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  • #1

Familie und Umfeld kritisieren meinen Partner

Ich (weiblich und 35) habe vorher noch nie zuvor solch eine Situation erleben müssen und bin nun auf eure Ratschläge angewiesen.
Als ich 28 war traf ich einen Mann, mit dem ich 4 Jahre verbrachte. Wir wollten die Zukunft miteinander verbringen, Kinder bekommen etc.
Leider endete unsere Beziehung und ich stand wieder bei Null. Dann traf ich meinen jetzigen Freund und wir "stürzten" uns sofort in eine neue Beziehung. Diese Beziehung hat mir neues Leben eingehaucht und ich war noch nie so glücklich.
Dann begann aber das Problem. Man muss dazu wissen, dass ich aus einer sehr links eingestellten Familie stamme. Ich selber bin, was viele als die "moderne feministische Öko-Frau" bezeichnen. Ich stehe zu meiner Einstellung und meine gesamte Familie und mein Umfeld sind ähnlich eingestellt.
Als ich meinen jetzigen Freund nach seinem Beruf fragte, hat er sehr lange sich vor solchen Fragen gedrückt und herumgeredet. Später hat er mir gesagt, dass er im Ölgeschäft tätig ist. Er ist Iraner, aber in Deutschland geboren, komplett integriert usw.
Ich finde das natürlich nicht gut, da der Konzern, für welchen er arbeitet, vieles tut, was gegen meine politische Gesinnung spricht. Wir hatten deswegen einen Streit (welchen ich, wenn ich ehrlich bin, verursacht habe) und er sagte mir, dass "es [mich] nie gestört hat, woher das Geld kam", womit er mir teure Geschenke macht. Er verdient extrem gut und beschenkt mich gerne. Ich habe manchmal ein schlechtes Gefühl, da ich ja weiss, woher das Geld kommt. Sein Bruder ist genauso. Er arbeitet für einen großen deutschen Rüstungskonzern. Er macht sich auch keine Gedanken darüber.
Als mein Vater ihn nach seinem Beruf gefragt hat, erzählte er ihm alles. Meine gesamte Familie war geschockt und kritisierten ihn, da ja alles Blutgeld sei. Er sagte daraufhin, dass es ihm egal sei, denn, wenn es muss immer Menschen geben, die solche Arbeit verrichten und wenn er es nicht machen würde, würden es andere tun.

Ich liebe ihn sehr und wir denken auch an eine gemeinsame Zukunft.
Das Problem ist mein Umfeld, welches uns trennen möchte.
 
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  • #2
Ich liebe ihn sehr und wir denken auch an eine gemeinsame Zukunft.
Das Problem ist mein Umfeld, welches uns trennen möchte.

Hallo FS,

es ist nicht nur das Umfeld, denn Du hast ja auch Deine Einstellung, zu der der Beruf Deines Freundes überhaupt nicht passt. Deine Einstellung ist ja auch akzeptabel, aber in meinem Umfeld habe ich festgestellt, dass dann leider oft die Toleranz für Andersdenkende weitgehend fehlt. Das ist in einer Partnerschaft schwierig. Entweder, er ist in der Lage, auf Deine Einstellung umzuschwenken oder ihr werdet ein Leben lang (und jetzt ist die Brille noch rosarot) Spannungen haben. Wenn ihr beide in der Lage seid, die von der Beziehung zu trennen, kann das funktionieren, sonst wird es schwierig. Ich für mich hätte mir Deine Einstellung nur dann kein Problem, wenn Du meine andere Einstellung tolerieren könntest. Das ist erfahrungsgemäß für "Öko-Frauen" ein Problem und die Familie Deines Freundes scheint ja auch komplett anders zu ticken als Deine. Ihr sitzt beide auf einem Pulverfass, das jederzeit hochgehen kann. Ich würde unter solchen Umständne keine Beziehung eingehen.

Zu der Einstellung Deiner Familie generell: ich kann es problemlos tolerieren, wenn jemand in der heutigen Zeit die Tätigkeit von Ölkonzernen oder auch Rüstungskonzernen ablehnt. Als Ingenieur würde ich für Rüstungskonzerne auch nicht arbeiten wollen, mit Ölförderung (außer Fracking) habe ich kein Problem, würde aber eher an schonenden Methoden arbeiten wollen.
Es ist auch sicher schwer, dann konsequenterweise z. B. auf ein Auto und sonstige benzingetriebene Fahrzeuge zu verzichten, sein Haus mit (was bleibt eigentlich, per Axt geschlagenes Holz?) zu heizen und nur regionale Produkte mit dem Fahrrad auf dem Markt einzukaufen, um kein "Blutgeld" an Ölkonzerne zu bezahlen. Aber man grenzt sich natürlich auf der anderen Seite doch aus dem "normalen" Leben und unserer Gesellschaft ziemlich aus für seine (aus meiner Sicht radikale) Einstellung. Ich bewundere dann die Konsequenz, aber Du wirst sehen, dass das dann auch in Bezug auf Partnerschaften ein großes Problem ist. Dein Freund wird sich nicht wohlfühlen, wenn Du konsequenterweise keine Reisen mit ihm machst und auch bei einer Reihe seiner Freizeitaktivitäten sicher "passen" musst.

Vielleicht interessant am Rande: die eine "Ökofrau" in meinem Bekanntenkreis fährt 3x die Woche mit dem Auto 250 km zur Arbeitsstelle (Fahrt bezahlt der Arbeitgeber), weil das bequemer ist als die Bahn, war zuletzt mehrfach in Südamerika in Urlaub und hatte länger einen kubanischen Freund, den sie regelmäßig besucht hat (nein, nicht per Paddelboot). Die andere hat am Hanggrundstück dann doch ca. 15 "wertvolle alte" Bäume fällen lassen, weil die Aussicht aus dem neuen Familienheim eben doch oben besser als unten ist. Mir fällt auf, dass eben leider dann trotz lauter Kritik des "Blutgeldes" das Hemd näher ist als die Hose, wenn es denn drauf ankommt.

Zusammengefasst aus meiner Sicht: an Deiner Stelle würde ich über eine Trennung ernsthaft nachdenken und mir jemanden suchen, mit dem die Beziehung weniger "explosiv" ist.

m, 46
 
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  • #3
Man muss dazu wissen, dass ich aus einer sehr links eingestellten Familie stamme. Ich selber bin, was viele als die "moderne feministische Öko-Frau" bezeichnen. Ich stehe zu meiner Einstellung und meine gesamte Familie und mein Umfeld sind ähnlich eingestellt.

Liebe FS,

genauso wie im rechtsradikalen Umfeld ein Partner aus Schwarzafrika wohl dauernd Probleme auslösen würde, ist es in Deinem linksradikalen Umfeld einer, der für die Ölindustrie arbeitet. Gegen einen Angestellten der Rüstungsindustrie würde wohl gleich der Baseballschläger ausgepackt... Ich finde Deine Einstellung ok, aber die Beziehung würde ich dann konsequenterweise beenden.

m48
 
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  • #4
Oh, Fs, das ist keine ganz einfach Sache. Jedoch:

Ich selber bin, was viele als die "moderne feministische Öko-Frau" bezeichnen. Ich stehe zu meiner Einstellung und meine gesamte Familie und mein Umfeld sind ähnlich eingestellt.

Du schreibst von "Einstellung". Wie sehr aber lebst Du und Deine Familie auch diese Einstellung? Oder seid ihr indirekt beteiligt, dass er sein "Blutgeld" verdienen kann? Geht mal alle in euch, anschließend redet mit Deinem Freund. Würde mich freuen, wenn Du uns mitteilst, was da rauskam! m44.
 
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  • #5
ich verstehe, ihn was für einer Zwickmühle du dich befindest - aber obgleich er nicht deine politische Einstellung teilt, hast du dich in ihn verliebt. wieso? ist es sein Humor, sein Charme, sein Aussehen, die Art, wie ihr miteinander reden könnt? DAS ist das was zählt.
Aber auch der "Rest" gehört zu ihm, deswegen versuche es zu akzeptieren, ohne ihn korrigieren und verändern zu wollen und ihm ständig ins Gewissen zu reden, denn du willst ja auch nicht, dass er dich eines Tages versucht "umzupolen".
Und genauso würde ich das auch deiner Familie erzählen - du verliebst dich in den Charakter und nicht in seinen Beruf und noch nicht mal in ALLE seine Einstellungen und Wertebilder. Wenn alles andere passt: perfekt! viel Glück!
 
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  • #6
Hallo,

ich kenne das nur zu gut. Ich war zur Zeit des kalten Krieges Hauptmann in der Armee und habe die Freiheit der linken Gutmenschen mit meinem Leben beschützt. Dank hat mir das nicht eingebracht.
Öl und Waffen mögen anrüchig erscheinen, aber sie wahren unseren Wohlstand und unsere Freiheit. Schau dir an, was die Linken in der DDR verbrochen haben und schau dir Nordkorea an, da sind die Linken unumschränkte Herrscher.
Ich würde keine linksgrüne Partnerin wollen, mir ist das zu intolerant, zu verlogen und zu weltfremd.
Du nimmst das Geld und verachtest die Herkunft der Mittel - wie geht das zusammen?

Gruß
 
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  • #7
du bist links eingestellt? Ja und? Ne Öko Frau? Ja und?

Jetzt hast du einen Mann, der Dich wohl liebt, aber ein komplett anderes Weltbild hat als Du.
Er arbeitet für die Ölindustrie? Ich verstehe zwar, dass das nicht gerade das ist, was du möchtest, aber vielleicht lernst du was daraus - auch in der Ölindustrie arbeiten "normale" liebenswerte Menschen. Du musst für Dich entscheiden, ob du damit klar kommst, dass der Mann eigentlich das tut, was nicht in Dein Weltbild passt.

Ganz ehrlich: Das Problem vieler "Linker" ist, dass sie sehr festgefahren sind in allem was sie tun. Ihr Weltbild anzupassen kommt oftmals überhaupt nicht in Frage. Sie werten andere Menschen, die nicht ihr Weltbild teilen, ab. Was den anderen Menschen dazu bringt so oder so zu denken oder zu handeln, ist den Linken meistens egal. Ob du daraus ausbrechen kannst? Das musst du selbst wissen.

Das Problem wird aber sein, dein Umfeld wird Dich nicht verstehen (wollen und/oder können). Viele Deiner "linken" Freunde und Bekannten werden Dich fallen lassen, wenn Du ihn nicht verlässt.

Du musst entscheiden, was für Dich wichtiger ist - Dein Umfeld, welches Menschen wegen einer Arbeit abwertet (find ich ganz schlimm - er ist ja schliesslich nicht ein Henker im Iran), oder zu lernen, dass es auf der Welt mehr gibt, als nur "links" zu sein. Du wirst hier für Dein Leben sehr viel lernen, wenn du Dich auf das ganze einlässt. Was am ende rauskommt? Das weiss keiner !
Du bist in dieser Situation nicht zu beneiden, denn es kann ja sein, dass es mit ihm nicht klappt und wenn das so sein sollte, hast du Dein Umfeld nicht mehr und auch Deinen Freund nicht mehr.

m37
 
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  • #8
Ich würde keine linksgrüne Partnerin wollen, mir ist das zu intolerant, zu verlogen und zu weltfremd.
Du nimmst das Geld und verachtest die Herkunft der Mittel - wie geht das zusammen?

Hallo,

das ist ein Punkt, den ich auch nicht nachvollziehen kann. Wenn jemand eine linksradikale Einstellung hat und lautstark vertritt, toleriere ich das. Es ist gut, das wir in unserer Gesellschaft unterschiedliche Meinungen haben können, solange wir sie gegenseitig tolerieren und respektieren. Wenn Radikale dann aber für sich nicht die Konsequenzen ziehen, auf alle entsprechenden Annehmlichkeiten unserer Gesellschaft zu verzichten und eben auch das Geld des "Feindbildes" nicht zu nehmen, dann finde ich das ziemlich lächerlich. Ich stelle aber bei meinen Bekannten mit solchen Einstellungen fest, dass das eher der Normalfall ist.
 
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  • #9
Liebe FS,
es hat langfristig keine Aussicht auf Erfolg und bringt nur Konflikte in Eure Partnerschaft, besonders, wenn ihr Kinder wollt und ein aktives Familienleben über die Kernfamilie hinaus.

Ich bin ITlerin. Meine ersten beruflichen Schritte musste ich mangels andrer Angebote zum Entsetzen meiner intoleranten Umgebung in der Atomindustrie machen. Heute arbeite ich für viel weniger Geld aber mit einem besseren Gefühl bei einem Sozialversicherungstraeger. Das war meine Entscheidung. Mein Exmann arbeitete auch in einer "unhygienischen" Branche.

Wir standen in meinem ach so politisch-korrektem sozialen Umfeld immer unter Beschuss und es war unfassbar anstrengend - ging nur, weil wir weit weg wohnten. Ich konnte mir das gut zurechtlegen, indem ich auf die Realität schaute: sie machen Fernreisen, Kreuzfahrten, nutzen überdimensionierte Autos, Ölheizungen, Kleidung auch nicht Fair Trade, Kapitalanlagen auch fragwürdig usw - viel Text, wenig dahinter. Da ging es bei uns zuhause trotz seines "dubiosen" Jobs korrekter zu. Wir hatten vielleich ein etwas schmutziges Einkommen, haben es aber sehr sauber ausgegeben - eine andere Form von Geldwäsche :)

Mein neuer Partner würde bei meiner Familie ebenfalls keine Begeisterung auslösen. Also lernen sie ihn garnicht erst kennen - ist für alle stressfreier und schützt meine Beziehung. Sie sehen mich eben nur noch 4 mal im Jahr. Das kann man ohne Kinder so machen.
 
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  • #10
Dann hoffe ich aber, dass du und deine Familie auch wirklich links resp. grün leben d.h. kein bis sehr wenig Oel benötigen, kein Auto fahren, Wasseraufbereitung und Heizung via Sonnenkollektoren, usw. Falls du/sie nicht konsequent sind, sollten alle definitiv auf dem Mund sitzen. Da würde ich mir als Partner der FS eine Einmischung verbieten! m45
 
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  • #11
Ich verstehe dein Problem nicht. Es ist jetzt halt so, kannst du nicht ändern, aber du solltest dich ändern und weltoffener und toleranter werden und es einfach mit Humor nehmen. Du magst es beschenkt zu werden - ohne Geld geht das aber nunmal auch nicht. Die ganzen reichen Leuten machen alle irgendwo "Blutgeld".
Dein Partner ist kein schlechter Mensch, oder ist in deinen Augen jeder ein schlechter Mensch, der Auto fährt?

In meiner Beziehung war es ähnlich kompliziert: Er ist höchst gläubiger Katholik, ich Atheist. Wir haben trotzdem zusammengefunden und ob man es glauben mag oder nicht, ich gehe sogar jetzt mit ihm in die Kirche, vorüber ich vor 5 Jahren den Vogel gezeigt und mich mit Händen und Füssen gewehrt hätte.

w (selber öko, aber ich kann trotzdem mit allem leben. Wenn man sich für eine Sache entscheidet, dann tut man es ja für sich und lässt andere so leben, wie sie leben wollen)
 
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  • #12
Als Linke bist du doch tolerant. Also super Gelegenheit, die Toleranz unter Beweis zu stellen!
 
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  • #13
Gast 1, also Deine Formulierung ist doch etwas einseitig! Warum muss Bitte der Mann sein Einstellungen verändern, warum kann die FS ihre Einstellung nicht ändern, eigentlich hat sie das auch schon längst gemacht, wenn sie überhaupt je wirklich hinter ihrer angeblichen Überzeugung stand. Die FS hat sich vom schnellem leichtem Geld locken lassen und genießt es jetzt in vollen Zügen. Wenn jemand viel Geld hat, dem kullert es sehr selten aus dem A... Man verliebt sich leicht und schnell in das einfache Geld und dann sind auch die ganze schönen Vorsätze vergessen.

Ich finde so ein Verhalten heuchlerisch.
 
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  • #14
Einerseits sagst du, du stehst zu deiner Einstellung, andererseits bist du mit _so einem_ Mann zusammen. Nenne mich schwarz-weiß-denkend, aber für mich schließen sich diese beiden Tatbestände aus.
 
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  • #15
Hallo,
das Problem ist nicht die Kritik an ihm durch dein Umfeld. Du hast selbst ein ungutes Gefühl, das ist dein Problem. Wenn du felsenfest zu ihm stehen würdest, würde dir das nichts ausmachen, was deine Familie sagt. So aber findest du selbst, dass sie in gewisser Weise Recht haben. Hier geht es um Ethik und Moralvorstellungen. Ich finde, es macht auch nochmal einen Unterschied aus, wie dein Freund mit der Situation umgeht. Schlimm genug, dass er da arbeitet, aber wenn er das noch bagatellisiert und total unkritisch sieht, passt das nicht zu dir. Wäre vielleicht was anderes, wenn er dort arbeiten würde, selbst aber auch kritische Aspekte sehen würde und dort wäre, weil er nichts anderes gefunden hat. Dann könnte er sich auch nach einer anderen Arbeit umsehen.
Ich könnte glaube ich nicht mit einem Partner glücklich werden, der völlig andere Wertvorstellungen hat als ich.
 
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  • #16
Ob links oder rechts, die Ölindustrie betrifft uns direkt oder indirekt alle, die wir nicht im Wald leben und uns von Beeren ernähren. Man kann sich in dieser Welt der Beteiligung an diesem Geschäft nicht entziehen. Daher hat diese Konstellation keine moralische Relevanz für die Beziehung.

Etwas anderes wäre es, wenn der eine Partner vegan lebt und der andere in der Lebensmittel- oder andere tierverarbeitenden Industrie arbeitet.
 
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  • #17
Sehr tragisch. Die FS ist in einem echten Dilemma.
Aber man kann eben nicht einerseits sich moralisch besser fühlen als andere und andererseits "tolerant" gegenüber anderen sein.
Tolerant sein bedeutet, andere anders sein zu lassen OHNE dass man den anderen weniger achtet.

Wäre die FS gläubige Christin, würde sie sicher im neuen Testament genug Stellen finden, die sie für die Liebe, also für ihren Freund, entscheiden lassen.
Ist die FS aber doch zu sehr familiär-fundamental geprägt, wird sie sich für ihre Herkunft, ihre Wurzeln entscheiden - was ich auch verstehen könnte!

Das Krasse an dieser Frage ist ja, dass die FS nichts kritisiert, was der Mann IHR gegenüber tut. D.h. ein eigenes, persönliches Problem hat sie nicht aufgrund persönlicher Erfahrungen mit dem Verhalten des Mannes, sondern aufgrund ihrer moralischen Überzeugung.
Ihre moralische Überzeugung ist, dass Menschen, die im Öl- oder Rüstungsgeschäft tätig sind, schlechte Menschen sind. Das wurde ihr offenbar von Kindheit an eingeimpft. Das kann sie also nicht einfach über Bord werfen.
Jetzt muss bzw kann sie erkennen, dass man einen Menschen NIEMALS als "gut" oder "schlecht" einordnen kann, sondern dass ein Mensch immer so viele Eigenschaften hat, Handlungen zeigt, Ansichten vertritt, dass man höchstens jede einzeln kritisieren kann - aber nie den Menschen als Ganzes. Bsp. Uli Höhnes hat Verbrechen begangen - aber auch sehr menschenfreundliche Handlungen. Assad lässt sein Volk bombardieren, ist aber ein liebevoller Familienvater, wie viele andere Kinder ihn sich nur wünschen können (Extrembeispiele machen hoffentlich besser klar, was ich meine).
Das Problem bei moralischen Gründen ist immer, dass sie in Richtung Fundamentalismus tendieren, also tendenziell Intolernz fördern.
ich hoffe, die FS kann sich ein Stück weit davon frei machen und sich für den Mann entscheiden und ihrer Familie als tolerantes Vorbild dienen.
Vielleicht wird dieser Mann, den sie jetzt so kritisiert, sie mal liebevoll pflegen.
 
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  • #18
Ob links oder rechts, die Ölindustrie betrifft uns direkt oder indirekt alle, die wir nicht im Wald leben und uns von Beeren ernähren. Man kann sich in dieser Welt der Beteiligung an diesem Geschäft nicht entziehen. Daher hat diese Konstellation keine moralische Relevanz für die Beziehung.

Etwas anderes wäre es, wenn der eine Partner vegan lebt und der andere in der Lebensmittel- oder andere tierverarbeitenden Industrie arbeitet.

So einfach ist es nicht, befürchte ich. Zwar wird die Familie der FS eifrig die Errungenschaften der Ölindustrie nutzen, aber trotzdem auf ihrem "moralischen" Standpunkt beharren. Extremisten jeder Ausrichtung blenden die Realität immer hervorragend aus und sehen nur ihr eigenes Gutmenschentum. Auch ein veganer Partner hat kein Recht, seine Partnerin dafür zu verurteilen, dass sie nicht vegan lebt, Fleischereifachverkäuferin ist, Milch trinkt oder was auch immer. Das Problem ist hier mangelnde Toleranz. Die wird sich auch auf Dauer nicht einstellen. Vor intoleranten Menschen kann man nur rechtzeitig flüchten.

m, 46
 
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  • #19
Kurz meine Meinung dazu:

Warum tun sich Menschen - im mittlerweile 21. Jahrhundert angekommen - noch immer so schwer, aus LIEBE völlig eigene Wege zu beschreiten, was in der Historie immer schon Gang und Gebe war?

Kleinreden und kaputtreden kann man nahezu alles...

Zumindest ich plädiere definitiv für die Liebe in all ihrem Facettenreichtum! Und das beginnt bereits bei der Liebe der Eltern zu ihren geborenen Kindern usw.

Meine Kind habe z. B. nicht geboren, um ihnen später Stolperstein um Stolperstein in IHREN Weg zu legen,

Meine Tochter lebt sehr, sehr glücklich mit einem sehr europäisch aufgewachsenen indischen Mann zusammen, der sich dennoch indischen Traditionen widmet!

Die Liebe SEINER Eltern und die Liebe IHRER Eltern, lassen diese Zwei einfach glücklich sein!
Ich bin überzeugt, dass LIEBE die stärkste Kraft ist!
 
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  • #20
Hier die Fragenstellerin:
Mein Partner interessiert sich nicht dafür, wo das Geld herkommt. Er ist der Meinung, dass irgendwer diese Arbeit machen muss. Schließlich ist die Welt darauf angewiesen und er ist der Meinung, wenn er sich nicht ein Stück vom Kuchen nimmt, nehmen es sich die anderen.
Zusätzlich sagt er, dass seine Eltern aus dem Iran stammen und viele Perser im Öl und Waffen-Busines tätig sind. Schließlich verkauft sein Bruder ja nicht Waffen an Diktatoren, sondern an die Deutsche Bundeswehr.
Er liebt mich und ist froh, dass er mir diesen Luxus ermöglichen kann. Ich verdiene auch gut, bin aber der Meinung, dass ich "saubere" Arbeit leiste. Ich respektiere es aber, dass er seinen Beruf liebt.

Ich hoffe nur, dass mein Umfeld ihn auch bald akzeptieren kann.
Schließlich haben mich seine Eltern sofort angenommen und behandeln mich wie ihre eigene Tochter.
 
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  • #21
Zusätzlich sagt er, dass seine Eltern aus dem Iran stammen und viele Perser im Öl und Waffen-Busines tätig sind. Schließlich verkauft sein Bruder ja nicht Waffen an Diktatoren, sondern an die Deutsche Bundeswehr.

Schließlich haben mich seine Eltern sofort angenommen und behandeln mich wie ihre eigene Tochter.

Hallo FS,

ja, das ist sicher auch ein kultureller Unterschied. Interessant, dass die blutrünstige Familie, die mit Öl "Blutgeld" verdient, dann sehr tolerant und liebevoll zu Dir ist, Deine "saubere" Familie aber sprichwörtlich die Waffen auspackt, wenn Dein Freund kommt. Für mich ist das insgesamt wieder mal ein Beispiel für die Introleranz der linken Gutmenschen.
Vermutlich wirst Du Dich irgendwann mal zwischen ihm und Deiner Familie entscheiden müssen. Er wird die Spannungen bei Besuchen Deiner Familie kaum freudig ertragen...

m42
 
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