• #61
Hallo void, hallo Trixie75, vielen Dank für Eure Rückmeldungen. Eure Worte wirken in mir nach und ja, ich muss das ernst nehmen und genau abwägen, wie es weitergehen kann. Letztendlich will und kann ich von meinem Mann nicht verlangen etwas zu "sein", was er nun einmal nicht ist. Dies ist wohl auch einer der Hauptgründe, weshalb ich fast kramphaft versuche, meine eigenen Sichtweisen zu ändern. Die momentane Lage zeigt mir aber, dass dies nur bedingt und nur phasenweise funktioniert.

Um zum Thema zurückzukommen: Wie hier einige bereits geschrieben haben, ist auch meine Erfahrung, dass ein Verlieben außerhalb der Beziehung dann auftritt, wenn es in der eigenen eine Lücke gibt, die ein Anderer zu füllen vermag - zumindest auf den ersten Blick. Entscheidend ist, was man damit macht, und allein die hiesigen Foren zeigen, dass dies von Verzweiflung über Trennung vom Partner bis hin zu Betrug und Hintergehen führen kann. Ich habe es in der Hand. Ich kann mich (wie alle anderen) nur auf meine eigenen Erfahrungen stützen - sicherlich gibt es auch Fälle, wo in der eigenen Beziehung nichts fehlt und ein Verlieben dennoch auftritt. Oder man lebt ein Modell wie @Quinquin , auch das ist eine Option.

Ob ich mich auch fremdverlieben könnte, wenn in meiner eigenen Beziehung alles gut ist, kann ich nicht beurteilen - die Kurve von der Verliebtheitsphase in den Alltag habe ich leider nie hinbekommen, bzw. hielt die Beziehung, in der ich bis über beide Ohren verliebt war, gerade einmal 3,5 Jahre und damit nicht lang genug, als dass ich das beurteilen könnte. Bei meinem jetzigen Mann gab es daher keine wirkliche Verliebtheitsphase, sondern mündete direkt in eine tiefe Vertrautheit und Liebe. Ich dachte, mit dieser großen Unterschiedlichkeit in der Wertschätzung könnte ich schon auf Dauer leben. Im Moment ist wieder eine Phase da, in der ich daran zweifele.
 
  • #62
Aber eigentlich muss man mE aufdröseln: Kann dieser Mensch wirklich lieben oder ist er noch dabei, Projektionen für Liebe zu halten?
Dazu hatte ich letztens erst an einer Vorlesung teilgenommen: die Psychodynamik des Verliebtseins.

Projektionen gehören nun einmal zum Verliebtsein dazu. Wir dichten dem anderen Eigenschaften an, die wir selbst gerne stärker in uns ( und damit in unserem Leben ) ausgebaut sehen würden. Daher wirkt die Verliebtheitsphase wie ein Katalysator für die persönliche Weiterentwicklung, wenn man es zu nutzen weiß

aber auch für eine Langzeitbeziehung spielt diese Phase eine bedeutende Rolle. Denn in den schweren Phasen der Beziehung können sich die Paare an eine sehr berauschende und verbundene Zeit zurückerinnern, die dann wie ein „Kleber“ auf das Paar wirkt und sie somit auch in konfliktreichen Phasen zusammenhält.


Aber die Frage ist halt, ob es das, was Du Dir wünschst, im Gesamten geben kann, also das, was Dein Mann bietet PLUS das, was ihm fehlt.

In der Paarpsychologie differenziert man 3 Arten von Liebe.

1. die freundschaftliche Liebe ( Werte )
2. die leidenschaftliche Liebe ( sexuelle Chemie )
3. die partnerschaftliche Liebe ( Vision )

Idealerweise sollte man alle drei Aspekte in einem Menschen wiederfinden. Und ja, das ist durchaus möglich, passiert aber sicherlich nicht alle Tage.

die menschliche Psyche mag ja keine Widersprüche (kognitive Dissonanz ). Daher neigen Menschen sehr stark zum Selbstbetrug. Sobald einem etwas unstimmig erscheint, verdrehen wir die unstimmige Tatsachen solange, bis uns die Geschichte wieder stimmig erscheint.

Bei Verliebtheit in einer bestehenden Beziehung, wird einem im eigenen Leben etwas fehlen. Muss nicht zwingend ein neuer Partner sein, aber irgendwo drückt der Schuh. Menschen, die sehr zufrieden mit allem sind, neigen tendenziell nicht dazu, sich zu verlieben. Also es gehört immer eine Prise Frustration dazu ( ungestillte Bedürfnisse ).
 
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