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  • #1

Ewiger Student und deutlich jüngere Freundin

Mir ist schon öfters aufgefallen, dass ich in meinem Umfeld immer wieder eine typische Paarkonstellation treffe.

Da ist der ewige Student, der sein leben nicht richtig geplant bekommt. Zum Teil wird neben dem Studium schon gearbeitet, aber der Abschluss wird einfach nicht geschafft. Er doktort schon ewig rum, aber es fehlt der Elan, es endlich mal abzuschließen. Häufig ist das gepaart mit einem übertriebenen Perfektionismus, der blockiert. Dabei handelt es sich in fast allen Fällen, um sehr hilfsbereite Menschen, die für andere da sind und oft dabei vergessen, sich um ihr eigenes Leben zu kümmern.

Und immer wenn ich darauf stoße, sehe ich an der Seite eine deutlich jüngere Partnerin (teilweise mehr als 10 Jahre jünger). Diese ist meist deutlich besser organisiert und plant das Leben für beide. Dabei entstehen immer wieder Probleme, weil die jüngere Partnerin mit der Zeit sozusagen aufholt oder überholt, also eventuell ihr eigenes Studium oder die Ausbildung abschließt und nun ins Berufsleben startet. An dem Punkt fängt es dann gerne an zu kriseln und häufig erleidet der ewige Student eine Krise und verliert deutlich an Selbstbewusstsein.

Oft kommt es dabei dann später bei der Zukunftsplanung zu Problemen, weil die Lebenswege immer weiter auseinander triften. Bei mir selbst ist daran eine Beziehung gescheitert, was sehr schmerzvoll war. Am liebsten würde ich deise Paare auf das Fatale der Konstellation hinweisen. Kennt jemand Beispiele, wo sich so eine Konstellation letztendlich funktioniert hat, also Schritte wie Familienplanung oder Heirat am Ende durchgeführt worden sind. Meiner Erfahrung scheitert es immer genau an diesem Punkt
 
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  • #2
Bist du den sicher, dass dieser Mann überhaupt die gleiche Ziele (Familienplanung, Kinder...) verfolgt, die dir so wichtig sind? Vielleicht WILL er irgendwie auch so leben, will gar nicht "erwachsen" werden oder ein konventionelles Leben führen. Sein Aufschieben könnte an Depressionen, fehlendem Antrieb oder einfach daran liegen, dass er im Grunde seines Herzens gar nicht wirklich mit dem Studium fertig werden will liegen. Die meisten Menschen studieren, weil sie einen gut bezahlten und gesellschaftlich anerkannten Job anstreben und ihre Familie damit ernähren wollen. Ihnen sind Karriere, Wohlstand und Sicherheit sehr wichtig. Das ist aber nicht bei jedem Menschen so. Manchen Menschen macht das eben genau das, was andere für so erstrebenwert halten, einfach nur Angst. Sie sehen sich nicht in dieser Rolle. Womöglich studieren sie, weil sie das Fach interessiert, weil sie sich intellektuell weiterentwickeln wollen, weil sie einfach wissenshungrig und neugierig sind. (So wie Goethes Faust) Der Abschluss würde für sie ein Ende dieser Phase bedeuten und ist damit (unbewusst) gar nichts positives für sie. Auch die jüngere Freundin macht da Sinn, denn die stellt ja noch nicht solche Forderungen wie eine gleichaltrige oder ältere es tun würde, die sich womöglich Kinder, ein Eigenheim, beruflichen Erfolg und ein geregeltes Einkommen wünschen würde.
Ja, ich kannte schon einige dieser Leute. Bei meinem Studium waren es diejenigen, die ich oft für die Talentiertesten hielt. Sie verfügten oft schon über ein höheres Wissen als ihre Dozenten, stellten an sich selbst sehr hohe Anforderungen und waren meist Idealisten und Träumer. Ihre Hausabeiten glichen Doktorarbeiten, die sie aber meist zu spät einreichten und somit dafür manchmal nicht einmal einen Schein bekamen. Dagegen wirkten die Arbeiten und Referate ihrer Kommilitonen oft wie die Hausaufgaben eines Schulkinds, wo die Hälfte aus dem Internet kopiert und von Büchern abgeschrieben war. Die beendeten aber nach 4 Jahren ihr Studium und suchten sich einen Job.

Hilft man diesen Menschen wirklich, wenn man sie ändern will? Ich glaube manchmal, dass dieses starre System viele Talente und große Denker sinnlos verschwendet. Sie bräuchten ganz andere Herausforderungen und Möglichkeiten, um sich zu entfalten und nicht von der Uni-Bürokratie zerriebe zu werden. Es gibt ja sehr prominente Beispiele für außergewöhnlich erfolgreiche Studienabbrecher. Ein Uni-Abschluss wird oft maßlos überschätzt.
 
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  • #3
Du musst niemanden darauf hinweisen. Jeder Mensch lebt in verschiedenen Phasen und dazu gehören in der Regel auch verschiedene Partner. Oder glaubst du, es gibt nur einen Lebenspartner? Es ist ganz normal, dass sich Wege nach dem Studium trennen, sobald man reifer wird. Daran finde ich auch nichts verwerflich. So ist das nun mal. Jeder Mensch hat Minimum im Durchschnitt 4-6 feste Beziehungen im Leben, die sich in der Regel alle 5- 7 Jahre abwechseln, weil man sich selber auch weiterentwickelt.
 
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  • #4
Menschen ändern sich. Ich kenne Leute, die waren in der Schule Streber, dann ewiger Student, der nichts gebacken bekommt, dann strukturierter erfolgreicher Typ und engagierter Vater. Geht natürlich auch bei Frauen oder umgekehrt.

Natürlich kann das klappen. Ist nur eine Frage, ob Leute sich weiterentwickeln. Und manchmal brauchen sie dazu eben ein paar Anläufe mit Rückschlägen.

Ich glaube nicht, dass die Inkompatibilität in den von dir geschilderten Beispielen das Problem ist, sondern, dass sie es zu einem Problem machen. Ein Mensch wächst an seinen Herausforderungen. Und die Herausforderungen muss man eben auch mal wagen. Anstatt sich und andere in fertige Schubladen zu stecken.
 
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  • #5
Kenne ewigen Studenten

- mit deutlich jüngeren Frau wo es inkl. Familie klappt - er ist zum Taxifahrer mutiert, Sie ist eine nicht ambitionierte Lehrerin
- mit gleichaltrigen Frau und Schediung vor Familiengründung
- mit gleichaltriger Frau wo es inkl. Familie klappt - er hat dei Kurve bekommen, Sie ist ambitioniert
- ohne Partnerin, da klappt gar nichts ...

Die Konstellation ewiger Student mit deutlich jüngeren finde ich persönlich nicht so häufig, vielleicht entdecken da Frauen Ihre Mutterinstinkte ?

M46
 
  • #6
Naja, wir leben ein wenig im gesellschaftlichen Vakuum.. die "Haus, Hof, Famillie, Kinder, Heirat" - (Zaunkönig Generation)
Generation ist eigentlich nun aus dem Arbeitsleben herausgetreten und Neue Konzepte sind noch nicht vergesellschaftlicht worden..

nun ist die derzeitige Yuppie /Hipster /Alternative /Medien Landschaft zwar etabliert, aber das "sesshaft" werden ist dabei nicht vorgesehen, es ist das "sich etablieren" zum Ziel geworden und nicht das etabliert sein an sich.. man hört nicht auf von Praktikum zu Praktikum zu taumeln, ohne einen job der einem ein Auskommen beschert und mit dem man eine Famillie aufziehen kann.. weil eigentlich ist das in der Generation Y gar nicht vorgesehen.. in dieser altert man nicht, man wird nicht erwachsen da man eigentlich nie Kind ist, man sucht sich keine Reichtümer und vor allem bleibt niemals zu lange an einem Ort weil, hinter der nächsten Ecke, nach dem nächsten, sinnlosen Uganda Entwicklungshilfeauslandsaufenthalt könnte der Durchbruch liegen.. wobei eigentlich niemand weiss woran man denn diesen "Durchbruch" erkennen könnte, weil Geld isses ja per Definition nicht.. das macht ja nicht glücklich wie wir alle wissen.

ergo was macht denn der nicht mehr ganz so junge Mensch auf der suche nach dem Glück wie einst Herr Rossi beim Paulchen Panther ? genau: weitersuchen bis irgendwas so aussieht wie Glück.. ich habe nicht wenig Freund an die Laubenpieper "verloren".. Häusschen im Grünen und 2 Kinder, Kombi, Haus.. andere Freunde sind immer noch in befristeten Arbeitsverträgen und leiten den Verkaufsshop eines bekannten Fernsehsenders, mit fertigem Studium der Medientechnik.

ich bin sowas wie der letzte Mohikaner meiner Kumpelgeneration: ich hab einen gutdotiereten Job in einer internationalen Firma und lebe wie einer dieser "Freizeitstudenten" quasi Job und Studium gewechselt und nicht beendet .. Ich gebe offen und ehrlich zu , ich habe dieses Modell von einer flüchtigen Bekanntschaft abgeguggt. und ich hoffe das sich eingie andere an mir ein Beispiel nehmen, es geht nämlich beides.. =) und Kinder und Heirat wollen wir beide , meine Partnerin und ich, auch bald.
 
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  • #7
Liebe FS,
ich kenne einige dieser "ewigen Studenten", übrigens auch Frauen.
Sie haben eben 20 Semester mehr gebraucht als ich und sind danach weit unter ihrem Level geblieben, weil ihnen ein paar relevante Eigenschaften für den beruflichen Erfolg fehlten. Sie gehen eben einen andern Lebensweg, arbeiten gegen kleines Geld, 2-3 Grade (Erzieher, Ergotherapeut) unter ihrem Abschluß (Diplompädagoge) in politisch relevanten Projekten, mit sehr viel Engagement. Unter dem Engagement scheitern ihre Beziehungen mit den eher Stromlinienförmigen, so wie mir. Das war mir alles zu wischiwaschi, keine echte Zukunftsperspektive und im Hinblick auf das Alter fand ich diesen Lebensstil nicht erstrebenswert.

Sie hatten eher lockere wechselnde Partnerbeziehungen bis Ende 40, die aber auch immer unter ihrem politischen Engagement litten und nach ein paar Jahren zerbrachen. Danach klappte es mit der Partnersuche nicht mehr so richtig - sie landen immer bei den komplett im Leben Gescheiterten. Das wollen sie als Partner nicht, weil sie das schon im Job haben. Allen anderen waren sie zu wenig auf Partnerschaft fokussiert und in dem Alter ist jeder geprägt, was es ohnehin schwieriger macht.

Ich bewundere sie für ihre Überzeugung und ihr Engagement, habe ich immer getan - es war nur nicht mein Weg. Ich war eben am herkömmlichen Erfolg orientiert und so war auch mein Lebnsstil: Langzeitehe und danach nichts mehr, weil aus den gemachten Fehlern gelernt und nie wieder einem Mann begegnet, der für mich geeignet gewesen wäre.

Als Freunde schätze ich sie, als Partner würden sie mich wahnsinnig machen. Ich hatte bis Ende 20 solche Männer, weiß also wovon ich rede. Und ich war nicht die einzige junge Studentin, der es so ging - solange es passte, war es schön und als es nicht mehr ging, weil die Lebensziele zu weit auseinander klafften, wurde es i.d.R. von den Frauen beendet. Die Männer hat der Ehrgeiz der Frauen weniger gestört, als die Frauen die Ziellosigkeit der Männer.
Die irrlichternden Frauen waren immer auch mit solchen Männern zusammen. Da zeigte sich das Problem so nicht.
 
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  • #8
- ohne Partnerin, da klappt gar nichts ...

Die Konstellation ewiger Student mit deutlich jüngeren finde ich persönlich nicht so häufig, vielleicht entdecken da Frauen Ihre Mutterinstinkte ?

Eben, oft ist die Partnerlosigkeit auch ein Grund, warum nichts klappt. Man sollte sich auch mal bewusst machen, was ein Partner einem bringt.

Mutterinstinkte glaube ich nicht, warum sollte eine Frau für einen Älteren Mutterinstinkte haben. Nur weil er sein Leben nicht so gut gebacken kriegt und noch studiert? Warum sollte er deshalb kindlich sein. Sehe ich keinen Zusammenhang. Das kann auch ein sehr wortgewandter, dominanter oder sonst was Typ sein.
 
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  • #9
Was heißt denn ewiger Student? Viele Menschen fangen im Alter ganz selbstveständlich noch einmal an, sich weiterzubilden, Abschlüsse nachzuholen oder zu studieren. Und viele wollen eine neue Berufung erlernen. Daran ist nicht verkehrt! Weiterbilden sollte man sich immer im Leben und ich finde, das Leben ist zu kurz, um ein Leben lang nur in einem Job zu versauern. Außerdem muss man heute ja nun mal sehr lange studieren, wenn man etwas gescheites werden will und wenn das Geld da ist, dann ist doch alles in Ordnung?!

Ich habe auch mit Mitte 30 noch mal angefangen, meinen Hochschulabschluss nachzumachen (Abitur: 1,0). Umsonst? - Wohl nicht! Danach habe ich einen neuen beruflichen Weg eingeschlagen. Tausend Leute haben mir davor auf den Kopf geklopft, ob ich denn blöd wäre und spinne?! Tja, heute mache ich aber das, was ich will und es hat sich gelohnt!

Du kennst doch die Beweggründe der anderen Menschen gar nicht! Organisation(-stalent) ist eben auch eine Sache der persönlichen Fähigkeit, die nicht jeder besitzt. Manche beherrschen das mit 20 schon sehr gut, andere auch mit 60 noch nicht. Und nicht nur Studentenbeziehungen gehen auseinander. Ich würde die Leute ihre Erfahrungen machen lassen. Meine Beziehungen sind nach der Schulzeit auch auseinanander gegangen. Darüber bin ich heute sehr froh. Ich würde nicht mehr mit Typen zusammenhängen wollen, die ich mal vor 20 Jahren geliebt habe.
 
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  • #10
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Das Phänomen ist nicht neu.

Ein Doktorand ist am besten mit einer angehenden Doktoressa liiert.
Ein Habilitand braucht eine Habilitandin, oder ähnliche Zielvorgabe.

Wenn jemand mit 35 nochmal Zahnmedizin studiert verlässt er seine Altersnormgruppe.
Eine Frau die mit Mitte 40 einen völlig neuen Beruf erlernt oder zurück an die Uni geht um etwas zu studieren, z.B. Abschlüsse nachholt, die sollte sich Gleichgesinnte suchen. Toleranz wird dann nämlich selten. Bist du's ?

Was ist schlimmer : wenn dein Freund in seiner Arbeit aufgeht und dich gar nicht mehr sieht, oder wenn er sich dir widmet und durch deinen Angestelltenrhythmus abends nicht mehr schreibt ?

Wenn jemand nicht versteht was der andere in seiner Art von Arbeit macht und findet kann er auch nicht warnen wenn der andere anfängt nicht mehr zielführend zu arbeiten. Ich fürchte du kannst das nicht einschätzen was er macht. Er liest viel, er denkt viel.
 
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