Angele

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  • #1

Esoterik, Parapsychologie und Neureligiösität - die neue Sucht ?

Vor einigen Jahren bin ich aus beruflichen Gründen nach Deutschland gezogen bin. Hier habe ich ein Phänomen entdeckt, dass ich in einem so massiven Ausmaß nicht woanders erlebt habe. Menschen (vor allem Frauen), die ihr Leben in schon erschreckendem Maße der Esoterik, der Parapsychologie, der Neureligiösität, der Wahrsagerei etc. gewidmet haben.
Die Buchläden hierzulande haben eigens Regale mit Büchern über Esoterik und andere "Lebensweisheiten" eingerichtet. Engel, Räucherstäbchen und anderer Firlefranz ziert diese Bücherregale.
Ich habe viele Dates mit Männern gehabt, deren Ehen an dem Esoterik-Hang der Ex-Frauen gescheitert ist. Diese Männer sind unglücklich geworden und verstehen ihre Ex-Frauen genauso wenig wie ich.
Studierte und scheinbar vernünftige Frauen (und gelegentlich Männer), die in der Mitte ihres Lebens der Esoterik verfallen, viel Geld für Kurse ausgeben, ihre Ehe und ihr soziales Netzwerk aufgeben, sich in ihrem Denken und Fühlen nach esoterischem Gedankengut richten.
Was sind das für Menschen? Wie kommen sie dazu, ihr Leben so auszurichten?
Wer sieht etwas Positives am esoterischen Gedankengut?
Warum ist Esoterik in Deutschland so verbreitet?
 
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Gast

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  • #2
Mir ist das noch nicht aufgefallen, daß Esoterik hierzulande so stark verbreitet ist. Hab auch noch keine Frau kennengelernt, die so drauf war.

Aus welchem Land kommst Du, mit welchem Land vergleichst Du?

M/50
 
  • #3
Das habe ich noch gar nicht bemerkt!

In meinem Umkreis gibt es keine einzige Frau, die esoterisches Zeugs von sich gibt. Ab und zu wird mal, eher humorvoll, über die Bedeutung der Sternzeichen diskutiert. Mehr ist da nicht, und keine einzige Ehe kam aus diesem Grund ins Wanken.
Vielleicht bist du zufälligerweise an Menschen geraten, bei denen gehäuft dieses Thema aktuell war.

Ich denke, die meisten Frauen lächeln über solche Themen, und gehen eher pragmatisch an diese heran.
 
G

Gast

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  • #4
Das es in Deutschland so besonders stark verbreitet wäre ist mir auch neu, ich kenne nur sehr sehr wenige Frauen die sich dafür begeistern.
Vll. bewegst du dich einfach in den falschen Kreisen oder du fällst auf selektive Wahrnehmung herein.

Das einzig positive an Esoterik ist das es einem leicht macht eine bestimmte Art von Frau zu erkennen und gleich auszusortieren.
 
  • #5
In dem Ausmass ist mir das bisher noch nie aufgefallen.

Allerdings hat es schon was: Wer heutzutage in Westmitteleuropa religiös (i.S.v. "normal" christlich religiös bei der Landeskirche - keine Freikirche, keine Sekte) ist, gilt als bieder, langweilig, von gestern. Wer sich dagegen mit dem von Dir beschriebenen Schwachsinn abgibt, gilt - zumindest in nicht zu vernachlässigenden Kreisen - als interessant, offen, aufgeschlossen.

Meine Erklärung ist ganz einfach: Entweder haben diese Leute einfach einen Sprung in der Schüssel, oder aber sie sind unfähig oder unwillig (oder beides), ihr Leben auf normale Art und Weise in den Griff zu bekommen und zu gestalten und über ihr eigenes Tun logisch nachzudenken; lieber schieben sie Misserfolge usw. auf irgendwelche Karten, Sternkonstellationen, Kristallkugeln, usw.

Und dass in Zeiten, in denen - bspw. aufgrund der wirtschaftlichen Situation - allgemeine Verunsicherung sich breitmacht, die Leute in allen möglichen (und unmöglichen) Ersatz-"Religionen" Zuflucht suchen, ist ja wahrlich kein neues Phänomenon.
 
  • #6
Nicht nur in Deutschland sondern auch in der Schweiz ist Esoterik verbreitet. Nach USA gibt es in der Schweiz die grösste Anzahl an verschiedensten religiösen Sekten/Gruppierungen.
Das Interesse an diesen Themen vermute ich a) in einem sinnentleerten Leben dieser Menschen, b) in einer Lebenskrise c) im Bewusstsein des Menschen, dass er ein sterbliches Wesen ist, wessen Existenz für immer erlöscht, begründet. Daraus leitet sich d) der Wunsch und das Bedürfnis ab, Antworten auf die grossen philosophischen Fragen zu erhalten: wer sind wir, woher kommen wir, wohin gehen wir.

Die Frage: was ist letztlich der Sinn des (meines) Lebens.
 
G

Gast

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  • #7
Was meinst Du genau mit "esoterischem Gedankengut"? Wenn Du damit Spiritualität meinst und die Suche nach einer höheren Wahrheit - damit haben sich die Weisen und Philosophen der Welt schon seit Anbeginn der Menschheit beschäftigt. Es ist eher so, dass in der Neuzeit das Interesse der Menschen an transzendenten Wahrheiten nachgelassen hat, was hauptsächlich auf die zunehmend materielle Ausrichtung des ganzen Denkens und Handels zurück zu führen sein dürfte. Es ist sicher auch kein Zufall, dass Menschen in der Mitte ihres Lebens beginnen, nach höheren Wahrheiten zu suchen. Wenn man die Hälfte seines Lebens damit verbracht hat, materielle Güter anzuhäufen, und dann irgendwann feststellt, dass einen das nicht glücklich macht, dann beginnt man eben zu fragen, ob es noch etwas anderes gibt - und begibt sich auf die Suche. Und die Wege zur Erleuchtung sind vielfältig!
 
  • #8
Nach USA gibt es in der Schweiz die grösste Anzahl an verschiedensten religiösen Sekten/Gruppierungen.

Interessant! Das wusste ich nicht. Das erstaunt (und erschreckt) mich. Wie gesagt, ich merke davon nichts; allerdings bewege ich mich auch nicht in Kreisen, in denen es nicht üblich wäre, über sein eigenes Handeln selbstverantwortlich und mit dem Kopf nachzudenken. Darum wohl.

Das Interesse an diesen Themen vermute ich a) in einem sinnentleerten Leben dieser Menschen, b) in einer Lebenskrise c) im Bewusstsein des Menschen, dass er ein sterbliches Wesen ist, wessen Existenz für immer erlöscht, begründet. Daraus leitet sich d) der Wunsch und das Bedürfnis ab, Antworten auf die grossen philosophischen Fragen zu erhalten.

Wenn es nur darum ginge, dann würden doch "normale" Religion und/oder Philosophie auch genügen! Das allein kann keine Erklärung sein. Ich denke, Dinge wie Lifestyle oder Zeitgeist (in einem weiteren Sinne) spielen sicher auch noch mit.

Der Glaube an eine unsterbliche Seele muss allerdings keineswegs zur Beschäftigung mit solchem esoterischem Unsinn führen. Ich glaube auch an die Unsterblichkeit der menschlichen Seele - für mich ist das ein Definitionskriterium für "Seele" -; deswegen käme es mir jedoch nie in den Sinn, zu pendeln, Karten zu legen, in Kristallkugeln zu starren, usw.
 
  • #9
Ja, ich finde das auch ausgesprochen erschreckend und beunruhigend. Ich habe selbst rein gar nichts übrig für Esoterik oder Religion und kann mit solchen Menschen auch nicht umgehen. Wir sind uns einfach gedanklich zu fremd.

Dass Deutschland besonders schlimm sein soll, war mir nicht klar. In den USA gibt es ja auch erschreckend viel Frömmelei und dergleichen.

Ich kann nur für mich sagen: Ich schließe solche Typen kategorisch aus.
 
  • #10
Eine grosse Rolle spielt ebenfalls eine starke Todesangst und die Trotzhaltung zu akzeptieren, dass das eigene ICH es einmal nicht mehr geben wird. In Untersuchungen in USA hat man festgestellt, dass Menschen, welche zu Ängsten neigen häufiger religiös sind als nicht ängstliche Menschen.
Dieses Interesse oder Zuwendung zu esoterischen Themen dient auch zur Beruhigung der Ängste.
...ihr Leben auf normale Art und Weise in den Griff zu bekommen und zu gestalten und über ihr eigenes Tun logisch nachzudenken;
Oh ganz im Gegenteil, ich kenne einen Akademiker (Physiker) und andere Akademiker, die in einer Freikirche sind. Alle Männer verheiratet, Familienväter und berufstätig. Es sind keineswegs gescheiterte Existenzen. Daher wundere ich mich umso mehr, dass ausgerechnet aufgeklärte, gut ausgebildete Menschen sich mit solchen Pseudowissenschaften befassen. In diesen Personen erkenne ich eine Unfähigkeit mit schmerzhaften Emotionen umzugehen und sie zu regulieren und die Verantwortung für das eigene Handeln bzw. deren Konsequenzen abzugeben.

Auch Menschen, die einen schweren Unfall oder eine Krankheit haben, können sich der Esoterik und Religion widmen, um das Unbegreifliche zu begreifen und zu verstehen. Doch letztlich vermag keine Religion oder religiöse Sekte noch die Esoterik Antworten auf die Fragen, welche die Menschheit bewegt, zu geben - ist nur meine Meinung.
 
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  • #11
Ich kann dem ganzen durchaus etwas positives abgewinnen. Durch Esoterik gibt es eine weitere Möglichkeit um dummen Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen und alles was dummen Menschen schadet ist letztlich sehr positiv für die Menschheit.
 
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  • #12
Also wenn ich unsere klassische Kirche betrachte und was davon in den letzten Jahren ans Licht gekommen ist, wundert es mich nicht, dass einige mit ihrem Glauben nicht mehr wissen wohin.

Und ja: ich kenne auch eine handvoll Frauen, die "Trost" in der Esoterik suchen.
Ein paar von denen waren neulich noch zu einem Treffen in einer "Inipi - Schwitzhütte" zusammen gekommen...übrigens 70% Singlefrauen im Alter von 45-55.
Buddhismus, afrikanisches Trommeln, Tai-Chi, Frauenfeuer...was weiss ich noch - steht alles hoch im Kurs.
Ach ja: Vom Dalai Lama schwärmen sie auch alle ;)

Ich weiss jetzt auch nicht, ob das alles der Esoterik zuzuordnen ist, oder ob es eine Art Lifstyle ist. Und ja: es gibt auch vereinzelt Männer, die so drauf sind.

Für mich als "geerdeter Steinbock" ist das nicht meine Welt. Aber wenn Frau sich damit wohlfühlt...bitte.

(m40)
 
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  • #13
Meiner Erfahrung nach sind dort viele Frauen und Männer(!) in der Lebensmitte zu finden, die meistens langjährige Singles sind und dort den Sinn des Lebens und vor allem die bedingungslose Liebe suchen, die sich eben nur in der Spiritualität (nicht Esoterik) finden lässt. Jeder Mensch, ausnahmslos jeder Mensch sucht und braucht das Gefühl der Liebe, geliebt, angenommen und akzeptiert zu werden so wie man ist. Dies gelingt bei der materiellen Einstellung unserer Gesellschaft, bei der bedingten Liebe, die nur als "Gegenwert" gegeben wird, wenn du dies oder jenes Kriterium erfüllt ist , zunehmend nicht mehr.... ohne Liebe lässt sichs kaum sinnvoll leben. Somit ist die Bewegung so stark, was mich nicht wundert, weil die Gesellschaft so sehr die wahren Werte wie Liebe und Akzeptanz, auch Partnerschaft in guten wie in schlechten Zeiten vernachlässigt. Ich finde es ist eine zwar beunruhigend aber im Kern zu erwartende Gegenbewegung. Kein Mensch hält aus immer wieder wegen irgendwelcher Kriterien seiner selbst abgelehnt, sprich nie geliebt zu werden....
 
  • #14
Wenn es nur darum ginge, dann würden doch "normale" Religion und/oder Philosophie auch genügen! Das allein kann keine Erklärung sein. Ich denke, Dinge wie Lifestyle oder Zeitgeist (in einem weiteren Sinne) spielen sicher auch noch mit.
Theoretisch sollte eine normale Religion oder die Philosophie genügen, doch das hängt sehr stark davon ab, welche Fragen die Menschen beschäftigen. So kennen die 3 grossen monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam ein Weiterleben nach dem Tod - entweder in einem Paradies oder in der ewigen Verdammnis (Hölle). Der Hinduismus und der Buddhismus - aus der Reform des Hinduismus entstanden - kennen die Reinkarnation der Seele in verschiedenen Körpern auf der Erde, bis der Mensch den ewigen Kreislauf der Wiedergeburten durchbrochen hat und quasi im Paradies weiter existiert.

Dass sich Menschen heute so stark fürs Buddhismus interessieren, liegt vermutlich auch daran, dass die christliche Religion gerade bei der Frage, was mit der menschlichen Seele nach dem Tod geschieht, die Hölle als ein brutaler und grausamer "Ort" den Seelen der Verstorbenen bereitsteht. Viele verbinden damit einen grausamen, strafenden Gott, weil die Menschen keine Chance haben, ihre Fehler zu korrigieren. Obwohl es die Vergebung gibt, dann stellt sich die Frage, warum es dann eine Hölle braucht? Doch welche Religion kennt eine absolute für alle Menschen geltende Wahrheit? Welche ist die Richtige und wenn es eine ist, warum gerade die und keine andere?

Auch der Esoterik liegt vielfach die Reinkarnation der fernöstlichen Religionen zu Grunde.
So betrachten kann man auch sagen, dass die Weltreligionen auch Sekten sind mit der grössten, millionenfachen Anhängerschaft. Lifestyle vermute ich eher nicht.

@Angele, wenn Du wieder auf einen Mann treffen solltest, der sich selber in diesen Kreisen bewegt, frag ihn ganz einfach, was ihn daran so fasziniert oder welche Beweggründe er hat.

Für mich als "geerdeter Steinbock" ist das nicht...
Bin auch ein "geerdetes Steinböckchen" ;-).
 
  • #15
In meinem Umfeld gibt es keine Menschen, die sich dahingehend orientieren.

Aber es scheint doch eine starke, unerfüllte Sehnsucht nach Sinn, Akzeptanz und Perspektive zu geben, die von den klassischen Anbietern (Kirchen, Sekten etc) nicht erfüllt wird. Natürlich bringt dieser Unfug auch nicht wirklich weiter- geliebt wird ein Mensch sicherlich nicht deshalb mehr, weil er die korrekt zu ihm passenden Steinchen um den Hals trägt. Aber vielleicht wirkt die Autosuggestion, er oder sie fühlt sich besser und hat deshalb eine positivere Ausstrahlung, keine Ahnung!

Zudem kurbelt es die Wirtschaft an, Lädchen gibt es ja so einige in der Richtung und es läuft sicherlich auch viel über den Versand. Dann fühlen sich zumindest die Anbieter des Schamanen-Zubehörs besser, wenn sie ihen Kontostand betrachten... und eine einsame Single-Frau findet einen € 400- Job in solch einem Lädchen und sitzt nicht mehr alleine zu Hause rum...
 
  • #16
Hm... Ich kenne niemanden, der sich mit Esoterik o.ä. beschäftigt. Nur eine entferntere Bekannte stammt aus einem freikirchlich geprägten Elternhaus und hat sehr krasse christliche Einstellungen, die ich als "normaler" Protestant nicht wirklich ernst nehmen kann.
Vor etwa 15 Jahren war es in der Generation meiner Mutter bei Frauen allgemein sehr beliebt, Bücher zum "besseren Leben" zu lesen. Das waren eher platte Ratgeberbücher mit einer "Tschakka - Du schaffst es"-Attitüde. Aber diese Mode war auch schnell wieder vorbei.
 
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  • #17
Da ich mich schon aus beruflichen Günden mit diesem Thema auseinander setzen muss, being ich gerne etwas Licht ins Dunkle- sonst steigern sich die Vermutungen und Vorurteile noch bis in den Himmel. Erstmal vorweg: ja, es gibt sie, die geldgeilen, schamlosen Ausbeuter, die zwar von nichts eine Ahnung haben, aber sehr genau wissen wie sie daraus Geld machen. An solche kommt man vorzugsweise dann, wenn man sich in einer akuten, negativen Situation befindet und nach einer schnellen, einfachen Lösung sucht oder aber wenn man seinen Verstand gleich mal vorweg ausschaltet und nicht mehr hinterfragt. Man muss sich davor einfach fragen: was will ich? was passt zu mir? was erwarte ich? Wer der Meinung ist Esoterik sei eine schnelle, perfekte Lösung ohne Arbeitsaufwand der hat sich geschnitten. Leute die ein rund um Sorglospaket für 1999,- anbieten kann man getrost in die Tonne werfen. Inzwischen ist es schon soweit, dass die, die seriös arbeiten den Begriff Esoterik meiden wie die Pest- denn sie haben es weder verdient noch wollen sie zusammen mit den Kurpfuschern in eine Schublade.

Ich kenne einige Leute die schamanische Aspekte in ihre Arbeit integrieren, Wissen benutzen das seit Jahrhunderten benutzt wird um Menschen zu helfen . Wir leben in einer Zeit in der viele mit den vorgegeben Antworten und Lösungen nichts mehr anfangen können, viele Menschen stehen vor Problemen die sie sich nicht mal wirklich erklären können. Oft hat sich im Leben ein Muster eingeschlichen, Situationen nehmen immer den selben Weg obwohl ständig überdacht und neu angegangen. Das Vertrauen in Wissenschaft und Medizin sinkt einfach wenn die angebotenen Lösungen nicht funktionieren, viel zu schnell wird etwas als bewiesen betrachtet, 2 Jahre später wieder über den Haufen geworfen. Die Weltreligionen haben den Anschluss verpasst, ihre Lösungsansätze haben sich kaum geändert und viele nehmen nicht mehr hin, dass ihr Glauben mit Schmerz, Opfer und Verzicht bewiesen werden muss. Die Gründe sich der Esoterik zuwenden sind unterschiedlichst und ich muss sagen ich habe schon in viele zufriedene Gesicher geblickt- die wenigen die nicht zufrieden waren, waren meißt die, die darauf gebaut haben, dass da nun jemand kommt, sie heile macht und das sie selbst nichts beitragen müssen.
 
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