• #1

"Brauchen" in der Partnerschaft, was bedeutet das?

Nachdem wir uns regelmäßig die Finger wund schreiben, gerade beim Wort "Brauchen", dies mal zu allgemeinen Diskussion.
Brauchen wird oft mit Bedürftigkeit gleich gesetzt, das absolute Unwort.

Ich sehe "brauchen" sehr differenziert.

Unabhängigkeit, Selbstständigkeit ist mir sehr wichtig, ich möchte meine Angelegenheiten auch alleine erledigen können. Entscheidungen alleine treffen, wenn sie notwendig sind, Alltagsfragen alleine lösen.
Ich fand es befremdlich, als mir eine Freundin sagte, Du kannst doch nicht alleine ein Haus haben, was machst Du, wenn der Wasserhahn tropft, Du hast doch keinen Mannn - nun, erstens kann ich es entweder selbst, oder rufe eine Fachkraft, und zweitens, warum wird per se davon ausgegangen, dass Mann dies kann?

"Brauchen" also zur Lebensgestaltung? Eher nicht.

Aber dann doch "brauchen"
- Wir sind soziale Wesen, Einsamkeit tut nicht gut. Da bräuchte man eine*n Partner*in. Das Gefühl, geliebt zu werden, wertgeschätzt, jemandem wichtig zu sein.
Vieles geht zu zweit leichter, gemeinsame Ziele, man ergänzt sich.
Der eine freut sich vielleicht, wenn ein Essen auf dem Tisch steht, nach einem langen Tag, auch wenn er es selbst könnte, und der andere über den reparierten Wasserhahn.
Man ergänzt sich mit Ideen, und ganz pragmatisch mit Wissen, mit Können.
Man stärkt sich gegenseitig, macht Mut, es macht auch Spaß,, gemeinsam etwas anzupacken.
Und manchmal gibt es Zeiten, wo es gut ist, dass jemand einen stützt, trägt, hält. Da bräuchte man tatsächlich jemanden, im Sinn der Bedürftigkeit, das darf man doch auch mal sein? Ein anderes Mal ist man selbst Kümmerer, der / die Starke.
Auch das wäre doch schön?

Geben und Nehmen, sich ergänzen - und der schöne Satz geteiltes Leid / geteilte Freude.
Und einiges geht eben nicht alleine - alle Formen von Nähe? Psychische / emotionale Nähe, körperliche Nähe, sexuelle Nähe? Manches kann man ausgleichen, Näherungen finden - aber was ist es gegen einen Herzensmensch?

Auch als Beispiel jenseits von Partnerschaft - ich mache mit meinem Sohn gerade Urlaub.
Die Reise könnte ich auch alleine machen, ich bräuchte ihn nicht dafür.
Und doch brauche ich ihn, weil es mir alleine keine Freude machen würde, der wesentliche Punkt, weil es schön ist, zusammen das zu erleben.
Außerdem - es ist sehr praktisch, wenn ich fahre und er mal die Karte überprüft, oder mit aufpasst... Er darf hier nur nicht fahren, sonst wäre es noch angenehmer.

Also, irgendwie würde ich mich persönlich freuen, und fände es schön, gebraucht zu werden und jemanden brauchen zu dürfen, ohne die Schublade Bedürftigkeit. (nur mit dem Brauchen dürfen - das ist dann mein ganz anderes, privates Kapitel, stelle ich auch nicht zur Diskussion).

Freue mich über die Diskussion.
 
  • #2
Also, irgendwie würde ich mich persönlich freuen, und fände es schön, gebraucht zu werden und jemanden brauchen zu dürfen, ohne die Schublade Bedürftigkeit. (nur mit dem Brauchen dürfen - das ist dann mein ganz anderes, privates Kapitel, stelle ich auch nicht zur Diskussion).
Wir brauchen immer Menschen, wir brauchen immer einen Menschen, schauen wir die Beziehung an, wie viele Menschen versuchen dort ihr Glück zu finden, jedoch ihre programmierte Einstellung passt nicht mehr so richtig dazu, es ist nicht bedürftig, das ist was ganz natürliches, Menschen oder einen Menschen zu brauchen!
Wir brauchen Menschen, die Liebe und Gefühle in ihre Handlungen und in ihre Beziehungen bringen!
Aufrichtige Menschen mit Gefühlen und aufrichtigen Blicken, die ernst gemeinte Umarmungen geben, Küsse, ein echtes Lächeln. Authentische Menschen, die gern sie selbst sind. Weil es nichts Schöneres gibt, als die Besonderheiten und Eigenschaften, die uns ausmachen, unsere einzigartige Identität und den Abdruck, den wir hinterlassen.
Menschen, die keine Entschuldigungen oder nur einfache Ausreden und Vorwände vorbringen, man liest solche Menschen täglich hier, die voll gepackt mit Ausreden und Vorwänden sind, sondern die, die Verantwortung für die Folgen ihrer Handlungen übernehmen und bereit sind, menschlich dies zu kommunizieren mit den Menschen denen das angeht und bestenfalls positiv sie zu korrigieren.
Menschen, die wissen, dass sich die Verantwortung nicht außerhalb, sondern nur in uns selbst befindet.
Die Menschen haben die Menschen satt, die sich für nichts begeistern lassen, die so automatisch, egoistisch und so kopfgesteuert, wie Maschinen leben, anstatt bewusst und menschlich zu leben.
Menschen, die tun, was sie lieben, weil es wie ein Teil von ihnen selbst ist, den sie mit Menschen teilen, weil sie verstehen, dass wir durch das Teilen nicht nur Dinge teilen.
Menschen sind es, du bist es, ich bin es, die das Leben lebens- und liebenswert machen. Wir müssen nur aufwachen und aufhören, automatisch nach unbewussten und oft negativen Konditionierungen zu leben. Anfangen, bewusst zu leben. Den Sinn zu finden, den richtigen Funken, der unser Feuer neu entflammt. Und wenn wir das getan haben, müssen wir anfangen, ihm Form und Leben zu geben.
Und wir dürfen nicht aufhören, sondern müssen immer weiter machen. Wir müssen die Ruhe in all dem Lärm finden und uns ständig zu entschleunigen. Lasst uns suchen, was wir lieben, lasst uns nicht aufhören, es zu versuchen. Vergessen wir nicht, es in unserem Alltag zu finden, in unseren kleinen Routinen, das ist mein Beitrag zu diesem Thema!
 
  • #3
Brauchen und Bedürftigkeit sind schon verwandt, denn wenn "Brauchen" nie ausreichend befriedigt wurde (objektiv oder auch subjektiv) kann Bedürftigkeit daraus entstehen.

Wichtig für "Brauchen" sind aus meiner Sicht zwei miteinander eng verknüpfte Bereiche.

Ich muss gerne geben und annehmen können. Wichtig ist nicht nehmen (das ist reines konsumieren), sondern annehmen, denn mit letzteren ist Anerkennung verbunden. Aber Geben ist auch wichtig ohne, dass ich dafür immer Anerkennung oder eine andere Gegenleistung bekomme.

Dies zeigt, dass ich bereit bin jemanden beizustehen und nicht pausenlos nur an mich selbst denke. Aber wenn immer nur genommen und nie angenommen wird raubt mir das die Freude über mein geben, dann ist es auch ok solchen Menschen nichts mehr zu geben.

Gerne gebe ich aber nicht wenn ich primär im ICH denke. Fehlt völlig der WIR Gedanke kann ich nicht gerne geben. Ich gebe nur dann wenn ich mir davon einen Nutzen erwarte. Dieser sollte dann höherwertiger als meine Gabe sein.

Von einem Menschen dem das WIR völlig fremd ist bekomme ich für meine Gabe keine Anerkennung. Er argumentiert, dass ich nur zur Selbstbefriedigung gerne gebe und deswegen dafür keine Anerkennung brauche. Oder behauptet, dass ich Bedürftig bin und meine Gaben Ausdruck von Klammern sind.

Aber auch diese reinen ICH Menschen BRAUCHEN immer wieder andere Menschen. Wenn sie das bekommen haben was sie wollten, ziehen sie sich zurück, insbesondere wenn derjenige sie braucht, der vorher ihre Bedürfnisse befriedigt hat. Kommt man ihnen mit der Bedeutung des WIR, unterstellen sie einem ein ungesundes Verhältnis zum eigenen ICH. Sie selbst haben ein gesundes ICH.

Daher sollte man tatsächlich mit niemanden in eine Diskussion über Geben und (An)Nehmen einsteigen der absolut im ICH ist und sich den Menschen zuwenden die sichtbar geben und annehmen können. Wenn man selbst jemanden braucht ist man dort richtig. Denn diese Menschen kennen die Bedeutung des WIR.
 
  • #4
Guten Morgen,

vielen Dank für diese Frage, liebe Lionne.

Bedürftigkeit und all die anderen Wortbegriffe, die in Bezug auf Beziehung auftauchen, habe ich erst hier im Forum wahrgenommen.
Du hast es wunderschön formuliert und ich bin ganz bei dir. So verbleibt mir nur wenig hinzuzufügen.

Ich bekenne mich zur Bedürftigkeit, schon allein aus dem Grund, weil ich mich ohne Partner als weibliche, liebende, sexuelle Person nicht wirklich erkennen und erleben könnte, mir würde vieles fehlen und ich würde mich in meinem Seelenhaushalt einsam fühlen. Da gibt es so viele Facetten in mir, die erst durch einen anderen Menschen aktiviert und gelebt werden können
Ich brauche morgens den Spiegel im Bad und so auch den Menschen in meinem Leben, der mich erkennen lässt. Mir die Chance bietet, Veränderungen, Veredelungen vorzunehmen, so wie mir mein Spiegel zeigt, wo mein Haar noch zu Berge steht und ich es entsprechend richten kann.

Warum diese Bedürfigkeit so hysterisch besetzt ist, nun vielleicht, weil Menschen nicht mögen, erkannt zu werden, weil sie Angst haben, die Kontrolle zu verlieren, meinen, eine Unabhängigkeit vor sich hertragen zu müssen, um bestehen zu können.
Zu brauchen und gebraucht zu werden, macht Sinn. Denn gebraucht zu werden ist genauso von Bedeutung, wie zu brauchen. Auch in der Rolle des Gebenden erkennt man sich und darf sich zum Ausdruck bringen. Auch das, ist sehr negativ besetzt.
Die Welt, so wie die Natur sie sich gedacht hat, würde nicht funktionieren, wenn wir nicht im Geben und Nehmen schwingen würden.
 
  • #5
Für mich haftet dem Thema Bedürftigkeit kein Makel an. Jedenfalls nicht, so lange ich meine Bedürftigkeit nicht zum "Problem" des Partners mache. Ich nenne es darum lieber "Wirksam sein". Wenn mein Partner mir Dinge abnimmt, mich tröstet wenn ich traurig bin, mit mir Momente des Glücks teilt, dann ist er in dem Moment für mich Wirksam. Bestenfalls musste ich ihn gar nicht erst bitten. Er tut es aus der Liebe heraus. Hier ist der äußerst schmale Grad, der das Thema kompliziert werden lässt. Menschen erwarten oft wie Selbstverständlich, das der Partner Dinge für sie regelt. Der Partner glaubt, er müsse entsprechend funktionieren. Die Motive sind dann aber nicht mehr aus der Liebe heraus. Er tut die Dinge, weil es sich so gehört, damit der Haussegen nicht schief hängt, weil es zur Belohnung Sex gibt, weil er damit sein Ego als "Retter" und hilfreicher Partner füttert, weil seine Systeme ihn leiten etc. Er erfüllt seine Rolle und bedient Muster. In diesem Moment verschieben sich unmerklich die Grenzen. Er ist nicht mehr einfach nur Wirksam, sondern es hängt so viel mehr daran. Er tut etwas und erwartet (durch aus unterbewusst) Gegenleistung. Selbst wenn es die schlichte Tatsache ist, das der Partner endlich Ruhe gibt. Der andere bekommt so ein unbestimmtes Gefühl, er müsse etwas zurück geben. Er steht in der Schuld, weil der Partner nicht (nur) aus Liebe gehandelt hat. Hier entsteht oft eine Spirale. Das geben und nehmen wird weniger Leicht. Man merkt plötzlich, das der andere nicht in der selben Währung zurück zahlt, in der man selber investiert hat. Weil man diese Dynamik oft gar nicht bemerk, wundert man sich nur warum der Partner so gereizt reagiert, wenn ich ihn um lapidare Gefallen bitte. Man fragt sich, warum er plötzlich so unbeugsam auf seinem Standpunkt beharrt, wenn es um Kleinigkeiten geht. Das Problem ist nicht die Bedürftigkeit, sondern das viele Menschen sich nicht klar abgrenzen können. Der eine mag nicht richtig nein sagen, wieder andere können ein klares "Nein" nicht akzeptieren ohne gekränkt, die Liebe des anderen in Frage stellen. Wir haben nie gelernt, nur Dinge zu tun, die wir in dem Moment gerne aus uns heraus selber sehen und tun möchten. Wir wollen keine Egoisten sein, wir wollen für unseren Partner richtig sein, wir wollen Harmonie in der Beziehung. Anders herum geben wir die Fähigkeit, die Dinge alleine zu regeln oft auf. Wenn wir in eine Beziehung eintreten möchten wir plötzlich alles teilen uns geborgen fühlen. Endlich ist wieder ein "Kümmerer" da. Darum entscheiden sich so viele, das Thema Bedürftigkeit abzulehnen. Sie schlagen ins andere Extrem um. Manche weigern sich künftig (zu Recht) zu viel Verantwortung in einer Partnerschaft zu übernehmen. Sie bleiben lieber alleine, (wenn auch in Teilzeit). Andere lassen sich gar nichts mehr abnehmen, damit sie nicht in der Kreide stehen oder einen Bedürftigen Eindruck vermitteln. Das Thema ist leider für die Zeichenbegrenzung zu komplex.
 
  • #6
Da habe ich gar nichts hinzuzufügen, du hast alles schon so treffend formuliert. Ich habe den Eindruck, viele empfinden es als ein Armztszeugnis, zuzugeben, dass sie jemanden „brauchen“, aus den von dir genannten Gründen. Gerade als Frau hat man heutzutage alles selbst erledigen zu wollen und können. Was ist, wenn ich keine Lust habe, den Wasserhahn zu reparieren und mich dafür umso mehr freue, (mit) dem Mann ein schönes Abendessen zuzubereiten? Ja, Menschen sind bedürftig, und vielleicht ist eins der größten Probleme der Versingelung der Gesellschaft, dass dies nicht mehr gezeigt werden darf.
 
  • #7
Brauchen ist in der Tat ein Wort der Bedürftigkeit. Bedürftigkeit in dem Sinne Notwendigkeit. Es ist notwendig, jemanden fürs handwerkliche Tätigkeiten zu haben,wenn du es selber nicht kannst oder Hilfe,wenn du krank bist. In allen anderen Fällen geht es ehe um wünschen,da es nicht unmittelbar notwendig ist fürs Überleben. Ich wünsche mir,mit jemanden zu verreisen,ich wünsche mir mit jemanden Sex zu haben usw.
Energetisch gesehen ist ein "richtiger" Zustand,wenn man Verbindung nach "oben" hat und von dieser Energie gespeist wird. Dann treffen zwei aufgeladene Menschen,die einander nicht "brauchen",dann hätte sich keiner einsam gefühlt,es wären keine Dramen da,weil man autonom ist und nicht von dem anderen abhängt. In der moderner Welt ist es leider so, dass kaum solche Menschen da sind. Ausnahme sind die Mönche ,sie haben den Zugang zu der "Quelle". Bei allen anderen ist die Verbindung ehe horizontal, das bedeutet,man benutzt die Energie eines anderen Menschen und braucht ihn tatsächlich fürs eigene "Überleben". Ist dieser Mensch weg oder nicht so oft verfügbar,gibt es Entzugserscheinungen in Form von Einsamkeit,Sehnsucht bis zu Depressionen und Krankheiten. Oft dient auch als Ersatzenergie der intensive Job oder Hobby,evtl.auch ein Haustier. Ist das weg, trauert man genauso, als ob man geliebten Menschen verloren hat. Die alten Schriften waren immer sehr weise und es hiess damals-du sollst keinen anderen Gott neben mir haben. Man hat es immer ehe religiös ausgelegt,nach dem Motto,andere Religion ist schlecht ,aber Gott hat relativ wenig mit Religion zu tun, sondern ist eine unerschöpfliche Quelle der Energie. Gläubige Menschen sind entspannter,glücklicher und können besser mit dem Stress umgehen. Und das wichtigste ist, sie "brauchen" die anderen nicht.
 
  • #8
Brauchen wird oft mit Bedürftigkeit gleich gesetzt, das absolute Unwort.
Ich denke, es gibt Menschen, bei denen ist das auch so. Die "brauchen" wirklich einen Mann für den tropfenden Wasserhahn und eine Frau für eine warme Mahlzeit. Sind die alleine, bricht das Chaos aus. Da bleibt nur Warmwechsel oder "bedürftiges" Suchen. Das muss auch nicht schlecht sein, wenn sich zwei Menschen finden, die sich auf die Art ergänzen.

Für mich bedeutet "brauchen": Bereichert beider Leben, emotionale Nähe, Unterstützung im Alltag. Wechselseitig. Geben und Nehmen. Genau, wie Du es beschreibst. Im Grunde das, was in einer funktionierenden Beziehung passiert. In der besteht auch keine wirkliche Abhängigkeit, sondern man freut sich einfach, dass die andere da ist und verschönert sich das Leben gegenseitig. Für mich wäre eine Beziehung aus "Bedürftigkeit" nichts.
 
  • #9
Liebe Lionne, ein schöner Beitrag, der eigentlich schon alles aussagt.
Ich sage meinem Mann gerne, dass ich ihn brauche und er weiß es richtig einzuordnen.
Als Frau kann ich ziemlich viel. Dinge, welche ich mir aneignete, weil ich nicht gern abhängig bin. Ob es um kleinere Autowartungen geht, Ölwechsel, Räder tauschen, ein paar Elektrikdinge, oder Sachen im Haus, Fließen legen, Dielen schleifen und aufarbeiten, Möbel restaurieren uns ja, auch tropfende Wasserhähne reparieren. Ich stelle Käse, Hustensäfte her, Angel, schlachte (ungern), räuchere, weiß mit Betonmischer und Kettensäge umzugehen.... aber: Ich finde es großartig, dies alles nicht tun zu müssen, weil es mein Mann, schneller, effektiver und freudiger erledigt.
Ich kann auch meinen Körper allein eincremen, dennoch lass ich dies gern meinen Mann übernehmen.
Ich brauche ihn, seine Nähe, Liebe, partnerschaftliche Hingabe, Zärtlichkeit, Vollkommenheit und Unvollkommenheit, Stärke, seine Schlafgeräusche nachts neben mir, die Momente in denen er mich braucht. Wenn mich deswegen jemand für bedürftig hält, dann bin ich gern bedürftig und betrachte das dann als wertneutrale Begrifflichkeit.
Auch meine Freunde brauche ich, die Gespräche mit ihnen, das Zusammensein, das Lachen mit ihnen, ihre Anrufe mitten in der Nacht wenn sie mal ein Problem haben sie, usf.
Eindeutig ja, ich brauche Menschen, Liebe, meine Familie, meinen Partner.
 
  • #10
Hallo Löwin,
schöner Gedanke den du hier einbringst. Du beschreibst es m.M.n. sehr gut, das gebraucht werden und Bedürftigkeit zwei verschiedene Paar Schuhe sind.
Der @INSPIRATIONMASTER bringt es für meinen persönlichen Geschmack voll und ganz auf den Punkt.
Leider erkennen das sehr viele Menschen nicht Ansatzweise, was er und du da mit "brauchen" beschreib(s)t. Dieses Wort hat bei vielen immer gleich den negativen Beigeschmack. Wenn ich was brauche bin ich angreifbar oder so ähnlich.
Wir alle brauchen Luft, Liebe, Geborgenheit, Bestätigung,Schutz vor was auch immer, Nähe und/oder Distanz und vieles mehr.
Die Bedürftigkeit wird leider von Menschen dermaßen missbraucht, welche dieses Wort für ihre Eigene Arroganz und ihren Egoismus benutzen. Denn die Bedürftigen dieser Welt haben ganz andere Sorgen als solche Menschen.
Ja! Brauchen ist ein gutes Wort und jeder sollte es als positiven Baustein des Lebens betrachten.
Ich hatte es mal in einem anderen Thread glaub ich erwähnt. Ich werde gerne gebraucht und brauche auch gerne andere Menschen. Das gibt mir immer wieder das Gefühl am Leben mit Menschen teilzu- nehmen. Zu spüren, ob in Partnerschaft oder Freundschaft/Familie, dass man Teil von...... ist.
Zu viele verzichten aus Scham, falschen Vorstellungen anderer, oder auch aus mangelndem Selbstwert darauf.
Weil sie "brauchen" für Bedürftig sein halten.

m47
 
  • #11
Also zu "brauchen" gibt es doch diesen wunderschönen Spruch der bewegten Frauen, der besagt
"Eine Frau braucht einen Mann, wie ein Fisch ein Fahrrad."

Das ist doch erstmal ein guter Ansatz, denn es dokumentiert zweierlei:
1. Frauen brauchen keinen Mann und auch nichts vom Mann
2. Das, was sie trotzdem vom Mann erhalten, erhalten sie ungewollt und daher als Form einer Belästigung und Übergriffigkeit.

Metoo z.B. ist Ausdruck davon, daß dieses bisher mißverstandene "Brauchen von Männern durch Frauen" sich viele Frauen nicht mehr gefallen lassen.
Diese Frauen (und viele folgen ihnen nach) wollen nicht mehr brauchen sondern selber erschaffen.
Sie wollen selber erschaffen, erbauen, erfinden, problemlösen, um den Spruch mit Leben zu erfüllen und nicht mehr brauchen zu müssen. Sie wollen auf eigenen Beinen stehen, ihre Häuser, Autos, Küchenmaschinen, Smartphones selber entwerfen, bauen, nutzen und bezahlen und dazu eben keine Männer mehr brauchen müssen.

Die allgemein um sich greifende Ablehnung des Sich-Brauchen-Müssens ist also ein Zeichen sozialer und sexueller Emanzipation der Frau als soziales Konstrukt.
Eine Frau, die nicht mehr braucht (besonders keinen Mann) ist nicht mehr abhängig und damit nicht mehr durch ihre Abhängigkeit angreifbar oder verletzlich.
Und dadurch, daß Männer von Frauen nicht mehr gebraucht werden, können endlich auch Männer die Befreiung für sich begreifen. Denn Männer können nach der Befreiung vom sozialen Konstrukt "Gebrauchtsein-durch-eine-Frau" endlich das werden, was sie sein sollten: Menschen, die nur für und um sich sorgen müssen und sich darin vervollkommnen können.

Auch Männer brauchen Frauen dann nicht mehr als Mittel sich wertvoll als Mensch zu fühlen durch Gebrauchtwerden. Sie werden ihren menschlichen Wert aus der eigenen Existenz heraus begreifen können, ohne auf Konstrukte wie Rollenbilder etc. zurückgreifen zu müssen.

In Kind-Eltern-Beziehung hat das Wort "brauchen" eher in Richtung Kind zu Elter1 und Elter2 Relevanz, da ein Kind zumindest in den ersten Lebensjahren für eine normale Entwicklung echte emotionale Zuwendung von Elter1 und Elter2 zwingend braucht.
Später verliert sich die Notwendigkeit von Brauchen und es stellt sich eher eine optionale Bedürftigkeit her. Das nennt man dann Adoleszens.

Mensch50
 
  • #12
Ich sehe einen Unterschied zwischen "jemanden" brauchen und "eine ganz bestimmte Person" brauchen.
"Jemanden" brauchen bedeutet für mich entweder für Dinge, die ich nicht kann z.B. handwerkliche Tätigkeiten ODER im Sinne von jemanden um sich haben wollen, nicht weil man starke Sehnsucht verspürt, sondern weil es schön ist, gemeinsame Erlebnisse mit ihm zu teilen.
"eine ganz bestimmte Person" brauchen im Sinne von "ich kann nicht ohne dich leben" heißt für mich, dass man denjenigen im Vergleich zu allen anderen Menschen auf der Welt besonders schätzt/liebt und will ihn auf keinen Fall verlieren, weil man WEISS, dass ein Ersatz SEHR SCHWER zu finden ist.

Deinen Sohn im Zusammenhang mit Urlaub würde ich in die erste Kategorie stecken, obwohl du ihn im Vergleich zu anderen Menschen vielleicht sehr liebst, hättest du den Urlaub auch mit anderen sympathischen (kölschen ;)) Menschen antreten können.
Dein Sohn (generell, nicht in Verbindung mit Urlaub) ist eventuell auch in der zweiten Kategorie, weil Kinder einen besonderen Stellenwert haben können.
 
  • #13
Was für wunderbare Beiträge, alle sehr beeindruckend.
Und danke @INSPIRATIONSMASTER für diesen sehr anrührenden und tiefgründigen Beitrag. Mal nicht Misantrophisch, schön.

Es war eine Anregung aus dem Nachbarthread, die AE, wo das Thema Brauchen gleich negativ kommt, wo @neverever und @frei so ihre Gedanken äußerten.

Es ist schön zu lesen, dass "brauchen" doch auch positiv besetzt ist, in ganz vielen Facetten.

Meine persönliche Seite
Ich habe zwar die Dauerkümmerin abgelegt (Stichwort Liebe verdienen), und kann auch mal gerne annehmen, sogar fragen - ein langer Weg dahin, mag aber gerne gebraucht werden und ich mag auch brauchen dürfen.
Ohne dass dies negativ oder als Ausbeutung / Ausnutzen / zur Last fallen verstanden / interpretiert wird.
Schmaler Grat - und manche Threads hier lassen zweifeln.

Deswegen, danke für die schönen Gedanken.
 
  • #14
Brauchen wird oft mit Bedürftigkeit gleich gesetzt
Was völliger Quatsch ist. Bedürftig ist jemand, der den anderen so sehr braucht, dass er sich ruiniert in ein oder anderer Weise. Wer auch "ohne Partner" kann und seine Kompromisse so schließt, dass es ihm damit gut geht, oder lieber allein ist, kann nicht bedürftig sein.

Zum Brauchen: Ich denke, man merkt erst in einer unpassenden Beziehung, was man braucht und nicht bekommt. Wer nie eine Partnerschaft hatte, kennt sein Partnerschaftsverhalten nicht. Viele Eigenschaften, die man hat, treten erst ins Bewusstsein, wenn sie auf gegensätzliche von anderen treffen oder eben auch prallen. Die Hauptsache seh ich darin, auch sich selbst in Frage zu stellen, statt gleich zu denken "so wie ich das sehe, nur so ist das richtig". Es ist seelische Arbeit, von anderen Verhaltensweisen zu analysieren, seine eigene Reaktion darauf zu analysieren, dann festzustellen, dass keiner recht hat, sondern es zwei Wege sind für die jeweiligen Personen, durchs Leben zu kommen und das genau so richtig zu finden, UND: das zu unterscheiden, wo einer eine miese unentwickelte Charaktereigenschaft zeigt und deswegen auf die eine Weise reagiert, und der andere sich deswegen immer verletzt fühlt, aber auch noch nicht rausgekommen ist aus dem ganzen, indem er z.B. sagt "Diskussionen mit dir lasse ich in Zukunft, denn du WILLST es nicht erkennen". Missgünstiger Neid ist so eine Sache. Wenn z.B. ein Mann seiner Frau oder seinem Kind nicht gönnt, dass es ebenbürtig ist in seiner Lebensleistung oder sogar mehr geleistet hat, weil sie Ängste loslassen konnte und er nicht, dann wird er, wenn sie drüber reden will, dauernd kleinmachen, gegenreden, miesmachen, bei ihren Problemen damit Genugtuung empfinden usw.

Ich denke, man muss schon ziemlich gutes Bauchgefühl haben und großen Anpassungswillen sowie kein zu spezielles Individuum sein (damit ist gemeint, Lebensziele abseits des allg. Geschlechterbildes zu haben), wenn man in jungen Jahren einen Partner findet, mit dem man lange Zeit zusammen ist und sich entwickeln kann. Glück gehört auch dazu. Da aber die Entwicklung der Persönlichkeit nicht für jeden ein Bedürfnis (nicht im Sinne von "bedürftig"!) ist, kommen viele gut klar damit, in Beziehungen ewig z.B. "Junge mit seiner Mutti" zu machen. Oft bleibt einem Gutverdiener mit Karriere auch gar keine Energie und Zeit, sich gegen die Partnerin zu wehren, denn er müsste ja mal Ruhe haben zum Selbstreflektieren.

Ich brauche in einer Partnerschaft, dass ich keine Kompromisse machen muss, die ich nicht machen will und kann. Der Partner braucht das auch, und weil ich nicht bedürftig bin, gestehe ich ihm das auch ohne Stress zu. Je weniger man denkt "ich will eine Partnerschaft", umso weniger Kompromisse MUSS man machen. Wer sich eine Bez. sehr wünscht, der wird zu mehr bereit sein und sich wohlfühlen damit.
 
  • #15
Eine interessante Frage.
Es ist heutzutage sehr modern, absolut unabhängig zu sein. Gerade in den meisten Lebensratgebern wird man bei jeder Art von Problemen mit seinen Mitmenschen dazu aufgefordert, sich weniger abhängig zu machen. Mit sich selbst glücklich zu sein.
Und - leider - wird man im Laufe seines Lebens auch feststellen, dass es sehr oft nicht gut ist, sich zu sehr auf andere zu verlassen. Wir alle haben die eine oder andere Enttäuschung kassiert, da bin ich sicher.

Selbstverständlich geht das nicht problemlos, höchstens für Eremiten, zu denen die meisten Menschen nicht zählen. Wir sind soziale Wesen. Werden wir sozial isoliert, kommt es zu Deprivation, Hospitalismus und dem Gollum-Effekt (formerly known as Kaspar Hauser), also zu echten (neuronalen) Schädigungen in der Gehirnstruktur.

Jeder muss oder sollte also im Laufe seines Lebens für sich selbst herausfinden, was er in welchem Maße von seinen Mitmenschen braucht. Auch ob es angemessen ist, gerade wenn man sich Menschen mit Verlustängsten ansieht.

Ich persönlich brauche nur ganz wenig von meinem Partner. Weder ein gemeinsames Heim, keinen Handwerker, keinen Zahlmeister, keinen Bespaßer, kein Betthäschen und keinen Beschützer.
Was ich aber ganz dringend brauche ist emotionale Sicherheit und das Gefühl, zu jemandem zu gehören, ein Teil eines Teams/Paares zu sein. Ohne dies würde ich mich sehr einsam fühlen, da ich auch keine nennenswerte Familie mehr habe.
Bei mir persönlich ist es also das Gefühl der Zugehörigkeit. Dass jemand für mich da ist, wenn es hart auf hart kommt, der mich stützen kann und auf den ich mich verlassen kann.

Mein Exmann hat dies nie, wohingegen mein aktueller Partner mir dies ständig signalisiert, mit kleinen oder großen Taten, verbal oder nonverbal. Daher fühlte ich mich beim Ex einsam trotz Ehe und aktuell verpaart trotz LAT.
Z. B. passt mein Freund sehr genau auf, was ich gerade brauche. Den pauschalen monatlichen Blumenstrauß brauche ich nicht, auch keine 10 Whatsapp mit Liebesbekundungen am Tag. Er spürt, wenn ich eine Sorge mit ihm teile, wenn Zuhören angesagt ist. Oder ob ich Rat brauche. Er sieht, wenn ich praktische Hilfe brauche. Er denkt einfach mit und hat feine Antennen dafür.
Natürlich ist er kein Gedankenleser, das möchte ich nicht andeuten. Selbstverständlich liest er mir nicht in vorauseilendem Gehorsam jeden Wunsch von den Augen ab. Da würde ich mir auch unwohl vorkommen - mein Leben stemme ich in der Regel allein und gern. Es tut aber zwischendurch einfach mal wahnsinnig gut, das Gefühl zu haben, man ist nicht allein mit irgendetwas. Da ist jemand, der aufpasst und mit den Gedanken dabei ist, und das gibt mir ganz viel Gefühl der Zusammengehörigkeit.
 
  • #16
Ich brauch auch Hilfe. Die Kirschen sind reif, gestern hat er mir schon welche gepflückt.
Dafür mache ich ihm ein Fußbad fertig wenn er von der Arbeit kommt und ihm tun die Füße weh. Das könnte er auch selber, ich mach's aber mit mehr Liebe.

Das meiste ist schon gesagt, das wichtigste für mich ich freu mich auf ihn. Jedesmal wenn ich höre, wie er die Einfahrt hochfährt, tu ich das. Und kommt er rein, sucht er mich zuerst.
 
  • #17
Ich (w. 72) bin glückliche Single und "brauche" niemanden - ich habe MICH ! Ich habe meinen großen Garten, meine verschiedenen Tiere, mein Klavier, meine Malerei und der Kühschrank ist immer voll! Mir fehlt überhaupt nichts! Totale Harmonie, Ruhe und absolute Zufriedenheit!
 
  • #18
Mit dem Wort "Brauchen" in Verbindung zur Partnerschaft assoziiere ich die Emotionale Bindung, die zwischen zwei Menschen herrscht. Ich brauche auch keinen Mann zum Reifen Wechseln. Dafür gibt es Werkstätte und Handwerker und ich würde auch keinen Mann am Bein binden, nur damit er mein Auto in Schuss hält. Aber ich brauche jemanden, der mir Abends die Füße massiert :). Echt, das brauche ich wirklich oder jemand, der mich ab und zu umarmt und sagt, dass er mich liebt. Ja, das brauche ich einfach. Ich brauche die Energie. Du kannst es nennen wie du es willst, Bedürftigkeit oder sonst was. Für mich heißt es Liebe und Geborgenheit. Es ist menschlich und schön. Ja, das brauche ich.
 
  • #19
Sehe ich anders. Alle Frauen und Männer, die von ihren Freiheiten erzählen, die lügen tendenziell.
Niemand kann eine so anpassungsfähige Persönlichkeit haben, das er von einer Beziehung in die andere springt. Diese Menschen passen sich an, weil die Beziehung so wichtig ist.
Die andere Hälfte lügt sich selber in die Tasche.
Beispiel: Meine ehemalige Freundin.
Die ach, so arme Frau, die der erste Freund abserviert hat…
Was glaubt ihr, wie schnell sie den Mädelsurlaub abgesagt hat, als der nächste Mann an der Angel war?
 
  • #20
Brauchen ist eine ausgesprochen wichtige Sache für stabile Partnerschaften. Bei der Evolution ist es so, dass nur das was man braucht sich auch entwickelt, sei es eine Antibiotikaresistenz bei Bakterien oder eine Färbung des Fells bei höheren Säugetieren. Alles was man will oder gerne hätte ist Energieverschwendung und überflüssig. So ist das auch beim Menschen. Wenn du einen Partner nicht brauchst, dann bleibst du meist alleine. Wenn man hingegen einen Partner zum überleben oder für den gesellschaftlichen Aufstieg braucht, dann findet man sehr schnell einen und bleibt auch bei ihm.

Es ist ein Zeichen unserer Zeit, dass wir dies ausleben aber nicht verstehen wollen. Kaum einer braucht heute noch einen anderen Menschen, praktisch jeder Bereich lässt sich outsourcen, vom kuscheln, über Sex bis zum Haushalt oder Reparaturen. Wozu braucht man also noch einen Partner. Die Frage stelle ich regelmäßig aber bekomme keine Antwort. Erst wenn man diese Frage beantworten kann, kann man auch an einer Lösung für die Partnerlosigkeit dieser Zeit arbeiten.
 
  • #21
Und ich sehe es mal wieder ganz anders ........
Brauchen - nein, brauchen kann ich eine spezifisch auf die Situation abgestimmte Dienstleistung. Aber - um bei den Füssen zu bleiben - wenn meine Freundin nicht gerne Füsse massiert, dann macht das nichts - ich kann das einen Dienstleister machen lassen.
Für mich ist es mehr eine Frage des Wollens und des Vertrauens.
Es gibt Menschen, denen ich keine 10 Euro anvertrauen würde - denen ich niemals den Rücken kehren würde. Sind ganz ehrlich gesagt fast alle.
Aber es gibt ganz wenige Menschen, die alles wissen dürfen.
Fast noch wichtiger ist das Wollen - ich will meine Freundin in meinem Leben haben. Solange sie das auch so sieht - alles Bestens.
 
  • #22
Das Brauchen ist in einer Beziehung für mich nicht die Notwenigkeit von Arbeiten, die ausgeführt werden müssen, weil ich das selbst nicht könnte oder finanzielle Zuwendung.

Wenn man überhaupt von Brauchen sprechen kann, sehe ich es eher gegenseitige Bereicherung, Geborgenheit, starke emotionale Verbindung, freiwilliges Geben und Nehmen aus Liebe.
 
  • #23
Das jonglieren mit Synonymen

Ich kenne und nutze das Wort Bedürftigkeit nur im Zusammenhang mit pflegebedürftig, bettelarm, verhungernd etc.

Brauchen gibt es rein rational: Geld brauchen, Auto brauchen, Handwerker brauchen etc.

Und natürlich emotional!
Das brauche ich nicht um zu überleben, dass brauche ich um glücklich zu leben.
Ich brauche Menschen, soziales Leben, Lachen, Liebe...in mir und für mich. Ich bin keine Insel, ich bin eine von 80 Millionen.
Ich möchte nicht nur an mich denken, sondern auch an andere und das man an mich denkt.
Ein Erlebnis ist schöner wenn man es teilt, ein Lächeln breiter wenn es geschenkt wird, eine Freude grösser wenn man sie jemandem macht, gute Gespräche sind keine Selbstgespräche und ich stecke lieber in einer Haut die gestreichelt wird.

Brauch ich dazu einen Mann?
Nein ich habe Kinder, Familie und Freunde!

Aber in der reinen Frauenecke meines Herzens steht ein Zimmer frei und es wäre mir sozusagen ein "Bedürfnis", dass dort ein netter Mann einzieht, die Leere füllt und mich kompletiert.
Weil es für Beide das Leben noch schöner macht.

Ich schreibe aber niemanden vor, was er braucht oder nicht.
 
  • #24
Das Brauchen in der Partnerschaft ist ein interessantes Spannungsfeld.

Das Brauchen einerseits als den Partner bedürftig benötigen und andererseits als den Partner gebrauchen im Sinne von benutzen z. B als Handwerker.

Wahrscheinlich lassen sich diese beiden Seiten des Brauchens in der Partnerschaft nicht auseinander dividieren.

Wer den Partner braucht im Sinne von bedürftig benötigen, benutzt den Partner auch um eine Leere zu füllen.
 
  • #25
Ich (w. 72) bin glückliche Single und "brauche" niemanden - ich habe MICH ! Ich habe meinen großen Garten, meine verschiedenen Tiere, mein Klavier, meine Malerei und der Kühschrank ist immer voll! Mir fehlt überhaupt nichts! Totale Harmonie, Ruhe und absolute Zufriedenheit!
Mit geht es momentan wie dir, deshalb habe ich auch kein EP- Profil hier....Aber was nicht ist, kann vielleicht noch kommen. Das mit der Bedürftigkeit habe ich erst hier gelernt. Und ich bin der gleichen Meinung wie fast alle hier. Was ich nicht brauche, ist ein Mann, der mir das Leben schwer macht, der macht, dass ich in einem Forum wie diesem um Rat fragen muss.
Heidi 63
 
  • #26
Ich (w. 72) bin glückliche Single und "brauche" niemanden - ich habe MICH ! Ich habe meinen großen Garten, meine verschiedenen Tiere, mein Klavier, meine Malerei und der Kühschrank ist immer voll! Mir fehlt überhaupt nichts! Totale Harmonie, Ruhe und absolute Zufriedenheit!
Diejenigen die immer viel Wind darum machen wie gut es ihnen mit sich allein geht und diejenigen die immer wieder betonen wie schön, dass alles ist was sie allein machen und allein besitzen, richten diese Botschaft "Es ist so schön mit mir selbst" primär an sich selbst.

Wenn es so schön mit mir selbst ist, warum muss ich mir das regelmäßig selbst sagen? Mir fehlt doch nichts? Oder?

Diese Konzentration auf das eigene wertvolle ICH führt kompromisslos in die Isolation. Ich will und kann dann irgendwann nicht mehr teilen. Keine Zeit und keinen Raum. Ich definiere mich dann immer mehr über Ab- und Ausgrenzen. Ich grenze zunächst Partner(Kandidaten) aus. Dann auch andere Menschen.

Ich grenze sie aus weil sie mir nicht gut tun. Weil ich sie nicht brauche. Weil sie mich daran erinnern, dass es schön sein könnte zu teilen, in einer Gemeinschaft zu sein, wenn das nicht so lästig wäre schöne Dinge mit anderen Menschen die sie nicht verdienen z.B. meine Zeit zu teilen.

Ich bin dann einsam. Ich sage mir das ist so schön. Ich sperre meine Verzweiflung so in eine Kiste ein, die ich in der hintersten Ecke in einem Schrank im Keller einschließe.

Ab und zu erinnere ich mich an die Kiste, nicht an die Verzweiflung. Dann sage ich laut zu mir die Kiste ist so schön. Ich brauche niemanden.
 
  • #27
Wer den Partner braucht im Sinne von bedürftig benötigen, benutzt den Partner auch um eine Leere zu füllen.[/QUOTE]

Selbstverständlich füllt mein Partner eine Leere bei mir, die ohne ihn schmerzhaft entstünde. Ohne ihn zu leben würde mich in große Trauer stürzen. Um es mit dem alten Wowi auszudrücken : und das ist auch gut so.
Nennt man Liebe.
 
  • #28
Ich definiere mich dann immer mehr über Ab- und Ausgrenzen. Ich grenze
und die Seele wird zugedeckelt.

Guten Morgen,

zum Überleben braucht man nicht, aber zum Erleben. Brauchen und gebraucht werden, bezieht sich nicht nur auf Partnerschaft mit einem Mann oder eine Frau.
Und wenn wir nun schon bei den Füßen gelandet sind. Nur ein Partner vermag durch seine Art der Zuwendung, mit Herz und Hand, diese so wunderbare Tiefenentspannung herbeizaubern, wie es ein Dienstleister nie vermag. Es ist ein Unterschied, eine andere Erfahrung.
Wer das Leben begriffen hat, der wird niemals einen Partner abschmettern mit den Worten, man braucht nicht. Man beraubt ihn um einen Teil seines Ausdruckes, es ist eine seelische Watsche gegen ihn und sich selbst.
 
  • #29
@Ejscheff Ich bin ein Mensch der nie gut mit sich alleine sein konnte. Nach der Trennung von meinem Mann lerne ich das erste Mal wirklich mit mir alleine zu sein. Ich lerne gerade mich zu lieben wie ich bin. Je achtsamer ich mit mir bin um so besser kann ich mit mir alleine sein. Ich beobachte sehr genau was ich denke. Vor allem über mich selber. Das war ein erschreckender Prozess. Deinen Post hätte ich vor einem Jahr genau so unterschrieben. Heute sehe ich das völlig anders. Weil ich es gerade anders erlebe. Das Paradoxe ist, dass genau das Gegenteil von dem passiert, was du schreibst. Äußerlich betrachtet bin ich so alleine wie noch nie. Aber mittlerweile fühle ich mich nicht mehr isoliert. Ich liebe nämlich plötzlich auf eine völlig andere Weise. Ich suche die Liebe nicht mehr in den Taten, Worten und Gefühlen der anderen. Ich habe überhaupt nicht mehr das Bedürfnis mich abgrenzen oder andere aus meinem Leben ausgrenzen zu müssen. Ich kann mich plötzlich mit Menschen und Familienmitgliedern versöhnen und umgeben, mit denen ich ewig ein gespanntes Verhältnis hatte. Menschen, die ich eigentlich nicht mehr in meinem Leben haben wollte. Ich muss weder in den Krieg gegen sie ziehen, noch mich vor ihnen schützen. Mein Vater ist so ein Fall, der härteste in meinem Leben. Er ist der Mensch, der mich in der Vergangenheit immer wieder bis in die Grundfesten erschüttert hat und mich mit einem Satz so verletzen konnte, das ich dachte, diese Wunden heilen nie wieder. Er war letztes Wochenende da und wir konnten reden, uns Dinge sagen. Alles ohne das es mich verletzt hätte oder ich mich wie früher in meinen inneren "Panic Room" zurück ziehen musste. Das war ein wunderbares Gefühl von Freiheit und Liebe. Ich will ihn nicht mehr anders haben als er ist. Ich respektiere wie er ist und das es mit mir nichts zu tun hat. Er hat sich überhaupt nicht geändert und trotzdem war dieses Wochenende mit ihm plötzlich möglich. Ich habe mich geändert und aufgehört zu Hoffen, das ich Liebe, Respekt und Anerkennung von ihm bekomme. Ich habe aufgehört zu glauben, was er mir über mich sagt und ich konnte anerkennen, das er mit mancher Kritik an mir Recht hat. Diese Kritik tat aber plötzlich nicht mehr weh. Ich musste sie auch nicht mehr relativieren um sie nehmen zu können. Ich kann sie anerkennen als einen Teil von mir. Es gehört zu mir, dass ich versucht habe mich mit anstrengenden Verhaltensmustern zu schützen, abzugrenzen und nach außen stark zu wirken. Ich brauche das nicht mehr oder vielleicht doch. Es ist alles möglich und ich bin darum nicht falsch. Die anderen aber auch nicht. Ich brauche mich und die Liebe zu mir, damit die Liebe im Außen sein kann. Das nenne ich Bedingungslos. Damit spanne ich dann wieder den Bogen zu meinem ersten Post. Ist Liebe nicht bedingungslos, sind es die Taten, die in ihrem Namen geschehen eben auch nicht.