G

Gast

  • #1

Ist Egoismus ein Zeichen von mangelndem Selbstvertrauen?

Ausgehend von einem anderen Thread möchte ich hier mal nach Konsequenen aufzeigen, welche sich aus einer erfolgfreichen EP- Partnersuche "auf gleicher Augenhöhe" ergeben können. In meiner aktuellen 7 Monats-Wochenend-Partnerschaft auf Augenhöhe (beide ähnlicher Bildungsstand Status und Intelliganz) gibt es oft Streit (fast jedes WE). Dabei geht es oft kleine Fragen (allgemeine Themen: Wer hat recht?) oder um die partnerschaftliche Lebensführung (Wann bin ich für sie da, wenn sie es im stillen erhofft hatte). Sie nörgelt öfters ("Du schwitzt zuviel....Deine Hände sind zu kalt ... gehe zum Kardiologen"). Mich nervt dies (nicht einzeln, aber in Summe), und bin schon mal etwas angefasst. Meine Partnerin glaubt, dass die Probleme an mir liegen, da ich zu sehr egoistische Motive vertrete und erklärt sich dies mit zu wenig Selbstvertrauen meinerseits, für welches ich auch selbst zu sorgen hätte. Für mich ist das ein Widerspruch. Oder nicht? M - 40
 
G

Gast

  • #2
Ich muss auch die Erfahrung machen, dass egoistische Menschen hinter der nach außen so stark dargestellten Show und Fassade oftmals wirklich nur mässiges Selbstvertrauen haben. Soll nicht heißen, alle egoistischen Menschen haben kein Selbstvertrauen. Mag sein, dass es auch mehr die egozentrischen Menschen sind - denn sie meinen doch wirklich, sie sind der Nabel der Welt und alles müsse sich um sie drehen. Warum eigentlich, denn wer Selbstvertrauen hat, kann auch mal zurückstecken - und dies ohne Gesichtsverlust!
 
  • #3
Lieber Fragesteller! Ganz ehrlich: Die Titelfrage passt überhaupt nicht zum Erklärungstext. Ganz im Gegenteil nimmst Du im Erklärungstext letztlich die Dir passende Antwort für ein viel komplexeres Thema voraus, ohne dem Forum wirklich die Chance zu geben, die eigene Analyse Eures partnerschaftlichen Problems anzufertigen. Daher eine komplett zweigeteilte Antwort:

A) Ist Egoismus ein Zeichen von mangelndem Selbstvertrauen? -- Nein, ganz und gar nicht! Es gibt natürlich verschiedene Formen und Ursachen von Egoismus, aber mangelndes Selbstvertrauen ist, wenn überhaupt, nur ganz selten ein Grund für Egoismus. Ganz im Gegenteil gibt es sehr viele Egoisten, die sich maßlos überschätzen, und es zeichnet gerade Egoisten aus, sich selbst in den Mittelpunkt nicht nur ihres Handelns zu stellen, sondern auch ihres Denkens. Egoismus meint im Kern eine Charaktereinstellung, die von Rücksichtslosigkeit und Eigennutz definiert ist, und damit ein Verhalten, das stets den eigenen Vorteil im Auge hat, und das insbesondere mehr als es Gerechtigkeit, Fairness, Anstand, Partner- und Familiensinn, übliche Hilfbereitschaft oder allgemeine Umgangsformen erfordern würden.

Zweitens hat auch das Themenfeld Dominanz/Subordination im partnerschaftlichen Gefüge (also wer "das Sagen hat" vs. wer sich eher unterordnet) nur wenig mit Egoismus zu tun. Für den Laien mag es gewisse Parallelen zwischen dominantem Verhalten und egoistischen Motiven geben, aber der psychologische Ursprung ist regelhaft ein anderer. Dominanz hat mit Entscheidungsfreude, Führungsqualität, aber auch mit der Fähigkeit, sich unterzuordnen, sich etwas sagen zu lassen oder umgekehrt aufzubegehren, sich durchzusetzen, anzuweisen zu tun.

Wer von Natur aus gerne eine untergeordnete Rolle einnimmt, leidet auch nicht darunter, dass der Partner entscheidet und sagt, wo es langgeht. Er genießt es, sich geborgen und beschützt, angeleitet und an die Hand genommen zu fühlen. Das ist keineswegs eine schlechte Charaktereigenschaft, sondern zeugt auch von der Fähigkeit zu Vertrauen und Hingabe. Entscheidungen zu fällen, die auch andere betreffen und mit denen man auch falsch liegen kann, demzzfolge Verantwortung zu übernehmen und sich zu verteidigen, zu rechtfertigen, zu kämpfen liegt diesem Typus weniger.

Umgekehrt verhält sich dominantes Verhalten: Dieser Typus mag es nicht, wenn andere für ihn Entscheidungen fällen, gar über ihn entscheiden, ihm Anweisungen geben oder er sich fremden Willen beugen muss. Er fühlt sich dagegen meist wohl dabei, selbst Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu tragen und seine Meinung auch gegen andere zu vertreten.

Man kann sich leicht vorstellen, dass beide Charaketere sich trefflich komplementieren, aber miteinander jeweils schlecht auskommen. Zwei Unterordnende haben es verdammt langweilig und zäh miteinander, zwei Dominante fechten zu viele Kämpfe aus. Ideal ist es aus partnerschaftlicher Sicht, wenn ein mäßig Dominanter auf einen mäßig Unterordnenden trifft. Die Typen sind erstaunlicherweise über beide Geschlechter ziemlich frei verteilt, so dass diese Konstellation oft möglich wäre, wenn man nur den passenden Partner finden würde.

B) Woran liegen Eure Probleme? -- Bei Euch treffen einfach zwei ziemlich dominante Charaktere aufeinander. Das Fatale bei dieser Konstellation ist, dass es sich zu Beginn einer Partnerschaft oft sehr attraktiv anfühlt: Die Verliebtheit lässt einen rosa-rot über einiges hinwegsehen und macht Versöhnungen leichter, verhindert gegenseitige verbale Verletzungen weitestgehend. Wenn diese Phase jedoch vorbei ist, wird eine dominant-dominante Beziehung jedoch vorallem durch Diskussionen und Zank, durch Machtspiele, Kampf und den Versuch, Oberhand zu gewinnen, bestimmt. Das geht meistens nicht lange gut, es sei denn, die Liebe ist ganz besonders innig und alle anderen Bereiche harmonieren dermaßen gut, dass diese Reibereien gut gehen und keine wesentlichen Aspekte betreffen.

Aber sei versichert, dass ähnliche Bildung und Intelligenz, ähnliche Qualifikation und Verdienst, absolut gar nichts mit der Charakterausprägung Dominanz zu tun haben. Du darfst aus diesen Aspekten Eurer Augenhöhe nicht schließen, dass Augenhöhe prinzipiell schlecht wäre. Im Gegenteil ist Augenhöhe in diesen Bereichen wahrscheinlich das, was Euch überhaupt noch zusammenhält.
 
G

Gast

  • #4
Fs :
OK ich gebe zu die Frage ist diesbezüglich etwas verwirrend gestellt.
Aber glaubt mir, genauso verwirrt bin ich gerade auch, da meine Partnerin (die ich allerdings sehr sehr liebe) diesen Zusammenhang genauso wie beschrieben herstellt. Ich wäre egoistisch, weil ich nicht genug Selbstvertrauen hätte. Und das ich wie ein " Gockel meine überkommenen Vorstellungen" versuchen würde auszuleben (also männliche Dominanz ausüben).
Eigentlich will ich aber ihr ihre Freiräume erhaltem, jedoch in ihr Leben integriert werden.

Und für mich ist eben auch eine Folge unseres beiderseits zielgerichteten Suchens hier bei EP was in unserem Falle genau auf diese bestimmte Konstellation führte, die vielleicht auch andere so erleben können (Ich will hiermit die EP-Suchenden etwas einbeziehen).
 
G

Gast

  • #5
In der Fragestellung zeigt sich die Freundin nur besorgt um ihn. Ich sehe da keinerlei Egoismus.

Egoistisch ist für mich der Freund, der offensichtlich das "Sich-Kümmern" und "Sich-um-ihn-sorgen" der Freundin nicht aufnimmt, sondern stur seine Sache durchzieht ohne auf ihre Bemühungen Rücksicht zu nehmen.

Dieses Verhalten spricht eine deutlicher Sprache von Egoismus als das Verhalten der Freundin. Und es ist ein Zeichen von "fehlender Augenhöhe". Er fühlt sich "bemuttert" und aufgrund seines mangelnden Selbstbewusstseins lässt er das nicht zu.

Eine Form von Egoismus ist es auch, seine Frage mit vorgefertigten Antworten, die er gerne hören würde, hier einzustellen.
 
G

Gast

  • #6
FS zu #2
Wenn das also so wäre, das meine Selbstwertgefühl in der Beziehung schwach ist (versuche gerade einzuschätzen, ob das so sein könnte)...
ist es denn dann auch ok, wenn ich (gefühlt) dauernd zurückstecken muss ?

Ich gebe ja zu dass sie (meine Partnerin) im ersten Moment öfters die besser scheinenden Argumente hat, später wird mir aber klar, dass meine Erfahrungen und meine Argumente oftmals auch fundiert sind. Insofern also vielleicht doch nicht ganz "auf Augenhöhe" ?
 
  • #7
@#2: Ich bin überzeugt, dass es sich psychologisch anders verhält. Scham und Angst vor Gesichtsverlust haben nichts mit egoistischem Verhalten zu tun. Beides kann zusammen auftreten, aber das ist dann eher Zufall. Im Gegenteil gibt es sogar sehr viele Egoisten, die so egoistisch sind, dass es ihnen völlig egal ist, was andere über sie denken, solange sie selbst nur Vorteile aus ihrem Handeln ziehen. Gerade diese Rücksichtslosigkeit macht Egoismus aus!

Egoismus ist eine negative Charaktereigenschaft und daher neigen Laien dazu, schnell völlig andere, ebenfalls negative Eigenschaften damit in Bezug zu setzen. Es klingt halt so schön eingängig, das "Angst", "mangelndes Selbstvertrauen", "Arroganz" oder ähnliche Charaktereigenschaften Ursache, Folge oder Nebenprodukt von Egoismus sein könnten, aber dem ist im allgemeinen eben nicht so! Sicherlich tritt es bei manchen auf, genau wie all diese Dinge auch bei Nicht-Egoisten auftreten, aber nichtsdestotrotz sind diese Eigenschaften unabhängig von Egoismus.

Auch Du machst meiner Meinung nach den Fehler, den Dominanz-Aspekt des Verhaltens mit Egoismus zu assoziieren. Das mag erst einmal eingängig klingen, ist aber faktisch nicht gerechtfertigt. Aspekte wie "mal zurückstecken" widersprechen den GEFÜHLEN von dominanten Menschen zutiefst -- und die sind wie die meisten Gefühle kaum einfach so willentlich beeinflussbar, wenn auch in Maßen nach außen rationalisierbar und damit trainierbar. Ein dominanter Mensch (und das ist keineswegs eine negative Charaktereigenschaft!) mag es einfach nicht, wenn für ihn oder gar über ihn entschieden wird. Da widersetzt sich in ihm alles, selbst wenn er selbst diese Entscheidung ähnlich getroffen hätte. Genau dieser Punkt zeigt auch, dass das mit Selbstvertrauen rein gar nichts zu tun hat, denn es geht um ein ganz anderes Gefühl, nämlich dass über einen bestimmt wird, man sich beugen muss. Dominante Menschen untereinander schließen allenfalls Kompromisse, bei denen sie quasi beide gleichermaßen entscheiden können, nämlich sich auf einer Ebene die hand geben können.

Alles in allem versuche ich, diese Laienpsychologie zu verhindern, bei der gleich etliche andere negative Attribute assoziiert werden, die qualitativ unterschiedlich sind. Natürlich ist Selbstvertrauen eine wichtige Charaktereigenschaft und aus mangelndem Selbstvertrauen können viele Probleme entstehen -- aber nicht gerade Egoismus, eher schon Trotz, Sturheit oder Unterwürfigkeit.
 
G

Gast

  • #8
@6 gebe dir in diesem Punkt Recht, dass aus mangelndem Selbstvertrauen Sturheit und Trotz entstehen können -und gerade diese Sturheit wird wiederum gerne auch als Egoismus ausgelegt bzw. so von außenstehenden als Egoismus gesehen - und dann schließt sich der Kreis wieder - Gruß 2
 
  • #9
@#3: Lieber Fragesteller! Lass Deine Freundin einfach mal meine Erklärungen dazu lesen und dann diskutiert Ihr beide mal liebevoll, was eigentlich nicht stimmt in Eurer Beziehung und woran sich wer stößt. Und das am besten ohne laienpsychologische Vorwürfe von Charaktereigenschaften, die offensichtlich gar nicht genau genug verstanden werden, sondern mehr der Verletzung und Deklassierung des jeweils anderen dienen.

Du hast es hier in #3 jetzt aber genauer beschrieben: Deiner Freundin gefällt nicht nur Deine Dominanz nicht, sondern sie sieht darin sogar alte Geschlechterrollen, also "männliche Dominanz" und "weibliche Unterordnung". Das ist völlig kontraproduktiv, denn man sollte PRIVATE Paarprobleme nicht an GESELLSCHAFTLICHEN Parametern ausmachen. Es geht darum, wie DU bist und wie SIE ist, nicht aber um Emanzentum, Feminismus und Geschlechterk(r)ampf in einer Partnerschaft. In einer Beziehung hat politischer Geschlechterkampf exakt Null verloren.

Versucht beide wegzukommen von Dominanz-Diskussionen und Euch den Sachdiskussionen zuzuwenden. Sprecht klar über Dein Schwitzen und eine mögliche Krankheit und bauscht eine körperliche Sache nicht zu einer Paarkrise hoch (mal abgesehen davon, dass man nicht gleich zu einem seltenen Facharzt wie Kardiologen rennt, sondern maximal zum Internisten; und abgesehen davon, dass die in 99% der Fälle daran auch nichts machen können, man aber nach einem Belastungs-EKG vielleicht beruhuigt ist, dass das Herz in Ordnung ist). Sie macht sich Sorgen um Dich, was prinzipiell liebevoll und partnerschaftlich ist.
 
  • #10
@#8: Ja, Sturheit, Trotz, Aufsässigkeit können wie Egoismus WIRKEN, sind aber qualitativ grundlegend andere Charaktereigenschaften und auch mit grundlegend anderen Emotionen verbunden, wenn sie ausgelebt werden. Ich denke, bei solchen eher tiefgründigen Diskussionen wie in diesem Thread sollten wir schon Wert auf Exaktheit legen.
 
G

Gast

  • #11
@9: Wenn wir Wert auf Exaktheit legen, dann sollte diese Exaktheit nicht in psychologischen Abhandlungen einhergehen, sondern dem normalen Leser und Menschen verständlich sein. Die wenigsten machen sich die Mühe, hinter die Fassade, hinter die Kulisse eines Menschen zu schauen und dies auch noch zu reflektieren. Vordergründig wird daher Egoismus wahrgenommen - und auch so eingestuft. Alles andere wäre zwar wünschenswert, in der Realität jedoch konträr der vielfach gelebten Oberflächlichkeit, da es ein individuelles Auseinandersetzen mit dem Gegenüber voraussetzen würde.
 
G

Gast

  • #12
FS zu #4
Ja, sowie du das schreibst, könnte es vielleicht sein ...(Ich gehe ja auch bald zum Kardiologen, das ist nicht das Problem, bin also nicht beratungsresistent) nicht dazu passt aber der nörgelnde leicht abqualifizierende, Ton meiner Partnertin, oftmals mit negativen Beigeschmak.

Alles in allem hat Frederika recht und mir sehr geholfen, denn fast alles was sie schreibt, trifft bei unserer Beziehung wörtlich zu.

Ich fühle mich ein bischen erleichtert, denn die Erkenntnis, dass ich ganz offentsichtlich auch dominater bin ,als ich mir selbst dachte, macht es mir leichter, in nächster Zeit etwas mehr nachzugeben (oder wegzublocken), wenn sie nörgelt.

Es ist schon so, wie sie schreibt: Ich mag es nicht, wenn an mir vorbei oder über mich hinwegentschieden wird....und das war am letzten WE auch genau das Problem
 
  • #13
@#11: Es freut mich, dass ich Dir mit meinen Analysen und Erklärungen helfen konnte.

Bezüglich des "Nörgelns" möchte ich aber noch folgende Warnung aussprechen: Natürlich ist in einer Beziehung nicht immer alles eitel Sonnenschein. Natürlich streitet man sich mal, natürlich nörgelt man mal an dem Partner oder der Situation im allgemeinen herum, aber prinzipiell ist es unter gebildeten Erwachsenen extrem sinnvoll, eine partnerschaftliche Diskussionskultur zu etablieren, bei der eben nicht "genörgelt" wird, sondern sachlich gesagt wird, was nicht stimmt. Entscheidend ist, dass beide den inneren, aufrichtigen Willen haben, dem Partner nicht weh zu tun, nicht zu sticheln, nicht nachzubohren nur des Bohrens willen, nicht zu nörgeln nur damit der andere sich ärgert, sondern sich dann innerlich zu bremsen.

Man soll sagen, was einem nicht gefällt, aber nur mit dem Ziel, dass es für sich und den Partner besser wird, niemals damit der andere auch leidet, sich ärgert oder verletzt wird.
 
G

Gast

  • #14
Fs zu #10
Bin schon der Meinung, dass der Partner aber nicht auch noch in diese oberflächliche Sichtweise mit einfällt (meine Partnerin hat mich nämlich ganz schon getroffen, als sie das mangende Selbtwußtsein aussprach, was mir unzutreffend erschien... ich dachte darüber nach und es ergab irgendwie keinen Sinn bzw. eine vernünftigen Lösungsweg hieraus)
 
  • #15
nörgeln ist im Allgemeinen eine ganz schreckliche niemals zielführende Angelegenheit. Führt nur zu Abwehr und verletzt den Gegenüber. Etwas anderes wäre es die Probleme in der ICH-Form zu kommunizieren. Wie z.B.: mir ist es unangenehm, wenn wir händchen halten und deine Hände sind ganz schweißig. Meinst du es gibt eine Möglichkeit was dagegen zu machen, damit ich wieder Spaß habe deine Hände anzufassen.
Das klingt anders als Nörgelei und bewirkt auch nicht gleich Abwehr.

Und hier schrieb jemand das man nicht hinter die Fasade guckt und nur Egoismus wahr nimmt.ALso ich denke mal, in einer Partnerschaft solltre und will man immer hinter die Fasade gucken und raus finden, worum es wirklich geht. Wenn das nicht so wäre, dann hat man sich den falschen Partner ausgesucht
 
G

Gast

  • #16
nochmal #4: Hab eben im Tagebuch-Thread geschrieben, dass man sofort miteinander reden sollte und nicht erst warten sollte, bis a) die Beziehung beendet ist um dann b) sich über irgendwelche nachträglichen Tagebucheinträge zu ärgern, die vorher vielleicht gar kein Thema gewesen wären aber nachher aus purem Ärger. So auch hier in diesem Fall.
(Ich z. B. hab erst nach Beendigung angefangen, Tagebuch zu schreiben und zu lesen).

FS, sprecht sofort direkt miteinander und hört auf, euch gegenseitig irgend eine "Küchentischpsychologie" unterjubeln zu wollen. Das hat keinen Sinn. Ich bleibe bei meiner Sichtweise über die konkret geschilderte Situation in der Fragestellung, denn so würde ich sprechen, wenn ich mir Sorgen um meinen Partner machen würde. Wenn er nicht erkennt, dass es sich um "Sorgen machen" handelt, dann sollte er das vielleicht ansprechen, dass er sich nicht "bemuttern" lassen will, aber nicht im Nachgang hier seine Meinung etablieren wollen durch vorgefertigte, in eine Richtung gelenkte Antworten (die ihn bestätigen und die er gerne hören würde). Nein, nein, ich bin nich irgendwie beteiligt...!

Noch schnell ein klitzekleiner "Seitenhieb in Küchentischpsychologiemanier":
Wie interpretiert der Laie am Küchentisch den "leicht abqualifizierenden Ton... mit negativem Beigeschmak"...? So ganz spontan...? Vielleicht passen da auch einfach zwei nicht zueinander.
Alles Gute.
 
  • #17
@#15: Zu Deiner Frage in Deinem letzten Absatz lies bitte meinen Beitrag #12. Genau darum geht es: Den Partner verletzen, sticheln, abwerten. Das darf einfach nicht passieren -- wenn schon streiten, dann über Sachthemen.
 
G

Gast

  • #18
FS zu #15
Deine Sichtweise ist auch soweit ganz ok.
Wir habe jetzt allerdings am WE mehr als nur ein bischen "gesprochen" (nein: gestritten) und ich fühlte mich hinterher beschädigt, weil ich nicht glauben konnte, dass mein Selbstbewußtsein im Argen liegen soll, und das dann auch noch das (mien) Problem wäre.

Denn eines ist doch klar, wäre ich wirklich so kaputt, dann hätte ich alles mit "Ja und Amen " akzeptiert. Das war aber gar nicht so ...vielmehr versuchte ich, die ganze Sache aktiv in den Griff zu bekommen (hätte ich vielleicht nicht tun sollen) ; als ich mich an die Seite (sprich aus ihrem Leben heraus) gedrängt fühlte und auf ein gewissses Einlenken Ihrerseits pochte.

Und weiter reden..... besser ein paar Tage nicht, denn meine Partnerin hat mit ja schon klar gesagt, dass sie das Problem bei mir sieht und erstmal nicht helfen möchte oder kann.

Und das körperliche Problem ist vermutlich gar keines. Ich werden regelmäßig (auch in diesem Jahr) auf die maximale Körperliche Belastungsfähigkeit (Ja, u.A. auch mit Belastungs-, und Dauer -EKG, Ultraschall und Röntgen ) durch einen Facharzt (allerdings meist Internisten, keine Kardiologen) betriebsärztlich untersucht, da ich im behördlichen Sicherheitsbereich tätig bin. D

Habe allerdings (immer schon) regelmäßig eine Belastungs- Bludruck von 140 - 155 / 60-75. Die Ärzte sprechen mich auch darauf an, halten es allerdings nicht für behandlungswürdig. ERnähre mich gesund und mache viel sport, werde aber doch mal zum Kardiologen gehen...warum auch nicht.

Sie ekelt sich wohl etwas vor mir, wenn ich aus für sie nicht nachvollziehbaren Gründen plötzlich ins Schwitzen komme... (aber natürlich auch aus Sorge, auch klar, ist ja auch gut so ).Schließlich lieben wir uns. Und ich liebe sie
 
  • #19
@#17: Nur kurz zu der medizinischen Komponente: Bei der umfangreichen jährlichen Untersuchung kannst Du Dir den Gang zum Kardiologen völlig sparen. Die nächste Untersuchung wird ja kommen. Gehe lieber zum Internisten und frage ihn konkret zu dem Schweißproblem. Könnte eher was für einen Endokrinologen sein als für einen Kardiologen. Und falls doch, wird er Dich überweisen.
 
  • #20
Liebe Frederika, <MOD: Sticheleien entfernt. Schreiben Sie einfach Ihre eigene Meinung.> meine persönliche Erfahrungen widersprechen deinen Erklärungen. Gut eine Stichprobe ist niemals repräsentativ, ich weiß. Ein angepasster Mensch fühlt sich nicht notwendigerweise wohl, wenn über ihn von einem dominanten Partner fremdbestimmt wird. Gut es gibt einge Asiatinnen, aber bei denen fühle ich mich sehr unwohl.

Ich bin in solchen Psychotests auch tendenziell eher angepasst, aus dem Grund weil vieles mir nicht soo wichtig ist, ich bin sehr stark perceiving nach MBTI. Außerdem habe ich nicht die Energie mich in emotionalen Auseinandersetzungen solange dagegen zu wehren, die andere Menschen haben. Manche Menschen suchen geradezu den Streit, leben auf. Ich versuche zu verstehen, gerate in Selbstzweifel, und das tut mir nicht gut. Punkt. Nichtsdestotrotz wehrt sich so mancher Fremdbestimmte häufig mit mehr oder weniger fiesen Methoden wie zB passiv-aggressiven Methoden gegen diese Fremdbestimmung.

Vor 4 Jahren war ich in einer anderen Singlebörse, und gute Dates hatte ich seit dem Zeitpunkt, als ich nur Frauen anschrieb, die exakt den gleichen mäßigen Dominanzwillen hatten wie ich, und dieser Psychotest hat das damals sehr genau detektiert. Nur bei diesen Frauen war für mich die Bereitschaft erkennbar, gemeinsam auf Augenhöhe eine Partnerschaft, die den Namen auch verdient, zu entwickeln. Es gab für mich dann nie ein schlechtes date mehr, unglaublich eigentlich.

Allerdings: Wenn ich hier die Foren scanne, so begreife ich langsam aber auch, dass diese Art von Beziehung zu mindestens anfangs offenbar die konfliktreichste ist, weil keiner so schnell aufgibt, seine Wünsche durchzusetzen. Ich habe aber nicht die geringste Lust, dass meine Partnerin untergebuttert wird, ihre Wünsche umgangen werden. Umgekehrt weiß ich wie tödlich es für eine Beziehung ist, wenn meine Wünsche unterdrückt werden. Daher ist für mich der Ansatz gleiche Augenhöhe bezüglich Dominanz/Angepasstheit schlicht alternativlos.
 
  • #21
@#19: Ich wundere mich etwas über die Terminologie. Ist "angepasst" das gleiche wie "unterordnend" im Sinne des Gegenteils von "dominant" für Dich? Zweitens stimme ich Dir natürlich zu, dass kaum jemand gerne offen fremdbestimmt wird -- aber auch dieser Ausdruck geht an dem Kern der Charaktereigenschaften vorbei. Vielleicht bist Du selbst eher angepasst, aber durchaus nicht unterordnend?

Dominanz in einer Partnerschaft bedeutet doch nicht, dass einer Befehle gibt und der andere gehorcht, sondern dass einer Vorschläge macht, Sachen in die Hand nimmt, Entscheidungen trifft, wenn sie getroffen werden müssen. Wie geschickt oder ungeschickt er sich dann selbst psychologisch anstellt, entscheidet natürlich darüber, ob der andere sich dabei wohlfühlt. Nichts ist schwarzweiß.
 
  • #22
Hallo Frederika,
danke für deine Antwort und nein ich wollte dich sicher nicht sticheln, es war eine vielleicht zu pointiert gestellte Frage zu deiner Terminologie. Ich bin Naturwissenschaftler und ich möchte es immer genau wissen.
Du hast völlig Recht, ich selber bin terminologisch ungenau, und ich setze angepasst mit unterordnend gleich, und womöglich ist das ein Fehler. Ich bin jetzt eine Runde verwirrt. ;)

Wikipedia (rufe ich gerne auf, wenn es um Defintionen geht) schreibt zu Dominanz: "In der Psychologie spricht man von Dominanzverhalten, wenn ein Individuum das Verhalten von einem oder mehreren anderen Individuen beherrschen bzw. kontrollieren möchte."
Das liest sich für mich anders als deine Definition von oben, und ich finde entscheidungsfreudig ist eher derDimension judging zuzuordnen. Ich bin es definitiv nicht, ich bin sehr stark perceiving und wäre ein schlechter Chef. Wenn es aber keine echte Entscheidung zu treffen gibt, zB in einer Paniksituation oder bei körperlicher Gewalt im Umfeld, stelle ich immer wieder fest, dass ich die Führung in einer Gruppe übernehme, weil offenbar Angst mich weniger lähmt als andere.
Ich will keinesfalls dominante Menschen als schlecht darstellen, denn wir brauchen sie schlicht in einer Gruppe. Nur als Partner für einer dominanteren Frau, wenn ich Definition von oben verwende, wäre ich vermutlich völlig ungeeignet. Umgekehrt scheint es so zu sein, dass wenn eine Partnerin auf dem gleichen Level ist wie ich, es wohl eine sehr konfliktreiche Konstellation ist, von der oft abgeraten wird. Tricky!
Danke Frederika jedenfalls für deine Anregungen!

@FS: Mich stört an ihrer Aussage deiner Partnerin besonders, dass sie sehr von oben herab klingt. Menschen, durchaus auch ich, neigen stark zur Selbstüberschätzung (99% der Autofahrer halten sich für besser als den Schnitt), und einen Partner nach 6 Monaten zu "kennen" widerspricht einfach den realen Gegebenheiten, oder ist sie noch nie nach einer 6 Monaten andauernden Beziehung "enttäuscht" worden. ;)
 
  • #23
egoismus ist eher ein zeichen für selbstbewusstsein!
erst einmal sollte man egoismus definieren:

jeder mensch ist ein egoist. die frage ist nur, wie setzt er diesen egoismus um.
egoist heisst nicht mehr, als seine interessen zu wahren, sie durchzusetzen, nicht ja zu sagen, wenn man nein meint.

der vorwurf, ein egopist zu sein, kommt oft in situationen, in denen das gegenüber, seine egoitischen vorstellungen nicht umsetzen konnte. der kontrahent wird dann als egoist tituliert;-)

viele menschen wären sehr viel glücklicher in ihrem leben, wenn sie etwas egoistischer auftreten würden!

egoismus definiere ich, als die eigenschaft, sein leben selbstbestimmt zu leben, ohne sich von anderen beeinflussen zu lassen (ich bestimme, wann ich mir ein neues auto kaufe, nicht mein nachbar;-)
ich bestimme, wie ich mein leben gestalte, nicht mein umfeld.
selbstbestimmt leben, nicht fremdbestimmt, das ist positiver egoismus!

negativ ist egoismus, wenn die eigenen interessen übere die der mitmenschen gesetzt werden, wenn ich mich auf kosten meiner umwelt auslebe, andere damit schädige.

wenn man von egoismus redet, sollte man beide seiten der medaille vor augen haben.
leider wird bei uns unter diesem wort, nur die negative variante gesehen.
 
G

Gast

  • #24
FS zu #19
Ein bisschen kann ich ja nachvollziehen, dass Du Deinen Gegenüber zu verstehen suchst.

Ich versuche erst dagegenzuhalten, und / oder (wenn es nicht klappt), das Thema zu vertagen, bis ich mir darüber klargeworden bin (was natürlich nicht gerade fair ist, wenn man mit seine Argumenten vorerst am Ende ist...weiß ich ich schon, gebe mir zukünftig etwas mehr Mühe).

Frederika hat einfach recht, zwischen zwei relativ dominanten Partnern lassen sich so kaum vernünftige Kompromisse schließen...
Anderseits glaube ich aber auch, dass dieser Fall in Partnerschaften oft (und nicht selten, wie Frederika meint) vorkommt.
 
  • #25
@#21: Dieser Wiki-Artikel ist extrem dürftig, wie man ja auch schon an Umfang und Ausgestaltung erkennt. Im Rahmen der Paarpsychologie und Verhaltensforschung folgt man sicher eher dem Muster, wie ich es dargestellt habe. Wenn auch sprachlich sehr reduziert, so widerspricht die Wiki-Definition dieser Darstellung aber auch nicht wirklich, sondern drückt es nur platt und zu prägnant aus. "Beherrschen und Kontrollieren" ist in der Essenz ja nicht falsch, weckt aber für Laien falsche, zu strenge Assoziationen. Stellen wir uns mal eine Gruppe Bergsteiger vor, die sich urplötzlich entscheiden muss, in anbetracht von Wetter, technischer Schwierigkeit und Gruppenwünschen eine Tour fortzusetzen oder abzubrechen: In quasi jeder Gruppe wird es Meinungsführer und Mitläufer, Entscheider und Unterstützer geben. Das ist natürlich, das ist sozial und gruppendynamisch gesund. Es wird Mitglieder geben, die aufgrund von Führungsvermögen, Charisma, Kompetenz letztlich die Entscheidung treffen und es wird Mitglieder geben, die heilfroh sind, diese vielleicht strittige und weitreichende Entscheidung nicht selbst treffen und verantworten zu müssen. Das zeigt zumindest die millionenfache Praxis von Gruppendynamik in zahllosen Studien. Fast immer machen es einige wenige Führungspersönlichkeiten unter sich aus, welche Entscheidung letztlich getroffen wird. Alle anderen machen es dann so, wie die Entscheidung gefallen ist. Selbst sachlich kompetentere Mitglieder tragen oft nur ihre Sachinformationen bei und fügen sich dann der Entscheidung. Die Qualität der Entscheidungsführer ist dann dafür verantwortlich, ob sie derartiges Sachwissen in ihre eigene Entscheidung einfließen lassen (guter Führungsstil, Kompetenz, Souveränität) oder nicht. Genau deswegen ist ein guter Anführer einer Gruppe so wichtig, weil er entweder die Gesamtkompetenz der Gruppe zu verwirklichen weiß oder nur seine eigene, ggf. beschränkte Sicht berücksichtigt. Das wiederum hat mit Dominanz nichts zu tun, denn der gute und der schlechte Anführer können gleichermaßen dominant sein, sie unterscheiden sich in ganz anderen Attributen (Souveränität, Sozialkompetenz, Empathie, Altruismus vs. Egoismus).

@#22: Deine Egoismus-Definition ist sicherlich gut gemeint, geht aber an der üblichen Begrifflichkeit vorbei. "Das gesunde Maß an Egoismus" wird eben nicht Egoismus genannt! Natürlich denkt jeder auch an sich, aber Egoismus meint im Kern eine Charaktereinstellung, die von Rücksichtslosigkeit und Eigennutz definiert ist, und damit ein Verhalten, das stets den eigenen Vorteil im Auge hat, und das insbesondere mehr als es Gerechtigkeit, Fairness, Anstand, Partner- und Familiensinn, übliche Hilfbereitschaft oder allgemeine Umgangsformen erfordern würden.

Egoismus bedeutet eben nicht die positiven, gesunden, normalen Attribute wie selbstbestimmtes Leben oder sinnvoller Selbstschutz.
 
  • #26
@#24
es ist eben nicht so, dass mit egoismus, grundsätzlich die negativ-variante gemeint ist!
umgangssprachlich wird dieser begriff sicher so verwendet, aber im endeffekt gehört die positive variante dazu.

interessant ist zu diesem thema auch das buch von kirschner: "die kunst ein egoist zu sein".
darin zeigt er auf, wie die umwelt auf uns zugriff nimmt (auf egoistische weise), wie man manipuliert wird, nicht egoistisch zu sein...so dass der egoist seine interessen durchsetzen kann, und wir dabei auch noch ein gutes gefühl haben;-)
wenn man sich dieser mechanismen bewusst ist, bekommt das wort egoist eine andere bedeutung!

und um auf die eingangsfrage einzugehen: aus diesem bewusstsein heraus, egoistisch auzutreten, das erfordert schon ein gutes selbstbewusstsein.
nicht gemeint ist damit, rücksichtslose verhaltensweisen an den tag zu legen.
jede medaillie hat eben 2 seiten.