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Gast

  • #1

Bin ich ein Stiefmonster? Wie geht es weiter?

Ich bin seit 3 Jahren verheiratet. Mein Mann lebt seither hier. Er zog für mich aus den USA in die CH.
Vor 2 Jahren kam sein damals 11jähriger Sohn nach, da er wegen vielen Problemen mit der leiblichen Mutter schon immer öfter beim Vater war. Das Sorgerecht hat jetzt mein Mann. 3 Monate. Nachdem mein Stiefsohn hierhin zog, bekam unser gemeinsamer Sohn zur Welt. Also war ich auf einmal Mama und Stiefmama eines Teenies. Überforderung ahoi. Mein Kleiner war ein pflegeleichtes Baby. Jedoch konnten mein Stiefsohn und ich nie eine Beziehung aufbauen. Und jetzt, 2 Jahre später ist es noch immer nicht besser. Er kann mich nicht leiden. Und ich ihn leider auch nicht. Er nervt mich nur. Ich habe so versucht ihn gern zu haben, aber ich schaffe es einfach nicht. Wir gehen uns ständig aus dem Weg.... Es macht mich fertig. Und meine Ehe auch! ich sehe keine Zukunft in dieser Konstellation... Es scheint alles an mir zu scheitern... Denkt ihr eine Therapie hilft? Ich kann ja auch schlecht erwarten dass sich mein Mann sich zwischen mir und unserem Kind oder seinem Sohn entscheiden muss. Obwohl ich denke, dass wir ohne den Grossen evtl. eine Chance hätten... Ich hoffe ihr könnt mir helfen... Ich bin am Ende... :(
 
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Gast

  • #2
Eine Patchworkfamilie ist immer schwierig, das kenne ich aus eigener Erfahrung. Wenn man dann noch ein kleines Baby zu versorgen hat, wird es für keinen einfacher. Es ist also kein Wunder, dass du dich am Ende fühlst!
Ich glaube, eine Therapie könnte bestimmt helfen. Falls die anderen mitmachen, eine Familientherapie, um die verschiedenen Standpunkte besser zu verstehen. Falls die Restfamilie nicht mitzieht, hilft eine Therapie für dich allein trotzdem, damit du selbst weißt, wie deine Prioriäten und Optionen sind.
 
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Gast

  • #3
Ich finde es immer wieder verwunderlich, wie schnell die Leute bei einer Therapie sind. Du schilderst hier zwischenmenschliche Probleme speziell zwischen dir und deinem Stiefsohn. Ich denke, dein Mann hat das auch mitbekommen.

An deiner Stelle würde ich folgendes machen:
Ihr setzt euch zu dritt zusammen und klärt diese Dinge. Das heißt nicht, dass ihr beiden euch dann in Zukunft heiß und innig lieben müsst, sondern wie ein gemeinsamer Umgang in Zukunft stattfinden kann, ohne dass ihr beiden euch ständig auf den Sack geht. In diesem Gespräch müssen alle drei involviert sein und es sollten ein paar feste Regeln eingeführt werden, woran sich jeder zu halten hat. Mache dir dafür ein paar Notizen, was in deinen Augen wichtig ist und sprich dies im Vorfeld mit deinem Mann durch. Eventuell hat er auch Vorschläge und damit könnt ihr bei dem Gespräch auftreten. Gestehe aber auch deinem Sohn Punkte zu, die ihm wichtig sind, damit ein gewisses Gleichgewicht besteht und er sich nicht in die Ecke gedrängt fühlt. Zeige ihm, obwohl Du ihn nicht magst, dass Du da bist, wenn er Probleme hat. Dränge dich nicht auf, sondern biete es ihm einfach an.

Der Stiefsohn ist 13 und wird in Zukunft immer selbstständiger werden. Das dauert noch ein paar Jahre, aber die Zeit geht zu deinen Gunsten. Du solltest aber auch ein bisschen Verständnis für ihn haben: Er ist sehr jung, Du bist nicht die Mutter und er ist in einem fremden Land mit fremder Sprache. Das ist alles andere als leicht für einen Jungen in diesem Alter.
 
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Gast

  • #4
Der Junge pupertiert und klar ist es in dieser Zeit schwierig. Dein Kind wird während der Pupertät auch nicht einfach werden. Das ist ganz normal und macht jeder durch. Nicht verzweifeln.
 
  • #5
Hallo, "Stiefmonster" mit glücklicherweise Fragezeichen ;)

Ich kann ja auch schlecht erwarten dass sich mein Mann sich zwischen mir und unserem Kind oder seinem Sohn entscheiden muss.

Es stimmt was #3 schreibt, Pubertät ist ein Grauen. Schubweise geht es mal besser und mal schlechter, daran kannst du rein gar nichts machen außer dich in das Thema einlesen und vor allem, immer wieder mit anderen in gleicher Situation austauschen, das nimmt sehr viel davon, Dinge überzubewerten und auf sich persönlich zu beziehen.

Es ist bestimmt nicht einfach, dass ihr gerade knapp vor oder in dieser Phase (des Jungen) zusammengekommen seid; so aber ist es nun einmal und für euch, um daran (zusammen) zu wachsen. In diesem Alter sind Jungs, wenn ich das mal so pauschal und dennoch mit Liebe sagen darf, "doof". Sie kennen sich selbst nicht, in ihrem Gehirn und auch sonst spielen die neuen Hormone Karussel, der Körper entwickelt sich irgendwie als hätte er mit dem Rest des Kindes rein gar nichts zu tun, sich in diesen einzufinden bei gleichjzeitig all dem Chaos im Kopf ist für einen Jungen bestimmt nicht einfach. Dazu ein Wechsel des Kontinents, des Umfeldes, eine neue Sprache ... wow. Sieh mal mit was der Junge alles klarkommen muss. Dann ist da eine "neue" Frau, ein neues Kind ... und und und, das ist wirklich nicht wenig. Und er ist ein Junge, kein Mädchen. Deren Andersartigkeit zu verstehen ist für eine Mutter, die selber nur als Mädchen die Pubertät erlebt hat (na, wie denn sonst), ein "Monster-Challenge" an Einfühlungsvermögen, Geduld und zu versuchen zu verstehen. Sie verstehen sich ja selbst nicht, sind zwischen allen Stühlen, ... ich könnte ewig weiter aufzählen.


Was ich wichtig finde ist hier absolut der Part vom Papa.

Nicht dass er sich zwischen irgend etwas entscheidet, ganz im Gegenteil, sondern dass er vorlebt, wie ein Mann mit so einer familiären Situation aber auch generell mit einer Konfliktsituation umgeht.

Nämlich feinfühlig und FÜR ALLE einen guten Weg zu finden, und wer auch immer mal es braucht, zu unterstützen, in den Arm zu nehmen oder aufzubauen (und er braucht das im Gegenzug sicher mal auch). Auch Jungs brauchen Zuwendung, Aufmunterung etc. .... in guter Weise, und dann wann sie es brauchen, auch wenn sie "fegen" und so tun, als wären sie die Meister themselves. Sie stehen und pendeln zwischen Kind- und Mannsein, das Ganze ist wirklich eine riesige Herausforderung für sie selbst (auch wenn sie das nicht wissen).

So wie eine Frau und Mutter auch Unterstützung braucht.

Das wird schon, auch wenn Zeiten und Phasen anstrengend sind ;). Ich wünsch euch alles Gute!
 
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Gast

  • #6
Ich bin seit über 3 Jahren wieder verheiratet. Er hat zwei Kinder aus erster Ehe, die oft bei uns sind.
Ich tue sehr viel für sie und es geht ihnen wirklich gut bei uns.
Jetzt, das 3. Weihnachten. Mein Mann bekommt liebevoll geschriebene Weihnachtskarten von seinen Kindern. Von mir ist da keine Rede. Ich glaube, dass mein Mann das nicht einmal bemerkt hat. Und wenn ich es ihm sage, dann gibt es garantiert Streit, denn auf seine Kinder lässt er nichts kommen. Mir tut das sehr weh und ich muss mir immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass es KINDER sind und sie durch die Trennung ihrer Eltern durch die Hölle gehen mussten.
Für mich ist der beste Weg, die Dinge so zu akzeptieren wie sie sind. Obwohl ich manchmal sehr schlecht über ihr Verhalten denke. Also arbeite ich daran. Zum Therapeut muss ich da nicht gleich hetzen.
Dir viel Glück und denke daran, dass der Junge auch unglücklich ist. Es liegt bei Dir.
w/46
 
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Gast

  • #7
@3 'b' - Pubertät .... und nein, dass ist noch nicht die Pubertät.

Der Junge hat seine Mutter nicht mehr bei sich, eine neue Frau hat den Platz an der Seite des Vaters UND nicht nur die neue Frau ist an Vaters Seite, sondern auch (s)ein Baby.

Dazu kommen natürlich: fremdes Land/fremde Gepflogenheiten/fremde Sprache.
Ein bischen sehr viel auf einmal. FS, stelle Dir vor Dein Kind, dass Du von Herzen liebst, wäre in so einer Situation ...
Liebe kann man nicht erzwingen, Verständnis sollte dafür möglich sein, dass hier ein junger Mensch Hilfe braucht.

Natürlich könnt Ihr es mit Gesprächen zu Hause probieren. Ich würde den Gedanken an eine Therapie dennoch nicht verwerfen, in der Ihr alle drei lernt, einander besser zu verstehen und miteinander auszukommen.

Viel Glück für Euch!
 
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Gast

  • #8
Dein Mann hat hier eine wichtige Rolle zu spielen! Wenn er als erfolgreicher Vermittler zwischen seinem Sohn und dir auftreten würde, ginge es dir bestimmt besser. Er kann und muss (finde ich) seinem 13jährigen Sohn klar sagen, dass er erwartet, dass er dich als seine neue Partnerin akzeptiert. Wie sich das Zusammenleben dann genau gestaltet, könnt ihr gemeinsam besprechen. Insgesamt finde ich die Idee einer Therapie sehr gut, am besten mit allen zusammen, da widerspreche ich auch anderen Antworten. Ich denke, eine Therapie kann sehr viel helfen, je früher, desto besser, wenn man gleich damit beginnt, ist es viel erfolgversprechender als wenn man damit wartet, bis die Situation total verfahren ist. Zum Arzt geht man doch auch, wenn man Beschwerden hat, und nicht erst, wenn diese schon monatelang anhalten. Ich finde es schade, dass eine Therapie immer noch so sehr tabuisiert ist. Wer in Therapie geht, will sich öffnen, sich etwas bewusst machen und was verändern und das kann doch nur gut sein, oder?
 
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Gast

  • #9
Danke an die vorherige Nachricht:

Schließe mich nur ganz kurz an und oute mich hier mal als Psychologin ;-)

JA eine Therapie klingt sehr sehr gut, wie schon genannt eine Familientherapie wäre das Beste, denn es sind immer systemische Probleme und dann auch noch ungünstige äußere Umstände und eine Therapie ist nicht nur für Personen, die nicht mit dem Leben zurechtkommen, krank sind etc...
In jeder Lebenskrise kann eine Therapie helfen - und zu der Anmerkung oben, "wie schnell denn manche bei einer Therapie sind" ... ich wundere mich immer wieder, wie lange viele warten und sich Hilfe eher bei sehr unprofessionellen Leuten holen, wie Wahrsagern oder solchen Foren (nicht dass solche Foren nicht ihre Berechtigung hätten, sonst schriebe ich jetzt nicht hier - aber sie sind halt nur ein Meinungsaustausch).

Ja und wie schon erwähnt, wenn du einen grippalen Infekt hast, gehst du ja auch zum Arzt und wartest nicht, bis du todkrank bist.

und auch so "harmlose" Fragen wie Pubertät können dir die Fachleute normal gut erklären. Ich selbst mache als Psychologin immer wieder die Erfahrung, wie gut es Menschen tut, wenn sie durch ein niederschwelliges Angebot mit mir über "Problemchen" reden können, mit denen sie normal nie von sich aus zu einem Therapeuten gegangen wären - aber die professionelle Sichtweise hilft ihnen dann meistens auch in den kleinen Fragen des Lebens.

Auf jeden Fall wünsche ich dir und deiner Familie mal ganz viel Energie, gegenseitiges Verständnis und dass ihr das zusammen meistert - wer weiß, am Ende könnte das doch in einem super zusammengeschweißten Team enden, das nicht mehr auseinander zu bekommen ist, weil es schon einiges zusammen druchgestanden hat. In diesem Sinne: Durchhalten :)

alles Liebe
 
  • #10
@3 'b' - Pubertät .... und nein, dass ist noch nicht die Pubertät.


O doch! Heute beginnen die ersten Zeichen der Pubertät bei Jungs bereits mit 9 (!) Jahren.

Das bedeutet, die FS musste die Rolle der Mutter einnehmen, in der allerschwierigsten Entwicklungsphase eines Kindes. Selbst leibliche Eltern drehen da fast durch und zweifeln an ihrer elterlichen Kompetenz.

Dazu kommen, in diesem Fall, die weiteren, für den Jungen belastenden Umstände dazu, welche die Situation geradezu eskalieren lassen.

@ an die FS:
Leibliche Eltern sind, in dieser Phase der Erziehung etwas besser dran, sie wissen, da muss man "durch", irgendwann ist der Spuk auch wieder vorbei. (Selbst so erlebt!).
Für dich stellt sich eben zusätzlich die Frage, ob du die Kraft hast, diese Strapazen für das (immer noch) fremde Kind auf dich nehmen, und ob die Liebe zu deinem Mann so groß ist, dass du das überhaupt willst.

Falls Letzteres der Fall ist, würde auch ich vorschlagen, dir professionellen Rat einzuholen. Ob eine Therapie nötig ist, kann ich nicht beurteilen, ich glaube eher nicht.
Vielleicht gibt es hier, im Forum, Jemanden der weiß, wohin du dich im ersten Schritt wenden kannst.
 
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Gast

  • #11
Danke euch allen für sie hilfreichen Antworten. Ich denke die Therapie werden wir versuchen!
Ich werde wohl an meinen Nerven arbeiten müssen... Liegt wohl viel an mir so wies aussieht... Es wäre ja viel zu schade einfach alles hinzuschmeissen...
 
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Gast

  • #12
Ich grüße Dich, ich bin wohl auch ein Stiefmonster (?)
Meine beiden Stiefkinder w(18) und m (16) sind unterschiedlich wie Tag und Nacht. Während das Mädel offen und recht umgänglich ist, zu hause auch viel mit hilft und gerne auch mal zum Quatschen kommt ist der Junge total introvertiert und kommt eigentlich nur, wenn er was für sich selbst will. Ich hab mir jahrelang wirklich Mühe gegeben, mit ihm klar zu kommen, oberflächlich funktioniert das auch, aber es gibt eben auch die regelrechten Nerv-Zeiten. Er ist faul, tut nichts ohne ausdrückliche Ansage und verzieht sich das ganze Wochenende mit seiner Freundin im Zimmer. Reden von sich aus? Nur das allernotwendigste... Ich hab mir jahrelang so viel Gedanken darum gemacht, mich um ein gutes Verhältnis bemüht (mit dem Mädel geht es ja auch bestens) aber deutlich besser geht es mir erst, seit ich ihn genau so behandle, wie er mich. Ich konnte irgendwann einfach nicht mehr anders. Das ist zwar manchmal für mich im Alltag noch gewöhnungsbedürftig, aber ich muß mich nicht mehr verbiegen bis zum Anschlag, um ihm gerecht zu werden. Mein Freund ist immer für beide Kinder da, na klar, er steht auch zwischen Baum und Borke. Er muß ja auch noch die Mutter kompensieren, die sich seit 2006 nur extrem selten gemeldet hat, seit 2009 gar nicht mehr. Beide Kinder reden zwar nie von ihr, aber was da in deren Köpfen vorgeht, weiß man ja nicht. Für beide Kinder bin ich die Mutti (Sprüche wie: Du bist nicht unsere/meine Mutter, habe ich nie zu hören gekriegt. Aber bei dem Jungen hab ich immer! den Eindruck gehabt, ich könnte auch nicht da sein, das würde ihn null anheben. Ich mache echt 3 Kreuze, wenn diese schei... Pubertät mal vorbei ist.
 
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