausnahmen geben, wie z.B. einer meiner besten Freunde aus sehr bescheidenen kinderreichen Verhältnissen sich mit äußerster Disziplin und Nächten voller Arbeit zum Anwalt hochgearbeitet hat. Wobei ich bei dem Punkt "Bildungslücke" wäre. Auch hier gibt es meistens Defizite, die in einem Leben nur mit sehr viel Aufwand aufzuholen sind.
Man kann es sicherlich irgendwie schaffen, mit vielfach hohem Arbeitseinsatz als ein "Elite-Mensch" benötigen würde.
 
G

Gast

  • #5
Ich halte diese Aussage für eine der große Lügen der heutigen Zeit. In Deutschland haben es finanziell gesehen die Studenten wesentlich schwerer als jeder Azubi. Und wenn die Leistung beim Kind nicht stimmt, kommt schnell die Ausrede, daß die Eltern kein Geld haben, um ihren Sprößling zum Studium zu bekommen.

Wahr ist jedoch: In den meisten Bundesländern gibt es keine Studiengebühren, jeder kann BaföG beantragen. Viele Studenten (auch aus Akademikerfamilien) gehen neben dem Studium noch jobben und leben trotzdem wie ein Bettler. Währenddessen bekommt der Azubi ein vergleichweise guten Lohn, hat meist schon ein Auto, die eigene Wohnung.

Es mangelt schon an der Lebensphilosopphie. Warum soll man mehrere Jahre ärmlich leben, den amspruchsvolleren Weg gehen, wenn man auch gleich Geld bei niedrigeren Anforderungen bekommen kann? Ein wahrlicher Akademiker in spe beantwortet das mit Wissenserwerb, Anspruch an sich selbst und Interesse am Fach ohne finanzielles Gegenrechnen.

Ich denke, es ist eine Ausrede leistungsschwacher Schüler und deren Eltern.
 
  • #6
Kommt drauf an

nämlich WO Du Karriere machen willst. In Konzernen tut man sich zumindest leichter mit dem entsprechenden Background aus Herkunft (Netzwerk über Generationen), aber da wirds weniger.

Dann ist es klar dass man mit besserer Herkunft auch bessere Bildungschancen hat, einfach weil eben auch hier das Beispiel erzieht. In Bildungsfernen Schichten hat Bildung auch keinen hohen Stellenwert.

Wer jedoch trotz schlechter Vorraussetzungen sich die Bildung angeeignet hat wird zumindest im Mittelstand eher Karriere machen. Der hat nämlich eher gelernt zu kämpfen, sich durchzubeissen, sich zu foccussieren, auch mal gegen den Strom zu schwimmen. Kann sich oftmals auch besser in seine Angestellten hineinversetzen was auch nicht schlecht für die Karriere ist.

Und selbstverständlich wird ein Firmeninhaber immer den mit der besseren Leistung befördern, Ein Manager aus der mittleren Führungsebene im Konzern eher nicht- der könnte Ihm selbst ja eines Tages den Job streitig machen. Dann doch lieber den harmlosen Zögling aus reichem Hause.

Hat schon seine Gründe wieso sich Familienfirmen mittelfristig doppelt so gut entwickeln wie grosse Aktiengesellschaften. Das ist einer davon.
 
  • #7
Die Herkunft ist immer ein Thema. Es beginnt schon in der Erziehung, kommt man aus "gutem Haus" ist es ganz normal, dass man maturiert und danach studiert. Wenn aber aus einer Familie kommt in der man der erste ist der überhaupt überlegt einen höheren Schulabschluss als Hauptschule anzustreben, steht man schon vor dem ersten Problem, die Eltern haben einen auf die falsche Schule geschickt. Auch beim nächsten Schritt gibt es wieder die Elternhürde, die fühlen sichnämlich nicht wohl bei dem Gedanken, dass ihr Kind "gscheiter" ist als sie bzw. im Anzug herumläuft.
Aber selbst wenn man diese Hürden irgendwie meistert, den Zeitverlust kann man nicht mehr aufholen und man hat keine Beziehungen in der Welt in der man plötzlich steht. Wärend andere Jobs von Mama und Papa (oder zumindest die nötigen Kontakte) vermittelt bekommen, steht man als "noname" wieder alleine da.
Man braucht schon einen stählernen Willen und eine hohe Frustrationstoleranz um die Sozialschichten nach oben zu wandern.
 
G

Gast

  • #8
Wahr ist jedoch: In den meisten Bundesländern gibt es keine Studiengebühren, jeder kann BaföG beantragen.
Wer das Dilemma mit dem BaföG seit der Einführung des Bachelor-Master-Studiums (und auch vorher schon) kennt, sollte sich nun wirklich keine Illusionen mehr darüber machen, dass das Studium für Reiche und Arme gleichermaßen zugänglich ist.
So hat ein armer Student etwa, der ein geisteswissenschaftliches Fach absolviert, wesentlich mehr geleistet als ein Ingenieursstudent aus reichem Hause, seine Leistung wird aber nicht halb so anerkannt.
Ich glaube, dass die HERKUNFT bzw. ein gebildetes Elternhaus für den (monetären) Erfolg keine Rolle spielt und die Leistung auch nicht so sehr, sondern der Geldbeutel und oft auch Glück. Siehe Phänomene wie Daniela Katzenberger.
 
G

Gast

  • #9
Ein Beispiel eines sehr jungen Menschen:
Ich hatte mal eine Englisch-Nachhilfe-Schülerin, damals 16 Jahre alt.
Bald brauchte sie mich nicht mehr, hatte ein Zeugnis voller Einsen und Zweien.
Damit ist sie der Überflieger ihrer Familie. Die Mutter arbeitet als Reinigungskraft,
ihr Vater und ihre Geschwister leben von Harz IV oder Gelegenheitsjobs.
Niemand von ihnen hat eine nennenswerte Schul- oder gar Berufsausbildung,
von Studium ganz zu schweigen.
Die Familie stammt aus Mazedonien, die Eltern sprechen kaum Deutsch.

Nach ihrem sehr guten Abitur hatte sie auf Grund ihres beeindruckenden Zeugnisses
und eines vermutlich guten Bewerbungsschreibens mehrere Vorstellungstermine bei
Firmen, die sich zunächst um sie gerissen hatten. (Studium war wohl kein Thema, sie
als Mädchen sollte und WOLLTE auch lieber eine Lehre in einer vielversprechenden Branche machen bzw. dachte an eine duale Ausbildung.)

Kurz und schlecht: nach den Vorstellungsgesprächen war es regelmäßig vorbei.
Ich ahne, woran es liegt: an mangelnden Umgangsformen, an unterschichtigem Stallgeruch.
Beides haftet ihr trotz ihrer guten Leistung an.

Ich weiss leider nicht, wie es mit ihr weitergegangen ist.
Mein Fehler war: ich hätte mit ihr auch Verhalten beim Vorstellungsgespräch und andere
sogenannte soft skills üben sollen, soziale Verhaltensweisen der einfachsten Art (bei der Begrüßung drückt man die Hand, die einem gereicht wird, sieht dem Gegenüber in die Augen und lächelt; man gibt nicht eine schlaffe Hand, guckt weg und zieht ein Gesicht wie zehn Wochen Regenwetter) - ob es genutzt hätte, weiss ich nicht. Was man 18 Jahre lang gelernt und praktiziert hat, buchstäblich mit der Muttermilch eingesogen, kann man nicht in kurzer Zeit ablegen.
 
G

Gast

  • #10
Die Herkunft ist ausschlaggebend, aber Leistung müssen Eliten auch erbringen. Die Überschrift suggeriert mir, dass Leistung keine Rolle spielt. Leistung müssen erst mal alle erbringen, auch die Kinder der Eliten. Wie der Autor auf die Zahl ca. 1000 kommt verwundert mich etwas, die Elite oder Oberschicht macht sich optisch rar, sie ist m.E. nicht zählbar..
Die berufliche Perspektive hängt auch vom Studiengang ab. In technischen und sozialen Berufen wird die Herkunft weniger eine Rolle spielen als in den Geisteswissenschaften, besonders in kulturtheoretischen Berufen. Hier ist es eigentlich unmöglich bereits als Student nicht zu merken, wo Prioritäten gesetzt werden. Der Habitus ist entscheidend, den kann man sich auch nur schwer bzw. nicht aneignen ohne die eigene Identität zu verleugnen, denn dann wirkt man nicht authentisch.
 
  • #11
Es liegt daran, dass wenn die Eltern erfolgreich sind, sie verstanden haben, wie die Gesellschaft funktioniert und das Wissen geben sie an ihre Kinder weiter. Und so etwas lernt man nicht direkt in der Schule oder Uni.

Der durchschnittliche BWLer nach dem Studium weiß, dass Kontakte wichtig sind. Er hat keine Ahnung, welche Kontakte man knüpft und wie man sie hält und pflegt. In meinem letzten Praktikum, beim weltführenden Versicherungsunternehmen, gab es wieder so einen, redete den ganzen Tag vom Kontakteknüpfen und hatte nach den 8 Wochen nicht ein einziges Mal mit dem Ableitungsleiter zu tun, ganz zu schweige von dem Leiter vom Abteilungsleiter.

In meinem Studium habe ich unzählige Praktikas gemacht. Ich musste keine einzige Bewerbung schreiben. Aber haben meine Eltern mir die Kontakte vermittelt? Nein. Die habe ich selbst hergestellt. Nur durch die Erziehung weiß ich, wo ich die Kontakte zu finden habe, welche wichtig sind, wie ich aufzutreten habe, und die habe ich geknüpft, gepflegt und gehalten, und wenn nötig auch genutzt.

Es nervt mich immer, wenn ich höre, nicht unbedingt hier, sondern oft im Alltag, dass die Kinder der "Reichen/Akademiker/sonstwiepriviligierten" unverdient an Stellen kommen, obwohl sie garnicht die Leistung bringen, wie ein "Anderer". Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn ein Mensch, ohne das Elternhaus lernt, wie die Gesellschaft funktioniert, welche Mechanismen greifen, dass er genauso gut ist, egal woher er kommt. Und solche Kinder trifft man oft bei Stipendien. Sie haben verstanden, wie man die Ressourcen am besten nutzt.

Ich finde Stipendien und Exellenzinitiativen tragen zu soziale Gleichheit bei, wenn auch nur deshalb, dass Kindern aus weniger priviligierten Familien einen Einblick in die "andere" Welt bekommen und dann sich von diesen Ammenmärchen, von wegen gesellschaftlicher Aufstieg nicht möglich, wenn das Elternhaus nicht stimmt, verabschieden können. Sie verlieren die Unsicherheit gegenüber die "Bessergestellten", weil sie merken, menschlich sind sie garnicht so anders und viele von ihnen machen auch keine Karriere, obwohl die Eltern gut gestellt sind. Es muss also an etwas anderes liegen.

Dann ist der Zeitpunkt nicht mehr weit, dass sich das Kind Gedanken um gesellschaftlichen Mechanismen macht. Und damit ist er auf dem guten Weg die Ungleichheiten, die vom Elternhaus herkommen zu eliminieren.
 
G

Gast

  • #12
Aber haben meine Eltern mir die Kontakte vermittelt? Nein. Die habe ich selbst hergestellt. Nur durch die Erziehung weiß ich, wo ich die Kontakte zu finden habe, welche wicht bringt. ig sind, wie ich aufzutreten habe, und die habe ich geknüpft, gepflegt und gehalten, und wenn nötig auch genutzt.
Ich dachte, dass ein sehr gutes Examen ausreicht und fand es unter meiner Würde Kontakte zu knüpfen und die erlernten Spielregeln eines Sohnes aus gutem Hause anzuwenden, dem Abteilungsleiter die Hand zu schütteln und noch lieber dem Herrn Hauptabteilungsleiter. Aber um auf die Frage zurückzukommen, es ist der spielerische Umgang mit den Konventionen der einen nach oben bringt und diese Konventionen lernt man nicht an der Uni, die lernt man am besten von klitzeklein auf.
 
  • #13
Ein gutes Examen sagt aus, dass du gut im Fachlichen bist. Gutes Kontakteknüpfen sagt über dich aus, dass du auch gut im Zwischenmenschlichem bist. Die beiden Sache ergänzen sich. Es ist keine Frage von Würde Fähigkeiten zu zeigen und gerade bei jemanden, der diese Fähigkeiten zu Gunsten seiner Firma nutzen kann.
 
G

Gast

  • #14
Wer das Dilemma mit dem BaföG seit der Einführung des Bachelor-Master-Studiums (und auch vorher schon) kennt, sollte sich nun wirklich keine Illusionen mehr darüber machen, dass das Studium für Reiche und Arme gleichermaßen zugänglich ist.
Ein Student aus reichem Hause kann auch einen BaföG-Antrag stellen. Er bekommt einen Bescheid über die zu fördernde Höhe und den Hinweis, daß dieses Geld nicht vom Staat bezahlt wird, sondern von seinen Eltern übernommen werden muß, solange kein erster berufsqualifizierender Abschluß vorliegt..
Der Student aus armen Verhältnissen bekommt hingegen den gleichen BaföG Bescheid + dem bewilligten Geld. Ich sehe ehrlich keinen Nachteil für den Studenten aus armen Verhältnissen. Ihm ist es durchaus möglich, ein Studium aufzunehmen.

So hat ein armer Student etwa, der ein geisteswissenschaftliches Fach absolviert, wesentlich mehr geleistet als ein Ingenieursstudent aus reichem Hause, seine Leistung wird aber nicht halb so anerkannt.
.
DIese Denkweise halte ich für falsch. Die Anforderungen in einem geisteswissenschaftlichen Studium sind völlig anders (nicht leichter oder schwerer) als in einem Ingenieurstudium. Die Leistung eines Ingenieurstudenten ist hingegen eindeutig zu quantifizieren. Es gibt falsch oder richtig, im geisteswissenschaftlichen Bereich ist die Antwort auf eine Frage oftmals von der Ansicht des Profs. abhängig und Interpretationssache. Wieso soll einem Studenten aus dem armen Haus das schwerer fallen?
 
G

Gast

  • #15
. Gutes Kontakteknüpfen sagt über dich aus, dass du auch gut im Zwischenmenschlichem bist.
Das bestreite ich vehement. Ein Chef, Aufsteiger, wollte mir mal unter die Arme greifen und erklärte mir wie das funktioniert.
Man telephoniert mit Dr. X und wenn der erzählt, dass er noch nach einem karierten Teddybär für seine Tochter als Geburtstagsgeschenk sucht, macht man in outlook einen Eintrag 2 Monate später mit dem Stichwort karierter Teddybär ruft ihn an und fragt ober er den Teddy gekriegt hätte. Dabei kann man mehr oder minder subtil vorgehen. Aber das Kontakte knüpfen hat nix mit Zwischenmenschlichem zu tun , sondern ist strategisch ausgerichtet. Kontakte werden nur mit nützlichen Personen geknüpft, Kontakte werden für eigene Interessen genützt, Kontakte die als wertlos eingestuft werden werden beendet, wenn Dr X gefeuert wurde interessiert der Teddybär nimmer. Mittlerweile heisst das networking. Für mich heisst es immer noch Vetterleswirtschaft und hat einen haut gout.
 
  • #16
@8
Kurz und schlecht: nach den Vorstellungsgesprächen war es regelmäßig vorbei.
Ich ahne, woran es liegt: an mangelnden Umgangsformen, an unterschichtigem Stallgeruch.
Beides haftet ihr trotz ihrer guten Leistung an.
Keine Ahnung woran das lag, ich kenne das Gegenbeispiel einer jungen Dame aus Berlin-Mahrzahn die sich nicht als vierte Generation in H4 begeben wollte und mit eisernem Willen Ihr Studium (Naturwissenschaft!) absolviert hat. Sie ist mit gerademal 5 Berufsjahren Entwicklungsleiterin geworden in einem 120-Mann unternehmen. Und NUR durch Leistung (natürlich gehört dazu auch das Netzwerk was man aber üblicherweise schon in der Uni knüpft). Und auch die Firma in der ich arbeite stellt ausschliesslich nach Fachlichen und Menschlichen Gesichtspunkten ein (da wird drauf geschaut wie gut sich jemand in die bestehende Firmenphilosophie und das Team einbringen kann). Das Ergebnis ist dass wir in der Belegschaft in etwa die Gesellschaftsstruktur darstellen- nur wenige aus Elitefamilien.

Und noch eines hab ich beobachtet: Die Zeiten in denen Proteges nur aufgrund Ihres Namens an Stellen gekommen sind, sind vorbei. Wer keine Leistung bringt ist weg, gnadenlos. Egal welche Familie dahinter steht. Der Wettbewerb ist derart hart dass sich das kein Unternehmen mehr erlauben kann.

Es reduziert sich damit schlichtweg auf bessere Startbedingungen, das heisst der eine startet barfuss, der andere mit der high tech Ausrüstung. Aber laufen müssen beide.

PS- ich komm aus der weniger begüterten Familie, meiner Karriere hats nicht geschadet. Mittlerweile lauf ich auch mit high tech, aber halt nicht von Anfang an. So what?
 
  • #17
Also ein paar der Antworten sind... naja...

Durch was kann man alles im Leben vorteile haben; Aussehen, Geschlecht, Hautfarbe, Gewicht, Größe u.s.w.

Wie hier schon geschrieben wurde, überall herrschen Spielregeln, ob man die nun mag oder nicht, diese Regeln muss man beherrschen, wenn man sie nicht kann oder sich derer verweigert, dann ist die Leistung auch nicht mehr viel wert. Um nach oben zukommen gehören Kontakte dazu, die muss man sich auch selber aufbauen und sie auch pflegen. Wer das nicht will, der wird dazu auch nicht gezwungen. Nach oben zukommen und da auch zubleiben ist irrsinnig schwer, wenn man diesen Leistungsdruck schon mit der Muttermilch eingeflößt bekommen hat, dann ist er leichter zu schaffen und zu bewältigen.

Für eine Familie in erster Generation nach ganz oben zukommen ist praktisch unmöglich. Ich arbeite auf einer Hochschule in der Medizinforschung, die Menschen die hier wirklich ganz oben sind... die sind so... ich weiß nicht ob ich so ein Leben haben möchte. Man gewohnt sich aber an die Bedingungen, man passt sich an und es verändert auch einen (ob zum Besserem oder Schlechterem).

Ich gebe größtenteils Terese recht und ich bin alles andere als ein privilegiertes Kind, man muss lernen, man muss sehr viel zwischenmenschlich dazulernen, wenn man sich in solchen Kreisen bewegen will. Man muss Chancen erkennen, man muss sie nutzen, man muss sich von anderen abheben, man muss kämpfen, man muss sich anpassen. Man kann das schlecht in Worte fassen. Man darf keinen Neid auf diesem Weg empfinden. Man braucht den richtigen Blick für die Dinge, man muss richtig provozieren können, sich richtig darstellen, sich richtig verkaufen.

Also einer Vorteil hat es aber auch wenn man ohne das richtige Elternhaus es halbwegs nach oben schaft, man hat einen viel schärferen Blick für Kleinigkeiten.
 
G

Gast

  • #18
Ja und nein da stark Branchenabhängig.

Dennoch: ca. 2/3 der offenen Vakanzen (in der Schweiz) werden nicht öffentlich ausgeschrieben. Es sind lediglich derer 1/3 welche man in Zeitungen, auf Internet-Jobbörsen und dergleichen findet.

Wer somit über Vitamin B verfügt oder aus entsprechenden Kreisen kommt, hat es bei der Stellensuche oder bei einer Beförderung wesentlich leichter.

Insbesonders bei staatlichen Institutionen trifft dies sehr oft zu. Unabhängig der Qualifaktionen werden Familienmitglieder, enge Bekannte / Freunde klar bevorzugt.

Inkompetente Führungskräfte ergo Fehlplatzierungen ist nur eine Konsequenz davon.
 
  • #19
Dennoch: ca. 2/3 der offenen Vakanzen (in der Schweiz) werden nicht öffentlich ausgeschrieben.
Ist hier vor allem in Führungspositionen nicht anders, daraus aber den Schluss zu ziehen den Du ziehst ist nicht zulässig. Gehobene Positionen werden bevorzugt intern ausgeschrieben (in D ist das sogar Vorschrift), findet sich da kein geeigneter Kandidat gehts üblicherweise über einen Headhunter der geeignete Personen direkt anspricht. Ich bekomme Jährlich so 4-8 Headhunteranfragen was in meinem Job völlig normal ist.
Insbesonders bei staatlichen Institutionen trifft dies sehr oft zu. Unabhängig der Qualifaktionen werden Familienmitglieder, enge Bekannte / Freunde klar bevorzugt.
Das ist die Ausnahme- da entscheidet aber weniger die Familie sondern das richtige Parteibuch.
 
G

Gast

  • #20
Der Student aus armen Verhältnissen bekommt hingegen den gleichen BaföG Bescheid + dem bewilligten Geld. Ich sehe ehrlich keinen Nachteil für den Studenten aus armen Verhältnissen. Ihm ist es durchaus möglich, ein Studium aufzunehmen.
Theoretisch, ja.
Beschäftigen Sie sich mit der realen Situation.
Selbst wenn er den Bescheid endlich in der Hand hält und das Geld dann sogar fließt (dazwischen können Monate vergehen) kann von BaföG allein niemand leben. Doch während der reiche Student seine Eltern als gemütliches Polster im Hintergrund hat und sich auf sein Studium konzentrieren kann, muss der arme Student sich neben seinem Studium ständig darum kümmern, dass er nächsten Monat noch seine Miete bezahlen kann. Da es nicht unendlich viele Jobs gibt, die sich mit dem Studium vereinbaren lassen, kann das sehr viel Zeit und Energie kosten.

Es gibt falsch oder richtig, im geisteswissenschaftlichen Bereich ist die Antwort auf eine Frage oftmals von der Ansicht des Profs. abhängig und Interpretationssache. Wieso soll einem Studenten aus dem armen Haus das schwerer fallen?
Selbstverständlich gibt es auch in den Geisteswissenschaften falsch und richtig. Die Professoren beurteilen nicht nach Gusto, sondern nach Schlüssigkeit der entwickelten Theorie (die zu erarbeiten einiges an eigenständigem Denken erfordert, das für einen Studenten eines technischen Fachs eher eine untergeordnete Rolle spielt). Wobei es sicherlich auch in technischen Fächern unterschiedliche Theorien zu beachten gibt.
Unabhängig von der Fachrichtung wird es einem armen Studenten aber schwerer fallen, sein Studium zu einem erfolgreichen Ende zu bringen (weil er nebenher ums Überleben kämpfen muss) aber wenn er es geschafft hat, hat er mehr geleistet als der reiche Student.
Falls er jedoch ein geisteswissenschaftliches Fach absolviert hat, wird ihm (von Leuten, die sich nicht auskennen) die Leistung abgesprochen - wie man ja an Beiträgen wie dem Ihren bereits sieht.
 
G

Gast

  • #21
Herkunft und Parteibuch ist definitiv wichtiger. Natürlich spielen auch andere Merkmale wie die Branche, Geschlecht, Familienstand, Alter, Persönlichkeit, Äußerlichkeit und letztendlich auch die Leistung und Bildung eine wichtige Rolle.

Aber wenn man von einem „Durchschnitt“ ausgeht, ist die Herkunft bei der Karriereleiter maßgebend.

Fakt ist, die Kinder mit einer benachteiligten Herkunft haben weniger Chance als die mit einer guten Herkunft eine adäquate Stelle zu finden. Das ist eine Tatsache und somit indiskutabel. Die mehreren immer in regelmäßigen Abständen wiederholten Studien belegen das. Aber, man kann alles schön reden, die Schuld bei den anderen suchen, Ausnahmen als einen triftigen Beweis vorführen und sich wie die drei Affen verhalten: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.
 
G

Gast

  • #22
Ist hier vor allem in Führungspositionen nicht anders, daraus aber den Schluss zu ziehen den Du ziehst ist nicht zulässig. Gehobene Positionen werden bevorzugt intern ausgeschrieben (in D ist das sogar Vorschrift), findet sich da kein geeigneter Kandidat gehts üblicherweise über einen Headhunter der geeignete Personen direkt anspricht. Ich bekomme Jährlich so 4-8 Headhunteranfragen was in meinem Job völlig normal ist.
Das ist die Ausnahme- da entscheidet aber weniger die Familie sondern das richtige Parteibuch.
1. )Ist zulässig - wenn auch schwer vorstellbar. Dies wurde mir in mehreren Schulungen von Spezialisten / Profis so bestätigt. Insbesondere bei grossen Firmen werden regelmässig intern Jobzeitungen verteilt.

2.) Ist nicht die Ausnahme - jedenfalls bei uns nicht. Meine Mutter hat 15 Jahre in einem Staatsbetrieb gearbeitet - es wurden bewusst Personen befördert die Vitamin B hatten (Familie, Bekannte, sehr Reich etc.). Nepotismus soweit das Auge reicht.

Inzuchtkinder steinreicher Famillien (man vermischt sich ja schliesslich nicht) findet man immer wieder in Top Postionen. Das ist kein Scherz.
 
G

Gast

  • #23
Na das ist hier ja mal wieder eine richtig schöne Neid-Debatte.
Kann es vielleicht sein, dass Kinder aus gehobeneren Verhältnissen und somit aus meistens leistungsorientierten Familien selbst auch leistungsorientierter denken und dadurch weiterkommen?

Ich kenne genügend Kinder aus meiner Grundschulzeit, die aus einfacheren Vehältnissen kommen, die aber selber mit großem Ehrgeiz hohe berufliche Ziele erreicht haben, während Kinder aus sehr vermögenden Haushalten heute vor sich hinkrepeln.
Es ist in unserem Land also eine sozialdurchgängige Entwicklung möglich.

Wer aber nur rummährt und sich und seine Situation bemitleidet, wird wohl kaum die Power für einen Durchstart aufbringen.
Zum Thema örtlich soziale Netze: Diese bringen nur etwas, wenn man auch vor Ort bleibt; schon in einem Ort 50 km weiter, kennt einen keiner mehr und Arm und Reich müssen erst einmal bei den sozialen Kontakten von Null auf anfangen.

m52
 
  • #24
@21
Insbesondere bei grossen Firmen werden regelmässig intern Jobzeitungen verteilt
Ja eben, das ist die interne Ausschreibung. Oder bekommt die in der Schweitz nur ein ausgesuchter Personenkreis?
In Deutschland ist es gesetzlich vorgeschrieben freie Stellen zuerst INTERN auszuschreiben, also die Belegschaft zu fragen wer sich darauf bewerben möchte. Der Betriebsrat muss jede Einstellung absegnen, das tut er nicht wenn diese interne Ausschreibung nicht stattgefunden hat. Eine Interne Ausschreibung hat nichts mit dem Protegieren einzelner Herkunftsfamilien zu tun, Sie ist sogar klug weil man die Bewerber ja bereits kennt und besser einschätzen kann ob sich diese Person eignet.
Ist nicht die Ausnahme - jedenfalls bei uns nicht.
Mit der Ausnahme meine ich Staatsbetriebe aller Art, diese sind allzu oft eine Abraumhalde ausgemusterter Parteisoldaten. Die haben hier nicht auch noch Platz für die Sprösslinge Einflussreicher Familien.

Schau doch einfach mal in die DAX-Vorstände, berücksichtigst Du da noch die bessere Ausgangsposition der aus besseren Familien und die Familientradition sich Jobs anzutun die an Selbstaufgabe grenzen kann ich da keine Überwiegende Anzahl aus besserem Hause erkennen. Im Daimler-Vorstand zum Beispiel ist nicht einer aus einer Elite-Familie.
 
G

Gast

  • #25
Die Herkunft, also die Genetik ist alleinentscheidend für Erfolg. Es sei denn man ist in irgendeinem Dreckloch geboren worden und hat keinen Zugang zu Bildung. Dann nützt auch die beste Genetik nichts.
 
G

Gast

  • #26
Das kann ich leider nur bestätigen.

Bis zu meinem Abitur wurde ich quasi "durchgewunken", was zu einem gewissen Teil auch daran lag, dass meine Eltern bekannte Politiker bzw. Unternehmer waren und mir dadurch an vielen Stellen Türen geöffnet wurden für die andere viel mehr kämpfen müssen.

Als ich dann weiter weg studierte und eine unter vielen war, musste ich für alles viel mehr Engagement zeigen und kämpfen.

Wenn man aus einer "bekannten" Familie kommt oder nur aus einer Familie, die zur "Oberschicht" gehört stammt, dann haben viele Angst vor einer Bewertung, die negativ ausfällt.

In Deutschland ist es durchaus möglich, kommt aber leider noch viel zu selten vor, dass man es aus einer einfachen Familie in Akademikerkreise schafft oä. Und dann meist durch viel mehr Einsatz als Akademikersprösslinge.
 
  • #27
zu 14

Also wenn ich von Kontaktknüpfen rede, dann meine ich etwas anderes als Bestechung zweiten Grades. Es geht im Allgemeinen darum, die Gewinnchancen für den anderen zu sehen, wo auch eigene herrschen. Ich halte nichts von unfähres Ausnutzen von Kontakten, denn mit eine Gruppe Personen, die selbst wichtige Positionen bekleiden, kann man vieles erreichen, wo alle davon Gewinn tragen.
 
G

Gast

  • #28
Es gibt ausreichend internationale Studien, die aussagen, dass gerade in Deutschland, die Gesellschaftsschichten immer weniger durchlässig werden. Mit einigermaßen Fleiß und Intelligenz kann jedes Arbeiterkind hierzulande ein Abitur machen und erfolgreich ein Studium absolvieren, sowie einen angemessenen Arbeitsplatz finden (richtiges Fach vorausgesetzt).
Oberhalb dieser Ebene beginnt die Welt der informellen Gesetze, Spiel- und Verhaltensregeln (nicht verwechseln mit Tischmanieren & Co), sowie das Nutzen von bestehenden Elternnetzwerken usw.
Was dann benötigt wird, hat ein junger Mensch aus einfachen Verhältnissen nicht mitbekommen, sondern muss sich das in Jahrzehnten erarbeiten, kommt beruflich und gesellschaftlich nicht so vorwärts, wie er es eigentlich könnte. Wenn er es dann endlich verstanden hat, bleibt nur noch, es den eigenen Kindern mit auf den Weg zu geben, damit sie es leichter haben.