• #1

Erleichtern kleine Unwahrheiten das Beziehungsleben?

Wer kennt sie nicht die immer wiederkehrenden Fragen, auf die man eigentlich immer die gleichen Antworten hätte, aber die man verschweigt, weil man keine Beziehungskrise oder Grundsatzdiskussion auslösen möchte:

Ich meine zum Beispiel folgende Szenarien:

"Ich bin überhaupt nicht eifersüchtig."
Ich kenne alle deine Passwörter besser als du.

"In dem Moment hab ich das auch so empfunden."
Es ist mir selbst ein großes Rätsel, was für einen Scheiß ich damals geredet habe.

"Es wäre ja auch stressig für dich, meine Eltern kennenzulernen."
Meine Eltern wissen nichts von dir und werden nie etwas von dir erfahren.

"Du, ich hab da zufällig 'ne Nummer auf deinem Handy gesehen..."
Nach mehrmonatiger Observation kann ich meine Eifersucht endlich an etwas festmachen.

"Das muss 'ne Werbe-SMS gewesen sein von irgendeinem Sexanbieter."
Scheiße, scheiße, scheiße.

"Klar will ich irgendwann Kinder."
Auf jeden Fall nicht jetzt und nicht mit dir.

"Ich finde heiraten spießig."
Ich bin doch nicht verrückt und binde mich rechtlich an dich.

Er zu ihr: "Ich wüsste gar nicht, was ich mit einer 23-Jährigen reden sollte."
Aber darum geht es natürlich nicht.

"Du hast recht, so habe ich das noch nicht gesehen."
Ich bin komplett anderer Meinung, wir beide wissen das, aber ich will jetzt meine Ruhe.

Wie gehen Sie mit solchen Situationen um? Wie sehen sie die "kleinen" Unwahrheiten" in diesem Zusammenhang?
 
G

Gast

  • #2
Ich (w) kenne diese Dinge nicht. Wenn Fragen auftauchen, werden sie beantwortet und das ehrlich. Das hat mit Respekt und Liebe zu meinem Partner zu tun. Wenn beides nicht vorhanden wär, wär ich mit dem Mann nicht zusammen.
 
G

Gast

  • #3
Ich (w) habe keinen einzigen dieser Sätze jemals gesagt oder vom Partner gehört.
Aber ich habe oft den Eindruck, dass ich in einer komplett anderen Welt lebe als die meisten
EP-Forums-Leser und -Schreiber. In einer sehr viel erfreulicheren.
 
G

Gast

  • #4
Ich kann mich da der Aussage von Gast komplett anschließen. Schön, dass es sowas auch gibt.
 
G

Gast

  • #5
Ich ebenso.

Neulich hat meine Frau eine andere Frau aus der Nachbarschaft im Gespräch mehrfach als Schlampe bezeichnet, weil sie diese andere Frau im Verdacht hatte, mich verführen zu wollen (was übertrieben war, aber egal).

Ich sagte dann zu ihr, Mädchen, sei ehrlich, wie viele Männer hast du früher verführt, die vergeben waren. Und nach kurzer Pause meinte sie dann.... hm, 3?

Also eigentlich kann man in einer glücklichen Beziehung über alles reden. Ausnahmen entscheide ich mit meinem Gewissen.

Selbstverständlich lese ich auch keine SMS von ihr, warum sollte ich? Wenn es soweit ist, dass ich das tue, gehe ich lieber gleich!
 
  • #6
Herrlich! Der doppelte Boden in der Kommunikation ist das Salz in der Suppe des Lebens und der Stoff, aus dem Komödien gemacht sind. Auch wenn man sich in der konkreten Situation wohl eher nicht sooo super fühlt. Aber wo kämen wir hin, wenn wir alle kommunizieren würden wie beim Therapeuten auf der Couch oder im Amt nach dem Ausfüllen von fünf Formularen?
Das Leben läuft nun nicht mal ohne Interessenkonflikte ab.
Ich rechne mit solche Dingen und toleriere sie großzügig. Vielleicht schaut mein Verlobter manchmal in meiner Bowser-History oder meine Mails, dann soll er das tun, ich habe nichts zu verbergen. Und er darf mir auch weiterhin sagen, dass er garnicht eifersüchtig ist. Ich schaue scheel auf die Avatare in seiner Twitter-Timeline, alles Frauen um die 30, die sich mit Kulleraugen von unten blickend fotografiert haben und deren Nicknames auf "-mädchen" enden und behaupte Gleiches.
Ernst wird es erst, wenn die Vertrauensbasis in einer Beziehung nicht mehr da ist. Aber dafür gibt es Signale, für die man sensibilisiert sein sollte.
 
G

Gast

  • #7
Klasse! Vielen Dank für all die guten Tipps, die ich aber nicht anzuwenden gedenke. Wer mit seinem Mann oder seiner Frau so spricht, verdient ihn/sie nicht.
 
G

Gast

  • #8
Man läuft bei Flunkereien eben Gefahr, nicht mehr aus der Kiste rauszukommen, soll heissen, muss dann halt evtl. 15 Jahre morgens Müsli essen, obwohl man das eigentlich hasst :)

Und wenn "mann" meint, jedes Pfund an seiner Frau zu lieben, kann es halt passieren, dass sie das wörtlicher nimmt als er das aus Diplomatie eigentlich meinte und immer runder wird ;-)

Auch zu Beginn einer Beziehung anzugeben, dass man an klassischer Musik interessiert sei (weil man eben mal ein paar Melodien von Pucchini mag), kann fatal sein, wenn man dann jedes Jahr in eine Wagner-Oper geschleppt wird ;-)
 
G

Gast

  • #9
Es gibt Menschen, die recht schnell mein Vertrauen gewinnen. Sie sind offen und sprechen ein wahres Wort, das spürt man einfach. Alles stimmt: Körpersprache, verbale Kommunikation, Handlung. Und es gibt die Anderen, diejenigen, die so sprechen, wie du es oben anführst.

Nein, Menschen, denen man nicht spontan vertrauen kann, vereinfachen gewiss keine Beziehung, ich denke, sie sabottieren sie bewusst, aus welchem Grund auch immer.
 
  • #10
direkt aus der PN Zeile Kopiert:

"Warum hast du mich eigentlich nicht gefragt, ob ich mit will zu deinen Eltern? geht nun eh nicht mehr, hab Mutter für den Tag schon zugesagt "

"...weil ich dich sehr liebe. =)"

"Eine bessere Antwort hättet du nicht geben können =D"



ich sehe das wie Bärbel.. solche Dinge müssen einfach sein; gehört zum Necken mit dazu..
 
G

Gast

  • #11
Sind das wirklich Unwahrheiten? Mag sein....

Aber man kennt doch seinen Partner sehr genau. Und zuweilen kann man die hier nicht-fetten Zeilen ganz deutlich und laut "hören". Auch wenn sie nie ausgesprochen wurden................

Ich nenne es "Bauchgefühl".
 
G

Gast

  • #12
Es soll tatsächlich Menschen geben, bei denen man diese Dinge nicht unausgesprochen hören kann - weil sie einander die Wahrheit sagen!

Es geht hier nicht um 'necken' - die Fragestellung lautet ausdrücklich, ob 'kleine Unwahrheiten' das Beziehungsleben erleichtern. Das tun sie definitiv nicht - sie führen zur Entfremdung.
 
G

Gast

  • #13
Ja, auf jeden Fall. Die Lüge ist ein zivilisatorisches Element. In internationalen Beziehungen nennt man das "Diplomatie".

Gerade wenn und weil mir eine Beziehung wichtig ist, sage ich schonmal Sachen, die sie gerne hören möchte.

In allen richtig wichtigen Fragen schaue ich der Frau tief in die Augen und sage die absolute Wahrheit.

m
 
  • #14
@#11: versuch mal aus "Schaaatz bin ich dick geworden...?" ohne den Gebrauch von charmanten Unwahrheiten ohne großflächige Verletzungen rauszukommen.. ^^
 
G

Gast

  • #15
Es geht hier nicht um 'necken' - die Fragestellung lautet ausdrücklich, ob 'kleine Unwahrheiten' das Beziehungsleben erleichtern. Das tun sie definitiv nicht - sie führen zur Entfremdung.
Finde ich auch. Irgendwann fragt man sich doch, was stimmt überhaupt noch was der andere sagt? Kann/muss ich das jetzt noch ernst nehmen? Das führt dazu, dass man entweder immer misstrauischer wird, oder gar nicht mehr richtig zuhört, weil doch nur Floskeln folgen.
Es führt zur Respektsverlust und Entfremdung.
Was natürlich nicht heißt dass man ständig brutal die nackte Wahrheit reindrücken soll. Nur lügen eben nicht.

w26.
 
G

Gast

  • #16
Bei einigen Sachen kann ich absolut nicht verstehen, wie man diese Dinge als "kleine Unwahrheiten" bezeichnen kann, zum Beispiel:

"Es wäre ja auch stressig für dich, meine Eltern kennenzulernen."
Meine Eltern wissen nichts von dir und werden nie etwas von dir erfahren.
--> Beziehung wird verheimlicht und deren Verheimlichung auch noch... was für eine Beziehungsgrundlage...

"Das muss 'ne Werbe-SMS gewesen sein von irgendeinem Sexanbieter."
Scheiße, scheiße, scheiße.
--> Lügen bei Fremdgehen? Einem Fehler einen zweiten hinzufügen. Na, ist ja nie verkehrt...

Das sind knallharte Lügen.

Ich sehe es auch so, dass ich dem anderen nicht die Wahrheit brutal reindrücken muss. Aber das bedeutet nicht, dass es sinnvoll ist, zu lügen oder dass das in irgendeiner Weise förderlich für die Beziehung wäre.

Zum Beispiel:

"Klar will ich irgendwann Kinder."
Auf jeden Fall nicht jetzt und nicht mit dir.
--> Vortäuschen einer falschen Zukunftsvorstellung, Schüren von Hoffnungen die nicht berechtigt sind
- sowas ist einfach nur absolut unsozial und zeugt für mich schon fast von Beziehungsunfähigkeit aufgrund von größtem Egozentrismus.

Hellekeen, wenn du es nicht schaffst, ehrlich zu antworten, ist das schade.
Denn da mangelt es dir dann evtl. einfach an Kommunikationsgeschick. Eine ehrliche, aber freundliche Antwort wäre (je nachdem): "Ja, du hast zugenommen, aber du gefällst mir trotzdem." Und wenn sie dir nicht mehr gefällt, solltest du auch deinen Hintern hochkriegen und ihr das sagen. Auf eine liebevolle und freundliche Art. Aber ist vielleicht zu anstrengend? Lügen ist einfacher.

Mann, manchmal wunder ich mich wirklich. Oder auch nicht mehr.
 
G

Gast

  • #17
Auf jeden Fall!
Soll ich immer die Wahrheit sagen, z.B.; "Der Sex mit Dir ist sowas von öde, aber was soll's, ansonsten passt es, und ab 35 ist es schwer einen halbwegs normalen Mann zu finden?".Seien wir mal realistisch: es gibt solche Momente und man denkt sich seins. Ich beispielsweise denke über einen Liebhaber nach. Ich weiß auch, dass mein Freund sich Pornos ansieht, tue jedoch so, als hätte ich keine Ahnung. So läuft das. manches teilt man, anderes behält man für sich!