• #1

Annäherungsversuche machen mich nervös

Hallo,
ich (w, 29) bin seit einigen Jahren Single. Auf der einen Seite wünsche ich mir schon eine Beziehung. Auf der anderen Seite fühle ich mich allein auch sehr wohl. Ab und zu lerne ich auch mal Männer kennen, aber jetzt kommt das Komische: ich habe zunehmend das Gefühl, dass es mir unangenehm wird, wenn sie Kontakt suchen. Wenn einer nicht mein Typ ist, klar dann fühlt man sich unwohl wenn er zu nah kommt. Aber selbst wenn ich einen eigentlich ganz nett und attraktiv finde, ist es für mich unangenehm wenn er sich meldet, mich aus fragt usw. Ich verstehe es selbst nicht. Irgendwie fühle ich mich immer wohler wenn ich das ganze "in der Hand habe" und mir keiner "nach läuft". Geht es jemandem ähnlich? Habt ihr Tipps? LG
 
  • #2
Diese totale Kontrolle wirst du aufgeben müssen, wenn du wirklich eine Beziehung willst. Allerdings glaube ich, daß du da sehr ambivalent bist. Wenn es ein Kindheitstrauma gibt, dann gilt es das aufzuarbeiten. Wenn nicht, dann willst du eben keine Beziehung. Ist nicht für jeden! Es wird auch langsam Zeit, daß es gesellschaftlich akzeptabel wird, keine zu wollen!
 
  • #3
Ich habe einen Tip: unbedingt alleine bleiben! Wenn Menschen wie du an Beziehungsversuche herangehen, dann bleibt bei allen Beteiligten nur emotional verbrannte Erde übrig.
 
  • #4
Liebe FS,
Tipps habe ich leider keine für dich und bin selbst gespannt, ob du vernünftige Ratschläge bekommst. Ich erkenne mich aber in deinen Zeilen wieder. Es ist so, dass ich es immer sehr schade finde, wenn Frauen sich so einfach an einen Mann geben, der sich gar nicht wirklich viel Mühe mit ihnen macht. Vielleicht liegt es an meiner Erziehung, aber ich dachte mir immer, dass jede Frau es wert sein sollte, dass man sich um sie wenigstens ein bisschen bemüht. Das ist zugegeben etwas, das ich an deutschen Männern ein wenig vermisse und ich weiß, dass auch deutsche Frauen im Ausland nicht selten den Ruf haben, viel zu leicht zu haben zu sein.

Für mich ist es immer ein schwieriger Balanceakt, wenn ich mit einem Mann die ersten Male zusammen bin. Einerseits möchte ich natürlich nicht völlig kalt und abweisend wirken und natürlih weiß ich, dass ich auch etwas bieten muss, damit sich die Mühe um mich auch lohnt. Andererseits ist mein Verhalten sicher auch eine Art Selbstschutz. Gerade wenn mich ein Mann interessiert, mir durch Nähe Hoffnung macht und sich sein Interesse dann leider dennoch als kurzlebig herausstellt, kaue ich daran länger als mir lieb ist.
 
G

Gast

Gast
  • #5
Mir ging es auch immer so, dass ich vor meinen eigenen Emotionen gern weglief. Dann ist mir mal aufgefallen, dass das eigentlich nur meine eigene Unfähigkeit zur Abgrenzung ist und die Angst, jemanden zu enttäuschen, wenn ich meine eigenen Bedürfnisse leben möchte. Ich habe immer noch Angst, dass derjenige sich dann abwendet.

Das ist was, an dem man arbeiten muss. Kannst auch gucken, ob ein Elternteil sich so verhielt, dass Du immer hinterherrennen musstest, damit Frieden im Haus ist oder Du nicht emotional vernachlässigt wirst. Dessen Verhalten ist schuld daran, dass man immer meint, eigene emotionale Bedürfnisse sind unwichtig und wer Liebe will, hat die gefälligst denen des anderen unterzuordnen.

Das ganze läuft vielleicht auch unter Beziehungsvermeidung. Ich denke, die Männer, auf die Du stehst und um die Du Dich bemühst, wollen Dich meist nicht.

Oder Du denkst, ich würde nie einem Club beitreten, der mich als Mitglied akzeptiert. Sobald sich einer für Dich interessiert, ist er uninteressant, weil Du Dich nicht anstrengen musst. So klappt das aber nicht, weil man dann einen Partner kriegt, der gar nicht richtig will und dem Du immer hinterherrennen musst.

Wenn jemand Dich mag, will er das auch auf normalem Wege zeigen. Man versaut sich einiges, wenn man das abblockt.
Ich rede hier aber nicht von klammerigen Menschen, die nur die Verbindung "im Sack" haben wollen und deswegen bedrängend werden.
 
G

Gast

Gast
  • #6
Das sind einfach die falschen Männer. Nicht jeder Mann fragt dich aus, nicht jeder Mann kommt dir ungefragt näher!

Mein Tip ist: gehe du auf die Männer zu, da diese mehr überrascht sind, wenn sie unverhofft angesprochen werden, und sich dann höflicher zurücknehmen und erstmal schauen. Im Gegensatz zu Männern, die dich ansprechen, weil sie schon vor der Entfernung lange Zeit geil auf dich sind und kaum mehr zurücknehmen können.

Mir ging es auch jahrelang wie dir. Ich habe dann dieses Jahr jemanden kennengelernt, der genauso wie ich ein normales Maß an Distanz schätzt, man sich nicht auf der Pelle hockt und es gibt auch keine dämliche Ausfragerei. Wenn jemand von uns beiden was zu sagen hat, sagt er es, ohne Forderungen oder Wünsche zu stellen. Das ist auch selten.
 
  • #7
Ich danke euch schon einmal für eure Meinungen. LuckyBastard #2, dein Ratschlag macht mich ehrlich gesagt eher traurig als dass er hilft, aber ich kann dir versichern dass ich niemanden verletzen möchte, selbst auch schon verletzt wurde und gerade deshalb was andern möchte. Vielleicht ist dir das aber auch passiert und du reagierst deshalb so.

Die anderen: Ja da sehe ich viel von mir in euren Einschätzungen! Das Kindheitsproblem mit einem wütenden, abweisenden Papa gab es leider definitiv. Aber ich habe trotzdem schon (leider schon Jahre her) mal eine ganz tolle, lange und vertrauensvolle Beziehung geführt. Je mehr Singlezeit danach verging, desto ängstlicher wurde ich aber auch irgendwie, und ja es stimmt, ich hab mich auch schon oft in die "Unerreichbaren" verguckt. Manchmal denk ich auch dass diese Abgrenzung das Problem sein könnte: Da ich schlecht darin bin, Leute "loszuwerden" wenn sie sich schlecht benehmen oder sich keine Liebe einstellt, lasse ich sie lieber gleich gar nicht nah ran!
Aber mal ganz praktisch gesehen, was kann ich tun? Die bei denen ich mir immer denke dass eh alles nicht passt doch eine Chance geben, treffen und kennenlernen, notfalls gegen das eigene Bauchgefühl?
 
G

Gast

Gast
  • #8
Mir geht es genauso! Bin übrigens im gleichen Alter und hatte wegen dieses Problems noch nie eine feste Beziehung.

Wie #4 denke ich, dass dahinter ein Abgrenzungs-Problem steckt. Ich zumindest habe enorme Schwierigkeiten, "Nein" zu sagen/Kritik zu üben. Mit dieser Unfähigkeit, für meine Bedürfnisse einzustehen, würde ich natürlich untergehen in einer Beziehung. Ich wäre nur damit beschäftigt, dem Anderen alles Recht zu machen, würde permanent über meine Grenzen gehen.

Deshalb blocke ich lieber gleich ab. Bei mir entsteht sofort ein Gefühl von Beklemmung, wenn ein Mann sich bei mir meldet. Ich erstarre oft regelrecht, wenn mein Handy klingelt...

Ich denke, da kommt man nur raus, indem man sich konsequent darin übt, für die eigenen Bedürfnisse einzustehen. D.h., auch mal "Nein" zu sagen; Dinge anzusprechen, die einen stören. Das fällt mir wahnsinnig schwer! V.a., bei Menschen, die ich mag.....Ich schaffe noch immer nur winzige Schritte. Aber ich denke, das ist der einzige Weg, aus der übertriebenen Abwehrhaltung rauszukommen. Nur wer seine Grenzen effektiv verteidigen kann, der kann auch Menschen näher an sich ranlassen.

Allerdings denke ich, dass das Problem auch bei der "Gegenseite" liegt. M.m.n. zeigen Viele bei der Beziehungsanbahnung ein ziemlich distanzloses Verhalten und überfahren ihr Gegenüber. Das ist m.M.n. ebenso ungesund. Solche Menschen sind in emotionaler Hinsicht sehr bedürftig, fixieren sich schnell auf potenzielle Partner und brauchen von diesen dann permanent Bestätigung. Ich glaube fast, mit einem Abgrenzungsproblem wirkt man gerade auf solche Menschen anziehend ... schließlich ist man darauf geeicht, zu geben.

Deswegen denke ich, dass das ungute Bauchgefühl in vielen Fällen berechtigt ist. Dann nämlich, wenn man mal wieder an einen solchen, in ungesundem Ausmaß emotional bedürftigen, Kandidaten geraten ist. Bei so manchem Mann war ich später froh, es durch meine abweisende Art "vermasselt" zu haben ... als ich nämlich mitbekam, wie er in späteren Beziehungen stalkingähnliche Verhaltensweisen und krankhafte Eifersucht an den Tag legte. Mir kam damals mein ungutes Bauchgefühl übertrieben vor, aber so ganz unbegründet war es wohl doch nicht.

Ich denke, dass diese Vorsicht Segen und Fluch zugleich ist. Sie blockiert, bewahrt einen aber auch vor schlimmen Erfahrungen. Man hat sehr feine Antennen für Verhaltensweisen, die in einer Beziehung schwierig werden könnten.
 
  • #9
Wenn Du es selber nicht verstehst, kann Dir wohl niemand anders sagen, woran es wirklich liegt.
Deshalb kann ich nur spekulieren: Ich würde mal sagen, dass Du einfach niemanden begegnet bist, der dich wirklich überzeugt hat. Denn sonst hättest seine Nähe zugelassen.
 
  • #10
Also den "Richtigen" wirst Du damit nicht abschrecken, also bleibe bei Deiner Zurückhaltung.

Wenn die Mehrzahl der Männer davon ausgeht, dass alle Frauen nach anfänglichen Dates ihnen gleich in die Arme sinken und auch so verwöhnt sind, wirst Du ohnehin nicht ihr Fall sein.

Ein weitblickender und ernsthaft interessierter Mann weiß das Frauen mehr Zeit brauchen, sei es durch schlechte Erfahrung, durch Skepsis oder Vorsicht, diese Männer wollen es ebenfalls langsam angehen lassen.

Mach Dich nicht verrückt, was Du brauchst ist ein Mann, der ähnlich tickt und sich langsam vortastet, Du wirst sehen, dann wirst auch Du von Dir aus aktiver.
 
  • #11
Ich danke euch schon einmal für eure Meinungen. LuckyBastard #2, dein Ratschlag macht mich ehrlich gesagt eher traurig als dass er hilft, aber ich kann dir versichern dass ich niemanden verletzen möchte, selbst auch schon verletzt wurde und gerade deshalb was andern möchte. Vielleicht ist dir das aber auch passiert und du reagierst deshalb so.

Die anderen: Ja da sehe ich viel von mir in euren Einschätzungen! Das Kindheitsproblem mit einem wütenden, abweisenden Papa gab es leider definitiv. Aber ich habe trotzdem schon (leider schon Jahre her) mal eine ganz tolle, lange und vertrauensvolle Beziehung geführt. Je mehr Singlezeit danach verging, desto ängstlicher wurde ich aber auch irgendwie, und ja es stimmt, ich hab mich auch schon oft in die "Unerreichbaren" verguckt. Manchmal denk ich auch dass diese Abgrenzung das Problem sein könnte: Da ich schlecht darin bin, Leute "loszuwerden" wenn sie sich schlecht benehmen oder sich keine Liebe einstellt, lasse ich sie lieber gleich gar nicht nah ran!
Aber mal ganz praktisch gesehen, was kann ich tun? Die bei denen ich mir immer denke dass eh alles nicht passt doch eine Chance geben, treffen und kennenlernen, notfalls gegen das eigene Bauchgefühl?
NIEMALS etwas gegen das eigene Bauchgefühl machen. Du mußt erst deine Identität entdecken und stärken, deinem Bauchgefühl immer und überall vertrauen, keinesfalls umgekehrt!
 
G

Gast

Gast
  • #12
Manchmal denk ich auch dass diese Abgrenzung das Problem sein könnte: Da ich schlecht darin bin, Leute "loszuwerden" wenn sie sich schlecht benehmen oder sich keine Liebe einstellt, lasse ich sie lieber gleich gar nicht nah ran!
Ich denke, hier liegt die Wurzel des Problems, weil Du ja vorher gar nicht abschätzen kannst, ob die Beziehung schlecht wird.

Vermutlich liegt es daran, dass man schlechte Situationen in der Kindheit erdulden musste. Vielleicht hat man die Mutter dabei gesehen, wie sie unglücklich Situationen erduldete. Damit bekam man nicht fürs Leben gegeben, dass man sich aus einer schlechten Beziehung befreien kann, dass man sein Leben verändern und solchen Situationen eine positive Wendung durch Trennung geben kann.
(deswegen finde ich es auch immer so unheimlich fatal, wenn Paare, die offensichtlich nicht zusammenpassen, wegen der Kinder doch zusammenbleiben. Das ist das grundverkehrte Vorleben und wird den Kindern in ihrem Leben später große Schwierigkeiten machen.)

Wenn Du Deinen Vater so erlebt hast, hat Dich das geprägt. Wenn Deine Mutter nicht gegangen ist und Dich nicht beschützen konnte, hast Du gelernt, dass solche Situationen auszuhalten sind und es keine Lösung gibt. Das ist der Punkt, weshalb man meint, in der Falle zu sitzen, wenn man sich falsch entschieden hat, und deswegen vermeidet man es gleich.

Du hattest ja schon eine Beziehung, die Du als liebevoll bezeichnest. Eigentlich müsste doch da das Vertrauen gegenüber Männern entstanden sein, dass Dir Dein Vater in der Kindheit kaputt gemaccht hat?
Wenn man so aussieht, als würde man nicht "nein" sagen können, zieht man leider Leute an, die automatisch immer mehr über diese Grenze treten. Außerdem verwirrt man auch die, die sowas normalerweise gar nicht wollen, denn sie werden denken, sie müssten immer mehr machen, um die Zögerlichkeit von Dir zu überwinden. Viele verstehen auch kein "nein", das hatte ich auch. Den hat gar nicht interessiert, dass ich "nein" gesagt hatte, denn ich bin ja eine Frau, also ein willenloses Wesen.

# 4
 
  • #13
Um mal zur allgemeinen Erheiterung beizutragen: Jetzt hat mal einer den Spieß umgedreht... Er hatte sich nach dem ersten kurzen Kennenlernen gemeldet, mir ging wieder alles viel zu schnell und war es viel zu oft, also hab ich ihn auf Abstand gehalten bis er aufgegeben hat. Ich fühlte mich wie so oft mies und gemein aber wusste mir nicht zu helfen. Kaum waren ein paar Wochen Funkstille (er hat auf meine Absage freundlich und knapp reagiert und dann war Ruhe), passierte etwas für mich komplett neues, ich dachte plötzlich immer mehr an ihn und über ihn nach und ob meine Ablehnung nicht vorschnell war... Eigentlich ist er auch schon ein Typ der mir gefällt aber es war einfach zu viel.
So und nun bin ich schön am Arsch, denn ein vorsichtiges Antasten (na wie geht es so, blabla) wurde nach 2-tägiger Wartezeit freundlich, aber schön kalt und unverbindlich beantwortet und aus gehungert... Autsch.
Ich hoffe ich lerne da jetzt mal draus...:-(
 
Top