• #1

Den Ex nicht verlieren, trotz Trennung. Bindungsangst?

Hallo Zusammen,

ich bin gerade total am verzweifeln und kann mich nicht entscheiden. Ob ich mit meinem Partner wieder zusammenkommen soll oder nicht.
Wir waren seit 9 Jahren ein Paar und hatten gute Beziehung. Wir haben in all den Jahren nicht zusammengelebt und führten eine Fernbeziehung über 600km. Er ist akzeptiert bei meinen Söhnen. Soweit ist/war alles super. 2mal im Monat sahen wir uns am Wochenende und telefonierten fast täglich. Er hatte nun die Möglichkeit in meiner Stadt zu arbeiten und wollte zu mir ziehen. Ich habe ihm gesagt, dass ich dass nicht will und konnte auch nicht äußern warum. Darauf haben wir uns viel gestritten und dann getrennt. Er hatte sich schnell eine andere gesucht. Was auch nicht lange funktionierte. Er wurde depressiv und hat sich einen Therapeuten gesucht, dabei wurde auch über uns gesprochen und die Vermutung kam auf, dass ich wohl eine Bindungsstörung habe. Er schrieb mir einen lieben Brief und entschuldigte sich mehrfach, für den Fall das er falsch liegt. "Er will aber nur mein bestes und fürchtet, dass ich mit einem späteren Partner irgendwann vor dem gleichen Problem stehe". (Er sagt zwar, dass er die Trennung akzeptiere, aber ich weiß von seinen Freunden, dass er mich wieder zurück will.)

Seit dem habe ich viel im Netz gelesen und evtl stimmt das mit der Bindungstörung auch. Ich wurde in meiner Kindheit früh verlassen und halte ihn immer auf Distanz und stoße ihn bei Nähe von mir.(...)
Ich kam nie auf die Idee, weil ich sehr ausgeglichen bin. Außerdem bin ich reflektiert und denke, dass ich so etwas merke.

Wir sind noch befreundet und ich möchte ihn nicht verlieren, nach all meinen Partnerschaften, hatte ich in ihm den Menschen für mein Leben gefunden.
Jetzt frage ich mich, ob ich eine Bindungsstörung habe und angehen soll.

Was soll ich tun?

Ich hoffe, dass er sich wieder auf mich einlässt und zwar so wie ich bin. Bin wie gesagt, sehr zufrieden mit mir. Wenn er recht hat mit der Störung/Phobie, dann würde die Beziehung wieder scheitern. Evtl auch wieder jede weitere.

Oder ich gehe zu einer Therapie. Habe aber das Gefühl, dass ich da hingehe, um meine Beziehung zu ihm wieder zu beleben. Da ich nicht weiß ob ich ihn nach dem schnellen Wechsel zu der anderen noch genug liebe, will ich das aber auch nicht wirklich. Denn für mich als Single, brauche ich diese Therapie nicht.

Momentan nimmt der Kontakt stetig ab und ich habe Angst ihn zu verlieren.


w35
 
  • #2
Nun. Zu einer Therapie geht man, wenn man Leidensdruck verspürt. Den habe ich jetzt aus deinem Bericht nicht herausgelesen. Du schreibst selbst, dass du für dich sehr zufrieden bist mit dir. Heißt also, der andere kommt nicht damit klar. Dann sollte er aber mal bei sich gucken, warum ihm das so schwer fällt, das zu akzeptieren und trotzdem an einer Frau hängt, die so ein schwaches Nähebedürfnis hat. Ich meine 600km sind zum Beispiel in meinem Leben ganz schön viel, um das noch Beziehung zu nennen. Aber um mich gehts hier ja nicht.

Selbst wenn du "bindungsgestört" wärest, solange du nicht darunter leidest, ist das auch nicht therapiebedürftig. Nicht alle Kuriositäten gehören therapiert, sowas weicht die Bedeutung und Wirkung von Therapie auf. Man geht nicht für andere Menschen zur Therapie, sondern nur, wenn man im eigenen Leben an Grenzen stößt, mit denen man selbst nicht zurechtkommt. DAFÜR ist Psychotherapie da, und nicht um Beziehungen zu kitten. Erfahrungsgemäß gehen nach einer Psychotherapie häufig Beziehungen erstmal auseinander, weil der Therapierte sensibilisiert worden ist, auf seine eigenen Bedürfnisse zu achten.

Bleibt nur zu sagen: du hoffst er nimmt dich zurück, so wie du bist. Das Risiko wirst du eingehen müssen, dass das nichts mehr wird, wenn ihr bei Nähe/Distanz- Konflikten keinen Kompromiss hinbekommt (sprich: auch du müsstest dich in seine Richtung bewegen). Wenn das nicht geht, dann hat das schlichtweg einfach nicht mehr gepasst, weil einer mehr wollte. Das sind halt die Konsequenzen.
 
  • #3
Liebe w35,

heute hat jeder eine Bindungsstörung und wurde als Kind mal traumatisiert. Aus der Ferne kann keiner beurteilen, ob das bei Dir so ist. Wenn Du diesen Punkt abklären willst, suche Dir eine Therapeuten als Fachmann vor Ort.
Der soll das beurteilen. Wenn es Dich stört, weil eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass dieses Problem auch bei der nächsten Beziehung entsteht, dann arbeite mit einem Fachmann daran.
Das machst Du für Dich und Dein Glück - nicht für ihn oder uns oder sonst wen.

Angenommen Du kommst mit Deinem Ex wieder zusammen. Wie soll die Beziehung aussehen und wie wollt ihre, diese Sache mit Fernbeziehung vs. Zusammenziehen lösen? Wie stellst Du Dir eine gemeinsame Zukunft konkret vor?

Manchmal ist es eben so, dass die Lebenswege auseinander gehen, weil kein Kompromiss mehr geschlossen werden kann, mit dem beide zufrieden wären. Vielleicht ist bei Euch jetzt dieser Zeitpunkt gekommen.
 
  • #4
Mal vornweg: Eine Bindungsstörung ist nicht gleichbedeutend mit einem vielleicht unsicher-distanzierten Bindungsstil, der VIELLEICHT bei dir vorliegt. Ein solcher Bindungsstil ist nicht unbedingt ideal und kann einem das Leben schwerer machen, aber er hat an sich auch keinen Krankheitswert.
Analysiere doch mal für dich selbst, wenn du magst: Welche Art Beziehungen hast du denn bisher gelebt? Waren das z. B. gehäuft Fernbeziehungen bzw. Beziehungen, die auf andere Art viel Distanz beinhaltet haben (z. B. zu Männern, die beruflich viel unterwegs waren oder Beziehungen, in denen ganz viele andere Dinge Vorrang vor gemeinsam verbrachter Zeit hatten)?

Da ich nicht weiß ob ich ihn nach dem schnellen Wechsel zu der anderen noch genug liebe, will ich das aber auch nicht wirklich. Denn für mich als Single, brauche ich diese Therapie nicht.
Dann lass es bleiben. Wenn du gar keinen Sinn in einer Therapie siehst und dich sonst wohl fühlst, wozu sollte das dann gut sein?

Momentan nimmt der Kontakt stetig ab und ich habe Angst ihn zu verlieren.
Wenn ihr so lange zusammen wart und euch insgesamt noch gut versteht, ist das doch nachvollziehbar. Nur realistisch (?) betrachtet: Euch trennen 600 km, ihr seid kein Paar mehr, so wirklich zurück scheinst du ihn auch nicht zu wollen, zu dir ziehen soll er auch nicht. Was bleibt dann als Basis für weiteren Kontakt übrig, wo habt ihr denn sonst noch Überschneidungen? Manchmal kann Loslassen auch eine richtige Entscheidung sein.
 
  • #5
Sei getröstet liebe Fragestellerin. Deine Qualen als Beziehungsgestörte werden ad hoc aufhören, wenn Du Dir seiner wieder sicher sein könntest. Oder besser gesagt, dann hättest Du wieder die Qual, die Dir Beziehung und Nähe bereiten.

Daher wohl auch die Fernbeziehung, das ist Beziehung light.

Dir würde ich zuerst eine Therapie empfehlen, denn aus dieser Situation heraus wirst Du kaum in eine glückliche Beziehung starten können.

Es hat sicherlich seine Gründe, warum Du so geworden bist, wie Du bist. Aber ganz ehrlich: an so jemanden wie Dich möchte ich nicht geraten. Oder besser gesagt: bin ich schon. Und das hat mir viele unglückliche Stunden beschert. Du bist nicht jemand, mit dem man einfach so glücklich werden kann, wenn man sich eine schöne Beziehung wünscht.

Also erst Therapie und dann Beziehung. Oder Du beschliesst, Single zu bleiben. Dann brauchst Du die Therapie wirklich nicht. Das wäre dann auch nur fair den anderen gegenüber.
 
  • #6
Liebe Sonne Yvonne,
für mich hat dich dein Lover ganz schön manipuliert. Und der Therapeut der dir einen Bindungsstörung unterschieben will möchte ich gerne mal persönlich ein Liedchen singen zwecks berufliche Unfähigkeit.
Meine Liebe, du führtest die Beziehung mit DIESEM Mann so wie es sich für dich gut angefühlt hat.Jetzt da er plötzlich sich tiefer in dein Leben einbinden wollte merkst du das du MEHR gar nicht von ihm willst als das was vorher da war.
Und nein, das KANN bei einem anderen Mann auch so sein,vielleicht fühlt sich das aber mit dem anderen anders an und du kannst es kaum erwarten mit ihm Tag und Nacht dein Leben zu verbringen.
Lass dir nichts einreden von diesem Typen der dich so haben will wie er es gerne hätte und höre auf dein Herz und Punkt.
 
  • #7
Liebe Yvonne,

Wenn Du einen Leidensdruck hast, dann macht es Sinn, an Ursachen und Veränderungsmöglichkeiten zu arbeiten, ggf. auch mit professioneller therapeutischer Unterstützung. Dazu muss aber auch noch eine wirkliche Veränderungsbereitschaft entstehen.
Ansonsten ist es vergeudete Zeit - und nur so am Rande, gute Therapieplätze sind rar mit immensen Wartezeiten. Da sollte man selbst auch wirklich Bedarf und Bereitschaft haben.

Ansonsten sollte man so einige Dinge trennen.
Es gibt schwierige Elternhäuser, problematische Kindheiten. Aber nicht alles ist gleich ein Trauma / traumatischen. Diesen Begriff nicht inflationär benutzen - Traumata und die Be-/Verarbeitung sind keine Lappalien, und es werden immer Narben bleiben.

Nicht jeder entwickelt durch bestimmte Erfahrungen zwangsläufig einen späteren bestimmten Bindungsstil oder eine Bindungsstörung.
Im positiven ausgedrückt - nicht jeder, der in einem guten, stabilen, fürsorglichen Elternhaus aufgewachsen ist, Urvertrauen entwickeln konnte, hat später einen sicheren Bindungsstil, und nicht jeder, der aus einem desaströsen Elternhaus kommt, ist bindungsunfähig.

Die nächste Komponente, die mit Bindungsstil zwar etwas zu tun haben kann, aber absolut nicht muss, ist das individuelle Nähe- Distanz Bedürfnis.
Nicht jeder, der ein großes Distanzbedürfnis hat, ist bindungsunfähig und hat Kindheitstraumata erlebt.

Es müssen nur die richtigen Partner zusammen kommen - mit kompatiblem Bindungsstil und mit ähnlichen Nähe - Distanz Bedürfnis.
Alles andere ist für beide Partner belastend, wenig zukunftsträchtig und biegt die Gefahr für viele Verletzungen. Vor allem für den-/ diejenige, die mehr Nähe benötigt.

Liebe Yvonne, prüfe für Dich, wo Du stehst, und was Du wirklich willst, Dein Post an sich ist voller Widersprüche.
 
  • #8
… hier ist u.a. der notwendige Leidensdruck, den andere Poster bei dir nicht gesehen haben wollen, um eine Therapie zu machen!

Er hatte nun die Möglichkeit in meiner Stadt zu arbeiten und wollte zu mir ziehen. Ich habe ihm gesagt, dass ich dass nicht will und konnte auch nicht äußern warum. Darauf haben wir uns viel gestritten und dann getrennt.
Natürlich ist das ein klassischer Fall von Bindungsangst bei dir! Du schreibst, ihr hattet eine wunderbare Beziehung, alles war gut - auf 600 km Entfernung - aber als er zu dir ziehen wollte, wolltest du das so sehr nicht, dass es zur Trennung führte.

Ich rate dir auf jeden Fall eine Therapie zu machen.
Der Grund ist der Konflikt, in dem du jetzt steckst und den du hier schilderst: Du willst ihn nicht verlieren, kannst aber keine Beziehung am selben Ort mit ihm leben, weil dir das zu nah ist.
Mit dir selbst hast du kein Problem, natürlich nicht, aber du möchtest ja auch eine Beziehung haben und da hast du ein Problem. Denn dass jemand eine Fernbeziehung ein Leben lang mitmacht und damit dauerhaft genau so zufrieden ist wie du, denjenigen müsstest du erst mal wieder finden!


w51
 
  • #9
Also um mal gleich eines klarzustellen: Ein Therapeut hilft Dir nicht von heute auf morgen. Eine Therapie ist eine langfristige Angelegenheit. Hier geht es erstmal darum, dass Du entscheiden musst, ob Du den Mann noch zurückwillst oder nicht. Wenn ja, muss das auch ein Stück von Dir ausgehen und Du musst auch selbst den Kontakt zu ihm suchen. Die Therapie kannst Du parallel machen.

Hast Du Dich mal mit der Frage auseinandergesetzt, weshalb Du ihn nicht in Deiner Stadt wolltest? Wovor genau hast Du Dich gefürchtet? Man kann auch zusammenziehen oder in derselben Stadt leben, ohne zusammenzuziehen, und sich trotzdem Freiräume lassen. Es ist eine Frage, welchen Deal Du machst. Dass er sich gleich eine Neue gesucht hat, ist vielleicht nicht charmant Dir gegenüber, aber Du musst sicher auch verstehen, dass er sich von Dir zurückgewiesen gefühlt hat. Männer suchen eine Egobestätigung dann durchaus öfters bei einer Neuen.
 
  • #10
Du hast keine Bindungsstörung. Das nennt sich Selbtschutz. Warum vertrauen Menschen nicht mehr auf ihren natürlichen Instinkt!

Dieses "Ich will nur dein Bestes" heißt ja immer im Klartext, "ich will nur das für dich, was ICH will und nicht das, was DU willst". Dieser Satz hat schon die größten Katastrophen in unserer Welt angerichtet.

Werde selbstständig. Du bist keine 25 mehr, sondern eine reife Frau von 35, also lass dich nicht einlullen.
Er weiß, dass du in Therapie gehst und bist damit emotional instabil und gefügig.

Warum willst du die Beziehung zu ihm beleben? Warum willst du dich ändern? Um am gleichen Punkt wie früher zu stehen? Du läuft nämlich genau in die Gefahr mit einem Mann, der dich und deine Schwächen sehr sehr gut kennt!

Er wird dich nicht akzeptieren so wie du bist! Das ist ein Trugschluss!

Es kann auch nicht sein, dass du als Frau irgendwas an dir richten musst. Du bist perfekt so wie du jetzt bist, und wenn ihm das nicht passt, dann Auf Nimmerwiedersehen!

Neustarts gehen immer in die Hose, du bleibst unglücklich, es ändert sich gar nichts. Er will sein Dominanzgehabe an dir ausleben, weil es so einfach mit dir war. Wenn er früher nicht zuließ, dass du mehr wert für ihn bist, dann lässt er es heute erst recht nicht zu!

Warum kommt er zu dir? Weil keine andere Frau ihn will. So ist es.
 
  • #11
Kein seriöser Therapeut würde jemals eine solche Ferndiagnose abgeben, und kein seriöser Patient würde sie jemals akzeptieren.
Frage dich lieber, warum du dir solche Sachen einreden läßt, obwohl du selbst mit deinem Leben zufrieden bist?
 
  • #12
Wir waren seit 9 Jahren ein Paar und hatten gute Beziehung. .... Er ist akzeptiert bei meinen Söhnen. Soweit ist/war alles super.
Das klingt doch gut.
Wahrscheinlich hätte es ewig so weitergehen können, wenn dein Freund auch alles super gefunden hätte.

Mir gefällt nicht, dass jedes von der in unserer Gesellschaft tradierten Norm abweichende Verhalten als Störung bezeichnet wird.
Ich glaube, als ich ein Kind war, galt Homosexualität nicht nur als krankhaft, sondern war sogar strafbar.
Und nun, nur eine Generation später ist das in weiten Teilen der Bevölkerung akzeptiert.
Warten wir mal ab, wann es akzeptiert sein wird, dass ein Paar nicht, auch nicht in weiter Zukunft zusammenziehen will.

Ich denke, du hast keine Störung, sondern ein im Rahmen des Gesunden liegendes geringes Nähebedürfnis.
Genauso wie ich, deren Beziehungen immer am Klammern der Männer gescheitert sind.
Du brauchst keine Therapie, sondern einen Mann mit ähnlichem Nähebedürfnis, dann ist alles gut.

Ich habe jetzt einen, wir sind seit 2,5 Jahren zusammen, wollen nicht zusammenziehen, sehen uns nur am WE, telefonieren unter der Woche nur, wenn es wirklich etwas zu besprechen gibt und meinetwegen kann es ewig so weiter gehen.

Du findest auch so einen, allerdings wird es schwer, weil ja erstens viele andere Dinge auch noch passen sollen und weil leider die Männer, die es zunächst super finden, dass eine Frau nicht klammert, innerhalb weniger Wochen oder Monate doch merken, dass es ihnen nicht gefällt und dann fangen sie zu klammern an.
Zumindest ist das meine Erfahrung.
...und leider glaube ich, bei meinem Freund auch die ersten Anzeichen zu entdecken...ich hoffe, ich irre mich.

w 49
 
  • #13
Hallo Yvonne,
lass dir doch keinen Blödsinn einreden. Dein Freund ist total selbstsüchtig.
Sucht sich, nachdem du ein spontanes Zusammenziehen abgelehnt hast und es zum Streit kam, gleich eine neue Frau. Das ging auch nicht lange gut für ihn und jetzt behauptet er indirekt, dass du Schuld bist an seiner Lebenssituation und er nur dein bestes will.
Er ist depressiv, nicht du!!! Und du kannst auch nichts dafür.
Wenn du eine "seelische Störung", nämlich eine Bindungsunfähigkeit hättest, würde sich das ganz anders bemerkbar machen.
Ich würde mal behaupten, dass du das Zusammenziehen intuitiv abgelehnt hast, weil du 9 Jahre lang eine Fernbeziehung hattest, ihn zweimal im Monat gesehen hast und trotz täglicher Telefonate eine "richtige" Partnerschaft noch gar nicht mit ihm gelebt hast.
Du hattest einfach Panik vor der plötzlichen Nähe. Das ist doch normal. Manche Heiratswilligen laufen aus der Kirche noch weg, weil sie diese Angst im letzten Augenblick überfällt.
Bevor du mit jemandem zusammenziehst, sollte erstmal der gemeinsame Alltag in getrennten Wohnungen ausprobiert werden, bevor evtl. das Kind in den Brunnen fällt.

Mit diesem Mann würde ich mich nicht mehr einlassen. Auch wenn du traurig bist, das vergeht. Er denkt nur an sein Wohlergehen und kann wahrscheinlich nicht alleine sein.
Denk an deine eigene Gesundheit. Du schaffst das ohne ihn.

LG
Santosha
 
  • #14
Warten wir mal ab, wann es akzeptiert sein wird, dass ein Paar nicht, auch nicht in weiter Zukunft zusammenziehen will.
Du wirfst da zwei verschiedene Dinge in einen Topf.
Ich glaube, dass es "gesellschaftlich" heute niemanden juckt, wenn ein Paar dauerhaft getrennt lebt. Solange beide Partner damit glücklich sind, wird da niemand eine Störung unterstellen und Therapie empfehlen.

Etwas völlig anderes ist es dagegen, wenn sich jemand Partner sucht, die jeweils ein ganz anderes Nähe-Bedürfnis haben. Dann kommt nämlich keine beidseits glückliche Beziehung zustande. Und diese Unfähigkeit, eine beidseits glückliche Beziehung zu leben, nicht wenn, es nur ein Mal passiert, sondern wenn es grundsätzlich nicht gelingt, wird dann, wie ich finde, zu recht, als Störung gesehen.
Aber nicht, weil es gesellschaftlich irgendwen jucken würde, sondern weil diese beiden Menschen (bzw. mindestens einer von beiden) dauerhaft leiden und keine glücklichmachende Beziehung finden. Für ihr eigenes Glück, und nur dafür, gibt es dann die Empfehlung, Therapie zu machen.
Sich einen Partner zu suchen, der dasselbe Nähe-Distanzbedürfnis hat, wäre dagegen völlig gesund und wäre z.B. Ziel einer Therapie.
Bei Psychotherapie geht es nur darum, zu lernen, sich selbst glücklich zu machen, und gerade nicht darum, gesellschaftliche Konventionen zu erfüllen.

Ich finde, dieser entscheidende Unterschied ist doch nicht so schwer zu verstehen.


w51
 
  • #15
Ein Therapeut, der aufgrund einer Erzählung eine Ferndiagnose über einen Unbekannten arbeitet unseriös.
Es kann aber durchaus sein, dass diese Aussage gar nicht vom Therapeuten kommt, sondern vom Ex - damit entlastet er sich selbst, entzieht sich der Verantwortung - und dann ist für das Scheitern der Beziehung die Bindungsunfähigkeit des anderen verantwortlich.
Die eigenen Verantwortlichkeiten werden dabei ganz bequem negiert.

Und die Möglichkeit, dass die Ursache am Scheitern der Beziehung ganz banale unterschiedliche, nicht kompatible Interessen, Nähe- Distanz Bedürfnisse sind, wird gleich ganz unberücksichtigt gelassen.

Es muss ja gleich alles einen Krankheits- und Störungswert haben
 
  • #16
Bitte, wenn du nur noch ein Funken Sympathie hast, oder ihn sogar noch liebst, dann lass ihn in Ruhe und gibt dem Mann eine Chance auf eine neue glückliche Beziehung.
Was ihr hattet, würde bei den meisten Menschen, auch bei mir, nicht als Beziehung durchgehen. Da war schlicht zu wenig gemeinsame Zeit und Nähe.
Du bist mit dir im Allgemeinen zufrieden, brauchst also keine Therapie. In der Zukunft solltest du nur darauf achten, dass du einen Partner wählst, der die gleiche Einstellung hat und dich auch so selten sehen will.
Ich denke übrigens nicht, dass man Beziehungsgestörte, die eine Problematik mit Nähe haben, im Rahmen einer Therapie wesentlich ändern kann. Es ist eher so, dass sie ihre Struktur behalten und Menschen, die eine andere (ich schreibe mit Absicht nicht gesunde) Beziehungsfähigkeit haben und eine Beziehung mit Nähe anstreben nur unglücklich machen.
 
  • #17
Ich verstehe nicht ganz, wie aus dem Ex der FS jetzt der Buhmann werden kann?
Nach 9 Jahren Beziehung mit 600km Distanz wäre er gern in ihre Stadt gezogen, hätte sich da einen Job gesucht und die Beziehung intensiviert: ich finde es eher ungewöhnlich, dass er die Fernbeziehung überhaupt so lang mitgemacht hat...
Die FS darf das natürlich ablehnen, weil es ihr schon zu eng ist, wenn er in der gleichen Stadt wohnt: aber wundern, dass er sich dann trennt, braucht sie sich nicht.
Ihm ist das zu wenig - und vielen anderen wäre es das auch.Vor allem nach NEUN Jahren! Die meisten anderen Fernbeziehungrn suchen aktiv nach Möglichkeiten diesen Zustand zu ändern...
Gut, jetzt hat er sie verlassen, aber sie will ihn nicht loslassen. Dass das für sie das präferierte Lebensmodell ist, verpflichtet aber nicht einen anderen Menschen zu leiden.Und ihr EX (!) hat offenbar gelitten und die Trennung eingeleitet.
Wenn ER eine Frage hier eingestellt hätte und diesen Sachverhalt geschildert hätte (nach 9 Jahren mit 600km könnte ich bei ihr arbeiten und sie will das nicht, ich fühle mich traurig, das reicht mir nicht) hätten wir ihm alle zur Trennung geraten.
 
  • #18
Du musst nur für Dich klären, warum Du nicht wolltest, dass er nach all den Jahren zu Dir zieht.
Darauf hattest Du laut deines Threads keine Antwort.
Weil Du nicht mit ihm zusammen leben möchtest oder weil Du grundsätzlich niemanden bei Dir wohnen haben möchtest?
Wenn Du ihn nicht da haben wolltest, hat sich damit geklärt, dass er nicht der richtige ist.
Möchtest Du grundsätzlich nicht, dann bist Du entweder nicht ein großer Nähemensch oder es macht Dir Angst.
Bei Angst und eigentlich dem inneren Wunsch nach Nähe, dann tust Du Dir selbst nicht gut und kannst eine Therapie überlegen.
Ansonsten bist du völlig in Ordnung.
Allerdings nicht passend für einen Partner, der sich mehr Nähe wünscht.
Und es ist dann für die Zukunft fair, das früh zu sagen.
Dein Exfreund hätte so eine Chance auf eine passende Partnerin gehabt und zwar vor 9 Jahren.
Und dann lass ihn auch jetzt in Ruhe die Trennung verarbeiten.
 
  • #19
Erstenmal vielen Dank für die vielen Antworten. Ich merke, dass ich mir doch über vieles im Unklaren bin. Dass ich mir einige eurer Fragen beantworten konnte, hat bereits ein wenig geholfen :)

Ich versuche euch mal einige Fragen zu beantworten:

Grundsätzlich habt ihr recht: ich sollte und werde bei mir anfangen. Danke!!!

Leidensdruck verspüre ich ganz klar.
Einmal wegen ihm. (Einer der besten Männer die ich kennengelernt habe!)
Andererseits wegen mir. In vergangenen Beziehungen empfand ich alltäglichen Kontakt als einengend.
Auch bei Partnern die mir meine Freiräume gelassen haben!(beispielsweise zum Vater meiner Kinder)

Über meine Wünsche bzgl einer Beziehung und Zukunft mit ihm, bin ich mir nicht im Klaren, daher das Thema.

Das mit dem unsicher-distanzierten Bindungsstil könnte auch passen. Ich will aber erstmal Nichts mehr darüber im Netz lesen. Das hilft nicht. Wenn ich mich damit auseinander setzen will, dann lieber mit einem Fachmann. Das ist wie mit dem Husten und Krebs beim Online-Doctor.

Gesellschaft und Tratsch sind mir soweit egal. Für andere mache ich so etwas nicht.

Vielen Dank für die Antworten.
Ich habe nun weniger das Gefühl JETZT handeln zu müssen.
 
  • #20
Hallo liebe Forengemeinde,

ich möchte mich hier nochmal melden. Ich lese hier oft still mit und frage mich immer wie die Geschichten wohl ausgegangen sind. Deshalb möchte ich euch sagen wie es bei mir/uns nun aussieht.

Nach der Trennung habe ich einen an sich wundervollen Mann kennengelernt, Wir hatten eine tolle Zeit, aber es stimmte was nicht. Wir trennten uns, als ich mir und dann ihm meine Gefühle für den "Ex" gestand. Er war kaum überrascht, immerhin hatte ich zu meinem Ex den freundschaftlichen Kontakt weiterhin.

Er wohnt nun in meiner Stadt, aber nicht bei mir! Leider ist er arbeitlos. Wir gehen bald zusammen zu einem Therapeuten, dort wollen wir den Umgang mit unseren unterschiedlichen Bindungsstil lernen. Wir lieben uns und wollen es nochmal versuchen und an uns arbeiten. Ich habe erkannt, dass ich mehr auf ihn zugehen muss.

Es stellte sich übrigens heraus, dass die Behauptung ich sei bindungsgestört von IHM kam und NICHT von seinem Therapeuten. Tatsächlich wurde nur der unterschiedliche Bindungsstil genannt.

Liebe Leute, bitte zerreißt jetzt nicht alles. Ich wollte es nur mal schreiben.