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Gast

  • #1

Der neue Kontakt ist ein frisch verlassener Ehemann. Was ist zu beachten?

Es sind grade die ersten mails hin und her und wir am Kennenlernen. Ich weiß bereits, dass er - so teilt er es mit - von seiner Ehefrau verlassen wurde und dabei ist, im Alleineleben zurecht zu kommen. Ich fürchte, dass er noch Trauer-, Wut- und Verarbeitungszeit braucht und deshalb nicht wirklich offen ist für mich. Tu ich ihm unrecht? Fürchte ich lediglich eine Wiederholung? (Erlebt vor etlichen Jahren: wir lernen uns kennen, lassen uns aufeinander ein, dass er noch "trennungsverarbeitend" ist, sagte er aufrichtigerweise, in unserer Beziehung gehen ihm Kronleuchter auf, weswegen es bei ihm und seiner Ex so kam wie es kam, er bedankt sich bei mir für alles "Wunderbare und Gelernte" und geht zu ihr zurück. Das will ich nach Möglichkeit nicht noch mal.) Besser gleich gehen? Hab ich einfach bloß Vorurteile? Was sind eure Erfahrungen? Danke
 
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Gast

  • #2
Ich würde auf jeden Fall das Thema Scheidung ansprechen. Ist schon ein Scheidungstermin vereinbart?
Ich wäre auf jeden Fall sehr, sehr vorsichtig.
 
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Gast

  • #3
Ich habe auch so eine Beziehung begonnen - und sie ist mit viel Geduld, Verständnis, Gesprächen und dem Motto ...Laß ihn ziehen, und er kommt - denn festhalten kannst du in sowieso nicht" - zu einer sehr schönen, erfüllenden, jetzt bereits 2jährigen Beziehung geworden. Und kein Ende in Sicht. Es hat jedoch nach den vorherigen Verletzungen bei ihm sehr lange gedauert, bis er sich mir öffnete und mir das Vertrauen entgegen bringen konnte. Meine Liebe hat ihm da sehr geholfen.

Das musst du wollen und wie gesagt, viel Geduld und Kraft mitbringen. Wenn nicht, dann nicht. Wenn er Dir wichtig ist und Du das Gefühl hast, er ist es wert, dann kämpfe und investiere. Wenn nicht, dann nicht.
 
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Gast

  • #4
Warum ist vielen die Scheidung bzw. der Scheidungstermin so wichtig? Wenn jemand geschieden ist, kann er/sie genau so wieder zurück zum ehemaligen Partner wechseln. Ich bin seit 3 Jahren getrennt lebend, mein Partner war es bis vor kurzem auch, jetzt geschieden, weil seine Ex es wollte - ist doch ok! Liebe, Zuneigung, Vertrauen und die Partnerschaft insgesamt muss stimmen, dann ist der Familienstand auf dem Papier doch gleichgültig.
 
  • #5
Ich wäre da äußerst (!) vorsichtig. Altlasten gehören vollst#ndig verarbeitet.

Ich möchte auf keinen Fall einen Partner haben, der noch regelmäßig an seine Ex denkt -- ganz egal ob sehnsüchtig, traurig, wütend oder nur aus organisatorischen oder scheidungstechnischen Gründen. Wäre mir persönlich zutiefst zuwider.

Für mich muß ein potentieller Partner seine früheren Beziehungen vollständig verarbeitet haben und frei sein von Gedanken an seine Ex.

Frisch verlassene Ehegatten sind das letzte, was ich mir vorstellen könnte. Die benötigen meist noch viel Zeit, um Emotionen zu verarbeiten und finanzielle Dinge zu regeln.
 
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Gast

  • #6
Lies mal im EP Magazin den Blog "Vorsicht vor frisch getrennt" vom 28.11.2008 von der Dipl. Psychologin Lisa Fiscbach und die darauf gegebenen diversen Antworten. Vielleicht beantwortet das Deine Fragen.
 
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  • #7
Vielen Dank für eure unterschiedlichen Antworten. Grade die Unterschiedlichkeit hilft mir (weil ich ja selbst ambivalent danke, wie oben beschrieben).

"Eigentlich" denke ich so wie du, Frederika. Der eine Mann (ich schrieb davon) hat mir gereicht. Es war zeitenweise schön mit ihm, aber auch anstrengend und frustrierend. Ich teilte ihm mit, dass mir irgendwie irgendwas von ihm fehle, keine Ahnung was - - bis ich mitbekam, was mir fehlte, war seine VOLLSTÄNDIGE Anwesenheit. Er war halt noch zu soundsoviel Prozent mit seiner Ex beschäftigt. Das wusste ich aber erst, als er sich verabschiedete und zu ihr zurück kehrte...

Sein plötzlicher Abgang (nach unserem gemeinsamem, sehr verliebten Urlaub) mit einem "Danke. Wieviel ich bei dir gelernt habe! Jetzt weiß ich, was wir falsch machten" war mir wie eine Ohrfeige. Mit "wir" meinte er nicht uns, sondern seine frühere Beziehung. Sprachs, packte ohne Ankündigung seine Tasche und war weg. Zurück zu ihr. Ich konnt's nicht fassen. Und das "danke" klang mir ekelhaft im Ohr - auch wenn er's vielleicht wirklich aufrichtig meinte. Es war einfach nur Sch...

Deshalb bin ich "gebranntes Kind". Will aber auch nicht jedem Mann in Trennung dasselbe unterstellen. Daher meine Unsicherheit. Und du #2, hast ja auch Positives zu berichten. Gibt's also auch.

Aber: ich habe gelesen und bin darin bestärkt: VORSICHT!

Vielen, vielen Dank fürs Antworten! Tut mir gut. Wusste gar nicht, wie sehr hilfreich das sein kann, andere Meinungen zu hören. Also: Danke nochmal.

Im Übrigen; was heißt eigentlich "vollständig verarbeitete Trennung"?? Wenn's nicht mehr weh tut? Wenn er nicht mehr an sie denkt (oder sie an ihn)? Wenn keiner die Straßenseite wechselt bei Sichtkontakt und auch keine andere Spielchen laufen? Oder was? Was sagt ihr?
 
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  • #8
zu #3 : Es ist eine Symbolhandlung. Genau wie man sich mit einer Ehe ganz offen dazu bekennt sich für diesen einen Menschen entschieden zu haben. Eine Scheidung symbolisiert für mich einen klaren Schlussstrich. Wenn ich jemanden kennenlerne der sich strikt weigert sich scheiden zu lassen obwohl die Beziehung schon lange zuende ist dem unterstelle ich schlicht, dass er sich den Rückweg noch sichern will, sich die Möglichkeit offen halten will doch noch zurückzugehen. Natürlich kann das auch nur unterbewusst ablaufen- aber wenn man sich von etwas nicht trennen will dann weil man auf gewisse Weise daran hängt und da kann mir keiner erzählen, dass es einem nur der Aufwand nicht wert ist.
 
  • #9
@#6: Vollständig verarbeitet heißt,dass
+ man keine Rückkehrgedanken mehr hat,
+ an den Ex denken kann, ohne dass es weh tut oder andere tiefe Gefühle hochkommen
+ alle formalen Dinge (Möbel, Finanzen, Verträge, Scheidung) komplett und endgültig erledigt sind
+ man sich aufrichtig offen und unbelastet für eine neue Beziehung fühlt
+ man die neuen Kandidaten nicht automatisch mit dem Ex vergleicht
+ man den Ex nicht mehr in irgendeiner Form überhöht ("Verlust des idealen Partners")
und so weiter.
 
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  • #10
# Frederika:
richtig!!
klare Sache.
 
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  • #11
Nein Mädels @8 und @9. Auch Eurer Sicht mag das zutreffen. Ich habe es in der Praxis völlig anders erlebt: Mein Ex und ich haben 8 Jahre lang getrennt gelebt. Wir hatten einen Ehevertrag, der zwar alles geregelt hat, aber leider nicht die Alterversorgung unseres Arbeitgebers (war bei beiden der gleiche) und die bewegte sich bei jedem im mittleren 6-stelligen Bereich. Da wir keinen "Krieg" hatten, sondern uns -wie zivilisierte Mitteleuropäer- durchaus unterhalten konnten, ohne uns an die Gurgel zu gehen, haben wir beschlossen, es zunächst mal bei "der Trennung" zu belassen, obwohl völlig klar war, dass wir nicht mehr miteinander leben wollten und konnten (Frederika, Du hast in anderes Threads ja eine sehr einseitig andere Meinung vertreten, aber, es gibt eben auch Ausnahmen: Bei uns hatte keiner für den Anderen zu zahlen, keine Streitigkeiten und dennoch ganz klare Trennung; glaube mir, das gibt es auch!!!!). Getrennt lebend muss eben nicht bedeuten: Frisch getrennt!
 
  • #12
@#10: Das kann ich nicht nachvollziehen. Wenn man sich einig ist, kann man eine Scheidungsfolgenverinbarung schließen, in den man sogar auf den Versorgungsausgleich verzichtet oder ihn durch eine (entweder beliebig niedrige oder realistische) Einmalzahlung aus liquiden Mitteln ersetzt. Gerade wenn ihr ähnliche Versorgungsansprüche habt, läßt sich das an einem Nachmittag im gegenseitigen Einvernehmen lösen und die Firma muss dabei weder zustimmen noch aktiv werden.

Also ehrlich, gerade in so einem Fall könnte man die Trennung leicht finalisieren.
 
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  • #13
@11. Nein, genau das geht nicht, wenn die Versorgungsansprüche ausschließlich durch den Arbeitgeber bereit gestellt werden. Den Versorgungsausgleich selbst haben wir selbstverständlich in dem Ehevertrag ausgeschlossen. Aber darum geht es ja eigentlich gar nicht. Ich wollte Dir damit eigentlich auch nur sagen, es kann durchaus Gründe für ein "getrennt leben" geben. Man sollte nicht pauschal alles in Grund und Boden verdammen, bevor man weiß, warum jemand das so handhabt. Vielleicht hast Du durch ein vorschnelles "Aussortieren" schon die Liebe Deines Lebens verpasst? Übrigens: Inzwischen sind wir (glücklich) geschieden.
 
  • #14
@#12: Es gibt in diesem Forum derart viele Berichte über Probleme mit Getrenntlebenden, dass ich das minimale Risiko eingehe, dadurch einen Traumpartner zu verpassen. Mir ist es die Mühe und die Sorgen einfach nicht wert, bei jedem Getrenntlebenden genau ergründen zu müssen, welche Altlasten da nicht aufgearbeitet sind.
 
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  • #15
Ich bin die Fragestellerin.
Mittlerweile hat sich's geklärt, d.h. ICH hab's geklärt: Er ist grade mal seit drei Wochen alleine nach 20jähriger Ehe. Das ist noch nicht mal eine klare Trennung. Alles mitten im Tohuwabohu und er braucht eine Frau, damit's nicht so weh tut, sagt er. Ich habe mich verabschiedet und bin fassungslos darüber, wie manche Männer ticken...

Machen Frauen sowas auch? Oder ist das geschlechterunabhängig? Mir ist das bisher nur von Männern bekannt.
Männer, was sagt ihr dazu??
 
  • #16
@#14: Danke für die Rückmeldung, das finde ich wirklich nett und fair. Wir geben hier so viele Antworten und erhalten so selten Rückmeldungen, da tut das wirklich mal gut! :)

Dein Beispiel zeigt aber mal wieder deutlich, dass man sich mit Getrenntlebenden eigentlich nur Ärger einhandelt.
 
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  • #17
@ Frederika: Danke für die Rückmeldung zur Rückmeldung ;-))

Ich war wirklich froh an euren Gedanken und Erfahrungen zu meiner Anfrage. Es half mir - nein, IHR HABT MIR GEHOLFEN - meinen Standpunkt, den ich zwar bereits eindeutig hatte, in dem ich aber verunsichert war durch das Empfinden, nicht aus Vorurteilen heraus handeln zu wollen, nur weil ich eben schon unschöne Erfahrungen mit getrennt lebenden Männern gemacht hatte, zu festigen.

Deine klare Position in #8 half mir immens!! Dafür nochmal extra danke. Das waren Argumente, die ich im Gespräch mit ihm nutzen konnte, wenn er dann meinte "wir sind doch jetzt schon getrennt". Er meinte, dass es sich damit hat, wenn nach 20jähriger Ehe seine Frau vor drei Wochen ausgezogen ist. Hat es aber ganz und gar nicht. Das weiß ich, auch wenn er es nicht wahrhaben will. Davon muss(te) ich ihn aber nicht überzeugen. Es reicht mir, wenn ich es für mich weiß und klar habe, dass und was da noch alles auf ihn zukommt, wo ich nicht mit dabei sein will.

Er hat sich von mir bedauernd verabschiedet und sich bereits mit der nächsten Frau verabredet. Darüber kann ich nur den Kopf schütteln. Echt! Bin ich froh, dass ich auf mich hörte!!!

Meine Frage an die Männer hier war echt gemeint: machen das auch Frauen? Ich habe das bei keiner erlebt. Oder ist das wirklich eine "Männersache"?
Meine eigene Partnertrennung zu verdauen, dauerte Jahre. Ich wusste schon gar nicht mehr, wie es sich anfühlt, geküsst zu werden...

Warum machen Männer sowas? Kaum weg von der einen Frau, schon zur nächsten. Ich raff das nicht. Wann wird verarbeitet? Nie? Oder ist das die blanke Angst vor dem Alleinesein mit den Gefühlen? So war's bei ihm, weswegen ich angefragt hatte. Er meinte, dass er gleich eine neue Beziehung eingehen will, damit die Trennung von der Ehefrau nicht so weh tut. Da verschlägt's mir doch glatt die Sprache. Ich würde mich in solchem Falle sehr benutzt fühlen. Deshalb verabschiedete ich mich. Sagte auch, dass ich einen Mann suche, der ein ganzes Herz frei hat, nicht ein halbes, nicht ein Fünftel, oder Siebtel oder Zwanzigstel, sondern wirklich (wieder) ein ganzes - wenn's denn sein soll.

Also danke nochmal an alle!!!!
Die erleichterte und für die Zukunft eindeutig geklärte Fragestellerin ;-)))
 
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  • #18
Es soll auch Frauen geben, die das machen! Ein Bekannter erzählte mir vor Kurzem von einer Begegnung, dass diese Frau (verheiratet, 3 Kinder, noch bei ihrem Ehemann lebend) während des Treffens ganz offen erzählte, dass sie einen Mann sucht, der ihr hilft, von ihrem Ehemann weg zu kommen.... Nur so würde sie es schaffen (fragt sich doch, ob nur finanziell, oder auch emotional, oder was soll das eigentlich?!?) ...ohne Worte, oder?
 
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  • #19
eigenartig, genau so einen mann habe ich hier auch kennengelernt. hat seine jugendliebe geh., er hat sie "vor die tür gesetzt", nachdem sie fremdgegangen ist und hat sich relativ schnell in mich verliebt (naja, anderes thema). plötzlich bemerkte er, dass er das ganze noch nicht verarbeitet hat und bat um zeit................
seit einer woche funkstille, aber er wäre dabei seine "hausaufgaben" zu machen, damit wir beide eine chance hätten.
nun ja, mit ambivalenz hat das wenig zu tun............zumindest nicht hinsichtlich einer zukunftskongruenten denkstruktur. man dreht sich nur im kreis